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Review: LOGAN LUCKY - Ocean's Eleven mit Rednecks

1 Kommentar:

Fakten:
Logan Lucky
USA. 2017. Regie: Steven Soderbergh. Buch: Rebecca Blunt (Jules Asner). Mit: Channing Tatum, Adam Driver, Riley Keough, Daniel Craig, Seth MacFarlane, Sebastian Stan, Katie Holmes, Dwight Yoakam, Jim O'Heir, Rebecca Koon, Boden Johnston, Sutton Johnston, David Denman, Charles Halford, Alex Ross, Tom Archdeacon, Eric Perez, William Mark McCullough u.a. Länge: 119 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 14. September 2017 im Kino.

Story:
Die Brüder Jimmy und Clyde Logan werden vom Pech verfolgt. Während der impulsive Jimmy einen Job nach dem nächsten verliert, wird Barkeeper Clyde, der nur einen Arm hat, regelmäßig schikaniert. Und dann wären da noch die Geldsorgen. Aber Jimmy hat eine brillante Idee, die den beiden aus der misslichen Lage helfen soll: Ein Raubüberfall im großen Stil! Das prestigeträchtigste und legendärste NASCAR-Rennen der Welt, der Coca-Cola Cup 600, bietet scheinbar die perfekten Voraussetzungen für einen cleveren, unterirdischen Raubzug! Unterstützung erhoffen sich die Brüder vom berüchtigtsten platinblonden Safeknacker des Landes: Joe Bang - der sitzt allerdings noch im Gefängnis fest. Während der Planung des großen Coups tauchen immer neue Hindernisse auf, doch gemeinsam mit ihrer Schwester Mellie setzen die beiden Brüder alles daran, ihre lebenslange Pechsträhne endlich zu beenden...




Meinung:
Mit Kino sei er fertig, sagte Steven Soderbergh einst. Dann drehte er noch ein paar Filme und kümmerte sich dann um die Serie The Knick. Doch nun, nach vier Jahren Pause kehrt der Oscar-Preisträger wieder zur Leinwand zurück. Mit Logan Lucky (nicht Lucky Logan!) liefert er eine Gaunerkomödie ab, die sich am besten und effektivsten mit folgenden Worten beschreiben lässt: Ocean's Eleven mit Rednecks. Dies bedeutet dass die Eleganz, die Grandezza und der Style der Ocean's-Trilogie fehlt, aber die gesamte Taktung der Geschichte lässt sie wie einen vierten Teil erscheinen.

Mit Adam Driver und Channing Tatum als Hauptdarsteller hat Soderbergh zwei Asse im Ärmel und Daniel Craig als blondierter Joe Bang fungiert als Herzbube. Immer wenn er vor der Kameralinse steht, gehört ihm die Szenerie. Mut zur Hässlichkeit, zur Übertreibung und der Dekonstruktion seines 007-Image sind der Grund dafür. Das macht alles Freude, besitzt einen guten Flow und das Herz am rechten Fleck. Problem: Logan Lucky lässt sich Zeit, viel Zeit. Mit seinen knapp zwei Stunden Laufzeit ist die Komödie mindestens 20 Minuten zu lang. Schuld daran sind Figuren, die der Film immer wieder einführt und manchmal sogar regelrecht zelebriert, die letztlich aber den Stellenwert und die Bedeutung einer Randnotiz haben. Sie sind Füllmaterial, die der Film letztlich gar nicht nötig gehabt hätte. Ein weiteres Manko ist das, welches auch die Ocean's-Filme hatten (zumindest Teil 2 und 3): So clever und durchdacht sind die dargebotenen Überfall-Pläne nicht. Am Ende wird ein Twist aus dem Hut gezaubert, der irgendwie recht faul und undurchdacht wirkt. Ohne ihn wäre Logan Lucky zum einen kürzer, zum anderen wäre der Gesamteindruck des Werks wesentlich geerdeter und somit wahrscheinlich auch kompakter. So bleibt ein zerfaserter Nachgeschmack zurück.

Freunde von Gaunerkomödien und den teilnehmenden Schauspielern machen mit einem Kinobesuch aber sicherlich nichts verkehrt. Der große Wurf ist Logan Lucky sicher nicht. Mehr ist es wohl eine Aufwärmübung von Soderbergh, eine Art Wiedererweckungsritual. Neue Stärken hat Soderbergh in seiner Kinopause scheinbar nicht hervorgerufen und seine bekannte Schwäche der Geschwätzigkeit (narrativ wie szenisch) hat sich auch nicht verringert. Aber wie sangen einst Tocotronic in „Let there be Rock“ so schön: „Und alles was wir hassen / Seit dem ersten Tag / Wird uns niemals verlassen / Weil man es eigentlich ja mag“.

