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Review: DAS PENDEL DES TODES & SATANAS - DAS SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIE - Corman, Price & Poe

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Fakten:
Das Pendel des Todes (Pit and the Pendulum)
USA, 1961. Regie: Roger Corman. Buch: Richard Matheson, Edgar Allan Poe (Vorlage). Mit: Vincent Price, John Kerr, Barbara Steele, Luana Anders, Anthony Carbone, Patrick Westwood, Lynette Bernay, Larry Turner, Mary Menzies u.a. Länge: 78 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Nachdem er von dem plötzlichen Tod seiner Schwester Elizabeth erfahren hat, macht sich Francis Barnard auf zu dem Schloss seines ihm bisher unbekannten Schwagers Nicholas Medina. Der trauernde Witwer nimmt ihn auf, doch bald häufen sich merkwürdige Ereignisse. Nachts soll angeblich die Stimme von Elizabeth zu hören sein. Francis vermutet nicht nur einen Schwindel, darüber hinaus verdächtigt er Nicholas nicht unschuldig am Tod seiner Schwester zu sein. Schließlich richtete schon dessen Vater im Folterkeller der Burg grausame Dinge an…


                                                                                               

Meinung:
Edgar Allan Poe frei nach Roger Corman: Wie bei allen seiner zwischen 1960 und 1964 entstandenen Adaptionen des legendären Schauerpoeten legt der sonstige Trash-Papst wenig Wert auf eine werkgetreue Umsetzung, bis auf das namensgebende Pendel hat dieser Film eigentlich überhaupt nichts mit der Geschichte von Poe zu tun. Vielmehr bedient sich Corman verschiedener Bausteine aus Poes Vita (nicht zu Letzt sehr deutlich aus „Das verräterische Herz“) und bastelt daraus sein ganz eigenes Ding zusammen, marketingtechnisch (wie immer) geschickt-dreist unter dem bekannten Titel „Das Pendel des Todes“ veröffentlicht.


Wenn schon Vincent Price Fracksausen bekommt...
Das könnte man bemängeln, aber bei Corman konnte man nichts anderes erwarten. Wer sich darüber beschwert, ist selbst schuld. Das Resultat aus diesem Allerlei an Inspirationsquellen ist dafür einer seiner besten Regiearbeiten geworden, bei der sich erkennen lässt das der alte Sparfuchs mehr kann als ihm allgemein zugesprochen wird. Für die (trotzdem natürlich noch) bescheidenen Verhältnisse ist „Das Pendel des Todes“ ein kleiner Augenschmaus geworden, geprägt von einer kräftigen Farbgebung, stimmungsvolle Sets und eine liebevolle Ausstattung, durch die souveräne Kameraführung exzellent umrahmt. In seinen besten Momenten erinnernd an die Aura der guten Produktionen aus dem Hause HAMMER, mit leicht psychedelischen Farbtupfern geschmückt. Trotz der nur 78 Minuten Spielzeit zwar schwerfällig in seinem Spannungsaufbau, niemals wirklich unheimlich oder gar erschreckend, gleicht Corman dies atmosphärisch nahezu aus und irgendwo schwebt doch noch der Geist von Edgar Allan Poe durch die Gänge des Schlosses und seines morbiden Hobbykellers. Unverzichtbar natürlich: Das ikonische  Grusel-Bärtchen Vincent Price, der bei seinem theatralischen Spiel aus den Vollen schöpfen darf. Mit Runzel-Stirn und hochgezogener Augenbraue gibt er gesten- und ausdrucksreich den verängstigten Schlossherr mit Kindheitstrauma an der Klippe zum Wahnsinn, darf sich zum Schluss gar in feinstem Overacting austoben, alles im Rahmen von Geschichte wie Inszenierung nicht störend, sondern absolut angemessen.


Auf den letzten Metern, wenn das gigantische Käsemesser endlich pendelt, gewinnt der Film gar eine sarkastische Note hinzu. Wer mit den Geistern der Vergangenheit spielt, wird von ihnen eingeholt. Geschichte wiederholt sich und wenn sich der Kreis wie die Grabespforten (erneut) schließen beendet Corman alles mit einer zynisch-pointierten Schlusseinstellung, die zu einem schadenfrohen Grinsen einlädt. Als Horrorfilm nicht nur aus heutiger Sicht sicherlich nur bedingt brauchbar, als im besten Sinne altmodische „Gutenachtgeschichte“ bei Kerzenschein sehr wohl, für Corman- und Price-Fans ohnehin eine Pflichtübung.

