Review: IDIOTEN - Sind wir nicht alle ein bisschen Gaga?

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Fakten:
Idioten (Idioterne)
Dänemark. 1998. Regie und Buch: Lars von Trier. Mit: Bodil Jørgensen, Jens Albinius, Anne Louise Hassing, Nikolaj Lie Kaas, Knud Rhomer, Troels Lyby, Louise Mieritz, Trine Michelsen, Luis Mesonero, Henrik Prip, Anne-Grethe Bjarups Riis, Paprika Steen, Lars von Trier, Anders Hove u.a. Länge 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.



Story:
Fasziniert schaut Karen zwei offenbar geistig behinderten Männern dabei zu, wie sie in einem Restaurant ohne Hemmungen mit ihrem Pfleger und vor allen Augen herumalbern. Karen geht schließlich mit den Männern mit, die mit anderen in einer Villa leben. Dort muss Karen erkennen, dass die Männer kern gesund sind und ihre Behinderung nur gespielt haben, um das Bürgertum herauszufordern.




Meinung:
In seinem Leben strebt der Mensch die verschiedensten Ziele an: Die Gründung der eigenen Familie, das ausreichende Füllen des Bankkontos für die Zukunft und die eigenen Sprösslinge oder der rasche Aufstieg auf der Karriereleiter. Alles etablierte Ziele, die man durch die Eigeninitiative und den Ehrgeiz mit der Zeit erreichen könnte. Jedoch überwiegt im Menschen grundsätzlich etwas ganz anderes, nämlich ein gezielter Wunsch, der ihm und jeder anderen Person in der Gegenwart und in Zukunft ermöglicht, zwanghafte Verhaltensweisen abzulegen und ohne Druck verschiedene Perspektiven für das weitere Handeln zu betrachten und für sich abzuwägen: Die Freiheit. Ein inniges Bedürfnis, welches dem Menschen zu dem macht, was er wirklich ist und sein kann. Dabei wird differenziert zwischen mentaler Freiheit, der keine Kette dieser Welt eine Grenze setzen kann und der physischen Freiheit, die dem Gesetz des Dschungels bis in alle Ewigkeit unterlegen ist.


Idiotische Zärtlichkeit
Wenn man diese Sehnsucht nach individueller Autonomie auf die heutige Gesellschaft projiziert, dann wird schnell klar, dass diese aus Einschnürungen, Regeln, Forderungen und Ansprüchen besteht. Von Kinderschuhen an wird vorgeschrieben, wie man sich zu verhalten ist, welche Schritte man einschlagen muss, wie das eigene Leben auszusehen hat. Es ist also mehr als dringend von Nöten, diesen steifen Konventionen einen Strich durch die Rechnung zu machen und der Gesellschaft gleichzeitig den Spiegel vor die verzogene Visage zu halten. Wer könnte sich einem solchen Thema also besser annehmen, als der von Medien zum »enfant terrible« stilisierte Lars von Trier, bei dem es nicht unbedingt zum herkömmlichen Usus gehört, sich so zu benehmen, wie es der Großteil der Welt gerne hätte. Und dass ist gut so. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass sein Film »Idioten« reichlich Gegenwind erfahren mussten, weil er ein signifikantes Anliegen hatte, dass er auf unkonventionelle Art und Weise ansprach und in dieser Causa nicht auf Provokationen des Rezipienten verzichtete.


Dabei lässt sich das Gerüst der Handlung von »Idioten« recht schnell zusammenfassen: Es geht um eine Handvoll Leute, die sich als geistig Behinderte ausgeben und die Menschen aus der Umgebung herauszufordern wie wachzurütteln, gleichzeitig aber auch um den eigenen Idioten auferstehen und das Gefühl der Lebendigkeit endlich wieder durch den Körper strömen zu lassen. So weit, so gut. Was zu Anfang noch als recht amüsant zu beobachtendes Experiment beginnt, in dem sich die Gruppe in aller Öffentlichkeit ungezügelt austobt und die Behinderten mimen, ist Lars von Triers Intention natürlich weitaus komplexer, als nur grenzüberschreitende Blödeleien zu dokumentieren. »Idioten« ist in gewissem Maße natürlich Gesellschaftskritik, in der sich nicht nur die Protagonisten stellenweise fragen, wieso sie das Ganze hier eigentlich veranstalten, wieso sie sabbernd und johlend durch die Straßen laufen, sondern auch der Zuschauer wird mit der Frage konfrontiert, zu welchem Preis dieses Projekt gestartet wurde und wie er es selbst einstufen möchte: Wer ist hier wirklich der Idiot?


