Review: ZETTL - UNSCHLAGBAR CHARAKTERLOS - Stagnation als Satire



Fakten:

Zettl - Unschlagbar charakterlos
BRD. 2011. Regie: Helmut Dietl. Buch: Helmut Dietl, Benjamin von Stuckrad-Barre. Mit: Michael Bully Herbig, Karoline Herfurth, Hanns Zischler, Götz George, Ulrich Tukur, Senta Berger, Katy Karrenbauer, Sunnyi Melles, Dagmar Manzel, Harald Schmidt, Daniel Zillmann, Dieter Hildebrandt, Hansi Jochmann, Ulrike Arnold, Christoph Süß, Gert Voss, Eutalia de Carvalho, Aimee Nhung Le, Kriss Sheridan, Jens Eulenberger u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung.


Story:
Fahrer Max Zettl will ganz oben. Eine Karriere in Berlin schwebt ihm vor. Als Chauffeur  für die Schickeria hat er zum Glück die richtigen Kontakte und Infos, mit denen er schnell aufsteigt. Seine Skrupellosigkeit ist ihm dabei natürlich auch nicht hinderlich.





Meinung:
Helmut Dietl nimmt wieder die Schickeria aufs Korn. Der Erfinder der Kultserie „Kir Royal“, an die „Zettl“ anknüpft, scheint es zu genießen die oberen Zehntausend zu karikieren, ihnen den Zerrspiegel vorzuhalten und ihr strahlendes Lächeln, welches sie in den Medien aufsetzen, zu hinterfragen. Zumindest hat das Dietl früher so gemacht. Sein „Zettl“ ist aber nicht mehr als lust- und inspirationsloser Klamauk ohne wirkliche Substanz. Die Medien sind hinterhältig, die Reichen und Schönen sind eiskalt und überhaupt lauert hinter der schmucken Fassade eine dümmlich-fragile Fratze. Damit bestätigt Dietl allgemeine Vermutungen, aber statt diese mit Wortgewandtheit, Schärfe und Situationskomik zu manifestieren, tischt der Regisseur dem Zuschauer nicht mehr als ein Lustspiel mit Dorftheaterniveau auf.


Die Satire verkommt zur blassen Farce, das Bissige weicht einem biederen Korsett voller Idioten und lasch-überzeichneter Abziehbilder. Kaum zu glauben, dass Dietl einst Werke wie „Schtonk!“ oder eben „Kir Royal“ inszenierte, vor allem weil er sich für „Zettl“ den durchaus talentierten Benjamin von Stuckrad-Barre mit ins Boot holte. Aber zusammen haben die beiden keine wirklich neuen Ideen auf Papier und auf die Leinwand gebracht. Ihr Film eignet sich entweder dafür, sich über seine bleierne Inszenierung aufzuregen, oder den gezeigten Persönlichkeiten ein lautes „Hab ich’s doch gewusst“ entgegen zuschmettern. Denn mehr als altbackende Modelle, von unausstehlichen Stars und Sternchen, hinter dem staubigen Ofen hervorzuholen, passiert in „Zettl“ nicht.


Vielleicht liegt es daran, das Dietl diesmal nicht in der Münchener High Society herumkarikiert, sondern sich auf der großen politischen Bühne Berlins austobt? Vielleicht liegt es auch daran, dass solche Abrechnungen mit der Prominenz schon zu oft praktiziert wurden, oder vielleicht liegt es einfach daran, das Dietl nichts Neues einfällt und er die Satire der Vergangenheit versucht auf die heutige Zeit zu übertragen? Es gibt viele Faktoren, warum „Zettl“ enttäuscht. Umso bedauerlicher welches große, deutsche Ensemble hier verschwendet wird. Die grandiosen Lästerer der Republik (Dieter Hildebrandt, Harald Schmidt und Christoph Süß) werden umstandslos verbraten und Hauptdarsteller Michael Bully Herbig versucht, wie bereits bei Leander Haußmanns Dramedy „Hotel Lux“ sich als ernstzunehmenden Schauspieler. Doch Dietl lässt ihn nicht mehr als humorlos durch die schimmernde Welt der Berliner Prominenz zu dialekten. Für Herbig sollte diese Rolle ein Fortschritt sein, sie ist aber bloß Stagnation. Somit haben Dietl und Herbig etwas gemeinsam.


2 von 10

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