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Review: EXORZIST: DER ANFANG & DOMINION: EXORZIST – DER ANFANG DES BÖSEN – Ursprung des Grauens

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Ursprünglich war es Autor und Regisseur Paul Schrader, der das Prequel zum Kulthorror „Der Exorzist“ inszenieren sollte. Doch die Produzenten mochten das Endresultat nicht und ließen Action-Regisseur Renny Harlin große Teile des Films neudrehen. So kam es dazu, dass es gleich zwei Prequels gibt. Unser souli hat sie sich für euch angesehen.





Fakten:
Exorzist: Der Anfang (Exorcist: The Beginning)
USA. 2004. Regie: Renny Harlin.
Buch: Alexi Hawley, Caleb Car, William Wishers. Mit: Stellan Skarsgard, James D’Arcy, Izabella Scorupco, Ben Cross, Julian Wadman, Remy Sweeney u.a. Länge: 116 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich


Story:
Pater Merrin ist ein gebrochener Mann. Der Schrecken des zweiten Weltkrieges hat ihn in eine tiefe Glaubenskrise gestürzt. Doch in Kenia muss er wieder zu seinen Wurzeln finden, denn ein schrecklicher Dämon terrorisiert ein kleines Dorf.





Meinung:
Grundsätzlich ist die Ausgangslage von „Exorzist: Der Anfang“ gar nicht mal so verwerflich. Die Vorgeschichte vom geheimnisvollen Pater Lancaster Merrin und seinem ersten Kontakt mit der dämonischen Macht, birgt durchaus Potenzial und hat mit Stellan Skarsgard einen begabten Schauspieler an vorderster Front, der gut in die Rolle des vom Glauben abgekommene Paters hineinwachsen hätte können. Und der Auftakt macht tatsächlich Lust auf mehr, wenn der strauchelnde Merrin im heutige Kenia eine byzantinische Kirche untersuchen soll, die noch vor der Zeit erbaut wurde, in der das Christentum in Afrika eingetroffen ist. „Exorzist: Der Anfang“ jedoch schert sich genauso wenig um Schauspielführung, wie er sich darum bemüht, dem famosen Original von William Friedkin ein auf ähnlichem narrativen wie inszenatorischen Niveau begegnendes Prequel zu sein. Regisseur Renny Harlin („Cliffhanger“) hält nichts vom sukzessiven Spannungsaufbau und die Allgegenwart einer paranormalen Präsenz erschöpft sich in abgetragenen Schocks und geschmackloser wie effekthascherischer Plakative: Noch gezeichnet von den Erfahrungen des zweiten Weltkrieges, die ihn mit Gott haben brechen lassen, muss er im Finale natürlich einer ehemaligen KZ-Insassin den Deivel austreiben und findet so selbstredend zurück in die Spur: „Nicht Mr. Merrin, sondern Pater! Ein Film, auf den man gerne verzichten würde.


3 von 10 gackernden Hyänen


von souli




Fakten:
Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen (Dominion: The Original Prequel to The Exorcist)
USA. 2005. Regie: Paul Schrader. Buch: Caleb Car, William Wishers. Mit: Stellan Skarsgard, Gabriel Mann, Bily Crawford, Clare Bellar, Ralph Brown u.a. Länge: 111 Minuten. FSK: freigegeben ab16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1947: Turkana, Britisch-Ostafrika Archäologen finden eine byzantinische Kirche. Unterhalb der Kirche finden die Forscher eine Gruft mit Überresten eines teuflischen Opferrituals. Den Wissenschaftlern wird allmählich klar, dass die Kirche nie für Gottesdienste vorgesehen war, sondern als Siegel für die Gruft und dessen Inhalt diente.





