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Review: ROBI ROBI ROBIN HOOD – Der Vorfahre von „Helden in Strumpfhosen“

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Fakten:
Robi Robi Robin Hood (When Things Were Rotten)
USA. 1975. Regie: Peter Bonerz, Bruce Bilson, Joshua Shelley, Marty Feldman, Norman Abbott, Coby Ruskin u.a. Buch: Pat Proft, Norman Stiles, Mel Brooks u.a. Mit: Richard Gautier, Richard Dimitri, Misty Rowe, Dick Van Patten, Bernie Kopell, Henry Polic II, Ron Rifkin, David Sabin u.a. Länge: 13 Episoden á ca. 30 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Robin und seine Getreuen sind in Wahrheit eine Bande von Taugenichtsen und Dummköpfen - die nur deshalb siegreich aus Auseinandersetzungen mit Prinz John und dem Sheriff von Nottingham hervorgehen können, weil diese noch weit unfähiger sind. Auch Robins Flamme Marianne hat nicht unbedingt Scharfsinn und Weitblick in die Wiege gelegt bekommen.




Meinung:
Es isst still geworden um Mel Brooks, den Regisseure, Autor, Produzenten und Darsteller, der der Filmwelt solche komödiantische Perlen wie Frankenstein Junior, Frühling für Hitler oder Spaceballs schenkte. Aber auch im TV war der gute Mann lange Zeit aktiv und wurde dort vor allem durch seine 007-Parodie Mini-Max ein bekannter Name - zumindest hinter den Kulissen. Doch dies war nicht Brooks einzige Arbeit fürs Fernsehen. Es gab da ja noch Robi Robi Robin Hood, seine erste Verballhornung der traditionellen Heldenfigur aus dem englischen Sherwood Forest, dem er 1993 mit Robin Hood – Helden in Strumpfhosen quasi eine Neuadaption für die große Leinwand spendierte.


 
Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe
Nun gibt es die komplette Serie Robi Robi Robin Hood (was für ein Titel!) hierzulande endlich auf DVD und wer Brooks-Fan ist, sollte nicht lange warten und zugreifen. Wie eigentlich immer bei ihm Komödien ersteht der Humor nicht nur aus den teils absurden Situationen und einer gute Prise Sprachwitz (die in der deutschen Fassung aber nur sehr selten aufblitzt), sondern vor allem durch das altehrwürdige Konzept, dass es eigentlich keine einzige Figur gibt, die als intelligent zu bezeichnen ist. Die Helden sowie die Schurken sind jeweils eine Gruppe von überheblichen Narren,die in jedes erdenkliche Fettnäpfchen stolpern. Das erschafft immer wieder amüsante Momente und Minuten, es lässt sich aber nicht verschweigen, dass die Serie eine dicke Staubpatina angesetzt hat. Einige, wenn nicht sogar viele, Pointen und Gags wirken gestrig und unzeitgemäß. Es ist wie eine Reise zurück in die Vergangenheit und genau das macht es auch so faszinierend. Denn so durchdachten Nonsens gibt es heute kaum noch zu bewundern. Da ist es verzeihbar, dass nicht alles die Zeit wohlbehalten überstanden hat.


Um seine Freude an der Serie zu haben, die durch ihre Kulissen und die übertriebenen Gesten und Mimen fast schon an eine Theaterstück erinnern, sollte man ls Zuschauer also bereit sein zu akzeptieren, dass Robi Robi Robin Hood an sich nichts zeitloses an sich hat, dafür aber einen kurzweiligen und nicht selten auch amüsanten Blick auf eine frühere Zeit offenbart, die beweist, dass auch damals viele Produktionen mit großem Eifer und Herzblut betrieben wurden. Dazu kommt, dass die Serie durchaus auch heute noch Ideen besitzt, die man in etwas abgewandelter Form, wieder aufgreifen könnte. Denn Mel Brooks narratives Konzept, dass Dummheit gegen Dummheit komisch ist, wirkt zeitlos und unzerstörbar.


6 von 10 lebensrettenden Bibeln

Review: TOKYO TRIBE - What the fuck Sono Sion?!