Idioten-Ausflug
Lars von Trier geht zum Glück nicht den dilettantischen Schritt und bezieht sich nicht auf reziproke Prinzipien: Die Blöden sind die Klugen, die Gesunden sind die Kranken. Nein, eigentlich sind hier alle Beteiligten Idioten, selbst der Zuschauer ist ein Idiot, damit muss er einfach leben. Es geht einzig darum, welche Ideologien diese Gruppierung in ihrem Zusammensein schmiedete und was schlussendlich wirklich auf der Habenseite stehen sollte. In »Idioten« geht es eben nicht nur um die Rebellion gegen faschistische Systeme, sondern auch darum, den Weg zurück zur unverstellten Natürlichkeit zu finden. Lars von Trier startet einen Aufruf, den Idioten der in jedem von uns vertreten ist endlich wieder freizulassen. Und wenn dazu eine derart vertraute Kommune herhalten muss, dann dient das zwar als Mittel zum Zweck, aber ist in keinem Fall als verwerflich zu titulieren. Genau wie es in »Idioten« mehr und mehr zu seelischen Entblößung innerhalb der Gruppe kommt, erliegt auch der Zuschauer der Ansteckungsgefahr der subkulturellen Gemeinschaft. Wer hätte sich ihnen nicht angeschlossen?


Als es allerdings zum ersten Vorfall kommt und ein Mitglied gegen ihren Willen austreten muss, spitzt sich die Lage zu und es wird von den Mitgliedern verlangt, sich nicht nur im kleinen Kreis zum Idioten zu machen, sondern auch im privaten und beruflichen Umfeld. Die Gruppe zerfällt langsam, jeder geht wieder seiner gewohnten Wege, nur eine Person, die zu Anfang noch die größten Zweifel hegte, will das Ende nicht akzeptieren und geht den Schritt, den keiner wagte. Auch diese Szene steht symptomatisch für unsere Gesellschaft, in der sich Alphatiere schneller revozieren als sie sich eingestehen wollen und die stillen Anhänger ohne die „familiäre“ Solidarität nicht weitermachen wollen. Schließlich darf nicht alles umsonst gewesen sein. »Idioten« erreicht in der zweiten Hälfte einen bestimmten Abschnitt, in dem das Lachen im Hals stecken bleibt und die Alternativgesellschaft ohne Limit zum Scheitern verurteilt ist. Der geplante Befreiungsschlag führt wieder zurück in den Schoß der Verpflichtungen und Vorschriften. Idioten sind wir alle.


„Weg von Oberflächlichkeit, hin zum Inhalt“. Lars von Trier hat genau wie Thomas Vinterberg gezeigt, wie man ein solches Anstreben exzellent erfüllt. Da ist jede Verurteilung gegenüber dem Dogma-95-Manifest deplatziert, denn wo einige den Film als »billig« und »amateurhaft« bezeichnen wollen, ist »Idioten« einfach nur von dokumentarischer Authentizität gezeichnet, selbst wenn Lars von Trier sich in diesem Fall nicht strikt an die Regeln gehalten hat. Am Ende sind das alles belanglose Anekdoten. Letztlich zählt, dass hier anspruchsvoll etwas thematisiert wurde, was sich nicht nur auf gesellschaftlichen Gesichtspunkten kritisch entfalten darf, hier geht es auch um den Menschen als solchen und dem steinigen Marsch zur subjektiven Befreiung, direkt ins sorglose(ere) Glück. Auf Filme einzuprügeln, die die eigenen Vorstellungen nicht ansprechen, ist immer leicht. Hinsehen anstatt nur zuzuschauen schon viel schwieriger. Die Mühe hat sich Lars von Trier und »Idioten« aber redlich verdient.