6,5 von 10 Stimmen aus dem Grab

                                                                                  

Fakten:
Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie (The Masque of the Red Death)
USA, GB, 1964. Regie: Roger Corman. Buch: Charles Beaumont, R. Wright Campbell, Edgar Allan Poe (Vorlage). Mit: Vincent Price, Hazel Court, Jane Asher, David Weston, Nigel Green, Patrick Magee, Paul Whitsun-Jones, Skip Martin u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der grausame Prinz Prospero entführt das Bauernmädchen Juliana, ihren Liebhaber und ihren Vater auf sein Schloss. Dort feiern er und seine dekadenten Freunde ein rauschendes Fest, das von einem Maskenball gekrönt werden soll, während jenseits der Burgmauern die Pest das verarmte Volk dahinrafft. Juliana soll seine neue Gemahlin werden, ihre Liebsten sich zur Belustigung gegenseitig töten. Prinz Prospero und sein Gefolge fühlen sich in ihrer Festung sicher vor dem roten Tod, schließlich haben sie ihre Seelen schon lange dem Teufel verkauft. Ein Trugschluss…


                                                                                                 
                                                                                     

Meinung:
„Wenn ein Gott der Liebe und des Lebens wirklich existiert hat, dann ist er schon lange tot. Irgendjemand, irgendetwas hat jetzt seinen Platz inne.“

Mit der vorletzten seiner insgesamt sieben Edgar Allan Poe-Adaptionen (oder aufgrund der sehr freien Auslegung eher Kreationen) schuf Roger Corman gleichzeitig den kreativen wie künstlerischen Höhepunkt seines Œuvres, dem oft (und nicht immer zu Unrecht) ein eher zweifelhafter Ruf anlastet. „Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie“ (alternativ auch als „Die Maske des roten Todes“ veröffentlicht) hebt sich erstaunlich von den üblichen Arbeiten Cormans ab, sowohl von seiner inszenatorische Qualität, Reife und sogar seinem inhaltlichen Subtext.


Mein Freund, der Tod.
Für einen hochwertigen Nägelkauer im traditionellen Sinne fehlt es eindeutig am dramaturgischen Geschick, „Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie“ (wie auch immer der Film damals zu diesem reißerischen deutschen Titel kam) lebt zugegeben nicht von seiner herausragend erzählter Geschichte und flacht in seinem Spannungsbogen immer mal wieder deutlich ab. Dieser Film funktioniert eindeutig über das Erlebnis, seinen rauschartigen Zustand, den Corman in Zusammenarbeit mit seinem Kameramann Nicholas Roeg (später selbst besser bekannt als Regisseur von Meisterwerken wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“) entfesselt. Ein Sog aus Farben, Beleuchtung und Ausstattung, wie ein Mix aus Mario Bava und Andy Warhol, hinter dem selbst der große Zampano Vincent Price in die zweite Reihe degradiert wird. Selbst Dario Argentos Prunkstück „Suspiria“ scheint unweigerlich inspiriert von Cormans faszinierendem Farbenspiel: Wenn Vincent Price und Hazel Court durch die in immer neuen Tönen schimmernden Räume des Palastes streifen, kommt man aus dem Staunen kaum heraus (man achte nur mal auf die zahlreichen Kerzen und deren Anordnung, irre) und der Vergleich zwingt sich praktisch auf. Ein aberwitziger Genuss für die Sinne. Kein Film zum reinen Ansehen, einer zum Aufsaugen, zum Erleben. Doch das ist noch nicht alles, denn selbst als Diskurs über Religion, Gesellschafts- und Machtstrukturen eröffnen sich Ebenen, die man Corman so ganz sicher nicht zugetraut hätte.


Hinter der scheinbar sicheren Mauern seiner Festung verschanzt sich der sadistische Prinz Prospero vor der wütenden Pest, der Plage für das gemeine Fußvolk, meint den roten Tod ausgesperrt zu haben. Dort drinnen feiern sie ihr dekadentes Gelage, benehmen sich im wahrsten Sinne des Wortes wie gemästete Tiere und huldigen dem Fürst der Finsternis als ihrem Erlöser. Leid, Qualen, Erniedrigungen, Folter und Tod als Belustigung für die hässliche Fratze des Adel, den Glauben der Bauern an einen barmherzigen Gott überheblich verspottend, denn sie selbst haben sich in diesen Stand erhoben. Zwischen rauschenden Festen wird die Realität abseits der Schlossmauern ausgeklammert, als Seuche und Plage des Pöbels ignoriert. „Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie“ kann als Parabel wie Sozialstudie betrachtet werden, die interessante Denkanstöße liefert und in einem ästhetischen Ballett des Todes mündet. Besser, hochwertiger hat Roger Corman davor und danach nie gearbeitet. Für seine Verhältnisse schon ein Meisterwerk, aber auch allgemein ein intensiver, packender Trip.

