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Review: THOR: TAG DER ENTSCHEIDUNG - Als Komödie recht gelungen

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Fakten:
Thor: Tag der Entscheidung (Thor: Ragnarok)
USA, NZ. 2017. Regie: Taika Waititi. Buch. Larry Lieber, Christopher Yost, Craig Kyle. Mit: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Mark Ruffalo, Cate Blanchett, Tessa Thompson, Jeff Goldblum, Idris Elba, Anthony Hopkins, Karl Urban, Benedict Cumberbatch, Sam Neill, Taika Waititi, Jaime Alexander, Ray Stevenson, Clancy Brown u.a. Länge: 130 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 31. Oktober 2017 im Kino.

Story:
Hammer weg, Haare ab - manchmal kommt selbst für einen Superhelden alles anders als gedacht: Während Asgard und seiner Bevölkerung durch die Tyrannei der skrupellosen Hela der Untergang droht, wird Thor am anderen Ende des Universums ohne seine mächtige Waffe gefangen gehalten. In einem atemlosen Wettlauf gegen die Zeit versucht der Göttersohn seinen Weg zurück in die Heimat zu finden, um 'Ragnarök', die gefürchtete Götterdämmerung, aufzuhalten. Doch vorher muss er sich in einem tödlichen Gladiatorenkampf keinem Geringeren als einem alten Verbündeten und Mitglied der Avengers stellen: dem unglaublichen Hulk!



Kritik:
Dem Donnergott Thor aus dem Marvel Cinematic Universe war es bisher vergönnt, eine konstante Stilistik in seinen Solo-Abenteuern zu haben. Unter Regisseur Kenneth Branagh erlebte der Sohn von Odin ein theatralische, fast schon shakespeareske Ereignisse, während ihn der Terminator: Genisys-Macher Alan Taylor ihn in ein High-Concept Fantasyabenteuer steckte. Die Ergebnisse waren nie verkehrt, aber immer ein gutes Stück davon entfernt ganz oben beim internen Wettkampf der Marvel-Superhelden mitzuspielen. Mit Thor: Ragnarok, der hierzulande leider den arg schematischen Titel Thor: Tag der Entscheidung verpasst bekam, soll sich dies nun ändern.

Unter der Regie des Neuseeländers Taika Waititi, der zuvor kleine Perlen wie Eagle vs. Shark oder den grandios-witzigen 5 Zimmer Küche Sarg inszenierte, erwarten die meisten wohl ein komödiantisch schwergewichtiges Abenteuer rund um Thor. Keine Sorge, diese Erwartungen werden erfüllt. Die Komik steht klar im Fokus. Zwar gibt es die altbekannten Actionszenen mit viel Pomp, CGI—Bombast und zusammenfallenden Objekten immer noch, diese Momente haben aber keinerlei wirkliche Inbrunst. Sie existieren, um die Handlung voran zu bringen,im Gedächtnis festsetzten tun sie sich nicht.

Gleiches gilt allerdings auch für die Geschichte. Die bietet mit einigen Überraschungen im Bereich der Besetzung zwar durchaus ihre Aha-Momente, wirklich Akzente werden aber nicht gesetzt. Mehr noch: Die Geschichte wirkt zu großen Teil arg beliebig und sehr zusammengewürfelt. Zwar wird hier erneut am Marvel Cinematic Universe herum gearbeitet und am Ende hat sich innerhalb des Universums wieder etwas getan, bzw. verändert, wirkungsvoll transportiert wird das aber nicht. Dazu kommt, dass einst wichtige Figuren mit kurzen Szenen oder gar mit einem kurzen Satz abgehakt werden, ohne dass es wirklich einen spürbaren Einfluss auf die Entwicklung nimmt.

