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Review: WILD CARD - Die Stärke des Jason Statham

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Fakten:
Wild Card
USA. 2015. Regie: Simon West. Buch: William Goldman (Vorlage). Mit: Jason Statham, Michael Angarano, Milo Ventimiglia, Max Casella, Anne Heche, Hope Davis, Stanley Tucci, Chris Browning, Jason, Alexander, Sofia Vergara, Shanna Forrestall, Boyana Balta, Joseph Fischer u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 31. Juli 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nick Wilde kennt sich aus in Las Vegas und verdient seine Brötchen als Bodyguard für vermögende Spieler. Nick selbst hat ein Spielproblem, hat dieses jedoch im Griff. Als eine Freundin von ihm von einem Mafiasöhnchen misshandelt wird, will sich Nick eigentlich daraus halten, doch es gelingt ihm nicht und plötzlich steht er ganz oben auf der Abschussliste der Casino-Mobster.





Meinung:
Jason Statham ist toll. Ein guter Darsteller ist es gewiss nicht, aber dafür besitzt er etwas, was letztlich vielleicht noch wichtiger ist als ausgeprägtes, darstellerisches Talent: Charisma. Der Brite mit der Bulldoggen-Präsenz, der zunächst unter der Führung von Regisseur Guy Ritchie den modernen, britischen Gangsterfilm mitprägte und dann von der Filmmanufraktur des Luc Besson zum Actionheroen modelliert wurde und seitdem einer der wichtigsten Actionstars der heutigen Zeit ist, weiß was seine Fans wollen. Zwar erlaubt er sich hier und da kleine Ausflüchte, wie etwa im Drama „Redemption“, doch im Grunde ist er ein reinrassiger Actionstar. Warum? Weil er es kann, weil es alleine zu seiner Physis passt. Regisseur Simon West, der mit Statham bereits den höchst spaßigen „The Expendables 2“ sowie der eher vergessenswerte Killer-Thriller „The Mechanic“ inszenierte, vertraut auch in „Wild Card“ wieder auf den Kurzhaarträger und generiert aus der Geschichte von Autorenlegende William Goldman ein klassischen Statham-Vehikel.


Statham Clause
„Wild Card“ ist rigoros auf seinen Star zugeschnitten. Kein Wunder, die Geschichte wurde unter dem Titel „Heat – Nick, der Killer“ bereits 1986 verfilmt. Damals mit Burt Reynolds der zu dieser Zeit einen ähnlichen Ruf und Status inne hatte wie Statham heute. Die Prämisse der Handlung ist also auf einen starken leading man ausgerichtet. Statham darf als Nick Wild sich in Las Vegas mit naiven Jünglingen, schwachen Damen und fiesen Gangstern herumärgern. Dass Jason Statham als Nick Wild dabei meist stets cool bleibt, unterstreicht die klaren Konturen die „Wild Card“ auffährt. Alles hier entspringt klaren Strukturen, einzig Las Vegas darf nicht nur die bekannten Fassaden aus Lichtern, Casinos und Neonschriften zeigen, sondern auch schäbige Diner, einfache Behausungen und verdreckte Parkplatze. Die Scheinwelt Las Vegas, wird von West somit recht gelungen mit der unglamourösen Wirklichkeit konterkariert, was seinem Film einen ansprechenden, rauen Ton verleiht. Die klassischen Tropen wie Gangster, die wie Könige in ihren Suiten und Restauranttischen thronen, werden immer mal wieder aufgebrochen, bzw. etweas genauer definiert. Wenn sich Nick mit Gangsterboss Baby trifft, so wirkt diese Szenerie zum einen zwar recht klassisch, dennoch besitzt sie auch etwas geerdetes, da Baby nicht aus der Klischeekiste zu entsprungen scheint. Dargestellt wird Baby übrigens von Stanley Tucci, der hier für eine Szene vorbeischaut und erneut seine Klasse unter Beweis stellt.


