USA,
NZ. 2017. Regie: Taika Waititi. Buch. Larry Lieber, Christopher Yost,
Craig Kyle. Mit: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Mark Ruffalo, Cate
Blanchett, Tessa Thompson, Jeff Goldblum, Idris Elba, Anthony
Hopkins, Karl Urban, Benedict Cumberbatch, Sam Neill, Taika Waititi,
Jaime Alexander, Ray Stevenson, Clancy Brown u.a. Länge: 130
Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 31. Oktober 2017 im
Kino.
Story:
Hammer
weg, Haare ab - manchmal kommt selbst für einen Superhelden alles
anders als gedacht: Während Asgard und seiner Bevölkerung durch die
Tyrannei der skrupellosen Hela der Untergang droht, wird Thor am
anderen Ende des Universums ohne seine mächtige Waffe gefangen
gehalten. In einem atemlosen Wettlauf gegen die Zeit versucht der
Göttersohn seinen Weg zurück in die Heimat zu finden, um
'Ragnarök', die gefürchtete Götterdämmerung, aufzuhalten. Doch
vorher muss er sich in einem tödlichen Gladiatorenkampf keinem
Geringeren als einem alten Verbündeten und Mitglied der Avengers
stellen: dem unglaublichen Hulk!
Kritik:
Dem
Donnergott Thor aus dem Marvel Cinematic Universe war es bisher
vergönnt, eine konstante Stilistik in seinen Solo-Abenteuern zu
haben. Unter Regisseur Kenneth Branagh erlebte der Sohn von Odin ein
theatralische, fast schon shakespeareske Ereignisse, während ihn der
Terminator: Genisys-Macher Alan Taylor ihn in ein High-Concept
Fantasyabenteuer steckte. Die Ergebnisse waren nie verkehrt, aber
immer ein gutes Stück davon entfernt ganz oben beim internen
Wettkampf der Marvel-Superhelden mitzuspielen. Mit Thor: Ragnarok,
der hierzulande leider den arg schematischen Titel Thor: Tag der
Entscheidung verpasst bekam, soll sich dies nun ändern.
Unter
der Regie des Neuseeländers Taika Waititi, der zuvor kleine Perlen
wie Eagle vs. Shark oder den grandios-witzigen 5 Zimmer Küche Sarg
inszenierte, erwarten die meisten wohl ein komödiantisch
schwergewichtiges Abenteuer rund um Thor. Keine Sorge, diese
Erwartungen werden erfüllt. Die Komik steht klar im Fokus. Zwar gibt
es die altbekannten Actionszenen mit viel Pomp, CGI—Bombast und
zusammenfallenden Objekten immer noch, diese Momente haben aber
keinerlei wirkliche Inbrunst. Sie existieren, um die Handlung voran
zu bringen,im Gedächtnis festsetzten tun sie sich nicht.
Gleiches
gilt allerdings auch für die Geschichte. Die bietet mit einigen
Überraschungen im Bereich der Besetzung zwar durchaus ihre
Aha-Momente, wirklich Akzente werden aber nicht gesetzt. Mehr noch:
Die Geschichte wirkt zu großen Teil arg beliebig und sehr
zusammengewürfelt. Zwar wird hier erneut am Marvel Cinematic
Universe herum gearbeitet und am Ende hat sich innerhalb des
Universums wieder etwas getan, bzw. verändert, wirkungsvoll
transportiert wird das aber nicht. Dazu kommt, dass einst wichtige
Figuren mit kurzen Szenen oder gar mit einem kurzen Satz abgehakt
werden, ohne dass es wirklich einen spürbaren Einfluss auf die
Entwicklung nimmt.
Konzentriert
man sich allerdings auf die humoristische Stärke des Films, stören
diese Makel nur noch bedingt – was nicht bedeutet, sie wären
abwesend. Als reinrassige Komödie, vor polychromer Kulisse und
unterstützt mit einem 80s Soundtrack von Devo-Frontmann Marks
Motherbaughs, macht Thor: Tag der Entscheidung ordentlich Spaß. Ein
Spaß, der allerdings immer wieder fahrige Momente aufweist und
niemals kaschieren kann, dass auch der dritte Solofilm des
hammerschwingenden Donnergottes letztlich nur eine Vorbereitung ist
auf das nächste Werk des Marvel Studios und dies obwohl der Titelheld hier doch mit den wohl größten Aufgaben seiner Laufbahn konfrontiert wird.
Valerian
– Die Stadt der Tausend Planeten (Valerian and the City of Thousand
Planets)
Frankreich,
USA, China, BRD. 2017. Regie und Buch: Luc Besson. Mit: Cara
Delevingne, Dane DeHaan, Elizabeth Debicki, John Goodman, Ethan
Hawke, Clive Owen, Rihanna, Rutger Hauer, Mathieu Kassovitz, Kris Wu,
Aymeline Valade, Sam Spruell, Emilie Livingston, Diva Cam, Alexandre
Willaume, Gavin Drea u.a. Länge: 132 Minuten. FSK: freigegeben ab12
Jahren. Ab 20. Juli 2017 im Kino.
Story:
Valerian
und Laureline sind Spezialagenten der Regierung und mit der
Aufrechterhaltung der Ordnung im gesamten Universum beauftragt.
Während der verwegene Frauenheld Valerian es auf mehr als nur eine
berufliche Beziehung mit seiner schönen Partnerin abgesehen hat,
zeigt ihm die selbstbewusste Laureline jedoch die kalte Schulter. Auf
Anordnung ihres Kommandanten begeben sich Valerian und Laureline auf
eine Sondermission in die atemberaubende, intergalaktische Stadt
Alpha: einer Mega-Metropole, die Tausende verschiedener Spezies aus
den entlegensten Winkeln des Universums beheimatet. Die siebzehn
Millionen Einwohner von Alpha haben sich über die Zeiten einander
angenähert und ihre Talente, Technologien und Ressourcen zum Vorteil
aller vereint. Doch nicht jeder auf Alpha verfolgt dieselben Ziele -
tatsächlich sind im Verborgenen Kräfte am Werk, die alle Bewohner
der Galaxie in große Gefahr stürzen könnten...
