Review: NOSFERATU, EINE SYMPHONIE DES GRAUENS - Ohne Lizenz zum Klassiker


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Fakten:
Nosferatu, eine Symphonie des Grauens
BRD, 1922. Friedrich Wilhelm Murnau. Buch: Henrik Galeen, Bram Stoker (Vorlage). Mit: Max Schreck, Gustav v. Wagenheim, Greta Schröder, Georg H. Schnell, Ruth Landshoff, Gustav Botz, Alexander Granach, John Gottowt, Max Nemetz u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Thomas Hutter, Sekräter eines Maklers, wird von der deutschen Stadt Wisborg nach Transsylvanien geschickt, um den Kauf einer Immobilie durch den dort ansässigen Graf Orlock unter Dach und Fach zu bringen. Dort angekommen bemerkt er erst zu spät, wer sein Gastgeber wirklich ist. Dieser begibt sich kurz darauf auf den Weg nach Wisborg, um Ellen, die Frau von Thomas, zu der seinen zu machen.



                                                                  



Meinung:
“Aufzeichnung über das große Sterben in Wisborg anno Domini 1838“.

Als die Bilder gerade laufen lernten wurde in Deutschland noch großes Kino gemacht, welches Jahrzehnte (und bald auch Jahrhunderte) überdauern sollte. Schaut man aktuell auf den Output unserer Filmschaffenden (mit ganz seltenen Lichtblicken), was ist da bloß schief gelaufen?

„Reisen Sie schnell, reisen Sie gut junger Freund, in das Land der Gespenster.“

Gerade in der damaligen Zeit, als alles jenseits der eigenen (sehr reduzierten) Wahrnehmung wie das große, unbekannte Schreckgespenst erscheinen musste, war so was wohl unglaublich furchteinflößend. 


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Schreck, mehr als nur ein Name.
Die sehr freie Adaption von Bram Stokers Roman Dracula ist nicht nur die erste von unzähligen, sie ist wohl die kreativste, wichtigste, stilprägenste und mutigste. Denn Murnau besaß nicht die Rechte an der Verfilmung, schuf seine eigene Variante, was heute ohne Frage juristische Folgen nach sich ziehen würde. Ein Glücksfall für die Filmwelt, dass es damals nicht so einfach und global-unvermeidlich war. Denn was Murnau hier erschaffen hat, zählt zu den Geburtsstunden des Horrorfilms, ist künstlerisch wie zeitbedingt kaum vergleich- und erfassbar und nur um es zu versuchen: Man könnte dagegen die erste, offizielle Dracula Verfilmung durch Tod Browning von 1931 stellen (mit Bela Lugosi und Ton) und spätesten dann dürfte glasklar sein, was das hier für ein Film ist. Blanker, poethischer Horror, grob, minimal und wunderschön, narrativ für seine Möglichkeiten erstaunlich grandios konzipiert und mit einer zeitbedingt umwerfenden Ästhetik, die auch heute noch erschaudern lässt.


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Die große Kunst der Schatten,
Die Musik, in Stummfilmen halt Mittel zum Zweck, trägt maßgeblich zum Entfallten der Geschichte bei. Ist nicht nur zwingend anwesend, ist tragende Säule, wie alles in Murnaus Meisterwerk, welches sich in seiner erschreckend-betörenden Art trotzdem hauptsächlich durch die Kraft seiner Bilder definiert und erzählt. Das „gesprochene“ (also geschriebene) Wort dient rein um Zusammenhänge darzustellen, die auf anderem Weg nicht möglich waren. Das Unmögliche wird hier eh möglich gemacht, denn Murnau präsentiert hier einen Horrorfilm, der diese Bezeichnung heute noch verdient. Der Schrecken und die Furcht wird durch seine minimalen, unglaublich effektiven Mittel nicht beschränkt, es erreicht einen sagenhaften Höhepunkt. Durch sein famoses Spiel und Experimentieren mit den Möglichkeiten von Licht und Schatten, Kulissen, ungewohnten Darstellungen, Schnitten und Einstellungen, ist sein „Nosferatu“ ein Lehrstück für das Genre wie die Kunst des Films allgemein.


Hier wird das Medium Film auf seine essentiellen Elemente reduziert, weil es nicht besser ging. Anstatt daran aus aktueller Sicht zu scheitern (was nach über 90 Jahren theoretisch logisch sein müsste), adelt es dieses Werk. Das ist das pure Erzählen einer Geschichte, eingegrenzt und dennoch mutig, expressionistisch, radikal wie wegweisend, damals sicher der absolute Wahnsinn und heute kaum weniger. Eher noch mehr. Wahrscheinlich einer der besten Filme aller Zeiten, das verbotene Prädikat, na und? Manche verdienen es, nach so einer langen Zeit wohl ohne Zweifel. Wenn wir das in 90 Jahren über den „besten Film“ 2013 sagen (wer war das gleich?), lässt sich diskutieren. Eher nicht. Allein das Finale ist mehr wert als viele Filme heute insgesamt, das ist doch der echte Horror!


Wer interessiert ist: Anschließend den großartigen „Shadow of the Vampire“ ansehen, gelungener Filmabend.

9 von 10 inoffiziellen Verfilmungen.

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