Weiß, dass es bald Ärger gibt: Nick Wilde
Kurz vorbei schauen tun viele bei „Wild Card“, denn auch wenn es die Promotion so aussehen lässt, dass Anne Heche, Hope Davis, Stanley Tucci oder Sofia Vergara große Rollen spielen, so sind es doch meist kurz kurze Gastauftritte von Rollen und Figuren, die weitesgehend uninteressant und relativ inspirationslos wirken (von Tucci einmal abgesehen). Das ist abr verzeihlich, weil Simon West sich hier Kurzweil auf die Fahne geschrieben hat. Dennoch hinterlässt die Vergeudung dieser Schauspieler schon einen etwas bitteren Nachgeschmack. Die größte Schwäche des recht unterhaltsamen Films ist jedoch, dass sich „Wild Card“ anfühlt wie Flickwerk, wie eine Ansammlung und wenig elegante Verkettung von kleineren Geschichten, in die Jason Statham als Publikumsliebling sowie Bindeglied durchgeführt wird. Am Ende, wenn die Fans ihren Star in einigen durchaus markanten wie durchschlagenden Actionsegmenten gesehen haben, bleibt das Gefühl zurück, dass hier einige Puzzleteile der Handlung mit Hammer und Nagel in die gewünschte Form gebracht wurden. „Wild Card“ unterhält zwar durchaus gut, aber es gelingt ihm nie das Gefühl einer klar strukturierten Geschichte zu erzeugen. Mehr wirkt er wie ein episodenhaftes Statham-Best-Of, das die positiven Eigenschaften seines Stars glasklar herauskristallisiert, dabei aber keine homogene Geschichte zu Stande bekommt. Das ist vor allem im Hinblick auf Stathams Rolle etwas bedauerlich. Diese erweist sich nämlich nicht nur als echter Haudegen mit dem Herz am rechten Fleck, sondern auch Vegas-Veteran, der nicht nur wegen seiner eigenen Spielsucht das Potenzial hätte mehr aus „Wild Card“ herauszuholen.


Trotz narrativer Schredderei ist „Wild Card“ eine gut geschmierte Unterhaltungsmaschine. Das Publikum, welches hier einen Action-Overkill erwartet wird definitiv nicht bedient, dafür jenes, das in Jason Statham nicht nur den Arschtreter vom Dienst sieht, sondern ebenfalls eine markante, wenn vielleicht auch recht gefällige, Präsenzerscheinung, die jede einzelne Szene scheinbar mühelos für sich vereinnahmt. „Wild Card“ ist im Grunde nicht mehr als ein reinrassiges Schaulaufen für Statham. Das geht so absolut in Ordnung, sorgt für Kurzweil und wurde von Regisseur West ansprechend inszeniert. Ob da mehr drin gewesen wäre? Vermutlich.


6 von 10 Gesprächen auf Plastikfolie

Review: CAPTAIN AMERICA – THE FIRST AVENGER – America, Fuck Yeah!

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Fakten:
Captain America – The First Avenger
USA. 2011. Regie: Joe Johnston.
Buch: Steven McFeely, Christopher Markus. Mit: Chris Evans, Hayley Atwell, Hugo Weaving, Tommy Lee Jones, Sebastian Stan, Stanley Tucci, Toby Jones, Neal McDonough, Domenic Cooper, Natalie Dormer, Kenneth Choi, Richard Armitage, Samuel L. Jackson u.a. Länge: 125 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Klein, mickrig aber voller Mut und Tatendrang: Steve Rogers, versucht sich verzweifelt als Soldat bei der Armee zu bewerben, doch der schmächtige Mann wird einfach nicht genommen. Der Wissenschaftler Dr. Erskine entdeckt  in ihm aber die Courage eines großen Kämpfers und so macht er ihn zum größten amerikanischen Streiter: Captain America.





