Review: IMMER ÄRGER MIT HARRY - Einmal gestorben, mehrfach begraben

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Fakten:
Immer Ärger mit Harry (The Trouble with Harry)
USA, 1955. Regie: Alfred Hitchcock. Buch: John Michael Hayes. Mit: Edmund Gwenn, John Forsythe, Shirley MacLaine, Mildred Natwick, Mildred Dunnock, Royal Dano, Jerry Mathers, Dwight Marfield, Parker Fennelly, Barry Macollum u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Captain Albert Wiles will sich eigentlich in den Wäldern von Vermont nur ein paar Hasen schießen und findet die Leiche von Harry. In dem Glauben, ihn versehentlich erschossen zu haben, will er den Toten verstecken, doch ausgerechnet jetzt ist unheimlich viel los im Wald. Gleich mehrer Personen, darunter seine Nachbarin Miss Gravely, die alleinerziehende Mutter Jennifer und ihr kleiner Sohn Arnie sowieder schusselige Arzt Dr. Greenbow stolpern mehr oder weniger über Harry. Das Kuriose an der Sache: Nicht nur Albert glaubt, Harry auf dem Gewissen zu haben. Der Startschuss für einen Beerdigungsmarathon.



 

                                                                           
 Meinung:
- "Wollen sie noch ein paar Worte sprechen, Captain?"
- "Das sollte ich wohl tun: Harry Worp, lass dich bloß nicht wieder in dieser Gegend sehen!"


Vor der wunderschön-verträumten Bilderbuchkullisse von Vermont lässt Alfred Hitchcock den guten Harry mehrfach beerdigen und wieder auferstehen. Diese leicht morbide, bissige, trotzdem heiter Komödie macht richtig Spaß und schafft etwas, was vergleichbare Filme sehr selten hinbekommen: Ein relativ respektloses Verfahren mit einem Toten, ohne dabei die Grenzen des guten Geschmacks zu weit zu überschreiten oder zu boshaft aufzutretten, um damit jemanden ernsthaft brüskieren zu können.


Der tote Unruhestifter
Der Witz bei "Immer Ärger mit Harry" steckt in der Banalität, wie mit dem plötzlich auftauchenden Leichnam umgegangen wird. Ups, tot, dumm gelaufen, na ja. So richtig erschrocken oder entsetzt scheint niemand, als wenn ausversehen eine Scheibe zu Bruch gegangen wäre. Nun müssen halt die Scherben weggeräumt werden. Hitchcock inszeniert seinen Film wunderbar leichtfüßig und erzählt eine Geschichte mit Todesfall, aber ohne Unsympathen. Das Hauptfiguren Quartett ist durch die Bank liebenswert, jeder auf seine Weise. Selbst der konservativste Moralapostel kann es ihnen wohl kaum übel nehmen, dass sie eine Leiche wie ein lästiges Anhängsel behandeln und das gesamte Szenario eher locker nehmen. Schwarzen Humor spart sich der Film dabei keinesfalls aus, im Gegenteil. Die scharfzüngigen Dialoge enthalten davon reichlich, doch so unbeschwert und beiläufig, gerade das macht sie so großartig. "Immer Ärger mit Harry" erscheint in seinem Auftretten wie eine der typischen Heile-Welt-Komödien seiner Zeit, erzählt dabei eigentlich etwas komplett anderes. Das ist so eine herrliche Mischung, das vergnügte Dauergrinsen ist vorprogrammiert.

Die Bestattungsprofis
Das Drehbuch ist nicht nur hervorragend geschrieben, sondern dazu noch richtig flott. Doch Hitchcock verlässt sich nicht nur auf die tolle Vorlage, allein durch seine Inszenierung gewinnt "Immer Ärger mit Harry" noch eine dicke Portion Humor hinzu. Wie er durch kleine Nuancen noch für zusätzliche Schmunzler sorgt, lässt seinen Hang zum trockenen Witz erkennen, den es auch (fast) immer in seinen Thrillern zu sehen gab. Seine Darsteller ziehen da voll mit. Es ist oft nicht nur das was sie tun und sagen, sondern ganz besonders wie. Alle scheinen den Humor des Films und wie man diesen noch unterstreicht voll verstanden zu haben, was ihre Figuren ausmacht. Die Chemie stimmt hier jede Sekunde, das Timing von Regie, Buch und Schauspiel ist perfekt abgestimmt.


"Immer Ärger mit Harry" beißt, ohne zu verletzen und funktioniert deshalb so prächtig. Ironisch, clever und erstklassig umgesetzt.

- "Wo haben sie Harry diesmal hingelegt?"
- "An seinen Stammplatz, hinter der großen Eiche."

8 von 10 vermeidlichen Killern

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