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Review: DIE TASCHENDIEBIN – Zwischen Erotik und Emotionalität

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Fakten:
Die Taschendiebin (Agassi)
KR, JP. 2016. Regie: Park Chan-wook. Buch: Chung Seo-kyung, Park Chan-wook, Sarah Waters (Romanvorlage). Mit: Kim Min-hee, Kim Tae-ri, Ha Jung-woo, Cho Jin-woong, Kim Hae-sook, Moon So-ri u.a. Länge: 145 Minuten. FSK: nicht geprüft. Ab 05. Januar 2017 im Kino.


Story:
Die Taschendiebin spielt in den 1930er Jahren in einem von Japan kontrollierten Korea. Hier verliebt sich eine reiche Erbin in eine Diebin, was in der Folge zu zahlreichen Komplikationen und einigen sehr überraschenden Enthüllungen führt, die keine der beiden Frauen unberührt lassen.




Meinung:
Der südkoreanische Regisseur und Autor Park Chan-wook, der uns Werke wie Oldboy oder Durst geschenkt hat, kehrt nach seinem Ausflug in die amerikanische Filmbrache glücklicherweise (obgleich Stoker kein kompletter Reinfall war) in seine Heimat zurück und inszeniert mit Die Taschendiebin (der im weiteren Verlauf The Handmaiden genannt wird – aus offensichtlichen Gründen) eine visuell betörend eingefangene und unheimlich stimmig erzählte Thriller-Romanze, die man durch ihre ruhige Erzählstruktur und dem feinfühligen Umgang mit der Mise en Scène guten Gewissens als sein erwachsenstes Werk beschreiben könnte.


Strenge Sitten
Schon auf den ersten Blick offenbart The Handmaiden eine Vielzahl an optischen Reizen, sei es seine düstere Atmosphäre, die stilsicher durchgetakteten Bilder oder die ungewohnt zurückhaltende Schauspielführung, aus der nur gelegentlich das für asiatische Filme typisch Übertriebene und Skurrile heraussticht. Doch nicht nur Freunde des visuellen Kinos werden an Parks neuestem Film Gefallen finden, denn vor allem erzählerisch beweist der südkoreanische Filmemacher sein ganzes Talent. Ähnlich wie sich die beiden Protagonistinnen Schicht für Schicht entkleiden, tut es ihnen der in drei Akte unterteilte Film gleich – und unter jeder Schicht offenbaren sich neue Blickwinkel, Wendungen und Sichtweisen. Die zunächst simpel anmutende Geschichte wird dadurch zusehends interessanter und offenbart erst spät ihre komplette Tragweite. Dabei ist vor allem Parks Blick für Kleinigkeiten von Belang. Oftmals wird der Fokus nur für Sekunden auf ein Objekt gelegt oder eine scheinbar nebensächliche Aktion verläuft im Hintergrund der Szenerie. Die wahre Bedeutung des Gezeigten erschließt sich erst in einem späteren Kapitel und ermöglicht neue Blickwinkel auf vorangegangene Ereignisse. Vor allem der konsequent eingesetzte Perspektivwechsel trägt zu dieser behutsamen Erzählweise bei.


Eine ungewohnte Umgebung
Wenn es gegen Ende des zweiten Aktes dann zur emotionalen Befreiung der beiden Frauen kommt, dann gehört dieser Moment zu den kraftvollsten der jüngeren Filmgeschichte. Von einem wunderbaren Soundtrack untermalt treibt die Kamera unaufhaltsam vorwärts, vermittelt spürbar die Euphorie und Kraft der Protagonistinnen und setzt damit klar ein emanzipatorisches Ausrufezeichnen. Denn neben seiner äußerst fein und behutsam konstruierten Thrillerstruktur ist The Handmaiden natürlich auch ein sehr emotionales Werk, welches sich mit der untergeordneten Rolle der Frau im Japan und Korea der 1930er beschäftigt. Dabei kontrastiert Park gut den äußeren Widerspruch, der damalige Situation umspannt hat. Während sie einerseits mit Samthandschuhen gepflegt, behütet und behandelt werden, bis sie in Ausstrahlung, Aussehen und Verhalten von dermaßen nobler und vornehmer Erscheinung sind, dass man fürchtet, sie würden bei jeder Berührung wie Porzellan zerbrechen, werden sie hinter geschlossener Tür geschlagen, eingesperrt, gedemütigt und zu lüsternen Zwecken vorgeführt. Den beiden Hauptfiguren gibt Park jedoch eine weitere Facette, indem er sie letztlich über ihre männliche Dominanz obsiegen lässt und damit den Stellenwert der Frau unterstreicht. Ihre lesbische Beziehung ist letztlich nicht mehr als die komplette Losgelöstheit von männlichen Vormundschaft in ihrer eindringlichsten Form.


