Review: PRINCE OF PERSIA - DER SAND DER ZEIT - Abenteuer mit fehlendem Feintuning

Fakten:
Prince of Persia - Der Sand der Zeit (Prince of Persia - The Sands of Time)
USA. 2010. Regie: Mike Newell. Buch:   . Mit: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton, Ben Kingsley, Richard Coyle, Alfred Molina, Toby Kebbell, Steve Toussaint, Reece Ritchie u.a. Länge: 116 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben.

Story:
Persien, zur Zeit der Mythen und Legenden: Prinz Dastan kämpft mit seinen Stiefbrüdern Seite an Seite. Die Stadt Alamut soll angeblich Waffen produzieren und den persischen Feinden verkaufen. Obwohl es an Beweisen mangelt, wird die Stadt eingenommen. Als der König seine Söhne nach dem Sieg besucht, wird er Opfer einen Mordanschlags. Der Hauptverdächtige ist Dastan, der zusammen mit Prinzessin Tamina, der Herrscherin von Alamut, flieht. Im Gepäck hat Dastan einen Dolch mit magischen Fähigkeiten, der ihm helfen kann seine Unschuld zu beweisen. Doch vorher muss Dastan noch diverse Abenteuer und Gefahren bewältigen.






Meinung:
1989 entwickelte der amerikanische Student Jordan Mechner im Alleingang das Computerspiel „Prince of Persia“ in dem ein namenloser Prinz nur eine Stunde Zeit hatte, eine Prinzessin vor dem hinterhältigen Schurken zu retten. Das Spiel war ein voller Erfolg. Erstmals sahen die Bewegungsanimationen flüssig und  realistisch aus. Fortsetzungen folgten, die jedoch an die Qualität des ersten Teils nicht anknüpfen konnten und teils katastrophal zu spielen waren. Mechner hatte die Marke „Prince of Perisa“ da längst verlassen. 2004 veröffentlichte der französische Videospielhersteller UbiSoft dann „Prince of Persia – Sands of Time“ und holte dafür sogar Jordan Mechner zurück ins Boot. Das Spiel war ebenfalls ein riesen Erfolg. Spieler und Kritiker waren begeistert und sogar Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer („Fluch der Karibik“, „Armageddon“, „CSI“) wurde auf das Spiel aufmerksam und sicherte sich die Filmrechte. Sechs Jahre später, UbiSoft gelang es derweil die Marke „Prince of Persia“ auf dem Gamesmarkt endgültig und erfolgreich zu etablieren, erscheint nun also die Verfilmung von „Prince of Persia“ in den heimischen Lichtspielhäusern. Eine gesunde Skepsis ist da angebracht, denn Videospielverfilmungen gibt es viele, aber die wenigen die gelungen sind, können an einer Hand abgezählt werden. Billige und schlecht inszenierte Produktionen wie „Far Cry“, „Resident Evil“ oder „D.O.A.“ manifestierten den miesen Ruf von verfilmten Video- und Computerspielen. Dies liegt gewiss aber nicht nur an schnell abgedrehten Fließbandproduktionen, sondern auch daran, dass ein Spiel nicht mit einem Film zu vergleichen ist. Einer der größten Fehler ist, dass nicht jedes erfolgreiche Spiel auch eine brauchbare Geschichte für einen Film hat. Die Geschichten von Spielen sind meist unglaublich platt und dünn oder aber extrem verschachtelt. Das Spiel „Prince of Persia – Sands of Time“ von 2004, auf dem der Film basiert, bietet jedoch eine gute Geschichte, auch wenn sie für die Verfilmung noch etwas verändert wurde. Immerhin vom Erfinder Mechner höchstpersönlichm, denn er fungierte als einer der Drehbuchautoren. „Prince of Persia“ ist, Spiel wie Film, reinste Blockbusterunterhaltung. 


"Ich bring sie um. Morgen bring ich sie um"
Der britische Regisseur Mike Newell („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Harry Potter und der Feuerkelch“) inszenierte einen kurzweiligen, wenn auch ziemlich überraschungsfreien Abenteuerfilm mit orientalischem Flair und teils nett choreographierten Actionszenen. Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal, sonst eher aus kleineren Produktionen wie „Donnie Darko“ oder „Brokeback Mountain“ bekannt, trainierte sich eine beachtliche Muskelmasse an. Dies kommt Gyllenhaals kecker, tugendhafter Ausstrahlung als Held zu Gute. Denn obwohl der gute Prinz Dastan mit gefühlten drei Gesichtsausdrücken auskommt, wirkt er doch passend besetzt und fügt sich perfekt ein. Die Handlung von „Prince of Persia“ ist gut erzählt. Wer ein storytechnisches Schwergewicht erwartet, wird natürlich enttäuscht. Dennoch ist es schade, dass der Film recht vorhersehbar ist. Selbst wenn die Spiele nicht bekannt sind, wird der geneigte Zuschauer sehr schnell erkennen, wer wirklich gut und wer böse ist.  Einen großen Pluspunkt kann die Story aber für sich verbuchen. Der Fingerzeig auf die Auslandspolitik der USA, allen voran die falschen Geheimdienstinformationen über versteckte Waffenlager im Irak. Dieser Fingerzeig dient bei „Prince of Persia“ als Motor, um die Geschichte in Gang zu bringen. Sicherlich ist dass nicht gerade subtil, aber für solch eher unpolitischen Blockbuster durchaus couragiert. 


