Posts mit dem Label John Ortiz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label John Ortiz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

KONG: SKULL ISLAND - ...auch bekannt als „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“

Keine Kommentare:

Fakten:
Kong: Skull Island
USA. 2017. Regie: Jordan Vogt-Roberts. Buch: John Gatins, Dan Gilroy, Max Borenstein, Derek Connolly. Mit: Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, Brie Larson, John C. Reilly, John Goodman, Corey Hawkins, John Ortiz, Tian Jing, Toby Kebbell, Jason Mitchell, Shea Whigham, Thomas Mann, Eugene Cordero, Marc Evan Jackson, Will Brittain, Takamasa Ishihara u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 9. März 2017 im Kino.


Story:
12°S 78°E - Hinter diesen ominösen Koordinaten und vor der Küste Sumatras verbirgt sich eine ständig im Nebel befindliche Insel mit dem treffenden Namen Skull Island, wirkt doch die Topographie auf den Betrachter wie ein gewaltiger petrifizierter Monsterschädel. Doch viele Zeugen dieses Spektakels gibt es nicht, die davon Kunde geben könnten, was die Insel sprichwörtlich gefangen hält. Umso größer ist also der Reiz, der von den wenigen kryptischen Informationen über diesen Hort des Schrecklichen befeuert wird: Skull Island – eine Insel, die außerhalb der Zeit zu liegen scheint, bewohnt von überdimensionalen Kreaturen, die jeder Beschreibung spotten. Eine Expedition (angeführt von Tom Hiddleston und mit Brie Larson im Schlepptau) findet auf obskuren Wegen endlich wieder einmal zu Skull Island. Doch was sie dort vorfindet, ist jenseits allem Vorgestellten…




Kritik:
Träumt ihr in der Erwartung großangelegter Hollywood-Spektakel nicht auch öfters davon, dass sich alles genauso abspielt, wie ihr es euch vorstellt? Dream bigger kann ich da nur sagen, denn das einzige, was Produktionsfirma Legendary Pictures mit „Kong: Skull Island“ (erneut) gelungen unter Beweis stellt, ist der zurzeit unbedingte Zwang zur Erfüllung jener Erwartungen, bei der sich das Herzstück des Filmemachens aus im Vornherein abgesegneten Storyboards und Crossovers herausbildet. Das ist natürlich kein neuer Kritikpunkt in deren Werk Fanboy-konformer Genreware, doch in glücklicheren Fällen hat die Stimme des Regisseurs immer noch genügend Input, um die Vorgaben vom Schema M wie Monstergulasch mit distinktiver Sensibilität und Schlagkraft zu balancieren – siehe „Pacific Rim“, „Krampus“, selbst Gareth Edwards' „Godzilla“. Bei Jordan Vogt-Roberts hat man sich jedoch anscheinend einen äußert gefügigen Ja-Sager als Regisseur angeleiert, wenn man denn davon ausgehen möchte, dass der Newcomer mit seinen „Kings of Summer“ als einzige vorherige Spielfilmreferenz nicht sowieso schon eine Austauschbarkeit sondergleichen vermittelt hatte. So jedenfalls weiß er nur bedingt neues Blut in die Kinolegende King Kongs zu injizieren, wenn das Abenteuer unter Giganten lediglich auf seine Topoi zurückgeschraubt, mit dem gewohnten Blockbuster-Wachs geglättet und auf besagte Skull Island binnen des Vietnam-Krieges versetzt wird, um eine Armada an Terrorviechern oben drauf übers Bongophon herbeirufen zu lassen. Das sieht im Endeffekt dann so aus, als hätte David Ayer beim Kong-Kintopp von Toho angeheuert, aber wie muss man diesen Vergleich verstehen?