Meinung:
Dass es sich diverse Marvel-Helden nicht haben nehmen lassen, sich in so manch schwerwiegendem Kapitel der reellen Menschheitshistorie einzumischen, um in diesen dann nach Belieben herumzupfuschen, ist ja keine sonderliche Überraschung mehr. Da der Marvel-Kosmos doch geradewegs in unser Universum installiert wurde, besteht eben beispielsweise auch die abstruse Möglichkeit, Magneto aus der „X-Men“-Saga konspirativ des Mordes an John F. Kennedy zu bezichtigen. Seltsam hingegen wird es, wenn wir uns auf einem Terrain bewegen, in dem es nicht mehr um den primär phantastischen Charakter der Comic-Vorlage geschert wird und das Wildern in den Geschichtsbüchern keiner handlungsorientierten Kontextualisierung unterliegt, sondern einer felsenfesten Ideologie Auftrieb zu verleihen glaubt. Mit „Captain America – The First Avenger“ bekommen wir es mit einem solch eher zwiespältig zu bewertenden Fall zu tun. In den 1940er Jahren ins Leben gerufen, basiert die Figur von Captain America auf einer rein propagandistischen Absicht, was bezüglich einer zeitgemäßen Interpretation natürlich viele Fragen aufwirft.


Noch nur für die Kriegsanleihen unterwegs: Captain America
Die entscheidendste davon ist wohl: Kann man diesen ungefilterten Nationalstolz wirklich immer noch so ungebremst auf ein im Hier und Jetzt angekommenen Massenpublikum eindreschen lassen, wenn man sich schon auf die Ursprünge der Figur rückbesinnen möchte. In dieser massiven Aufmachung, wie er noch im ersten Heft von 1941 in Erscheinung getreten ist, sicherlich nicht. Überraschend aber ist, dass die Verantwortlichen hinter „Captain America – The First Avenger“ offensichtlich eine andere Meinung hatten. Captain Americas Funktion war es, dem Volk der Vereinigten Staaten Mut zu machen, was ja keineswegs verwerflich war, aber er war genauso dafür verantwortlich, die Aversionen gegenüber längst existenten und grundierten Feindbildern weiterhin zu schüren. Dass er als Personifizierung von amerikanischen Idealen auch äußerst effektiv zu Werke geschritten ist, muss hier wohl kaum noch bekundet werden. Und nun transferiere man diese Figur in die heutige Zeit und setze sie nicht der republikanischen Anhängerschaft, sondern dem deutschen Konsumenten vor die Augen - Eine gerümpfte Nase ist da wohl die noch mildeste Reaktion.


Im Team gegen Nazischweine
Wie würde man wohl reagieren, wenn Deutschland sich an die Arbeit macht, eine Comic-Figur jener Tage auf die Leinwand zu projizieren, die den Zweck erfüllen sollte, den von Adolf Hitler propagierten Antisemitismus zu potenzieren? Vielleicht mag der Vergleich in seiner Verhältnismäßigkeit etwas hinken, fragwürdig aber ist „Captain America – The First Avenger“ in seiner patriotischen Strahlkraft zweifelsohne. Es wäre die deutlich klügere Maßnahme gewesen, den kritischen Subtext der späteren Comics wohldosiert zu übernehmen – Oder das Gezeigte dann und wann mit einer klaren Selbstironie zu brechen. Dass Captain America (Chris Evans) es nicht schafft, ein Date mit seiner Flamme Peggy Carter (Hayley Atwell) klarzumachen, relativiert den florierenden Nationalismus wohl kaum. Es ist ja nicht so, als würde sich „Captain America – The First Avenger“ als handfeste Rekonstruktion damaliger Gegebenheiten definieren, er entpolitisiert sein Szenario schon dadurch, wenn er die SS-Nebengruppierung „Hydra“ und ihren Anführer Johann Schmidt (Hugo Weaving) zum Feindbild erklärt. Mit dem lachhaften knallroten Totenkopf allerdings ist Schmidt ein wenig wirkungsvoller Antagonist.