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Fakten:
Tokyo Tribe
JP. 2014. Regie: Sono Sion. Buch: Sono Sion, Santa Inoue (Vorlage). Mit: Tomoko Karina, Akihiro Kitamura, Ryohei Suzuki, Shota Sometani, Kokone Sasaki, Hitomi Katayama, Yosuke Kubozuka, Haruna Yabuki, Riki Takeuchi, ua. Länge: 118 Minuten. FSK: noch nicht bekannt. Ab dem 16. Juli 2015 im Kino.


Story:
Die Polizei hat nichts zu melden in dieser Version von Tokyo, stattdessen haben die Klans absolutes Herrschaftsrecht in ihren eigenen Bezirken. Das funktioniert auch ganz gut, bis irgendjemand machtgierig wird und einen Krieg zwischen den Klans entfacht.





Meinung:
Schon mal einen Film vom Japaner Sono Sion gesehen? Wenn nicht, dann ist es sehr schwierig, den richtigen Eindruck von „Tokyo Tribe“ entstehen zu lassen. Seine letzten beiden Filme, „Why Don’t You Play in Hell?“ und eben dieser hier, zeichnen sich durch offenbar durch das Missachten jeglicher Regeln und Grenzen aus. Regeln und Grenzen des Filmemachens und menschlichen Verstandes gleichermaßen. Für Sonos Arbeit lassen sich schlicht und ergreifend keine Vergleiche heranziehen, die einem eine ungefähre Vorstellung erleichtern. Es handelt sich hier um einen Film, der schwierig zu sehen, schwierig zu bewerten und kommentieren, aber auch schwierig zu hassen ist. Ein Versuch der Erklärung und Würdigung.


Aufnahme fürs Bewerbungsvideo an James Franco
War „Why Don’t You Play in Hell?“ noch eine Reminiszenz an den Beruf, die große Liebe und den Lebensinhalt von Sono Sion, den Film nämlich, handelt es sich hier nun um eine Zelebrierung der Liebe an die Musik, speziell das Rap-Genre. Als „das größte Rap-Battle der Welt“ beschrieb der Regisseur seinen Film und damit wird er absolut Recht haben. Das Rap-Battle erstreckt sich nämlich über die volle Laufzeit von zwei Stunden und wechselt beliebig Akteure, Handlungsort und -Zeit und macht generell das, was es auch immer vorhat. Die einführenden Minuten lassen dabei nur erahnen, was hier später alles noch abgerissen wird. Etabliert der Regisseur zu Beginn das fiktive Tokyo, in dem sich die Geschichte abspielen wird, werden dem Zuschauer Schlagworte wie Einsamkeit, Armut und Kriminalität an den Kopf geworfen. Ein Vergleich zur Stadt Sin City ist da nicht Fehl am Platze. Nur ein wenig abgefahrener und lauter. Musik gibt es nämlich über die gesamte Laufzeit, von der ersten viereinhalbminütigen Plansequenz bis zum bombastischen finalen Kampf. Dieser scheint keinen wirklichen Anfang zu haben, alles läuft irgendwie ineinander über und ergibt, nach einer zehnminütigen Exposition einen wilden Mix, ein abgefahrenes Etwas von Film in drei Akten.


Nicolas Cage in "Face/Off" war sein Vorbild
Der Plot kann dennoch, gelinde gesagt, einem jeden Zuschauer gepflegt am Gesäß vorbeigehen. Der geht über den obigen Umriss nämlich nicht hinaus. Es gibt Klans, die kriegen sich in die Haare. Das war’s. Der Rest ist eine Chaos-Party, ein Wort, das jetzt einfach mal für dieses Werk erfunden wurde. Doch, doch, Sono bleibt sich seiner Arbeit aus „Why Don’t You Play in Hell?“ treu. Der Absurdität, dem Exzess, dem Humor. War es im Genannten vor allem die Ausgangssituation, die schon wahnwitzig war, ist es hier alles andere, woran man denken und nicht denken mag. Einfach alles. Der Humor ist mal unterschwellig, wenn eine Domina mit der Peitsche knallt und die Kamera ein wenig zuckt, ganz so, als hätte sich der Kameramann erschrocken. Dann aber, und zwar für die überwältigende Mehrheit, ist der Humor so exzessiv auf die Zwölf, dass man sich davor gar nicht retten kann, es sei denn, man schließt die Augen. Und das wird manchmal ganz gut tun, sonst könnte man Gefahr einer Reizüberflutung laufen. Alles ist flamboyant, grell, überreizt, anstrengend, erheiternd und einfach nur vier Nummern zu viel. Es ist wahrlich faszinierend. 