Einen Vorwurf, den sich The Handmaiden vor allem auf den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes immer wieder gefallen lassen musste, war die Darstellung von lesbischen Sexszenen. Zugegebenermaßen erscheint die allerletzte Szene des Werkes unnötig, doch in den gut zwei Stunden zuvor kommt es wenn überhaupt zwei Mal zu Momenten, in denen eine intimere Beziehung porträtiert wird. Und diese sind, dem stilisierten Grundton des Films angepasst, zwar durchaus ästhetisiert, verkommen aber nie zu einem voyeuristischen Zweck. Vielmehr bringen sie die Bewunderung, Leidenschaft und auch Liebe der Frauen zueinander zum Ausdruck – und sind damit in letzter Konsequenz gewiss nicht überflüssig.


8 von 10 zärtlichen Küssen

Review: CALIGULA - Bunga-Bunga unterm Lorbeerkranz

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Fakten:
Caligula (Caligola)
IT, USA, 1979. Regie: Tinto Brass. Buch: Gore Vidal, Bob Guccione, Giancarlo Lui. Mit: Malcolm McDowell, Helen Mirren, Peter O’Toole, Teresa Ann Savoy, John Steiner, Guido Mannari, Paolo Bonacelli, Anneka Di Lorenzo, Lori Wagner u.a. Länge: ca. 150 Minuten. FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Im Jahr 37 n. Chr. tötet Caligula seinen Onkel Tiberius und ernennt sich selbst zum neuen Herrscher Roms. Unter seiner Regentschaft erreichen die ohnehin schon vorhandene Dekadenz, die Gewalt und sexuelle Ausschweifungen einen neuen Höhepunkt. Mit den Jahren verfällt er immer mehr dem Wahnsinn, ruft sich sogar zum Gott aus. Es entwickelt sich ein Widerstand gegen den Tyrannen.

                                                                              
Meinung:
„Ich bediene mich zwar des Körpers und der Seele des Gaius Caligula, also bin ich ein Mensch. Und bin doch kein Mensch. Also muss ich nur eins sein: Nämlich ein Gott!“

Sogenannte Skandalfilme gab es in der Kinogeschichte immer wieder, dieses meist negativ behaftete Etikett behielten über die Jahrzehnte aber nur wenige. Oft reichte es gegen damals gängige Sehgewohnheiten zu verstoßen. Ein vielleicht besonders heikles Tabuthema anschneiden oder mit dem Status quo von Sex und Gewalt zu brechen. Viele Werke gelten aus heutiger Sicht eher als harmlos, maximal für ihre Zeit gewagt; das dort Gezeigte entspricht in seiner expliziten und drastischen Darbietung meist nicht mal dem, was aktuell gang und gäbe ist. Doch manch speziellen Exemplaren gelingt es, das Publikum über Generationen hinweg immer wieder in Erstaunen und Abscheu zu versetzen, etwas kaum Vergleichbares aufzufahren. Wenn ein Film sich dieses Prädikat verdient hat, dann Tinto Brass‘ kolossales Monstrum „Caligula“.