Meinung:
Die Produktionsgeschichte ist allerorts bekannt, und wie man das New-Hollywood-Gestein Paul Schrader (Drehbuch zu „Taxi Driver“ - Aber muss das wirklich noch erwähnt werden?) in die künstlerischen Schranken gewiesen hat, ist eine Frechheit. Nachdem aber Ersatzregisseur Renny Harlin mit „Exorzist: Der Anfang“ kommerziell gepflegt auf die Nase gefallen ist, der ganze 90 Prozent von Schraders Film neu inszenierte, war es Schrader doch noch vergönnt, sein Werk fertigzustellen und veröffentlichen zu dürfen. Warum die Verantwortlichen von Warner bei der Sichtung von „Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen“ von deutlichen Bedenken hinsichtlich seines Kinoerfolges heimgesucht wurden, ist offenkundig: Schrader verweigert sich einem erkennbaren Spannungsbogen und konzentriert sich so bestimmt auf den Gewissenskonflikt von Lancaster Merrin, der das Kollar aufgrund seiner Erfahrungen im zweiten Weltkrieg abgelegt hat, dass es sich anfühlt, als hätte „Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen“ einen narrativen Rückwärtsgang eingelegt. Psychologisch ist Merrin greifbarer konditioniert und Schrader legt weit mehr sachliches Augenmerk auf die Differenzen zwischen den kolonialen Behörden und Turkana, die im 5-jährigen Mau-Mau-Aufstand kulminieren sollten. In seiner Langsamkeit jedoch liegt keine vermeidliche Stärke begraben, sondern eine auf Dauer klischeeisierte Erschöpfung.


4 von 10 weißen Kratzen im Schatten


von souli

Review: DEVIL'S PASS - Karrieregrab Found Footage

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Fakten:
Devil’s Pass (The Dyatlov Pass Incident)
USA, GB, RUS, 2013. Regie: Renny Harlin. Buch: Vikram Weet. Mit: Gemma Atkinson, Matt Stokoe, Richard Reid, Holly Goss, Luke Albright, Ryan Hawley, Anastasiya Burdina, Jane Perry u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1959 ereignete sich im Ural ein ungeklärter Zwischenfall: Neun erfahrene Bergsteiger werden tot aufgefunden, Ursache ungewiss. Bis heute existieren unzählige Theorien über ihr Ableben, von Regierungsverschwörungen über Aliens bis hin zu einem Yeti-Angriff. Fünf amerikanische Studenten wollen dem Rätsel auf den Grund gehen und mit ihrer Kamera dokumentieren. Sie begeben sich auf die selbe Route wie einst die Bergsteiger. Was als Abenteuer beginnt entwickelt sich zum Höllentrip.


                                                                            



Meinung:
Einen so desaströsen Abstieg in ihrer Karriere wie der gebürtige Finne Renny Harlin haben wahrlich nur wenige Regisseure in Hollywood hingelegt. Mit „Stirb Langsam 2“ gelang ihm einst der große Durchbruch, mit „Cliffhanger“ etablierte er sich scheinbar im US-Actionkino, um dann – ironischer Weise – ganz langsam zu sterben. Von den kommerziellen Flops „Die Piratenbraut“ und „Tödliche Weihnachten“ konnte er sich nie recht erholen. Von nun an der Mann für etwas aufwändigere B-Movies („Deep Blue Sea“, „Mindhunters“), nach Gurken wie dem Teenie-Mystery-Schmarn „The Convenant“ oder dem WWE-Actioner „Zwölf Runden“ ist der Kerl nun beim Found Footage gelandet. Muss nicht zwingend schlecht sein, nur erscheint dieses Genre oft eher wie eine Notlösung, um eine minderwertige Geschichte und wenig Mittel auf Teufel komm raus irgendwie auf interessant zu hobeln. Genau so etwas ist „Devil’s Pass“.


Happy im Schnee. Noch...
Das Genre mit der Wackelkamera macht eigentlich nur dann Sinn, wenn dieses Stilmittel zumindest den Anschein von „Realität“ vermitteln kann oder sein Mitten-drin-statt-nur-dabei-Prinzip als echte Stimmungs- und Spannungswaffe nutzen kann. Das „Blair Witch Project“ beispielsweise war da recht geschickt. Dank einer cleveren Vermarktungsstrategie und seiner beklemmenden Atmosphäre konnte ein enorm dünner Plot mit praktisch keinem Budget erstaunlich effektiv und (kommerziell) erfolgreich umgesetzt werden. Das Renny Harlin keinerlei Erfahrung mit dieser Art von Filmen hat, ist mehr als ersichtlich. Dieser dümmliche Rohrkrepierer wirkt ungefähr so real wie das Unterschichten-Folterprogramm von RTL am Nachmittag. Anfangs gut gelaunte, auf Abenteuer getrimmte Studenten laufen mit offenen Augen in das offensichtliche Verderben, werden von entweder grimmigen, leicht hinterwäldlerischen und generell immer etwas ungemütlich wirkenden Russen eindringlich-wortgewandt vorgewarnt („Da war was nicht richtig mit ihnen. Noch falscher als mit den Anderen.“), aber das gehört nun mal dazu. Egal, wenn das nach dem üblichen, leicht dusseligen Start mal Fahrt aufnehmen sollte, könnte noch passen.


