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Review: PHANTASTISCHE TIERWESEN UND WO SIE ZU FINDEN SIND – Ein neues verzaubertes Kapitel

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Fakten:
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (Fantastic Beasts and Where to Find Them)
GB/US, 2016. Regie: David Yates. Buch: J.K. Rowling. Mit: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Alison Sudol, Colin Farrell, Ezra Miller, Carmen Ejogo, Samantha Morton, Jon Voight, Johnny Depp, Ron Perlman u.a. Länge: 132 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Im Kino.


Story:
Newt Scamander ist ein britischer Zoologe mit magischen Kräften und befasst sich Anfang des 20. Jahrhunderts in New York mit der Erforschung und Systematisierung magischer Kreaturen. Dafür scheut er keine Mühen und erlebt auf seinen Reisen so manches gefährliche Abenteuer. Im New York des Jahres 1926, wo Zauberer ihre Offenbarung vor der Muggel-Bevölkerung fürchten, trifft er im Zuge seiner Studien auf die amerikanischen Hexenschwestern Porpentina und Queenie, aber auch auf den Muggel Jacob und gefährliche Gegner wie Percival Graves.




Meinung:
Das magische Universum von J.K. Rowling scheint einfach nicht ruhen zu wollen. Nachdem die Geschichte des Zauberlehrlings Harry Potter nach sieben Büchern und acht Filmen vorerst ein Ende fand, erfuhr sie zugleich eine Weiterführung in Form des Theaterstücks "Harry Potter and the Cursed Child", dessen Skript Ende 2015 in Buchform veröffentlicht wurde, bevor es 2016 in London erstmals uraufgeführt wurde.



Für Turteleien bleibt schnell kaum noch Zeit
Auch im Kino erfährt die verzauberte Welt von Rowling in diesem Jahr eine Wiederbelebung, wenn auch ohne den sympathischen Zauberer mit der Narbe auf der Stirn. Für "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" hat die Autorin nun zum ersten Mal ein Filmdrehbuch geschrieben, in dem sie in der Zeit zurück führt, ins New York der 20er Jahre, wo der aus England angereiste Zauberer und Zoologe Newt Scamander einen ganz persönlichen Plan verfolgt. Der bereits jetzt auf fünf Teile ausgelegte Film, bei dem Potter-Veteran David Yates erneut auf dem Regiestuhl Platz nahm, erweist sich dabei als angenehm energiegeladener Blockbuster, in dem auf unnötigen Fanservice verzichtet und stattdessen eine eigenständige Geschichte erzählt wird. "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" hat den großen Vorteil, dass er zu keinem Zeitpunkt wie ein lieblos produzierter Aufguss bekannter Elemente wirkt und trotzdem schon nach wenigen Minuten ein vertrautes Gefühl entfacht, spätestens wenn die ersten Töne des Scores von James Newton Howard erklingen. Rowling entwirft ein interessantes Setting, in dem sie fantasievolle Einfälle, unverbrauchte sowie detailgetreu entworfene Schauplätze und überraschende Bezüge zum aktuellen Politik- und Zeitgeschehen zu einem dynamischen Abenteuer verbindet.



