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ROGUE ONE: A STAR WARS STORY - Auf die Größe des Imperiums kommt es an

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Fakten:
Rogue One – A Star Wars Story
USA. 2016. Regie: Gareth Edwards. Buch: Tony Gilroy, Chris Weitz, Gary Whitta, John Knoll. Mit: Felicity Jones, Diego Luna, Alan Tudyk, Donnie Yen, Wen Jiang, Ben Mendelsohn, Forest Whitaker, Riz Ahmed, Mads Mikkelsen, Jimmy Smits, Alistair Petrie, Genevieve O'Reilly, Ben Daniels, Paul Kasey, Stephen Stanton, Ian McElhinney uvm. Länge: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 15. Dezember 2016 im Kino.


Story:
Die Galaxie befindet sich im Wandel, und das Imperium bringt ein Sternensystem nach dem anderen unter seine Kontrolle. Der Todesstern fungiert dabei als unbesiegbares Symbol in einem Kampf, der bereits entschieden scheint. Doch die Rebellen-Allianz hat eine letzte Mission in die Wege geleitet, um das Schicksal der Galaxie zu ändern: Die Widerstandskämpfer, unter ihnen die zunächst widerwillige Halbwaise Jyn Erso (Felicity Jones), wollen die Pläne des Todesstern stehlen, um die Zerstörung weiterer Planeten, die sich nicht dem Machtarm des Imperators unterwerfen wollen, zu verhindern.




Kritik:
Die
Franchise-Ausschlachtung nach Marvel-Format, der entbehrliche Fanboy-Hype, die unausweichliche Skepsis gegenüber Spin-Offs, die Produktionsschwierigkeiten unter Beihilfe von Tony Gilroy, etc., etc. - auch wenn alle äußeren Faktoren dagegen sprechen, ergibt „Rogue One: A Star Wars Story“ letzten Endes dennoch eine angenehme Überraschung. Im Grunde bestätigt der Film aber auch nur die Qualitäten seines Regisseurs Gareth Edwards, dessen Leistungen innerhalb seiner zwei letzten Werke, „Monsters“ und „Godzilla“, im Verlauf der Jahre so kleingeredet wurden, dass man's beinahe schon glaubte. Dabei geht seine Autorenschaft hier erneut voll auf, wenn er den Krieg im Krieg der Sterne an die Front der Emotionen holt, von der Überwältigung Einzelner erzählt und dafür tief in die Mythologie der Space-Oper greift, um Gigantisches wie Fremdartiges als Sinnbild der menschlichen Probe zu ballen. Das schließt natürlich auch ein, dass er sein Ensemble an Charakteren nicht so eindeutig an Wiedererkennungswerte koppelt, wie sie Vorgänger J.J. Abrams konstruierte, doch wo dieser per bunter Retro-Pastiche ankam, sind die Funktionen von Jyn Erso (Felicity Jones), Cassian Andor (Diego Luna) oder Saw Gerrera (Forest Whitaker) diffuser, bewusst auf stets unsicherem Boden aufgeteilt. Das geht schon von der leichten Handkamera aus, die in ihrer Erdung gen Cast klaustrophobische Stellungen einnimmt, ehe der Blick zum Horizont, der Zerstörung dessen und darüber hinaus, die Massen des Imperiums offenbart, wie die Planetenzerstörer in stiller Kälte über den Köpfen schweben, von dort aus eine Zerstörung erwirken, die Edwards sinnlich durch die Dimensionen trägt, machtlos beobachtet.