7 von 10 Gesichtern des Todes

Review: DER RABE - DAS DUELL DER ZAUBERER - Edgar Allan Poe wäre stolz gewesen...

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Fakten:
Der Rabe – Das Duell der Zauberer (The Raven)
USA, 1963. Regie: Roger Corman. Buch: Richard Matheson, Edgar Allan Poe (Vorlage). Mit: Vincent Price, Peter Lorre, Boris Karloff, Hazel Court, Olive Sturgess, Jack Nicholson, Connie Wallace, William Baskin, Aaron Saxon u.a. Länge: 83 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Der Magier Dr. Craven trauert auch zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau Lenore noch um sie, als ein Rabe durch sein Fenster geflogen kommt. Dieser spricht nicht nur, er entpuppt sich als Kollege Dr. Bedlo, der von dem großen Hexenmeister Dr. Scarabus verwandelt wurde. Craven verhilft ihm zu seinem ursprünglichen Erscheinungsbild und erfährt im Anschluss von Bedlo, dass dieser Lenore auf dem Schloss von Scarabus gesehen hat. Zusammen mit seiner Tochter Estelle, Badlo und dessen Sohn Rexford begibt sich Craven in das Schloss des mächtigen Magiers, mit dem schon sein Vater sich aufs Kriegsfuß befand.


                                                                              



Meinung:
Roger Corman, das Phänomen. Ein dreister Bengel wie Finanzierungsgenie, dem recht wenig heilig war und den Dollar viermal umdrehte, um den Einsatz zu vervielfachen. So auch hier. „The Raven“ schmückt sich ganz unverblümt mit dem Prädikat Edgar Allan Poe, beginnt mit Zeilen aus dessen weltbekannten, gleichnamigen Erzählung und hat sonst so rein gar nichts damit zu tun. Bis auf die erste Szene des Raben (also bis der den Schnabel aufmacht) und den Namen Lenore. Sonst ist das Corman, der schamlos alles plündert, was sich andere mal irgendwann ausgedacht haben und er sich im Rahmen seiner Mittel irgendwie zurecht biegt. Auf seine ganz spezielle Art.


Beschissene Fummel tragen nervt, obszöne Gesten sind die Folge.
Statt düsterer Poesie gibt es groteskes Slapstick-Fantasy-Theater, voll mit Quatsch, albernen Effekten, Reste-Kulissen und wild zusammen gewürfelten Kostümen, die entweder vom letzten Dreh übrig geblieben sind oder vom Theater-Fundus nebenan gespendet (oder geklaut?) wurden. Da passt optisch recht wenig zusammen, wirkt schreiend komisch bis – sagen wir mal – „extravagant“, aber wenn was bei Corman immer funktioniert, dann dieser drollig-liebevolle Charme. Ganz offensichtlich hatten auch die Darsteller mächtig Freude an dem ganzen Unfug. Die Genre-Ikonen Vincent Price und Boris Karloff spielen so euphorisch-ironisch auf wie Peter Lorre als (nur im Film?) dauerbetrunkene, laut fluchender Froschaugen-Magier Badlo (mit totschickem Rabenkostüm) und der junge Jack Nicholson, der bei der Kutschfahrt ein frühe Bewerbung als Psycho vom Dienst abliefern darf. Den Stars muss klar gewesen sein, was sie da gerade drehen, doch lassen sich voll darauf ein, herrlich mitanzusehen. Das große Plus von „The Raven“.


