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LOGAN - THE WOLVERINE - Das Duo der Grimmigkeit on the road zum Comic-Abgesang

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Fakten:
Logan – The Wolverine (Logan)
USA. 2017. Regie: James Mangold. Buch: Len Wein, Christopher Yost, Craig Kyle, Michael Green, Scott Frank. Mit: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen, Boyd Holbrook, Stephen Merchant, Elizabeth Rodriguez, Richard E. Grant, Eriq La Salle, Elise Neal, Quincy Fouse, Al Coronel, Frank Gallegos, Anthony Escobar, Reynaldo Gallegos, Krzysztof Soszynski, Stephen Dunlevy u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 2. März 2017 im Kino.


Story:
Im Jahr 2029 gibt es kaum noch Mutanten. Charles Xavier (Patrick Stewart) und Logan aka Wolverine (Hugh Jackman) müssen versuchen, mit dem Verlust der X-Men zurechtzukommen. Zusätzlich haben die beiden Männer mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen, denn während die Alzheimer-Erkrankung von Professor X fortschreitet, bildet sich Logans Selbstheilungskraft langsam zurück.Unterdessen planen Menschen wie Dr. Zander Rice (Richard E. Grant) und Donald Pierce (Boyd Holbrook) die Entwicklung einer mächtigen Waffe und setzen dafür die wenigen überlebenden Mutanten gefangen, die sie finden können. Für Logan gilt es deshalb, sich ein letztes Mal aufzuraffen, um sie zu besiegen und im Zuge dessen ein Mädchen namens Laura (Dafne Keen) zu retten, das sein junger weiblicher Klon ist.





Kritik:
Macht mal halblang mit dem ganzen Hype - James Mangold ist kein Zauberer, selten ein bemerkenswerter Regisseur, auf jeden Fall weiterhin nicht derart vom Genre abgekoppelt, dass man seines „Logan“ wegen eine Sternstunde für den Superhelden-Eintopf ankündigen müsste. Ein Ausnahmefall ist dennoch gegeben, so wie sich die X-Men-Marke Wolverine hier als Mythos verselbstständigt und mit einem R-Rating bewaffnet auf die Wahrhaftigkeiten des unsterblichen Heldenstatus hinsteuert, Zyklen der (Selbst-)Aufgabe mutagener Individuen als Roadtrip cineastischer Americana aufarbeitet. Man kann nicht aus seiner Haut – jenes Leitthema wird folglich Urheber aller Stärken und Schwächen jenes grimmigen Comic-Abgesangs, welcher es sich zudem noch explizit aus „Mein großer Freund Shane“ ausleihen muss, um seine Position für alle Zielgruppen ersichtlich darzustellen. An Subtilitäten mangelt es daher schon von Anfang an, wenn es um die Vermittlung der Lage Amerikas um 2029 geht, immens dem gegenwärtigen Zeitgeist der Angst vor dem Rechtsruck angepasst: Da steht schon die Mauer zwischen Texas und Mexiko, die Umwelt ohnehin voll sinestrer Gangs, Prollpatrioten, Schergen in immer wiederkehrerenden Jeep-Kolonnen, angeführt von einem Bösewicht namens Donald (Boyd Holbrook) – später gibt es sogar „Make corn great again“ und Folter oben drauf, falls die Sozialkritik bis dahin noch nicht durchsichtig genug war. Im Schatten solch dystopischer Zustände sind Mutanten wie Logan (Hugh Jackman), Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) oder der Albino-Hellseher Caliban (Stephen Merchant) der jahrelangen Verfolgung her rar geworden und binnen karger Verstecke auf permanenter Flucht, wobei insbesondere erstgenannter Ex-Hero mit Adamantium-Klingen allmählich jede Hoffnung aufgegeben hat.