Konzentriert man sich allerdings auf die humoristische Stärke des Films, stören diese Makel nur noch bedingt – was nicht bedeutet, sie wären abwesend. Als reinrassige Komödie, vor polychromer Kulisse und unterstützt mit einem 80s Soundtrack von Devo-Frontmann Marks Motherbaughs, macht Thor: Tag der Entscheidung ordentlich Spaß. Ein Spaß, der allerdings immer wieder fahrige Momente aufweist und niemals kaschieren kann, dass auch der dritte Solofilm des hammerschwingenden Donnergottes letztlich nur eine Vorbereitung ist auf das nächste Werk des Marvel Studios und dies obwohl der Titelheld hier doch mit den wohl größten Aufgaben seiner Laufbahn konfrontiert wird.

6,5 von 10 zynischen Sprüchen

Review: CAROL – Die Schönheit des Moments

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Fakten:
Carol
GB, US. 2015. Regie: Todd Haynes. Buch: Phyllis Nagy, Patricia Highsmith (Vorlage). Mit: Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson, Kyle Chandler, Cory Michael Smith u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Im Kino.


Story:
New York, Anfang der 50er Jahre. Therese Belivet arbeitet als Verkäuferin in einem großen Warenhaus und erhofft sich ein besseres Leben. Als sie ihre Kundin Carol Aird bedient, fühlen die zwei Frauen sich spontan zueinander hingezogen. Auf den ersten Blick könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Therese ist zurückhaltend und traut sich kaum das Wort Nein zu verwenden, Carol ist dominant und steckt mitten in einem Sorgerechtsstreit mit ihrem zukünftigen Exmann. Als die beiden sich näherkommen entsteht ein Liebe, die von ihrem direkten Umfeld nicht verstanden wird.





Meinung:
Mit fünf Nominierungen gilt „Carol“ als einer der Favoriten bei der diesjährigen Verleihung der Golden Globes und damit auch als einer der großen Oscarkandidaten, wenn der größte amerikanische Filmpreis im Februar erneut vergeben wird. Regisseur Todd Haynes präsentiert mit „Carol“ einen der großen Kritikerlieblinge des Filmjahres und wer den Film gesehen hat, versteht warum sich der Film derzeit so großer Beliebtheit erfreut. Auf den ersten Blick ist „Carol“ typisches Oscarkino, ein langsames Drama mit bekannten Namen bestückt und grandios ausgestattet. Doch unter der detailgetreuen und authentischen Darstellung der 50er Jahre liegt weitaus mehr verborgen als nur ein hübsch anzusehender Film.


Carols Blick schweift in neue Richtungen
„Carol“ beschäftigt sich fast ausschließlich mit seinen beiden Protagonistinnen, die ihren üppigen Vorschusslorbeeren auch mehr als gerecht werden. Nicht umsonst wird Cate Blanchett als moderne Greta Garbo und Rooney Mara als Neuinterpretation Audrey Hepburns gefeiert. Inwiefern diese Vergleiche überhaupt notwendig sind sei einmal dahingestellt, schließlich stehen die beiden wunderbar für sich selbst und obgleich Garbo und Hepburn großartige Darstellerinnen waren, verdienen es Blanchett und Mara nicht, lediglich auf ihre Ähnlichkeit zu diesen Größen reduziert zu werden. Sie sind das Herzstück des Films und tragen diese Rollen auch mühelos, Mara in ihrer gläsernen Verletzlichkeit gleichermaßen wie die innerlich zerrissene Blanchett. Für sich genommen schon großartig, entfalten sie die volle Wirkung ihres Schauspiels in gemeinsamen Szenen. Zärtliche Berührungen, die so intensiv sind, dass dem Betrachter der Atem stockt, beiläufige Blicke, die mehr sagen als bloße Worte. Hier ein schwaches Lächeln, dort eine zweideutige Anmerkung, so sieht große Schauspielkunst aus und dafür darf und wird es wahrscheinlich auch die verdienten Preise geben. Seine Regie unterwirft Haynes komplett dieser Beziehung, seine Bilder sind warmherzig und intim, müsste man die Stimmung des Films mit einem Wort beschreiben, dann wäre es wohl 'zärtlich'.