Ron Perlman. Erkannt? 
Im Mittelpunkt steht dabei Newts Mission, eines seiner vielen Tierwesen, die er in einem Koffer mit sich transportiert, zu dessen Heimatort zurückzubringen und in die Freiheit zu entlassen. Als er seinen Koffer versehentlich mit dem des Fabrikarbeiters Jacob vertauscht, der kein Magier ist, gelangen einige der Kreaturen in die Öffentlichkeit und sorgen mitunter für heilloses Chaos. Der Charakter des Newt Scamander erweist sich dabei als regelrecht unkonventionelle Wahl für den Protagonisten und gleichzeitig Sympathieträger eines ganzen Franchises. Mit seiner introvertierten, eingeschüchterten Art, bei der er seinem menschlichen Gegenüber kaum in die Augen schauen kann, während ihm die eigenen Sätze oftmals vernuschelt aus dem Mund purzeln, wirkt er in manchen Szenen des Films fast schon wie ein sozialer Problemfall. Dass für diese Figur ausgerechnet Eddie Redmayne besetzt wurde, wirkt daher fast schon wieder wie ein klug erdachter Schachzug. Redmayne zeigt sich auch in diesem Film wieder als äußerst limitierter Schauspieler, der mit seiner oftmals ans groteske Grimassieren erinnernden Mimik wie erstarrt und verzerrt zugleich auftritt. Ein Erscheinungsbild, das paradoxerweise stimmig zu seiner Figur passt, während der Schauspieler in den Szenen, in denen er mit seinen hoch geschätzten Tierwesen interagiert, nichtsdestotrotz eine gewisse Wärme sowie verschmitzten Charme ausstrahlt.



Dieser Zeitgenosse stiehlt allen die Show
Die Jagd nach den entflohenen Kreaturen erweist sich unter der Regie von Yates als überaus unterhaltsame Odyssee, bei der Rowling ein aufsehenerregendes Geschöpf nach dem anderen aus dem Hut zieht, während diese mit CGI auf tolle Art und Weise zum Leben erweckt wurden. Durch die verschrobene Dynamik, die zwischen dem eigenwilligen Zoologen und dem No Maj (amerikanisch für Muggel) Jacob, der überwiegend als Comic Relief fungiert, entsteht, zu der sich außerdem noch Katherine Waterston als Ex-Aurorin und Alison Sudol als deren Schwester hinzugesellen, verkommt "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" zu leichtfüßigem Eskapismus, bei dem einige der Kreaturen wie beispielsweise der maulwurfartige "Niffler", der nach glänzenden, glitzernden Gegenständen süchtig ist, immer wieder die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich ziehen. Rowling belässt es allerdings nicht bei diesem Handlungsstrang und verheddert sich etwas in den Nebensträngen, in denen die Autorin zunehmend düstere Seiten aufzieht. 


Eher ungewohnte Aussichten im Central Park
Während die Momente, in denen die Todesstrafe an Zauberern als bedrückendes Konzept präsentiert sowie ein Zusammenleben zwischen Zauberern und No Majs als gesellschaftliches Tabu etabliert wird und ein mysteriöser schwarzer Magier Angst und Schrecken verbreitet, einen gelungenen Kontrast zum heiteren Handlungsstrang von Newts Gruppe darstellen, bekommt die Autorin den Bogen zwischen diesen Einzelgeschichten nicht immer schlüssig gespannt. Unter anderem verkommt die Geschichte der von Samantha Morton gespielten Frau, die eine neue Sekte im Sinne der Salem-Bewegung leiten will, bei der Hexen und Magier als ernsthafte Bedrohung verfolgt werden sollen, zur beiläufigen Randnotiz, die ein abruptes Ende findet. Auch das Finale, in dem sich der Streifen eindeutigen Blockbuster-Konventionen unterordnet, wenn ganze Gebäude nacheinander zum Einsturz gebracht werden, erinnert zu sehr an plumpe Zerstörungsorgien der Marvel-Superheldenfilme.


Als Auftakt eines völlig neuen, eigenständigen Universums funktioniert "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" trotz der erzählerischen Unebenheiten als stimmungsvoller Blockbuster, in dem J.K. Rowling als Drehbuchdebütantin viel fantasievolles Gespür für unterhaltsame Einzelheiten unter Beweis stellt. Neben der ausgelassenen Jagd auf die toll gestalteten Zauberwesen überrascht der Streifen mit einigen düsteren Einlagen, ist treffend besetzt und fühlt sich aufgrund der liebevollen Ausstattung und dem wohligen Score von James Newton Howard frisch und vertraut zugleich an. 