6 von 10 hartgekochte Eier aus dem Automaten

Review: TÖTET MRS. TINGLE! - Versetzung gefährdet

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Fakten:
Tötet Mrs. Tingle! (Teaching Mrs. Tingle)
USA, 1999. Regie & Buch: Kevin Williamson. Mit: Katie Holmes, Helen Mirren, Marisa Coughlan, Barry Watson, Jeffrey Tambor, Michael McKean, Molly Ringwald, Liz Stauber, Vivica A. Fox u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Um das heißbegehrte Collegestipendium zu ergattern, benötigt die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Musterschülerin Leigh Ann dringend eine gute Note von Geschichtslehrerin Mrs. Tingle, dem meistgehassten Drachen der Schule. Als sie mit den gestohlenen Fragen für deren Abschlusstest, die ihr Mitschüler Luke zugesteckt hat, von Mrs. Tingle erwischt wird, droht ihr Traum zu platzen. Gemeinsam mit Luke und ihrer besten Freundin Jo Lynn sucht sie strenge Lehrkraft zu Hause auf, um die Sache zu klären. Die Situation eskaliert und plötzlich ist Mrs. Tingle an ihr Bett gefesselt. Während die drei Schüler nach einer Lösung für die prekäre Lage suchen, spielt sie die hinterlistige Lady gegeneinander aus…


                                                                                    

Meinung:
Gleich mit seiner ersten Arbeit fürs Kino legte Kevin Williamson 1996 das persönliche Meisterstück ab und war nicht unwesentlich daran beteiligt, dass der kommerziell mausetote Horrorfilm wieder schwer in Mode kam. Sein cleveres, selbstironisches und ganz nebenbei auch noch verdammt spannendes Skript zu Wes Craven’s „Scream“ war das Beste, was das Sub-Genre seit einer gefühlten Ewigkeit gesehen hatte, wenn nicht sogar noch nie. Ein sensationeller Karrierestart, dessen Niveau er fast zwangsläufig nicht halten konnte. Sein Folgefilm „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ ließ viele der vorher gezeigten Qualitäten vermissen und wurde ein x-beliebiger Teenieslasher von der Stange. Zwar deutlich besser, aber keinesfalls brillant fielen die Drehbücher zu „Scream 2“ und der Highschool-Body-Snatchers Variante „The Faculty“ von Robert Rodriguez aus. Nur ein einziges Mal versuchte sich Williamson als Autor und Regisseur in Personalunion, bei eben dem hier vorliegenden „Tötete Mrs. Tingle!“, gleichzeitig der Tiefpunkt seines Schaffens und das Ende seiner Hochphase im Kinogeschäft.


Der American Dream: Dumm, aber sexy.
Dem Highschool-Milieu bleibt Williamson wacker treu, dem Genre nur in leichten Anflügen. „Tötet Mrs. Tingle!“ beinhaltet maximal rudimentäre Ansätze eines Teenie-Horrors, ist am ehesten als schwarzhumorige Thriller-Groteske zu sehen. Oder besser, soll so gesehen werden. Denn ähnlich wie bei dem trotteligen Protagonisten-Trio läuft auch beim Film kaum etwas nach Plan und es reiht sich eine sinnlose Dummheit an die nächste. Fahrlässig und unnötig, denn an sich ist die Grundprämisse nicht unbedingt verkehrt und ein Williamson mit den kreativen Geistesblitzen von „Scream“ hätte hieraus locker einen mindestens brauchbaren Film machen können. Es gibt genau einen Lichtblick, natürlich die große Helen Mirren (wen wundert’s?), die praktisch jedes Projekt im Rahmen ihrer Möglichkeiten aufwertet. Mit süffisanter Eleganz gibt sie die giftige, pedantische Kotzkuh einer Antipädagogin, retten kann sie das Gesamte damit nur geringfügig und maximal für den Moment erträglicher gestalten. Das Gegenstück zum erprobten Spiel der Mirren stellt mal wieder Katie Holmes dar, die sich aus unerklärlichen Gründen in ihrer überschaubaren Laufbahn – als deren Highlight bezeichnenderweise die inzwischen gescheiterte Ehe mit Tom Cruise zu nennen ist – doch gelegentlich mal in einen guten Film geschlichen hat, wenn auch selten. Da prallen Welten aufeinander, von internationaler Spitzenklasse und kulleräugigem Schülertheater. In einem Teeniefilm, der trotz seines bösartigen Potenzials eindeutig für ein Publikum zwischen 12 und 17 konzipiert ist, ist das nicht unbedingt das Hauptproblem, die Krux liegt ganz woanders.