Da staunt der Nolan: Effekte à la Corman.
Minus mal Minus ergibt Plus, ja, fast. Die Story ist mehr als  nebensächlich, der Humor schwankt von totalen Rohrkrepierern, kleinen Krachern und wohl unfreiwilligen Lachern (ist stellenweise kaum zu trennen, auch eine Kunst für sich) hin und her, die Sets mal schön handgemalt (das Schloss in der Außenaufnahme, süß), mal ganz nett, mal Studio mit spärlicher Deko, Kunstnebel und natürlich darf die Scheune nicht fehlen. Welche Scheune? Die Scheune, die Corman einst für 100 Dollar kaufte, abfackelte und diese Szenen in fünf (!) seiner Filme schnitt, weil irgendwas brennt eh immer. Müsst eigentlich schon im Cast gelistet sein, großartig. Highlight des Films ist zweifellos das ersehnte Duell der Zauberer, eine Mischung aus „Looney Tunes“ Cartoon und „Spaß am Dienstag“, so absurd, infantil und überdreht, dass man abwechselnd den Kopf schüttelt und herzhaft lacht.


Ja, was macht man denn nun damit? Irre sympathisch und komplett bescheuert, nett und blöd, insgesamt nicht ganz so kurios, frech und vor allem geschmacklos wie die Corman-Knaller „Frankensteins Todesrennen“, „Star Crash“ oder „Galaxy of Terror“, oft einfach eine Spur zu verkaspert und nur manchmal treffsicher, daher wirklich nur ein Fall für Fans und Freunde der etwas „anderen“ Filme aus einer Zeit, als wilde, mutige Filmemacher noch hemmungslos drauflos gedreht haben. Wer sich dazu zählt, ein Versuch schadet nicht. Niemals schlecht, nicht wirklich gut, aber nah dran. Selbst für Corman einen Hauch zu gaga. Bad Taste steht ihm besser als jugendfreier Blödsinn.

5,5 von 10 werkgetreuen Umsetzungen.

Review: AUßERGEWÖHNLICHE GESCHICHTEN - Feurige Gäule, nervige Doppelgänger und der pure Wahnsinn

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Fakten:
Außergewöhnliche Geschichten (Histoires extraordinaires)
FR, IT, 1968. Regie: Roger Vadim, Louis Malle, Federico Fellini. Buch: Roger Vadim, Pascal Cousin, Louis Malle, Clement Biddle Wood, Daniel Boulanger, Federico Fellini, Bernardino Zapponi, Edgar Allan Poe (Vorlage). Mit: Jane Fonda, Peter Fonda, Alain Delon, Brigitte Bardot, Terence Stamp, James Robertson Justice, Salvo Randone, Francoise Prévost, Marlène Alexandre, David Bresson, Peter Dane, Georges Douking, Philippe Lemaire u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.



Story:
Drei Regisseure setzen drei Geschichten von Edgar Allan Poe um. Eine despotische Gräfin wird ein geheimnisvolles Pferd zum Verhängnis, ein Mann wird sein Leben lang von einem Doppelgänger verfolgt und ein Schauspieler begegnet dem Leibhaftigen.






                                                                           
Meinung:
Ein hochinteressantes, partiell großartiges – sogar meisterhaftes – Kleinod. Drei namenhafte Regisseure verfilmen drei Geschichten von Edgar Allan Poe, zusammengefasst unter dem eher unspektakulären Titel „Außergewöhnliche Geschichten“. Wie so oft sind nicht alle Teile gleichwertig, was eine Bewertung insgesamt erschwert und besonders denen nicht gerecht wird, die herausstechen. In diesem speziellen Fall fällt leider die erste Episode von Roger Vardim („Barbarella“) etwas aus dem qualitativen Rahmen, sonst wäre das ein wirklich außergewöhnlicher, fantastischer Film. Louis Malle („Fahrstuhl zum Schaffot“) steigert sich bei seiner Episode deutlich und Federico Fellini („La Strada“) veredelt das Werk mit seinem finalen Beitrag, der nicht weniger ist als ein Meisterwerk und allein schon das Ansehen mehr als nur rechtfertigt.


1. Metzengerstein.
Eine junge, bildhübsche Gräfin regiert grausam über ihr Reich. Jane Fonda strahlt mit ihrem (von Ehemann Roger Vardim) lassiv in Szene gesetzten Sexappeal eine enorme Kraft aus, eine weibliche Version des Caligula, zwischen purem Sadismus und sündhaften Orgien. Als sie ihr Cousin (Peter Fonda) zurückweist, schlägt die verwöhnte Göre zurück, geht einen Schritt zu weit und beschwört damit ihr eigenes Ende herauf, welches in Form eines mysteriösen, schwarzen Hengstes sie symbolträchtig ins Fegefeuer führt.