Rooney Mara kann sich gegen die Blanchett behaupten
Gleichermaßen offenbaren diese Momente der Zweisamkeit aber auch die Schwächen des Films. So gelungen die intimen Momente der beiden Frauen auch sind, machen sie doch die dramaturgischen Probleme des Films nur zu deutlich. Abseits der fast schon träumerischen Szenen mangelt es an Konflikten, die in Form von Carols Tochter zumindest rudimentär vorhanden sind. Die größte Schwäche ist dabei wie nebensächlich er die alltäglichen Probleme der Frauen abhandelt, er macht ihnen zu wenig Platz um eine wirkliche Wirkung zu erzielen, was den fertigen Film auch spürbar in die Länge zieht. Der Regisseur hätte sich entweder mehr oder schlichtweg gar nicht auf diese Konflikte einlassen dürfen, so aber verpasst Haynes den entscheidenden Schritt in eine bestimmte Richtung und schafft es weder sich vollends in der Zwischenmenschlichkeit seiner Charaktere zu verlieren, noch die dramaturgische Komponente zufriedenstellend auszuarbeiten. Das mag nun deutlich härter klingen als es „Carol“ verdient hat, schließlich verirrt er sich nur gelegentlich in diesen Momenten der Unentschlossenheit. Dennoch ist es auf gewisse Weise sehr ärgerlich, könnte der Film doch so viel mehr sein wenn Haynes nur ein Stückchen mutiger und entschlossener den Schritt in die richtige Richtung gewählt hätte.


Das wirklich schöne an „Carol“ ist aber seine intime und ehrliche Darstellung einer Liebesbeziehung. Ganz einfach zwei Frauen, die sich ineinander verlieben. Kein unglückliches Ende, kein (Selbst)Mord, keine groß angelegte Coming-Out Szene und vor allem keine schwülstigen Reden über die Bedeutung von Liebe. Einfach nur zwei Menschen, die zueinander gehören. Das sind die Momente die „Carol“ ausmachen und die den Film trotz seiner Langatmigkeit zu einem mitreißenden und empfehlenswerten Stück Kino machen.


7 von 10 vergessenen Handschuhen


von Vitellone

Review: KNIGHT OF CUPS – Die unaufhörliche Sinnkrise im Sündenpfuhl Los Angeles

1 Kommentar:



Fakten:
Knight of Cups
US, 2015.
Regie & Buch: Terrence Malick. Mit: Christian Bale, Cate Blanchett, Natalie Portman, Wes Bentley, Brian Dennehy, Imogen Poots, Antonio Banderas, Armin Mueller-Stahl u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Ab 14. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Rick ist Drehbuchautor und führt das typische Hollywood-Leben zwischen prunkvollen Partys und wunderschönen Frauen. Trotzdem scheint er mit seinem Leben schwer zu hadern. Unentwegt versucht er, die Leere in sich zu ergründen und zu kompensieren, während langwierige Erinnerungen, flüchtige Bekanntschaften, tiefgehende Beziehungen, familiäre Auseinandersetzungen und selbstreflexive Beobachtungen an ihm vorbeischwirren.





Meinung:
Terrence Malick ist ohne Zweifel eines der größten Enigmen der Filmgeschichte. Der
zurückgezogen lebende, öffentlichkeitsscheue Regisseur hat in seiner über 40-jährigen Karriere gerade mal sieben Filme gedreht. Zwischen zwei Werken sind auch schon mal geschlagene 20 Jahre vergangen, während Malick selbst 1975 das letzte Mal ein Interview gegeben hat. Trotzdem stehen selbst die größten Star-Schauspieler Schlange, um eine Rolle in seinen Filmen zu ergattern, welche dann in der Postproduktion womöglich der Schere zum Opfer fällt oder auf wenige Minuten Screentime reduziert wird. Andererseits ist die allgemeine Faszination für den Stil des Regisseurs sehr wohl nachvollziehbar, denn Malick ist einer der sinnlichsten und radikalsten Filmpoeten, welcher eher Gedichte oder Sinfonien in filmischer Form kreiert und dabei meist Bilder findet, die es in derartiger Form nirgendwo anders zu bestaunen gibt.


