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Review: GREEN ROOM - Nazis muss man boxen

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Fakten:
Green Room 
US. 2015. Buch und Regie: Jeremy Saulnier. Mit: Patrick Stewart, Imogen Poots, Alia Shawkat, Anton Yelchin, Joe Cole, Mark Webber, Callum Turner, Erid Edelstein, u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: keine Jugendfreigabe. Im Kino.


Story:
Die relativ erfolglose Punk-Band „The Ain’t Rights“ nimmt einen ominösen Gig in einem Schuppen an, in dem sich hauptsächlich Nazis treffen, um laute Musik zu hören. Als die Musiker nach dem Konzert über eine Leiche in der Garderobe stolpern, wird die Lage für sie ernst. Alsbald eskaliert die Lage und die Band-Mitglieder gelangen in einen blutigen Kampf um das nackte Überleben.




Meinung:
Die Vorschusslorbeeren, derer Regisseur Jeremy Saulnier sich erfreuen durfte, wurden von Kritik und Publikum im Bezug auf „Green Room“ nicht wirklich rar gesät. Höchstwertungen gibt es viele, ebenso überschwängliches Lob und Vergleiche mit der Top-Liga der modernen Horrorfilm-Regisseure. Man scheint sich einigermaßen einig zu sein, dass dieser dritte Film von Saulnier ein weiteres Meisterstück ist. Erst in kleinen Nebensätzen lassen dabei viele Autoren immer mal wieder durchklingen, dass früher doch eben alles besser gewesen sei. Man ersetze „früher“ durch „Blue Ruin“ - der zweite Film des Amerikaners und zugleich ein immenser Fortschritt im Vergleich zu dessen Langfilmdebüt „Murder Party“, der zwar humorvoll aber recht ziellos daherkommt. Und hier lässt sich schon ein erstes von vielen Fazits ziehen: Die Schritte, die Saulnier in seiner Karriere macht, sind groß, beeindruckend und lassen die Erwartungen, aber auch die Vorfreude auf alles, was da noch kommen mag, anheizen. Und das, obwohl „Green Room“ durchaus mit Defiziten zu kämpfen hat.


Cpt. Picard war früher auch mal netter
Doch von den Defiziten später mehr, zunächst soll es hier um die Qualitäten des Films gehen. Jeremy Saulnier beweist einmal mehr, dass er sich im Reich der vielen Genres bestens auskennt. So ist es ihm möglich, mit Motiven zu spielen, Erwartungen zu unterlaufen und dann aus einer beinahe jegliche unbekannten Ecke mit einem neuen Trick den Zuschauer zu überraschen. Vermengte er in „Murder Party“ verschiedene Elemente des Slasher-Films mit Slapstick, überprüfte in „Blue Ruin“ Gesetze des Neo-Westerns und Noirs, so beschäftigt er sich hier tendenziell erneut mit dem Horrorgenre. Backwood-Slasher, Home Invasion, nackter Thrill und knallharter Gore werden hier eiskalt abgeschmeckt und kombiniert. Wie fehlerfrei und glatt dieser Mix über die Bühne läuft, wird einem wohl erst bewusst, wenn man sich fragt, wie das alles denn eigentlich unter einen Hut gehen kann. Saulnier hat die Antwort gefunden aber behält sie für sich. Auch das ist ein Qualitätsmerkmal, denn der Film trötet dem Zuschauer seine Cleverness (und die besitzt der Film ohne Frage) nicht stolz ins Gesicht. Viel mehr nutzt er sie, um diesen beißenden Überlebenskampf der Punk-Band etwas erträglicher zu machen. Etwas und erträglicher sollten dabei jedoch in Anführungszeichen stehen, denn einen derart erbarmungslosen Film sieht man nicht alle Tage im Kino.