Meinung:
Der
Legende nach entwarf Luc Besson sein Sci-Fi-Werk Das Fünfte Element,
als er noch ein Kind war. Eben in jener Zeit, als man noch offen für
Überschwänglichkeiten und Absurditäten war und etwas auch dann
cool war, wenn es von der Masse ignoriert wurde. Irgendwie hat sich
Besson diese Eigenschaft immer behalten, auch wenn er und seine
Film-Manufraktur Europa Corp. Für einige wirklich schreckliche
Genre-Filme der letzten Zeit vernatowrtlich war. Besson war und ist
ein hochprofessioneller Filmemacher, der sich die Liebe zur Naivität
nie wegnehmen lassen hat. Das war nicht immer von Vorteil, aber mit
Valerian – Die Stadt der tausend Planeten gelang dem Franzosen
endlich wieder ein Film, der zu begeistern weiß, auch wenn er
haufenweise Makel aufweist.
Zu
denen zählen u.a. ein Schurke ohne Profil oder eine Szene, in der
uns Besson Popstar Rihanna, die hier ein Alien spielt, ohne Wenn und
Aber als Ausnahmekünstlerin verkaufen möchte. Sei's drum. Valerian
punktet dafür mit anderen Stärken. Das Sci-Fi-Märchen kombiniert
keck und ohne Raffinesse – dafür aber mit Elan und Kraft –
Spionage-Action, Ethno-Märchen und Sci-Fi-Gigantismus. Ein Cocktail,
dessen unterschiedliche Geschmackssorten ungewohnt wirkt. Genau das
ist aber so wunderbar daran. Der Film ist klar eine Spektakel, aber
eines mit dem Herz am rechten Fleck. Die ganzen herrlich bescheuerten
Ideen und Detaisl, die Besson hier walten lässt, bringen nicht nur
eine funktionelle Faszination mit, sondern auch einem wunderbaren
Esprit.
Klare
Sache: Valerian ist Trash! Trash mit moderner Optik und Techniken,
aber die Geschichte und dargestellte Welt ist in alten Sci-Fi-Zeiten
beheimatet, als Perry Rhodan noch neu war und Flash Gordon ein
bekannter Held. So erlaubt sich Valerian zum Teil Ideen, die so
herrlich bizarr wirken, dass Freude aufkommt. Da fischen Aliens nach
Menschen, werden Riesenquallen als Hüte getragen und bläulicher
Schleim dient dazu Feinde dingfest zu machen. Kurios, albern, schräg.
Ein buntes, poppiges und durch und durch naives Filmerlebnis, dass
sich nicht darum schert cool oder trendy zu wirken. Das wird gewiss
auch dazu führen, dass Valerian am Box Office untergehen wird. Das
ist schade, aber der Film dürfte von seiner Handschrift her dann
doch zu speziell, eigenartig und nonkonform sein, um die breite Masse
zu unterhalten.
Wer
sich für Bessons Valerian öffnen kann, der erlebt einen Film mit
Seele, Detailliebe und vor allem mit Charme. Etwas was diese
Produktionen von anderen, ähnlichen Werken wie etwa John Carter oder
Jupiter Ascending klar und deutlich unterscheidet. Valerian ist ein
verfilmter Groschenroman des Genres: trivial, direkt und voller
Begeisterung für die Möglichkeiten der Phantasie.
USA,
Japan. 2017. Regie: Rupert Sanders: Buch: Ehren Kruger, William
Wheeler, Jamie Moss, Masamune Shirow (Vorlage). Mit: Scarlett
Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael
Pitt, Chin Han, Danusia Samal, Lasarus Ratuere, Yutaka Izumihara,
Tawanda Manyimo, Peter Ferdinando, Anamaria Marinca, Daniel Henshall
u.a. Länge: 124 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab 30. März
im Kino.
Story:
Agentin
Kusangi, genannt Major, ist halb Mensch, halb Androide. Sie ist auf
der Jagd nach dem mysteriösen "Puppet-Master", der sich in
die Gehirne ahnungsloser Menschen einhackt und deren Gedächtnis
manipuliert. Als sie ihn, gemeinsam mit einem (fast gänzlich)
menschlichen Mitstreiter, schon fast in den Fingern hat, entkommt er
mit Hilfe eines Tarnmantels, der ihn fast unsichtbar macht. Nach
einer längeren Verfolgungsjagd stellen sie den vermeintlichen Gegner
doch noch, finden aber heraus, dass er gar nicht der eigentliche
Feind ist, der nämlich hat auch ihren Gefangenen unter seiner
Kontrolle.
Meinung:
Realverfilmungen
von Animes könnten bald ein neuer Trend aus Hollywood werden und es
könnte Ghost in the Shell, die Fleisch-und-Blut-Version des
japanischen Trickfilm-Originals aus dem Jahre, sein, der die Tür
aufstößt, denn mit dieser Produktion versucht sich die Traumfabrik
auf diesem Terrain. Zwar erwartet uns demnächst von Netflix noch
Adam Wingards Death Note-Adaption, mit der Budgetgröße und
Promotion-Maschinerie eines Ghost in the Shell, wird es dieser aber es
wohl kaum aufnehmen können.
Unter
der Regie von Rupert Sanders, der mit seinem Action-Märchen Snow
White and the Huntsman vor einigen Jahren sein am Box Office äußerst
erfolgreiches Regiedebüt gab, nimmt die Vorlage und versucht sie so
zu Dompremieren, dass vor allem ihr philosophischer Unterbau nicht zu
sehr die Oberhand übernimmt, der Film zeitgleich aber nicht nur zu
einem reinrassigen Sci-Fi-Actioner wird. Dabei ist es durch und durch
spürbar, dass Sanders die Vorlage kennt, schätzt und respektiert.
Dennoch, wenn Scarlett Johannson als Major sich mit Waffengewalt
ihrer Gegner erwehrt, ist dies der eigentliche Kern der Verfilmung.
Die Frage nach Menschlichkeit, die im Original teils durchaus auch
esoterisch, stets aber auch intelligent, angegangen wurde, ist in der
Hollywood-Version Beiwerk. Ein Beiwerk das von den Autoren zwar gerne
in den Spotlight gerückt wird, dort aber nur so lange verweilt, bis
Johannson wieder agil gegen ihre Widersacher agieren darf.
Das
sieht in gewohnter Style-over-Substance-Manier superb aus, das wahre
Highlight des Films ist allerdings seine dargestellte Welt. Die ist
immer dann vollends persuasiv, wenn die Macher nicht versuchen mit
aller Gewalt zu beeindrucken, sondern wenn im Hintergrund der
Neo-Alltag stattfindet. Immer dann funktioniert die Immersion des
Films perfekt. Anders sieht das vor allem zu Beginn aus, wenn Ghost
in the Shell breitbeinig mit seinen Spezialeffekten protzt und
aussieht wie die Grafikdemo eines Videospieleherstellers. Insgesamt
gelingt Sanders und seinem Team aber das World Building. Dafür
wirken die Figuren meist leer und eher zweckmäßig. Auch der
emotionale Aspekt, der an die Frage gekoppelt ist, wann beginn
Menschlichkeit, wird eher stumpf behandelt. Ganz anders wie im
japanischen Original, der damit einige unvergessliche Szenen
genierte.