Nun, die japanischen Abenteuer mit der Lizenz zur Affigkeit hatten ja wie ihre US-Vorgänger/Nachfolger durchaus simplistische Menschen-Charaktere inmitten des Trubels zugegen, gleichsam einen Überschwang zum Effektspektakel bar jeder dramaturgischen Substanz, welche innerhalb der amerikanischen Verfilmungen von 1933-2005 ja noch insofern an Empathie verstärkt war, dass der große Affe eben u.a. von seiner Heimat entwurzelt für die Liebe zur weißen Frau auf die Barrikaden ging. Was bei Toho in der Hinsicht nach hinten rückte, wurde durch den Charme tricktechnischer Urigkeit wieder wettgemacht - ein bisschen zwischen diesen Ansätzen pendelt Skull Island sodann auch hin und her, wobei er allerdings die erzählerische Kompetenz der „Suicide Squad“ anleiert, um sich zu alledem noch größer darzustellen, als es ihm seine unentschlossenen Impulse zur Konvention hin erlauben. Da gibt es erneut den ungelenken Etablierungssprint eines Figurenensembles, welches hauptsächlich Funktion und Wortwitz bereitstellt; dazu eine Erfassung handlungsspezifischer Umstände in willkürlichen Schauplatzwechseln und Soundtrackfetzen (Black Sabbath und CCR sind erneut dabei), welche im Eiltempo kanonische wie emotionale Oberflächlichkeiten ihrer Ära, rudimentär das Prinzip einer Szene bedienen. Mal abgesehen von der ergänzend blassen Musik Henry Jackmans sowie der Routine-Arbeit von Zack Snyders Stamm-Kinematograph Larry Fong (der dem hiesigen Vogt-Roberts reichlich visuelles Flair für lau unterjubelt) mangelt es dem Film eben auch an Stringenz, seine Themen Mensch gegen Krieg, Mensch gegen Monster, Monster gegen Monster, ebenso die vage Heimats- und Familiensehnsucht (bekannt aus „Jurassic World“) zur Involvierung des Zuschauers anzuwenden.


Bitte nicht falsch verstehen: Sie ist als Kurzweil vorhanden und im Schatten der Kong-Filmographie berechtigterweise auf geradlinige Unterhaltung eingestellt, doch weshalb muss der Film darin trotzdem den Pathos zu seinem Überangebot an Entbehrlichen anstrengen, wenn er deren Ressourcen genauso gut in ein zentralisierteres Narrativ münden könnte? Stattdessen greift man im Zuge aufgedunsener Aufregung wieder ins Franchise-Worldbuilding sowie in zig unausgegorene Einzelschicksale, die nur bedingt mit der Gewalt des Digitalen um sich herum mithalten können. Ein Gareth Edwards z.B. wusste ähnlich triviale Verhältnisse für eine Sinnlichkeit der Größenordnungen, Machtlosigkeit und Penetration per Subversion im Kleinen zu nutzen. Sobald jedoch Vogt-Roberts jene Prozesse manifestierter Urangst darstellen soll, scheitert er bereits ab der ersten Szene an halbgar montierten Stimmungen, die ihr Gefühl zum Gewicht an der Renderfarm abgespeckt haben oder das altbekannte Duell an Augenpartien mit dementsprechenden Mordsakkorden unterlegen. Trotzdem glaubt der Film an seine Vernetzung von Soldaten, Wissenschaftlern, einem Fährtenleser, einer Fotografin sowie einer Handvoll Zugaben für den asiatischen Filmmarkt (Tian Jing), welche er zudem durch echte Locations gen Hawaii und Vietnam schleust, im Zweifelsfall aber von der Immersion abkoppelt, wenn er sie von Unmengen vorhersehbarer Klischees abhängig macht. Weil man diese aber auch noch so schnell wie möglich einlöst, streift man als Zuschauer umso mehr an der Belanglosigkeit aller austauschbaren Mythologien ab - u.a. solche vom geheimen Inselvolk, von Urzeitviechern vergangener Jahrtausende aus dem Untergrund sowie der törichten Einmischung des Menschen in die Natur, was als Parabel so platt ausformuliert wird, wie sich der zwischenmenschliche Umgang auch ausschließlich aus Exposition und eingeworfenen Gags der Marke Marvel zusammensetzt.