"Nazi Punks Fuck Off"
Doch bei aller Liebe für diesen noch so jungen Regisseur, bei aller Liebe dafür, dass der politische Hintergrund des Neonazis-Punks-Konfliktes weitestgehend zurückgenommen wird (das hier ist ein Genrewerk durch und durch), bei allem Respekt dafür, dass der Film den Zuschauer über die volle Laufzeit in teils atemloser Spannung halten kann; etwas fehlt. Dieses Etwas, das in „Blue Ruin“ noch herausragend gut eingefädelt wurde und in „Murder Party“ den ganzen Charme ausmachte. Die Menschlichkeit und jedwede emotionale Bindung zwischen Figur und Publikum ist Saulnier hier irgendwie abhanden gekommen. Zumindest nach den einleitenden zehn Minuten. Das mag gewollt sein, denn denkt man an die allererste Szene des Films und wie diese geschnitten ist, so wird man Zeuge von dem Saulnier-Humor. Danach allerdings ist der Film weit davon entfernt, seinen Charakteren Raum zu geben (in welche Richtung auch immer) und noch weiter davon entfernt, Lachen zu evozieren. Das taucht erst in den letzten Sekunden des Films wieder auf. Das Problem ist dann allerdings, dass dem Publikum gar nicht mehr wirklich zum Lachen zumute ist. Ein perfektes Gleichgewicht wurde in dieser Hinsicht also nicht gefunden; viel eher schwankt der Film von einem Extrem ins andere und verharrt dann dort, bis er wieder zur großzügigen Kehrtwende ausholt. Elegant ist anders.


Und doch scheint es recht unpassend, einem Film wie „Green Room“ mangelnde Eleganz vorzuwerfen. Schließlich ist das Herzstück des Films, wie eine White Power-Bewegung versucht, eine Punk-Band von Hunden zerreißen zu lassen und in Stücke zu hacken. Das ist tatsächlich so brutal, wie es klingt - da lassen sich weder die Neonazis noch die Punks lumpen, die Hunde und Saulnier schon gar nicht. Wer auf der Suche nach spannender Genrekost ist, der wird hier nicht nur fündig, der wird sich im siebten Himmel wähnen und die 90 knackigen Minuten geradezu genießen. Wer jedoch mit Saulniers vorigen Film gesehen hat, dem wird hier bisweilen etwas fehlen - und das sind die Momente, die dem Zuschauer nicht nur ein aufregendes Erlebnis im Kino versprechen, sondern auch anregende Gedanken für die Zeit danach. In Kurzform: Wer Spannung will, der darf „Green Room“ nicht verpassen. Wer mehr will, der darf ein klein wenig enttäuscht sein.


6.5 von 10 Rückkopplungen


von Smooli

Review: SON OF SAUL – Ein Funken Menschlichkeit inmitten unvorstellbarer Grausamkeit

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Fakten:
Son of Saul (Saul fia)
HU, 2015. Regie: László Nemes. Buch: Clara Royer, László Nemes. Mit: Géza Röhrig, Molnár Levente, Urs Rechn, Todd Charmont, Jerzy Walczak, Gergö Farkas, Uwe Lauer u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.

Story:
1944 im Konzentrationslager Auschwitz ist der ungarische Jude Saul Ausländer Teil vom "Sonderkommando". Gegen einen zeitlichen Aufschub muss er unter anderem vor den verschlossenen Türen der Gaskammern Wache halten, Leichen wegzerren, Rückstände reinigen und Aschehaufen der verbrannten Toten wegschippen, bevor ihm irgendwann auch selbst der sichere Tod bevorsteht. Als er eines Tages in der Leiche eines kleinen Jungen seinen eigenen Sohn wiederzuerkennen scheint, will er diesem die letzte Ehre erweisen, indem er eine traditionell jüdische Beerdigung organisiert.




Meinung:
Wohl kaum ein Thema ist derart schwierig in filmischer Form zu erfassen wie der Holocaust. In der Geschichte des Kinos gab es zwar bereits diverse Annäherungsversuche und Interpretationen, doch nur den wenigsten Werken ist es gelungen, die Verbrechen und unvorstellbaren Grausamkeiten, bei denen Millionen Einzelschicksale betroffen waren, in einen adäquaten Rahmen zu bringen.


