Posts mit dem Label John Forsythe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label John Forsythe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: ...UND GERECHTIGKEIT FÜR ALLE - Justitia ist blind

Keine Kommentare:
https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEic3tDXM2C9t28wwrExxf445me_MJy7-wZchXFvk0e8ScuxLSfl1muSb8MavkIfZZjI0XUumtXuTO7OHFCgUtQhyoGB7zkUn_SO4xci1CBNSJ9otwRfsI8JDF-fakrHC1nJFEcGp0NEhRg/s1600/And+Justice+for+All.jpg
                                                                  

Fakten:
...und Gerechtigkeit für alle (...And Justice for All)
USA, 1979. Regie: Norman Jewison. Buch: Valerie Curtin, Barry Levinson. Mit: Al Pacino, Jack Warden, John Forsythe, Lee Strasberg, Jeffrey Tambor, Christine Lathi, Sam Levene, Robert Christian, Thomas Waites, Larry Bryggman, Craig T. Nelson u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Arthur Kirkland ist ein junger, idealistischer Anwalt, der sich dem Kampf für oftmals Vorverurteilte gegen das selbstgefällige, bürokratische Justizsystem der USA verschrieben hat. Etwas chaotisch, aufbrausend und nicht immer die Etikette wahrend, steht er damit der eigenen, großen Karriere konsequent im Weg. Bis er ausgerechnet den harten Richter, mit dem Kirkland in einer stätigen Privatfehde liegt, verteidigen soll. Er wird der Vergewaltigung an einem Mädchen angeklagt. Deshalb soll nun Arthur die Verteidigung übernehmen. Das perfekte Beispiel für die Unschuld. Für Arthur ein Karrieresprungbrett, wenn da nicht die Moral wäre.





Meinung:
Bissiges Lehrstück über Moral, die Schwierigkeiten eines Rechtsstaats, in dem jedem eine faire Verteidigung gebührt (wobei „jedem“, „fair“, „Rechtstaats“ dehnbare Begriffe sind) und ein satirischer Fingerzeig auf Mauschelein, Doppelmoral, Willkürlichkeit, Selbstgerechtheit und die persönliche Misere, wenn man zwischen allen Stühlen steht.


Ein Mann im Zwiespalt.
Arthur Kirkland (von dem jungen Al Pacino in seiner damals noch ausgewogenen Form zwischen leisen Tönen und aufbrausenden Temperament wunderbar verkörpert) kommt in diese prekäre Situation. Als Anwalt steht er eigentlich für Gerechtigkeit, nicht nur auf dem Papier, sondern von seinem Herzen. Die Mühlen der Justiz sind ihm eher ein Dorn im Auge, wie Don Quichote kämpft er gerne gegen träge Windmühlen, anstatt sich ohne Stress und dickem Plus in der Geldbörse von ihnen mitreißen zu lassen. Ein ehrenhafter Mann, etwas ungehobelt, nicht unbedingt beliebt, aber ein Mann, der diesen bereit ist zu stehen. Nun soll/muss er genau den Richter verteidigen, der so eisenhart und rücksichtslos die arogante Schiene der „Gerechtigkeit“ fährt, die er sich diesmal selbst als widerlicher Gesetzesbrecher offenbart. Er ist nicht nur mit defektem Rücklicht gefahren, er hat auf eine extrem harte Art rückwärts eingeparkt. Das soll nun die (letzte) Chance für einen Idealisten sein, der eigentlich mit einem breiten Grinsen feiern würde, wenn dieser Mistkerl seinen Thron räumen müsste.


Ein Anwalt sieht rot.
Jewison beginnt seinen Film recht locker und unterhaltsam, der satirische Ansatz kommt eher überdreht und komödiantisch daher, wenn Jack Warden als Richter für Ruhe im Saal sorgt, in dem er die Knarre aus dem Halfter zieht und mit Schüssen in die Decke für Autorität sorgt („Meine Herren, ich muss sie daran erinnern, dass sie in einem Gerichtssaal sind.“). Erst im weiteren Verlauf bekommt seine Farce einen erschreckenden Antrich, nicht in dem er eher extrem überzieht, sondern sich im absolut realen Wahnsinn suhlt. Den alltäglichen Irrsinn so glaubhaft verkauft, dass es jeder nicht nur ernstnehmen kann, sondern es leider muss. Rechtssprechung in einer Klassengesellschaft, die natürlich nicht existiert, wäre ja auch schlimm. Der Ton wird deutlich ernster, galliger und deshalb wirkungsvoller. Die anfängliche Satire wird zum reflektierten Drama, ohne den Ansatz aus den Augen zu verlieren, in beide Richtungen. Dem schwungvollen Unterhaltungswert wird eine deutlichere Aussage hinzugefügt, wirkt sogar unheimlich. Man kann kaum daran zweifeln, was so in den Räumen der Justiz – und besonders in den Hinterzimmern – vor sich geht. Da wird geschoben, mit zweierlei Maß gemessen, gedreht und gebeugt bis zum Anschlag, Menschen werden wie Schachfiguren hin und her geschoben, Bauernopfer sind Teil der Strategie, solange der König nicht geschlagen wird.