 
Dieser Horror der Demut, der seine Perspektiven am Spektakel vorbei auf die Gewissenlosigkeit des Bösen richtet, wird oftmals der Fokus innerhalb der Bemühungen jener Rebellen, welche untereinander schon von Misstrauen gekennzeichnet sind, sowieso ohne das Selbstverständnis der Magie aus vorherigen Episoden auskommen müssen. Stattdessen begibt sich Edwards mit ihnen ins Peitschen der Elemente, schon im Intro auf karge Felder unter Wind und Regen, in denen die galaktische Fehde ihr Fieber der Gewalt ausstößt, zwischen Galen Erso (Mads Mikkelsen) und Orson Krennic (Ben Mendelsohn) die ideologische Bekehrung einprügelt, in der Uniformen alles von sich abperlen und der Karriere wegen in die Lumpen der Unfreiwilligen fallen lassen. Dieses Abbild an Macht-/Missbrauchs-Verhältnissen, mehrmals im Verlauf des Films variiert, löst virtuos die Vergleiche mit Akira Kurosawa ein, die man der Reihe seit jeher anrechnet und setzt die Gefälle des Wesens Krieg dann auch im Spiel von Licht und Schatten um, dass man für knapp 130 Minuten eine Liaison mit dem allzu gegenwärtigen Spektrum an Widerständen und Vertrauensfragen eingeht. In diesem Sinne bricht der Film oftmals mit dem Konsens an Eskapismus, den man allgemein mit der Marke „Star Wars“ verbindet (auch wenn er nur ein Teil derer ist), so wie sich die Geschichte ihrer selbst willen von der Title-Scroll-Pflicht löst, bei der Einführung aller wirkenden Parteien schon auf eine Desorientierung fern festgelegter Sympathien setzt und es insofern schwieriger macht, das ersehnte Quäntchen Hoffnung anzutreffen. Es passt ins Jahr 2016, dass wir auch in diesem Rahmen mit moralischen Grautönen zu hadern haben, Druckwellen an Pessimismus nachspüren und den Schluss der Aufopferung ziehen.

 
Der Fatalismus nimmt überhand und behält sich dafür auch ein Finale vor, das makaber wie ein Veit Harlan den Sieg ohne Sieger empathisiert - „Das Imperium schlägt zurück“ bekommt Konkurrenz. Edwards kommt zwar auch nicht vom Grundriss der Heldensage weg, doch selbst wenn der Wille zur Wiederwehr hochgeschaukelt wird, verkneift er sich naiven Pathos, lässt anstelle dessen die Verzweiflung aufschwellen, welche ihren Idealen nur schwer in die Augen sehen kann, während diese unbarmherzig getilgt werden. Deren (ewige) Präsenz lässt sich aber nicht leugnen und dafür holt die Regie ein Gesamtbild raus, das seine Mammuteffekte der Phantastik in verlebte Kulissen nach „Solaris“-Art einspannt, sich vermummt durch den Sand schleppt, mit hageren Haaren und klobiger Rüstung auf nasse Schluchten hievt, an dreckigen Schläuchen atmet, unter Freunden wie Feinden Kugeln und Granaten einschießt, ebenso Roboterhirne aufschraubt. Die taffe, sehr direkte Montage zu solchen Eindrücken sucht dieses Jahr ihresgleichen! Daran werden auch durchaus im Voraus vermutete Actionszenarien aufgearbeitet, doch die bringen eine kernige Spannung mit sich, weil Edwards in der Ratlosigkeit seiner Helden eine Spontanität aus diesen schöpft, die lediglich in geringsten Anteilen mit der Blockbuster-Standard-Anlaufstelle Humor reagiert – der angebliche Szenenstehler-Android K-2SO (Alan Tudyk) belässt es da dann auch mehr bei trockenen Bemerkungen. Kein Wunder also, dass der Fan-Service minimalen Einfluss hat, zwar trotzdem stört oder auch befremdet (Stichwort: digitale Verjüngung), sich jedoch nimmer in die Belange des charakterlichen Nukleus einmischt. Da muss man sich auch mal diese ungemein starke Jyn Erso reinziehen, welche von einem Trauma ermordeter Vertrauenspersonen ins nächste rutscht, permanent die Enttäuschung verlorener Zeit durchlebt und quasi im Schockzustand den Vorstoß gegen das Imperium mobilisiert, deren Gefahren ohnehin eine ermattende Grobheit vorleben.