Ein Gesicht voller Verzweiflung, Wut und Trauer zugleich
Für sein Regiedebüt "Son of Saul" wählte der ungarische Regisseur László Nemes eine gleichermaßen ungewöhnliche wie radikale Herangehensweise, um den grausamen Alltag in Konzentrationslagern während des Nationalsozialismus abzubilden. Nemes bricht das Unbeschreibliche auf die Perspektive eines Einzelnen herunter und folgt in seinem Film dem ungarischen Juden Saul Ausländer, der Teil eines "Sonderkommandos" ist. Das bedeutet, dass er unter anderem vor den verschlossenen Türen der Gaskammern Wache halten, Leichen wegzerren, Rückstände reinigen und Aschehaufen der verbrannten Toten wegschippen muss. "Folgen" ist dabei wortwörtlich zu nehmen, denn die Kamera von Mátyás Erdély weicht Saul selten von der Seite, ist stets ganz nah an dessen Gesicht und schildert das chaotische, unübersichtliche sowie unvorstellbare Geschehen innerhalb des Konzentrationslagers aus einer beklemmend-reduzierten Enge, bei dem der Regisseur den Betrachter durch das 4:3-Format förmlich in jede Einstellung presst und ihn schließlich durch auslaugende Plansequenzen jeglicher Kräfte beraubt. Eine so realistische Darstellung des Holocaust-Horrors hat man wohl noch nie miterleben dürfen, wobei es letztendlich das gnadenlose Sound-Design ist, das dem Streifen seine unvergleichliche Atmosphäre verleiht.


Das Licht am Ende des Tunnels?
Maschinelle Laute, Schreie der Opfer, wütende Rufe der Wachen und ein oftmals unübersichtliches Stimmengewirr formen einen Klangteppich, der die Hölle greifbar werden lässt. Während sich Saul stets ganz nahe im Fokus befindet, belässt Nemes sämtliche Ereignisse im Hintergrund überwiegend in einer unscharfen Verzerrung. Eine milde Beschönigung findet hierdurch aber nicht statt, denn durch die dichte, eindringliche Tonkulisse entsteht der unangenehme Effekt, bei dem im Kopf von ganz alleine konkrete Bilder entstehen, welche die jeweilige Situation so niederschmetternd wie klar zum Ausdruck bringen. Neben der beeindruckenden Form erzählt Nemes eine Geschichte, in der Saul für die Leiche eines kleinen Jungen, in dem er seinen eigenen Sohn erkennt, eine angemessene, traditionell jüdische Bestattung organisieren will. Die Schwierigkeit liegt darin, dass er einen Rabbi finden muss, der diese Form der Bestattung durchführen kann. Moralisch ist "Son of Saul" daher nicht ganz eindeutig zu bewerten, denn es ist durchaus kontrovers, dass der Regisseur die Ereignisse des Holocaust mit einer fiktiv angelegten Handlung durchsetzt, bei dem er zusätzlich auf das Schicksal eines Einzelnen zurückgreift, emotionale Werte verhandelt und ein verzweifeltes Plädoyer an die Menschlichkeit einstreut.


Der vermutlich prägnanteste Satz im Film "Du hast die Lebenden für die Toten verraten" bringt das zentrale Dilemma der Hauptfigur tragisch auf den Punkt. Während seine Kameraden durch einen Aufstand noch auf einen möglichen Ausbruch in die Freiheit hoffen, unterscheidet Saul nicht mehr zwischen den unzähligen Leichen und den eigentlich Lebendigen, die für ihn jedoch unlängst Todgeweihte sind. Nemes verfolgt den unermüdlichen Willen einer innerlich ebenfalls lange toten Persönlichkeit, die zwischen richtig und falsch keine Unterscheidung mehr treffen kann und sich an einen letzten Funken des Erbarmens festklammert, um zumindest einen Hauch von Menschlichkeit in diesem fatalen Szenario spüren zu können. Am Ende findet Nemes, nachdem er sein Publikum spürbar angestrengt und erschöpft hat, zu einem gleichermaßen irritierenden wie befriedigenden Schlusspunkt, für den der Regisseur warmherzige Surrealität mit erschütterndem Realismus kreuzt und den riesigen Schrecken dieser Ära, die ihre Spuren bis heute in die Gegenwart zieht, tragisch auf den Punkt bringt.


7,5 von 10 Säckchen voller Sprengstoff


von Pat

Review: DEAD SNOW 2: RED VS. DEAD - Sie marschieren wieder

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Fakten:
Dead Snow 2: Red vs. Dead (Død snø 2)
NO, IS, 2014. Regie: Tommy Wirkola. Buch: Stig Frode Henriksen, Vegar Hoel, Tommy Wirkola. Mit: Vegar Hoel, Ørjan Gamst, Martin Starr, Jocelyn DeBoer, Ingrid Haas, Stig Frode Henriksen, Hallvard Holmen, Kristoffer Joner, Amrita Acharia, Derek Mears u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Ab dem 28.11. auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Martin konnte als einziger den untoten Nazis entkommen. Seine Flucht endet im Krankenhaus, wo ihm versehentlich der abgetrennte Arm von Zombie-Anführer Herzog angenäht wird. Das böse Körperteil noch nicht unter Kontrolle, tötet er ohne Absicht einige Menschen und muss vor der Polizei fliehen. Als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, haben die nimmermüden SS-Soldaten noch nicht ihren Endsieg erreicht. Unaufhaltsam marschieren sie auf die Stadt zu und „rekrutieren“ alle armen Seelen, die ihnen über dem Weg laufen. Martin und drei zu Hilfe eilende Möchtegern-Spezialisten scheinen die Einzigen, die sie aufhalten können.



