Review: THELMA & LOUISE – Free as a bird, and this bird you cannot change



Fakten:
Thelma & Louise
USA. 1991. Regie: Ridley Scott.
Buch: Callie Khouri. Mit: Geena Davis, Susan Sarandon, Harvey Keitel, Christopher McDonald, Michael Madsen, Stephen Tobolowsky, Brad Pitt, Timothy Carhart. Marco St. John u.a. Länge: 129 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Thelma und Louise sind beste Freundinnen und haben das gleiche Problem: ihren Alltag. Festgefahren mit Kindererziehung und Hausarbeit, beschließen die beiden für ein paar Tage auszubrechen und ihre Familien alleine zu lassen. Es beginnt eine Road Trip, bei dem beide Frauen aufblühen, doch als Thelma bei einem Zwischenstopp von einem Verehrer bedrängt und beinah auch vergewaltigt wird, tötet Louise den Mann und beginnt mit ihrer besten Freundin eine Flucht durch die USA.





Meinung:
Der Misandrie wurde er lauthals bezichtigt, einer männerfeindlichen Tonalität soll er also nicht nur tendenziell, sondern treugesinnt folgen, und daraus ein penetrantes Manifest des Feminismus schmieden. Nein, das Feuilleton entgegnete Ridley Scotts „Thelma & Louise“ seiner Zeit nicht immer mit der Liebe, die sich der Film durchaus verdient hätte. Vor allem, weil sich die harschen Beschuldigungen dann doch recht zügig relativieren, betrachtet man das dargebotene Männerbild in der Gesamtheit, in dem sich die einzelnen Charaktere schlussendlich eben nicht auf einen entscheidenden, fragwürdigen Nenner herunterbrechen lassen. „Thelma & Louise“ hat viel mehr das Problem, dass das Drehbuch von Callie Khouri die Herren der Schöpfung von Anfang an einer klaren Kategorisierung unterstellt und ihnen nie einen kleinen Blick über den schwarz-weißen Schubladenrand hinaus vergönnt.



Da gibt es dann nicht nur den schmierigen Ehemann (Christopher McDonald) von Thelma (Geena Davis) auf der einen Seite, sondern auch den vulgären Trucker (Marco St. John), der unsere Damen durch seine obszöne Sprache zu schnellem Sex animieren will, sondern auch das Scheusal Harlan (Timothy Carhart), der Thelma nach offensichtlichen Schäkereien auf dem Parkplatz vergewaltigen möchten und von Louise (Susan Sarandon) erschossen wird: Er legt so den Grundstein für die zweisame Reise ohne Wiederkehr. Den Sexisten und Ekelpaketen stehen aber auch Männer gegenüber, die ihre Gutmütigkeit beweisen und obgleich der kriminellen Sachlage ihr Einfühlungsvermögen nicht vor dem Gesetz verbergen. Damit ist dann Louises Lover Jimmy (Michael Madsen) gemeint, der sie trotz allem unterstützt und der Polizist Hal Slocumb (Harvey Keitel), der den Ladies auf den Versen ist, ihnen aber auch sein Mitgefühl verspricht und sich der unsteten Gefühlsebene der anpasst.



Und um genau diese Gefühlsebene dreht sich „Thelma & Louise“ im Wesentlichen. Was als Wochenendausflug begann, mit dem Ziel, die Alltagssorgen und ständige Monotonie mal wieder hinter sich zulassen, wird, durch erwähnten Vorfall, zu einer emanzipatorischen Odyssee durch die paralysierenden Weiten der Vereinigten Staaten. Besonders auffällig ist dabei immer wieder, wie Ridley Scott in seiner Inszenierung typische Motive des Road-Movie und Western aufgreift, sie dann von den der festgefahrenen und in die Köpfe der Zuschauer eingebrannten Dominanz der Männer loslöst und so durch die beiden Hauptdarstellerinnen wunderbar kontrastiert. Der ewige Highway, die sengende Hitze, die untergehende Sonne im Hintergrund, und mittendrin die im Ford Thunderbird ihrem Ende entgegenrasenden Thelma und Louise. Aus ihrem verzweifelten Versuch dem Gefängnis zu entkommen, pointiert der Film eine enthusiastisch gefilmte Rebellion gegen die Stagnation, gegen gesellschaftliche Normen und schlichte Konventionen.


Nicht minder interessant scheint es dabei, wie der Film seine Protagonistinnen festhält und eben nicht nur standhafte Denkmuster demontiert, deren Gender-Frage im Hintergrund doch bitte jemand anders in akribischen Disputen ausdiskutieren möchte, sondern Thelma und Louise so weit von jedem Vorsatz entfesselt, dass ihr Verhalten letzten Endes ebenso auf ein männliches Duo gepasst hätte dürfen: „Thelma & Louise“ porträtiert auch einen Weg in die allgemeingültige Freiheit. Es ist liegt daher auch einzig an der Umwelt der beiden Frauen, welche hier den Ausschlag für jene Differenzierung und Handhabung gibt, während ihr Tun nur ein Produkt von diesen Einflüssen darstellt – Mikro- und Makrokosmos reichen sich trotz ungemein subjektiver Perspektive die Hand. Am Ende ist „Thelma & Louise“ keinesfalls als verwerflich zu titulieren, dafür vergreift sich der Film nicht im Ton, er beherbergt nur einfach zu viele Stereotypen, die gerade neben der gelungenen Zeichnung der Frauen unmissverständlich auf sich Aufmerksam macht. Eine schöne Zeit war es trotzdem…


6,5 von 10 Stürzen in die Ewigkeit


von souli

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