Und immer schön in die Ferne schauen
Der siebte Spielfilm des Regisseurs ist wenig überraschend erneut gefundenes Fressen für Kritiker seines Schaffens und stellt dabei sogar treue Fans gewissermaßen auf die Probe. "Knight of Cups" ist nochmal radikaler, eigenwilliger und abstrakter in Form und Erzählart, als es dessen bisherige Werke ohnehin schon waren. Die schier unaufhörliche Suche von Hauptfigur Rick, einer offenbar erfolgreichen Persönlichkeit in Hollywood-Kreisen, nach dem Sinn in seinem Leben, einem Platz in der Welt und überhaupt nach dem eigenen Ich folgt erneut keiner nachvollziehbaren Struktur. Noch stärker als je zuvor verfolgt Malick eher Stimmungsbilder, lose Eindrücke sowie markante Stationen im Dasein seiner Hauptfigur, die er in äußerst fragmentarischen Handlungsplittern und visuell zutiefst experimentell montierterten Bilderfluten auf den Betrachter einströmen lässt. Auch auf klassische Dialoge verzichtet Malick überwiegend. Viel mehr erlebt man Abfolgen von bedeutungsschwangeren Voice-over-Monologen, die selbstgerichtet oder anderen Figuren gewidmet sind, unentwegt über den Bildern schweben und Gefühle beleuchten, Aussagen
treffen, Fragen stellen oder nach Erklärungen suchen.


Bale als Karussel. Der Mann ist echt vielseitig
Wenn Rick, der von Hauptdarsteller Christian Bale so apathisch und desillusioniert wie nur möglich verkörpert wird und meist wie eine bloße Hülle wirkt, zum wiederholten Male durch irgendein Szenario läuft, eine Frau in sein Leben tritt, verschwindet, eine neue Frau folgt, wieder verschwindet, Aufnahmen von Wüstenlandschaften, Hunden in Swimmingpools oder Fahrten über den Highway dazwischen geschnitten werden, bewegt sich Malick in seinem ohnehin kaum definierbaren, aber diesmal etwas repetitiven Erzählrhythmus manchmal gefährlich nah am Rand zur Selbstparodie. Selbst wenn dieses Aneinanderreihen von befremdlicher Kälte, berührenden Momenten, überwältigenden Erlebnissen, oberflächlichen Posen oder auch mal belanglos wirkenden Situationen einen umso konsequenteren Ausdruck des unverwechselbaren Stils des Regisseurs darstellt. Neben dem unfassbar virtuosen Schnitt, an dem wieder gleich drei Leute gearbeitet haben, ist die Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki mal wieder der eigentliche Star des Films. Mit seiner schwebenden Steadycam fängt Lubezki Bilder von unbeschreiblicher Schönheit ein, die selbst banale Alltags-Momente in surreal erscheinende Kunstwerke verwandeln und nicht selten ein ebenso faszinierendes wie verstörendes Gefühl entfachen. Unterstützt wird diese Atmosphäre noch durch den Einsatz viel klassischer Musik, welche die meist hochmoderne Architektur in ein ganz anderes Licht rückt, als man es gewohnt ist.