7 von 10 überraschend geräumige Koffer

von Pat

Review: THE LAST WITCH HUNTER - Vin Diesel versucht sich als Hexenjäger

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Fakten:
The Last Witch Hunter
USA. 2015. Regie: Breck Eisner.
Buch: Cory Goodman, Matt Sazama, Burk Sharpless. Mit: Vin Diesel, Rose Leslie, Elijah Wood, Michael Caine, Julie Engelbrecht, Ólafur Darri Ólafsson, Isaach De Bankóle, Bex Taylor-Klaus, Kurt Angle, Lotte Verbeek u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 10. März 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kaulder, einer der letzten lebenden Hexenjäger der heutigen Welt, muss New York vor zerstörerischen Kräften beschützen. Nicht ganz freiwillig verbündet sich der 700-jährige Jäger hierzu mit Chloe, um den zahllosen Hexen und Zauberern, die unter der Herrschaft der niederträchtigen Hexenkönigin ihr Unwesen treiben, das Handwerk zu legen. Diese scheinen sich bedrohlich zu vermehren, nachdem sie bereits einen Großteil der Hexenjäger getötet haben. Bald liegt es allein an dem ungleichen Duo, die wachsende Hexen-Armee und ihre Königin endgültig zu stoppen...




Meinung:
Es ist ein neuer Versuch von Vin Diesel auch neben der „Fast & Furious“-Reihe ein gutlaufendes Franchise zu haben, nachdem die Filme rund um den Nachtsichtler Riddick bei Kritik und Kasse eher verhalten aufgenommen wurden. Doch ob „The Last Witch Hunter“ wirklich der Beginn für weitere Teile, bzw. Abenteuer des unsterblichen Hexenjägers Kaulder (Vin Diesel) wird, bleibt abzuwarten. Denn der Startschuss ist schon mal gründlich in die Hose gegangen. Dabei zeigt die Produktion des Films durchaus ein wenig Courage. Klar, der Film entstand wegen der massiven Starpower von Diesel, dennoch ist es durchaus achtenswert, dass „The Last Witch Hunter“ ein originärer Stoff ist. Kein Bestseller, Videospiel oder Comic stand hier Pate. Das Universum der Handlung sowie seine Mythologie wurden erfunden. Das ist für solch einen Film heutzutage keine Alltäglichkeit.


Da staunt der Vinnie! Auch Hexen geben Vollgas.


Die dargestellte Welt ist dabei natürlich zusammengesetzt aus diversen Versatzstücken anderer Werke, aber dennoch wirkt sie – zumindest zu Beginn – interessant, weil ihr etwas Schroffes und Erdiges zu Grunde liegt. Sobald der Film dann allerdings in unsere Gegenwart wechselt war es das dann mit der Atmosphäre. Regisseur Breck Eisner und Kameramann Dean Semler erschaffen zwar immer wieder kurze Bilder, die wirklich Atmosphäre generieren und auch transportieren, nur länger als ein paar Momente hält dies nie an. Danach gibt es wieder eine Optik- und Effektfest, was sich gut und gerne als inspirationslose Dutzendware beschreiben lässt, da „The Last Witch Hunter“ nur Genre-Standards aneinanderreiht und zu alle dem dies Alles noch in eine sehr statisch erzählte Handlung presst, die dazu keinerlei wirkliche Abwechslungen bietet und sich auch noch erstaunlich ernst nimmt  Das strengt an und ermüdet gleichzeitig. Keine sonderlich brauchbaren Attribute für einen Filme der doch eigentlich unterhalten will und zwar am liebsten durch seine erstellte Welt (mitsamt Mythologie) sowie durch seine Heldenfigur.