Dieser
Ghost in the Shell ist weit davon entfernt dem Original die Butter
vom Brot zu nehmen. Gleichsam wird hier aber mit gutem Willen
versucht mehr zu bieten als nur Eye Candy für die große Leinwand.
Das Ergebnis wirkt etwas unkonzentriert und trotz einiger Bemühungen
werden die wirklich wichtigen, spannenden und interessanten Facetten
des Animes nur sehr grob behandelt - für die schnelle Konsumierung,
die nicht weiter in den Erinnerungen haften bleibt. Das ist
bedauerlich und dennoch, der Versuch sich mit der Thematik auch
abseits der Blockbuster-Codierung auseinandersetzen wurde hier
unternommen und dies mit gehörigem Respekt gegenüber der Vorlage.
Keine Selbstverständlichkeit und ein guter, erster Schritt für die
kommenden Realverfilmungen von japanischen Kulttrickfilmen.
Fakten: Doctor
Strange USA. 2016. Regie: Scott Derrickson. Buch: C. Robert
Cargill, Jon Spaihts,Scottt Derrickson. Mit: Benedict Cumberbatch,
Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams, Benedict Wong, Mads Mikkelsen,
Tilda Swinton, Michael Stuhlbarg, Benjamin Bratt, Scott Adkins, Zara
Phythian, Alaa Safi, Katrina Durden, Topo Wresniwiro, Umit Ulgen,
Linda Louise Duan, Mark Anthony Brighton u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 9. März 2017 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.
Story: „Doctor
Strange“ erzählt von dem egozentrischen Neurochirurgen Dr.
Stephen Strange (Benedict Cumberbatch), der nach einem Autounfall
nicht mehr operieren kann, da seine Hände verletzt wurden.
Verzweifelt begibt er sich nach Tibet zu der Einsiedlerin The Ancient
One (Tilda Swinton), von der er sich Heilung verspricht. The Ancient
One verwehrt ihm jedoch seinen Wunsch und ist zudem nicht nur eine
Eremitin, sondern auch die magische Verteidigerin der Welt. Sie
unterrichtet Doctor Strange in den mythischen Zauberkräften und
bildet ihn zum Obersten Zauberer, zum Sorcerer Supreme, aus. Doch ein
weiterer Schützling von The Ancient One, Baron Mordo (Chiwetel
Ejiofor), könnte für Doctor Strange zu einer großen Gefahr werden.
Kritik: Marvel wird
endlich ehrlich! Oder zumindest teilweise, vor allem in zweierlei
Hinsicht, wenn es um Neuling „Doctor Strange“ geht. So ist
zum Einen im Presseheft weniger von einem Film, denn von einem Event
die Rede, was die nicht allzu großen Anstrengungen in Sachen
abgewetzter Dramaturgie im Vergleich zu den spektakulären
Spezialeffekten motiviert. Zum Anderen gerät der Bösewicht des
magischen Helden dadurch in die Bredouille, dass Strange ihn zum
Gefangenen der Zeit macht, in welcher sich das Prozedere vom
Erscheinen jenes Doktors bis ins Unendliche wiederholt, weil dieser
zur Rettung der Erde schlicht nicht locker lassen kann. Die ungefähre
Bewusstwerdung des Wiederkäuer-Franchise ist Scott Derrickson
zu verdanken – sonst immer auf Horrorfilme („Sinister“) und den
gelegentlichen Blockbuster-Gau („Der Tag, an dem die Erde
stillstand“, 2008) abonniert, versucht er nun, den mystischen Touch
im Superhelden-Genre zu etablieren, was er in vielerlei Hinsicht aus
der Multiversums-These zu gründen versteht. Es wird da schon
bezeichnend, dass dauernd von minimal variierten Dimensionen an
parallelen Welten die Rede ist, wo hier doch das geläufige Narrativ
der Heldensage/Origin-Topoi in gewohnter Manier das Abenteuer
der Weltenrettung anvisiert, welches Derrickson jedoch seinem Metier
gemäß schon früh mit Profundem wie „Orlac's Hände“ zu
verbandeln scheint.
Mit Tapetenmuster der 1970er zur inneren Erleuchtung
Der talentierte und (sporadisch)
gewitzte Chirurg Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) wacht
nämlich nach einem folgenschwer computeranimierten Autounfall ohne
Gefühl in seinen arg verunglückten Händen auf, welche bis dahin
eben seine gesamte Behandlungskunst ausmachten. So sehr Regisseur
Derrickson via jenem Milieu blutige Eindrücke des klinischen
Horrors - auch mal mit suggestiver Dimensionsverschachtelung per
Röntgenbild - in die Disney-Produktion einzuschmuggeln
versucht, werden dem Stranger leider keine mörderischen
Spenderhände angenäht. Stattdessen muss ein anderer Weg jenseits
westlicher Medizin herhalten, welcher unseren Stephen auf eine Reise
nach „Batman Begins“-Manier zusteuern lässt, die sich fortan
zwischen Versatzstücken aus „Matrix“, „Inception“, „Casper“
und „Duell der Magier“ einzupegeln versucht. Jene Etablierung
ist gewiss kein Kinderspiel, schließlich gibt sich Derrickson in
seiner Inszenierung zwar geerdeter als manch anderer Kollege aus dem
näheren Umfeld, flacht anhand dessen allerdings des Öfteren in der
Dynamik ab. Diese will sich grundsätzlich im Kanon der
„Avengers“-Bande wissen, beißt in krampfhaft konstruierten
Charaktermomenten aber erst recht auf Granit, wenn der Dialog mit
eingebauten Witzen aufzutrumpfen vermag, die man eben wortwörtlich
nur als eingebaut bezeichnen kann - tolle Leistung, Dan Harmon...