                                                                             



Meinung:
Lieber arm dran als Arm ab? Naja, bei „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ gilt eher das Gegenteil.

Fünf Jahre und einen mittelprächtigen, wenn auch durchaus erfolgreichen Ausflug in die Gefilden des US-Mainstreamkinos („Hänsel & Gretel: Hexenjäger“) später, lässt Tommy Wirkola die  Gammel-Nazis wieder strammstehen. Vorfreude aufgrund des amüsanten, wenn auch nicht grandiosen Vorgängers wie Skepsis gingen seit der Ankündigung Hand in Hand. Hat Wirkola bei seinem harmlosen Hollywoodauftritt seine wüste Unverkrampftheit verloren oder fällt ihm überhaupt noch etwas ein, damit bei seinem Sequel nicht nur die Antagonisten wie die trashige Grundidee neu aufgetaut werden und dem Zuschauer die gleiche Chose praktisch identisch vorgeklatscht wird? Die Antwort lautet Gott sei Dank: Nein. „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ ist eine Fortsetzung geworden, da träumt nicht unbedingt der Führer von, dafür alle Freunde des temporeichen Fun-Splatters, der sich nicht nur durch äußerst blutrünstige Momenten definiert, sondern dazu noch einen pechschwarzen, extrem biestigen Humor, nette Anspielungen und sogar eine feine Inszenierung an den Tag legt, ganz ohne blendendes Blockbuster-Gedöns, das Wirkola’s US-Debüt dominierte.


Der Faschismus ist nicht totzukriegen.
Statt, wie leider so oft, die Handlung des Originals mit neuen Opfern erneut durchzuspielen, setzt Teil 2 die Geschichte nahtlos fort. „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ startet exakt am Ende des Vorgängers, 
womit Wirkola sich nebenbei dessen größten Kritikpunkts gleich elegant entledigt. Damals musste sich zunächst durch eine Genre-übliche und eigentlich x-beliebige Exposition gebissen werden, bevor das munter-blutige Treiben seinen Lauf nehmen konnte und der Film erst richtig unterhaltsam wurde. Damit wird sich hier nicht lange aufgehalten, Kommandant Herzog und seine untergebenen Überzombies sind sofort auf dem Kriegspfad, bereit ihre Mission nach gezwungener Schaffenspause doch noch abzuschließen. Der Krieg ist schließlich nicht vorbei, wenn die dicke Lady singt oder alle glauben, das dritte Reich würde nur im Museum noch von Relevanz sein. Eine überflüssige Einleitung wird somit nicht benötigt, dafür bietet das Sequel von Beginn an rasantes und äußert griffiges Entertainment, das mit einigen Einfällen punkten kann. Die ganz große Kreativitätskeule wird selbstverständlich nicht geschwungen, es sind viele Details und die liebevolle Umsetzung, die besten Kurzweile generieren.  Vor allem setzt Wirkola in jeder Beziehung noch mal ordentlich eins drauf. Der Humor rückt noch näher in den Mittelpunkt, ohne das sein Film zur zu albernen oder gar harmlosen Juxveranstaltung wird.