Das Problem von „Captain America – The First Avenger“ liegt eben darin begraben, dass er es tunlichst vermeidet, den Personenkult um seinen muskulösen Helden zu hinterfragen. Wenn Steve Rogers zu Anfang noch als der gebrechliche Hänfling auftritt und in seiner pathologischen vaterländischen Blindheit immerzu daran scheitert, sich in den Kriegsdienst einschreiben zu lassen, dann besitzt das eine gewisse Tragik. Einer solchen entbehrt sich der Film dann, wenn Steve zum Captain mutiert und sich in sein Handlungen permanent feiern lässt. Darüber hinaus leidet „Captain America – The First Avenger“ an einem mühseligen Pacing, versprüht dann und wann gekonnt seinen toll bebilderten Retro-Charme, muss sich aber gefallen lassen, als leidlich spannendes und wenig spektakuläres Unterfangen gewertet zu werden, egal wie exzessiv hier auch mit der Pyrotechnik hantiert wurde. Technisch größtenteils makellos, ist „Captain America – The First Avenger“ genau das propagandistischen Kaspertheater, das er zwischenzeitig in einem Anflug (selbst-)ironischer Inkompetenz aufs Korn zu nehmen glaubt. Wer ideologische Fragwürdigkeiten ausblenden kann, der wird wohl zwei mehr oder wenige unterhaltsame Stunden mit dem All-American-Dreamboy erleben.


3,5 von 10 hochgereckten Armen


von souli

Review: TRANSFORMERS: ÄRA DES UNTERGANGS - Welchen Anspruch hat man ans Kino?

3 Kommentare:


Fakten:
Transformers: Ära des Untergangs (Tranformers: Age of Extinction)
USA. 2014. Regie: Michael Bay. Buch: Ehren Kruger. Mit: Mark Wahlberg, Nicola Peltz, Jack Reynor, Stanley Tucci, Kelsey Grammer, Sophia Myles, Thomas Lennon, Bingbing Li, T.J. Miller, Titus Welliver, Julia Sanford, Chanel Celaya u.a. Länge: 165 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Dezember 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Vier Jahre ist es her, seit dem die Autobots im Kampf gegen die Decepticons halb Chicago in Schutt und Asche legten. Seitdem ist das Bündnis Autobots und Menschen aufgehoben und die Roboter werden gejagt. Nur wenige gibt es noch. Einer von ihnen, Optimus Prime, gerät als alter, rostiger Truck an den Farmer Cade Yaeger, der eigentlich nur einen Truck zum Ausschlachten brauchte. Doch der Transformer in seiner Garage sorgt schnell für Probleme, als Regierungsbeamte bei Cade auftauchen und seine Familie bedrohen. Dies ist der Beginn eines weiteren, großen Kampfes der Transformers.





Meinung:
Eigentlich wollte er ja nicht mehr den Kampf zwischen Autobots und Decpeticons dirigieren. Doch Michael Bay überlegte es sich letztlich doch anders, nachdem er mit „Pain & Gain“ ein langgehegtes Wunschprojekt realisierte und einen seiner besten Filme ablieferte. Nun ist er aber wieder der Herr über die Transformers und schickt die Roboterkolosse erneut ins große Gefecht gegen ihre Feinde. Davon gibt es in „Ära des Untergang“ wahrlich genug, denn neben arglistigen Menschen wollen außerdem noch die Schöpfer von Optimus Prime plus Konsorten die Transformers aufhalten und senden dafür den gefährlichen Kopfgeldjäger Lockheed auf die Erde. Irgendwo dazwischen kommt ein alleinerziehender Vater, Cade Yaeger, zwischen die Fronten und muss mit seiner Tochter und deren Freund wie die Zuschauer auch mitansehen, wie wieder jede Menge Altmetall verursacht und ganze Straßenzüge eingerissen werden. Kein Zweifel, „Transformers: Ära des Untergangs“ ist dasselbe Format Film wie seine Vorgänger. Diesmal allerdings mit über 160 Minuten Laufzeit noch etwas mehr im XXL-Format.