Legendary weiß aber ebenso, dass die Prämisse daran funktioniert und so lässt man sich eben mehr oder weniger vom Strom an Action, Angriff und affenstarker Begegnung fremder Welten mitziehen, doch wer in jener Fantasie nach Momenten wahrer Lebendigkeit Ausschau hält, zieht deutlich den Kürzeren. Wie süß das doch eigentlich nach „Nordsee ist Mordsee“ riechen müsste, wenn man den Bootsbau (und soviel mehr) der unverhofften Freundschaft zwischen dem abgestürzten Army-Piloten Hank Marlow (John C. Reilly) und Kamikaze-Flieger Gunpei Ikari (Miyavi) nachfühlen könnte, nicht wahr? Dann würde sich der Film auch bestimmt mal die Zeit gönnen, mehr Szenen wie jene ausspielen zu lassen, in denen King Kong seine Wunden abtastet und daraufhin eine Krake verspeist – mächtig drollig! Stattdessen kriegt man Variationen von „Oh man, ich kann's kaum erwarten, nach Hause zu kommen!“, „Time to say goodbye“, „Habt ihr das auch gehört?“ und „Geht ohne mich weiter!“ um die Ohren gehauen, welche weder als ernsthaftes Sentiment noch als unbefangener Eskapismus ankommen. Na gut, der Hinweis zum Elternersatz für Kong ist immerhin ziemlich witzig, im Kontext allerdings so magisch wie direkt aus dem „BFG“ gemeint. Vielleicht soll man sich auch eher anhand der stilistischen Pseudo-Referenzen zu „Apocalypse Now“ unterhalten fühlen, wenn sich Oberbefehlshaber Preston Packard (Jackson) aus Rache für ein Bündel Dog Tags (= visuelles Erzählen ohne Feeling) den Geruch von Napalm am Abend wünscht. Oder man identifiziert sich mit dem gewissenhaften Heldentum des Gefreiten Slivko (Thomas Mann), na? Eher mit der Selbstbewährung des Forschungsassistenten Houston Brooks (Corey Hawkins)?


Vielleicht bringt's die Connection mit den Protagonisten, eben Mason Weavers (Brie Larson) Jagd nach dem Pulitzer-Preis oder dem „Wir müssen dann und dort ankommen“ von James Conrad (Tom Hiddleston)? Die traurige Wahrheit ist leider, dass nichts davon wirklich bockt. Egal wie viele Pfade sich öffnen: Alle bleiben im Konsens gefangen, dass es geradezu erstaunlich ist, wie erheblich sich der Film darin verkalkuliert, Leitmotive oder charakterliche Entwicklungen zum Mitfühlen errichten zu können, ansonsten zielgenau in die Schauwerte des Fan-Service überinszeniert. Man kann's auch beim Namen nennen und „Skull Island“ ein Konzept der Überkompensation attestieren. Das zeigt sich nicht nur an der aufgestockten Menge an stetig hässlicheren Biestern, sondern schon an der bloßen Feststellung der Inselgeographie anhand seismischer Druckwellen (= Explosionen!), an Kamerafahrten vom Format einer Disneyland-Attraktion, an der Vertonung derer sowie brutaler Monster-Matches per Voiceover, an der Ballung des Ensembles mit Star-Visagen und markanten Charakterdarstellern bis zum Abwinken, am redundanten Ausprobieren von Jumpscare-Taktiken, am Lager offensichtlicher Twists, und und und. In der Menge ist einem das beinahe schon sympathisch, gleiches lässt sich über den nicht gerade unblutigen Bodycount sagen, welcher zerflossene Schädel auskotzt und jeden zweiten Menschen vom Boden weg auffrisst bzw. platt stampft, im dritten Akt sowieso den faustdicken Showdown auspackt. Auf die Show hat der Film auch hingearbeitet, aber sie stellt weder im Rahmen des heutigen Kinos noch im Ehrenkreis aller vorherigen Kong-Sagen ein Novum dar. Was bleibt dann noch übrig, außer eine Reihe melodramatischer (bedingt cooler) Einsilber? Noch mehr Monsterkloppe für die Kids im Publikum! Muss man ja auch nicht unbedingt schlecht finden – ginge aber auch mit Herz und Seele.


4,5 von 10 nicht gezeigten Riesenameisen


vom Witte

Review: STEVE JOBS - Ein Superman voller Kryptonit

Keine Kommentare:


Fakten:
Steve Jobs
USA. 2015. Regie: Danny Boyle. Buch: Aaron Sorkin, Walter Isaacson (Vorlage). mit: Michael Fassbender, Kate Winslet, Seth Rogen, Katherine Waterston, Jeff Daniels, Michael Stuhlbarg, John Ortiz, Sarah Snook, Perla Haney-Jardine, Ripley Sobo, Makenzie Moss, Adam Shapiro u.a. Länge: 122 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 24. März 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Seine Vision veränderte die Welt und trieb ihn fast in den Ruin: der Entwurf und Bau eines Computers für jedermann. Über die ersten Anfänge, die Entwicklung des legendären, alles revolutionierenden Macintosh, bis hin zum Neuanfang mit dem iMac im Jahr 1998, nimmt uns Steve Jobs mit ins Epizentrum der digitalen Revolution und zeichnet zugleich das vielschichtige Portrait eines ihrer brillantesten Köpfe.