Biathlon im Ural.
Daraus wird leider nichts. Die merkwürdig-„unheimlichen“ (und zudem sehr spärlichen) Geschehnisse werden so gelangweilt und ohne jeden Versuch von Suspense und Bedrohung abgespult, selbst Hubba-Bubba zieht sich nicht so. Die unsympathischen, nervigen Figuren blubbern fast eine Stunde lang uninteressantes Gewäsch in die Kamera, warum musste das jetzt noch mal Found Footage sein? Richtig, sonst wäre das niemals in Produktion gegangen. Hätte sonst zu viel gekostet und könnte nicht auf den Zug des Sub-Genres aufspringen, mit dem sich (hier wieder der Vergleich zum großen Privatsender) mit wenig Aufwand eventuell ein guter Dollar verdienen lässt.


Nicht schön, aber selten.
Wenn „Devil’s Pass“ dann ENDLICH mal zur Sache kommt, wird es erschreckender Weise nicht besser. Ja, nun passiert wenigstens etwas, das Grüne-Augen-Nachtlicht darf auch eingeschaltet werden und, wer hätte es gedacht, unsere Explorer-Dödel machen doch tatsächlich eine Wahnsinnsentdeckung. Das ist eigentlich ganz nett-blöd, wenn man es nicht so ernsthaft versuchen würde zu verkaufen. Wieder so ein Found Footage-Problem. Wenn es nicht schockt, ist es nicht trashy-unterhaltsam, sondern nur blöd-billig. Natürlich ist es irgendwie komisch, wenn unsere Schlaumeier bei den absurdesten Ereignissen immer noch wissenschaftlich analysieren („Das macht Sinn.“ Echt jetzt?!), das ist allerdings ganz kurzer Galgenhumor. Aber immer wieder erstaunlich: Egal, wie lebensbedrohlich die Situation wird, die Handkamera fängt immer alles ein, im Sinne der Aufklärung. Lieber mit Bildmaterial für die Nachwelt sterben, als zu überleben und dann glaubt einem keiner. Das muss so ein Film natürlich machen, wir wollen (oder auch nicht) das ja schließlich sehen, nur könnte man das vielleicht etwas geschickter verkaufen. Obwohl das bei so einem Ding auch keiner Rolle mehr spielt.


Wozu ist „Devil’s Pass“ unterm Strich gut? Vielleicht um zu demonstrieren, dass in Hollywood Ruhm sehr schnell vergänglich ist. Oder um eine Petition ins Leben zu rufen, nur noch Found Footage zu machen, wenn es wirklich sinnvoll und gut gemacht ist. Das ist selten, aber es hat ja seinen Grund, dass es bis vor einigen Jahren kaum solche Filme gab. Wo kann ich unterschreiben?

1,5 von 10 Spuren im Schnee.

Review: MINDHUNTERS - Profiler-Island

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Fakten:
Mindhunters
USA, 2004. Regie: Renny Harlin. Buch: Wayne Kramer, Kevin Brodbin. Mit: Kathryn Morris, LL Cool J, Christian Slater, Johnny Lee Miller, Clifton Collins jr., Patricia Velasquez, Val Kilmer, Eion Bailey, Will Kemp, Cassandra Bell u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als finale Prüfung werden 7 angehende FBI-Profiler von ihrem knallharten Ausbilder Harris auf einer Insel ausgesetzt, die sonst zu Übungen der Navy Seals genutzt wird. Dort wird ein Serienkillerfall unter realistischsten Bedingungen simuliert, der die Spreu vom Weizen trennt. Kaum hat sie Simulation begonnen, stirbt einer von ihnen einen qualvollen Tod. Die restlichen sechs müssen sich eingestehen, dass ein echter Killer auf der Insel sein Unwesen treibt. Aus Training wird blutiger Ernst und das Misstrauen wächst. Einer von ihnen muss der Psychopath sein, der den nächsten Todesfall sogar zeitlich exakt ankündigt.