Optimus im William-Wallace-Modus
Auch die vorangegangen Teile der Reihe waren alles andere als Kurzfilme, doch schaut man sich die Handlung von „Transformers: Ära des Untergangs“ an, drängt sich schon die Frage auf, mit was Bay seinen Blockbuster eigentlich füllt. Die Antwort, die gewiss die Meisten erwarten, lautet: mit Krawall. Das ist richtig, doch im Gegensatz zu den vorherigen Filmauftritten der Roboter aus des Hause Hasbro bietet „Transformers: Ära des Untergangs“ durchaus den einen oder anderen Lichtblick. Um eines vorweg klar zu machen, es reicht nicht aus, um Teil vier endgültig eine Empfehlung auszusprechen. Dafür inszeniert Bay immer noch zu leb-, lieb- und seelenlos. Aber wenn sich die Transformers und ihre menschlichen Anhängsel ins Raumschiff des finsteren Lockheed verirren, dann punktet „Transformers: Ära des Untergangs“ mit einem wirklich beeindruckenden Produktionsdesign (welches letztlich wohl zu 90% am Hochleistungsrechner Hollywood entstand). Im Inneren dieses Raumschiff treffen gleich mehrere grafische Sci-Fi-Muster aufeinander. Allesamt nicht sonderlich innovativ, dafür referenziell. Hier ein paar düstere Gange a la „Alien – Das unheimliche Wesen aus dem Weltall“, dort etwas „The Matrix“ und hin und wieder fühlt man sich auch an Paul W.S. Andersons „Event Horizon“ erinnert. Somit generiert „Transformers: Ära des Untergangs“ wohliges Staunen, welches nicht mit Explosionen und Radau in Verbindung steht. Innerhalb des Films, ist diese Passage wahrlich eine willkommene wie einnehmende Abwechslung.


Lockheed will Optimus Prime um jeden Preis
Das war es dann aber auch schon mit der Abwechslung. Nun gut, dass Mark Wahlberg jetzt der menschliche Held von nebenan sein darf, tut dem Franchise durchaus gut. Seine Figur wirkt griffiger und weniger hyperaktiv. Während Shia LaBeouf („Nymp()maniac“) in den ersten drei Teilen wild stotternd von A nach B rannte, wirkt Wahlberg als Cade Yaeger fast schon erfrischend ruhig. Ebenfalls neuartig (für Bay-Verhältnisse) wirkt die Reduktion von rassistischen Stereotypen und frontalem Sexismus. Auch bei „Transformers: Ära des Untergangs“ gibt es Szenen, die einem die Schamesröte ins Gesicht treiben (z.B. scheinen alle Asiaten perfekt ausgebildete Kampfkünstler zu sein) und verglichen mit einem vernünftigen oder wohltuenden Maß dieser filmischen Abszesse, geht Bay auch hier wieder in die Vollen, aber stellt man den Sexismus und Rassismus seinen Vorgängerfilmen entgegen, wirkt „Transformers: Ära des Untergangs“ doch etwas reifer. Allgemein versucht er den vierten Teil der Reihe gröber zu gestalten. Zwar gibt es mit Samurai-Autobots und den werbewirksamen Dinobots immer noch einen Überschuss an Infantilismus, dafür aber auch den Versuch die Transformers nicht nur als gigantische Blechhaufen darzustellen, sondern erstmals auch wirklich als Persönlichkeiten (zumindest einige von ihnen).