Meinung:
Ein Rauen geht um, wenn man seinen Namen sagt und eigentlich jeder hat eine Meinung zu dem Mann, den einige für einen der größten Pioniere moderner Technologie halten, andere wiederrum für einen Soziopath, der andere für seine Zwecke ausbeutete. So oder so ist die Person Steve Jobs ein höchst interessanter sowie ambivalenter Charakter. Nach seinem Tod im Jahre 2011, kamen zig Bücher, Reportagen und Artikel heraus, die ihn würdigten oder diskreditierten. Als Außenstehender wusste man da eigentlich gar nicht, wo genau man sich positionieren soll. 2013 erschient mit „Jobs“ auch das erste Biopic rund um den Apple-Chef. Eine recht bieder bebilderte Biographie ohne sonderlichen Nutzen. Warum danach jetzt noch der Film „Steve Jobs“ erscheint wirkt unnötig, aber auf ihn zu verzichten würde ein großes, qualitatives Loch in Kinojahr 2015 reißen, denn der Film vom britischen Kultregisseur Danny Boyle erweist sich als kleines Meisterstück.


Jobs und seine Assisstentin
Allerdings darf man von „Steve Jobs“ nicht erwarten, dass es sich um ein reinrassiges Biopic handelt. Basierend auf den Bestseller von Walter Isaacson werden jeweils die letzten Minuten vor den drei wichtigsten Produktvorstellungen des Jobs nachgestellt. Wie viel davon der Wahrheit entspricht? Wer weiß das schon. „Steve Jobs“ pocht aber eh zu keiner Zeit auf der „based on true event“-Pauke. Der Film konzentriert sich darauf eine Figur zu beleuchten, ob diese rea existiert hat und komplett fiktiv ist, erweist sich als recht irrelevant. Ja, Biopic-Puristen werden hier wenig finden. Weder werden alle historischen Ereignisse der Firma Apple durchgekaut, noch wird exorbitant viel Zeit darauf verwendet den Zuschauer mit Expositionen zu füttern. „Steve Jobs“ ist ein Film der von Beginn an ein einziges Ziel erfolgt und dass ist einen Charaktere vorzustellen, so dass man als Ende selbst entscheiden kann welcher Mensch diese Steve Jobs war. Im Film wird aber keineswegs das Original abgebildet, sondern mehr dessen filmische Kopie. Wenn man so will ist dieser Film eine Huldigung, eine Anklage sowie auch eine Skizze eines fiktionalen Imitats einer realen Person.


Beste Freunde mit Differenzen: Woz und Jobs
So oder so wirkt das Ganze obwohl es all diese Personen gibt (oder gab) und vieles was gesagt wird auch einen wahrhaftigen Background hat, mehr wie ein erfundenes Drama. Das liegt vor allem an Drehbuchautor Aaron Sorkin, der mit „The Social Network“ bereits einen angeblichen Soziopath beschrieb. Genau wie damals glänzt auch „Steve Jobs“ durch Sorkins brillante Schreibarbeit. Die Dialoge sind diamantgeschliffen und werden trommelfeuerartig vorgetragen. Dabei ist zu beobachten, dass jede Figur, die mit Jobs kommuniziert eine andere Art von Dialogdynamik auslöst. Es gibt z.B. einen lautstarken Disput zwischen Jobs und seinem ehemaligen Vorgesetzten. Dieser Dialog gleicht einem Krieg: Jedes Wort ein surrendes Projektil, jede Atempause ein Waffenstillstand. Das ist zwar höchst anstrengend, verfehlt dennoch aber nicht seine narrative Wirkung. Gewiss, kein normaler Mensch redet so, aber das Thema Realität wird bei „Steve Jobs“ – wie bereits erwähnt – recht offen ausgelegt, was ohne Zweifel nicht nur die Angehörigen des Apple-Mitbegründers auf die Barrikaden treibt.