Waldorfpädagogik? Am Arsch...
Der eindeutig als teuflische Antagonistin verwendeten Mrs. Tingle gehören irgendwann die Sympathien des Zuschauers, obwohl sich das auch jetzt völlig falsch anfühlt. Sympathie ist zu viel gesagt, die anderen drei Orgelpfeifen sind nur so verdammt verblödet, unglaublich naiv und ätzend, da sucht man sich eben das kleinere Übel aus. Ein Film dieser Sparte muss nicht zwingend durch logisches Handeln überzeugen. Wenn das die Leute hier machen würden, die ganze Situation würde nicht entstehen. Nur ist das doch kein Freibrief für heillos absurde Vorgehensweisen, die sich selbst unter Berücksichtigung der besonderen Umstände wie Stress, Überforderung und generell wenig gesunden Menschenverstandes nicht akzeptieren lassen. Der Film ist in seinem Ablauf ohnehin knallhart vorhersehbar, aber wenn dann auch noch die handelnden Personen sich treudoof und blind wie Marionetten manipulieren lassen, was jedes Kleinkind durchschauen würde, haarsträubende Fehler begehen und der Film diese einfach als gegeben und selbstverständlich hinnimmt (wenn man daraus eine zwingende Konsequenz erleben würde, wäre das was anderes) macht das nicht im geringsten Spaß. Zumindest nicht so. Im Vergleich sei der zwei Jahre vorher erschienene, weniger bekannte „Suicide Kings“ erwähnt, in dem Christopher Walken als von planlosen Schnöseln gekidnappter Mafiosi die gleiche Nummer durchzog, was erheblich unterhaltsamer und im ambivalenten Wechselspiel mit den eigentlichen „Helden“ prima funktionierte. Williamson verpatzt alles, was sein Skript zu „Scream“ auszeichnete: Das erfrischende Spiel mit Klischees und Dogmen, das Kreieren reizvoller Figuren, smarter Witz und geschicktes Storytelling.


„Tötet Mrs. Tingle!“ ist furchtbar öde, niemals richtig amüsant, total einfallslos und hebt sich zu allem Überfluss den größten Unfug für den Schlussakt auf. Wie bescheuert, wie lächerlich und ärgerlich unüberlegt kann man denn einen solchen Film beenden? Die Pointe oder wie man es nennen will ergibt gar keinen Sinn, egal wie man es dreht und wendet. Fassungslos sitzt man da und überprüft verwundert, ob das tatsächlich DER Kevin Williamson ist. Traurig aber wahr, ist er, aber wer seine scharfe Munition gleich im Debüt komplett verballert hat, schießt ab dann nur noch mit Platzpatronen. Es sollte 12 Jahre dauern, bis er sich mit „Scream 4“ halbwegs rehabilitieren konnte, gemessen an dem hier ist der eine Granate. 

3 von 10 gespannten Armbrüsten

Review: HÜTER DER ERINNERUNG - THE GIVER - Keine Herausforderung für den Geist

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Fakten:
Hüter der Erinnerung – The Giver (The Giver)
USA. 2014. Regie: Philip Noyce. Buch: Robert B. Weide, Michael Mitnick, Lois Lowry (Vorlage). Mit: Brenton Twaites, Jeff Bridges, Odeya Rush, Meryl Streep, Katie Holmes, Cameron Monaghan, Alexander Skarsgard, Taylor Swift, Vanessa Cooke, Alexander Jillings, Emma Tremblay u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Februar 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Jonas lebt in einer Welt, die nach diversen Kriegen sich dazu entschieden hat, dass Gleichheit der einzige Weg ist, in Frieden leben zu können. Alles wird deswegen vom Rat der Ältesten kontrolliert. Als Jonas nach seiner Schulausbildung einen Beruf zugewiesen bekommt, erhält er den Beruf des Hüter der Erinnerung. Der Einzige, der weiß, wie das Leben früher einmal war. Beim alten Hüter beginnt er seine Ausbildung und muss bald einsehen, dass die neue Welt nicht unbedingt besser ist, als die alte.





Meinung:
Der neue Trend, Jugendbücher mit dystopischen Inhalt zu verfilmen, sollte eigentlich mit dem ersten Teil des Finales von „Die Tribute von Panem“ so langsam den Höhepunkt erreicht haben, was für die Studio selbstverständlich kein Grund darstellt, nicht weiter jeden dystopischen Roman für Heranwachsende zu verfilmen. Nach „Die Bestimmung – Divergent“ und „Maze Runner“ kommt nun also „Hüter der Erinnerung – The Giver“, den Regie-Veteran Philip Noyce („Die Stunde der Patrioten“) inszenierte. Das Ergebnis ist äußerst monochrom, was nicht unbedingt daran liegt, dass gut das Viertel des Films schwarzweiß ist.