Nationalstolz wird hier hart bestraft.
Besonders harmlos ist das Ganze nicht im Entferntesten. Nicht nur der Blutzoll wird Sequel-typisch noch um einige Liter aufgestockt, in Sachen bewusster, selten durchgezogener Tabubrüche macht der Regisseur keine halben Sachen. Kinder, Senioren, Behinderte, für den strengen Arm der Herrenrasse gibt es keinen Minderheiten- und Anstandsschutz. Ganz im Gegenteil. Mit voller Absicht, dafür mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, feiert „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ ethische Geschmacklosigkeiten wie Kinderfasching. Muss man sich schlecht fühlen, wenn man als Zuschauer bei weggebombten Kinderwagen sein Lachen kaum unterdrücken kann? Nun, das muss letztlich jeder mit sich selbst ausmachen, Wirkola macht es einem mit seinem niemals ernsten und höchst augenzwinkernden Spaß dabei erstaunlich einfach. Eine hohe, treffsichere Gagrate, hemmungsloser Gröl-Splatter und liebenswerte Nebenfiguren – wie das selbsternannte Nerd-Sondereinsatzkommando von Muttis Dachboden oder ganz besonders der wohl knuffigte Zombie-Sidekick ever, der mindestens so schön wie Willem Dafoe die Arme theatralisch gen Himmel reckt – sind die Garantie für eine mordsmäßige Gaudi, die den schon spaßigen Vorgänger locker übertrumpft. Allein das Ende, wenn „Total Eclipse of the Heart“ von Bonnie Tyler in einem irrwitzigen Kontext verwendet wird, lohnt schon bald das Ansehen. Das wird den Song für ewig in ein ganz anderes Licht rücken, versprochen.


Ganz kann sich der Film natürlich nicht jeglicher Kritik entziehen. Im letzten Drittel sind die Ideen nur noch sporadisch vorhanden (dann allerdings sehr erinnerungswürdig), „Dead Snow 2: Red vs. Dead“ lebt jetzt hauptsächlich von seinem hohen Tempo und dem epischen Endfight zwischen den alten Kriegsgegnern. Grundsätzlich soll das eigentlich auch komplett egal sein, hier bekommt man mehr geboten, als man sonst von der Sequel-Maschine im Genrebereich gewohnt ist. Es bleibt zu hoffen, dass Wirkola noch einiges in der Richtung bringt, irgendwann wird auch er wie Sam Raimi oder Peter Jackson nicht mehr dafür zu haben sein. Zumindest…ach, einfach den Abspann durchlaufen lassen. Übrigens, wer Derek Mears (der letzte Jason Vorhees) ohne die Auflistung in den Credits erkennt, gewinnt eine Flasche Gorbatschow. Vielleicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

7 von 10 druckvollen Herzmassagen

Review: BELLE UND SEBASTIAN – Ein Abenteuer, das viele Fragen aufwirft

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Fakten:
Belle und Sebastian (Belle et Sébastien)
Frankreich. 2013. Regie: Nicolas Vanier. Buch: Nicolas Vanier, Juliette Sales, Fabien Suarez. Mit: Tchéky Karyo, Dimitri Storoge, Margaux Chatelier, Félix Bossuet, Andreas Pietschmann, Urbain Cancelier, Mehdi u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: Ohne Altersbeschränkung freigegeben. Ab 15. April auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Sommer 1943. Der kleine Sebastian lebt in den französischen Alpen bei seiner Pflegefamilie, seine Mutter lebt angeblich in Amerika, gleich auf der anderen Seite der Alpen. Tagsüber streift er mit dem alten Cesar durch die Berge. Als im Dorf das Gerücht die Runde macht, eine Bestie würde ihre Ziegen töten, da gehen die Männer auf die Suche nach ihr. Auch Sebastian macht sich auf und findet die „Bestie“ – einen großen, sanftmütigen Hund, den er Belle nennt und mit dem er sich anfreundet. Während er seine neue Freundin vor den aufgebrachten Dorfbewohnern verstecken muss, kommen Nazis in das kleine Dorf und für Sebastian und Belle soll damit ein gefährliches Abenteuer beginnen.




Meinung:
„Belle und Sebastian“ ist schon ein Phänomen. Auf der ganzen Welt scheint diese Kombination aus zwei Namen und einer Konjunktion bekannt zu sein. In Japan zum Beispiel, da gibt es eine Anime-Serie mit diesem Titel. Und in England hat sich eine Indie-Pop-Band so genannt. Egal aber wo man diesen Namen nun schon einmal gehört hat, er bezieht sich stets auf das Kinderbuch der französischen Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Cécile Aubry. Dieses Buch, in dem sich der Waisenjunge Sebastian mit der großen, weißen Hündin Belle anfreundet, hat die Autorin dann auch selbst in eine TV-Serie in den späten 60er Jahren umgesetzt. Und nun, wenige Jahre nach dem Tod Aubrys, wurde diese Geschichte auch in einem Spielfilm verarbeitet.