8 von 10 Skisprüngen im Sommer


von souli


Review: THE MOTHER OF TEARS - Der traurige Schlusspunkt

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Fakten:

The Mother of Tears (La terza madre)
IT, 2007. Regie: Dario Argento. Buch: Dario Argento, Jace Anderson, Walter Fasano, Adam Gierasch, Simona Simonetti. Mit: Asia Argento, Cristian Solimeno, Adam James, Moran Atias, Valeria Cavalli, Philippe Leroy, Daria Nicolodi, Udo Kier, Coralina Cataldi-Tassoni u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bei Ausgrabungen in Rom wird eine alte Urne gefunden. Als sie im Museum geöffnet wird, bricht die Hölle aus. Studentin Sara wird Zeuge, wie ihre Kollegin von finsteren Gestalten in Stücke gerissen wird. Ab diesem Zeitpunkt herrscht in Rom das Chaos: Selbstmorde und gewalttätige Übergriffe schnellen in die Höhe. Sara selbst hört merkwürdige Stimmen und entdeckt, dass sie über geheimnisvolle Kräfte verfügt. Bald erfährt sie die Wahrheit: Durch das öffnen der Urne wurde die Mater Lacrimatum, die Mutter der Tränen, zum Leben erweckt. Hexen und Teufelsanbeter aus aller Welt pilgern in die ewige Stadt, um dem Untergang beizuwohnen.



                                                                               

Meinung: 
Sage und schreibe 27 Jahre brauchte Dario Argento, um endlich seine Mütter-Trilogie fertigzustellen. Was 1977 mit "Suspiria" genial begann und 1980 mit "Inferno" immerhin noch stilsicher und faszinierend fortgeführt wurde, endet in einem Desaster. Das Seniore Argento schon lange vorher sein Mojo scheinbar restlos aufgebraucht hatte, war ja kein Geheimnis, doch das ausgerechnet dieser, so lange erwartete, Abschluss nun die Realität eindrucksvoll untermauert, schmerzt schon erheblich.


Der Blick spricht Bände
Was ist da bloß passiert? Aus einem inszenatorischen Genie, der mit seinen abstrakten, expressionistischen Stilmitteln selbst das dümmste Script noch in Gold verwandeln konnte, ist ein blutleerer, altersschwacher, kreativ-impotenter Schauer-Onkel geworden. Von seiner außergewöhnlichen, meisterhaften Bildsprache, seinem Gespür für surreale Spannung und Atmosphäre, seinem Spiel mit der Angst vor dem Unerklärlichen und Unbekannten, ist nichts mehr übrig geblieben. Wer auf ein optisch-akustisches Vier-Gänge-Menü hofft, wird sang- und klanglos verhungern. Statt sich auf seine Klasse vergangener Tage zu berufen, kurbelt Argento ein völlig lieb- und planloses Okkultismus-Theater runter, wie es auch von Kalle-Arsch-XY hätte kommen können. Es wirkt bald so, als hätte Argento diesen Film einfach machen müssen, ohne dafür wirklich die Muse zu haben. Ist ja sogar möglich, warum hat es denn wohl sonst fast drei Jahrzehnte gedauert?


Die Indizien sind erdrückend...
Die Vorgänger, wie eigentlich alle guten Argentos, bezogen ihren Reiz durch die bizarre Stimmung, die kaum greifbare Bedrohung, die beinharte Atmosphäre und die unglaublich ausgeklügelten Mordsequenzen, hier gibt es nichts davon. Ohne seinen Bezug zu der Mütter-Trilogie wäre der Ramsch wohl niemals auf den Markt gekommen. Die Geschichte, an und für sich, bleibt das einzig Positive, denn nach wie vor besteht das Interesse, am Finale der teuflischen Schwestern beizuwohnen. Im Gegensatz zu den Vorgängern verläuft hier aber alles glatt nach Schema F, viel wird erklärt und nochmal aufgedröselt, wohl um Einsteiger bei der Stange zu halten, nur jegliche Surrealität geht total flöten. Selbst dann noch interessante Momente, wie z.B. die Welle der Gewalt, die Rom überrollt, wird nicht mal anständig umgesetzt.  Anstatt Spannung und Stimmung zieht Argento den letzten Joker: Gore.