Doctor Strange setzt auf Stil und Innenarchitektur
Eine Schande bei dem Ensemble,
möchte man meinen, doch selbst wenn sich potenziell illustre
Figuren wie Strange-Kollegin/Ex Christine Palmer (Rachel McAdams),
der mysteriöse Zauberkrieger Mordo (Chiwetel Ejiofor) oder Die
Älteste (Tilda Swinton) auf des verzweifelten Doktors Pfad der
Erkenntnis versammeln, bleiben diese stets der umfassenden
Mythologie unterworfen sowie teilweise ungenutzt zurück. Immerhin
hat der Film seine thematischen Grundpfeiler sicher im Griff, wenn
so oft auf Stranges Verhältnis zur Zeit hingewiesen wird, bis er
eben Stück für Stück zum Meister eben dieser avanciert und somit
ein gewisses Kurzweil aus Lernprozessen inklusive dimensional
biegsamer Action schöpfen kann. Die Zeit drängt ohnehin, da der
abtrünnige Magierscherge Kaecilius (Mads Mikkelsen -
eindimensional, wenn auch ein bisschen sarkastisch) mit seinen
Lakaien finstere Mächte heraufbeschwört, doch bis dahin dürfen
trotzdem noch vielerlei Sparten der Zauberei ebenso ihr Showcase
darbieten. Die Älteste z.B. lehrt das Geheimnis der
Astralprojektion, damit jene außerkörperlichen Erfahrungen nicht
als Geister bezeichnet werden müssen und der Film somit Regularien
umschifft, die eine Aufführung im Box-Office-Mekka China
verhindern könnten. Daneben verstehen es unsere deftigen Druiden
ohnehin, global zu operieren, wenn sie Portale in jede unsichtbare
Wand der Gegenwart einbrennen können, die Gegenseite im
Zwischenraum der Dimensionen sodann willkürlich an der irdischen
Architektur formt und expandiert.
Frisbee spielen mit dem Multiversum
Ganz viele Gimmicks im
Kaleidoskop der Effekte also am Start, die sich in ein stimmiges
Paket schnüren lassen, wenn es auf die Zielgerade unter
Übernatürlichen zugeht. Ben Davis' Kamera kann da auch noch so
unbeholfen in der Kampfchoreographie wackeln und einen
Kampfsport-erprobten Widersacher wie Scott Adkins verwässern: Was
hier alles metaphysisch bewegt wird, darf sich als Bombast des
Psychedelischen konzentriert hochjubeln. Tiefer gestapelt sind
dagegen so manche Running Gags mit dem stoischen
Zaubersprüche-Bibliothekar Wong (Benedict Wong). Ganz zu schweigen
von diesem merkwürdigen Fetisch, Strange (als eine Art
Charakterentwicklung?) mehrmals beim Rasieren zu zeigen. Unter jenem
Merkmal männlichen Wachstums hat auch seine Beziehung zu Christine
zu leiden, die der Film im Verlauf höchstens noch an die zwei Mal
besucht, um an sein Ursprungsszenario der Chirurgie zu erinnern,
sich danach aber mit einem Kuss von ihr verabschiedet, da er das
alles jetzt allein unter Magiern regeln muss, babe. Manchmal erfüllt
der Film eben Erwartungen, die einem wie aus der Steinzeit des
Mediums scheinen (siehe z.B. den archetypischen Hinterhalt in einer
düsteren Gasse), manchmal macht er aber auch Laune, wenn Morpheus
Swinton der Skepsis des selbstunterschätzenden Strange zum
kontinuierlichen Learning-by-Doing verhilft, ehe der Master
mit den gebrochenen Händen sein ihn auswählendes Relikt zur
Rettung der Menschheit erhält.
Der Simplizissismus der
Marvel-Filme macht sich hier eben nicht allzu viel vor, aus
ihrer Formel noch eine Aufregung fürs Oberflächliche zu schöpfen,
so entschleunigt Derrickson menschliche Interaktionen durchkaut,
erst im Strudel der Farben und magischen Möglichkeiten wirklich
aufwacht und sogar Jumpscares anwendet, um Strange das eine
oder andere Mal aus dem Herzstillstand aufspringen zu lassen.
Natürlich kann ein Film nicht nur aus Höhepunkten bestehen und
auch wenn ein Genre-affiner Zuschauer das meiste am Prozedere für
sich vorkalkulieren könnte, ist wie gehabt für solide Unterhaltung
im Sinne eines Mainstream-Konsens gesorgt. Wenn man ganz nett
sein will, kann man sogar Sympathie für das Schicksal des Doktors
empfinden, auch wenn es jenseits wahrer Verinnerlichung
ausschließlich auf eskapistische Impulse der potenziell
abgefahrenen Superkräfte trifft. Im Endeffekt wird so oder so ein
Film hinterlassen, der gerne noch weiter nach allen Seiten
ausschlagen, mehr noch, ein Event sein will (eine Fortsetzung
im „Highlander“-Format kündigt sich dazu an), aber an jene
Houdini-Zwangsjacken der Monetenzugänglichkeit gebunden ist, die
insbesondere ein Scott Derrickson nimmer hätte lösen können –
selbst mit Pink Floyd auf dem kultverdächtig
zusammengestellten Soundtrack.
US,
2016. Regie und Buch: David Ayer. Mit: Will Smith, Margot Robbie,
Jared Leto, Cara Delevingne, Joel Kinnaman, Jai Courtney, Adewale
Akinnouye-Agbaje, Karen Fukuhara, Jay Hernandez, Viola Davis, Ben
Affleck, Scott Eastwood, Common u.a. Länge: 122 Minuten. FSK:
Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.
Story:
Um
einer möglichen Bedrohung durch übermächtige Feinde
entgegenzuwirken, hat die Geheimagentin Amanda Waller einen perfiden
Plan ausgeheckt. Sie stellt eine Truppe aus Schwerverbrechen,
Massenmördern und Psychopathen zusammen, die sie nach Belieben
kontrollieren darf. Da die Mitglieder des sogenannten Suicide Squad
selbst böse sind, lässt sich sämtliche Schuld leicht auf sie
schieben und bei Versagen wird niemand um sie trauern. Bei ihrem
ersten Einsatz wird das Team direkt darauf geprüft, ob sie gemeinsam
funktionieren und ob es für sie selbst überhaupt Sinn macht, sich
einem eventuellen Himmelfahrtskommando zu opfern...
Meinung:
Bislang
steht das DC-Universe in Filmform immer noch im Schatten des
mittlerweile riesigen Marvel Cinematic Universe (MCU), in dem jeder
Superheld mehrere Einzelfilme bekommen hat und alle Figuren durch die
"Avengers"–Filme bereits zweimal versammelt wurden oder
im letzten "Captain America" erstmals in einem Konflikt
aneinander gerieten. Doch auch die DC-Helden sollen nach und nach zur
großen "Justice League" aufgebaut werden, auch wenn der
Weg dahin aktuell von vielen Seiten kritisch beäugt wird. Nachdem
Zack Snyder mit "Man of Steel" bereits versuchte, der Figur
des Superman einen angemessenen Solo-Auftritt zu bescheren, wurde
sein eigenwilliges, faszinierend chaotisches Crossover-Epos "Batman
v Superman: Dawn of Justice" von Kritikern und Fans überwiegend
äußerst negativ aufgenommen. Als nächster filmischer Baustein im
DC-Universum bekommt nun der "Suicide Squad" seinen
Auftritt, in dem sich hauptsächlich Psychopathen, Massenmörder und
Schwerverbrecher tummeln.