Cade und Tochter nehmen die Beine in die Hand
Das ist wie zu erwarten war ganz weit weg von wahren, dynamischen Charakterentwicklungen und dank der doch sehr hölzernen, pardon, eisernen Robo-Mimiken auch eigentlich immer zum Scheitern verurteilt. Hey, ein Versuch war es aber wert. Gut, an den Versuch wird sich wohl niemand erinnern, denn im Grunde geht es selbstverständlich auch in „Transformers: Ära des Untergangs“ nur wieder um Destruktion mit dem Profil Höher, Schneller, Weiter. Wer sich immer noch dafür begeistern kann, dem sei viel Freude bei „Transformers: Ära des Untergangs“ gewünscht. Es sei hier aber noch einmal erwähnt, dass Teil vier trotz einzelnen, viel zu kurzen und oft auch viel zu schwachen Versuchen zumindest ein bisschen aus dem ewig gleichen Konzept des Filmfranchise auszubrechen. Kurz: A little bit different, but it’s always the same: Gebäude stürzen ein, Autos zerbersten, alles fliegt mit Karacho in die Luft und die Geschichte besitzt den Anspruch einfach nur da zu sein, aber darf bloß nicht irgendwelche geistigen Anforderungen stellen. Die Handlung von „Transformers: Ära des Untergangs“ ist genauso redundant wie bei den Vorgänger. Mit dem Unterschied, das Drehbuchautor Ehren Kruger einen Hauptplot dadurch erschafft, in dem er gleich mehrerer Subplots ineinander stapelt. „Transformers: Ära des Untergangs“ besitzt quasi eine Koffer-Handlung. Interessant ist das Endergebnis vermutlich nur für echte Fans der Hasbro-Spielzeuge und alten Cartoonserien, deren narrative Wahrnehmung bei Hochhauszerstörung Nummer sechs immer noch unabgelenkt funktioniert und fokussiert ist.


Cade und seine Alienknarre. Fiction-Gun-Porn
„Transformers: Ära des Untergangs“ ist, um es noch einmal deutlich zu machen, wahrlich kein sehenswertes Werk. Aber er weiß dennoch wirklich zu überraschen - manchmal. Es sind nur kurze, aber wohlige Injektionen des Glücks. Etwa wenn Michael Bay beim Showdown Mark Wahlberg mit seiner Kamera durch die verwüsteten Straßen Hongkongs begleitet und die Linse mobil und ohne Schnitt immer bei Wahlberg verweilt. Diese Sequenz ist nicht einmal 60 Sekunden lang, aber für Bay-Verhältnisse kann man hier durchaus von einer Plansequenz reden, die mit viel guten Willen ein wenig an Alfonso Cuarons Meisterwerk „Children of Men“ erinnert. Wirklich, mit sehr viel guten Willen. Ebenfalls zu den positiven Eigenschafte von „Transformers: Ära des Untergangs“ gehört Stanley Tucci, der als übertriebene Steve Jobs-Kopie sich vom Widerling zum komischen Sidekick entwickelt, dabei aber von allzu tumben Klamauk verschont bleibt. Tucci ist zweifelsohne die größte und beste Bereicherung/Neuerung bei „Transformers: Ära des Untergangs“. Es gibt aber auch Figuren, deren Dasein sich wohl am ehsten damit erklären lassen, dass man noch eine Projektionsfläche für männliche Teens und Twens benötigt. Das Ergebnis ist Rallyefahrer Shane (Jack Reynor), der Freund von Yaegers Tochter Tessa (Nicola Peltz), dessen schlampige Einführung in die Story bereits Kopfschmerzen verursacht.