Die idyllischen Landschaften der Gräfin.
Die Vorlage ist unverkennbar ein typischer Stoff von Poe (wie auch die weiteren Folgen des Films). Die Hauptfigur – in dem Fall Jane Fonda – ist voller Sünde und erntet am Ende das, was sie einst gesäht hat. Eingeholt von den Geistern der Vergangenheit, von der Schuld, kommt das Schicksal auf geheimnisvollen Sohlen (oder eher Hufen) daher. Die Story hat was, nur gelingt Vardim nicht eine so packende Umsetzung. Die verspielte Ausstattung, der schön bizarre Score und die Präsenz der Fonda stechen hervor, der surreale Touch wird leider nicht so effizient und verstörend ausgearbeitet wie bei Malle und besonders Fellini. Der leicht verruchte Look der Episode sowie sein schmuddeliger Tango von Sex, (sehr) dezentem Grusel und gerechter Strafe üben einen nicht zu leugnenden Reiz aus, der große Funke wird dabei trotzdem nicht entfacht. Ein ganz netter Auftakt, der allerdings nur bedingt Lust auf mehr macht.


2. William Wilson.

Der verzweifelte William Wilson gesteht im Beichtstuhl, einen Mord begangen zu haben. Er erzählt dem Pater seine Lebensgeschichte, in der er seit Kindertagen von einem Doppelgänger verfolgt wird.

 
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Ein schönes Gesicht entstellt nichts.
Schon der Beginn der Episode steckt „Metzengerstein“ locker in die Tasche. Louis Malle begeistert mit einer effektvollen, ausdrucksstarken Inszenierung, hat mit Alain Delon ein wahres Ass im Ärmel und zudem eine deutlich bessere Geschichte erwischt. Das Duo Malle/Delon, unterstützt von einer betörenden Brigitte Bardot, setzt die psychologisch wie moralisch hochinteressante Geschichte um das andere Ich, den bösen oder guten Zwilling, Engelchen und Teufelchen, der fleischgewordenen Antimaterie packend und handwerklich seht stark um. Eine verstörende, clevere Geschichte, die so auch locker einen ganzen Film tragen könnte und von einem Hitchcock nicht besser hätte verfilmt werden können. Hitchcock und Poe, das wäre was gewesen...


3. Toby Dammit.

Ein ehemaliger Shakespeare - Schauspieler kommt nach Rom, um seine gefallene Karriere mit einem religiösen Italo-Western endgültig zu begraben. Er erlebt einen Trip zwischen Wahn und Wirklichkeit, um am Ende den Teufel persönlich zu treffen.


Mit Vollgas in die Hölle.
Die mutigste, extravaganteste und eindeutig beste Episode liefert Federico Fellini ab. Er interpretiert die Vorlage von Poe sehr eigen, transportiert sie in die Gegenwart und macht daraus einen dellirischen Fiebertraum, der auf einem kaum wahrnehmbaren Grat von verzerrter Realität, wunderschön-verstörendem Wahnsinn und psychologischer Dekonstruktion tanzt. Ein surrealer Horrortrip wie bissige Entlarfung und Abrechnung mit dem selbstverliebten, wohl oft idiotischen Zirkus des Filmgeschäfts, das Fellini hier genüsslich und künstlerisch auf höchtem Niveau ohrfeigt. Terence Stamp spielt, als hätte er seine Seele an den Teufel verkauft, Fellini inszeniert es, als wäre er eben dieser. Bilder, Beleuchtung, Einstellungen, Ausstattung, Schnitt, Setdesign, jeder Nebendarsteller und Komparse, alles scheint nicht von dieser Welt. Voller Symbolik und Metaphern schwelgt Fellini in seiner Komposition, kompromisslos und unnachahmlich brennt er ein diabolisches Höllenfeuer ab, welches einen aufsaugt, mitreißt und mit einem grandiosen Ende belohnt. Ein unfassbarer Ritt, ein Genuss auf allen Ebenen, für sich isoliert gesehen ein zweifelloses Meisterwerk.


Am Ende steht das Gesamtwerk: Episode eins schwächelt, zwei gefällt sehr, drei zieht einem die Schuhe aus und gibt sie nicht zurück. Wenn der Auftakt besser wäre, großartig ohne jeden Zweifel. So steigert sich der Film von okay bis famos. Klare Empfehlung und wenn man etwas in seinem Leben gesehen haben sollte, dann Fellinis abartig geile Poe-Variante, die so wohl niemand auch nur versucht hätte. Chapeau.

7,5 von 10 Pferden, Doppelgängern und Ferraris.

