Review: LEBEN UND TOD EINER PORNOBANDE - Sex, Drugs & Snuff

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Fakten:

Leben und Tod einer Pornobande (Zivot i smrt porno bande)
SRB, 2009. Regie & Buch: Mladen Djordjevic: Mihajilo Jovanovic, Ana Acimovic, Predrag Damnjanovic, Radivoj Knezevic, Srdjan Jovanovic, Ivan Djordjevic, Bojan Zogovic, Natasa Miljus, Aleksander Gligoric, Mariana Arandjelovic u.a. Länge: 108 Minuten. FSK: ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.



Story:
Der junge, serbische Regisseur Marko hat seinen Abschluss an der Filmhochschule in der Tasche, doch niemand will seine Ideen finanzieren. Zur Jahrtausendwende lernt er Pornoprdouzent Cane kennen, der ihn als Regisseur verpflichtet. Als er mit Canes Budget ein eigenes Projekt verwirklicht, zieht er dessen Zorn auf sich. Um die Kohle wieder aufzutreiben, entscheidet sich Marko für eine gewagte Idee: Eine Theateraufführung, die explizite, pornographische Elemente beinhaltet. Die Uraufführung wird abgebrochen, aber Marko und sein schrilles Ensemble geben nicht auf. Mit einem alten VW-Bus zieht die Pornobande von Belgrad aus durch die Provinz von Ex-Jugoslawien, um ihre Kunst direkt auf den Dörfern zu präsentieren. Viel Geld kommt dabei nicht rum. Bis Franz an Marko herantritt. Der hat die Idee und Kontakte für ein lukratives Geschäft: Snuff-Filme.



 






 

Meinung:
Ein serbischer Film, Gewalt, ja sogar (gespielter) Snuff, ist das nicht...
Nein, das ist nicht der berühmt-berüchtigte "A Serbian Film", der erschien ein Jahr später. "Leben und Tod einer Pornobande" hat er eindeutig in der Popularität überholt, was sicherlich mit dem Werben im Gore-Hound-Jagdrevier zusammenhängen dürfte. Thematisch ist Mladen Djordjevic's Film kaum harmloser, an expliziter Sex- und Gewaltdarstellung mangelt es dem Film bestimmt nicht, was "Leben und Tod einer Pornobande" jedoch nicht automatisch zu einem Genrefilm von der Frischfleischtheke macht.



A Serbian Love-Story
Das ist ein radikales, provokantes Indie-Produkt, welches sich nicht an seiner nackten Haut und den blutigen Szenen ergözt und rein damit unterhalten will. Mladen Djordjevic geht mit diesem Weg ein gewisses Risiko ein, denn so einfach wird der kaum sein Publikum finden. Für die Einen dürfte der zu direkt sein, für die Anderen zu wenig unterhaltsam. "Leben und Tod einer Pornobande" steht leicht zwischen den Stühlen, in mehrfacher Hinsicht. So richtig festlegen will sich Djordjevic eindeutig nicht, was allerdings kein Kritikpunkt ist. Gerade dadurch wirkt der Film frisch und unkonventionell. In manchen Momenten erinnert das an trashiges Exploitationkino, dann wieder an Extrem-Mockumentarys wie "Mann beißt Hund", verliert dabei aber nie seine Ernsthaftigkeit und ist oft überlegt und hintergründig. Der Film schildert die Situation nach den Balkankriegen, dem Rücktritt von Slobodan Milosevic, zeigt ein Land und deren Bewohner, die mit den Folgen und Traumata leben müssen. Das dient nicht nur als loser Hintergrund, sondern ist entscheidend für die gesamte Stimmung des Films, die Charakterisierung der Figuren und der Aussage. Im Prinzip ist es eine bissige, tragische Satire über den Zustand eines Landes, das einem großen Scherbenhaufen gleicht.


Der Stil ist nicht immer einladend, manche Szenen dürften nicht für jedermann leicht verdaulich sein, aber "Leben und Tod einer Pornobande" will und kann auch unmöglich überall auf Gegenliebe stoßen. Dann wäre bei der Ambition was schiefgelaufen, einen ungewöhnlichen, knalligen und rohen Anti-Mainstreamfilm zu drehen. Überzogen, aber trotzdem authentisch, mutig und zum Teil verschreckend, für Freunde des etwas anderen Films einen Blick, oder eher Versuch, auf alle Fälle wert.

7 von 10 Schmuddel-Punkten



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