Doch weder seine Welt noch der letzte Hexenjäger selbst sind wirklich soweit interessant, als dass sie einen ganzen Film tragen können. Das Worldbuilding erweist sich – nach einem rasanten, kalten Start – als zu expositionslastig und ausbremsend, während die (natürlich tragische) Heldenfigur sich einseitig brummend durchschlägt und dabei ungefähr so viel Charisma verbreitet wie eine abgestorbene Hexenwarze. Dem gegenüber stehen dann Actionszenen, die kein Gefühl für Kraft, Dynamik und Komposition besitzen. Das alles macht „The Last Witch Hunter“ zu einem bräsigen, neuen Versuch Vin Diesel auch außerhalb des „Fast & Furious“-Franchise als potenten Actionheroen zu positionieren. Nun, hier ist das mal wieder gescheitert. Vielleicht bringt ihm sein zweiter geplanter Auftritt als Geheimagent Triple X mehr Glück, wobei es wahrlich schön gewesen wäre, wenn solch ein originärer Stoff wie „The Last Witch Hunter“ zu einem besseren Film geführt hätte. Tja, es ist wie verhext.


3,5 von 10 frischen Insekten-Muffins

Review: WITCHING & BITCHING - Nichts als Ärger mit den Weibern

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Fakten:
Witching & Bitching (Las brujas de Zugarramurdi)
ES, FR, 2013. Regie: Álex de la Iglesia. Buch: Jorge Guerricaechevarria, Álex de la Iglesia. Mit: Hugo Silva, Mario Casas, Carmen Maura, Pepón Nieto, Carolina Bang, Terele Pávez, Jaime Ordónez, Gabriel Angel Delgado, Santiago Segura, Macarena Gómez, Secun de la Rosa, Javier Botet, Enrique Villén u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
José ist der Anführer einer aus der Not geborenen Räuberbande. Als Straßenkünstler getarnt landen sie einen spektakulären Coup und erbeuten einen großen Schmuckschatz. Doch ihre Flucht steht unter keinem guten Stern: Auf dem Weg nach Frankreich passieren sie die in Navarre gelegene Stadt Zugarramurdi. Die Stadt ist fest in den Händen eines Hexenkults, der just einen Sabbat abhält. Angesichts der Horde von Hexen ist die José und Co. verfolgende Polizei nun noch das geringste Problem…






Meinung:
Wenn ein silberner Christus, ein menschlicher Spielzeugsoldat, Mini Maus, SpongeBob, der Unsichtbare und ein kleiner Junge, der eigentlich seine Hausaufgaben machen sollte, einen Schmuckhändler ausrauben, sich eine blutige Schießerei mit der Polizei liefern und bei ihrer Flucht mit einem entführten Taxi mitten in einem Hexensabbat geraten, können dafür eigentlich nur Robert Rodriguez (dessen „From Dusk Till Dawn“ ganz leicht Pate stand) oder eben Spaniens Enfant terrible Álex de la Iglesia verantwortlich sein.


Niemand verarscht Jesus!
Das ist anfangs nicht weniger rasant, turbulent und unterhaltsam wie sich anhört. Der furiose Auftakt schürt die Hoffnung, dass sich Kindskopf Iglesia hier ähnlich hemmungslos und stilsicher geschmacksbefreit austoben wird wie bei seinem letzten Werk, dem bewusst polarisierenden Vorschlaghammer „Mad Circus“, der in seiner rabiaten Zügellosigkeit wohl das bisher beste Werk des unberechenbaren Spaniers darstellte. Diese Erwartungen kann sein neuester Streich „Witching & Bitching (ähnlich „sinnvoll übersetzt“ wie schon „Mad Circus“) im weiteren Verlauf leider nicht gänzlich erfüllen. Wie immer bei Iglesia und seinem Stamm-Co-Autor Jorge Guerricaechevarria werden eine gute Grundidee und zahlreiche nette Einfälle zusammengeschmissen, können dabei jedoch kein rundum stimmiges Skript ergeben. Besonders ihr Hang zu Albernheiten und dem fehlenden Gespür, wann man lieber mal gezielt auf den Punkt kommen sollte, wird ihnen gelegentlich zum Verhängnis. Altbekannte Probleme der Herren, die hier zu deutlich sichtbar sind.