 
Deren Todesstern erreicht in diesem Sinne auch ein Gewicht wie nie zuvor, das in der schlichten Bewegung der Schatten und Laser zum gnadenlosen Monster manifestiert, welches Obermotz Krennic seinem sterbenden „Publikumvorstellen will. Wenn der Mann redet, spuckt die Arroganz zudem so kurzatmig, dass sich selbst Darth Vader in Zurückhaltung übt, gerade in einer Subtilität, in der das rote Lichtschwert die alleinige Lichtquelle wird, einen Albtraum von der dunklen Seite der Macht aus evoziert – vom Gedanken lesenden Tentakelviech als Vorschau ganz zu schweigen. Edwards ist da wie gesagt geschickter als Abrams unterwegs, wenn es um die Kräfte des Schreckens geht, ironischerweise findet er sodann das meiste Licht, eben den unbedingten Glauben an die helle Seite der Macht, im Blinden, Chirrut Îmwe (Donnie Yen). Als Typ ist man ihm allerdings näher als manch Mitglied der an Jedi-/Sith-Kräften beerbten Skywalker-Sippe, so abgeklärt denen das Schicksal schon in die Wiege gelegt wird, er sich hingegen mit Vertrauen herantastet, nicht durch Ären an Backstory definiert ist und nimmer 100%-ig aufgeklärt wird, gerade darin aber greifbar bleibt, ohne rein kalkulierbare Rollenmodelle der knappen Emotionalisierung wegen zu bestätigen. Der Großteil an hier kontinuierlich erarbeiteten Sympathieträgern operiert in jener Erzählweise, braucht sich im Dialog dann auch nicht auf simplistisches Phrasendreschen einlassen, eher auf die Ambivalenz an taktischen Manövern reagieren und dort am Konkretesten wirken, wo die Allianzen zum Guten noch umstritten sind. Hallt da die Hoffnung nach, die man im Strudel an schweren Verlusten nicht aussprechen kann, aber in jeder potenziellen Chance festhält?


Sich in der Waage um Aufgabe und Fortschritt zum Optimismus einzufinden, wird da sowohl der stärkste Antrieb als auch die konzeptionelle Schwäche des Films, wenn er seine Gewichte aufs Bewusstmachen brutaler Größenverhältnisse verlagert, die Erlösung aus deren Willkür im Verstecken bzw. als trojanische Pferde erwirkt und zu guter Letzt für die gute Sache sterben muss. Jene (Selbst-)Zerstörung bedingt er sogar mit Ankündigung, solange ein Mann wie hundert gegen die Truppen des Terrors antreten kann/will. Ein Kriegsfilm, wie er leibt und lebt, inklusive „For Yadha!“ und „May the force be with us“ als Schlachtrufe der Rechtschaffenheit, ohne in die Falle des Jingoismus zu tappen, was eben nur anhand des Nihilismus im Imperium sowie der Hoffnungsverdrossenheit binnen der Rebellion gelingt. Das lässt sich als Produkt einer Disney-Unterhaltungsmaschinerie teilweise schwer schlucken und treibt manchmal deutlich in trüben Gefilden der Todessehnsucht herum, signalisiert aber auch den Wachstum für eine Serie, die ihre Differenzierungen von Gut und Böse wie Macht und Ehre inzwischen wieder hauptsächlich mit Knalleffekten zu verknüpfen drohte. Bei Edwards wird der Furcht wegen nicht chargiert, beim Glauben an die Macht aber erst recht nicht via Nerd-Zynismus ironisiert, sondern (selbst in vermeintlich gedämpften Phasen) auf die Kadrierungen, rauen Flächen und Natürlichkeiten eines Krieges vor langer, langer Zeit in einer weit entfernen Galaxis konzentriert. Fantasievoll, brutal und ehrlich nah dürfte die Enttäuschung unter Einbeziehung aller sorgfältigen filmtechnischen Qualitäten und Eigenarten also eher gering ausfallen.