Woop that Shit, Biatches! DJ Demenzia is indahouse!
Und da wurde ja noch kein Wort über die Kulissen verloren. Die sind nämlich der eigentliche Star des Films. Das Set ließ Sono von Studenten errichten und ließ ihnen offensichtlich weitestgehend  freie Hand. Das Ergebnis ist einmalig, abgefahren, nimmt Popkultur ebenso auf’s Korn wie es sie ehrt. Man stelle sich eine Mischung aus dem Fleisch-Fest in Steven Spielbergs „A.I.“, einem Jahrmarkt, einem Problembezirk einer beliebigen Stadt und den Strand-Sets von Baz Luhrmanns Version von „Romeo und Julia“ vor. Dann kommt man vielleicht im Entferntesten gedanklich an die Optik, die sich einem hier offenbart. Durch diese Kulissen lässt Sono dann eine Menschengruppe nach der nächsten tanzen, jagen, rennen und kämpfen. Die Hommagen an Musicals jedweder Art sind da natürlich nicht weit. Den Anfang bildet da noch ganz subtil (Spaß) eine Menschenmenge, die mit Schirmen im Regen tanzt und singt. Die andere berühmte Version von „Singin’ in the Rain“ von Alex DeLarge bekommt auch ihren Platz, wenn wir später urplötzlich in einer Korova Milchbar sind. Wer solche Referenzen und diese japanische „Ich setz noch einen drauf“-Art mag, der wird sich hier sicherlich im Himmel wähnen. Der Film löst jedenfalls jedes Versprechen ein, das er machen konnte und der Name Sono Sion ankündigt.


Als Filmkritiker hat man gewisser Weise die Pflicht, auf die technischen und inhaltlichen Komponenten des Filmes gleichermaßen zu achten und dann ein aus den Einzelteilen ein großes Ganzes zu basteln. Das macht es so schwierig, diesen Film einzuordnen; er funktioniert nämlich nur, wenn man die Birne ausmacht, sich nicht auf jedweden weltbewegenden Inhalt versteift, sondern sich von Sono einfach mal gehörig die Visage polieren lässt. Bei diesem Film gibt es nichts zum Erfassen oder Verstehen, nur etwas zum Erleben. Sono erzählt die Geschichte des Raps, nicht historisch, sondern emotional gesehen. Er macht sich lustig über die sexualisiert, chauvinistische und oberflächliche Form der Musik (jedoch nicht, ohne liebevoll zu sein) und verehrt das kraftvolle Wesen des Genres. „Tokyo Tribe“ ist ein Film, der sich so klar und deutlich „Ich mach jetzt, was ich will“ auf die Stirn gestempelt hat, dass er einerseits faszinierend und sympathisch ist, andererseits den Zuschauer zu Zeiten auch etwas zu vergessen scheint, in seinem ungebremsten Exzess. Am Ende bleiben Ungläubigkeit, hochgezogene Mundwinkel, Verwirrung, Freude und vor allem die Wahrheit, dass Gewalt keine Lösung ist. Musik aber schon.


6 von 10 Typen mit Stahlpenissen


von Smooli

Review: DIE BENNY HILL SHOW - Der dumme August

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Fakten:
Die Benny Hill Show
UK. 1969 – 1989.
Regie und Buch: Benny Hill. Mit: Benny Hill, Jackie Wright, Henry McGee, Bob Todd, Sue Upton, Patricia Hayes, Nicholas Parsons u.a. Länge: 38 Episoden á ca. 25 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Ärger mit der Gattin, Tumult im Supermarkt oder seltsame Restaurantbesuche. Kultkomiker Benny Hill bietet so einige wunderliche Sketche in seiner Show. Kein Wunder, ist seine Show doch ein wildes Potpourri aus Alltagswahnsinn und kuriosem Chaos.