-"Was zahlen sie dir?" -"Zu wenig, eindeutig zu wenig..."
Dabei hätte alles ganz anders werden sollen und wer weiß, ob man dann über diesen Film überhaupt noch groß sprechen würde. Seine Entstehungsgeschichte ist so chaotisch wie kurios, vom ersten Drehtag bis zu seiner Premiere gingen gut vier Jahre ins Land. „Apocalypse Now“ lässt grüßen, die Gründe lagen jedoch an anderer Stelle. Ursprünglich als nicht besonders große Produktion geplant, verschlang der Film das Budget eines damals großzügigen Mainstreamfilms. Das Skript von Gore Vidal wurde unzählige Male überarbeitet, verunstaltet, am Ende warf der Mann entnervt das Handtuch und distanzierte sich (nicht als einziger) empört vom fertigen Produkt. Etliche Nachdrehs wurden getätigt, meist um den von PENTHOUSE produzierten Film mit zusätzlich Hardcore-Sexszenen „zu verfeinern“, was wiederum dazu führte, das komplette Passagen abgeändert wurden usw.. Eins ergab das Andere und am Ende war von dem, was „Caligula“ wohl mal sein sollte nicht mehr viel übrig. Es ist nur noch schwer zu rekonstruieren, was eventuell der anfängliche Plan war. Sicher ist nur: Ganz bestimmt nicht das. Die Nachbeben waren verheerend. Die Kritiker zerrissen ihn in der Luft, viele Beteiligte beteuerten beschämt selbst in die Irre geführt worden zu sein, radikale Kürzungen und flächendeckende Indizierungen inklusive.


"...aber schon schön hier."
Eigentlich ist es unmöglich, „Caligula“ ernsthaft als guten, gelungen Film zu bezeichnen. Selbst wenn man über den extremen Selbstzweck des reichlich eingefügten, pornografischen Materials hinwegsieht, das ganze Ding ist unabhängig davon ein riesiges, verhackstückeltes Durcheinander. Konfus, brutal, pervers, nicht nur kontrovers und obszön, sondern bewusst seiner künstlerischen Ambitionen durch provozierendes Kalkül teilweise beraubt. Und auf eine merkwürdige Art auch wieder nicht. So etwas gab es vorher nicht und wird es wohl auch nie wieder geben. Eine bombastische Orgie, der „Ben Hur“ des Schundfilms, verschwenderisch riesig aufgeblasen und mit seinem grenzüberschreitenden, vor nichts und niemanden haltmachend Spektakel vielleicht näher dran an dem von Intrigen, Machthunger, Größenwahn und heute nur noch als viehisch zu betrachtenden Zustände jener Zeit als jeder andere Film. Hier wird nicht nur mit der Tür ins Haus gefallen, die ganze Bude wird mit phallischem Gigantismus eingerissen. Zwischen epischem Müll und unter den Trümmern vergrabener Kunst präsentiert sich „Caligula“ als schonungslose, politisch-historische Satire, die mit Ejakulat und Blut kleckert und gleichzeitig mit seinem Pomp und Mut zum Unzeigbaren klotzt. So trieben es die alten Römer wahrscheinlich wirklich, auch wenn der Film es natürlich genießt, mit voller Absicht und ohne Rücksicht auf Verlust die Nadel des guten Geschmacks bis zum Anschlag in den roten Bereich zu penetrieren.


Faszinierend mit beizuwohnen, wie in teilweise verschwenderisch tollkühnen Sets mitunter völlig sinnlose Szenen runtergehobelt werden, während einige in ihrem opulenten Amoklauf einfach nur beeindruckend sind (die gewaltige Enthauptungsmaschine: „Was würde ich mir nur für einen Aufwand sparen, wenn ganz Rom nur einen einzigen Hals hätte.“ Sagenhaft!), wieder andere tatsächlich aus einem großen, wichtigen Werk entsprungen scheinen und sich Weltstars neben Pornosternchen tummeln. Der große, langsam vor sich hin schimmelnde Peter O’Toole vollbringt bereits eine unangemessen hervorragende Leistung, doch nichts geht über einen Malcolm McDowell, der sich voller Inbrunst, sichtlich ungebremst und einmal heiß gelaufen in Rage spielen darf, da wackeln die Wände. Kaum zu übersehen wie hier zu viele Köche den Brei mit immer neuen Stilrichtungen geschmacklich komplett verdorben haben, aber die in den Futtertrog geworfenen Pampe ist definitiv einzigartig. Es ist kein verkanntes Meisterwerk wie Passolini’s auf den ersten Blick grob vergleichbares Scheusal „Salò – Die 120 Tage von Sodom“, vielleicht wollte er es gerne sein. Trotzdem ein Unsittengemälde, dass sich in seinem radikalen, selbstbewussten und natürlich auch fehlgelenkten Auftreten ein sehr merkwürdige Form von tiefen Respekt verdient. Kann man mögen oder nicht, beides aus guten Gründen, aber ein Bild davon machen erweitert definitiv den Horizont. 