Sexy-Hexy geht der Arsch auf Grundeis
Ja, blutig und explizit ist "The Mother of Tears", aber so gequält, da ja sonst nichts vorhanden ist. Argento splattert rum wie selten zuvor, ein Rettungsring der Einfallslosigkeit. Sonst gibt es gepflegte Langeweile, schlimme Darsteller (uns Udo Kier geht immer, aber die kleine Argento ist wohl auch nur wegen Papa an Bord), billig-peinliche CGI-Effekte (allein das in so einem Film) und Titten. Richtig, Brüste, weiblich. Gerne und auch vollkommen unpassend durch's Bild baumelnd, irgendwas muss ja Spaß machen. Nicht nur dadurch wird "The Mother of Tears" oft unfreiwillig komisch, was für einen Argento quasi ein Todesurteil ist. Da reicht es schon voll und ganz, auf das Finale zu verweisen. Gab es bei "Suspiria" und "Inferno" noch den Showdown mit der bitter-bösen Mutter, wirkt sie hier wie ein überschminktes Go-Go-Girl aus dem Sport1 Nachtprogramm. Überhaupt sehen alle Satansjünger aus wie Karikaturen eines Gothic-Konzerts und ziehen dementsprechend Grimassen. Richtig armeselig wird es, wenn Argento scheinbar kurz eingefallen ist, was seine Filme mal ausgemacht haben. Dann wird minimal mit der Beleuchtung gespielt und eine kleine Kamerafahrt eingebaut, dürfte in der Form jeder gelernte Regisseur beherrschen. Das sieht aus, als wenn ein Argento-Fan-Boy dem Meister eine Referenz erweisen wollte, dann wäre es ja ganz nett. So die Überreste einer Ikone.


Warum noch drei Punkte? Nun, wenn das ein eigenständiger Film von einem 08/15-Hansel für wenig Kohle gewesen wäre, na ja. Gemessen an dem, was Argento mal konnte und was dieser Film eigentlich sein sollte, eine Schande. Da sind 3 Punkte eine Art Konsensentscheidung.

3 von 10 Hexen-Möpsen



Trailerpark: Hossa! Erster Teaser-Trailer zu MACHETE KILLS

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Da isser wieder. Danny Trejo tut als Super-Mexikaner zum zweiten Mal das, war er am besten kann: töten. Deswegen halten wir den Titel zum Sequel von „Machete“, „Machte Kills“, für überaus passend. Eigentlich sollte der Film bereits im April starten, wurde dann aber verschoben. Nun soll der bullige Mexikaner am 21. November für blutigen Spaß sorgen. Mit dabei sind diesmal Zoe Saldana, Carlos Estevez (Charlie Sheen), Jessica Alba, Sofia Vergara, Michelle Rodriguez, Amber Heard, Demian Bichir, Lady Gaga, Antonio Banderas, Cuba Gooding Jr, Vanessa Hudgens und Mel Gibson! Wir hoffen dass auch „Machete Kills“ ähnlich bescheuert-unterhaltsam wird, wie sein Vorgänger. Die Story, in der Machete vom US-Präsidenten (Sheen) angeheuert wird, um eine heikle Mission zu erfüllen, hat schon mal Trash-Potenzial, auch wenn – Sein wir ehrlich – „Machete“ schon kein echter Trash war, sondern lediglich beabsichtigter Schwachsinn. Aber was soll’s? Hauptsache es macht Spaß.


 






Review: INFERNO - HORROR INFERNAL - Argento's Mütter-Mittelstück

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Fakten:
Inferno - Horror Infernal (Inferno)
IT, 1980. Regie & Buch: Dario Argento. Mit: Leigh McCloskey, Irene Miracle, Eleonora Giorgi, Daria Nicolodi, Sacha Pitoeff, Alida Valli, Veronica Lazar, Gabriele Lavia u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Rose entdeckt in einem Buch die Geschichte der drei Mütter, uralten Hexen, denen einst drei Häuser gebaut wurden. Eins in Freiburg, eins in Rom und eins in New York. Und Rose glaubt, in diesem Haus zu wohnen. Sie schreibt ihrem Bruder Mark, der in Rom Musik studiert, einen Brief mit ihrer Befürchtung. Kurz darauf werden Rose und Mark tatsächlich die Macht der Mütter am eigenen Leib zu spüren bekommen.