                                                                                      
 
Meinung:
Reststarruhm der 90er versammelt sich in einem Wannabe-Look-alike-A-Movie, welches nur ein B-Movie des damals noch jungen Jahrtausends ist, mit allen Schwächen, aber immerhin auch so was wie Stärken. "Mindhunters" ist im Kern natürlich nichts anderes als das 10-(in dem Fall eher 7)-kleine-Jägermeister-Prinzip, eingebettet in einer überkonstruierten, mit fortlaufender Spielzeit immer haarstreubenderer Story, die nach ganz strengen Kriterien gnadenlos in der Luft zerrissen werden könnte. Aber da zieht dann halt der B-Movie-Joker, was will das Ding denn eigentlich von mir? Es will mich unterhalten, ist sich seiner Unglaubwürdigkeit (hoffentlich, mal grob geschätzt) sicherlich total bewusst und bedient sich fleißig in der Genre-Klischee-Kantine, dabei aber immerhin flott und kurzweilig aufgewärmt.


So sehen Profis aus...
Yes, of course, sieben angehende FBI-Profiler, von denen (wie sich später herausstellt) jeder selbst ein mittelschweres Trauma oder eine Zwangsneurose mit sich rumschleppt (Pack schlägt sich, Pack verträgt sich) werden vom sadistisch-perfiden CSI-Academy-Harris (nicht ein  selbstironischer G.W. Bailey, sondern ein grimmiger, bierernster Val Kilmer) auf die Serien-Killer-Manöver-Insel verfrachtet, auf der selbst das allmächtige Auge der totalen Überwachung zu blöd für DEN Maulwurf der Killer-FBI-Geschichte ist. Wer der klischeehaft zusammengewürfelten Hampelmänner (und Frauen, Emanzipation ist wichtig) denn nun der (scheinbar) motivlose, handwerklich enorm geschickter Hobbybastler und Uhrenfetischist ist, darum dreht sich "Mindhunters". Einer ist es, klarer Fall, nur ist es die verschrobene Blondine mit der Nichtschwimmerschwester, der coole Typ, der früher mal ein Star war, der Quoten-Neger mit den Tatoos, Sick-Boy auf H-Entzug, die heiße Braut, die keiner kennt, der Rolli-Fahrer (bestimmt!), die anderen Opfer...äh, Stars...oder der Harris mit der dicken Lippe. Who is it?

Er ist nicht der Killer...wahrscheinlich.
Klingt enorm doof und mal genau genommen, kaum abzustreiten. "Mindhunters" schlittert oft sehr knapp an Blödsinn und Trash vorbei, macht aber tatsächlich Spaß. Eben weil wohl jedem klar sein sollte, das ist etwas sehr weit oben drüber. Der Film hat Drive, kaum Längen, und Abziehbilder-Galiosfiguren, deren übertrieben-brutale Dahinscheidungen als drollig bewertete werden können (der blaue Gnadenflatschen der FSK, verglichen mit sonst verstock-arschten Entscheidungen, ist lustig und bezeichnend für die planlose Willkür). Hier wird mehr gebastelt als auf der Waldorfschule, Glaubwürdigkeit (trotz bemüht cleverer "ich hab das vorher gewusst" Klugscheißerei) ist schwer auszuklammern, dann macht das ansprechend umgesetzte Killer-Die-Very-Hard-Spektakel sogar Freude. Ernst nehmen geht gar nicht, wenn das der Sinn war, Fehlschuss. Aber selbst wenn nicht: Das Endprodukt erwischt den Tellerrand, zwischen "auf den Boden gefallen" und "das kann man doch noch essen"...Dreck reinigt den Magen, angeblich...wie "Mindhunters".