6,5 von 10 Live-Geburten

Review: LOVE – Unerfüllte Sehnsucht und ekstatisches Treiben

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Fakten:
Love
BE/FR, 2015. Regie & Buch: Gaspar Noé. Mit: Karl Glusman, Aomi Muyock, Klara Kristin, Juan Saavedra, Isabelle Nicou, Gaspar Noé u.a. Länge: 135 Minuten. FSK: ab 18 Jahren freigegeben. Ab 29. Januar auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Der amerikanische Filmstudent Murphy lebt in Paris. An Neujahr erreicht ihn in die Nachricht, dass seine Ex-Freundin Electra verschwunden ist, mit der er zwei Jahre lang eine tiefe Beziehung führte. Besorgt setzt er alles daran, sie ausfindig zu machen. Gefangen zwischen der Sehnsucht nach seiner verflossenen Liebe und seiner momentanen Situation, in der er mit einer anderen Frau zusammenlebt, die er ungewollt schwängerte, stürzt er sich immer wieder in Erinnerungen und umklammert vergangene Momente.




Meinung:
Wirkliche Rebellen des Kinos sind heutzutage seltener geworden. Die Riege an provokanten Skandalfilmern ist eine überschaubare, doch wenn sich jemand einen Platz unter ihnen gesichert hat, dann auf jeden Fall Gaspar Noé. Der argentinische Regisseur hat im Zeitraum von 17 Jahren gerade einmal vier Spielfilme gedreht, doch nicht einer von ihnen kam ohne handfesten Skandal im Gepäck daher. Das berühmteste Beispiel dürfte "Irréversible" sein, der mit seiner zentralen, in Echtzeit ablaufenden Vergewaltigungssequenz das schockierte Publikum in Cannes bei seiner Weltpremiere scharenweise aus dem Kino-Saal flüchten ließ.


Der große Kampf um das finale M & M
Sein viertes Werk trägt nun aber den schlichten Titel "Love", bei dem man sich unweigerlich die Frage stellt, ob hier wirklich ein gemäßigterer, massentauglicherer Film entstanden ist, der ebenso zärtlich ist wie sein Titel. Auch wenn harte Gewaltexzesse vollständig ausbleiben und der Streifen bei weitem nicht exorbitante Regionen wie sein die Grenzen des Mediums sprengendes Vorgänger-Meisterwerk "Enter the Void" erreicht, ist "Love" nichtsdestotrotz ein typischer Noé geworden. Die Handlung dreht sich um den amerikanischen Filmstudenten Murphy, der in Paris lebt und an Neujahr erfährt, dass seine Ex-Freundin Electra spurlos verschwunden ist. Omi, die Frau, mit der er aktuell sein Leben teilt, hat er aus Versehen geschwängert. Noé setzt nach einer knappen Einleitung eine Odyssee in Gang, in welcher die Erinnerungen und Sehnsüchte von Protagonist Murphy in berauschenden Sequenzen zu einem Strom der Eindrücke, Erlebnisse und Wunschvorstellungen zusammenfließen. Noé´s Intention war es, einen Film über sämtliche Facetten der Liebe an sich zu kreieren, weshalb neben romantischen Momenten auch viele Sex- Szenen, aber ebenso heftige Streit-Momente ihren Weg in die nicht-lineare Erzählung finden.


