Review: STARBUCK - Ein liebenswerter Zuchtbulle


Fakten:
Starbuck
Kanada, 2012. Regie: Ken Scott. Buch: Martin Petit, Ken Scott. Mit: Patrick Huard, Julie Le Breton, Sarah-Jeanne Labrosse, Antoine Bertrand, Dominic Philie, Marc Bélanger, Igor Ovadis, Patrick Martin, David Michael, David Giguère, Patrick Labbé u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
David Wozniak hat eine Menge Probleme. Der Tunichtgut ist beim Versuch ins Cannabis-Geschäft einzusteigen kläglich gescheitert und schuldet finsteren Gesellen nun eine Menge Geld. Seine Ex-Freundin Valerié, eine Polizistin, will ihn nicht mehr sehen, obwohl sie von ihm schwanger ist und seine Familie hält ihn für einen Versager. Als wäre dies noch nicht genug, holt David auch noch die Vergangenheit ein. Vor knapp 20 Jahren verdiente er sich ein gutes Zubrot durch Samenspenden. Das Ergebnis: über 500 Kinder und eine ganze Handvoll wollen nun gerichtlich bewirken, dass sie ihren Erzeuger kennenlernen dürfen.




Meinung:
Starbuck, damit verbinden die meisten erst mal überteuerten Kaffee mit City-Charakter, eine Figur aus Melvilles „Moby Dick“ oder einen Piloten aus der Serie „Kampfstern Galactica“. Freunde der Viehzucht sollten aber wissen, dass einer der potentesten und bei Züchtern beliebtesten Zuchtbullen, ein Holstein-Rind, ebenfalls diesen Namen trug und genau deswegen lautet der Titel von Ken Scotts zweitem Spielfilm eben so. Wer also dachte es ginge hier um Kaffee oder weiße Wale, der irrt sich. Hier geht es um David Wozniak, der scheinbar zwei Jahre seines Lebens damit verbrachte, Sperma zu spenden und sich 20 Jahre später damit konfrontiert sieht, dass er der Erzeuger von über 500 Kindern ist.


Davids (r.) Kinder und er. Der Rest hockt auf der stillen Treppe.
Scott lieferte mit „Starbuck“ eine typische Alles-wird-gut-Komödie ab. Etwas Drama, viel Komik, eine Lösung die alle Probleme beseitigt und ein wenig Tränenflüssigkeit. Das funktioniert alles in allem recht solide, vor allem dank des Hauptdarstellers Patrick Huard, der seiner Rolle eine charmante Note verleiht. Sein David Wozniak ist ein kumpelhafter Verlierertyp aus dem Bilderbuch. Ein toller Kerl zum Pferdestehlen, auf den der gesamte Film fokussiert ist. Das ist zum einen gut, weil es durchaus unterhaltsam ist diesem alten Slacker zu zusehen, allerdings für den Film oftmals auch schädlich, da alles anderen Attribute des Films dadurch in die hinteren Reihen verbannt werden und jedes Mal wenn sie nach vorne gezerrt werden den Film unsanft ausbremsen. Die Prämisse des Films, dass Lebenskünstler und Dauer-Verlierer David durch seine zig Kinder seinen Weg und seinen Platz im Leben findet, ist aber leider so hölzern und von vorneherein erkennbar, dass sich „Starbuck“ schwer tut seine Geschichte von Anfang bis Ende, durchgehend sehenswert zu präsentieren. Das ist alles immer so nett, sanft und ohne Ecken und Kante inszeniert, dass es schnell ermüdend wird, wenn David heimlich seine Kinder beobachtet und versucht ihre Lebe positiv zu beeinflussen. Dass Scott dabei wirklich immer eine gute Lösung, für jedes noch so schwere oder gar ambivalente Problem auftischt, macht die ganze Sache sogar so unglaubwürdig, dass einem selbst der Charakter von David irgendwann vorkommt wie ein Held aus einer lieblosen TV-Schmonzette.


„Starbuck“ ist kein Ärgernis, aber es fehlt ihm Mut. Mut zu offenen Fragen und ungelösten Konflikten. Mut auch einmal etwas Unsympathisches zu zulassen und vor allem Mut der Wandlung seiner Hauptfigur auch mal richtige (emotionale) Steine in den Weg zu legen. Ja, hier läuft alles zu glatt. Ein Mitfiebern und somit auch Empathie ist nie wirklich nötig. Bedauerlich, auch wenn „Starbuck“ seine primäre Aufgabe, den Zuschauer auf unkomplizierte Weise zu unterhalten, erfüllt, aber ein bisschen mehr, hätte es schon sein dürfen. Eine Bitte, der der Zuchtbulle Starbuck sicher nie zu hören bekam.

5 von 10

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