Um die eigene Sterblichkeit beraubt und mit immer schwereren Verletzungen in lediglich physischer Selbstheilung erfahren, boxt und schlitzt er als Chauffeur noch die letzte Knete durch, doch er hat die Schnauze voll und den Suizid als letzte schleichende Amtshandlung ins Auge gefasst. Mit jener Abgeklärtheit brüstet sich der Film dann auch in eine Gangschaltung der Räude hinein, wie er sich im Vergleich zum Rest des Franchise freier und menschlicher äußern kann, aber inhaltlich ständig um dieselben Konflikte wie bisher greift, jede Handlungsentwicklung und emotionale Deutung so ausformuliert vorwegnimmt, wie die Geradlinigkeit des Scripts ohnehin abseits einer Spannungskurve arbeitet. Es fällt also teils frustrierend repetitiv aus, wie man das Einschreiten der Bösewichte als Pflichterfüllung runterzählt, gleichsam Topoi aus der Mottenkiste wie „Du kannst ja doch sprechen!“, bösen Wissenschaftlern und reaktionären Rednecks wieder begegnet, während das Spektrum charakterlicher Entwicklungen bei einer Laufzeit von über zwei Stunden konsequent klein gehalten wird. Man kann nicht aus seiner Haut und da könnte man Hugh Jackman und Co. Eintönigkeit unterstellen, wenn denn nicht das Engagement zum Dauerzustand so genüsslich ruppig umgesetzt wäre, in der Verweigerung der Selbstreflexion umso dringlicher die Spannung an Entscheidungen ballt, eben den Ausbruch ins Ich staut, ohne Brotkrümel des Pathos auf dem Weg verstreuen zu müssen. Die Spitzen dazu finden sich höchstens in der simplifizierten, aber nicht allzu grellen Abarbeitung bestimmter Lebensmodelle, wie jene der Arbeiterklasse binnen der Bilderbuchfamilie Eriq LaSalles, während man als Zuschauer am ehesten an Action-Schauwerten hängt, die anhand der Eskalation rabiater Körperschnitzelei in Szenarien direkt aus „Universal Soldier“ und „Kinder des Zorns“ leiten.


Japp, auch Kids dürfen hier einen Blutsturm entfesseln, was in Zeiten von „Stranger Things“ und „Kick-Ass“ zum guten Ton gehört, mit Neo-Mutantin Laura (Dafne Keen) im hiesigen Werk dann auch ein Maskottchen erhalten, das vielerlei Charakteristika, Traumata sowie Erinnerungen der (Un-)Schuld und des Missbrauchs mit unserem Titelhelden teilt, Beschützerinstinkte weckt, aber mitunter mehr austeilen kann als der alte Wolf. Xavier im Rollstuhl, tatsächlich noch das drolligste Mitglied im Trio auf Abwegen, vergleicht das mit der Rolle einer Löwenmutter, inzwischen ist dessen Gehirn via Demenz jedoch zur Massenvernichtungswaffe geworden. Bei der Druckwelle an Psi-Kräften muss man unbedingt jene Szene gesehen haben, in der sich Logan durch Hotelflure und Bösewichte ratscht, während die Leinwand lautstark im Mentalblock wackelt! Sie ist auch eine der wenigen Innovationen in diesem Best-Of an meist ernstgenommener Comic-Ikonographie, das zudem mit den Merkmalen des Westerns, der „Mad Max“-Endzeit, der inländischen Wurzel des home of the free, der Sehnsucht aufgelöster Grenzen und natürlich Johnny Cash oben drauf anbandelt. Wie man's schon liest, ist Innovation dann vielleicht auch nicht sooo wichtig, wenn die reichhaltige Mischung jenes Best-Ofs Punktlandungen der Effizienz erfüllt. Herrje, die Prämisse ist ja auch irgendwo ein Traum kompakter Wunscherfüllung, allein von der Optik und Präsenz der Grundstimmung her ambitionierter, intimer, ehrfürchtiger und behutsamer, als man es sich nach einem Ursprung wie „X-Men Origins: Wolverine“ je erhofft hatte. Kleine Schönheitsfehler fallen trotzdem auf und hemmen manch Bindung ans verkappte Charakterkino – z.B., wenn Marco Beltramis Score anfangs noch allzu platt darauf hinweist, welche Szene (eigentlich jede) von sentimentaler Bedeutung ist und wie man sich fühlen soll, obgleich das Visuelle an sich schon jede Entdeckung pointiert gewichtet. Im Verlauf wird die Mucke dann auch öfters abgeblendet, um den Moment für sich selbst wirken zu lassen, wenn man auch von der Melodramatik des Genres nie ganz Abschied nehmen wird.


