Review: ZORN DER TITANEN - Bombast ohne Faszination


Fakten:

Zorn der Titanen (Wrath of the Titans)
USA. 2012. Regie: Jonathan Liebesman. Buch: Greg Berlanti, Dan Mazeau, David Leslie Johnson. Mit: Sam Worthington, Rosamund Pike, Toby Kebbell, Liam Neeson, Bill Nighy, Ralph Fiennes, Edgar Ramirez, Danny Huston, Paul Warren, Spencer Wilding,  Jimi James, Matt Hookings u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben.

Story:
Perseus, der Zeus Angebot ein Gott zu werden ausschlug, lebt mit seinem Sohn Helios als einfacher Fischer in einem kleinen Dorf. Seiner verstorbenen Frau Io versprach Perseus dass er nie wieder ein Schwert führen wird. Doch als Hades den Titanen Chronos aus der Unterwelt befreien will und damit erneut Elend und Tod über die Welt der Menschen bringt, muss Perseus handeln.


Meinung:
Perseus auf Pegasus gegen Titan Chronos
Das Sequel des Remakes des Fantasy-Klassiker „Kampf der Titanen“ aus dem Jahre 1981  hat eine Schwäche seines Vorgängers ausgemerzt. Wirkte das Abenteuer, die Reise zur Höhle der Medusa regelrecht lustlos, so vermittelt „Zorn der Titanen“ durch kurze Kriegsszenerien und antiker Schlachtfeldatmosphäre durchaus den Eindruck, dass hier etwas Großes auf den Spiel steht. Auch im ersten Teil bedrohte zwar ein gigantisches Monster, der Krake, die Menschheit aber dies wirkte, vor allem durch die Einbindung einer weiblichen Opfergabe, mehr wie eine Jungfrauen-Rettungsaktion ohne Durchschlagskraft. Regisseur Jonathan Liebesman, der bislang solide Genre-Kost wie „Darkness Falls“ oder aber totale Rohrkrepierer wie „Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“ inszenierte, hat es durchaus geschafft dem zweiten modernen Perseus-Abenteuer einen förderliche Portion Dynamik zu verliehen -  zumindest in den Actionszenen. Perseus Kampf gegen Chimären, Zyklopen und andere fiese Gestalten der griechischen Mythologie, sind allesamt gut  bis wirklich herausragend getrickst und sollten zumindest kurzzeitig den Hunger nach anspruchsloser Action befriedigen. Aber diese Stärke des Films geht einher mit einer der größten Schwächen: „Zorn der Titanen“ wirkt trotz einer knackigen Laufzeit von knapp 100 Minuten ziemlich langatmig. Vor allem zwischen dem Action-Terz stottert sich der Film durch die marginale Handlung. Da fällt es umso negativer auf, das der finale Kampf zwar durchaus effektreich ist, aber auch ziemlich kurz gefasst und  im Vergleich zu den zuvor erlebten Abenteuern etwas müde wirkt.

Ebenso wie sein Vorgänger, ist „Zorn der Titanen“ ein gescheiterter Versuch einen großen Blockbuster rund um die alten griechischen Sagen und Mythen zu gestalten. Vielleicht das größte Problem des Films ist, dass er die Faszination die von Göttern, Halbgöttern, finsteren Kreaturen und Titanen ausgeht nie wirklich erzeugen kann. Das Setting des antiken, mythologischen Griechenland behütet wirklich gigantisches Potenzial, aber mehr als auf technischer Ebene gut gemachter Krawall, der auf Dauer aber auch zermürbend und hüftlahm wirkt, kann „Zorn der Titanen“ nicht vorweisen. 

Dabei konnte Regisseur Liebesman auf einen durchaus beachtlichen Cast zurückgreifen. Billy Nighy und Danny Huston geben sie kurz die Ehre, der Brite Toby Kebbell als Helden-Sidekick weckt Sympathien, das Ex-Bondgirl Rosamund Pike (eines der wenigen Bondgirls die immer noch regelmäßig in größeren Filmprojekten zu sehen ist) mimt die toughe wie vergessenswerte Andromeda  und  mit Ralph Fiennes als Hades sowie Liam Neeson als Zeus, die beim ersten Teil schon mit von der Partie waren, hat der Film auch wirkliche Schauspielgrößen mit Rang und Namen mit an Bord. Zugegeben, Liam Neeson spielt seit ein paar Jahren in so ziemlich jeden Film mit, der ihm unter die Nase gehalten wird und Fiennes macht hier auch nicht mehr als böse zu keuchen. Dennoch ist es enttäuschend das Liebesman so wenig aus seinem Cast heraus holt. Noch deutlicher als bei Neeson und Fiennes wird dies bei Edgar Ramirez, der hier den Ares spielt. Ramirez, der leider oft unter Wert verkauft wird und in Olivier Assayas Mammutwerk „Carlos – Der Schakal“ beweisen konnte, was in ihm steckt, verkommt hier zum leb- und lustlosen Kriegsgott ohne Profil. Als Antagonist passt er so aber wenigstens zu Sam „Perseus“ Worthington, der immer noch genauso blass ist wie im Vorgänger. Einzig seine Frisur hat sich geändert.

Manche Kreaturen mussten gewaltsam gezwungen werden mitzuwirken
„Zorn der Titanen“  weiß nicht wie er das Mythologische nutzen soll, um Faszination zu erzeugen, aber zumindest weiß er, dass die Tragödie ebenso zur griechischen Kultur gehört wie Götter und Minotauren. Verlor Perseus im ersten Teil seine Mutter sowie Zieheltern, muss er im zweiten Teil um seinen Frau Io trauern, die jedoch nicht wegen göttlicher Verschwörungen oder einem fiesen Monster unter der Erde liegt, sondern weil Io- Darstellerin Gemma Arterton („Prince of Persia – Der Sand der Zeit“, „Spurlos- Die Entführung der Alice Creed“) für das Sequel keine Zeit oder keine Lust hatte (ich tippe auf letzteres). Die Tragödie findet in „Zorn der Titanen“ mehr zwischen Zeus und Hades statt. Nett gemeint, verkommt die Aussprache zwischen den Götterbrüdern aber leider  zu einem uninspirierten Kitsch-Theater auf Dorfkirmes-Niveau. Hätte „Zorn der Titanen“ diesen unnötigen Ballast bei Seite gelassen und sich mehr darauf fokussiert eingängige wie beeindruckende Schauwerte zu genieren, er wäre zumindest ein annehmbarer Action-Fantasy-Snack geworden. So aber verkommt die Fortsetzung zum ebenfalls enttäuschenden Vorgänger zu einem unnötigen Werk. Tolle Effekte machen halt noch keinen tollen Film, vor allem wenn dieser vollgestopft ist mit stümperhaften Dramatisierungen und öden wie unnötigem Füllmaterial. Regisseur Jonathan Liebesman ist es nicht gelungen eine Welt zu erschaffen, die einen fesselt. Er hat es nicht verstanden, dass Bombast zwar beeindrucken kann, aber nicht unbedingt auch fasziniert.

3 von 10

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