Review: PLANET DER AFFEN: PREVOLUTION - Wer braucht schon Menschen?



Fakten:
Planet der Affen: Prevolution (Rise of the Planet of the Apes)
USA. 2011.
Regie: Ruper Wyatt. Buch: Rick Jaffa, Amanda Silver. Mit: James Franco, Andy Serkis, Freida Pinto, Brian Cox, John Lithgow, David Oyelowo, Tom Felton, Tyler Labine, Jaime Harris, David Hewlett, Madison Bell, Ty Olsson, Makeena Joy u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Seit Jahren sucht Wissenschaftler Will Rodman nach einem Heilmittel für Alzheimer. An Menschenaffen testet er im Auftrag einer großen Firma seine Ergebnisse. Als die Firma Will nach einem Zwischenfall den Geldhahn zudreht und alle Affen töten will, nimm Will den Babyaffen Caesar bei sich zu Hause auf. Caesar der durch Tests enorme Intelligenz aufweist integriert sich schnell bei Will, doch je älter Caesar wird, desto mehr Komplikationen gibt es.





Meinung:
Ich gebe es zu, auch ich habe gegrinst, den Kopf geschüttelt und sah einen ganz großen Rohrkrepier kommen, als das Prequel zu „Planet der Affen“ angekündigt wurde. Auch die ersten Screenshots und bewegten Bilder konnten meine Zweifel nicht stoppen und nach dem letzten Trailer, der das Wort „Spoilerverseucht“ neu definierte, herrschten nach aufkeimender Neugier wieder große Zweifel. Doch jetzt, nach einem Ruck, der mich ins Kino führte, ist von den Zweifeln nichts mehr übrig. „Planet der Affen: Prevolution“ ist ein wirklich sehenswerter Film.


Familienausflug ins Grüne
Die Geschichte von Schimpansen Caesar, der durch Experimente eine enorme Intelligenz aufweist, wird von Hollywood-Newcomer Rupert Wyatt sauber erzählt. Dabei interessiert sich Wyatt nicht sonderlich für die Menschen, die weitestgehend als Stichwortgeber fungieren, sondern erzählt den Film mit klarem Fokus auf Caesar, dessen Herkunft aus dem Rechner, man nach wenigen Minuten vergisst. Dank Andy Serkis, der Caesar spielte, besitzt der Affe eine herausragende Mimik und Präsenz und gliedert sich perfekt und ohne Störungen in die „reale“ Welt ein. Ich habe mich mit Caesar gefreut, habe mit ihm gelitten und mit gefiebert, ganz so, als ob er eine real existierende Person wäre. Seit Gollum beim „Herr der Ringe“, ebenfalls von Serkis verkörpert, hatte ich nie so einen Bezug zu einer am PC erschaffenden Figur. Eine beeindruckende Leistung, vor allem weil „Prevolution“ seine geballte Effektgewalt niemals nur zum Selbstzweck einsetzt, sondern damit wirklich eine nette und spannende Story erzählt.


Ein Abschied für immer?
Es ist vor allem Caesar zu verdanken, dass mir die Schwächen des Films herzlich egal waren. Die menschlichen Akteure sind reine Klischees. Freida Pinto blickt als Tierärztin hauptsächlich verständnisvoll drein, Tom „Draco Malfoy“ Felton spult seine Antagonisten-Rolle aus den Potter-Filme in einem Affenhaus ab und der böse Konzernchef denkt natürlich nur an den Profit. Ärgerlich? Nicht wirklich. Denn fesselnd ist der Film trotzdem, auch die Logiklöcher fallen zwar auf, haben mich aber nie wirklich gestört, geschweige denn aus der Handlung gerissen. „Planet der Affen: Prevolution“ zeigt neben „X-Men: First Class“ wie ein gutes Prequel/Reboot (whatever) aussehen sollte: Spannend, mit klaren Bezügen zum Originalstoff und daran interessiert nicht nur bloße Schauwerte zu präsentieren. Dass der Affenfilm letztlich nicht so clever, bzw. scharfsinnig  ist, wie sein könnte ist dabei verschmerzbar, denn intelligenter als so mancher großer Unterhaltungsfilm der letzten Jahre ist er definitiv. Die gesellschaftskritische Aussage des ersten „Planet der Affen“ besitzt „Prevolution“ aber nicht. Im Grunde ist die Botschaft von Wyatts Films simple: seid nett zueinander. Diese Botschaft wurde schon unzählige Male auf Zelluloid gebannt, hier aber in einer sehr unterhaltsamen und ergreifende Art und Weise. Wer mehr erwartet hatte, wird vielleicht enttäuscht sein.

Einen kleinen Bonus hatte der Film bei mir schon inne, als ich bemerkte, dass der Film „nur“ in 2D läuft. Als ich die Karte an der Kasse holte, drückte mir die Dame hinter dem Schalter eine 3D-Brille in die Hand und erst als ich ihr versicherte, dass der Film kein 3D-Film ist (3D hat der Film gar nicht nötig), nahm sie die Sehhilfe aus schwarzem Plastik wieder zurück. Ein schöner Moment, auch dass der Film ohne Pause gezeigt wurde (in dem Multiplex meines Vertrauens machen sie seit einiger Zeit bei jedem Film über 120 Minute einen Pause von manchmal bis zu 15! Minuten) zeigte einmal mehr, das Kino auch ganz einfach sein kann. Keine Pause, keine 3D-Brille, einfach nur reinsetzen und Spaß haben. Hoffentlich wird diese Vorgehensweise nicht bald zum Retro-Trend.


8,5 von 10 von besonderen Augen

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