An anderer Stelle jedoch versagt jene Melodramatik und springt konfus von einem Ton in den nächsten, wenn das Dahinscheiden einer beliebten Figur mit einer splattrigen Häckselarbeit nebenan verknüpft wird. Und dann gäbe es ja ohnehin diese Diskrepanz zwischen einer Antagonistenfront, die als hassliebenswert vorbereitet, von der Inszenierung her jedoch konstant im Muss-jetzt-sein-Faktor fallen gelassen wird. Da gibt’s bestimmt noch einige dramaturgische Mängel mehr in petto, im Endeffekt verstärkt der Film daran sowie via dufter Kuriositäten im Detail aber eher noch die Empathie zum ambivalenten Pflichtgefühl seines Helden und dessen Genres, wenn er sich und den narrativen Strukturen/Längen um seiner selbst überlassen ist, im hohen Alter immerhin die volle Wut ausspielen kann und dafür von der nächsten Generation bewundert wird, der er auch im Strom an Enttäuschungen und Vergänglichkeiten zu sagen weiß: Werdet nicht so und macht nicht das, wofür man euch geschaffen hat. Solchen Extremen dichtet der Film zudem noch eine Vorzeigedualität an, die dann wieder darauf hinführt, woran die X-Men an sich zeitlos bleiben werden, nämlich an der Einigkeit füreinander und gegen das Böse. Das Schlussbild dazu könnte nicht perfekter ausfallen, mit einer Träne im Knopfloch am Einzelgänger für jedermann verarbeitet, wie man der Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, schlicht der Universalität des Comicbuchs mehr als gerecht wird. Bis dahin hatte man einiges Plätschern binnen mehrerer Filme hingenommen, da kommt Mangolds Neuester auch nicht ganz aus seiner Haut, aber immerhin mal mit einem bittersüßen Bekenntnis zum Charakter an, in dem sich die Klischees, Querverweise und Unstimmigkeiten nun der natürlichen Bestialität wegen (jetzt wirklich mal, versprochen!) als Markenzeichen des Imperfekten auszudrücken versuchen, anstatt sich hauptsächlich aufs Spektakel einzustellen.


6,5 von 10 geklauten Sonnenbrillen

vom Witte

Review: GREEN ROOM - Nazis muss man boxen

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Fakten:
Green Room 
US. 2015. Buch und Regie: Jeremy Saulnier. Mit: Patrick Stewart, Imogen Poots, Alia Shawkat, Anton Yelchin, Joe Cole, Mark Webber, Callum Turner, Erid Edelstein, u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: keine Jugendfreigabe. Im Kino.


Story:
Die relativ erfolglose Punk-Band „The Ain’t Rights“ nimmt einen ominösen Gig in einem Schuppen an, in dem sich hauptsächlich Nazis treffen, um laute Musik zu hören. Als die Musiker nach dem Konzert über eine Leiche in der Garderobe stolpern, wird die Lage für sie ernst. Alsbald eskaliert die Lage und die Band-Mitglieder gelangen in einen blutigen Kampf um das nackte Überleben.