Meinung:
Die großen, personifizierten Säulen der britischen Komik sind zweifellos Monty Python, Rowan Atkinson und… Benny Hill. Der moppelige Hill war gefühlte Ewigkeiten, genauer gesagt 20 Jahre, der Star seiner eigenen BBC-Show, die mehreren von spaßwilligen Generationen ein breites Grinsen, wenn nicht sogar ein lautes Lachen, aufs Gesicht zauberte. Alleine bei der Erkennungsmelodie der Show werden für viele Zuschauer schöne Erinnerungen wach und selbst wer Benny Hill nicht kennt, muss doch gestehen, dass er die Musik das ein oder andere Mal vernommen hat. Nun können sich Fans freuen, denn endlich erscheinen mit „Der Benny Hill Show“ 38 Episoden der Kultsendung in einer DVD-Box und obendrein gibt es sogar noch nie in Deutschland ausgestrahltes Material. Wer also Fan von Benny Hill ist, sollte erst gar nicht weiterlesen und sofort losgehen, um sich die Box zu besorgen


Dort sah sich  Hill am liebsten: Zwischen hübschen Frauen
Der Humor von Benny Hill lässt sich am ehsten mit dem  jungen Dieter „Didi“ Hallervorden vergleichen. Was in Deutschland „Nonstop Nonsens“ war, war in good old england eben „The Benny Hill Show“: Eine teils wirre Aneinanderreihung von diversen Sketchen, die meist knackig kurz waren und ihre Komik u.a. durch universelle Nonverbalität erreichten, die mit dafür verantwortlich war, dass Hill nicht nur in seiner Heimat sondern weltweit zu einem Comedy-Superstar wurde. Es gibt aber auch reinrassigen Slapstick oder Parodien. Was die Show aber vor allem auszeichnet ist ihre teilweise fast schon ärgerliche Sexualisierung. Hill inszeniert mit Wonne Frauen entweder als plumpe Lustobjekte oder überzeichnete Monstrositäten. Vor allem in den späteren Episoden fällt dies immer wieder negativ auf. Zugute halten muss man ihm dabei allerdings, dass die Pointen dennoch meist auf seine Kosten gehen. Hill bleibt stets in der Rolle des Dummen August und zeigt nur sehr selten mit böser Häme auf andere. Heutzutage ist dies fast schon eine Seltenheit. Gutes Stichwort, denn die Komik von Benny Hill hat deutlich Staub angesetzt. Moderne, britische Komik ist weitaus schärfer, smarter und abwechslungsreicher als Hills Nonsens-Parade. Aber gerade in Sachen Humor, sind die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden. Wer also diese Art der Lacherzeugung mag oder favorisiert, kann bedenkenlos zugreifen. Alle anderen haben genügend andere Alternativen.


Die DVD-Box von „Die Benny Hill Show“ bietet insgesamt ein durch und durch rundes Kompaktpaket. Mit über 900 Minuten Laufzeit, der bereits erwähnten Bonusepisode und einer knapp einstündigen Dokumentation über Hill gibt es wirklich genügend Gründe einen Blick, bzw. Kauf zu riskieren. Wer mit dieser Art der Komik aber eher wenig anfangen kann und mit britischem Humor vor allem die Radikalität von Monty Python oder Little Britain verbindet, wird vielleicht dann doch eher unzufrieden sein mit „The Benny Hill Show“.

