Review: TREMORS - IM LAND DER RAKETENWÜRMER – Die überdimensionale Gefahr aus dem Erdreich



Fakten:
Tremors – Im Land der Raketenwürmer (Tremors)
USA. 1990. Regie: Ron Underwood. Buch: Ron Underwood, Brent Maddock, S.S. Wilson. Mit: Kevin Bacon, Fred Ward, Ariana Richard, Michael Gross, Victor Wong, Reba McEntire, Charlotte Stewart, Richard Marcus, Finn Carter u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf Blu-ray und DVD erhältlich.


Story:
Obwohl das staubige Nest in der Wüste Nevadas auf den Namen Perfection hört, ist die Lage für die recht geringe Bevölkerung alles andere als perfekt. Nachdem der Boden zum ersten Mal zu starken Erschütterungen neigte, gingen die ersten Behauptungen in Richtung eines Erdbebens, doch falsch gedacht: Unter dem Wüstenkaff lauert ein gehöriges Nest prähistorischer Raketenwürmer, die sich rasend schnell durch den trockenen Boden graben und nur darauf warten die Bewohner in ihr unterirdisches Nest zu zerren. Die Bewohner Perfections sagen den stinkigen Würmern
jedoch den Kampf an…






Meinung:
Auch wenn es oft paradox erscheint und die strikte Humorlosigkeit des Feuilleton im Umgang mit kinematographischen Unsinn ein Teil der forcierten Autorität sein mag: Kritiker sind, genau wie jeder anderer Geek, nicht jeder Art von oberflächlichem Quatsch gänzlich abgeneigt.  Nur wie muss ein solcher Film aufgezogen sein, damit er auch in professionellen wie prädestinierten Fachkreisen auf positive Resonanzen stoßen darf? Es handelt sich dann wohl um ein Werk, dass sich zwar mit einer reichlich bescheuerten Story schmückt, sich darüber hinaus ihrer eigentlichen Banalität aber vollkommen im Klaren ist und den aufgesetzten Trash-Rahmen so leise untergräbt, ohne intelligenter zu sein als es das Konzept schlussendlich zulassen würden – Der Metaradar darf Schweigen bewahren. Ein Musterbeispiel dafür ist Ron Underwoods B-Movie-Kult „Im Land der Raketenwürmer“ aus dem Jahre 1990. Ein wunderbarer Beweis mit resolutem Widerhall dafür, dass es eben nicht immer das bedrückende Format eines Michael Haneke („Das Weisse Band“) sein muss.


Ob das Arsenal reichen wird? 
Wer die Vermutung aufstellt, „Im Land der Raketenwürmer“ würde über eine ausgereifte Dramaturgie mit versierten Charakteren verfügen, der wird nach Ablauf der 90 Minuten Spielfilmdauer zwar eines Besseren belehrt worden sein, die Stigmatisierung, dass Ron Underwood einen vollends dummen Streifen abgeliefert hat, ist an dieser Stelle aber ebenso ungerechtfertigt. Es ist eben ein eklatanter Unterschied, ob sich ein Film als eigenständiges Machwerk in grenzenloser wie unfreiwilliger Blödheit vergräbt oder ob er sich nur vordergründig einem – zugegeben – recht transparenten Duktus anschließt, der aber vielmehr einem ganz anderen Zweck dienlich ist: Nämlich der tributzollenden Hommage. Und für einen standesgemäßen Kniefall sollte man sich nicht nur gewisse Genre-Filme zu Gemüte geführt haben, man sollte sie auch mit dem eigenen Herzblut in Verbindung bringen können, um  sich in die intentionale Ausarbeitung hineinversetzen zu können. Auch unter diesem Aspekt geht die kreativ kalkulierte Rechnung in „Im Land der Raketenwürmer“ über die gesamte Laufzeit vollends auf.


Unerwünschter Besuch taucht auf
Es fängt wie immer bei der allgemeinen Charakterzeichnung an, die in „Im Land der Raketenwürmer“ natürlich keine Imitationen der Kunstauffassung des Ingmar Bergmans darstellt – Aber warum auch? In diesem Fall genügt es doch, zwei sympathische Haudegen in den Fokus zu rücken, die ähnlich handeln würden wie der Zuschauer und den emphatischen Zugang zum Geschehen ermöglichen, was wiederrum bedeutet, dass der Handlungsverlauf zu keinem distanzierter Staffellauf verkommt, sondern die Charaktere zusammen mit seinem Publikum einbindet. Mit Kevin Bacon als Valentine McKee und Fred Ward als Earl Bassett hat man ein charismatisches und cleveres Hauptgespann gefunden, dass den Ansprüchen ohne Probleme gerecht wird, gerade weil sie nicht nur von der individuellen Popanz zehren, sondern ein Eigenleben zugesprochen bekommen. Genau wie die kauzigen Nebenfiguren,  die mit Finn Carter als Seismologiestudentin Rhonda und Michael Gross und Rebe McEntire als herrliche Lobbyistenkarikaturen wunderbar besetzt wurden.


Wenn „Im Land der Raketenwürmer“ etwas richtig gut beherrscht, dann ist es den Zuschauer von Anfang bis Ende im höchsten Maße wunderbar zu unterhalten. Natürlich ist die Basis vollkommen schwachsinnig, aber der Film will sich weder als verblödeter Unfug, noch als durchgehend logisches Unterfangen vermarkten, sondern hat das Herz am rechten Fleck und manifestiert sich immer deutlicher als waschechte Hommage an die amüsanten Monsterstreifen der goldenen Ära. Da wird dann mit dramaturgischen Klischees gespielt und mit so mancher Überhöhung jongliert, aber alles bleibt sich und seinem kreierten Universum durchgehend treu, ohne auch nur einmal über das mit orangenem Schnappoidenblut markierte Ziel hinauszuschießen. „Im Land der Raketenwürmer“ ist ein entzückendes B-Movie mit Hingabe und Leidenschaft, mit Kreativität und Innovationskraft; Kino ohne Verfallsdatum, wenn man so will, welches auch nach dem 10. Mal ohne Abnutzerscheinungen auftritt und einfach jede Menge Spaß macht. Herrlich.


7 von 10 Zerplatzenden Riesenwürmern


Von Souli

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