Wunderbar besetzt, der schon angesprochene Pacino in seiner Hochphase, die ihn zu einem der besten Darsteller der 70er gemacht hat. Seine impulsive Art wechselt mit bedachten Momenten ab, irgendwann kippte das leider. Heute eher der alte Tränensack oder überdrehte Hampelmann, damals stimmig ausgewogen. Jack Warden, John Forsythe und (wenn auch nur in einer kleinen Rolle) der legendäre Lee Strasberg (quasi Pacinos Lehrer) unterstützen das passend.


Klar zeigt „...And Justice for All“ Extreme, allerdings sehr konsequent und das bewusst. Satire kann nicht immer nur wizig sein, sie muss in erster Linie ein ernstes Problem anprangern. Das schafft dieser Film. Der Wahnsinn hat ein Zuhause, wo die guten Kerle wohnen. Sollte man annehmen. Wie überall auch, schwarze Schafe gibt es genug und an den richtigen und wichtigen Stellen scheinen sie sich besonders wohl zu fühlen. Manchmal wirkt der Film vielleicht etwas zu wenig homogen, nicht jeder Sprengstoff zündet immer effektiv, insgesamt aber ohne Frage ein mutiges Stück Kino aus der Spätphase, als in Hollywood gerne noch hinterfragendes Material umgesetzt wurde...regelmäßig.

7 von 10 Gewissensfragen.

Review: TOPAS - Ein Franzose zwischen den Fronten

Keine Kommentare:
http://cf2.imgobject.com/t/p/w500/9LyQOcP07TfRunHGMQvlwaJxI4W.jpg
                                                                                 

Fakten:
Topas (Topaz)
USA, 1969. Regie: Alfred Hitchcock. Buch: Samuel A. Taylor. Mit: Frederick Stafford, John Forsythe, Dany Robin, John Vernon, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret, Claude Jade, Michel Subor, Roscoe Lee Browne u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1962: Ein hohes Tier des KGB läuft zu den Amerikanern über. Von ihm erhalten sie brisante Informationen: Die Sowjets planen auf Kuba eine Geheimoperation mit dem Decknamen TOPAS. Genauere Details kann der Überläufer jedoch nicht liefern. Agent Michael Nordstrom bittet seinen guten Freund und französischen Kollegen Devereaux um Hilfe. Als Franzose hat er es leichter, sich an die Kubaner heranzuwagen.



                                                                                 

Meinung:

Alfred Hitchcock nutzt die Kulisse der Kuba-Krise für ein leider eher schläfriges Agenten-Spionage-Filmchen, das der Klasse des Meisterregisseurs selten bis nie gerecht wird. Nie wäre etwas zu hart, denn Hitch war nunmal ein routinierter Regisseur, an der handwerklichen Souveränität mangelt es "Topas" sicher nicht. Die ganz großen Momente und Einstellungen gibt es zwar nicht zu sehen, dennoch ist das rein fachlich gute Arbeit. Herauszuheben ist allerdings die Eröffnungssequenz, die leider für die kommenden 2 Stunden auch das Highlight bleiben wird. Eine Verfolgungsjagd der eher langsamen Sorte, bei der uns nicht bekannt ist, wer denn hier Jäger und Gejagte sind, das erfahren wir erst später. Allein das sorgt für einen schönen Einstieg, einen Hauch von Suspense, für den Hitch immer bekannt war.


Nach diesem tollen Beginn hat Suspense Feierabend (kleine Ausnahme: Die Hotel-Szene, die sich auch sehr gut ansehen lässt). Das bekannte Kalte-Krieg-Szenario um Überläufer, streng geheime Informationen und das alte Duell von Hammer und Sichel gegen Stars and Stripes wurde auch schon packender und spannender umgesetzt, mit fortlaufender Zeit wird "Topas" immer trockener, fast sogar dröge. Immer grundsolide inszeniert, aber kaum mitreissend und niemals überraschend dümpelt das Geschehen so vor sich hin. Zugegeben, Hitchcocks Film ist sicher näher an dem (wohl auch nicht immer so spektakulären) Spionage-Alltag der damaligen Zeit als vergleichbare Streifen, doch sind Unterhaltung und Spannung für einen Film keine schlechte Option. Davon hätte "Topas" ruhig etwas mehr haben können.


Cameo-Suchbild, etwas vereinfacht
Recht enttäuschend, obwohl klar ist, dass Hitch seine besten Zeiten hier schon hinter sich hatte ("Frenzy" war nochmal eine schöne Ausnahme). Nach "Die Vögel" kam kein echter Knaller mehr, letztendlich ist "Topas" sogar mein persönlich schwächster Film von ihm. Aber hey, immer noch über dem totalen Durchschnitt und gemessen an den vielen tollen Werken seiner Karriere, kein Beinbruch. Er wird immer einer der Besten bleiben, nach über 30 Jahren darf auch mal Durchschnitt abgeliefert werden.