"So, und jetzt schüttelt euch die Hände und vertragt euch wieder"
Ganz und gar nicht couragiert ist die Rolle der Prinzessin Tamina, gespielt  von Gemma Arterton, geraten. Arterton wird im gesamten Film auf zwei Dinge reduziert: Stichworte, bzw. Befehle geben und schön aussehen. Das ist (vor allem letzteres) furchtbar nett gemeint, nervt aber auf die Dauer und lässt die eigentlich recht knappen Streitgespräche zwischen Dastan und der Prinzessin aufgedunsen und zäh wirken. So verspielt „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ eine Menge Dynamik, die er nicht mehr zurückbekommt, egal wie fit und agil Jake Gyllenhaal über die Dächer hopst. Prinzessin Tamina ist leider nicht die einzige Figur, die dem Film misslungen ist. Ben Kingsley als Königsbruder spielt routiniert aber langweilig und die finsteren, gruseligen Meuchelmörder, die Hssassinen, verkommen recht schnell von der dunklen, mysteriösen Bedrohung zum reinen Startzeichen für mittelmäßig getrickste Giftschlangen und überraschungsfreie  Kämpfe. So böse diese Hssassinnen auch drein schauen, so richtig bedrohlich wirken sie nie. Allgemein hätte „Prince of Persia“ etwas mehr Dunkelheit gut getan, denn so richtig mitfiebern tut man nicht. Die Figur die sich positiv aus der Inszenierung hervortut, ist der Gauner Amar (ulkig: Alfred Molina). Richtig große Lacher gibt es hier, wie im Rest des Films,  auch nicht, aber es ist einfach amüsant diesem Schlitzohrigen Gauner zuzusehen, vor allem weil es Regisseur Newell gelingt diese Figur nicht zu verheizen und es versteht sie genau in den richtigen Zeitpunkten einzusetzen. Leider, so scheint es zumindest, vertrauten die Macher nicht immer den charismatischen Eckpfeilern (Gyllenhaal und Molina) des Films. So wird versucht die Gunst der Attraktionen mit überladenen Effekten zu erschleichen. Gerade im Finale wirken die Effekte zu aufgesetzt und zu affektiert, vor allem weil der Showdown zweigeteilt ist und die zweite Hälfte nach der (nicht immer mitreißenden) Effektflut äußerst phlegmatisch daher kommt. „Prince of Persia“ besitzt so zwar alles was ein heutiger Blockbuster braucht und bietet sogar ein Setting, was mittlerweile für Hollywood-Verhältnisse sehr unverbraucht ist, aber das Feintuning  ist für einen wirkliche Top-Hit nicht gut genug. Feintuning? Ja, das ist alles Unterhaltung nach Rezept, nach Vorschriften. Die Macher haben versucht mit Action, Phantasterei, Abenteuer,  Exotik, Witz und Charme ein ähnliches Produkt zu erzeugen wie das erfolgreiche Franchise von „Fluch der Karibik“.


Die Charmebolzen: Gyllenhaal & Molina
Solche Rechnungen ergeben eigentlich nie wirkliche Innovationen oder cineastische Höhepunkte. Letztlich geht es um Profit, vielleicht haben die Macher deshalb etwas zu sehr auf die Effektmuskeln vertraut. So bleibt es jedenfalls fraglich ob demnächst wieder Abenteuer aus 1001 Nacht über die Leinwände der westlichen Kinowelt flimmern. Obwohl es durchhaus nett wäre Jake Gyllenhaal und seine drei Gesichtsausdrücke als Prinz Dastan wieder zu sehen. Nur dann bitte mit dem richtigen Feintuning. „Prince of Persia“ so ein schöner Beweis dafür, dass sich Charisma und Charme selbst über Möchtegern-Gruselschurken und seelenlosen Effektmassen durchsetzen können, und dass nicht jede Videospielfilmverfilmung ein Desaster ist. Jake Gyllenhaal empfiehlt sich als Held. Unvergesslich wie die Abenteuer aus 1001 Nacht ist das bei weitem nicht. Aber ausreichend für einen netten DVD-Abend ist „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ allemal. Ob es aber dazu reicht orientalische Abenteuer für die große Leinwand wieder salonfähig zu machen, bleibt abzuwarten.

6 von 10

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