Review: SINOLA - Western brav nach Lehrbuch

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Fakten:
Sinola (Joe Kidd)
USA, 1972. Regie: John Sturges. Buch: Elmore Leonard. Mit: Clint Eastwood, Robert Duvall, John Saxon, Don Stroud, Stella Garcia, James Wainwright, Paul Koslo, Gregory Walcott, Dick Van Patten, Lynne Marta, John Carter, Pepe Hern u.a. Länge: 84 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Joe Kidd wird von Grossgrundbesitzer Frank Harlan für eine Treibjagd angeheuert. Das Ziel ist der mexikanische Rebellenführer Luis Chama. Er und seine Leute sehen sich ihres Landes beraubt, Harlan und seine Männer sehen das ganz anders. Zunächst hat Joe keine Interesse an der Zusammenarbeit mit Harlan, doch das ändert sich, als Chama und sein Gefolge ihm vier Pferde stehlen. Zwischen Kidd und Harlans Revolverhelden herrscht eine konstante Anspannung, die sich schliesslich entlädt: Als Chama in die Ecke gedrängt ist, fallen Kidd seine Partner in den Rücken. Da haben sie sich jedoch den falschen ausgesucht, denn Kidd ist mit allen Wassern gewaschen und wechselt die Seiten.


                


Meinung:

"Sinola" (der Name der Stadt im Film, im Original "Joe Kidd", mal wieder eine "sinnvolle" Änderung des deutschen Filmverleihs) entstand zu einer Zeit, als der Western, speziell der US-Western, langsam vom Aussterben bedroht war. Bis in die frühen 70er wurde das Genre kontinuierlich befeuert, irgendwann musste der Gaul ja zu Tode geritten sein. Die Voraussetzungen waren gar nicht schlecht, genug Fachleute bzw. fähige Männer waren hier am Werk. Regie führte John Sturges, fest im Genre-Sattel, besonders bekannt durch "Die glorreichen Sieben", das Skript stammte von Elmore Leonard (Vorlagen u.a. für "Schnappt Shorty", "Jackie Brown" oder "Out of Sight") und in den Hauptrollen gab es Clint Eastwood (wen sonst?) sowie Robert Duvall zu sehen. Das klingt doch nach was.



 
Ein kühles Blondes für den kühlen Blonden
Letztendlich alles gut und schön, mehr als solide Unterhaltung ist "Sinola" aber keinesfalls. Das kleine Einmaleins des Westerns wird artig bedient, wirklich bemerkenswerte Szenen oder Ideen gibt es kaum zu sehen. Der finale Lok-Crash mal ausgenommen. Jeder kennt seine Aufgabe und liefert souveräner Arbeit ab. Der Clint ist der ewig-taffe Rüpel mit der steinharten Schale und doch dem Herz am rechten Fleck, Duvall das reiche Arschloch mit den bösen Handlangern und "Nightmare"-Papa John Saxon der Outlaw, der eigentlich nur Gerechtigkeit will. Ohne in irgendeiner Hinsicht Bäume auszureissen, bietet "Sinola" gepflegte Unterhaltung für Westernfreunde. Die kompakte Laufzeit lässt wenig Längen aufkommen, der geringe Anflug solcher zu Beginn wird durch die straffe, actionreiche zweite Hälfte durchaus ausgeglichen. Eastwood spielt seine Paraderolle wie immer sauber runter, wobei sein knurriger Gesichtsausdruck manchmal schon überstrapaziert wird. Haarscharf schrappt das an einer Parodie entlang, sicherlich nicht so gewollt. Duvall wird nicht zur Höchstleistung getrieben, dafür hat er auch gar nicht den Spielraum, aber wer so gut ist, ist es auch unter den Umständen. Richtig viel Angriffsfläche bietet "Sinola" aufgrund der grundsoliden Leistungen nicht, nur so richtig hängen bleiben wird da auf Dauer auch nichts.


Wer gerne an der Seite von Brummbär Clint reitet und den bösen Buben blaue Bohnen durch den Körper jagt, wird definitiv nicht auf's falsche Pferd gesetzt haben. Nur verpasst wird im Gegenzug auch nichts weltbewegendes. Nicht schlecht, ganz gut gemacht, für zwischendurch ordentliches Genrekino. Das war's dann auch. Gegen seine Auftritte bei Leone oder die deutlich besseren US-Kollegen, wie beispielsweise "Hängt ihn höher" oder "Der Texaner", hat dieses Eastwood-Vehikel aber keine Chance.

6 von 10 Western-Ikonen

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