7 von 10 Baller-Gnomen


vom Witte

Review:THE HUNTSMAN & THE ICE QUEEN - Ohne Snow White ist man besser dran

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Fakten:
The Huntsman & the Ice Queen (The Huntsman: Winter’s War)
USA. 2016.
Regie: Cedric Nicolas-Troyan. Buch: Craig Mazin, Evan Spiliotopoulos. Mit: Chris Hemsworth, Emily Blunt, Jessica Chastain, Charlize Theron, Nick Frost, Rob Brydon, Sam Claflin, Alexandra Roach, Sophie Cookson, Colin Morgan, Ralph Ineson, Sheridan Smith, Jonathan Buckhouse, Sam Hazeldine, Mark Haldor u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Einige Jahre bevor Snow White sich gegen die böse Königin Ravenna auflehnt, dienen Huntsman Eric und die Kriegerin Sara unter der Eiskönigin Freya. Die verlangt von ihren Soldaten, der Liebe abzuschwören, doch Eric und Sara können ihre Gefühle füreinander nicht verleugnen. Als Freya und ihre Schwester Ravenna gemeinsam das Königreich bedrohen, liegt es an Eric und Sara, die Welt vor der Dunkelheit zu retten.




Meinung:
Mit „Snow White and the Huntsman“ konnte Universal vor vier Jahren einen profitablen Hit für sich verbuchen. Stolze 396 Millionen US-Dollar erwirtschaftete der Film weltweit an den Kinokassen und verhalf damit modernisierte Märchen, bzw. massentaugliche Interpretationen davon als neuen Blockbuster-Trend zu etablieren - was später von Disney mit „Cinderella“ und „Maleficent – Die dunkle Fee“ weiter ausgebaut wurde. In den nächsten Jahren sollen noch mehr solcher filmischer Vehikel in unsere Kinos kommen, deren Anfang mit Terry Gilliam „Brothers Grimm“ im Jahre 2005 noch auf unfruchtbaren Boden stieß.


Dunkle Zeiten aus der Vergangenheit des Huntsman
Nun erwartet uns mit „The Huntsman & the Ice Queen“ erstmal eine Fortführung des erfolgreichen Märchen-Actionfilm-Hybriden aus dem Jahr 2012.Diesmal unter der Regie von Cedric Nicolas-Troyan, der hiermit sein Regiedebüt abliefert und Rupert Sanders beerbt, der nach einer Affäre mit Snow White-Darstellerin Kirsten Stewart wohl für zu viele negative PR sorgte. Aber auch Stewart blieb dem Projekt fern, stattdessen fokussiert sich die Fortsetzung, welche im ersten Akt als Prequel beginnt, voll und ganz auf den von Chris Hemsworth gespielten Eric, den Huntsman aus dem ersten Teil. Der Verzicht auf Snow White ist nicht die einzige Reduzierung, die der Film präsentiert. So wurden die sieben Zwerge auf zwei verringert und die Märchenwelt um einige Stilelemente erleichtert (der Vorgänger war noch ein wildes Potpourri verschiedenster Fantasywelten, die teilweise sogar an die Werke des Studios Ghibli erinnerten). Dafür wurde an anderer Stelle ordentlich draufgepackt. Nicht nur, dass es mit Charlize Theron als böser Königin Ravenna, ein Wiedersehen gibt, nein, diesmal bekommt es der Huntsman auch mit deren frostiger Schwester, der Eiskönigin Freya, zu tun sowie mit einer alten Geliebten. Emily Blunt und Jessica Chastain fällt es zu, diese beiden Rollen einzunehmen und sie bilden gemeinsam mit Charlize Theron ein namhaftes Trio, welches eigentlich Qualität suggeriert und wohl auch Zuschauer anlocken soll, die den ersten Teil links liegen ließen.