"Erst noch eine Folge Bibi Blocksberg, dann gehts auf die Jagd."
Mit seinen 114 Minuten ist „Witching & Bitching“ nicht nur schlicht viel zu lang und zieht sich somit im Mittelteil stellenweise arg, er verpasst einfach oft den perfekten Zeitpunkt, um knackig ins Ziel zu kommen. Der Humor schwankt zwischen ganz lustig, nervtötent und unpassend kindisch (die beiden Polizisten, deren Zickerein untereinander nicht mal ein müdes Lächeln erzeugen können), schafft nur ganz selten dieses bösartige Niveau, was Iglesia in seinen besten Filmen auszeichnete. Im ausgiebigen Schlussspurt zieht das Tempo wieder drastisch an, das hektische Treiben erreicht dann allerdings schnell einen Punkt, der des Guten einfach zu viel ist. Der Gedanke, einen überdrehten Geschlechterkrieg zwischen südländischen Chauvis und mehr als emanzipierten Teufelsweibern in einem wilden Genre-Mix auf die wenig subtile Spitze zu treiben (inklusive einem Peter-Jackson-Gedächtnis-Finale) ist einerseits herrlich ruppig, andererseits schon extrem an der Grenze zum ausufernden Blödsinn. Feintuning ist nicht das Ding von Iglesia, der selbst seine Fans hier mit seinem teilweise pubertären Verständnis von Humor droht zu verschrecken.


Deutliche Kritikpunkte, die ganz klar stellen sollten: Wer mit dem Mann bisher wenig anfangen konnte, sollte einen großen Bogen um „Witching & Bitching“ machen. Der Rest sollte aber durchaus einen Blick riskieren, denn wenn man Iglesia eines zusprechen kann, dann Leidenschaft, Kreativität und Spaß an der Sache. Trotz Hängern und Rohrkrepierern, sein Hexenzirkus ist durchaus einfallsreich, zitiert gerne und ausgiebig aus dem okkulten Genre und versprüht diesen überdrehten Charme, den jeden seiner Filme auszeichnet. Dazu erstaunlich gut getrickst und mit spielfreudigen Darstellern besetzt, die über so manche Problemchen hinwegtäuschen können, wenn auch nicht durchgehend. Am Ende hätte man sich sicher mehr erwartet, aber wer bei Iglesia etwas voraussetzt, ist selber schuld. Dafür ist er zu wenig 08/15. Und das ist gut so.

6 von 10 Fingern im Schlafrock.

Review: THE LORDS OF SALEM - Satan bevorzugt Vinyl

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Fakten:
The Lords of Salem
USA, 2012. Regie & Buch: Rob Zombie. Mit: Sheri Moon Zombie, Bruce Davison, Jeff Daniel Phillips, Judy Geeson, Meg Foster, Patricia Quinn, Ken Forree, Dee Wallace, Maria Conchita Alonso, Richard Fancy, Andrew Prine, Michael Berryman, Sid Haig, Bonita Friedericy, Nancy Linehan Charles u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


 
Story:
Radio-Moderatorin Heidi und ihre Kollegen erhalten ein Paket, abgeschickt von "den Lords". Es enthält eine Schallplatte, die sie in ihrer Sendung spielen. Die abstrakten Klänge kommen nicht nur erstaunlich gut bei ihren Hörern an, sie erzeugen bei Heidi merkwürdige Flashbacks und Visionen. Fortan hat die Frau mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen zu kämpfen, die mit der Vergangenheit ihres Heimatorts Salem in Verbindung zu stehen scheinen. Einst fanden hier satanische Rituale eines Hexenzirkels statt, der vom Reverend und seinen Inquisitoren blutig zerschlagen wurde. Als die mysteriösen Lords mit ihrem zweiten Paket ein Konzert in Salem ankündigen, steigern sich Heidis Visionen immer weiter und bald kann sie nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. Wer sind die Lords of Salem und was wollen sie von ihr?