Während Anhänger des Regisseurs also auf der audiovisuellen Ebene wieder ins Schwärmen
geraten dürften, werden Malick-Gegner schon nach nicht mal der Hälfte der Laufzeit resigniert abschalten, wenn der gefühlt dutzendste Sprung in der Montage erfolgt oder unaufhörlich ein Voice-over nach dem anderen erklingt, wobei Malick selbst große Schauspieltalente für nur wenige Minuten oder gar Sekunden auftreten lässt. Die zahlreichen Fragen, die Malick aufwirft, sowie die Themengebiete, welche er umkreist und die oftmals autobiographische Bezüge aufweisen, lässt er bewusst unbeantwortet. Ob Rick am Ende einen Ausweg aus seiner Existenzkrise findet, den Suizid-Verlust seines Bruder verkraften kann, sich mit seinem Vater versöhnen wird, endlich die richtige Frau findet und das Leben als der Mann lebt, der er nach eigener Aussage nie war, darf sich der Zuschauer selbst beantworten. Malick ist und bleibt nichtsdestotrotz eine faszinierende Ausnahmeerscheinung in der Filmlandschaft und seine Werke sind ebenso anstrengend wie bereichernd, ebenso wunderschön wie abstoßend und lassen einen definitiv niemals kalt. Sie sind unbestreitbar Erlebnisse.


8 von 10 Sprünge in den Swimmingpool


von Pat

Review: DER TALENTIERTE MR. RIPLEY - Ein abgebrühtes Babyface

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Fakten:
Der talentierte Mr. Ripley (The Talented Mr. Ripley)
USA, 1999. Regie: Anthony Minghella. Buch: Anthony Minghella, Patricia Highsmith (Vorlage). Mit: Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Sergio Rubini, Philip Baker Hall, Celia Weston, Stefania Rocca u.a. Länge: 139 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Tom Ripley ist mittellos, dafür äußerst talentiert. Auf dem Gebiet der Täuschung. Durch eine Verwechslung kommt er an einen lukrativen Job: Der reiche Geschäftsmann Greenleaf beauftragt ihn, in Italien dessen Sohn Dickie aufzuspüren, den er fälschlicherweise für einen alten Collegefreund von Ripley hält. Für 1000 Dollar plus Spesen soll er ihn überreden, sein Lotterleben dort aufzugeben und endlich in die Heimat zurückzukehren. In Italien angekommen kann Tom sich tatsächlich mit Dickie und dessen Freundin Marge anfreunden, gesteht ihnen sogar schnell seinen Auftrag und gibt fortan mit Dickie das Geld seines Vaters mit vollen Händen aus. Doch bald schon kommt es zu Spannungen. Tom soll wieder in die USA zurück, dabei hat er sich schon längst nicht nur mit Dickie angefreundet, er identifiziert sich bereits mit ihm. Will sein Leben, alles, bedingungslos. Bei einer Bootstour kommt es zum Streit. Nur Tom kommt wieder an Land und muss nun ein Geflecht aus Lügen aufrechterhalten…





                                                                                       

Meinung:
Bereits 1960 erschien mit „Nur die Sonne war Zeuge“ eine französische Adaption des Romans „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith. Unter der Regie von Réne Clément schlüpft der damals international noch relativ unbekannte Alain Delon in die Rolle des gewieften Betrügers Tom Ripley, der eigentlich einen verwöhnten Millionärssohn davon überzeugen soll, seinen ausschweifenden Müßiggang unter der italienischen Sonne aufzugeben und endlich nach Hause zurückzukehren, stattdessen sich mit ihm anfreundet und auf Kosten des Familienoberhaupts das Dolce Vita genießt. Bis seine Mission abgeblasen, der Geldhahn abgedreht wird, Ripley sich in die Verlobte seines Freundes verguckt und beschließt, den Konkurrenten verschwinden zu lassen, um dessen Identität anzunehmen.