Meinung:
Die Vorschusslorbeeren, derer Regisseur Jeremy Saulnier sich erfreuen durfte, wurden von Kritik und Publikum im Bezug auf „Green Room“ nicht wirklich rar gesät. Höchstwertungen gibt es viele, ebenso überschwängliches Lob und Vergleiche mit der Top-Liga der modernen Horrorfilm-Regisseure. Man scheint sich einigermaßen einig zu sein, dass dieser dritte Film von Saulnier ein weiteres Meisterstück ist. Erst in kleinen Nebensätzen lassen dabei viele Autoren immer mal wieder durchklingen, dass früher doch eben alles besser gewesen sei. Man ersetze „früher“ durch „Blue Ruin“ - der zweite Film des Amerikaners und zugleich ein immenser Fortschritt im Vergleich zu dessen Langfilmdebüt „Murder Party“, der zwar humorvoll aber recht ziellos daherkommt. Und hier lässt sich schon ein erstes von vielen Fazits ziehen: Die Schritte, die Saulnier in seiner Karriere macht, sind groß, beeindruckend und lassen die Erwartungen, aber auch die Vorfreude auf alles, was da noch kommen mag, anheizen. Und das, obwohl „Green Room“ durchaus mit Defiziten zu kämpfen hat.


Cpt. Picard war früher auch mal netter
Doch von den Defiziten später mehr, zunächst soll es hier um die Qualitäten des Films gehen. Jeremy Saulnier beweist einmal mehr, dass er sich im Reich der vielen Genres bestens auskennt. So ist es ihm möglich, mit Motiven zu spielen, Erwartungen zu unterlaufen und dann aus einer beinahe jegliche unbekannten Ecke mit einem neuen Trick den Zuschauer zu überraschen. Vermengte er in „Murder Party“ verschiedene Elemente des Slasher-Films mit Slapstick, überprüfte in „Blue Ruin“ Gesetze des Neo-Westerns und Noirs, so beschäftigt er sich hier tendenziell erneut mit dem Horrorgenre. Backwood-Slasher, Home Invasion, nackter Thrill und knallharter Gore werden hier eiskalt abgeschmeckt und kombiniert. Wie fehlerfrei und glatt dieser Mix über die Bühne läuft, wird einem wohl erst bewusst, wenn man sich fragt, wie das alles denn eigentlich unter einen Hut gehen kann. Saulnier hat die Antwort gefunden aber behält sie für sich. Auch das ist ein Qualitätsmerkmal, denn der Film trötet dem Zuschauer seine Cleverness (und die besitzt der Film ohne Frage) nicht stolz ins Gesicht. Viel mehr nutzt er sie, um diesen beißenden Überlebenskampf der Punk-Band etwas erträglicher zu machen. Etwas und erträglicher sollten dabei jedoch in Anführungszeichen stehen, denn einen derart erbarmungslosen Film sieht man nicht alle Tage im Kino.


"Nazi Punks Fuck Off"
Doch bei aller Liebe für diesen noch so jungen Regisseur, bei aller Liebe dafür, dass der politische Hintergrund des Neonazis-Punks-Konfliktes weitestgehend zurückgenommen wird (das hier ist ein Genrewerk durch und durch), bei allem Respekt dafür, dass der Film den Zuschauer über die volle Laufzeit in teils atemloser Spannung halten kann; etwas fehlt. Dieses Etwas, das in „Blue Ruin“ noch herausragend gut eingefädelt wurde und in „Murder Party“ den ganzen Charme ausmachte. Die Menschlichkeit und jedwede emotionale Bindung zwischen Figur und Publikum ist Saulnier hier irgendwie abhanden gekommen. Zumindest nach den einleitenden zehn Minuten. Das mag gewollt sein, denn denkt man an die allererste Szene des Films und wie diese geschnitten ist, so wird man Zeuge von dem Saulnier-Humor. Danach allerdings ist der Film weit davon entfernt, seinen Charakteren Raum zu geben (in welche Richtung auch immer) und noch weiter davon entfernt, Lachen zu evozieren. Das taucht erst in den letzten Sekunden des Films wieder auf. Das Problem ist dann allerdings, dass dem Publikum gar nicht mehr wirklich zum Lachen zumute ist. Ein perfektes Gleichgewicht wurde in dieser Hinsicht also nicht gefunden; viel eher schwankt der Film von einem Extrem ins andere und verharrt dann dort, bis er wieder zur großzügigen Kehrtwende ausholt. Elegant ist anders.