Selbst das macht er stilvoll
Was dem ganzen Dialogzauber gegen Ende etwas die Kraft nimmt, ist die repetitive Natur des Ganzen. In zwei Stunden wird Jobs stetig mit denselben Personen und Anliegen konfrontiert. Das schlaucht, erreicht aber niemals solch negative Auswirkungen, dass es sich wirklich schädlich bemerkbar macht und Sorkin selbst erlaubt sich wegen diesem Konzept gegen Ende auch eine kleine Meta-Bemerkung. Ganzzeitig frisch bleibt dagegen die Inszenierung von Oscar-Preisträger Danny Boyle, der sich nach „Steve Jobs“ hoffentlich endlich daran macht die langversprochene „Trainspotting“-Fortsetzung namens „Porno“ umzusetzen. Boyle ist bekannt und beliebt (bei einigen natürlich auch gefürchtet und verhasst) für seine Visualität. Doch bei „Steve Jobs“ hält er sich im Rahmen. Gewiss, hin und wieder erlaubt er sich mit den Bildern zu spielen, es wirkt aber nicht aufgesetzt und bringt eine gewisse Frische in den Film. Letztlich zeigt sich aber Boyle Erfahrung, dass er das Drehbuch sowie die Darsteller auf deren Qualitäten reduziert und dies sauber und ohne Hektik einfängt. Boyle ist eben ein versierter Filmemacher.


Ist dieser Mann ein Freund oder ein Feind von Jobs?
Und diese arbeiten gerne mit Leuten zusammen, die ihre Vision teilen. Vielleicht arbeitet Boyle deswegen hier erneut mit Kameramann Alwin Küchler zusammen, der bereits in Boyles Sci-Fi-Drama „Sunshine“ und „Trance“ für die richtige, optische Stimmung sorgte. Bei „Steve Jobs“ gelngt es Küchler mit einfachen Kniffen und Mitteln sogar das jeweilige Jahr visuell einzufangen, einfach durch eine Regulierung des Filmkorns. Gewiss ist das eine höchst simple Methodik, aber sie funktioniert und hilft immens bei der Immersion, die im Verlauf des Films zu keiner Zeit irgendwelche Risse oder Sprünge bekommt. Der Film wirkt wie aus einem Guss. Die einnehmende Simplizität die man den Apple-Geräten zusagt, sie wurde hier wirklich wunderbar auf den Film übertragen, ohne dabei wie ein überlanger Werbespot für den Computergiganten zu wirken. Die Gefahr besteht so oder so nicht, denn für einen Commercial setzt sich Autor Sorkin viel zu kritisch mit dem geschlossenen Apple-Systemen auseinander.


Fassbender beim Text lernen
Natürlich sind die besten Dialoge, die fokussiertes Regie und beste visuelle Ausrichtung nutzlos, wenn die Darsteller nicht überzeugen. Doch damit hat „Steve Jobs“ wirklich keinerlei Probleme. Michael Fassbender und Kate Winslet sind großartig, was wahrscheinlich jeder schon vorher gedacht, bzw. gewusst hat. Doch auch Abseits der beiden größten Namen gibt es darstellerisch Großes zu sehen und damit ist vor allem Seth Rogen gemeint, den die meiste wohl eher aus modernen Klamaukfilmen wie „Bad Neighbors“ oder „Ananas Express“ kennen. Doch bei „Steve Jobs“ beweist Rogen das er auch ein exzellenter Darsteller ist. Er spielt Jobs Freund und Wegbegleiter Steve „Woz“ Wozniack so wunderbar nuanciert und ungekünstelt, dass eine reine Freude ist ihm beim Spielen zu zusehen. Dabei gelingt Rogen es zum ersten Mal, sich von seiner sonstigen Attitüde zu trennen. Wenn er mit Fassbender verbal interagiert, dann ist es vergessen welche Stars hier zu sehen sind. Plötzlich ist man als Zuschauer mitten drin in einer Szenerie, die authentisch und wahrhaftig wirkt. Eine perfekte Illusion, deren Reiz und nach lange nachwirkt.