Bereit für das Gefecht
Der
interessanteste Aspekt im Voraus war sicherlich die Wahl des
Regisseurs, wofür Warner David Ayer verpflichten konnte. Wer mit den
Filmen von Ayer vertraut ist, weiß, dass dieser in erster Linie für
kompromissloses, hartes Action-Kino steht, das in seinen letzten
beiden Werken "Sabotage" und "Fury"
gewalttechnisch fast schon in menschenverachtende Bereiche
abrutschte, was dem Regisseur einen Status des abschreckenden
Zynikers einbrachte, der dem Zuschauer am liebsten unsympathische
Figuren und bestialische Brutalität serviert. Umso spannender war
daher die Frage, wie sehr Ayer einem großen PG-13-Blockbuster für
die Massen seinen eigenen Stempel aufdrücken könnte und wie seine
Vision einer düsteren Comicverfilmung aussehen würde. Die Antwort
fällt nicht eindeutig aus, denn wie auch schon bei Snyders "Batman
v Superman: Dawn of Justice" wird in "Suicide Squad"
schnell deutlich, dass das Studio eigenständigen Regisseuren, die
ihre Filme mit einer ungewöhnlichen Ästhetik versehen wollen, keine
allzu große Freiheiten einräumt und wahrscheinlich lieber genormte
Filme wie aus dem MCU möchte, bei dem jeder Film einen originellen
Stil völlig vermissen lässt.
Harley Quinn in wahnsinniger Hochform
In
vielen Szenen mutiert "Suicide Squad" vor allem im ersten
Drittel durch die stakkatoartige, unentschlossene Montage zu einem
wüsten Wirbelsturm, bei dem Ayer ganz klar mit der Ambition zu
kämpfen hat, dass er im Idealfall alle neun Mitglieder der
Antihelden-Truppe einführen und mit ausreichend Hintergrundmaterial
versorgen muss. Der Film gerät daher zunächst zu einer flippigen
Aneinanderreihung einzelner Clips, die aufgrund des exzessiven
Einsatzes von Songs wie Musikvideos wirken, in denen der Regisseur
bei der Charakterisierung klare Schwerpunkte setzt. Während Harley
Quinn und Deadshot eindeutig als "Stars" des Squad
etabliert werden, erhalten andere Mitglieder wie Captain Boomerang,
Killer Croc oder Katana nur spärliche Einführungen und werden
regelrecht zu Randfiguren degradiert, wobei Ayer manchen Figuren wie
beispielsweise El Diablo im späteren Verlauf noch tiefere
Charakterfacetten verleiht. Vom reinen Verlauf der Handlung her ist
"Suicide Squad" geradezu banal ausgefallen. Ist die Truppe
erst einmal vereint, entpuppt sich ihr Einsatz als geradlinige
Söldner-Mission, bei der sie sich durch die anrückenden
Gegnerhorden kämpfen. Die kompromisslose Gangart Ayers wird dabei
immer wieder durch offensichtliche Eingriffe des Studios
unterwandert, bei der regelmäßige Auflockerungen mittels (oftmals
durchaus gelungener) humorvoller Sprüche oder emotionaler Momente
eingestreut werden.
Kommt eindeutig zu kurz: Der Joker
Eine
reine Versammlung von unberechenbaren Geisteskranken und Killern ist
diese Truppe also nicht, denn die Mitglieder des Suicide Squad
erhalten durchaus menschliche, tragische Züge, was sich vor allem in
Deadshot, Harley Quinn, El Diablo und dem Anführer der Truppe, Rick
Flag, widerspiegelt. Etwas zweckmäßig eingestreut wirken
allerdings die Auftritte des Jokers, der weitaus weniger Bedeutung
für das Gesamtwerk hat, als viele vorher vermutet hatten. Die von
Jared Leto als überdrehter Psycho-Zuhälter dargestellte
Interpretation der Comicfigur kommt lediglich auf ungefähr 10
Minuten Screentime und wirkt so verschnitten und gekürzt, dass man
auf ihn sogar ganz hätte verzichten können. Wesentlicher reizvoller
und interessanter ist dagegen der Umgang mit dem Suicide Squad von
Seiten der Regierung, bei dem Ayer seinen finsteren, zynischen Ton
nach wie vor durchblitzen lässt. Die skrupellose Vorgesetzte Amanda
Waller macht jederzeit klar, dass sie nur ein Haufen Abschaum sind,
zur Vorsicht bekommen sämtliche Mitglieder Mikro-Sprengsätze in den
Hals implantiert, die bei fahrlässigem Fehlverhalten zum sofortigen
Tod führen und als "Belohnung" steht dem Team nur eine
Reduzierung ihrer Haftstrafen um 10 Jahre in Aussicht.
Cara Delevingne als Bösewichtin - Keine gute Idee...
Auch
wenn die eigentliche Handlung nicht gerade mit komplexem Anspruch
besticht, ist der Tonfall des Streifens ein faszinierender, bei dem
auch die humorvollen Einschübe nicht vom eigentlichen Kern ablenken,
in dem es darum geht, dass ein paar Menschen, so schlecht sie sich
auch verhalten haben mögen, wie Dreck behandelt und ausgenutzt sowie
ohne Bedenken geopfert werden und eigentlich keinen richtigen Sinn
hinter ihrer Mission sehen können. Der Film funktioniert trotz
einiger Logiklücken und einem eher enttäuschenden, blassen
Antagonisten in Form einer großzügig verschenkten Cara Delevingne
aufgrund der großartigen Chemie zwischen den Darstellern. Den
bislang zurecht übergangenen Jai Courtney hat man selten in
derartiger Spielfreude gesehen, Will Smith lässt einen auf positive
Weise an vergangene Zeiten zurückdenken, in denen der Schauspieler
mit massivem Charisma Blockbuster im Alleingang stemmen konnte und
Margot Robbie erweckt die Figur der Harley Quinn mit frechem Witz,
psychotischer Unberechenbarkeit und lässigem Sexappeal zum Leben und
spielt eine ihrer besten Rollen überhaupt bisher.