Und doch scheint es recht unpassend, einem Film wie „Green Room“ mangelnde Eleganz vorzuwerfen. Schließlich ist das Herzstück des Films, wie eine White Power-Bewegung versucht, eine Punk-Band von Hunden zerreißen zu lassen und in Stücke zu hacken. Das ist tatsächlich so brutal, wie es klingt - da lassen sich weder die Neonazis noch die Punks lumpen, die Hunde und Saulnier schon gar nicht. Wer auf der Suche nach spannender Genrekost ist, der wird hier nicht nur fündig, der wird sich im siebten Himmel wähnen und die 90 knackigen Minuten geradezu genießen. Wer jedoch mit Saulniers vorigen Film gesehen hat, dem wird hier bisweilen etwas fehlen - und das sind die Momente, die dem Zuschauer nicht nur ein aufregendes Erlebnis im Kino versprechen, sondern auch anregende Gedanken für die Zeit danach. In Kurzform: Wer Spannung will, der darf „Green Room“ nicht verpassen. Wer mehr will, der darf ein klein wenig enttäuscht sein.


6.5 von 10 Rückkopplungen


von Smooli

Review: X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND - Viel Lärm und relativ wenig

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Fakten:
X-Men: Der letzte Widerstand (X-Men: The Last Stand)
USA, 2006. Regie: Brett Ratner. Buch: Simon Kinberg, Zak Penn. Mit: Hugh Jackman, Ian McKellen, Famke Janssen, Halle Berry, Patrick Stewart, Kelsey Grammer, Anna Paquin, Ellen Page, Aaron Stanford, Shawn Ashmore, Rebecca Romijn, Vinnie Jones, Ben Foster, James Marsden u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Serum verspricht „Heilung“ für Mutanten, kann sie in „normale“ Menschen verwandeln. Für Magneto der endgültige Beweis, dass die Menschen die Mutanten vernichten wollen. Er schart eine Armee von Gleichgesinnten um sich, die der Menschheit endgültig den Krieg erklärt. Die stärkste Waffe in diesem Kampf soll ein bestimmter Mutant werden, der eigentlich für tot gehalten wurde und Professor Xavier zugetan war. Der warnt vor den Folgen, doch zu spät: Magneto kennt nur nach Vergeltung und übersieht dabei, was für eine Gefahr er heraufbeschwört.







Meinung:
Der große, fast apokalyptische Abschluss der Trilogie sollte „The Last Stand“ werden, ausgerechnet jetzt verabschiedete sich Erfolgsregisseur Bryan Singer von dem Projekt, zu Gunsten von „Superman Returns“ (was jetzt die schlimmere Entscheidung war, gehupft wie gesprungen). Dafür durfte nun Brett Ratner ran, der Mann ohne eigene Handschrift, doch nur an ihm den massiven Abstieg des (eigentlichen) Finales festzumachen, ist dann doch zu wenig. Hier stimmt so einiges nicht und verärgert extrem, wenn man sich die bisherige Qualität der Reihe vor Augen führt und besonders, worin diese lag.


Seite an Seite, aber nicht vereint.
Die Ansätze sehen gar nicht schlecht aus. Mit dem „Heilmittel“ für Mutanten wird eine interessante Gewissenfrage aufgeworfen: Will ich meine Existenz verleugnen, gleichgeschaltet werden, um ein „normales“, akzeptiertes Leben zu führen oder stehe ich zu dem, was ich bin? Fluch oder Segen, eine Chance für endgültigen Frieden oder der Funken am Pulverfass des Krieges, Ausrottung oder Verbrüderung? Gute Basis, die im weiteren Verlauf ebenso im Effekt- und Krawallgetümmel untergeht wie das Skript und zahlreiche seiner Figuren, die statt der gewohnten Tiefe zum Teil fast spurlos verschwinden, links liegen gelassen werden oder gar nicht erst die Chance erhalten, sich sinnvoll zu profilieren. Spätestens ab der Mitte des Films wird auf die bekannten Vorzüge der Serie getrost gepfiffen, interessante Fragen gänzlich ignoriert und kaum ein Gedanke zum Ende geführt. An neuen Mutanten und grundsätzlichen Konflikten mangelt es nicht, doch sie bleiben nur Randerscheinungen in einem zunehmend planlosen Dauerfeuer, was sich nie die nötige Zeit nimmt (da auch viel zu knapp bemessen, müsste mindestens 2 ½ Stunden gehen, um das alles vernünftig auf den Punkt zu bringen) und am Ende so platt ist, eine unglaubliche Enttäuschung.