Mehr ein Komponist, als ein Erfinder: Steve Jobs
Dabei verwendet der Film erstaunlich wenig Energie darauf, diese Illusion mit den übermittelten Ticks und (teils absonderlichen) Eigenheiten von Jobs zu füttern. Immer wieder gibt es Andeutungen und ab und an auch eine konkrete Bebilderung, aber trotz allem bleibt ein menschlicher Kern übrig, selbst dann wenn Boyle und Sorkin den Gott der Apple-Nutzer von seiner (scheinbar) schlimmsten Seite zeigen. Es ist natürlich recht ernüchternd, dass Sorkin im Prinzip Jobs genau so einfängt wie einst Mark Zuckerberg. Aber der Film-Jobs hinterlässt nicht wie der Film-Zuckerberg den Eindruck eines antisozialen Genies, sondern eines Mannes, der in seiner eigenen Welt beheimatet. Ein Außenseiter mit dem Willen nach oben zu gelangen und diese Grenze immer wieder voranzutreiben. Steve Jobs wirkt also im Film wie ein Superman in einer Welt aus Kryptonit. Eben ein Kämpfer, der sich anpassen muss. Das zu sehen ist hochgradig fesselnd.

„Steve Jobs“ beweist was man mit einem guten Drehbuch, tollen Akteuren und einer versierten Regie erreiche kann: Ein energiegeladener und vitaler Film, dessen Kraft und Qualität teils sogar berauschende Züge annimmt. Es sollte nur klar sein, dass „Steve Jobs“ kein Biopic ist, sondern ein unglaublich redseliges, treibendes und vitales Charakterdrama, dessen Darsteller sich Hoffnung machten sollen bei der Oscar-Verleihung 2016 ein Wort mitzusprechen.


8,5 von 10 vorgetäuschten Hallos

Review: THE DROP - Brooklyn im Wandel der Zeit

Keine Kommentare:


Fakten:
The Drop
USA. 2014. Regie: Michael R. Roskam. Buch: Dennis Lehane (Vorlage).
Mit: Tom Hary, James Gandolfini, Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Morgan Spector, Michael Aronov u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Demnähst auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Bob arbeitet in der Bar seines Cousins Marv. Wie die meisten Bars in Brooklyn wird diese öfters von der Mafia als Geldversteck, als sogenannter Drop, benutzt. Als die Bar eines Abends überfallen wird, haben die Täter leider kein Glück. Marvs Bar ist nicht der Drop, dennoch setzt der Überfall eine Spirale der Gewalt und des Misstrauens in Gang, die bald ihre Opfer fordert.





Meinung:
Wieso wohl sollte es verwerflich sein, sich an einer gewissen Erwartungsenthaltung zu orientieren, sieht man sich im Begriff dazu, einen x-beliebigen Film zu schauen? Weil eine objektive Voraussetzung, jenes Werk wahrzunehmen, womöglich darunter leidet? Wohl kaum, außer man richtet seine Meinung äußerst ostentativ gegen gewisse Namen und und Formen. Vielmehr ist diese kleine Vorabeinschätzung doch gerade dann schön, wenn sie anschließend nach Strich und Faden torpediert wird und sodann noch einmal nachhaltig unter Beweis stellt, dass Film heutzutage durchaus noch in der Lage, unvorhersehbar zu sein, erfreuliche Überraschungen zu generieren, anstatt sich der Schema-F-Dramaturgie anzubiedern und stocksteif nur so weit zu locken, wie es der weichgespülte Usus nun mal zulässt. Dass man von „The Drop – Bargeld“ von vornherein nichts Schlechtes erwartet hat, liegt schon allein an Autor Dennis Lehane, der auch die fabelhaften Vorlagen zu „Mystic River“, „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ und „Shutter Island“ abgeliefert hat, aber ein Fast-Meisterwerk? Wohl eher weniger.