Der Teufel trägt Prada, die Eiskönigin Metall
Tatsächlich gelingt es den Machern bei „The Huntsman & the Ice Queen“ wesentlich besser als im Vorgänger eine Geschichte widerzugeben, die nicht immer wieder durch diverse verschiedene Stilwelten trampelt, ohne dabei sich eine eigene Basis zu schaffen. In der Fortsetzung gelingt die Annektierung eines Märchenreichs wesentlich besser, eben weil die präsentierte Fantasywelt diesmal wie aus einem Guss wirkt, auch wenn das Drehbuch von Evan Spiliotopoulos und Craig Mazin letztlich seine Versatzstücke aus diversen Märchen nimmt und bei der Fusionierung dieser nicht wirklich ein harmonisch wirkendes Ganzes produziert. Stattdessen wirkt das Ganze immer noch mehr wie ein Flickenteppich, bei dem der Titelheld und sein späteres Gefolge von Etappe zu Etappe geschickt werden, während im Königreich von Emily Blunts Eiskönigin die Liebe immer wieder als wahres Böses deklariert wird. Zur Erklärung: Einst wurde Freya von der Liebe hintergangen und sorgt nun in ihrem Königreich dafür, dass all diejenigen bestraft werden, die sich nicht von der Liebe lösen. Dass der Huntsman dagegen rebelliert, das Freya selbst nur ein Opfer ist und dass böse Mächte ihr manipulatives Spiel spielen, sollte da niemanden überraschen, denn „The Huntsman & the Ice Queen“ tischt seine Geschichte und seine Charaktere teilweise so stumpf und schematisch auf, dass das Märchen letztlich nur zu einem Deckmantel wird, um gängige erzählerische Konventionen mut- und wagnislos über sich ergehen zu lassen.


Immerhin: „The Huntsman & the Ice Queen“ kommt weitestgehend ohne Längen aus, die Figuren besitzen untereinander gut harmonierende Dynamiken und auch wenn der Fantasyfilm erzählerisch arg sprunghaft und notdürftig zusammengenormt erscheint, gelingt dem Regisseur hier zumindest ein kompaktes Gesamtwerk, dass beweist, das Märchen und phantastische Geschichten auch dann ein Opfer von Redundanz und Kalkül werden können, wenn sie mit viel Aufwand betrieben werden. Alles in allem ist das Sequel nicht so ärgerlich wie sein Vorgänger, wahre Kinomagie sieht und fühlt sich dennoch anders an.


4 von 10 entflammbaren Trollen

Review: MINIONS - Gelbe Monotonie

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Fakten:
Minions
USA. 2015. Regie: Pierre Coffin, Kyle Balda. Buch: Brian Lynch. Orig. Stimmen von Pierre Coffin, Sandra Bullock, Jon Hamm, Michael Keaton, Allison Janney, Steve Coogan, Steve Carell, Geoffrey Rush, Katy Mixon, Dave Rosenbaum, Chris Renaud, Jennifer Sauners, Hiroyuki Sanada uvm. Dt. Stimmen von Carolin Kebekus, Pierre Coffin, Sascha Rotermund, Ulrike Möckel, Oliver Rohrbeck, Marcus Off uvm. Länge: 91 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Im Kino.


Story:
Ein Geheimnis der Filmgeschichte wird gelüftet: Die Geschichte der Minions – von ihren Anfängen als Einzeller bis hin zu ihrer aufregenden Reise durch Zeiten und Welten auf der Suche nach einem neuen, fiesen Herrn und Meister. Den finden Kevin, Stuart und Bob in Scarlet Overkill, die als erste weibliche Superschurkin die Weltherrschaft an sich reißen will. Von der kalten Antarktis über das New York der 60er Jahre führt der Weg die Minions bis ins hippe London. Dort müssen sie ihre bisher größte Herausforderung meistern: Die Rettung aller Minions!