5,5 von 10 Überläufern

Review: IMMER ÄRGER MIT HARRY - Einmal gestorben, mehrfach begraben

Keine Kommentare:
https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiop_5CA5pVMRQ_dDeO_ldKrbMe0y3UaqulJWb0ITEbQ4rsHKijb1tbReQ0x_b5PB4HRYlc_XYqQHuGTveabSTvhI1TgU8LX01t4Gi-js7f80-odeZIggrJBI0Iyj_5StAUgLVB4cU9bPA/s1600/the+trouble+with+harry.jpg
                                                                                   
 

Fakten:
Immer Ärger mit Harry (The Trouble with Harry)
USA, 1955. Regie: Alfred Hitchcock. Buch: John Michael Hayes. Mit: Edmund Gwenn, John Forsythe, Shirley MacLaine, Mildred Natwick, Mildred Dunnock, Royal Dano, Jerry Mathers, Dwight Marfield, Parker Fennelly, Barry Macollum u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Captain Albert Wiles will sich eigentlich in den Wäldern von Vermont nur ein paar Hasen schießen und findet die Leiche von Harry. In dem Glauben, ihn versehentlich erschossen zu haben, will er den Toten verstecken, doch ausgerechnet jetzt ist unheimlich viel los im Wald. Gleich mehrer Personen, darunter seine Nachbarin Miss Gravely, die alleinerziehende Mutter Jennifer und ihr kleiner Sohn Arnie sowieder schusselige Arzt Dr. Greenbow stolpern mehr oder weniger über Harry. Das Kuriose an der Sache: Nicht nur Albert glaubt, Harry auf dem Gewissen zu haben. Der Startschuss für einen Beerdigungsmarathon.



 

                                                                           
 Meinung:
- "Wollen sie noch ein paar Worte sprechen, Captain?"
- "Das sollte ich wohl tun: Harry Worp, lass dich bloß nicht wieder in dieser Gegend sehen!"


Vor der wunderschön-verträumten Bilderbuchkullisse von Vermont lässt Alfred Hitchcock den guten Harry mehrfach beerdigen und wieder auferstehen. Diese leicht morbide, bissige, trotzdem heiter Komödie macht richtig Spaß und schafft etwas, was vergleichbare Filme sehr selten hinbekommen: Ein relativ respektloses Verfahren mit einem Toten, ohne dabei die Grenzen des guten Geschmacks zu weit zu überschreiten oder zu boshaft aufzutretten, um damit jemanden ernsthaft brüskieren zu können.


Der tote Unruhestifter
Der Witz bei "Immer Ärger mit Harry" steckt in der Banalität, wie mit dem plötzlich auftauchenden Leichnam umgegangen wird. Ups, tot, dumm gelaufen, na ja. So richtig erschrocken oder entsetzt scheint niemand, als wenn ausversehen eine Scheibe zu Bruch gegangen wäre. Nun müssen halt die Scherben weggeräumt werden. Hitchcock inszeniert seinen Film wunderbar leichtfüßig und erzählt eine Geschichte mit Todesfall, aber ohne Unsympathen. Das Hauptfiguren Quartett ist durch die Bank liebenswert, jeder auf seine Weise. Selbst der konservativste Moralapostel kann es ihnen wohl kaum übel nehmen, dass sie eine Leiche wie ein lästiges Anhängsel behandeln und das gesamte Szenario eher locker nehmen. Schwarzen Humor spart sich der Film dabei keinesfalls aus, im Gegenteil. Die scharfzüngigen Dialoge enthalten davon reichlich, doch so unbeschwert und beiläufig, gerade das macht sie so großartig. "Immer Ärger mit Harry" erscheint in seinem Auftretten wie eine der typischen Heile-Welt-Komödien seiner Zeit, erzählt dabei eigentlich etwas komplett anderes. Das ist so eine herrliche Mischung, das vergnügte Dauergrinsen ist vorprogrammiert.

Die Bestattungsprofis
Das Drehbuch ist nicht nur hervorragend geschrieben, sondern dazu noch richtig flott. Doch Hitchcock verlässt sich nicht nur auf die tolle Vorlage, allein durch seine Inszenierung gewinnt "Immer Ärger mit Harry" noch eine dicke Portion Humor hinzu. Wie er durch kleine Nuancen noch für zusätzliche Schmunzler sorgt, lässt seinen Hang zum trockenen Witz erkennen, den es auch (fast) immer in seinen Thrillern zu sehen gab. Seine Darsteller ziehen da voll mit. Es ist oft nicht nur das was sie tun und sagen, sondern ganz besonders wie. Alle scheinen den Humor des Films und wie man diesen noch unterstreicht voll verstanden zu haben, was ihre Figuren ausmacht. Die Chemie stimmt hier jede Sekunde, das Timing von Regie, Buch und Schauspiel ist perfekt abgestimmt.


"Immer Ärger mit Harry" beißt, ohne zu verletzen und funktioniert deshalb so prächtig. Ironisch, clever und erstklassig umgesetzt.

- "Wo haben sie Harry diesmal hingelegt?"
- "An seinen Stammplatz, hinter der großen Eiche."

8 von 10 vermeidlichen Killern