"Habt ihr auch 'Kevin allein in New York'"?
Das Hauptdarsteller-Trio Karl Glusman, Aomi Muyock und Klara Kristin wurde daher vor allem wegen ihrer Zeigefreudigkeit gecastet. Da sie alle zum ersten Mal vor der Kamera stehen und zudem ein Großteil aller Dialoge improvisiert wurde, hinterlässt "Love" abseits der expliziten Freizügigkeit sowie ekstatischen Momente des ausgelassenen Liebespiels einen ungeschliffenen, gelegentlich hölzernen Eindruck bezüglich der Schauspieler, deren Figuren zusätzlich nicht immer mit allzu sympathischen Eigenschaften versehen wurden. Trotzdem steckt der Film voller roher, ungefilterter Emotionen, die sich unentwegt in positiven wie auch negativen Situationen entladen und dem Geschehen eine ganz eigene Ausstrahlungskraft verleihen. Überhaupt ist "Love" eben ein waschechter Noé, also ein unvergleichlicher Trip, der einen gleichermaßen fordert, auslaugt,berauscht wie berührt. Da geschätzt 40% des Films aus Sex-Szenen besteht, die aufgrund der wieder einmal perfekten Kameraarbeit von Benoît Debie und fantastisch gewählten Songs wieGemälde wirken, werden den Streifen sicherlich nicht wenige als selbstverliebten "Art Porn" verteufeln, was der übergeordneten Handlung allerdings nicht wirklich gerecht wird. Ebenso diskussionswürdig ist die diesmal häufig eingestreute Selbstreferenzialität sowie zahlreiche Rückbezüge auf das eigene Schaffen des Regisseurs, was in Szenen gipfelt, die mal originell, mal albern wirken. Hierdurch wird ebenso deutlich, dass "Love" ein höchst persönliches Werk ist, in dem Noé viele seiner eigenen Erfahrungen verarbeitet und sogar ab und zu augenzwinkernden Humor zulässt.


Ganze sechs Jahre hat er sich wieder Zeit gelassen, doch "Love" ist erneut all das, wofür Gaspar Noé mittlerweile steht. Auch wenn sich der Ruf des pornographischen Sex-Skandal-Films, der dem Streifen ein wenig vorauseilt, als überwiegend überzogen entpuppt, ging der Argentinier wieder einmal kaum Kompromisse ein. Sein Werk, welches eine Irrfahrt durch sämtliche Charakteristiken der Liebe selbst aus rein männlicher Sicht schildert, ist, wie nicht anders zu erwarten war, ein intensives, berauschendes Erlebnis, welches trotz einiger Schwächen eine unbedingte Seherfahrung darstellt.


8 von 10 experimentelle Dreier


von Pat

Review: 90210 - SHARK ATTACK IN BEVERLY HILLS & GEFESSELT- LIEBE.EHRE.GEHORSAM. – Im Fahrwasser von “Sharknado” und “Fifty Shades of Grey”

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Fakten:
90210 – Shark Attack in Beverly Hills
USA. 2014.
Regie: David DeCoteau. Buch: Charlie Meadows. Mit: Donna Wilkes, Jeffrey Decker, Braden Bacha, Jud Birza, Stephanie Shemanski, Nikki BreAnne Wells, u.a. Länge: 72 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bei einem Schulausflug bleiben die Schüler mit einer Milf-Lehrerin in einem Haus und geben sich dem hin, was amerikanische Schüler anderswo anscheinend alles so treiben. Irgendwann wird aber deutlich, dass einer der Schüler verflucht ist und sich einen Hai-Kopf wachsen lassen kann.
Ohne Scheiß. 




Meinung:
Hai-Trash-Filme gibt es heutzutage in Hülle und Fülle und dennoch ist es hin und wieder überraschend, was für Kram den Weg in die deutschen DVD-Regale (bzw. in diesem Fall Grabbeltische) findet. Und natürlich finden sich auch bei „90210: Shark Attack in Beverly Hills“ die üblichen Trash-Billigfilm-Baustellen. Legendär schlechte Animationen, grotesk überzogene Kleinigkeiten, null Gespür für Timing, Bild, Ton, Humor oder Charakterentwicklung (was kein Fremdwort ist, auch wenn manche Filmemacher das wohl gerne so hätten). Von den Darstellern und ihren abgefahren nervigen Figuren muss man gar nicht erst anfangen. Aber abgesehen davon wie dumm, schlecht und kräftezehrend die Gaudi hier mit all den kleinen und riesigen Fehlern ist, lässt der Film dann doch relativ kalt. Zumindest solange, bis die titelgebenden Hai-Angriffe kommen. Die sind nämlich, das muss man dem Werk lassen, vollends überraschend. Aus dem ganz einfachen Grund, dass in diesem Film nicht eine Szene am Meer spielt und die ersten 45 von 70 Minuten kein Hai zu sehen ist. Nun mag man argumentiere, dass das in „Der weiße Hai“ von Steven Spielberg auch nicht viel anders gewesen sei, aber da war wenigstens das Wasser omnipräsent! Hier nicht. Hier ist man nicht am Wasser. Die Haie werden aber auch nicht „Sharknado“-mäßig auf das Land geschossen. Stattdessen ist es eine Art Inside-Job. Das ist natürlich so bescheuert, dass man nicht wissen möchte, was für Substanzen während der Stoffentwicklung geraucht wurden, aber irgendwie schafft der Film es, Sympathien zu wecken. Und sei es nur Mitleid. Denn hin und wieder blitzen kleinste Ideen auf, die so etwas wie Substanz haben. Ideen, die durch ihre grottige Ausführung zwar zunichte gemacht werden, trotzdem aber Ideen bleiben. Und das kann ja nichts Schlechtes sein. Wer also wirklich zu viel Zeit hat und einen wirklich sehr schlechten Film sehen möchte, der einen auf den letzten Metern irgendwie zum Lachen bringt, der darf zugreifen.