Belle und Sebastian verstecken sich vor den Dorfbewohnern
Der Film spielt in den französischen Alpen, wo der kleine Sebastian bei einer Pflegefamilie lebt, weil seine Mutter, wie ihm erzählt wurde, nach Amerika gegangen ist. Und dieses gebirgige Panorama nutzt der Film schon zu Beginn eindrucksvoll aus. Weite Einstellungen der kargen, unberührten Natur bringen den Zuschauer gleich in die richtige Stimmung, die „Belle und Sebastian“ visuell äußerst sehenswert macht. Eine Stimmung, die uns in eine vergangene Zeit zurückentführt, in der der Alltag noch nicht von Technik bestimmt wurde, in der die Alpen noch nicht zum hypermodernen Tourismus-Standort geworden sind – und in eine Zeit, in der es Krieg gab. 1943. Aber von diesem Krieg bekommt Sebastian eigentlich wenig mit, stattdessen streift der Junge mit dem alten César durch die Natur und genießt die Idylle. Als eines Tages von einer „Bestie“ gesprochen wird, auf die die Männer des Bergdorfes Jagd machen wollen, da ist auch unser kleiner Held dabei. Er findet die Bestie und merkt, dass es einfach nur eine große, weiße und sanftmütige Hündin ist, mit der sich der Einzelgänger anfreundet.


Diese Geschichte ist aber eigentlich nur Ausgangspunkt für viel mehr. Es ist kein verkitschter, typischer Kinderfilm, wie man sie zur Genüge kennt. Es ist eben nicht nur eine Geschichte über Vertrauen, Freundschaft, Einsamkeit, Familie und das Erfahren der Welt. Das ist natürlich auch dabei, klar. Und das ist auch die Hauptthematik. Ein Abenteuer, das das ungleiche Paar gemeinsam erlebt. Aber in „Belle und Sebastian“ spielen auch zeitgeschichtliche Ereignisse eine wichtige Rolle, die für die eigentliche Zielgruppe, nämlich Kinder, unweigerlich einige Fragen aufwerfen werden. Was sind denn diese Nazis? Warum verfolgen sie andere Menschen, warum ausgerechnet die Juden? Und vieles mehr. Und in der parallelen Erzählweise zweier Jagden, einmal die Bewohner auf die Bestie, das anderemal die Nazis nach den Juden, könnten diese Fragen ein Grudgerüst erhalten, das viele Kinder beschäftigen wird. Darum sollte dieser Film nicht unbedingt alleine von Kindern gekuckt werden. Nein, es ist ein Familienfilm, verpackt in eine Abenteuer-Freundschaftsgeschichte. Alle Generationen können hier dieses Abenteuer erleben.


Denn die haben mit der Jagd bereits begonnen.
Félix Bossuet spielt Sebastian mit einer jugendlichen Unschuld, die sehr angenehm wirkt. Vielleicht mag es auch ein wenig Naivität sein und ob er jemals eine große Schauspielkarriere machen wird, das steht ohnehin in den Sternen, aber in dieser Rolle blüht der Kleine auf. Einzig vielleicht noch bekanntes Gesicht ist Tchéky Karyo, der auch schon in Hollywood den ein- oder anderen Auftritt vorweisen kann. Er und auch die anderen, wahrscheinlich nur in Frankreich bekannten Darsteller, machen nichts verkehrt und füge sich und ihre Charaktere wunderbar in die Geschichte ein. Mit Andreas Pietschmann hat sich übrigens auch ein deutscher Schauspieler in den Cast geschlichen, der manch einem aus verschiedenen hiesigen TV-Produktion bekannt sein könnte. Oder auch nicht.


Insgesamt ist „Belle und Sebastian“ sicher kein Meilenstein der Kinderfilmgeschichte, der noch in den nächsten Generationen gekuckt wird. Aber neben seinen tollen Bildern von schneebedeckten Berggipfeln, Gletschern, wilden Felsen und einigen rasanten (und für Kinder geeignete) Actionszenen kann der auch bewegen. Er führt Kinder auf eine angenehme Art an ein schwieriges und wichtiges Thema heran. Deportationen, Flucht der Juden vor den Nazis, aber auch, dass man auf sein Herz hören sollte. Unterlegt von der schönen Musik ist „Belle und Sebastian“ darum ein sehenswerter Familienfilm, der Jung und Alt gleichermaßen Spaß machen dürfte. Der uns zeigt, dass man unter die Schale kucken muss, um den wahren Kern zu sehen.


7 von 10 Schneelawinen