Review: SILENT HILL: REVELATION - Ein Alptraum aus Ernüchterung und Enttäuschung


Fakten:
Silent Hill Revelation
USA. 2012. Regie und Buch: Michael J. Bassett. Mit: Adelaide Clemens, Kit Harrington, Sean Bean, Carrie-Anne Moss, Malcolm McDowell, Martin Donovan, Radha Mitchell, Deborah Kara Unger, Eric Pitt, Peter Outerbridge, Jefferson Brown, Milton Barnes, Heather Marks, Roberto Campanella u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 18. April auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D.

Story:
Verfolgt von einem geheimen Kult, ist Harry mit seiner Tochter Heather seit Jahren auf der Flucht. Doch egal wie sehr Harry versucht seine Tochter zu beschützen, in Alpträumen  und Visionen zieht sie es immer wieder nach Silent Hill, jenem geheimnisvollen Ort, in der Heathers Mutter einst um das Leben ihrer Tochter kämpfte. An ihrem 18. Geburtstag muss sich Heather aber doch dem Kult stellen, denn dieser hat ihren Vater nach Silent Hill entführt. Zusammen mit ihrem Schulfreund reist sie in die mysteriöse Stadt, um Harry zu retten.




Story:
Videospielverfilmungen. Ein langes Wort mit sieben Silben, welches sofort eine Abwehrhaltung auslöst. Das ist durchaus berechtigt. Verfilmte Games wie „Far Cry“, „Street Fighter“ oder „Max Payne“ haben den Ruf dieser Filmgattung zu Recht auf einer Ebene der Erwartung gezogen, in der ich schon zufrieden bin, wenn das Ergebnis, zumindest rudimentär, als zufriedenstellend, wenn auch nicht vollends überzeugend zu bezeichnen ist (gutes Beispiel: „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“). Dabei gab es in den letzten Jahren viele Videospiele, die nicht nur mit ihrer Technik sowie Mechanik, sondern auch mit einer interessanten Geschichte, zu begeistern wussten.Zu diesen Spielen zählt ohne einen Hauch von Zweifel die „Silent Hill“-Reihe aus dem Hause Konami. Die Games, die zum Genre des Survival-Horrors gehören und sich von ihrem Konkurrenten „Resident Evil“ - welche filmtechnisch bereits mehrmals unterirdisch realisiert und fortgeführt wurde - dadurch unterscheiden, dass hier kein billiger Trash mit Jumpscares im Vordergrund steht, sondern psychologischer Horror, der sich in seinem Design klar bei Filmen wie „Jacobs Ladder“ inspirieren ließ.



Der französische Regisseur Christopher Gans verfilmte den ersten „Silent Hill“ im Jahre 2006 und erschuf damit die wohl beste Videospielverfilmung bisher. Seine Version des Stoffes war nicht frei von Fehlern und erlaubte sich hinsichtlich seiner Vorlage einige Freiheiten. Es gelang ihm aber diese wirklich gut einzubauen, so dass wohl nur hartgesottene Fans des Spiels sich darüber echauffiert haben. Nun lag es am Briten Michael J. Bassett („Deathwatch“, „Wilderness“, „Solomon Kane“) das Sequel zu Gans Verfilmung zu realisieren. „Silent Hill: Revelation“ orientiert sich, wie sein Vorgänger, auch an den Konami-Spielen, jedoch nicht an „Silent Hill 2“, dem besten Teil der Reihe, sondern am dritten. Die Macher haben aber keineswegs den Zweier übersprungen, sondern führen die Handlung nur konsequent fort, da in der Videospielserie „Silent Hill 2“ für sich alleine steht und eine separate Geschichte verfolgt. Dennoch ist es schade, dass eben dieses Spiel nicht auf Zelluloid gebannt wurde. Gehört es doch dank seiner grandiosen Geschichte und seiner verstörenden psychologischen Komponente zum Besten was die Videospielindustrie in den 1990er Jahren hervorbrachte. Aber auch „Silent Hill 3“ war ein gelungenes Spiel und die Hoffnungen, dass die Verfilmung ähnlich überzeugt wie Gans‘ Film waren durchaus hoch.


Fans von Games wie Filmen haben eine große Gemeinsamkeit: sie müssen Frust und Enttäuschungen aushalten können. Egal ob als aktiver Spieler oder passiver Zuschauer, oft genug werden die Erwartungen nicht eingehalten oder gar übertroffen. Häufig sieht man sich als Konsument damit konfrontiert, dass der langherbeigesehnte Film (oder Spiel) nicht die erhoffte Qualität erreicht. So ist es leider auch mit „Silent Hill: Revelation“. Regisseur und Autor Michael J. Bassett gelingt es nicht mit seinem Vorgänger gleich zu ziehen. Ganz im Gegenteil. Sein „Revelation“ erweist sich als optisch überbrodelndes Höllenfest, was trotz seiner Vielzahl von Monstrositäten, Spukgestalten und Fratzen nie wirklich stimmungsvoll wirkt. Streute Christopher Gans die Wechsel zwischen normaler und Schattenwelt noch gezielt und vor allem wirkungsvoll ein, so tötet Bassett die Stilistik seines Films dadurch, dass er ohne Rhythmus und atmosphärischem Taktgefühl immer wieder und ohne breaks in die Vollen geht. Das Anormale wird bei „Silent Hill: Revelation“ schnell zum Gewöhnlichen und verliert somit sehr schnell seine abschreckende wie auch sog hafte Wirkung. Selbst die Musik von Videospielkomponist Akira Yamaoke (der bereits die Spiele kongenial musikalisch verpackte) vermag nicht mehr so recht zu fesseln. Dazu kommt, dass sich „Silent Hill: Revelation“ klar als 3D-Film versteht, er also diverse Male überdimensionale Mordinstrumente und bösartige Antagonisten gen Kameralinse streckt. So kommt das Gefühl auf, es handel sich mehr um eine Attraktion auf einem Jahrmarkt. Zugebenen, es passt im Kontext zum Design des Films, spielen doch entscheidende Szenen auf einem Rummelplatz. Dennoch wirkt sich diese inszenatorische Selbstgefälligkeit abwertend auf die Stimmung aus. Wer also nur eine Geisterbahnfahrt erwartet, sollte zufriedengestellt sein, wer allerdings wieder genauso gut und eindringlich in das „Silent Hill“-Universum eintauche will, wie bei der ersten Verfilmung, wird hier bitter enttäuscht.