5 von 10 hässlichen Ehefrauen

Review: DIE HERREN DRACULA - Wenn der Vater mit dem Sohne...Särge kauft

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Fakten:
Die Herren Dracula (Dracula père et fils)
FR, 1976. Regie: Édouard Molinaro. Buch: Alain Godard, Édouard Molinaro, Jean-Marie Poiré, Claude Klotz (Vorlage). Mit: Christoper Lee, Bernard Menez, Marie-Hélène Breillat, Catherine Breillat, Mustapha Dali, Bernard Alane, Claude Génia, Jean-Claude Dauphin, Anna Gaël, Gérard Jugnot u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Richtig nach Papa kommt Draculas Sohn Ferdinand nicht gerade. In über 200 Jahren hat er noch keinen Menschen getötet, um seinen Blutdurst zu stillen. Sein Vater ist schwer enttäuscht. Die rumänische Revolution zwingt die Beiden zur Flucht aus ihrer Heimat, auf der sie getrennt werden. Junior strandet in Paris, wo er sich getarnt als illegaler Einwanderer mit ehrlicher Arbeit über Wasser hält, nach Möglichkeit mit welcher, die ihm ohne schlechtes Gewissen den Zugang zu Blut ermöglichen. Senior landet in London, merkt schnell, dass es in der modernen Welt nicht so einfach ist, sich nach Belieben durch die Gegend zu beißen und wird zufällig Star einer Vampirfilmproduktion. Als Dreharbeiten ihn nach Paris verschlagen, ist die Familie endlich wieder vereint. Doch dann begegnet Dracula Nicole, dem exakten Ebenbild seiner verstorbenen Gemahlin. Sie soll für die Ewigkeit an seiner Seite sein, was Menschenfreund Ferdinand verhindern will.







Meinung:
Einige Schauspieler durften in ihrer Karriere schon in die Rolle von Graf Dracula (oder einer Variation davon) schlüpfen, doch niemand so oft wie Christopher Lee. Erstmals für die Hammer-Studios im Jahr 1958, allein für sie verkörpert er satte acht Mal den Fürst der Finsternis, was ihn zur Legende machte. 1976 waren diese Zeiten vorbei, die Hammer-Studios schon selbst so gut wie tot, dennoch legte er noch einmal Fangzähne und Umhang an. Für die französische Persiflage „Die Herren Dracula“ parodiert er selbst seine berühmteste Rolle. Im ersten Moment klingt das ehrlich gesagt wenig schmeichelhaft, eher wie ein peinliches Gnadenblut für den gestandenen Mimen. Glücklicherweise ist dem nicht so, immerhin sitzt mit Regisseur Édouard Molinaro ein Komödienfachmann am Ruder (u.a. „Oscar“ oder „Ein Käfig voller Narren“).


Auch wenn es nicht so aussieht, er ist kein Mustervampir
Zu Beginn scheint kaum ein Unterschied zu den ursprünglichen Hammer-Filmen bestehen, die ersten zehn Minuten könnten genauso gut aus jedem von diesen stammen. Erst wenn Draculas Sohnemann (der Familienname wird übrigens nur im Titel, nie im Film erwähnt, bleiben wir trotzdem einfach mal dabei) das Licht bzw. eher die Dunkelheit der Welt erblickt – ganz stilecht in einer Sarg-Wiege, sehr putzig – beginnt der lustige Teil. Mit fünf Jahren hält der Kleine seinen inzwischen verwitweten Vater ordentlich auf Trab. Spielt mit menschlichen Schädeln („Ferdinand, man kegelt nicht mit der Urne seiner Mutter!“), will sein Blutfläschchen nicht austrinken und sperrt lausbübisch die untote Nanny bei Sonnenaufgang vor die Tür, der kleine Racker. Typische Kleinkinder Probleme eben. Allerdings entwickelt sich Ferdinand nicht zu Papas ganzen Stolz: Mit 200 Jahren ist er immer noch ein Flaschenkind, das Töten von Menschen ist ihm zuwider. Der politische Umbruch in ihrer Heimat zwingt sie auch noch zur Aufgabe ihres bis dato in der Zeit nahezu stehengebliebenen Jagdgebietes, sie müssen auf die andere Seite des Eisernen Vorhanges, in den goldenen Westen fliehen. Nicht ganz einfach, auch für Vampire, und so trennen sich unfreiwillig ihre Wege. Während Ferdinand sich in Paris als illegaler Tagelöhner inkognito durchs Leben schlagen muss, irrt der einst so stolze und gefürchtete Vater durch die Nacht von London und muss feststellen, dass die moderne Welt so einige Tücken parat hält für Blutsauger, die nur das transsilvanische Hinterland gewohnt sind.