 Meinung:
"Diese sogenannten Mütter sind eigentlich nur böse Stiefmütter, unfähig Leben zu erschaffen, die selbst erzeugt wurden im Inferno."

Dario Argento zweiter Muttertag nach seinem Meisterwerk "Suspiria". Nachdem der alten Breisgau-Mutti der Garaus gemacht wurde, sind nun die Schwestern gefragt.

Angst geht um im Hexenhaus
Narrativ verliert Argento schon früh jeglichen Boden unter den Füßen, wer nach Logik oder wenigstens einer vernünftig erzählten Handlung suchen will, sollte sich die Mühe gleich sparen. Der Film lebt einzig und allein von seiner Stimmung, den Spielerein des Regisseurs und seiner rudimentär angerissenen Grundstory, die einfach faszinierend ist...auch wenn hier nur wenig davon erzählt wird. Argento treibt sein wildes Farbenspiel von "Suspiria" fort und es gelingen ihm immer noch wunderbare Momente, die heute so keiner nur versucht zu machen. Allerdings gelingt es ihm nicht, das (zugegeben, verdammt hohe) Niveau des Vorgängers zu halten. Dennoch ist das hier Gebotene aller Ehren wert und zeugt für ein Inszenierungstalent, das sich wohl kaum lernen lässt. Die Stimmung von "Inferno" ist durchgehend einnehmend und die Idee, beim Score fast ausschliesslich auf klassische Musik umzusteigen, gibt Argentos Höllenritt eine gewisses Pathos-Element, was gar nicht negativ gemeint ist. So wird das Nichts von Drehbuch (was wohl eher aus Skizzen und Kameraeinstellungen bestanden haben kann) noch etwas besser kaschiert.


Willkommen im Inferno
Leider ist das so konfus, umständlich und manchmal leicht anstrengend erzählt, dass sich in alle gelungenen Inszenierungsmomente förmlich geretten werden muss, um nicht das Handtuch zu werfen. Da war "Suspiria" nicht nur um Längen besser umgesetzt, die Handlung war zumindest schlüssig und halbwegs vernünftigt ausgearbeitet. "Inferno" ist eine  reine Ansammlung von Bild-, Stimmungs- und Beleuchtungsideen...aber das nun mal echt gut. Trotz des ganzen Unsinns und der kratergroßen Plot- und Logiklöchern, "Inferno" hat wahnsinnig viel Stil. Aber mehr dann auch kaum...


6,5 von 10 Höllen-Muttis

Trailerpark: Zweiter Trailer zu PERCY JACKSON - SEA OF MONSTERS

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Ein neuer Trailer zu "Percy Jackson - Sea of Monsters" hat uns erreicht. Im Sequel zu "Percy Jackson - Diebe im Olymp" bekommt es der Titelheld wieder mit einer Menge Kreaturen aus der griechischen Mythologie zu tun. Das Helden-Trio rund um Halbgott Percy wird wie auch im Vorgänger von Alexandra Daddario, Brandon T. Jackson und Logan Lerman verkörpert. Neu an Bord sind Nathan Fillion als Hermes und Stanley Tucci als Dionysus. Die Stars des Vorgängers, Pierce Brosnan, Sean Bean, Cathrine Keener, werden nicht mehr mit von der Partie sein. Regie führt Thor Freudenthal („Greg’s Tagebuch“). In Deutschland läuft die Verfilmung von Rick Riordans Roman  am 15. August an.