Die Chefin bestimmt und alle hören zu
Das inszenatorische Konzept des Films, es erinnert entfernt an „Pleaseantville“ von Gary Ross, geht zu Beginn auf. Die kalten Bilder in schwarzweiß, die jeden Anflug von Gefühl alleine schon optisch verstummen lassen, bieten einen direkten und wenig vorbereiteten Einstieg in die dargestellte, futuristische Welt. Dass die handelsübliche Exposition nur wenige Sekunden entfernt ist und diese mal wieder lieb- und kreativlos von statten geht, ist ein Makel, den scheinbar alle dystopischen Filme der letzten Zeit haben. Wenn sich der monotone Farbschleier schließlich für Hauptfigur Jonas (Brenton Twaites, „Maleficent“) hebt und er zum ersten Mal die Pracht der Farben vernimmt, so bleibt dieses Gefühl für den Zuschauer aus. Regisseur Noyce vermag es nicht die Erfahrung des Neuen, des Befreiten spürbar wie überzeugend zu visualisieren. Dem überforderten Brenton Twaites gelingt es ebenfalls nicht. Was dazu führt, dass man sich als Zuschauer irgendwie allein gelassen fühlt, in dieser fremden Zukunftswelt, deren Stilistik nicht nur kalt, sondern selbst wenn alle Farben erblüht sind, trivial ist. Die Welt von „Hüter der Erinnerung – The Giver“ ist kurz gesagt absolut fade, obwohl die dort befindliche Manipulation des menschlichen Verstandes, ja durchaus reizvoll und interessant erscheint. Dieses Themengebiet wird aber leider mehr schlecht als recht behandelt. Am Ende ist „Hüter der Erinnerung – The Giver“ mal wieder ein Opfer der Zielgruppenorientierung. Mehr Mut den Zuschauer mental herauszufordern wäre hier wahrscheinlich der Schlüssel zum Erfolg gewesen.


Der alte Hüter beim dumm gucken
Immerhin bietet „Hüter der Erinnerung – The Giver“ einen durch aus interessanten Cast. Jeff Bridges und Meryl Streep stechen natürlich heraus und auch wenn Streep ein wenig so wirkt, als würde sie auf Autopilot agieren und Bridges letztlich nicht mehr tut als die Masche des weisen, alten Mannes von A bis Z durchzugehen, sind die beiden doch die Highlight des Films. Dem gegenüber steht Hauptdarsteller Brenton Twaites auf verlorenem Posten, genau wie seine gleichaltrigen Mitstreiter. Schade vor allem, dass Cameron Monaghan hier verheizt wird. In der sensationellen Serie „Shameless“ weiß er nämlich zu überzeugen. In „Hüter der Erinnerung – The Giver“ darf er als Jonas bester Freund nur wieder die gängige Charakterschablone ausfüllen: vom besten Freund zum Feind. Sehr schlimm vor allem, da das Drehbuch auch keinerlei Anstalten macht, diesen altertümlichen Konflikt in irgendeiner Art und Weise neu zu modellieren oder auszubauen. Aber gut, dafür besitzt der Disput eh nur eine marginale Imposanz ohne Mehrwert und Kraft.


„Hüter der Erinnerung – The Giver“ könnte man als „Equlibrium“ auf Valium beschreiben. Wobei dieser Vergleich sicherlich mehr als nur ein Hinkebein besitzt. Dennoch ist der Film ein eher müder Versuch aus dem Trend der dystopischen Jugendbuchliteratur noch etwas Kleingeld herauszuquetschen. Es ist ein liebloser, weil ungehemmt anspruchsloser Film, obwohl die Vorlage durchaus als intelligenter Roman gilt. Die eigentliche Dimension des Stoffes, der dargebotenen Welt und alle ihrer Mysterien verebbt in der Beiläufig- und Mutlosigkeit der inszenierten Erzählung. „Hüter der Erinnerung – The Giver“ will es scheinbar allen recht machen und übernimmt deswegen auch gleich das Denken. Sehr bedauerlich.


3 von 10 feuchten Verstecken

Review: THE GIFT - DIE DUNKLE GABE - Die Hexe hinter vorgehaltener Hand

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Fakten:
The Gift – Die dunkle Gabe
USA. 2000. Regie: Sam Raimi. Buch: Billy Bob Thornton, Tom Epperson. Mit: Cate Blanchett, Giovanni Ribisi, Greg Kinnear, Keanu Reeves, Hilary Swank, Katie Holmes, Kim Dickens, Michael Jeter, Gary Cole, Rosemary Harris, J.K. Simmons, John Beasley, Chelcie Ross u.a. Länge: 111 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Annie, Mutter von drei kleinen Kindern und verwitwet, hat die Gabe der Wahrsagerei und verdient damit ihren Lebensunterhalt. Während eines Schulbesuchs lernt Annie Jessica kennen und hat eine Vision, die das Verschwinden von Jessica beinhaltet. Als diese wirklich verschwindet bittet die Polizei Annie um Hilfe.