Riesen Spannweite, wenig Screentime: Angel.
Klar, die Action kann sich durchaus sehen lassen und für Langeweile bleibt gar keine Zeit, berieseln lassen kann man sich von „The Last Stand“ mühelos. Befriedigend ist das jedoch ganz und gar nicht. Unendlich viel Potenzial wird liegen gelassen, allein die Einzelschicksale von Rogue, Mystique, Cyclops oder auch dem Neuling Angel, sie scheinen die Macher kein Stück zu interessieren, ganz im Gegensatz zum Zuschauer oder zumindest denen, die sich von einer bis dahin wunderbar aufgebauten Helden- und Antiheldengeschichte haben mitreißen lassen. Weder episch noch abschließend, eher hektisch, laut und statt alle Fragen zu beantworten stellen sich am Ende sogar noch welche, die so wohl gar nicht beabsichtigt waren. Theoretisch ist das schon eine Unverschämtheit. Hätte der Film nicht so unbestreitbare Schauwerte, eine gute Grundlage (sprich die Vorgänger), immer noch tolle Figuren (auch wenn mit ihnen respektlos umgegangen wird) und einige gelungene Momente, man müsste ihn eigentlich zum Teufel jagen.


Unterm Strich eine schwierige Kiste, denn ja, langweilig wird es nicht und sieht alles prächtig aus, nur war das denn jetzt bitte wirklich alles? Gott sei Dank nicht, damals musste man es aber erstmal annehmen. Als reines Futter für die Augen und flotter Zeitverbrenner immer noch mit einer gewissen Qualität, als runder, würdiger Schlusspunkt einer tollen Trilogie sehr vergeigt, ohne Not. Gnade vor Recht, kann man immer noch anschauen, nur bitte nicht mehr viel erwarten, das bereitet nur Kopfschmerzen.

5,5 von 10 Wunderheilungen.

Review: X-MEN 2 - Paradebeispiel eines Sequels

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Fakten:
X-Men 2 (X2)
USA, 2003. Regie: Bryan Singer. Buch: Michael Dougherty, David Hayter, Dan Harris, Zack Penn, Bryan Singer. Mit: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Ian McKellen, Brian Cox, Famke Janssen, Halle Berry, James Marsden, Rebecca Romijn, Anna Paquin, Alan Cumming, Aaron Stanford, Shawn Ashmore, Kelly Hu, Bruce Davison u.a. Länge: 130 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Während Wolverine sich auf Spurensuche nach seiner Vergangenheit begibt und Magneto in einem spezielle Kunststoffgefängnis einsitzt, scheitert eine unbekannter Mutant nur knapp mit einem Attentat auf den US-Präsidenten. Militärwissenschaftler William Stryker bekommt daraufhin die Genehmigung, hart gegen die Mutanten durchzugreifen. Eine Invasion auf die Schule von Professor Xavier wird gestartet, nur wenige der jungen Mutanten, unter ihnen Rogue, Iceman und Pyro, können der Gefangenschaft entgehen. Parallel dazu spüren Storm und Jean den unbekannten Attentäter auf, den Teleporter Nightcrawler. Doch dieser scheint nur ein willensloses Instrument gewesen zu sein. Die X-Men müssen sich mit ihren alten Widersachern zusammentun, um eine Katastrophe zu verhindern.