6 von 10 Timetables

Specials: Yipee Ki-Yay, ihr Schweinebacken - Jackos STIRB LANGSAM-Rückblick

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Aktuell läuft der nun mehr fünfte Teil der „Stirb Langsam“-Serie in unseren Kinos. Die Reihe, rund um Cop und Anti-Held John McClane, gilt längst als legendär. Unsere Schweinebacke Jacko hat sich die ersten vier Filme* noch einmal vorgenommen und zu jedem Abenteuer von McClane seine Meinung hinterlassen. Wir wünschen euch viel Spaß. Ach ja, wenn ihr wissen wollt wie „Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ bei uns abgeschnitten hat, hier geht es zu unserer Review.




STIRB LANGSAM

"Vielleicht der perfekte Actionthriller"



Ein Jahr nach seinem Testosteron-Dschungelcamp mit extraterrestrischen Großwildjäger ist es John McTiernan tatsächlich gelungen, seinem Folgefilm die Krone des Actiongenres aufzusetzen, die er bis heute, trotz aller Putschversuche mit Stolz tragen darf.  An "Die Hard" muss sich alles messen, was die Bezeichnung Actionthriller für sich beanspruchen will. Nach 25 Jahren, dem enormen technischen Fortschritt und dem für Hollywoodfilmen absurd hohen Budgetmöglichkeiten lässt es sich kaum in Worte fassen, was diesen Film über die Jahre nicht nur ewig jung, sondern darüber hinaus unübertroffen macht. Den Versuch ist es trotzdem wert...


Ohne Pullover auf dem kalten Boden. Das gibt ne Erkältung
Zeitbedingt sollte dieser Erklärungsansatz wohl damit beginnen, dass er sich schon vom Ansatz von den bis dahin typischen Actionkrachern abhebt. Die Helden des 80er Actionkinos und ihre Filme waren ganz anders gestrickt. "Die Hard" beginnt nicht mit einem Knalleffekt, keiner wuchtigen Radausequenz, um das Publikum sofort auf Krawall zu bürsten. Kein lauter, knackiger Vorspann, keine fetzige oder heroische Titelmusik. Es ist ruhig, fast besonnen. Ein Mann will seine Frau zu Weihnachten überraschen und sucht sie an ihrem Arbeitsplatz auf. Dieser Mann ist vielleicht nicht der 08/15 Typ der beim nächsten Windstoß droht umzukippen, aber auch kein Übermensch. Er ist kein Muskelberg mit Sonnenbrille und langer Mähne, der in Lederjacke und Motorrad durch die Gegend knattert. Ein recht sympathischer Kerl mit schon leicht hoher Stirn. John McClane scheint nicht unverwundbar oder unbesiegbar, besonders Ersteres wird sich im Verlauf der nächsten 2 Stunden herausstellen.


Allein dadurch wirkt "Die Hard" ganz anders: Er ist ernst zu nehmen, damals wie heute, von Beginn an bis zum Schluss. Was Regisseur John McTiernan und die Autoren Jeb Stuart und Steven E. De Souza hier kreiren ist ein Szenario, das sich kontinuierlich steigert, sich niemals vollkommen übertriebenen darstellt und dabei so einen Druck macht, dass das Adrenalin beim Zusehen aus der Nase läuft.


Mrs. McClane und Sirius Sn... äh, Hans Gruber
Es ist diese Situation einer gegen alle, auf vielleicht nicht engstem, aber begrenztem Raum. Dieser Eine ist barfuß und im Unterhemd unterwegs, leidet, blutet und kämpft verzweifelt gegen eine Übermacht. McClane ist der Held, der improvisiert, kurzzeitig droht zu verzweifeln, aber sich festbeißt und niemals aufgibt. Bruce Willis glänzt nicht nur durch seine Präsenz, er bringt das nötige darstellerische Talent mit, um diese Figur für den Zuschauer jederzeit glaubhaft zu verkörpern, mit ihm zu leiden und zu bluten. Dennoch geht ihm mal ein flotter Spruch über die Lippen, was seiner Figur im Bezug auf die vorherigen Punkte aber nie schadet. Es ist Galgenhumor, pure Wut, zum Teil auch Hilflosigkeit, aber vor allem eine "Leck-mich-am-Arsch-ich-gebe-nicht-auf"-Attitüde, die ihn dazu treibt. Das ist nachvollziehbar, menschlich. Eben nicht die Kampfmaschine, die über den Dingen steht. Sein Gegenpart, der eiskalte Hans Gruber, steht McClane beim Charisma in nichts nach. Ein intelligenter, durchtriebener Mistkerl, brandgefährlich und mit allen Wasser gewaschen, was der Film im letzten Drittel sehr geschickt aufgreift. Alan Rickman liefert eine Glanzleistung ab, selten waren sich Protagonist und Antagonist in ihrer Präsenz und Leistung so nahe.