Meinung:
Sam Raimis Filmographie ist in ihrer thematischen Strukturierung und den klaren Referenzen respektive Verzahnungen innerhalb dieser immer noch eine der interessantesten überhaupt: Mit „Tanz der Teufel“, „Tanz der Teufel 2“ und „Armee der Finsternis“ wurde der in Royal Oak geborene Raimi von Horror-Geeks schnell zum Messias des Fun-Splatters gekrönt, in dem er wunderbar eine inszenatorische Scharfsinnigkeit pflegte und diese mit einer echten Sturmflut an kreativen Einfällen kombinierte. Der Anblick von Blut, Schmodder und Gekröse hat selten so viel Laune gemacht bei dieser dreiteiligen Achterbahnfahrt. Neben seiner Vorliebe für das Schaurige, das Deftige und Komödiantische, zeichnete sich mit „Darkman“ eine neue Affinität ab: Der Comic, den er später mit „Spider-Man, „Spider-Man 2“ und „Spider-Man 3“ noch einmal durchweg großartig aufgegriffen hat und natürlich weiterhin zum Teil mit morbidem Gedankengut und üppigen Querverweisen zur eigenen Vita gestreckte. Zwischen diesen großen Bezugspunkten lassen sich aber immer wieder Filme entdecken, die als Übergänge fungieren, aber nie wirklich in den Fokus der Öffentlichkeit rutschen durften.


Annie wird von Donnie bedroht
Da wäre der verspielte Western „Schneller als der Tod“, der in Cineasten-Zirkeln weitreichend gefeierte Thriller „Ein einfacher Plan“ und der Okkult-Gruseler „The Gift“ von 2000, lange bevor Raimi mit „Drag Me to Hell“ zu seinen Wurzeln des Horrors zurückkehren wird oder mit „Die fantastische Welt von Oz“ den Klassiker in Form eines Prequels vergewaltigt. Warum die erstgenannte Filme nicht mit der ihnen rechtmäßigen Aufmerksamkeit belohnt wurden, lässt sich, trotz namhafter Besetzung, schnell absehen: Die Massenkompatibilität lässt zu wünschen übrig. Bei „The Gift“ aber, der heute schon wieder weitestgehend in Vergessenheit geraten ist, lässt sich traurigerweise postulieren, dass es um diesen Film wirklich nicht schade ist, hat sich Billy Bob Thornton mit seiner Vorlage doch ordentlich überhoben und Raimi eine – aus informalem Winkel betrachtet – akkurat nahezu unlösbare Aufgabe aufgebrummt. Dass „The Gift“ nun letztendlich scheitern musste, liegt daher sicherlich nicht an Raimis Inkompetenz, die ist schlichtweg nicht existent, der Mann beherrscht seinen Beruf nämlich fraglos, als eben an dem unausgereiften Skript.


Gesucht: Der Friseur der dieses Verbrechen begangen hat
„The Gift“ in eine klare Genre-Orientierung zu kategorisieren offenbart sich im Angesicht seiner inhaltlichen Zerstreuung als Ding der Unmöglichkeit: Okkultismus geht einher mit einem Gerichtsthriller, das Sozial-Drama mit einem atmosphärisch gezeichneten Milieu-Portriät und eine Kriminalgeschichte mit medialem Grusel. Das Drehbuch denkt in viele Richtungen und es wäre eine Lüge, würde man behaupten, Billy Bob Thornton hätte eine Arbeit ohne jedes Potenzial abgeliefert. Allein die Sequenzen im Gerichtssaal wissen den Konflikt, den das Südstaaten Kaff Brixton mit der vermeintlichen „Hexe“ gut auf den Punkt zu bringen und äußerst packend herauszuarbeiten. Während diese „Hexe“ selber eine von Leben gezeichneten Menschen namens Annie Wilson darstellt und mit ihrer hellseherischen Gabe mehr zu kämpfen hat, als dass sie diese vollständig zu ihrem Vorteil ausnutzen könnte. Mit Annie Wilson bekommen wir somit eine Hauptdarstellerin geboten, deren Fähigkeiten wir als Zuschauer niemals hinterfragen müssen, zu subjektiv schildert „The Gift“ ihre Präsenz, und die von Cate Blanchett mit einer natürlichen Introvertiertheit verkörpert wird, mit der man schnell sympathisiert und mitfühlt.


Je weiter der Film voranschreitet, desto extremer zerfasert er jedoch: Die Tätersuche, die jede forensische Analytik übersteigt, gipfelt in einem Moment des ungezwungenem mystischen Kitsches, der aufgesetzten kitschigen Mystik und lässt all den subtilen Grusel, der in „The Gift“ oftmals nur auf Samtpfoten geschlichen ist, der noch, auch wenn wir als Zuschauer nichts infrage stellen durften, immer einen Hauch von Zweifel inne trug, gerade aus der Perspektive Außenstehender, wird vollends in Luft aufgelöst und Annie bekommt ihre Katharsis, während der Zuschauer nicht nur der Auflösung vielleicht noch ein saloppes Achselzucken spendieren kann. Inszenatorisch aber gefällt „The Gift“ durchaus und findet einige stimmig-ästhetische Bilder des alptraumhaften Visionen und der engimatischen Sumpflandschaft, mit den schleichenden Nebelbänken und dem wispernden Vollmond. Doch das ist dann letzten Endes zu wenig, um das Gesamtpaket überzeugend zu schnüren.


