Review: SIDE EFFECTS - Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Psychologen



Fakten:
Side Effects
USA. 2013. Regie: Steven Soderbergh. Buch: Scott Z. Burns. Mit: Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Ab 11. Oktober auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Obwohl die junge Emily (Rooney Mara) ihren Ehemann (Channing Tatum) aus dem Gefängnis zurückbekommt, verfällt sie in eine immer größere Krise. Depression! Nach einem Selbstmordversuch begibt sie sich in psychiatrische Behandlung bei Dr. Banks (Jude Law), der ihr ein neues Medikament verschreibt. Die Depressionen scheinen zwar gelindert (sagt man das so?) zu werden, doch es treten vermehrt Nebenwirkungen auf, die schon bald in einer Katastrophe für Emily und die Menschen um sie herum enden sollen.





Meinung:
„Side Effects“. Der letzte Kinofilm von Steven Soderbergh. Angeblich zumindest. Der Film teilt sich in zwei Hälften. Und oft wurde schon geschrieben, dass die zweite Hälfte dieses Films besser sei. Nein, für mich war es Teil 1 des Films. Anfangs ist es nämlich ein hochinteressanter Film. Eine bedrückende Atmosphäre wird geschaffen. Rooney Mara verkörpert die depressive junge Ehefrau hervorragend. Hier zeigt sie für mich nach „Verblendung“ einmal mehr, dass sie eine richtig gute Darstellerin ist. Themen wie Depression, Medikamentenbehandlung/-missbrauch und die Pharmalobby werden angesprochen oder zumindest angerissen.


Zwei Psychiater im Fachgespräch?
Aber leider hört Soderbergh nach der Hälfte mit seiner interessanten Geschichte auf. Wie schon bei „Erin Brockovich“ und „Contagion“ wird eine brisante Ausgangsposition geschaffen, die in der zweiten Filmhälfte nach und nach im Sand verläuft. Die (politische und wirtschaftliche) Relevanz wird zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Stattdessen wird das Drama zum Verschwörungsthriller. Und gleichzeitig leider auch immer belangloser. In der ersten Hälfte hat man sich Zeit genommen, ist etwas mehr in die Tiefe gegangen, auf Figuren eingegangen. Das wird zwar in der zweiten Hälfte auch noch versucht, aber besonders zum Ende hin rast Soderbergh für meinen Geschmack einfach zu schnell zur Auflösung. Es läuft zu glatt, zu schnell. Manchmal hab ich den Eindruck, dass ein paar Schritte einfach übersprungen wurden. Und auch das Thema "Depression" wird irgendwie nicht mit dem nötigen Ernst behandelt. Ein bisschen zu leichtfertig für meinen Geschmack. Und das, was über Depressionen am Ende hängen bleibt, das wirkt leider durchaus bedenklich. Aber, und das muss man Soderbergh lassen, die Geschichte bleibt in jedem Fall spannend und unterhaltsam.
 


Können die beiden die Depression gemeinsam besiegen?
Das liegt auch an den guten Schauspielern. Jude Law als für mich typischer Brite, den ich sehr gerne in jeder Art von Film sehe (und sei es nur in einer Nebenrolle). Channing Tatum überraschend gut und passend, auch wenn seine Rolle nicht die anspruchsvollste war. Und Catherine Zeta-Jones, die immer noch eine gewisse Erotik in ihre Rolle legen kann und das nicht nur in den eindeutigen Szenen. Neben dem sehr guten und auffälligen Schnitt sind auch die Effekte zu erwähnen. Verschwommene Bilder unterstreichen die Depression und machen den Film eindringlicher. Auch meine ich, häufig ein leicht flackerndes Bild bemerkt zu haben, das manche Szenen etwas dunkler oder düsterer gemacht hat. Da bin ich mir zwar nicht sicher, ob es einfach an einem vielleicht altersschwachen Projektor im Kino gelegen ist oder ob das so von Soderbergh gewollt war, aber wie auch immer, es hat den Depressions-Szenen zusätzliche Dichte und das gewisse Etwas gegeben.


Vielleicht zum letzten Mal (sein Film "Behind the Candelabra" ist lediglich als TV-Film geplant) hat Steven Soderbergh gezeigt, dass er ein grundsätzlich guter Regisseur ist, der optisch ansprechende Filme machen kann und der auch versucht, relevante Themen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medizin in seine Filme zu packen. Doch einmal mehr hat er auch gezeigt, dass er mit zunehmender Laufzeit diese relevanten Themen nicht adäquat fortsetzen kann, mit Ausnahme von „Traffic“. Dass er zugunsten von Unterhaltung und Spannung leider immer mal wieder in die Belanglosigkeit driftet. „Side Effects“ ist und bleibt deshalb ein gut gespielter Thriller mit zumindest interessanten Ansätzen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


7 von 10 Muntermacher-Pillen

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