"Die Hard" gelingt das seltene Kunststück, in praktisch allen Punkten alles richtig zu machen. An der Stelle sei auch Jan de Bonts großartige Leistung als Kameramann und der hervorragende Score gelobt. Das trägt maßgeblich zur Atmosphäre bei, die hier so knüppeldick ist wie bei ganz wenigen Actionthrillern.


Wie kann es am besten beschrieben werden? "Die Hard" war seiner Zeit voraus, hat das komplette Genre umgekrempelt und wurde niemals übertroffen. Vielleicht der perfekte Actionthriller, zumindest verdammt dicht dran. Yippie Ki-Yay, Motherfucker!

10 von 10 Glasscherben in der Fußsohle




STIRB LANGSAM 2

"ein mit der heißen Nadel gestricktes Sequel"



Alle Jahre wieder ist der falsche Mann zur falschen Zeit am falschen Ort. Statt einem Wolkenkratzer gilt es nun einen Flughafen von skrupellosen Gangstern zu säubern. Der Szenenwechsel war natürlich notwendig und gibt dem zweiten "Die Hard" einen nicht ganz so beengten Anstrich wie seinem grandiosen Vorgänger. John McClane ist diesmal auch theoretisch nicht vollkommen auf sich gestellt, genug Helfer sind ja nun mal vor Ort, praktisch erledigt er das Ganovenpack erneut im Alleingang. Was bleibt ihm auch anderes übrig, denn so richtig hilfreich ist hier kaum jemand. McClane wird in einer Tour angemault und ihm mit Konsequenzen gedroht, obwohl er der Einzige ist, der dem ganzen Treiben effektiv Einheit gebietet.


McClanes ganz eigene Interpretation von Santas Schlitten
Am Feinschliff des Drehbuchs lässt sich leider erkennen, dass "Die Hard 2" doch relativ schnell nach dem wahnsinnigen Erfolg des Originals geschrieben werden musste. Warum McClane von Beginn an wie ein Störenfried behandelt wird und sich die Beteiligten lange Zeit nur gegenseitig auf den Füßen stehen ist zwar "sinnvoll", um McClane erneut in ein Einer-gegen-Alle-Szenario zu schicken, glaubwürdig ist es jedoch nicht. Auch sonst hat das Skript mit dem einen oder anderen Logikfehler zu kämpfen. Warum die Flugzeuge stundenlang und bis zum letzten Tropfen Kerosin über dem Flughafen kreisen, anstatt alternative Landungsmöglichkeiten anzusteuern? Damit es spannend bleibt. In Anbetracht der Tatsache, dass "Die Hard 2" ein Schnellschuss war, ist er aber auch bemerkenswert gut gelungen. Die angesprochenen Drehbuchholperer sind zwar nicht zu übersehen, aber mal ehrlich, wen juckt es? Erstaunlich, dass vor allem der Regisseurwechsel sich nicht als Schlagloch herausstellte.


Regisseur Renny Harlin, der zuvor "Nightmare On Elm Street 4" gedreht hat, also im Big-Budget Kino Hollywoods ein relativ unbeschriebenes Blatt war, lässt das (vorübergehende) Ausscheiden von John McTiernan verschmerzen. Denn Handwerklich lässt sich über "Die Hard 2" kein schlechtes Wort verlieren. Die Action ist rasant, knallhart und exzellent eingefangen. So was wie Langeweile oder auch nur kurze Längen sind nicht existent. Mit einem Mordstempo wird der mal wieder bemitleidenswerte McClane von einer Schießerei in die nächste tollkühne Halsbrecheraktion gejagt, springt dem Heldentod immer nur hauchdünn von der Schippe und muss wieder ordentlich Federn lassen. Willis geht in seiner Paraderolle erneut voll auf und festigte damit seinen Ruf als der neue Actionstar am Hollywoodhimmel. Zu Recht. "Stirb Langsam 2" erreicht nicht das fast perfekte Original, ist dennoch erstklassiges Actionkino ohne Atempause und Adrenalin bis in die Haarspitzen. Für ein mit der heißen Nadel gestricktes Sequel schon fast unheimlich gut.