Meinung:
Nachdem sich Bryan Singer im ersten „X-Men“ ausführlich mit der Einführung der Figuren und Grundgeschichte beschäftigte, konnte er nun folgerichtig schnell loslegen. Die angespannte Situation zwischen Menschen und Mutanten, die Beweggründe aller Beteiligten und ihre Verhältnisse zueinander sind klar, also nun bitte ohne große Umschweife voll drauf los. Kann, darf und muss eine direkte Fortsetzung nach einer bewusst darauf abzielenden Exposition auch machen, nur ist Vorsicht geboten, sich nicht im puren Spektakel zu verlieren. Singer tappt genau in diese Falle nicht, spricht für ihn und den Film.


Schicker Einheitslook, nur der Chef muss mal wieder auffallen.
Natürlich bietet „X-Men 2“ deutlich mehr Action als der Erstling, vergisst dabei glücklicherweise nicht die Geschichte. Der existenzielle Kampf seiner Figuren tritt zwar leicht in den Hintergrund, ist in der Ausführlichkeit allerdings auch nicht mehr erforderlich, betrachtet man – was eindeutig so sein soll – beide Filme als ein großes Ganzes. Es sind nicht zwei voneinander unabhängig funktionierende Teile, zu sehr bauen die Ereignisse aufeinander auf, werden konsequent weitergeführt, beantworten offen gelassene Fragen und bleiben sich und ihren Figuren treu. Trotz der gestiegenen Action (was definitiv erforderlich war) wird sich nicht rein darauf verlassen. Neue Figuren kommen hinzu (speziell natürlich Kurt Wagner alias Nightcrawler und William Stryker), vorher nur kurz aufgetauchte bekommen ihre Bühne (Iceman und Pyro), ohne das die Protagonisten des Originals zu sehr in den Hintergrund geraten, im Gegenteil. Wie Singer das alles unter einen Hut bekommt, ist erstaunlich und aller Ehren wert.


Auf jeden Topf passt ein Deckel, sogar zu Wolverine.
Durch interessante, kreative Einfälle vergehen zwei Stunden nicht nur wie im Flug, „X-Men 2“ überzeugt vor allem – mal wieder - durch seine ambivalenten Figuren und Konstellationen. Diesmal müssen Wolverine und Co. sich bewusst mit Magneto und Mystique zusammentun, um schlimmeres zu verhindern. Einmal mehr wird Magneto nicht einfacher als Schurke vom Dienst dargestellt, weckt sogar Sympathien und bleibt jederzeit glaubwürdig. Seine gute, menschliche, fast fürsorgliche Seite, wie seine dunkle, dabei nicht grundlos böse Seite. Er ist und bleibt die wohl interessanteste Figur im „X-Men“-Universum, allein er zeigt den deutlichen Unterschied der Reihe zu den zahlreichen Konkurrenten im Genre. Schwarz und Weiß liegen nah zusammen, sind sinnvoll und zeigen Probleme in unserer Gesellschaft auf, die immer (noch) von Intoleranz und Furcht geprägt ist. Ein knackiger Action-Film als Gleichnis über die Menschheit, intelligent und unterhaltsam verpackt, eine Seltenheit in Hollywood.


„X-Men 2“ übertrifft seinen tollen Vorgänger noch deutlich, ergänzt ihn stimmig und erlaubt sich eigentlich gar keinen nennenswerten Schwächen. Wenn er etwas weniger tiefgründig erscheint als Teil 1 ist gar kein Problem, schließlich muss er sich nicht wiederholen und lässt den Kern der Sache niemals aus dem Auge. Eine praktisch perfekte Mischung, somit ein Musterbeispiel für ein ideales Sequel. Wie schwer so was ist, wurde dann leider im Trilogie-Abschluss deutlich, dort ging diese Mischung drastisch den Bach runter.

8 von 10 Tabletten mit ungeahnten Nebenwirkungen