Letztendlich
hat die finale Kinofassung von "Suicide Squad" aufgrund der
Studio-Eingriffe wahrscheinlich einiges von dem einbüßen müssen,
was Regisseur David Ayer ursprünglich erdacht hatte. Der ungestüme,
mit etlichen Ecken und Kanten versehene Blockbuster ist aber trotzdem
weitaus interessanter und gelungener als die letzten Auswürfe des
MCU, dessen Filme alle gleich aussehen, einen individuellen Stil
komplett vermissen lassen und sämtliche Konsequenzen umgehen. Ayers
Geschichte wirft dem Zuschauer einige Ungereimtheiten, Logiklücken
und Banalitäten vor die Füße, aber trotzdem hat man mit dieser
Truppe, die man eben erst kennengelernt hat, mehr Spaß als gedacht
und bekommt einige durchaus überraschende, faszinierende Elemente
(Der Umgang mit der Figur des Slipknot könnte kaum typischer sein
für Ayer), welche die Handschrift des Regisseurs nicht vermissen und
den gewöhnlichen, massenkompatiblen Blockbuster-Comicfilm-Standard
weit hinter sich lassen.
The
First Avenger: Civil War (Captain America: Civil War)
US,
2016. Regie: Anthony Russo, Joe Russo. Buch: Christopher Markus,
Stephen McFeely. Mit: Chris Evans, Robert Downey Jr., Sebastian Stan,
Scarlett Johansson, Elizabeth Olsen, Anthony Mackie, Chadwick
Boseman, Paul Rudd, Paul Bettany, Tom Holland, Daniel Brühl u.a.
Länge: 146 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.
Story:
Bei
ihrem letzten Einsatz hat ein Teil der Avengers eine terroristische
Gruppe bezwungen, wobei dieses Gefecht nicht ohne Konsequenzen blieb.
Nicht zum ersten mal forderte das Handeln der Superhelden zivile
Opfer, was die vereinigten Nationen dazu bewegt, die Avengers vor die
Wahl zu stellen: Entweder sie unterstellen sich staatlicher Kontrolle
oder treten gezwungenermaßen den Ruhestand an. Diese Wahl löst
Spannungen innerhalb der Gruppe aus, was zusätzlich durch die
Tatsache bestärkt wird, dass der Winter Soldier zurückkehrt, zu dem
Steve Rogers und Tony Stark gegensätzliche Meinungen besitzen. Ein
gewaltiger Konflikt zwischen den Superhelden bahnt sich an...
Meinung:
Endlich ist es soweit. Nach stolzen 12 Filmen Vorarbeit, über die
sich das "Marvel Cinematic Universe" bislang erstreckt,
wurde einer ganzen Gruppe von Superhelden Profil verliehen, ihre Herkunft
geklärt und Zusammenschlüsse geknüpft. Die Avengers sind dem Zuschauer mittlerweile jeder für sich ein Begriff und in
zwei Filmen mussten die Helden ebenfalls bereits gemeinsame Einsätze
bestreiten. Aufgrund der teilweise verschiedenen Einstellungen war es
allerdings nur eine Frage der Zeit, bis diese vermeintlich
funktionierende Einheit Risse erhält und sich konkrete Konflikte
innerhalb des Teams anbahnen.
Friede, Freude, Eierkuchen hat sich für beide erledigt
Auch
wenn "The First Avenger: Civil War" eigentlich der dritte
Teil der "Captain America" – Reihe ist, könnte er
aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Figuren, von denen er
bevölkert wird, genauso gut auch "The Avengers 2.5"
heißen. Wie auch schon im Vorgänger führten erneut die
Russo-Brüder Anthony und Joe Regie. Deren Markenzeichen bestand vor
allem darin, dass sie den Action-Szenen eine gewisse eigene
Handschrift verliehen, durch die vor allem die physischen
Auseinandersetzungen von einer äußerst direkten, wuchtigen
Körperlichkeit geprägt waren. Dieser Stil ist auch hier direkt zu Beginn wiederzuerkennen, wenn die Avengers bei einem
Einsatz in Lagos gegen eine terroristische Gruppierung sehr hart zur
Sache gehen. Mit einem Hang zu wackeligen Kameraeinstellungen und
erneut sehr intensiven Zweikämpfen inszenieren die Russos diesen
Auftakt, der allerdings nicht ohne Folgen bleibt. Auch wenn die
Gegner besiegt werden können, fordert dieser Einsatz zivile Opfer.
Fortan behandelt die Geschichte von "The First Avenger: Civil
War" zunächst die Frage, ob die Avengers einer staatlichen Kontrolle
unterstellt werden sollten oder weiterhin ihre Unabhängigkeit
bewahren müssen.
Chris Evans wieder mit Armen wie Baumstämme
Auf
dieser Ebene, bei der politische Aspekte wie totale Überwachung grundsätzlich eine
gewichtige Rolle spielen, verweilt der Film allerdings nur
kurzfristig, denn das Drehbuch der Autoren Christopher Markus und
Stephen McFeely will ständig immer noch mehr. Es ist die
unglaubliche Überfrachtung genau dieses Drehbuchs, an der "The First
Avenger: Civil War" letztlich leider ziemlich zerbricht, was
über weite Strecken dazu führt, dass der Film oftmals einfach nicht
funktionieren will. Die durchaus berechtige Diskussion, welche die
Handlungen einer Superhelden-Truppe, welche regelmäßig Leben
unschuldiger Menschen opfert, in Frage stellt, dient lediglich als
bloßer Aufhänger und wird über den gesamten Rest der Handlung
hinweg nicht zufriedenstellend zu einem klaren Ergebnis geführt.
Stattdessen möchte der Film außerdem in einem kleineren, intimen Rahmen
Auseinandersetzungen erzeugen, deren Ursprünge aus vergangenen
Filmen stammen. Das Verhältnis zwischen Steve Rogers und dem Winter
Soldier Bucky spielt dabei eine wichtige Rolle und gerät ganz
entscheidend mit Tony Stark in Konflikt, was schließlich einen Keil zwischen die Avengers treibt. Es ist nur
konsequent, dass diese angestauten Krisen in einem gewaltigen
Action-Setpiece entladen werden, in dem sich alle Superhelden in
zwei Teams aufgeteilt auf einem Flughafen bekämpfen.