Auch auf seine alten Tage ist Papa ein Gourmét geblieben.
Allein diese Idee beinhaltet schon eine feine Ironie. Ferdinand versucht sich als Mensch zu integrieren, will Arbeiten und ein verhältnismäßig „normales“ (Menschen)Leben führen, muss jedoch irgendwie versuchen, seinen Blutdurst zu stillen. Papa hingegen will einfach weiterhin sich durch die Bevölkerung saugen, scheitert dabei an der Blutarmut von Gummipuppen oder der ihm bisher unbekannten Transparenz von Glastüren (egal wie blöd das klingt, wenn das so exakt getimt ist, ist auch so was echt lustig) und muss letztlich – wenn auch zufällig - einen menschlichen Beruf annehmen (als Darsteller in einem Vampirfilm, „Shadow of the Vampire“ lässt grüßen) um nicht zu verhungern. Ganz frei von Albernheiten ist und kann wohl ein Film wie „Die Herren Dracula“ kaum sein, dafür noch in einem angenehmen, eher gedrosselten Rahmen. Die meisten Gags funktionieren tatsächlich recht gut, manche Momente sind schlicht zum Schießen. Allein eine klassische Mann-Frau-Problematik im Schlafzimmer…pardon, im Sarg…und wie elegant der Herr sich der nervigen Situation entledigt, köstlich („Armes Schnuckilein“). Auch der Einkaufbummel von Vater und Sohn beim Bestatter kann sich sehen lassen („Darf mein Sohn ihn probieren?...Zieh‘ deine Schuhe aus!“).  


Es ist hier nicht alles pures Comedy-Gold, das braucht man nicht beschönigen, dennoch werden genug nette Situationen geboten, die für ein angenehmes Sehvergnügen sorgen. Zum Schluss baut der Film dann nur sichtlich ab, der Vater/Sohn-Konflikt um das Ebenbild von Gattin/Mutter ist kein besonderes Highlight, das schleicht sich so zum Abspann hin. Trotzdem, insgesamt macht der Film deutlich mehr Spaß, als man wahrscheinlich vorher erwartet hätte. Das ist kein „Tanz der Vampire“, aber auch kein dümmliches Kasperletheater und Christopher Lee hatte offensichtlich auch Spaß am Dreh, das merkt man. Nicht selbstverständlich, solch ein Rollenangebot hätten viele an seiner Stelle wahrscheinlich empört abgelehnt. 

6 von 10 widerspenstigen Katzen

Review: 5 ZIMMER KÜCHE SARG - Die Vampire von Wellington

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Fakten:
5 Zimmer Küche Sarg (What we do in the Shadows)
NZ. 2013. Regie und Buch: Taika Waititi, Jermaine Clement. Mit: Taika Waititi, Jermaine Clement, Jonathan Brugh, Stuart Rutherford, Jackie van Beek, Ben Fransham, Con Gonzalez-Macuer, Rhys Darby u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 5. Juni auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Kamerateam begleitet für eine Dokumentation eine Gruppe von Vampiren, die innerhalb der neuseeländischen Hauptstadt Wellington leben. Dabei wird die Kamera Zeuge vom ganzgewöhnlichen Alltag der Blutsauger, sowie den Problemen und Vorzügen des Vampirdaseins.





Meinung:
Grundgütiger! Da sitze ich im Kino und sehe, dass ein neuer Film mit dem Titel „5 Zimmer Küche Sarg“ bald sein Release feiert. Einst, also vor zwei Monaten, hat dieser Titel den kleinen Roldur angepisst. Dann saß er im „Burger King“ und las in der Laden eigenen Zeitschrift. Ihr wisst schon, die Zeitschrift, die alles gut findet – im Prinzip also Werbung. Die Folge war: Ich hatte noch weniger Bock auf den Film. Bis ich merkte, dass die kreativen Köpfe von „Flight of the Conchords“ hinter der Mockumentary steckten und ich endlich den grandiosen Trailer sah.  In all' meiner Weisheit fiel mir dann auch auf, dass ich dringend mehr von diesen Neuseeländern sehen sollte, denn ich kenne bis heute nur einen kurzen Sketch von „Flight of the Conchords“. Peinlich, oder?