                                                                                   


Meinung:
Mit seinem fünften Spielfilm dürfte der eh umstrittene Regisseur Rob Zombie nun endgültig polarisieren. Sein lange angekündigtes Baby "The Lords of Salem" macht mal so gar keine Anstalten, sich beim breiten Publikum anzubiedern - eher im Gegenteil. Wie schon bei seinem letzten Film "Halloween 2" schert sich Zombie scheinbar nicht viel darum, ob das gut ankommen wird oder nicht. Er geht hier sogar noch einen Schritt weiter. Fast scheint es so, als wenn er mit diesem Film nur einen Zuschauer befriedigen will: Sich selbst. Wenn das noch jemanden gefallen sollte, super, aber darum geht es ihm nicht. "The Lords of Salem" ist sein Film, von ihm für ihn und die Zuschauer sind herzlich dazu eingeladen, an seiner Privat-Party teilzuhaben...nur ohne Gewähr.

Bequem ist anders.
Ob man nun Zombie für einen Trottel, das neue Wunderkind des Horrorfilms oder nichts von alledem hält, eines muss man ihm lassen: Der Mann sollte Unterricht über Kostenminimierung im Filmgeschäft abhalten, da können einigen Herren noch was lernen. Für 1,5 Millionen $ binden sich manche Stars nicht mal die Schuhe zu, damit dreht Zombie einen ganzen Film. Kein Zwei-Personen-Stück in einem Keller, sondern einen kompletten Film mit allem Drum und Dran, inklusive Masken, Effekten und sogar einem relativ namenhaften (wenn sicherlich auch bezahlbaren) Cast. Respekt! Natürlich müssen da in einigen Punkten leichte Abstriche gemacht werden und etwas mehr Kohle hätte dem Werk in Details bestimmt nicht geschadet (speziell bei Masken, Effekten und Setdesign), doch Zombie macht aus der Not (meistens) eine Tugend und setzt seine begrenzten Mittel recht effektiv ein. Da kommt ihm sein Gespür für Stimmung zugute, das kann enorm über gewisse Makel hinwegtäuschen. Nur manchmal gerät er schon sichtlich an seine Grenzen, an einigen Stellen wäre weniger klar mehr gewesen. Zwar muss Zombie für seinen Anspruch gelobt werden, sich von dem Budget nicht zu sehr die Hände auf den Rücken fesseln lassen zu wollen, jedoch hätte er auf einige Effekte lieber verzichten sollen, die eher albern rüberkommen. Das zerstört kurzzeitig die eigentlich durchgehend beklemmende Atmosphäre und holt den Zuschauer ruckartig auf den Boden der Tatsachen zurück. Gerade der ist allerdings bei "The Lords of Salem" überhaupt nicht das Maß der Dinge.

Karneval in Salem.
Wenn man denn die puren Tatsachen betrachtet: Eine Story existiert nur rudimentär, narrativ wird sich aufs Nötigste beschränkt und Zombie's Ehefrau Sheri Moon wird abseits seiner Produktionen wohl niemals eine Hauptrolle spielen. Bemüht ist sie ohne Frage, nur mehr lässt sich ihr kaum anrechnen. Wenn die mal halbwegs gefordert wird, ist der Ofen schnell aus. Das, gepaart mit den lächerlichen Mitteln, würde vielen Filmen schon das Genick brechen. Genau an dem Punkt schlägt jetzt das durch, was "The Lords of Salem" - und Rob Zombie im Allgemeinen - so interessant und besonders macht. Zombie offenbart mal wieder seine uneingeschränkte Liebe und Hingabe zum Genre, sein Fachkenntnis, sein Nerd-Herz. Oft erinnert sein Werk an das europäische Horrorkino der Vergangenheit, in seinen Schwächen wie Stärken. Eine starke Bildsprache, eine verstörend-beängstigende Soundkulisse, faszinierend-morbide Einfälle und abstrakte Momente, teilweise grandios in Szene gesetzt. Dazu ist kein Geld erforderlich, man muss nur wissen wie was wirkt und was man will, und dies versteht Zombie einwandfrei. Die Geschichte gerät vollkommen zur Nebensache, wenn man sich in Zombies okkulten Strudel aus Bild, Ton, Symbolik und Referenzen verliert. Das funktioniert partiell prächtig. Als wenn Rob Zombie den Film drehen würde, den Dario Argento bei seinem beschämenden Mütter-Trilogie-Abschluss "The Mother of Tears" nicht hinbekommen hat. Tatsächlich könnte "The Lords of Salem" fast als solcher funktionieren, Parallelen sind vorhanden, handwerklich wie von der Geschichte. Zwar ist Zombie nie so gut wie Argento zu seinen besten Zeiten, allerdings würde der alte Dario wohl alles dafür geben, heute so gut zu sein wie Zombie hier.
 