Review: CONFESSION OF MURDER - TÖDLICHES GESTÄNDNIS - Von allem ein bisschen

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Fakten:
Confession of Murder - Tödliches Geständnis (Nae-ga sal-in-beom-i-da)
COR, 2012. Regie & Buch: Jeong Byeong-gil. Mit: Jeong Jae-yeong, Park Si-hoo, Kim Yeong-ae, Choi Won-yeong, Min Ji-a, Jo Eun-ji u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In Südkorea gilt ein Mord nach 15 Jahren als verjährt. Das macht sich Lee Du-seok zu nutze: Er veröffentlicht ein Buch, in dem er die Morde an etlichen Frauen gesteht, nun aber nicht mehr dafür angeklagt werden kann. Ein Schlag ins Gesicht für die Angehörigen der Opfer, wie auch für Detective Choi, dem damals ermittelnden Polizisten. Lee inszeniert sich in der Öffenbtlichkeit, scheffelt Millionen mit dem Buch und wird zum Medienstar. Doch dann kommen Zweifel daran auf, ob er wirklich der Killer ist...


          
                                           
                                                                              

Meinung:
"Confession of Murder" bringt eingentlich alles mit, um als weiteres Highlight des koreanischen Thrillerkinos funktionieren zu können. Die Story klingt äußerst interessant und verspricht neben einem clever-perfiden Katz-und-Maus-Spiel provokante Seitenhiebe auf das Rechts- und Mediensystem. Das aus Korea allgemein gute Handwerkskost kommt, versteht sich da eigentlich von selbst. Fängt auch dementsprechend an, die ersten Minuten können sich wahrlich sehen lassen, um so erstaunlicher ist es, wie sehr sich Regisseur und Autor Jeong Byeong-gil ab dann verzettelt.


Mord und Totschlag verkauft sich prächtig
Der temporeiche, düster verregnete Auftakt hält eine dynamisch inszenierte Hetzjagd bereit, bietet eigentlich die perfekte Grundlage für einen kompromisslosen Rachethriller made in Asia. Nach nicht mal einer halben Stunde ist dieser Flair leider fast schon vergessen. Unerklärlicherweise verliert sich der Streifen immer wieder in peinlich-unpassenden Albernheiten, die eher in ein Buddy-Movie passen würden. Die eigentlich einfach umzusetzende Medienschelte verkommt zur total überspitzten Zirkusnummer, die so schlicht nicht ernstzunehmen ist. Fast die gesamte Grundstimmung geht baden, düster oder bedrohlich erscheint "Confession of Murder" schon lange nicht mehr. Dazwischen gibt es übertrieben-bekloppte Actioneinlagen, die sich eher in der Fast-and-Furious-Reihe erwarten liessen, was das hier soll, ein Rätsel, dazu einige eher mäßige CGI-Effekte, die es so auch nicht gebraucht hätte. Diese unbeholfene Mischung aus Thriller, Satire, Humor und Unsinns-Action wirkt niemals homogen. Es wird einfach wahllos zusammengeschmissen und kräftig umgerührt, wird schon schmecken. Aber ich mach mir ja auch kein Nutella auf's Mettbrötchen, das muss schon zusammenpassen.


Mörder oder Scharlatan?
Das Problem des Films: Er behält einfach keine klare Linie ein, springt von seiner Stimmung hin und her, versucht scheinbar möglichst viele Geschmäcker irgendwie zu bedienen, dabei aber nichts richtig. In der zweiten Hälfte wird dann fleißig getwistet, wodurch der Film Stück für Stück mehr Glaubwürdigkeit verliert, das letztendliche Resultat ist recht hanebüchener Quatsch. Da soll es dann auch plötzlich wieder ernst, hart und mitreissend sein, der Zug ist inzwischen leider völlig abgefahren. Das Ganze ist so haarstreubend konstruiert, dass es schon viel guten Willens bedarf, sich darauf noch einlassen zu können. Den konnte ich kaum noch aufbringen. Schade, denn die Darsteller sind gar nicht schlecht, die Grundprämisse stimmt und hat irre viel Potenzial und es gibt immer wieder vereinzelte Momente, die durchaus gut umgesetzt sind. Nur das Paket stimmt nicht und das in einem solchen Ausmaß, dass das Filmvergnügen darunter massiv leidet. So bleibt am Ende fast schon etwas Ärger, warum diese Steilvorlage nicht entsprechend verwertet wurde.


4,5 von 10 Bestsellern