2,5 von 10 Hai-Köpfen


von Smooli


Fakten:
Gefesselt – Liebe. Ehre. Gehorsam (Deadly Virtues: Love. Honour. Obey.)
UK, NL. 2014. Regie: Ate de Jong. Buch: Mark Rogers. Mit: Edward Akrout, Matt Barber, Megan Maczko, Helen Bradbury u.a. Länge: 87 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Ab 3. September 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Das Ehepaar Tom und Alison hat gerade Sex, als Aaron in ihr Haus einbricht und die beiden attackiert. Alison kommt wieder zu sich, gefesselt und mit den Armen an die Küchendecke geknüpft. Tom wurde von Aaron im Bad gefesselt. Aaron beginnt ein langsames, aber fieses und immer gewalttätigeres Spiel mit den beiden. Im Lauf der Zeit wird deutlich, dass auch Alison und Tom dunkle Geheimnisse bewahren.




Meinung:
"Freunde des Home Invasion Films konnten sich über Nachschub in den letzten Jahren kaum beschweren, um „Gefesselt – Liebe.Ehre.Gehorsam“ sollten sie jedoch einen ganz großen Bogen machen. Da funktioniert schon von Anfang an gar nichts. Während z.B. ein „Home Sweet Home“ sich viel Zeit ließ und dadurch ein unbequemes Bedrohungsszenario aufbaute, poltert hier der ungebetene Gast nach wenigen Sekunden in das Schlafzimmer des gerade zärtlich den Beischlaf vollziehenden Pärchens und das Elend nimmt seinen Lauf. Sie hängt bald mächtig in den Seilen, er geht in die Wanne und der lachhafte Psychopath droht auch noch an, sich das ganze Wochenende dort einnisten zu wollen. Na toll, selten hat man sich mehr auf einen Montag gefreut. Nicht etwa, weil die nun praktizierten Demütigungen und Qualen so intensiv wären, sie sind einem einfach scheißegal. Den Peiniger kann man kaum ernst nehmen, sein dusseliges „Motiv“ oder wie man das nennen kann erst recht nicht, aber der Oberhammer kommt ja noch. Der Film arbeitet auf eine Pointe hin, die dem Fass den Boden ausschlägt.


Wer „I Spit on your Grave“ oder jeden anderen Rape & Revenge Film frauenfeindlich oder moralisch bedenklich findet, der sollte sich mal den hier angucken. Diese Filme erfüllen halt ein erprobtes Muster, gestehen den Frauen zumindest am Ende Stärke und Selbstbewusstsein zu, was sich dieser Unfall rausnimmt geht auf keine Kuhhaut. Frauen sind so hilflos, dumm und bekommen alleine nichts auf die Kette, die müssen manchmal ein Wochenende zu ihrem Glück drangsaliert werden. Mensch, da war der alte Dildo-Schlecker und Schlüpfer-Schnüffler doch eigentlich ganz nett, ein kostenloser Paartherapeut…und er hat sogar Frühstück gemacht. Ob er wohl seine Nummer dagelassen hat…? Mal gucken, wem der nette Herr als nächstes hilft. Man fasst es einfach nicht…


1,5 von 10 abgeschnittenen Fingern


von JackoXL