4,5 von 10 Leichen im Teich 



von souli

Review: DER EISSTURM - Eiseskälte innen und außen

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Fakten:
Der Eissturm (The Ice Storm)
USA, 1997. Regie: Ang Lee. Buch: James Schamus. Mit: Kevin Kline, Joan Allen, Sigourney Weaver, James Sheridan, Tobey Maguire, Christina Ricci, Elijah Wood, Adam Hann-Byrd, Henry Czerny, David Krumholtz, Katie Holmes, Kate Burton u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In "Der Eissturm" portraitiert Ang Lee zwei Familien des gehobenen Mittelstands im Conneticut der frühen 70er Jahre. Die Hoods und Carvers sind gut befreundet, ihre Ehen stecken dabei in einer tiefen Krise. Ben Hood und Janey Carver haben eine Affaire miteinander, ihre Partner ahnen dies bereits, halten oberflächlich aber am Heile-Welt-Bild fest. Gleichzeiig entdecken ihre Kinder die Sexualiät für sich. Während eines Abends ein fürchterlicher Eissturm losbricht, spitzen sich die aufgestauten Situationen zu.


Meinung:
Feinfühlig, still und enorm gut beobachtend führt uns "Der Eissturm" mitten in das Leben zweier amerikanischen Bilderbuchfamilien. Oder zumindest Familien, die auf dem Papier diese Voraussetzungen erfüllen. Denn unter der heilen Schale stimmt überhaupt nichts mehr. Zeitlich angesiedelt 1973, als sich die Gesellschaft im Umbruch befand, alte Wertvorstellungen langsam zerbröckelten und sich neu orientierten. Davon erzählt Ang Lee, anhand der sich endremdeten Eltern und ihrer sich auf sexueller Ebene näherkommenden Kinder. "Der Eissturm" behandelt somit zum Teil klassischen Comig-of-Age Stoff, parallel zu dem drohenden Einbruch einer maroden Ehe, die schon lange nur noch durch Lügen, Geheimnisse und unausgesprochene Konflikte zusammengehalten wird.


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Emotional herrscht Eiszeit
Leicht poetisch vorgetragen, durchzogen von stetig spürbarer Melancholie, dabei niemals übertrieben rührseelig oder unpassend überdramatisierend wird sich bewusst Zeit genommen, um in die Figuren einfühlen zu können. Das gelingt problemlos, dank der Kombination aus einer sensiblen, glaubhaften Charakterzeichnung und hervorragenden Darstellern. Erstaunlicherweise wurde gerade bei den jugendlichen Darstellern ein sehr geschicktes Händchen bewiesen. Ganz neu im Geschäft war zwar keiner von ihnen, die Karrieren von Tobey Maguire, Elijah Wood, Katie Holmes und Christina Ricci (von der noch am ehesten) waren so aber sicherlich noch nicht zu erahnen. In den "erwachsenen" Hauptrollen glänzen besonders Kevin Kline, Joan Allen und Sigourney Weaver als tragische Dreiecksbeziehung. Das es ihnen gelingt, ihre Rollen so authentisch rüberzubringen, sie mit Leben und Tiefe zu erfüllen, die für die Stimmung und der ruhigen Erzählweise wichtigen, kleinen Nuancen auf den Punkt zu bringen, lässt die angepeilte Wirkung von "Der Eissturm" erst aufgehen.


Ungeduldige Zeitgenossen dürften eventuell ihre Probleme bekommen, denn hier verfällt niemand in Hektik oder legt es darauf an, die Geschehnisse sich überschlagen zu lassen. Das ist auch gut so. Nur auf diese Weise verliert Ang Lee nicht den Boden seiner ehrlichen Arbeit unter den Füssen, durch die sein Film erst seine Stärke gewinnt. Emotionen sind hier jederzeit nachvollziehbar, berühren uns auf eine ganz natürliche Art und es bedarf keiner übersprudelnden Pathosshow oder manipulativer Gefühlduselei. Dadurch entfernt sich "Der Eissturm" ganz weit von leider oft gestelzten US-Drama-Eintopf, erinnert eher sogar an europäisches Kino. In seiner Unspektakularität ein leises Spektakel. Schön.


8 von 10 Kilo Streusalz

Review: NICHT AUFLEGEN - Gefangen in der (Telefon)Zelle

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http://data1.blog.de/blog/f/filmtexte/img/Nicht-Auflegen.jpg
                                                                            

Fakten:
Nicht auflegen! (Phone Booth)
USA, 2002. Regie: Joel Schumacher. Buch: Larry Cohen. Mit: Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland u.a. Länge: 78 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Stu ist ein selbstverliebter PR-Manager, arrogant, großkotzig, erfolgreich. Wie so oft sucht er für ein Telefonat mit seiner Beinahe-Geliebten eine öffentliche Telefonzelle auf, damit seine Ehefrau nichts davon mit bekommt. Diesmal wird jedoch er angerufen. Ein fremde Stimme ist zu hören. Der Mann scheint ihn gut zu kennen und sogar zu beobachten. Als Stu das Gespräch beenden will macht ihm der Fremde unmissverständlich zu verstehen, dass der durchgeladen und entsichert ist...