 
In Silent Hill versagen selbst Duracell-Batterien
Es funktioniert einfach so vieles nicht bei „Silent Hill: Revelation“. Hauptdarstellerin Adelaide Clemens sieht ihrer Vorlage zwar ähnlich und Bassett zeigt seinem Zuschauer, die die Vorlage kennen, immer wieder Szenen, die 1:1 aus dem Spiel entnommen wurden, aber Clemens („The Great Gatsby“) versagt leider völlig dabei ihre Rolle auszufüllen. Nicht nur dass ihre Heather – nett ausgedrückt – äußerst naiv agiert, nein, sie bewirkt auch nie, dass man mit ihr mitfühlt. Egal wie oft sie schreit, sich versteckt oder vor den Kreaturen der Hölle davonläuft (was sie in den 94 Minuten verdammt oft tut), ihre Charakterisierung ist zu einfach zu roh. Auch ihr Gefährte (Kit Harrington, bekannt aus "Game of Thrones") bleibt freundschaftlicher Hülle ähnlich blass und leblos wie ihre diversen Häscher, die zwar wie im Vorgänger wieder aus abscheulichen wie absonderlichen Deformationen bestehen, die aber ihre CGI-Herkunft nicht verbergen können. In Teil eins waren diese schrecklichen Geschöpfe noch ein ganz anderes Kaliber. Christopher Gans engagierte professionelle Tänzer und steckte sie in Kostüme. Das Ergebnis: so seltsame wie aber auch furchterregende Schreckgestalten , die mit Liebe zum Detail designt waren und nicht nur der damaligen Hauptfigur Rose (Radha Mitchell) furchteinflößten. Ein wenig fühlt sich „Revelation“ in seinem Monsterdesign an, wie das Prequel von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“. Der alte Film hatte wunderbare, meist handgemachte Monster-, Ekel- und Schockeffekte. In der versuchten Reanimation des Originals von 2011 wurde diese durch austauschbare Special Effects aus dem Großrechner ersetzt. Ein wahrer Stimmungskiller. Natürlich muss aber erwähnt sein, dass auch Gans‘ „Silent Hill“ mehrfach aus dem Spuk aus dem Rechner zurückgegriffen hatte, aber eben nicht ausschließlich.


Nur auf „Silent Hil: Revelation“ herumzuhacken und Gans‘ Film zur ultimativen Verfilmung zu stilisieren, wäre aber auch nur bedingt fair. Auch der erste Teil versäumte es größtenteils das menschliche Konstrukt aus Furcht und Schuld, welches die Spiele auch mit unterbewussten, sexuellen Elementen nutzten, zu bedienen. Es bleibt ein reiner Überlebenskampf gegen Dämonen und einen mysteriösen Kult. Dennoch schlägt der Vorgänger seinen Nachfolger ansonsten in fast allen Bereichen. Nur beim Härtegrad (die FSK hatte beim Tag der Bewertung wohl einen guten Tag) und dem kopieren der im Spiel vorhandenen Figuren versucht „Revelation“ das Zocker-Herz mehr zu befriedigen. Das bringt den Film aber auch nicht weiter, vor allem weil Regisseur Michael J. Bassett diese Momente scheinbar wahllos präsentiert und sie somit mehr als störender Fremdkörper ohne Substanz daherkommen, als ein Stilmittel oder eine Hommage.


Nach gut eineinhalb Stunden „Revelation“, nach dem nun zweiten filmischen Höllentrip in die Stadt, in der es Asche regnet und individuelle Alpträume wahr werden, bleibt Ernüchterung und große Enttäuschung zurück. Ernüchterung deswegen, weil die erste Verfilmung der früher gefeierten Videospielserie immer noch das Beste verfilmte Videospiel ist und große Enttäuschung, da Regisseur und Autor Michael J. Bassett mit seiner ersten Hollywood-Produktion nicht mehr abgeliefert hat als eine vergessenswerte Fahrt auf der Geisterbahn einer Dorfkirmes. Immerhin wurde hier das Spiel „Silent Hill 3“ verhunzt und nicht der superbe zweite Teil, auch wenn dies nur eine kleiner Trost für die Gamerseele ist.

2 von 10 Ascheregenwolken

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