Review: PASSION – Brian De Palma und die Lustlosigkeit des Seins



Fakten:
Passion
USA, BRD, Frankreich. 2012. Regie: Brian DePalma. Buch: Brian DePalma, Natalie Carter, Alain Corneau (Vorlage). Mit: Rachel McAdams, Noomi Rapace, Karoline Herfurth, Rainer Brock, Benjamin Sadler, Paul Anderson,
Dominic Raacke, Katrin Pollitt, Peer Martiny, Max Urlacher, Ian T. Dickinson, Michael Rotschopf, Frank Witter, Melissa Holroyd, Gernot Alwin Kunert, Patrick Heyn, Jörg Pintsch, Leila Rozario, Ibrahim Öykü Önal, Trystan W. Putter, Polina Semionova u.a.  Länge: 98 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die gehemmte Isabelle gerät unter den Einfluss der vornehmen Christine. Ihr hörig gelingt es Christine spielend Isabelle immer mehr zu manipulieren und für ihre teils kriminellen Zwecke auszunutzen. Als würde Isabelle nicht schon genug Schwierigkeiten haben, beginnt sie außerdem noch eine Affäre mit dem Liebhaber von Christine. Dies hat schreckliche Konsequenzen.




Meinung:
Es ist ein schrecklich unangenehmes Stechen in der Brust, ein Gefühl der schleichenden Resignation, wenn endgültig deutlich wird, dass ein einstig renommierter Künstler nun zum willenlosen Sklaven seiner eigenen Lebensmüdigkeit geworden ist. Und nun ist auch im Falle Brian De Palma die Altersmilde endgültig Gewissheit geworden, obgleich die Karriere De Palmas schon Ende der 1990er Jahre immer offensichtlicher dem Abwärtstrend wie ein treudoofer Dackel hinterherjagte. Nachdem sich der ehemalige Virtuose schon mit „Femme Fatale“ und „Black Dahlia“ schrecklich verhoben hatte; um sich dann mit seiner Pseudo-Irak-Doku „Redacted“ doch wieder etwas Rückenwind zu verschaffen, stand „Passion“ nun quasi endgültig für die zukünftige Richtung De Palmas und sollte entscheiden, ob der Film als beflügelnde Exhumation zu deuten ist, oder doch eher zur sleazigen Grabschändung verkommen musste.

 
"Nee, ich riech' den Döner von gestern nicht mehr."
Um keinen Hehl um die wahre Qualität von De Palmas neustem Streich zu machen: Sein „Passion“ ist das Ergebnis seniler Bettflucht und hat rein gar nichts mehr mit dem zu tun, für dass der US-Amerikaner zu seiner Hochzeit bekannt war. Es ist bereits ein denkbar undankbarer, aber wohl auch symptomatischer Schritt, dass sich De Palma an einem Remake vergreift und seine eigene Interpretation von Alain Corneaus noch jungem „Liebe und Intrigen“ auf das Publikum aus aller Welt jagt. Angesiedelt im sterilen Berlin, gibt sich De Palma aber nicht mehr seinem unverkennbaren Stil geschlagen; vielmehr zeigt er ein befremdlichen Desinteresse an stilvollen Kompositionen und sucht in biederen Kameraschwenks die denkbar langweiligste und fahlste Einstellungen, ohne jeden assoziativen Mehrwert vermengt. Anders als De Palmas großes Vorbild Alfred Hitchcock, den er auch in seiner Vita abermals gekonnt zitierte, verwandelt er die Kamera nicht zum dirigierenden Taktstock, sondern nur noch zur matten Standarte.

 
Vergiss es Rachel, wir erkennen dich trotzdem
De Palma also distanziert sich ein stückweit davon, Alfred Hitchcock in formalen Ansätzen hinterherzueifern, wenngleich sich leichte Referenzen nie gänzlich verhindern lassen; für ihn scheint es in „Passion“ angesagter, die eigenen Versatzstücke seiner Vita aufzuarbeiten und in einem Potpourri aus künstlerischem Desinteresse an der eigenen Ästhetik und der starrköpfigen Lieblosigkeit für das Medium zu ersaufen. Die Geschichte von „Passion“ wäre wie gemacht für einen De Palma in Topform, wenngleich sich auch die Synopsis wie ein Best-Of seiner populärsten Werke liest. Es geht um berufliche Konflikte in den durch Kapitalismus geprägten Gefilden, Konflikte, die schlagartig in gegenseitigen Terror ausarten und dann in eine Bewusstseinsebene driften, in der der Zuschauer nicht mehr zwischen der geerdeten Realität und den gerne mit metaphorischer Symbolik ausgekleideten Illusionen differenzieren kann.


Die psychosexuelle Identitätssuche in „Passion“ kurbelt De Palma aber so erschreckend verklemmt runter und verliert sich in der lustlosen Rekonstruktion seiner Selbst immer vehementer auf den Augen. Wenn er versucht, die eiskalte Aura der dominanten Femme Fatale (Furchtbar überfordert: Rachel McAdams) in den Kontrast des Machtkampfs mit der recht naiven Isabelle (Furchtbar unterfordert: Naoomi Rapace) zu stellen, dann wird die fehlende Originalität und die reizlose Gezwungenheit des ganzen Konzepts überdeutlich. „Passion“ will triebhaftes Verlangen verdeutlichen, weiß aber nie einen Hauch von Prickeln zu fabrizieren, genau wie er die innerseelische Ambivalenz vollkommen dilettantisch in einförmige, seichte Bahnen steuert. Wenn der Abspann einsetzt, dann sind die vorherigen gut 100 Minuten bereits schon wieder vergessen, so gleichgültig gießt De Palma das Geschehen in Form. Ein Trauerspiel.

 
3 von 10 Bettgesellen mit Masken


von souli

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