Hundefreund und Barmann: Bob
Nichts anderes aber ist Michael R. Roskams amerikanisches Debüt: Ein nahezu brillantes Erlebnis, welches sich ganz geflissentlich gegen die „fetter, lauter, greller“-Devise der kontemporären Kinolandschaft stemmt und in seiner reduzierten Haltung beinahe schon als robuste Antithese zum sensationsgierigen Spektakel zu verifizieren ist. „The Drop – Bargeld“ besinnt sich auf das Gewicht minimalistischer Gestik und läuft niemals Gefahr, seine Geschichte manipulativ zu dramatisieren oder mit entbehrlichem Pathos aufzubauschen, obwohl sich das filmische Konstrukt geradezu dafür anbietet. Bob (Tom Hardy) jedenfalls arbeitet in der urigen Kneipe seines Cousins Marv (James Gandolfini), lässt gerne mal die ein oder andere Runde aufs Haus gehen und ist ohnehin eher als besonneneres Gemüt zu beschreiben. Dass die Bar sich in den Händen der tschetschenischen Mafia befindet, hat Bob längst akzeptiert, Marv hingegen hadert nach wie vor mit den sich verschiebenden Machtfronten, schwelgt in Erinnerungen, als man ihm noch Respekt zollte und sich von den Stühlen erhob, wenn er den Raum betrat.


Bob bekommt (noch mehr) Probleme
Ein Porträt dieses kalten Brooklyns, in dem nicht mehr die Amerikaner, sondern die Immigranten das Sagen haben, zeichnete schon James Gray mit dem famosen „Little Odessa – Eiskalt wie der Tod“ im Jahre 1994. Und es wäre natürlich eine Lüge, würde man proklamieren, dass „The Drop – Bargeld“ sein Milieu nicht studieren würde. Wie wir schon in „Mystic River“ und „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ in Erfahrung bringen durften, ist Dennis Lehane ein Meister in Sachen Etablierung grauer Umfelder und schafft es, die Authentizität über jede Straße, jeden Hinterhof und durch jede Seitengosse streifen zu lassen. „The Drop – Bargeld“ aber besticht vor allem durch seine Charakterzeichnungen: Wer Bob in diesen 110 Minuten begleitet, dem erstrahlt der Wert der Ambivalenz in neuem Licht, ist Tom Hardy in seiner ganz und gar zurückgezogenen Performance doch die Idealbesetzung dafür, nur mit einem einzigen Wimpernschlag mehr auszusagen, als es einige seiner nicht minder namhaften Kollegen in stundenlanger Method-Acting-Hysterie bewerkstelligen.


Mit Bob als durchaus humanistischen Fluchtpunkt der Handlung, entspinnt „The Drop – Bargeld“ eine von reeller Traurigkeit begleitete Studie über Einsamkeit sowie die Fragilität sozialer Identitäten und projiziert diese Aspekte auf den unweigerlichen Wandel der Zeit, der vor allem dem bulligen Marv zu schaffen macht: Es ist ein gesichtsloses Amerika, welches Lehane und Roskam perspektivieren und Bob, jemand der in der Lage dazu ist, sich an neue Umstände ohne großes Gezeter zu akklimatisieren, der seiner Arbeit nachgeht und sich nie dazu gezwungen sieht, seine Stimme zu erheben, weil es einfach nicht zu seinem Naturell entspricht, muss die Wunden der Vergangenheit noch einmal aufbrechen, um sie endgültig vernarben lassen zu können. Die Gewalt, die von Minute zu Minute näher rückt, ist in ihrem motivischen Ansatz, den schmalen Grat zwischen Regression und Eskalation betreffend, nahe der in David Cronenbergs „A History of Violence“ gelegen. Ein weiteres Indiz dafür, wie fantastisch „The Drop – Bargeld“ doch gelungen ist.


8 von 10 übel zugerichteten Hundewelpen


von souli

Review: BLACKHAT - Hacker gegen Hacker

Keine Kommentare:


Fakten:
Blackhat
USA. 2015. Regie: Michael Mann. Buch: Morgan Davis Foehl. Mit: Chris Hemsworth, Wei Tang, Viola Davis, Chen Dawai, Ritchie Coster, Holt McCallany, William Mapother, John Ortiz, Archie Kao, Yorick van Wageningen, Jason Butler Harner, Abhi Sinha Länge: 133 Minuten. FSK: noch nicht bekannt. Ab 18. Juni auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Hacker hat sich in das Kühlsystem eines chinesischen Kraftwerks gehackt und bringt dieses zur Explosion. China und USA ermitteln gemeinsam. Um gegen den unbekannten Hacker eine Chance zu haben, wird das inhaftierte Computergenie Nick Hathway freigelassen, damit dieser en Ermittlern hilft. Die Jagd nach dem großen wie gefährliche Unbekannten führt quer über den Globus, doch der Gejagte scheint immer einen Schritt weiter voraus zu sein.