Meinung:
Es fing alles mit Universals Versuch an sich auf dem Markt der Animationsfilme zu behaupten. 2010 gelang ihnen mit „Ich – Einfach unverbesserlich“ ein großer Erfolg und schon dort waren die gelben, wirschen Pillen (genau, gemeint sind die Minions) zu sehen. Wenn auch ausschließlich als Lückenfüller zwischen der eigentlichen Geschichte des Superschurken Gru, der den Mond stehlen will, sich aber plötzlich mit der Rolle eines Vaters konfrontiert sieht. Das noch erfolgreichere Sequel schob die Minions dann mehr in den Vordergrund. Es erinnert schon an „Ice Age“ und dem prähistorischen Eichhörnchen Scrat. Dieses war im ersten Teil auch noch als reinrassige Intermezzo-Figur aufgetreten und wurde in den dann kommenden Sequels immer prominenter und häufiger eingesetzt.


Bob, Kevin und Stuart: Das Abenteuer beginnt
Doch die gelben Maiskörner, die zumindest in „Ich – Einfach unverbesserlich“ durchaus auch den einen oder anderen schwarzhumorigen Moment ablieferten, haben Scrat in Sachen Beliebtheit und Popularität längst überholt. Denn während bei „Ice Age“ immer noch Faultier, Säbelzahntiger und Mammut die Helden sind, spendierte Universal den Minions nun ihren ersten, eigenen Solo-Film, der als Prequel zu den Filmen mit Schurke Gru fungiert. Erneut ist Regisseur Pierre Coffin für den Film mitverantwortlich, der übrigens auch die Minions spricht. Unter seiner und der Führung von Co-Regisseur Kyle Balda entstand eine familienfreundliche wie universell verständliche Komödie, in der die gelben Maiskörner vom aufgeblähten Running Gag zur Hauptattraktion aufsteigen. Die Geschichte erweist sich dabei als so einfach, dass vom kleinen Grundschüler bis hin zum betagten Senior niemand ausgeschlossen wird. Der Look von „Minions“ gleicht dabei dem der beiden „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filme, in denen das Flair der Swinging Sixties etwas untergerührt wurde. Richtig konsequent wird der Retro-Charme aber nicht genutzt, dafür ist “Minions“ dann doch zu cartoonartig.


Ist Scarlet Overkill wirklich die richtige Chefin für die Minions?
Das ist im Grunde dann auch die Problematik des Films. Er bleibt stets einem oberflächlichen Eskapismus treu, der zwar dazu führt das „Minions“ rasant einen Gag nach dem anderen auffädelt, sich dabei aber in den immer gleiche Mechanismen bedient und sich schließlich in diesen regelrecht verheddert. Der Humor des Films wird somit recht früh bereits ein Opfer dieser Monotonie. Ein probates Mittel dagegen wäre etwas Subversion gewesen, doch dazu kommt es eher selten. “Minions“ bleibt stets seinen eigens aufgestellten Regeln treu und versucht zu keiner Zeit dieser auf irgendeine Art und Weise zu verlassen. Man merkt dem Film oft einfach zu sehr an, dass er vor allem produziert wurde, um die Minions als eigene Marke, als Produkt, zu profilieren. Mögen Kevin, Stuart und Bob noch so knuffig, chaotisch und süß sein, letztlich sind Gelddruckmaschinen in blauen Latzhosen. „Minions“ wirkt also wie ein überlanger Werbespot für Minions-Merchandise und die „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filme.


Wer schon bei den Trailern Tränen vor Lachen in den Augen hatte und die Minions trotz übersättigenden Werbe- und Produktkampagnen noch süß findet, der wird mit ihrem ersten Solo-Abenteuer gewiss wenig, ach nee, eigentlich gar nichts falsch machen. Wer mehr erwartet als durchexerzierte Knuffigkeit und eine primär auf Funktionalität statt auf Faszination ausgerichtete Handlung, der kann die gelben Wasauchimmerdasseinsoll problemlos links liegen lassen. Es gibt bessere Alternativen. Eine davon heißt „Alles steht Kopf" und startet im Herbst bei uns.