8 von 10 weihnachtliche Ausflüge mit dem Schleudersitz




STIRB LANGSAM - JETZT ERST RECHT

"großartig durchkomponiert wie inszeniert"




Nachdem in Los Angeles und Washington hart und gar nicht mal so langsam gestorben wurde, darf John McClane endlich in seiner Heimatstadt die Kuh fliegen lassen. Diesmal ist jedoch einiges anders als sonst. "Die Hard With A Vengeance" geht gleich in mehrerer Hinsicht andere Wege.


Weihnachten ist wieder sicher, dafür gibt es eine explosive Schnitzeljagd quer durch die Millionenmetropole. Kein Wolkenkratzer, kein Flughafen, dass Spielfeld ist größer als jemals zuvor. Mittendrin der Mann mit dem naturgegebenen schlechten Timing, doch selbst das ist nicht mehr purer Zufall. Erstmals wird McClane gezielt in die Ereignisse involviert und hat noch nicht mal Zeit, seinen Kater auszuschlafen. Wie gemein!


Zeus hat sich seinen Tag gewiss anders vorgestellt
Die entschiedenste Änderung zu den Vorläufern: Die One Man Show wird zum Buddy-Movie. McClane und sein Partner Zeus, der wohl nie wieder einen grenzwertig gekleideten Weißen ansprechen wird, jagen gemeinsam mit dem Taxi durch den Gegenverkehr, springen von Brücken und frotzeln sich dabei gegenseitig an. Diese entscheidende Änderung lässt sich unter dem Aspekt des bisherigen Geistes der Reihe sicher kritisch sehen, "Die Hard" nähert sich hier mehr "Lethal Weapon" an. Doch wenn, dann so: Es funktioniert nämlich prächtig. Die Chemie zwischen Willis und Jackson stimmt jede Sekunde und seine Identität büßt die Serie dadurch nicht ein. Regierückkehrer John McTiernan hat das Geschehen jederzeit im Griff und verliert trotz der zahlreichen Neuerungen nie seine Linie. Ohne jeglichen Vorlauf, ganz anders als bei seinem Erstling, werden die Spiele eröffnet. Mit einer enormen Rasanz und Dynamik treibt er die Handlung voran, dass Tempo hängt niemals durch. 


Die offensichtlichen, wenn auch in der Gesamtwirkung nicht so tragischen, Drehbuchschwächen von Teil 2 gehören der Vergangenheit an."Die Hard With A Vengeance" wirkt hervorragend durchdacht und verläuft nie zu vorhersehbar. Bis zum Schluss darf der Zuschauer kaum Luft holen und bekommt obendrein eine erstklassige Inszenierung. Das ist handfestes Unterhaltungskino auf ganz hohem Niveau. Doch nicht nur McTiernan kehrt zurück, auch die deutsche Gründlichkeit und Präzision erlebt ihr Comeback. Mit Jeremy Irons hat McClane wieder einen Gegenspieler auf Augenhöhe. Nichts gegen das Duo Sadler/Nero aus Teil 2, doch "Simon" ist da eine ganz andere Hausnummer. Seine erste große Szene, in der es der Film sogar wagt, McClane und Zeus minutenlang aus den Augen zu verlieren, ist großartig durchkomponiert wie inszeniert. Das sorgt für eine Qualität, die jeden Actionfilm aufwertet.


Fazit: Auch wenn ich persönlich den barfüßigen McClane mit seiner Einzelgängernummer bevorzuge, der dritte "Die Hard" ist hochspektakuläres, wahnsinnig unterhaltsames Männerkino, der die Schnittstelle zwischen Oldschool und (damals) Modernem exakt trifft.