                   

Meinung:
Die Idee zum Film geisterte schon Jahrzehnte durch Hollywood, selbst Alfred Hitchcock hatte Interesse an einer Umsetzung. Am Ende realisierte es Joel Schumacher, gerade noch rechtzeitig. 2002 gehörten Handys schließlich schon zum guten Ton, Telefonzellen starben aus. Heute wäre der Film wohl gar nicht mehr zu drehen gewesen.


Das Konzept ist so einfach und in seiner Schlichtheit so gut. Ein Mann steht in einer Telefonzelle, bedroht von einem Scharfschützen. Daraus lässt sich naturgemäß kein Actionspektakel zaubern, dafür eine Art Kammerspiel. Joel Schumacher, bei dem von Top bis Flop immer alles möglich ist, liefert eine durchwegs saubere Regiearbeit ab. Besonders die Herangeheinsweise stellt sich als goldrichtig heraus. In Echtzeit gedreht, nur knappe 78 Minuten Laufzeit. Die sehr begrenzte Vorlaufzeit, in der Protagonist Stu ausschließlich durch Telefonate und sein arrogantes Verhalten charakterisiert wird, erweist sich als vollkommen ausreichend. Mehr muss über ihn nicht erfahren werden, der Rest ergibt sich aus der Haupthandlung. In der passiert effektiv nicht viel mehr, als ein Telefonat zwischen Stu und seinem unbekannten Richter und Henker in einer Person. Etwas mehr natürlich schon, doch das ist der Kern der Handlung. Stu gerät in ein perfides Spielchen, bis ins Detail durchgeplant. Durch einen tödlichen Schuß wird es zum Medienspektakel, in dessen Mitte der eigentlich widerliche Kotzbrocken steht, der in wenigen Minuten zum bemitleidenswerten Opfer wird. 


Noch ganz entspannt: Stu.
Diese Wandlung, die sich letztendlich auch auf den Charakter von Stu überträgt, ist selbst in der kurzen Zeit absolut plausibel. Zu sehr und direkt wird er in einem lebensbedrohlichen Szenario in die Ecke gedrängt, hat keine Chance sich wie sonst irgendwie rauszuwinden. Sein Leben, sein ganzes Handeln liegt in den Händen des Unbekannten. Diese Situation ist beklemmend, hochspannend und gleichermaßen geschickt wie intensiv inszeniert. Es wird viel mit Splitscreen und Bild-in-Bild Montagen gearbeitet, wodurch sich der Zuschauer nie zu weit von Stu und seinem gläsernen Gefängnis entfernt. Die Hilflosigkeit ist jederzeit spürbar, das Damoklesschwert baumelt unerbittlich über ihm und droht jeden Moment zu fallen. Das ist die besondere Stärke von "Phone Booth". Er hat eine einfache Idee und nutzt diese sehr geschickt. Es braucht keinen Firlefanz, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Genau wie Regisseur Schumacher ist Colin Farrell auch so ein unberechenbarer Faktor, da geht viel nach oben oder unten. In dem Fall geht der Daumen klar nach oben, Farrell passt nicht nur gut auf die Rolle, er füllt sie auch überzeugend aus. "Phone Booth" ist für eine Hollywoodproduktion mit prominenten Cast erstaunlich wie erfreulich simpel gehalten und verschenkt somit die gute Grundidee nicht. Das ist keine Selbstverständlichkeit und wäre oft, im Sinne von Studiobossen und Produzenten, nicht genug gewesen. 


Unter Strich können nur wenige Details kritisiert werden. So packend die gesamte Handlung ist, den ein oder anderen überraschenden Einfall hätte es vielleicht noch geben können. Zudem wird dem Killer zwar grob eine Motivation gegeben, so richtig mag sich das Treiben dann doch nicht erschließen. Das stört aber letztendlich kein Stück. Ein sehr kurzweiliger Thriller mit hervorragender Idee. Nicht genial, aber unbestreitbar sehr sehenswert.

7,5 von 10 prähistorischen Telefondingern

Review: JACK UND JILL - Adam Sandler²

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Fakten:
Jack und Jill (Jack and Jill)
USA. 2011. Regie: Dennis Dugan. Buch: Ben Zook, Adam Sandler, Steve Koren. Mit: Adam Sandler, Al Pacino, Katie Holmes, Nick Swardson, Allen Covert, Tim Meadows, David Spade, Johnny Depp, Claudia Adams, Santiago Segura, John Farley, Don Abernathy, Regis Philbin, Dana Carvey, Shaquille O'Neal, Luis Fernandez-Gil, Eugenio u.a. Länge: 91 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Jack hat eigentlich schon genug Probleme am Hals. Sein indischer Adoptivsohn klebt sich ständig Lebensmittel an den Körper, seine Werbeagentur steht kurz davor ihren wichtigsten Kunden zu verlieren und seine Mitarbeiter machen auch Schwierigkeiten. Doch das alles ist noch zu ertragen, im Gegensatz zu Jacks Zwillingsschwester Jill, die ihren Bruder und dessen Familie eigentlich nur für ein paar Tage besuchen will, doch aus Kurzaufenthalt entwickelt sich ein längerer Besuch, der Jacks Leben gehörig auf den Kopf stellt.