„Transformers: Ära des Untergangs“  ist trotz einigen Veränderungen immer noch ein echter Bay- und Transformers-Film. 165 Minuten  wird man Zeuge, wie Figuren mit der Haltbarkeitszeit von Eiswürfel in der Sonne, mit Riesenroboter gegen Riesenroboter kämpfen. Es wird geschrien, gerannt, zerstört, gewütet und wenn am Ende in futuristischen Lettern „Directe by Michael Bay“ auf der Leinwand steht, verlässt man das Kino entweder bespaßt und gut gelaunt oder doch leer und genervt. Es kommt wohl einfach ganz darauf an, welchen Anspruch man das Kino hat. Soll es neue Welten erschaffen, eröffnen und definieren oder doch einfach nur fast drei Stunden lang technisierte Action im Overkill-Modus bieten? Dass muss jeder selbst entscheiden. Aber falls es bei der Entscheidung hilft: „Transformers: Ära des Untergangs“ ist kein guter Film (es hätte aber auch schlimmer sein können).


4 von 10 Robo-Zigarren

Review: INSIDE WIKILEAKS – DIE FÜNFTE GEWALT – Can you blow my whistle?

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Fakten:
Inside WikiLeaks – Die Fünfte Gewalt (The Fifth Estate)
USA, BRD. 2013. Regie: Bill Condon. Buch: Josh Singer, Luke Harding (Vorlage), Daniel Domscheit-Berg (Vorlage). Mit: Benedict Cumberbatch, Daniel Brühl, David Thewlis, Laura Linney, Stanley Tucci, Anthony Mackie, Moritz Bleibtreu, Peter Capaldi, Dan Stevens, Anatol Taubman, Edgar Selge, Axel Milberg, Alicia Vikander, Carice van Houten, Ludgar Pistor u.a. Länge: 128 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Hacker Daniel lernt den technisch ebenfalls versierten Politikaktivisten und Globetrotter Julian Assange kennen, der mit seiner Website WikiLeaks versucht der Öffentlichkeit teils streng vertrauliche Geheimnisse von Regierungen verfügbar zu machen. Den beiden und anderen Mitstreitern gelingen mehrere große Coups, doch die Zusammenarbeit wird wegen interner Querelen immer schwieriger und der politische Druck auf WikiLeaks steigt dazu auch drastisch an.





Meinung:
Wer im Jahre 2010 ab und mal durch das World Wide Web gesurft ist oder sich nach getaner Arbeit abends vor den Flimmerkasten gesetzt und die Nachrichten eingeschaltet hat, dem dürfte nicht nur die Enthüllungsplattform „WikiLeaks“ ein mehr als präsenter Begriff sein, auch beim Namen „Julian Assange“ müsste es schlagartig klingeln. Warum gerade das Jahr 2010? Weil nicht nur Wikileaks über Monate aufgrund von finanziellen Möglichkeiten in der Inaktivität ruhte und einzig durch üppige Spendengelder (500.000$ Dollar pro Jahr) reanimiert hätten werden können, auch Programmierer und Sprachrohr der berühmt-berüchtigten Seite Julian Assange wurde mit harschen Vergewaltigungsvorwürfen stigmatisiert, um den Vereinigten Staaten ausgeliefert zu werden – Wo ihn natürlich kein fairer Prozess erwarten wurde, sondern im schlimmsten Fall die Exekution. Danach gab es ein langwieriges Hin zu Her, nicht nur um Assange, der in die ecuadorianische Botschaft floh und bis heute dort verweilt. Auch um Wikileaks, welches zwar immer noch existiert, in seiner Funktionalität jedoch erheblich kastriert wurde.