"The Lords of Salem" macht es einem echt nicht einfach. Mal ist das bärenstark, mal unpassend trashig, mal großartig und mal fast albern. Bezeichnend dafür ist das Finale, in dem ist alles drin. Grandiose Einstellungen wechseln mit absurder Clipästhetik, wie MTV auf LSD. Das hinterlässt einen merkwürdigen Eindruck, wirkt wüst und wild zusammengeworfen, doch das ist es dann wohl, was Rob Zombie wollte und er geil findet. Es sei ihm gegönnt, ist ja sein Film. Durch und durch. Man kann zu diesem teils beachtlichen, teils merkwürdigen Hexensabbat stehen wie man will, nur eins ist unbestreitbar: Er ist anders und mutig. Das ist schon mal mehr, als andere Regisseure jemals hinbekommen werden.
6,5 von 10 Schallplatten aus der Hölle

Review: THE MOTHER OF TEARS - Der traurige Schlusspunkt

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http://ablogofhorror.files.wordpress.com/2011/09/the-mother-of-tears-movie-poster-2007-1020685847.jpg


Fakten:

The Mother of Tears (La terza madre)
IT, 2007. Regie: Dario Argento. Buch: Dario Argento, Jace Anderson, Walter Fasano, Adam Gierasch, Simona Simonetti. Mit: Asia Argento, Cristian Solimeno, Adam James, Moran Atias, Valeria Cavalli, Philippe Leroy, Daria Nicolodi, Udo Kier, Coralina Cataldi-Tassoni u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bei Ausgrabungen in Rom wird eine alte Urne gefunden. Als sie im Museum geöffnet wird, bricht die Hölle aus. Studentin Sara wird Zeuge, wie ihre Kollegin von finsteren Gestalten in Stücke gerissen wird. Ab diesem Zeitpunkt herrscht in Rom das Chaos: Selbstmorde und gewalttätige Übergriffe schnellen in die Höhe. Sara selbst hört merkwürdige Stimmen und entdeckt, dass sie über geheimnisvolle Kräfte verfügt. Bald erfährt sie die Wahrheit: Durch das öffnen der Urne wurde die Mater Lacrimatum, die Mutter der Tränen, zum Leben erweckt. Hexen und Teufelsanbeter aus aller Welt pilgern in die ewige Stadt, um dem Untergang beizuwohnen.



                                                                               

Meinung: 
Sage und schreibe 27 Jahre brauchte Dario Argento, um endlich seine Mütter-Trilogie fertigzustellen. Was 1977 mit "Suspiria" genial begann und 1980 mit "Inferno" immerhin noch stilsicher und faszinierend fortgeführt wurde, endet in einem Desaster. Das Seniore Argento schon lange vorher sein Mojo scheinbar restlos aufgebraucht hatte, war ja kein Geheimnis, doch das ausgerechnet dieser, so lange erwartete, Abschluss nun die Realität eindrucksvoll untermauert, schmerzt schon erheblich.