Auf lange Sicht ist hier jemand überflüssig...
Diese fast 40 Jahre später gedrehte Version von Anthony Minghella („Der englische Patient“) soll eindeutig nicht als Remake des zum Klassiker gewordenen und heute noch fantastischen Thrillers von Clément verstanden werden. Vielmehr wagt sich Minghella an eine neue Verfilmung der Romanvorlage, geht diese ganz anders an und erlaubt sich einige künstlerische Freiheiten in Bezug auf die Werktreue. Dennoch bleibt es logischerweise kaum aus, bei Kenntnis beider filmischer Umsetzungen sie miteinander zu vergleichen. Nicht in der üblichen Original/Remake-Gegenüberstellung, in der das Remake von vornherein schon mal mit schlechteren Karten spielt, sondern in ihrer Art den Stoff zu interpretieren. Rein formal lässt sich über Minghellas elegante, formvollendete Inszenierung kaum ein schlechtes Wort verlieren. Sein Film schmiegt sich an den Zuschauer wie ein maßgeschneiderter Anzug. In erlesenen Bildern und mit einem behutsamen Händchen baut er deutlich ausführlicher als Clément seiner Zeit die Handlung auf. Um es an Fakten zu markieren: Die damalige Eröffnungsszene gibt es auch bei Minghella…nach gut 35 Minuten! Bis dahin betreibt der Mann keine Zeitverschwendung, sondern nutzt den üppigen Vorlauf um die Figuren und ihre Beziehung zueinander zu festigen. Vor malerischer Postkartenkulisse erleben wir, wie der höfliche, etwas unsichere, milchgesichtige, dennoch offensichtlich mit allen Wassern gewaschene Überlebenskünstler Tom Ripley sich das Vertrauen des Lebemannes Dickie Greenleaf erschleicht.


Die Party ist vorbei, es muss Tacheles gesprochen werden.
Gegensätzlicher könnten sie kaum sein. Greenleaf ist ein braungebrannter, charismatischer Playboy. Ein Partylöwe und Schürzenjäger, dem die Welt nicht nur aufgrund seines Wohlstandes, sondern auch wegen seines sich kaum zu entziehenden Charmes zu Füßen liegt. Jeder sonnt sich gerne im Schatten seiner fast magischen Ausstrahlung. Auch Ripley. Ein käseweißer, aschfahler, unauffälliger Kerl mit hässlicher Cordjacke und dicker Buchhalterbrille. Schnell gelingt es ihm, sich in das Leben des Berufssohns zu schummeln, sich wie ein Parasit an ihm festzusaugen und von seinem Glanz zu zehren. Minghella beschreibt diesen Prozess in einem bedächtigen, jedoch nicht lähmenden Tempo detailliert und lässt bereits durchblitzen, dass Ripley mehr sein will als „nur“ ein guter Freund. Durchaus spannend, sogar (oder vielleicht ganz besonders) wenn einem der weitere Handlungsverlauf bekannt sein mag. Sogar ein (weder im Roman noch in der ersten Verfilmung vorhandener) homoerotischer Unterton wird suggeriert, der das Ganze noch etwas undurchsichtiger, eigenständiger macht und an sich gar kein uninteressanter Ansatz ist. Dank dieses ausgiebigen, individuellen Prologs schafft sich „Der talentierte Mr. Ripley“ bis dahin eine ganz klare Daseinsberechtigung und lässt gespannt darauf werden, wie sich der deutlich um psychologische Muster bemühte Aufbau entwickeln wird. Minghella will viel (Neues) aus dem Stoff herausholen, sehr löblich, nur stolpert er ausgerechnet dann über seine guten Vorsätze, als der Plot richtig ins Rollen kommt und sich wieder deutlicher „Nur die Sonne war Zeuge“ annähert.