Auch Vampire haben Rhythmusgefühl
WG-Leben ist ja an sich schon schwer. Wenn man einzieht kommt erst die Euphorie. Man ist jetzt halbwegs selbstständig und darf so viel zocken, saufen, kiffen und essen wie man will. Zum Frühstück Burger, danach eine ausgiebige Dusche und die Küche im 14-Tage Rhythmus aufräumen. Dann kommt der Schimmel und letztendlich auch der Krach mit den Mitbewohnern. Irgendwann merkt man, dass auch Selbstständigkeit nur relativ ist und schon simple Aufgaben zur Tortur werden können. Den Müll rausbringen zum Beispiel – aber das ist eine andere Geschichte. Im neuesten Film von Jemaine Clement und Taika Waititi werfen wir einen Blick auf eine Vampir-WG bestehend aus Deacon (183 Jahre), der Jungspund und Rebell der Gruppe, Viago (379 Jahre), ein Sauber- und Edelmann, Vlad der Stecher (862 Jahre), ein blutrünstiger und folternder Vampirfürst mit Beziehungsproblemen  und letztendlich Petyr, ein 8000 Jahre alter Nosferatu-Verschnitt. Die Kameramänner sind natürlich mit Kruzifix ausgestattet und somit „Unfallversichert“.  Jetzt aber genug Vorgeplänkel. Ich greife mir jetzt Knoblauch und Weihwasser und mach mich ans Eingemachte...


Vladislav sollte man nicht reizen
„5 Zimmer Küche Sarg“, im Original „What We Do in the Shadows“, hat sehr viel von „Monty Python“. Der klamaukige Humor, die Kenntnis und Liebe zum persiflierten Genre und die chaotische Anarcho-Ader. Der Film macht buchstäblich keine Gefangenen und switcht von schwarzem Humor zur gefühlvollen Ode an die ewige Liebe. Gefühlvolle Zombies oder Vampire gab's ja nu' schon genug in den letzten Jahren aber nie so gut wie hier. Viago mag zwar verliebt sein, er lässt aber auch das Blut spritzen und hat mehr Charakter als jeder glitzernde Sonnyboy der „Twilight“-Reihe. Gut, der Waschbrettbauch fehlt – aber wer will schon so oberflächlich sein. Wichtig ist, dass wirklich jeder Charakter für Lacher gesorgt hat und mein Interesse geweckt hat. Sei es Petyr, der den ganzen Film über kein Wort verliert oder der hoffnungslos rüpelhafte Deacon, jeder hat seine eigene, kleine Geschichte, über die ich unbedingt mehr erfahren wollte. Allein aus der Dynamik der Hauptpersonen heraus entsteht also die Handlung, die schlussendlich mit einer hohen Gag-Dichte (von denen auch sehr viele zünden), viel Originalität und echter, unverfälschter Skurrilität hausieren gehen kann.


Die 6 Euro hab ich mir gerne absaugen lassen, das war es mir wirklich wert. Nun bin ich also wieder in mein durchschnittliches WG-Leben zurückgekehrt. Bin kein Meister von irgendwem, zitiere nie die „Lost Boys“ und muss auch nie die ganze Wohnung mit Zeitungen auslegen – fliegen kann ich auch nicht. Was mir bleibt ist der Schimmel unter dem Deckel einer Ravioli-Dose. Aber dank „5 Zimmer Küche Bad“ konnte ich kurzzeitig dem traurigen WG-Alltag entfliehen und habe die wohl beste Komödie des Jahres gesehen.
Na, wenn das nichts wert ist.


“I can’t really explain why us vampires prefer virgin blood over anything else. But put it this way… wouldn’t you rather eat a sandwich if you knew nobody had fucked it?”


8 von 10 gefickten Sandwiches


von Roldur