Meinung:
Hacker sind seit den 1980er Jahren immer wieder gerne gesehenen Figuren in Film. Egal ob Matthew Broderick in „Wargames“, Johnny Lee Miller in „Hackers“, Sandra Bullock in „Das Netz“ oder Keanu Reeves in „The Matrix“, der hier sogar zum Erlöser unserer Spezies wird. Doch seit der NSA-Affäre scheinen Hacker im Film nicht mehr als bloße Nerds, sondern vornehmlich als Schattenmänner, die im Hintergrund agieren und unser ganzes System kontrollieren können – wenn sie wollen - in Erscheinung zu treten. In „Blackhat“ von Regie-Veteran Michael Mann treibt so ein Hacker ein böses Spiel mit den Amerikanern und Chinesen und lässt gleich zu Beginn ein Kraftwerk mit scheinbar nur ein paar Mausklicks zerbersten. Was der Beginn für ein internationales Katz-und-Maus-Spiel sein könnte, in dem sich zwei Super-Hacker miteinander messen, erweist sich leider als eher banales und fast schon schamvoll unintensives Actionkino. Dabei wäre das Kräftemessen der beiden kontrahierenden Hacker doch durchaus ein gutes Vehikel für einen spannenden Film gewesen, gerade bei einem Regisseur wie Mann.

Hacker Nick Hathaway ist auf der Jagd, off- wie online
In „Blutmond“ war es die Jagd nach einem psychopathischen Serienkiller, in „Heat“ das Kräftemessen eines Cops und eines Gangster, die ihre Arbeit fast schon fanatisch ausübten und in „Collateral“ chauffierte ein kleinbürgerlicher Taxifahrer einen Auftragsmörder durch die Straßen von Los Angeles und wuchs über sich selbst hinaus. Michael Mann konnte schon immer maskuline Duelle zu spannungsgeladenen Thrillern konstruieren. Bei „Blackhat“ bleibt der große Feind aber ein großer Unbekannter, der via Glasfaserleitung zuschlägt. Der gute Hacker Hathaway (Chris Hemsworth), der ihn zusammen mit FBI und chinesischen Behörden jagt bleibt dabei aber der einzige wirkliche charakterliche Fixpunkt. Doch Hathaway vermag es nicht diese Story alleine zu tragen. Und selbst wenn es dann zum Aufeinandertreffen kommt geschieht dies ohne wirkliche Wucht. „Blackhat“ bleibt konsequent auf einer Ebene und verbaut sich damit jedwede Chance auf Dynamik und fesselnde Unterhaltung. Die Mann-typischen Actionszenen vor urbaner Kulisse verkommen überdies auch zu lustlosen Appetithappen. Nur einmal schafft es „Blackhat“ das Publikum zu packen und durchzuschütteln, dann nämlich, wenn der Thriller mit geradezu kaltschnäuziger Chuzpe unter den Figuren aufräumt. Das würde noch mehr ins Gewicht fallen, wenn es nicht einhergehen würde mit einer überhasteten Dramaturgie.


Michael Manns Thriller, der versucht mit unseren Ängsten zu spielen (zum einen die Möglichkeit uns überall beobachten zu können, zu anderen die Furcht vor Katastrophen wie Fukushima), verkommt zum espritlosen Abgrasen seiner typischen Markenzeichen. Die Figuren und die Story können sich aus diesem einfachen Schema nicht heraus emanzipieren, auch weil sie dafür viel zu statisch geformt sind: Der Hacker, der im Knast sitzt, weil ihm das Schicksal übel mitspielte, der chinesische Agent der sich gegen seine Vorgesetzten behaupten muss der standardisierte böse Handlanger aus Ost-Europa sind da nur drei Beispiele. „Blackhat“ besitzt alle Ingredienzien für einen gelungene, wenn auch vielleicht etwas formelhaften, Thrillers. Doch was Mann daraus zusammenbraut ist ein unfertig wirkende Nichtigkeit. Vielleicht sollte man von ihm als Regisseur nicht immer einen neuen „Heat“ erwarten, aber mehr als „Blackhat“ sollte es bitte schon sein.


3,5 von 10 Fackelzügen