Review: DIE SPUR DES FALKEN - Wegweiser eines Genres

                                                                                  
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Fakten:

Die Spur des Falken (The Maltese Falcon)
USA, 1941. Regie & Buch: John Huston. Mit: Humphrey Bogart, Mary Astor, Peter Lorre, Sydney Greenstreet, Gladys George, Elisha Cook Jr., Barton MacLane, Lee Patrick, Ward Bond, Jerome Cowan, James Burke, Murray Alper, John Hamilton u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Privatdetektiv Sam Spade und sein Partner Miles Archer werden von der attraktiven Brigid O'Shaughnessy beauftragt, einen Mann zu beschatten, der angeblich eine Affäre mit ihrer Schwester haben soll. Leicht verdientes Geld, doch dann werden Archer und kurz darauf die Zielperson erschossen. Die Polizei verdächtigt Spade. Zunächst, da er unter Verdacht gerät, seinen Partner rächen zu wollen, dann kommt ans Licht, das er eine Affäre mit Archers Frau hat. Spade versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen, stößt dabei aber auf eine Wand aus Lügen, Halbwahrheiten und landet in einer Jagd auf einen wertvollen Vogel.





Meinung:
Ein Schnüffler, dessen Coolness die Hölle einfrieren könnte, eine Frau, die so begehrenswert wie undurchsichtig ist, ein Komplott aus Mord, Lügen und Betrug, Schein und Sein im Halbdunkel, voller kantiger Kerle, falscher Fährten und kein Platz für echte Helden. "Die Spur des Falken" von John Huston gilt als Geburtsstunde des Film Noir, ist sicherlich (und logischerweise) noch nicht fehlerfrei, wurde in der Folgezeit auch noch perfektioniert, aber seine Bedeutung für das Kino dürfte unbestreitbar sein. Und mal abgesehen davon: Selbst nach über 70 Jahren ein unglaublich gutes und mitreissendes Stück Filmgeschichte.


Ein toller Vogel
Der Film lebt von seiner Stimmung, seinem Flair, seiner Atmosphäre, einfach von den Dingen, die sich nicht von jedermann irgendwie hinschustern lassen, das muss funzen oder stirbt auf halber Strecke. Das ist nicht die einzige Qualität dieses Klassikers, aber sie ist sehr entscheidend. Mindestens gleichwertig ist die wendungs- und temporeiche Geschichte, in der der Zuschauer genau so unwissend herumgeschuppst wird wie Obermacker Spade, dessen Rolle von Humphrey Bogart enorm charismatisch mit Leben erfüllt wird. Heute würden sich Feministinnen, jede halbwegs emanzipierte Frau und sicher auch so einige Männer furchtbar darüber aufregen, wie lässig, fast schon abwertend und machoesk sich der Protagonist hier präsentiert, aber hey, das waren die 40er, die Rollen klar verteilt und ein Mann war ein echter Mann, wenn ihm das Testosteron durch die Nase läuft. Bogart verkörpert diese Figur so cool, präsent und im Zeitgeschichtlichem- und Genrekontext kaum ankreidbar, das sollte entspannt weggesteckt werden. Denn im Endeffekt sind die Frauenfiguren kaum besser, nur auf eine andere Art. Sie lassen sich mit billigen Kosenamen anreden, kochen aber in der angepassten Unterwürfigkeit ihr ganz eigenes Süppchen, das nur dadurch funktionieren kann. Die Waffen einer Frau, nur eben eher passiv als aktiv genutzt, fast sogar hinterhältiger.

Bogie boxt sie alle
Inszenatorisch ist Hustons Film noch eine leichte Fingerübung des Genres, dabei aber schon erstaunlich routiniert, das es kaum als solche bezeichnet werden kann. Das Spiel mit Licht und Schatten zieht mit dem Verlauf der Handlung an, wirkt dabei extrem durchdacht und niemals zufällig. Sei es das flackernde Kaminfeuer, der Schriftzug des Detektivbüros, der auf dem Boden reflektiert, die an die Wand geworfenen Schatten, alles ist geplant und für die Gesamtwirkung essentziell. Es ist so düster wie bedrohlich, ohne auf bissigen Humor zu verzichten, da schlägt der Film einen gekonnten Spagat, der sich nie negativ auswirkt. Der Plot ist treibend, interessant und jederzeit spannend, lässt genug im Halbdunkel schweben, dass jede Wendung und jedes Detail dem Drive guttut. Zeitbedingte Alterserscheiungen sind da eher charmant als negativ wirkend, was an der glasklaren Inszenierung und dem tollen Cast liegt. Neben dem Eisbären Bogart spielt sich besonders der erneut bemerkenswerte Peter Lorre in den Vordergrund, dessen Spielfreude sich automatisch auf den Zuschauer überträgt. Der typische Sidekick, der droht die Show zu stehlen, aber gegen Bogart bleibt es beim Versuch.


Ein erstaunlich cleverer, spannender Wegweiser eines Genres, großartig umgesetzt und selbst heute auf hohem Niveau, das sind Filme, die wohl ewig ihren Platz behaupten können. Ein Meilenstein mit kleinen Fehlern, die auf die lange Distanz keine Rolle spielen. Hervorragend!

8 von 10 Klunker-Vögeln

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