Review: DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE - Hitchcocks 2. Versuch

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Fakten:
Der Mann, Der Zuviel Wusste (The Man Who Knew Too Much)
USA, 1956. Regie: Alfred Hitchcock. Buch: John Michael Hayes. Mit: James Stewart, Doris Day, Brenda de Banzie, Bernard Miles, Ralph Truman, Daniel Gélin, Mogens Wieth, Alan Mowbray u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Dr. Ben McKenna, seine Frau Jo und Sohn Hank lernen während eines Urlaubs in Marokko den franzosen Louise Bernard kennen. Der scheinbar zufällige und belanglose Smaltalk hat schwerwiegende Folgen: Tags darauf stirbt Bernard in Bens Armen, erstochen mitten auf dem Marktplatz. Kurz vor seinem Tod flüstert er Ben zu, dass in London ein Politiker ermordet werden soll. Noch auf dem Polizeirevier erhält Ben einen Anruf der mutmaßlichen Attentäter: Sie haben Hank in ihre Gewalt gebracht und drohen mit seiner Ermordung, falls Ben jemanden sein Wissen mitteilt. Hilflos entschließen sich Ben und Jo, ihren Sohn in London auf eigene Faust zu suchen.
                                 
                                                          
Meinung:
22 Jahre nach seinem gleichnamigen Frühwerk verfilmte Hitchcock den Stoff erneut, nun mit natürlich deutlich mehr Mitteln und den Stars James Stewart und Doris Day. Diese Version zählt zu den bekanntesten Filmen des Meisterregisseurs, jedoch nicht zu seinen besten. Er hat unbestreitbare Qualitäten und erinnerungswürdige Momente, wie beispielsweise den oscarprämierten Song "Que Sera, Sera" oder den fast finalen, großartig inszenierten Showdown in der Royal Albert Hall (der den Eindruck vermittelt, dass sich Francis Ford Coppola davon bei seinem Opern-Finale in "Der Pate III" inspirieren ließ).

Keine Stühle, kein Besteck, sonst noch alles toll.
Das Hitchcock sein Handwerk mehr als verstand, wird mal wieder überdeutlich, an seiner Umsetzung lässt sich überhaupt nichts kritisieren. Das immer wieder geänderte Skript schon eher, so kann auch ein Hitch das nicht immer auffangen. Speziell im Mittelteil schleichen sich Längen ein, insgesamt scheinen knapp 2 Stunden fast zuviel für die Geschichte. Bestachen Hitchcocks Filme oft eben durch ihr rasantes Tempo und die Kunst, ihre meist unschuldigen, zufällig und unglücklich "auserwählten" Protagonisten kaum Luft holen zu lassen, haben sie hier schon gelegentlich leichte Atempausen. Langweilig wird es nie, nur ging es beim Meister oft flotter zur Sache. Dafür ist das letzte Drittel wieder klasse, würde sich alles auf dem Niveau abspielen, gar kein Problem.

Ben und Hank in Bedrängnis.
Weiterer, wenn auch nicht riesiger Kritikpunkt: Der typische Humor von Hitchcock war schon besser. Aus heutiger Sicht sorgt eher der altmodisch-rollenbildgeprägte Umgangston von Ben gegenüber Jo für manches Schmunzeln. Die wird gerne mal überheblich von der Seite angeblafft, Stewart lässt öfter den Macker raushängen. Würde das jemand heute bringen, der Aufschrei wäre groß. Nicht perfekt, aber immer noch sehr unterhaltsam. Bei Hitchcock lässt sich kaum danebengreifen.

7 von 10 

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