Der Blick spricht Bände
Was ist da bloß passiert? Aus einem inszenatorischen Genie, der mit seinen abstrakten, expressionistischen Stilmitteln selbst das dümmste Script noch in Gold verwandeln konnte, ist ein blutleerer, altersschwacher, kreativ-impotenter Schauer-Onkel geworden. Von seiner außergewöhnlichen, meisterhaften Bildsprache, seinem Gespür für surreale Spannung und Atmosphäre, seinem Spiel mit der Angst vor dem Unerklärlichen und Unbekannten, ist nichts mehr übrig geblieben. Wer auf ein optisch-akustisches Vier-Gänge-Menü hofft, wird sang- und klanglos verhungern. Statt sich auf seine Klasse vergangener Tage zu berufen, kurbelt Argento ein völlig lieb- und planloses Okkultismus-Theater runter, wie es auch von Kalle-Arsch-XY hätte kommen können. Es wirkt bald so, als hätte Argento diesen Film einfach machen müssen, ohne dafür wirklich die Muse zu haben. Ist ja sogar möglich, warum hat es denn wohl sonst fast drei Jahrzehnte gedauert?


Die Indizien sind erdrückend...
Die Vorgänger, wie eigentlich alle guten Argentos, bezogen ihren Reiz durch die bizarre Stimmung, die kaum greifbare Bedrohung, die beinharte Atmosphäre und die unglaublich ausgeklügelten Mordsequenzen, hier gibt es nichts davon. Ohne seinen Bezug zu der Mütter-Trilogie wäre der Ramsch wohl niemals auf den Markt gekommen. Die Geschichte, an und für sich, bleibt das einzig Positive, denn nach wie vor besteht das Interesse, am Finale der teuflischen Schwestern beizuwohnen. Im Gegensatz zu den Vorgängern verläuft hier aber alles glatt nach Schema F, viel wird erklärt und nochmal aufgedröselt, wohl um Einsteiger bei der Stange zu halten, nur jegliche Surrealität geht total flöten. Selbst dann noch interessante Momente, wie z.B. die Welle der Gewalt, die Rom überrollt, wird nicht mal anständig umgesetzt.  Anstatt Spannung und Stimmung zieht Argento den letzten Joker: Gore.


Sexy-Hexy geht der Arsch auf Grundeis
Ja, blutig und explizit ist "The Mother of Tears", aber so gequält, da ja sonst nichts vorhanden ist. Argento splattert rum wie selten zuvor, ein Rettungsring der Einfallslosigkeit. Sonst gibt es gepflegte Langeweile, schlimme Darsteller (uns Udo Kier geht immer, aber die kleine Argento ist wohl auch nur wegen Papa an Bord), billig-peinliche CGI-Effekte (allein das in so einem Film) und Titten. Richtig, Brüste, weiblich. Gerne und auch vollkommen unpassend durch's Bild baumelnd, irgendwas muss ja Spaß machen. Nicht nur dadurch wird "The Mother of Tears" oft unfreiwillig komisch, was für einen Argento quasi ein Todesurteil ist. Da reicht es schon voll und ganz, auf das Finale zu verweisen. Gab es bei "Suspiria" und "Inferno" noch den Showdown mit der bitter-bösen Mutter, wirkt sie hier wie ein überschminktes Go-Go-Girl aus dem Sport1 Nachtprogramm. Überhaupt sehen alle Satansjünger aus wie Karikaturen eines Gothic-Konzerts und ziehen dementsprechend Grimassen. Richtig armeselig wird es, wenn Argento scheinbar kurz eingefallen ist, was seine Filme mal ausgemacht haben. Dann wird minimal mit der Beleuchtung gespielt und eine kleine Kamerafahrt eingebaut, dürfte in der Form jeder gelernte Regisseur beherrschen. Das sieht aus, als wenn ein Argento-Fan-Boy dem Meister eine Referenz erweisen wollte, dann wäre es ja ganz nett. So die Überreste einer Ikone.


Warum noch drei Punkte? Nun, wenn das ein eigenständiger Film von einem 08/15-Hansel für wenig Kohle gewesen wäre, na ja. Gemessen an dem, was Argento mal konnte und was dieser Film eigentlich sein sollte, eine Schande. Da sind 3 Punkte eine Art Konsensentscheidung.

3 von 10 Hexen-Möpsen