4 von 10 netten Schurkenfamilien

Review: INSIDIOUS: CHAPTER 3 – JEDE GESCHICHTE HAT EINEN ANFANG – Gönnt den Toten endlich Ruhe

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Fakten:
Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang
USA. 2015. Regie und Buch: Leigh Whannell.
Mit: Dermot Mulroney, Stefanie Scott, Lin Shaye, Leigh Whannell, Tate Berney, Hayley Kiyoko, Angus Sampson, Ashton Moio, Michael Reid MayKey, Steve Coulter, Anna Ross u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 5. November 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nur widerwillig hilft das Medium Elise Rainier der jungen Quinn bei der Kontaktaufnahme zu ihrer toten Mutter. Rufe man den Geist eines Toten, so können alle diesen Ruf hören, warnt Elise.
Leider kommt ihre Warnung zu spät, denn eine dunkle Macht hat es bereits auf Quinn abgesehen. Zusammen mit Tucker und Specs, die sich auf paranormale Erscheinungen spezialisiert haben, nimmt Elise den Kampf gegen das Böse auf.





Meinung:
James Wan darf sich dank „Insidious“ oder „The Conjuring – Die Heimsuchung“ als eine Art (Neu-)Initator des großspurigen Horror-Blockbusters definieren lassen, hat der Australier es doch vollbracht, mit diesen Filmen das Mainstreampublikum in Scharen abzuholen und Unsummen in die Kinokassen zu spülen. Die Konsequenzen dessen kamen auf dem Fuße: Beide Werke werden nun und in Zukunft bis zum Erbrechen gemolken (aber das kennt der kreative Kopf hinter „Saw“ ja ohnehin schon). Zu „The Conjouring – Die Heimsuchung“ wurde im letzten Jahr auch schon ein desaströses Spin-off namens „Annabelle“ veröffentlicht, bei dem Regisseur John R. Leonetti in sagenhafter Inkompetenz gleich mal veranschaulichte, wie man einem Roman Polanski NICHT Tribut zollt. Aber bevor sich im nächsten Jahr „The Conjuring 2: The Enfield Poltergeist“ flächendeckend über die Lichtspielhäuser ausbreiten darf, steht nun erst mal „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ bereit und klopft an die Pforten, um sich die wohlverdiente Schelte abzuholen.


Wenn Dämonen zu echten Stalkern werden
Kein Problem! Dass „Insidious“ und „The Conjuring – Die Heimsuchung“ ordentlich Geld gemacht haben, steht ja prinzipiell in keinerlei Konnex zur eigentlichen Qualität der einzelnen Filmen. Und wenn man sich diese Horror-Flics einmal zu Gemüte führt, wird man auch relativ schnell feststellen können, dass James Wan sich hier einer unfassbar simplen Methodik bedient, die, einfach weil sie schlichtweg so billig gestaltet daherkommt, auch einen dementsprechend hohen Anklang findet: „Insidious“ hat sich als motivischer „Poltergeist“-Epigone schon den größtmöglichen Konsens in seinem Sujet gesucht und erzählt erst einmal von ganz konkreten, weltlichen Dingen, wie das Familienleben und die Sorge von Eltern, wenn ihrem Sprössling etwas zustößt. Wer nun allerdings glaubt, James Wan würde sich in den Mitteln des Spannungsaufbaus auch von den großen Vorbildern inspirieren lassen und auf eine sukzessiv-entfaltete Atmosphäre bauen, der täuscht sich gewaltig. Obwohl sich Wan doch als ein durchaus genreaffiner Zeitgenosse gibt, dessen Output von einem gewissen Referenzreichtum zehrt, baut er immerzu auf eine Sache: Jump Scares.