Black Panther bekommt seinen ersten Auftritt
Auch
hier kann sich dieser Film, der weitreichende Folgen, drastische
Emotionen und tiefergehende Konflikte mehr behauptet als
ausformuliert, nicht von der typischen Marvel-Formel lösen. Auf
jeden ernsthaften Faustschlag muss ein flotter Spruch folgen, was
dazu führt, dass der im Titel groß angekündigte "Civil War"
nicht viel mehr ist als ein grelles Comic-Spektakel, das sich mit
wohlwollendem Gemüt maximal als spaßiges Gelage denn wirklich
dramatische Eskalation begreifen lässt. Erst im richtigen Finale, in
dem endlich so etwas wie drastische Entwicklungen enthüllt werden,
gelingt "The First Avenger: Civil War" der Sprung hin zu
einem emotional mitreißenden Punkt, an dem sich die persönlichen Motive der
entscheidenden Beteiligten zuspitzen und in einer
bewegenden Klimax aufeinanderprallen. Bis dahin entpuppen sich die
üppigen 2,5 Stunden Laufzeit allerdings unentwegt als
unausgegorenes, zerfasertes Stückwerk, dem zusätzlich auch noch die
Bürde auferlegt wird, mit Black Panther und dem neuen Spider-Man zwei bisher unbekannte Superhelden
einzuführen. Während sich die grob umrissene Hintergrundgeschichte
des Black Panther schlüssig in die Handlung einfügt,
erweist sich Tom Holland in der Rolle des Peter Parker als absolute
Nervensäge, dessen jugendlich-respektloser Ton zu keinem Zeitpunkt
in diese erwachsene Geschichte passen will.
Das
Fazit zu "The First Avenger: Civil War" fällt also
dementsprechend ernüchternd aus. Im direkten Vergleich zu Zack
Snyders kürzlich erschienenen "Batman v Superman: Dawn of Justice", der
ohnehin ständig gezogen wird, erweist sich Synders Werk als deutlich
stimmigerer Film, der trotz vereinzelter Schwächen eine finstere
Vision sowie eine künstlerische Handschrift wesentlich überzeugender
vermittelte. Die zentralen Konflikte in "The First Avenger: Civil War" bleiben bis auf
kleinere Ausnahmen kaum mehr als bloße Behauptung sowie Mittel zum Zweck für lauten, wenig relevanten Bombast. Nachdem man sich
endlich mal richtige Konsequenzen und dramatische Folgen erhoffen
durfte, erweist sich der Streifen als zu
vernarrt auf die massenkompatible Zutraulichkeit, geht jedem
möglichen Risiko brav aus dem Weg und biedert sich letztendlich
aufgrund des völlig unpassend eingesetzten Humors zu sehr an ein
Publikum an, das diesen Stil bedauerlicherweise mit freudigem
Gelächter akzeptiert. Mehr als ein grelles Popcorn-Spektakel mit
vereinzelt stimmigen Momenten, wuchtig inszenierter Action und einem
immerhin zufriedenstellenden Showdown ist dabei allerdings nicht
entstanden.
Fakten: Batman v Superman: Dawn of Justice
USA. 2015. Regie: Zack Snyder. Buch: David S. Goyer, Chris Terrio. Mit: Ben
Affleck, Henry Cavill, Jesse Eisenberg, Amy Adams, Jeremy Irons, Diane Lane, Gal
Gadot, Holly Hunter, Laurence Fishburne, Tao Okamoto, Scoot McNairy, Callan
Mulvey, Jeffrey Dean Morgan, Lauren Cohan, Ezra Miller, Jason Momoa, Mark Edward
Taylor, Alan D. Purwin u.a. Länge: 151 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren.
Im Kino.
Story: Batman alias Bruce Wayne, jener überragende Streiter für Recht und Ordnung
in Gotham City, fürchtet, dass selbst die Aktionen eines gottähnlichen
Superhelden wie Superman außer Kontrolle geraten könnten, wenn er nicht ständig
beaufsichtigt wird. Deshalb legt er sich jetzt mit dem meistverehrten modernen Retter
in Metropolis an, während die Welt darüber streitet, welche Art Helden sie
eigentlich braucht. Und da Batman und Superman nun einander bekämpfen, taucht
unversehens eine neue Bedrohung auf, durch die die Menschheit in brisante
Gefahren von ungeahnten Ausmaßen gerät.
Meinung: „Be their hero, Clark. Be their angel, be
their monument, be anything they need you to be... or be none of it. You don't
owe this world a thing. You never did.“ Es sind deutliche Worte von Belang,
die Martha Kent (Diane Lane) ihrem überirdischen Adoptivsohn Clark (Henry
Cavill) mit auf den steinigen Weg gibt. Gewichtige Worte, die man sich als
Zuschauer unbedingt noch mehrfach durch den Kopf gehen lassen sollte, bringen
sie doch den zentralen Konflikt der gesamten Geschichte rundum Superman und
seine Daseinsberechtigung auf Erden adäquat zum Ausdruck. Denn, auch Sentorin
Finch (Holly Hunter) bringt es in ihrem reichlich expliziten Misstrauen
gegenüber dem humanoiden Alien auf den Punkt: Wir sollten nicht länger darüber
parlieren, ob wir einen Superman überhaupt brauchen oder nicht. Schließlich
weilt er doch unlängst unter uns, was den Diskurs um seine Person respektive
sein Handeln auf eine neue Ebene manövriert – nicht, was KANN Superman tun,
sondern, was SOLLTE er tun. Und auf welchem Recht fußt sein Tun?
Mies gelaunt und ohne Eltern: Batman
„Batman v Superman: Dawn of Justice“ behandelt diesen durch und durch
moralischen Themenkomplex. Und hätte man sich hier noch entschiedener damit
beschäftigt, welche Bedeutung dem Umstand beigemessen wird, in unserer Welt ein
Superheld zu sein (sprich: jemand, der anderen vermutlich in allen Belangen
überlegen ist), hätte Zack Snyder („Man of Steel“) vermeintlich DIE
Comic-Verfilmung abgeliefert, den Rest zu knechten. Angesichts der Umsetzung
von „Batman v Superman: Dawn of Juice“ schnellt einem jedoch vielmehr der
Aphorismus von römischen Dichters Sextus Aurelius Properz ins Gedächtnis, der
besagt: „In großen Dingen genügt es auch, sie gewollt zu haben.“
Zutreffend, gerade wenn wir einmal abwägen, in welcher Verfassung die
hochbudgetierten, von Major-Studios katalysierten Comic-Verfilmungen heutzutage
überhaupt noch sind, einen gewissen Eigengeschmack in das wie auf
risikobefreitem Autopilot vor sich hin schlurfende Getriebe zu extrahieren. Man
kann Zack Snyder indes mit Sicherheit einiges an den Kopf werfen, doch seine
Superman-Interpretation(en) unterliegen niemals der Gefallsucht der
Marvel-Schmiede.
Nass und Halbwaise: Superman
Die Persistenz, mit der Zack Snyder seine eigene Version des Mann aus Stahls
auf die Leinwände dieser Welt gefeuert hat, war, ist und bleibt beeindruckend.
