Review: SYMPATHY FOR MR. VENGEANCE - Aus Zynismus wird Wahrheit

                                                                             
Fakten:
Sympathy for Mr. Vengeance (Boksuneun naui geot)
SK, 2002. Regie: Park Chan-wook. Buch: Lee Jae-sun, Lee Jong-yong, Lee Mu-yeong, Park Chan-wook. Mit: Song Kang-ho, Shin Ha-kyun, Doona Bae, Lim Ji-eun, Han Bo-bae, Kim Se-dong, Lee Dae-yeon u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich. 

 
Story:
Der taubstumme Ryu sucht eine Niere für seine kranke Schwester. Da ihre Blutgruppen nicht übereinstimmen, muss er andere Wege gehen. Illegale Organhändler fordern eine seiner Nieren inklusive 10.000.000 Won für das passenden Organ. Natürlich wird er beschissen und am Ende sieht er nur noch eine Möglichkeit: Die Entführung eines kleinen Mädchens um das nötige Kleingeld für die nun doch bevorstehende Transplantation aufzubringen. Keine gute Idee, denn nun beginnt ein Kreislauf, der nicht mehr aufzuhalten ist.
  
                                                                               



Meinung:
Der Auftakt zu Park Chan-wook's Rachetrilogie trifft schwer in die Nieren und führt zu emotionalen Dialyse. Weitaus weniger zugänglich als die Folgefilme "Oldboy" und "Lady Vengeance" startet "Sympathy for Mr. Vengeance", um dann ähnlich ver- und zerstört zurückzulassen. Rache und Vergeltung, zelebriert als ein Kreislauf aus Verzweiflung, Mittel zum Zweck, dessen Folgen und der unweigerlichen Konsequenz. Brutal, ehrlich, schmerzhaft und enorm wuchtig. Das am besten kalt servierte Gericht wird nachvollziehbar, nicht etwa als selbstherrlicher Reißer, sondern für alle Seiten als die einzig wahre Lösung verkauft. Schmerzhaft, wie merkwürdig "richtig", wie beeindruckend.

 
Der Anfang vom Ende...
Die Sympathien sind anfangs klar verteilt, auf den schwer-arbeitenden Taubstummen mit der erkrankten Schwester, der alle Mittel in Bewegung setzt, um ein glückliches Ende zu finden. Ihm werden reichlich Steine in den Weg gelegt, schlussendlich bleibt nur noch der letzte Strohhalm, theoretisch gut durchgeplant und ohne echte Opfer. Tja, wie das Leben so spielt, eine Spirale aus Zufall, Schicksal, Fehlern und logischer Konsequenz führt zu einer Kettenreaktion. Die vollzieht sich so brillant und erdrückend wie der Rollen- bzw. Sympathiewechsel, der vom Titel angekündigte Mr. Vengeance wechselt hin und her, die Sympathien sind gleich verteilt und dennoch mit Fragezeichen versehen. Aus einer relativ einfachen Konstellation entwickelt sich eine Parabel über Rache, Schmerz und Gerechtigkeit, die keine Sieger sondern nur Opfer zurücklässt.



...und dessen Folgen.
Für den Einstieg etwas schwer verdaulich, dabei wunderbar gekonnt eröffnet Park seinen Film mit der Tragödie eines liebenswerten Arbeiter, taubstumm geboren und um das Wohl seiner Schwester besorgt, die dringend eine Nierentransplantation braucht. Er geht jeden möglichen Weg, am Ende ist er der Übeltäter, das Ziel verständlicher Vergeltung, dabei genug Hass im Herzen, um Genugtuung zu verüben. "Sympathy for Mr.Vengeance" bezieht sich vom Titel her nicht auf eine gewisse Person, der "Mr. Vengeance" ist eine übertragbare Figur. Rache, Vergeltung, nicht mögliche Widergutmachung ist in Parks tief-tragischem Werk mehr als allgegenwärtig. Eines ergibt das Andere, Vergeltung als Zyklus aus Ursache und Folgen, jeder hat auf seine Art Recht und Sympathien auf seiner Seite. Damit wechselt Park enorm geschickt um am Ende die endgültige Frage zu stellen: Was bringt das alles? Der Titel klingt erst wie reiner Zynismus und entpuppt sich als tragische Wahrheit. 

 
"Sympathy for Mr. Vengeance" ist ein Auftakt nach Maß, kaum schwächer als das weniger verschachtelte, gefeierte Mittelstück "Oldboy" und ein beeindruckender Arthouse-Revenge-Thriller, der für Kunstliebhaber wie Freunde des radikalen Auge-um-Auge-Kinos einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Schmerzhaft, deprimierend, wunderbar.

 
8 von 10 Folgeerscheinungen.

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