Washington versucht Assange zu stoppen
Die Vorfälle kursieren also immer noch um die Antennen der Medienwelt und ihre Konsumenten. Kann es da, im Jahre 2013, also schon der richtige Zeitpunkt sein, einen Spielfilm zum Thema WikiLeaks in die Kinos zu schicken? Die gleiche Frage stellte man sich auch schon bei Kathyrn Bigelows „Zero Dark Thirty“, der die Jagd auf Osama Bin Laden thematisiert. Eine berichtigte Frage, die immer im Bunde mit einer weiteren Frage steht: Benötigt die Welt überhaupt einen Film dieser Art? Es gäbe bestimmt genügend Argumente, um beide Seiten fundiert auszustaffieren, egal ob Pro oder Contra. Das Problem ist eben nicht der Zeitpunkt und nicht die filmische Relevant, es geht einzig um die adäquate Umsetzung des Sujets. Und – um wieder zurück auf Wikileaks zu kommen - um sich wirklich tief in die komplexe Materie einzuarbeiten, sollte man sich Dokumentationen (wie zum Beispiel „We Steal Secrets“) anschauen oder dem durchaus informativen Artikel auf WikiPedia eine Chance geben. Hoffnungen auf eine derartig erhellende Akribie darf man an Bill Condons kolossalen Kino-Flop „Inside WikiLeaks“ jedoch bitte nicht hegen, auch wenn ambitiös zur Tat geschritten wurde.


Ist Julians Mitstreiter wirklich im Zielsucher der Geheimdienste?
Ambitionen können allerdings nicht nur etwas Positives sein, sie können einem Projekt auch problemlos das Genick brechen. „Inside WikiLeaks“ nämlich folgt dem Leitmotto (oder eher dem törichten Schlachtruf): Alles oder nichts. Gleich zu Anfang werden wir mit Bildern und Aufnahmen von reellen Vorfällen konfrontiert, deren Details immer noch in Relation mit Ungereimtheiten stehen, wie der Unfall von Lady Diana oder auch das Attentat auf John F. Kennedy. Ein Festmahl für Verschwörungstheoretiker! Und genau diesen Verschwörungsmöglichkeiten wollte Wikileaks Einhalt gewähren und sich für digitale Transparenz starkmachen: Dokumente, die als Verschlusssache, Geheimhaltung, Vertraulichkeit oder Zensur gezeichnet sind, wurden anonym veröffentlicht- auch Whistleblowing genannt -, um den unverfälschten Informationsfluss des 21. Jahrhundert für jedermann zu gewähren. Eine an und für sich sehr gute Sache, der sich die Betroffenen, also die Regierung, nur zu gerne in den Weg gestellt hat. „Inside WikiLeaks“ jedenfalls macht nicht den Fehler, klare Fakten dramaturgisch zu verschandeln, er wirft nur jede Minute ein neues Detail, eine neue Information in den Raum, als würde das Drehbuch Gefallen am Jonglieren mit brisanten Chiffren finden.


„Inside Wikileaks“ ist hingegen tadellos inszeniert, genau wie Benedict Cumberbatch („12 Years a Slave") mit seiner Performance des zuweilen autistisch erscheinenden Julian Assange durchgehend zu überzeugen weiß. Daniel Brühl („Rush“), solide, gibt mit Daniel Domscheit-Berg den Ruhepol der Geschichte, der als Identifikationsfigur für den Zuschauer fungieren soll. Nicht umsonst beruht auch der Film größtenteils auf dem gleichnamigen autobiografischen Buch des deutschen Informatikers. „Inside Wikileaks“ kennt nur keine narrative Ruhe, alles geht Schlag auf Schlag, alles ist vollgestopft mit Denkanstößen und Querverweisen, hier etwas Redefinition von Informations- und Redefreiheit, da etwas Revolutionsgeplänkel. Über all dem thront (neben der unfassbar debilen Schleichwerbung für Club Mate) die nach und nach zerbröckelnde Beziehung zwischen dem androgyn-suggestiven Assange und dem introvertiert Domscheit-Berg, die durchweg irgendwie leblos bleibt. Und auch wenn der Film parteilos bleiben möchte, drängt er Assange fortwährend in despektierliche Schubladen, um in einem mehr als unnötigen Meta-Interview zu munden. Beim nächsten Mal sollte man seine Ziele vielleicht nicht ganz so hoch stecken, der Sturz jedenfalls wäre etwas angenehmer.


4 von 10 müden Kühen


von souli