Review: DER SIEBENTE KONTINENT - Tödlicher Alltag

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Fakten:
Der siebente Kontinent
AT, 1989. Regie: Michael Haneke. Buch: Michael Haneke & Johanna Teicht. Mit: Birgit Doll, Dieter Berner, Udo Samel, Lenzi Tanzer, Silvia Fenz, Robert Dietl, Elisabeth Rath, Georges Kern, Georg Friedrich u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Drei Jahre aus dem Leben der Familie Schober, einer gut-situierten Ober-Mittelstands Familie aus Österreich. Tendenziell läuft alles prächtig, nur am Ende wird brutale Bilanz gezogen...






 Meinung:
Die ultimative Abrechnung mit der Monotonie der Mittelschicht, dem leisen, schleichenden Albtraum, der in soliden Kontoauszügen, schick eingerichteten Wohnungen und schläfrigen Beziehungen lauert. Der Alltag hat Besitzt von einem ergriffen, hat ihn nicht nur erobert, sondern konsequent dominiert, das eigentliche Leben zerstört. Das Ende der Spirale der Langeweile und des ziellosen Leerlaufs ist unaussprechlich, schlußendlich aber die einzig wahre Lösung. Nicht zur Nachahmung empfohlen, doch auf eine gewisse Art nur logisch.


Um eins klar zu stellen: Das ist nicht meiner Ansicht, aber eigentlich traurig-glaubwürdig. Grundsätzlich ist alles erreicht, der Standard und die Rente sind jetzt schon in trockenen Tüchern, aber soll das alles sein? Nein, irgendwo dahinter schlummert die Lebensfreunde, selbst die sollte angesichts der Tatsachen sicher sein, doch irgendwas stimmt nicht.
Warten auf das bittere Ende
Haneke erzählt eine Tragödie in drei Akten:


1987: Alles läuft, die einzigen Probleme sind Alltagserscheinungen.

1988: Kurz und knapp: Oberflächlich alles gut, aber...

1989: Das pure Grauen.

Haneke zelebriert erstmals, aber nicht zuletzt, das Ende der Normalität. Was hier abgeht, fällt deutlich unter den Spoiler-Radar. Grob: Es ist schon lange klar, wie das enden wird, nur jetzt wird alles so schmerzhaft in Kleinarbeit seziert, schauderhaft!
'87 ist der ausführliche Prolog, '88 der knappe Mittelteil, '89 Bauchschmerzen. Schon lange vor dem eigentlichen Finale sind die Weichen gestellt, die Andeutungen nicht mal mehr ansatzweise subtil, Haneke geht direkt nach vorne und erspart überflüssiges Nachdenken, ersetzt das durch Erleben. "Der siebente Kontinent" funktioniert deshalb so gut, da er sein Ende so früh ankündigt, dass alle bis dahin vergehenden Minuten reiner Lockstoff sind. Das Hoffen ist gestattet, das Ende unausweichlich.


Der Mittelstand ersäuft und ertränkt sich in der müden Spirale aus Pflicht und Langeweile, statt sich wohl zu fühlen wird das Todesurteil unterschrieben. Alles gipfelt in einer typisch-eiskalten Haneke-Geisterbahn ohne manipulierendem Firelefanz, so trocken und erschreckend, grauenhaft.

" 'Cause I'm Your Lady..."

8 von 10 Abschiedsbriefen

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