Erkennt sich Ripley nicht mehr wieder?
Während Delon und sein Ripley eindeutig als gerissener, eiskalter Mörder und Identitätsdieb angelegt war, stolpert der hier von Matt Damon verkörperte Ripley eher unfreiwillig durch das Geschehen, handelt im Affekt und reagiert nur fast reflexartig mit einer durchtriebenen Hinterlist, die ihn selbst oft erschrecken zu scheint. Natürlich erzeugt auch das eine gewisse Spannung, allerdings lange nicht so packend und intensiv. Nicht nur die Figur des Ripley, auch das Skript mutet nun oft unsicher an, lässt seinen „Helden“ immer mal wieder anders, wechselhaft auftreten. Mal panisch, hektisch und bald bemitleidenswert, dann wieder skrupellos und erstaunlich überlegt. Ambivalenz ist in solchen Filmen zwar eigentlich eine schöne Sache, nur bleibt dieser Ripley für den Zuschauer die ganze Zeit über zu wenig greifbar, in seinem Handeln zu wenig konsequent, eigenartig-unangenehm (im negativen Sinne) fremd. Was will er, was soll er sein? Der vorher bemühte, psychologische Aspekt erfährt keine schlüssige Fortführung. Zumindest nicht in dem Maß, wie es erforderlich wäre. Dazu kommt ein Matt Damon, der diese – zugegeben, nicht einfache – Rolle nicht richtig zu stemmen vermag. Man könnte annehmen, er käme gerade von der eigenen Konfirmation und wurde in die Klamotten seines großen Bruders gesteckt. Zu selten lässt er irgendetwas aufblitzen, was ihn in seiner Rolle außergewöhnlich macht, ihr diese entscheidenden Konturen verleihen kann, zu denen auch das Skript nicht recht in der Lage ist. Das ist nicht dankbar, aber machbar. Zudem wird er auch noch von den Nebendarstellern locker überflügelt. Speziell Jud Law als Dickie Greenleaf und Philip Seymour Hoffman in einer sogar recht kleinen Rolle stehlen Damon alle gemeinsamen Szenen.


Die sich nun aufstauenden Kritikpunkte sind bedauerlich, denn die Geschichte ist nach wie vor enorm faszinierend wie im Kern großartig, die technische Umsetzung exzellent und – das muss man Minghella lassen – das Ende ist deutlich besser als damals bei Clément. Wie das aussieht und aussah, wird selbstverständlich nicht verraten. Man wird somit noch ganz versöhnlich aus „Der talentierte Mr. Ripley“ entlassen, der sicherlich auch insgesamt kein schlechter Film ist, sich jedoch eindeutig am eigenen Anspruch verhebt und besonders daran scheitert, dass es schon eine „einfachere“, in den wesentlichen Dingen (bis auf das Ende) jedoch deutlich bessere Verfilmung gibt, gegen die er nun mal keine Chance hat. Ihn sogar unnötig macht, ganz hart formuliert. 

5,5 von 10 gefälschten Unterschriften.

Trailerpark: Nichtssagend aber hübsch - Erster Mini-Teaser zu CINDERELLA

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Im März 2015 präsentiert Walt Disney eines seiner bekanntesten und größten Märchen erneut im Kino. Diesmal wird „Cinderella“ aber kein Trickfilm sein, sondern ein Real-Verfilmung, die unter der Regie von Kenneth Branagh („Thor“, „Jack Ryan: Shadow Recruit“) entstanden ist. Als Titelhelden wird Lily James zu sehen sein, die man eventuell aus „Zorn der Titanen“ oder „Downton Abbey“ kennt. Als böse Stiefmutter darf Cate Blanchett ihre gemeine Seite zeigen, während Richard Madden (bekannt als Robb Stark aus „Game of Thrones“) als Prinz Charming fungiert. Und auch Helena Bonham-Carter darf mal wieder sich in einem Märchenfilm zeigen. Wir sind gespannt, auch wenn der erste Teaser bis auf eine nette Animation wirklich nichts sonstiges bietet. Aber bis zum März ist ja noch Zeit. Spannend ist übrigens die Frage, ob Disney nach "Maleficent" und nun "Cinderella" noch weitere ihrer Klassiker in ein neues Realfilmgewand kleiden werden.