Meinung:
Adam Sandler ist einer der erfolgreichsten Männer Hollywoods. Dies geht aber nicht einher mit der Qualität seiner Komödien. Wohl kein anderer Komiker/Darsteller wird so konsequent mit verschmähenden Kritiken und Kommentaren zugeschüttet wie er. Seinem Erfolg schadet dies aber nicht. Zwar waren nicht alle Komödien mit ihm große Kassenhits, wahre kommerzielle Flops waren aber auch noch nicht dabei. Vielleicht sind Sandler-Filme so populär und erfolgreich, weil die meisten genau wissen, was sie erwartet, wenn sein Name auf dem Filmplakat prangert. Sandler steht für direkten, flachen Witz. Subtil, vielschichtig oder gar politisch scheint es in seinem Humor-Vokabular nicht zu geben. Dies macht seine Art von Komik so erfolgreich wie auch ermüdend. Wirklich schade, dass dabei immer wieder vergessen wird, dass Sandler sich sogar zweimal traute ins ernste Fach zu wechseln. In „Punch-Drunk Love“ von P.T. Anderson brillierte er genau so gekonnt wie in Mike Binders 9/11-Verarbeitungsdrama „Reign over me – Die Liebe in mir“. Doch diese zwei Ausreißer sind längst wieder verblasst. Schade, denn seine neusten Komödien waren bislang meist nur schwer zu ertragen und „Jack und Jill“ ist aktuell die Sperrspitze verkorkster Sandler-Filme.


Sandler²
Zu Beginn von „Jack und Jill“, in der Sandler in einer Doppelrolle Bruder wie Schwester spielt, wenn Zwillingspaare interviewt werden, keimt noch Hoffnung auf eine einfache aber nett erzählte Geschwistergeschichte, doch bereits nach wenigen Minuten wenn die ersten ungelenken Schambehaarungs- und Flatulenz-Gags abgeschossen werden wird klar, dass die siebte Zusammenarbeit von Regisseur Dennis Dugan und seinem Star mehr eine Strapaze als ein Lachfest wird.  Spätestens dann, wenn Zwillingsschwester Jill auftaucht wird diese Vermutung schmerzhaft bestätigt. Statt treffsicheren Pointen erwartet uns Zuschauern ein nicht enden wollendes Schreckenskabinett aus altertümlichen, vergilbte Witzchen aus den Komik-Archiven. Laute wie einschläfernde Streitgespräche zwischen unsagbar öden Charakteren gehören da noch zu den angenehmsten Situationen des Films. Wobei es hier besonders auffällt, dass Sandler es besonders genießt, pubertären Humor mit Spießbürgertum zu vermischen, ohne dass es sonderlich homogen wirkt, aber auch ohne einen erkennbaren Reiz zwischen diese beiden angeblichen Antipoden.


„Jack und Jill“ ist eine durch und durch miserable Komödie. Das wäre nicht schlimm, aber zu allem Überfluss versagt der Film auch dann, wenn er ohne Schwierigkeiten punkten könnte, nämlich bei der Destruktion. Schauspiel-Legende Al Pacino gehört zum Cast des Films und die Frage warum er sich dafür bereit erklärte hinterlässt einen schier endlosen Schwall aus Vermutungen. Pacino darf sich hier selbst spielen und der Film tut alles um ihn und seinen Ruf durch den Kakao zu ziehen. Pacino parodiert Pacino. Ein so einfaches wie jedoch auch immer wieder gern gesehenes Format, nur hier funktioniert es nicht. Das Drumherum wirkt zu nichtig, zu schluderig erzählt und auch wenn die humoreske Demontage des Mythos Pacino nicht ganz so unterirdisch geraten ist wie die anderen zähen, kraftlosen Zwerchfellangriffe des Films, so bleiben sie dennoch zweitklassig und größtenteils verzichtbar, weil sie sich zum einen selbstwiederholen und zum anderen ohne echten Pep daherkommen.


Adam Sandler, der bei den Anti-Oscars, den Razzie Awards, in diesem Jahr geradezu überschüttet wurde mit Auszeichnung („Jack und Jill“ sei Dank), hat einen neuen, komödiantischen Tiefpunkt abgeliefert. Ärgerlich gehaltlose und eindimensionale Figuren, schlaffe Pointen sowie eine uninteressante und gläserne Story machen die Geschichte rund um das ungleiche Zwillingspärchen wirklich zu einen der wohl schlechtesten, (un)kreativen Outputs von Adam Sandler und seinem Team. Da hilft auch kein Cameo von Johnny Depp. Echt nicht.

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