8,5 von 10 stressfreie Spaziergänge durch den Central Park




STIRB LANGSAM 4.0

"Es ist mit Sicherheit sogar Wisemans bester Film"



Ist John McClane langsam zu alt für diesen Scheiß? Nein, nur technisch nicht mehr auf der Höhe. In 12 Jahren hat sich viel getan. Die Welt ist ein einziges Netzwerk. Wer sich dort auskennt, braucht keine rohe Waffengewalt, einfache Geiselnahmen und tonnenweise Sprengstoff, nur die entsprechende Technik und das Knowhow.


Der vierte "Die Hard" geht ganz mit der Zeit und thematisiert die moderne Art des Verbrechens, Cyberterrorismus. Ganz bewusst steht dagegen der alte Haudegen John McClane, für den alles was weitergeht als Handy und Google wie böhmische Dörfer ist. Ein Dinosaurier, der sich auf handfeste Sachen versteht, angesichts dieser neuen Form der Bedrohung jedoch fast hilflos wirkt. Als Ausgleich bekommt er mit Matt Farrell einen Sidekick, für den ein aufgeschürftes Knie schon eine ernsthafte Verletzung bedeutet, sich dafür in der neuen Welt bestens auskennt.


Der Hacker und die Glatze: Justin Long und Bruce Willis
Der Versuch das Alte mit dem Modernen kollidieren zu lassen ist sicherlich nicht der falsche Ansatz, doch letztendlich leidet darunter der ursprüngliche Charme des "Die Hard" Universums. Denn nicht nur thematisch, auch inszenatorisch hat sich die Reihe dem Zeitgeist angepasst. Mit Len Wiseman sitzt nun ein Mann auf dem Regiestuhl, der für "modernes" Actionkino steht, was sich im Bezug auf das Franchise als nicht besonders glückliche Wahl herausstellt. Nicht nur die Bedrohung, auch die Action kommt aus dem Rechner. Optisch ist das natürlich spektakulärer, kann dabei aber niemals die Dynamik und Wucht erzeugen, die "Die Hard" bis dahin so außergewöhnlich gemacht hat. Gegenspieler, die katzengleich von Häuserdächern springen oder nahezu unverletzt aus einem Hubschrauber fallen, das hat mehr was von "Underworld" als "Die Hard". Autos, die fern jedem Realismus durch die Luft fliegen und als Geschoße dienen, das sieht zwar knallig aus, doch waren die ruppigen Feuergefechte und Faustkämpfe der Vorläufer nicht besser? Klar, auf jeden Fall.


Dem vierten "Die Hard" gelingt es selten, den Flair der bisherigen Serie aufleben zu lassen. Trotz langer Planungsphase ist selbst das Drehbuch nicht gerade besonders gut ausgepfeilt, das Tempo wird immer wieder ausgebremst. Die Atmosphäre der Atemlosigkeit, die sonst ein Markenzeichen war, ist nicht mehr durchgehend vorhanden. Rasanz haben die Actionsequenzen zweifellos, nur auf einem ganz anderen Level als sonst. Die handwerkliche Perfektion ist technischem Aufwand gewichen. "Die Hard" hat ein gutes Stück Seele verloren, das sich nun mal nicht downloaden lässt. Woran es diesem "Die Hard" mangelt, lässt sich leider auch in seinem Antagonisten feststellen. Timothy Olyphant darf sich ganz ans Ende der sonst charismatischen Schlange von Bösewichten stellen. Mit seinem bemüht-grimmigen Froschaugenblick bleibt er blaß und konturenlos.


Viel Kritik, aber ein schlechter Film ist es trotzdem nicht. Trotz aller Mängel, die in erster Linie durch den Vergleich mit den Vorgängern entstehen, ist es ein überdurchschnittlicher Actionfilm geworden, der durchaus seine Momente hat und unbestritten unterhalten kann. Es ist mit Sicherheit sogar Wisemans bester Film, nur sieht man leider, dass es seiner ist. Ein insgesamt befremdlich steriler Beitrag, trotz seines Unterhaltungswerts. Unter anderen Voraussetzungen wohl sogar sehenswert, so nur ganz gut.

6,5 von 10 polierten Willis-Glatzen


*Alle Filme sind auf DVD und Blu-ray erhältlich.