Ein guter Film muss daraus noch lange nicht entstehen und sein „Man of Steel“,
die erste Annäherung seitens Snyder an den Mythos Superman aus dem Jahre 2013,
war eine Herausforderung, wie man sie im Blockbustersektor kaum noch zu sehen
bekommt. Ein vom manischen Bewegungsdrang und einer megalomanischen
Zerstörungswut durchströmter Koloss, der den Zuschauer so sehr in den Sessel
presste, dass es schon weh tat, dem überbordenden Geschehen auf der Leinwand zu
folgen. „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist ein ähnlich paralysierender
Kraftbolzen, Reizüberflutung in Reinkultur eben. Gerade wenn sich Superman, Batman
(Ben Affleck), Wonder Woman (Gal Gadot) und der von Lex Luther (Jesse
Eisenberg) ins Leben gerufene Doomsday, eine kryptonische Anomalie, ein mit
unendlicher Energie angeheizter Planetenzerstörer, in der finalen
Materialschlacht so richtig auf die Ömme geben.
Bewaffnet und der Elternstatus ist unbekannt: Wonder Woman
Interessant wird „Batman v Superman: Dawn of Justice“ aber nicht durch seinen
Effektbombast, so immersiv er sich auch gestalten mag. Zack Snyder hingegen
baut auf die Gegenüberstellung der titelgebenden Heroen, um daraus auch zur
ethischen Meditation des Sujets zu bitten. Bruce Wayne ist anders als Clark
kein Kind der Liebe, sondern ein Kind der Gewalt. Bruce wurde im Schmerz
geboren und der von Ben Affleck verkörperte Fledermausmann ist ein
verbitterter, desillusionierter Vigilant, der es als persönliche Beleidigung
erachtet, dass die Menschen Superman als eine Art Erlöser feiern – es ist
gerade das Messianische, was Bruce verurteilt. Superman wiederum wird hier nun
mehr als Individuum definiert, dass sich in einer Bestimmung wiederfindet, die ihm
längst zur Bürde geworden ist. Clark hat erkannt, dass das Privileg, ein
Auserwählter zu sein, immer auch den Fluch mit sich bringt, die Rolle des
ewigen Außenseiters einzunehmen. Was, wenn er nicht mehr die passende Antwort
auf alles Böse in der Welt sein möchte? Was, wenn er schlichtweg nicht zu den
Menschen passt?
Reich und mit Haaren (daher keine Eltern von Nöten): Lex Luthor
Batman und Superman jedenfalls finden sich in einer Welt wieder, in der das
Selbstverständnis des Superhelden aufs Vehementeste hinterfragt sieht. Und
„Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist so sehr im tagesaktuellen Geschehen
eingegraben, lebt so sehr von einem gegenwärtigen Gefühl globalisierter
Kollektivängste, dass sich die Frage, warum sich Clark überhaupt nicht mehr von
Superman unterscheiden würde, problemlos beantworten lässt: Das Versteckspiel
hat sich vollends abgenutzt. Superman kann nur dort Hoffnung bringen, wo es
eine Chance gibt, Hoffnung keimen zu lassen. Vielleicht aber steht es diametral
zur Natur des Menschen, Hoffnung als universaler Möglichkeit anzunehmen, was
ihn dazu bewegt, alles zu zerschlagen, was im ersten Augenblick fremd
erscheint. Für diese Angst steht Batman Pate: Er hat gesehen, welch urgewaltige
Kräfte Superman imstande ist zu entfesseln. Und wenn Superman bemerkt, dass
sich ein nicht zu unterschätzender Teil der Menschheit missmutig ihm gegenüber
präsentiert, wer versichert dem anderen Teil, dass Superman weiterhin im
Interesse der Menschen agiert?
Groß, böse und hat wahrscheinlich seine Eltern gefressen: Doomsday
Dass den logischen Kausalitäten im pathosgetränktes Affektkino eines Zack
Snyder wenig Raum eingeräumt wird, lässt sich auch an „Batman v Superman: Dawn
of Justice“ erkennen, der gehetzt, inkohärent, ja, in seiner beinahe zu
kompakten Raffung dafür sorgt, die beiden Ikonen der Superhelden-Branche unter
einen Hut zu bekommen, ihre eigenen Universen im Zusammenprall aber doch immer
noch zu distanziert erscheinen lässt und mehrwertige Ansätze gerne mal unter
den Tisch fallen lässt: Die Handhabung der 'neue Religion', die dabei ist zu
expandieren, nachdem die ersten Bürger begonnen haben, ihre Gebete in Richtung
Superman zu senden. Die Herangehensweise an den Diskussionsstrang um Supermans
Rolle als strafmündige Person. Was bringt ein Rechtsapparat, wenn ihm so
deutlich die eigenen Grenzen aufgezeigt werden? Wie muss der verfassungsmäßige
Paradigmenwechsel erfolgen, damit sich die Instanzen der Justiz nicht stetig im
Angesicht des extraterrestrischen Allmächtigen aus den Angeln hebeln lassen?
Angesprochen werden diese Aspekte, aber sie werden (tragischerweise) nicht
grundlegend vertieft.
Dennoch bleibt „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ein sehenswertes,
hochambitioniertes Erlebnis. Zack Snyder denkt in die richtige Richtung, muss
seinen facettenreichen Inhalt nur noch ausgereifter, fokussierter angehen, dann
steht außer Frage, wer die Oberhand im Clinch um Marvel und DC gewinnen wird.
So bleibt vorerst eine (überwiegend formal) beeindruckende Zusammenführung der
(womöglich) bedeutungsvollsten Superhelden überhaupt, die sich nicht durch
Zugeständnisse an festgewachsene Sehgewohnheiten artikuliert, sondern ein
düsteres Eigenleben entwickelt und im bis zum Exzess dynamisierten Chaos
genauso berstende Druckwellen entfacht, wie im (raren) Stillleben der
Emotionen. Kudos gibt es zum Ende noch einmal für den sagenhaft chargierenden
Jesse Eisenberg, dessen eigenwilliges Porträt eines blutjungen Lex Luthors
schlichtweg famos ist. Ein Clown mit schwarzer Seele, der noch nicht weiß, in
welche Richtung er diese Dunkelheit in seinem Inneren kanalisieren soll, aber
radikal und intelligent genug ist, sich ihr zu bemächtigen, zappelt dort
sarkastisch durch die aufgescheuchte Gegend. Man darf gespannt sein, wie Zack
Snyder seinen Werdegang weiterverfolgen wird. Das allerdings gilt für alles
Kommende.