Bei Langschläfern hilft auch kein dämonischer Weckservice
Wenn ein abgedunkelter Raum in der Behausung betreten wird, darf man sich sicher sein, dass in den nächsten Sekunden aus irgendeiner Ecke eine fiese Fratze emporschwingt und von der Tonspur durch ein ohrenbetäubendes Grollen akzentuiert wird. Das mag dosiert effektiv erscheinen, ist in dieser Fülle aber nur ein äußerst schwacher Hilfeschrei. Dieser Trend setzte sich selbstredend fort und scheint nun auch in „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ das höchste der Gefühle zu sein, wenn es darum geht, den Zuschauer in Angst und Schrecken zu versetzen. Leigh Whannell, der zuvor schon Nebenrollen in den Filmen von James Wan für sich verbuchen konnte, wird für das Prequel nun das Privileg zuteil, es sich auf dem Regiestuhl gemütlich zu machen. Schon „Insidious: Chapter 2“ kam deshalb ein Stück weit ärgerlicher um die Ecke als sein Vorgänger, weil er den mystischen Charakter von „Insidious“ pulverisiert und totlabern musste, was man nicht totlabern sollte. Dass es sich bei „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ nun – Die Regeln einer Trilogie verlangen es – um die ominöse Vorgeschichte handelt, stellt dem Zuschauer erst recht die Nackenhaare zu Berge.


Selbst schuld, wenn sie von Mücken zerstochen wird
Im Epizentrum steht die Adoleszente Quinn (Stefanie Scott), die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater Sean (Dermot Mulroney) in ein neues Haus in Chicago zieht. Dass man den Verlust der eigenen Mutter natürlich nicht postwendend verarbeiten kann, macht es verständlich, dass man in der Stunde höchster Trauer auch einen Draht zum Spiritismus entwickelt, um womöglich auf diesem Wege Kontakt zur Mutter aufzubauen. Wie Elise Rainier (Lin Shaye) zu Anfang aber mahnend erwähnt, hallt der Ruf in das Jenseits nicht nur bis zu einer sondierten Person vor, sondern lockt das gesamte Reich der Dahingeschiedenen an – Und damit auch die garstigen Dämonen, die einen mit Vorliebe um den gesunden Schlaf bringen. „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ wandelt sodann durch dramaturgisch höchst abgeschmackte Gassen, lässt erst einmal nur die Dielen knarren und eine finstere Silhouette hinter dem sich wogenden Vorhang vermuten, bis sich die Spekulationen verhärten und nur noch das Medium Elise und zwei nerdige Geisterjäger (darunter auch Leigh Whannell) Abhilfe leisten können.


„Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ bringt durchweg den pelzigen Geschmack von marktwirtschaftlichem Kalkül mit sich. Selbstverständlich leistet Whanell formal durchaus kompetente Arbeit, die Bilder jedenfalls sprechen dafür,dass hier kein absoluter Dilettant am Werke ist. Es bringt nur alles nichts, wenn man diese Einstellungen nicht mit der entsprechend gespenstischen Verve auszukleiden weiß und den inflationären Einsatz von Jump Scares immer noch als alleinigen Stimmungsmacher versteht. Aus den Winkeln schnellen sie hier polternd hervor, die Dämonen und Seelenfresser, während das Haunted House sowie die altbackene Besessenheitskiste grundsätzlich zu den Genre-Topoi zählen, mit denen (in dieser spezifischen Preisklasse) der Mammon immer irgendwie zum Rollen gebracht wird. Dem eigentlichen Geist eines echten Horrorfilms wird man mit dieser maroden Marschroute nicht gerecht, man begräbt ihn vielmehr unter dem Ausbuchstabieren jeden Anflugs auratischer Mystik, den aseptischen Aufnahmen, und den penetrant aufflackernden Soundeffekten. Einziger Silberstreif am Horizont ist hier, dass Lin Shaye als tragende Figur endlich auch die angemessene Screentime zugesprochen bekommt.


3 von 10 Astralreisen durch die Parallelwelt


von souli