Review: DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS - Nicht foltern ohne Hexe, bitte.

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Fakten:
Die Folterkammer des Hexenjägers (The Haunted Palace)
USA, 1963. Regie: Roger Corman. Buch: Charles Beaumont. Mit: Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney jr., Frank Maxwell, Leo Gordon, Elisha Cook jr., John Dierkes u.a. Länge: 87 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich. 


Story:
Vor 110 Jahren verbrannten die Bewohner eines kleinen Dorfes den gefürchteten Charles Dexter Ward, der mit dunklen Mächten im Verbund stand. Kurz vor seinem Tod belegte er die Gemeinde mit einem Fluch. Nun kommt sein Ur-Ur-Enkel Joseph dorthin, um das Anwesen seines Ahnen zu erben, dem er wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Er hat keine Ahnung, was dort damals geschehen ist. Die Dorfbewohner haben jedoch nichts vergessen und fürchten nun, dass die lang angekündigte Rache des Charles Dexter Ward bevorsteht.
                                         


Meinung:
"Der Mensch der dieses Tal betritt, wird in den Häusern Gestallten finden, ungeheuerlich und schrecklich anzusehen. Das Grauen geht hier um und über allem schwebt der Hauch des Todes."

 
"Schatz, wir haben geerbt.."
Inspiriert von Edgar Allan Poe, nach einer Geschichte von H.P. Lovecraft, von Roger Corman mit Vincent Price. Meine Güte, richtig was los in der nicht vorhandenen Folterkammer des angeblichen Hexenjägers. Gefoltert wird nicht wirklich und von Hexen oder ihren Jägern auch keine Spur, da hat die deutsche Titelschmiede mal wieder fleißig was ausgewürfelt. Hauptsache, das klingt schön reißerisch und passt zum Trend der Zeit. Kennen wir ja heute noch. Ende der 60er (als der Film in Deutschland erschien) wurden speziell im europäischen Genrekino gerne Hexen gequält, gefoltert, gejagt und verbrannt, lag also wohl auf der Hand. Ob der Inhalt irgendwas damit zu tun hat, nur ein Detail. Im Original heißt das Ganze "The Haunted Palace", macht deutlich mehr Sinn. 

 
"...besser als nichts."
Vielfilmer und Sparfuchs Roger Corman liefert hier mit Sicherheit eine seiner besten Arbeiten ab, die heute zwar niemanden mehr in Angst und Schrecken versetzen wird, dafür mit mächtig Charme und liebevoller Nostalgie punkten kann. Die Nebelmaschine läuft auf Hochtouren in dem verfluchten Dörfchen Arkham, dessen Bewohner seit einem Jahrhundert vor der angekündigten Rückkehr des Hexenj...äh, des finsteren Irren mit dem Necronomicon und noch so einigen anderen gruseligen Dingern im Keller zittern lässt und sich bis dahin schon mit reichlich missgebildeten Mitbürgern herumärgern müssen. Corman stattet das Szenario mit wenigen (Studio)Locations schön stimmig aus, hält einige nicht ernsthaft überzeugende, aber unter den Umständen schon nette Masken parat und erzeugt ein herrlich angenehmes Schauermärchen. Charakterkopf Vincent Price hält als besessener Teilzeit-Held/Bösewicht den Laden mit seiner dominanten Präsenz zusammen, den Rest erledigt die toll-morbide Geschichte aus dem Kopf von Ekelpaket Lovecraft. Hochspannend ist das nicht, natürlich etwas angetrocknet, macht dafür Spaß. Wenn man so was mag. Hier wurde aus wenig das Maximum herausgeholt, mit Einsatz und Hingabe gearbeitet, da mögen schon damals existente und heute noch viel deutlichere Macken mit einem Zwinkern verziehen werden.

 
Ein Film für Fans und solche, die es werden wollen. Ein schöner Ausflug in die Vergangenheit, der knapp 90 Minuten durch seine altmodische Atmosphäre und sein Herzblut gefangen nimmt, unterhält und sich schlicht prima weggucken lässt. Wer das billig und veraltet nennt, hat nicht ganz unrecht, wen so was nicht abschreckt, kann durchaus zugreifen. Solche gut abgehangenen Schinken mit sanftem Trash-Aroma schmecken immer noch besser als lieblos hingeklatschtes Schnetzelfleisch oder Überwachungskamera-Erschrecker ohne Herz und Seele. Mahlzeit.  

6,5 von 10 verfluchten Dörfern