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Review: THOR: TAG DER ENTSCHEIDUNG - Als Komödie recht gelungen

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Fakten:
Thor: Tag der Entscheidung (Thor: Ragnarok)
USA, NZ. 2017. Regie: Taika Waititi. Buch. Larry Lieber, Christopher Yost, Craig Kyle. Mit: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Mark Ruffalo, Cate Blanchett, Tessa Thompson, Jeff Goldblum, Idris Elba, Anthony Hopkins, Karl Urban, Benedict Cumberbatch, Sam Neill, Taika Waititi, Jaime Alexander, Ray Stevenson, Clancy Brown u.a. Länge: 130 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 31. Oktober 2017 im Kino.

Story:
Hammer weg, Haare ab - manchmal kommt selbst für einen Superhelden alles anders als gedacht: Während Asgard und seiner Bevölkerung durch die Tyrannei der skrupellosen Hela der Untergang droht, wird Thor am anderen Ende des Universums ohne seine mächtige Waffe gefangen gehalten. In einem atemlosen Wettlauf gegen die Zeit versucht der Göttersohn seinen Weg zurück in die Heimat zu finden, um 'Ragnarök', die gefürchtete Götterdämmerung, aufzuhalten. Doch vorher muss er sich in einem tödlichen Gladiatorenkampf keinem Geringeren als einem alten Verbündeten und Mitglied der Avengers stellen: dem unglaublichen Hulk!



Kritik:
Dem Donnergott Thor aus dem Marvel Cinematic Universe war es bisher vergönnt, eine konstante Stilistik in seinen Solo-Abenteuern zu haben. Unter Regisseur Kenneth Branagh erlebte der Sohn von Odin ein theatralische, fast schon shakespeareske Ereignisse, während ihn der Terminator: Genisys-Macher Alan Taylor ihn in ein High-Concept Fantasyabenteuer steckte. Die Ergebnisse waren nie verkehrt, aber immer ein gutes Stück davon entfernt ganz oben beim internen Wettkampf der Marvel-Superhelden mitzuspielen. Mit Thor: Ragnarok, der hierzulande leider den arg schematischen Titel Thor: Tag der Entscheidung verpasst bekam, soll sich dies nun ändern.

Unter der Regie des Neuseeländers Taika Waititi, der zuvor kleine Perlen wie Eagle vs. Shark oder den grandios-witzigen 5 Zimmer Küche Sarg inszenierte, erwarten die meisten wohl ein komödiantisch schwergewichtiges Abenteuer rund um Thor. Keine Sorge, diese Erwartungen werden erfüllt. Die Komik steht klar im Fokus. Zwar gibt es die altbekannten Actionszenen mit viel Pomp, CGI—Bombast und zusammenfallenden Objekten immer noch, diese Momente haben aber keinerlei wirkliche Inbrunst. Sie existieren, um die Handlung voran zu bringen,im Gedächtnis festsetzten tun sie sich nicht.

Gleiches gilt allerdings auch für die Geschichte. Die bietet mit einigen Überraschungen im Bereich der Besetzung zwar durchaus ihre Aha-Momente, wirklich Akzente werden aber nicht gesetzt. Mehr noch: Die Geschichte wirkt zu großen Teil arg beliebig und sehr zusammengewürfelt. Zwar wird hier erneut am Marvel Cinematic Universe herum gearbeitet und am Ende hat sich innerhalb des Universums wieder etwas getan, bzw. verändert, wirkungsvoll transportiert wird das aber nicht. Dazu kommt, dass einst wichtige Figuren mit kurzen Szenen oder gar mit einem kurzen Satz abgehakt werden, ohne dass es wirklich einen spürbaren Einfluss auf die Entwicklung nimmt.

Konzentriert man sich allerdings auf die humoristische Stärke des Films, stören diese Makel nur noch bedingt – was nicht bedeutet, sie wären abwesend. Als reinrassige Komödie, vor polychromer Kulisse und unterstützt mit einem 80s Soundtrack von Devo-Frontmann Marks Motherbaughs, macht Thor: Tag der Entscheidung ordentlich Spaß. Ein Spaß, der allerdings immer wieder fahrige Momente aufweist und niemals kaschieren kann, dass auch der dritte Solofilm des hammerschwingenden Donnergottes letztlich nur eine Vorbereitung ist auf das nächste Werk des Marvel Studios und dies obwohl der Titelheld hier doch mit den wohl größten Aufgaben seiner Laufbahn konfrontiert wird.

6,5 von 10 zynischen Sprüchen

SPIDER-MAN: HOMECOMING - Der beste Spidey seit 13 Jahren

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Fakten:
Spider-Man: Homecoming
USA. 2017. Regie: Jon Watts. Buch: John Francis Daley, Jonathan M. Goldstein, Erik Sommers, Steve Ditko. Mit: Tom Holland, Michael Keaton, Robert Downey Jr., Marisa Tomei, Jon Favreau, Zendaya, Jacob Batalon, Laura Harrier, Tony Revolori, Bokeem Woodbine, Donald Glover, Gwyneth Paltrow, Tyne Daly, Abraham Attah, Hannibal Buress, Kenneth Choi, Chris Evans, Mike Starr, Logan Marshall-Green u.a. Länge: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 13. Juli im Kino.


Story:
Immer noch euphorisch von dem packenden Kampf mit den Avengers kehrt Peter in seine Heimat zurück, wo er mit seiner Tante May und unter dem wachsamen Auge seines neuen Mentors Tony Stark lebt. Es fällt ihm jedoch nicht leicht, sich im Alltag zurechtzufinden - vielmehr will er beweisen, dass er mehr ist als nur der sympathische Spider-Man aus der Nachbarschaft. Als aber The Vulture als neuer Gegenspieler auftaucht, gerät plötzlich alles, was Peter im Leben wichtig ist, in große Gefahr.




Meinung:
Jahrelang haben Fans gehofft, dass Spider-Man es irgendwann ins Marvel Cinematic Universe schaffen wird. Doch schien dies ob der Rechte am Charakter stets sehr unwahrscheinlich. Nachdem Sony mit The Amazing Spider-Man 2 sein bestes Stück aber ein zweites Mal gegen die Wand gefahren und einen Großteil der Fans gegen sich aufgebracht hatte, ließ sich das Studio auf einen Deal mit Marvel ein. So kam es, dass wir im letzten Jahr in Captain America: Civil War einen ersten Blick auf den MCU Spider-Man werfen durften. Ein Blick, der bei vielen ausreichte, um die Vorfreude auf den neuen Standalone-Film ins unermessliche steigen zu lassen. Dieses Jahr ist es endlich soweit. Mit Spider-Man: Homecoming kommt der mittlerweile sechste Film über den Spinnenmann am 13.07.2017 in die deutschen Kinos. Und das Warten der Fans hat sich definitiv gelohnt, denn Homecoming ist nicht nur der beste Spider-Man Film seit 13 Jahren, sondern auch einer der besten Filme des MCU – und da kann auch die inflationäre Trailer Politik von Sony nichts dran ändern.


Doch was genau macht Homecoming anders? Nun die offensichtlichste Änderung ist, dass uns nicht zum dritten Mal gezeigt wird, wie Peter Parker von einer radioaktiven Spinne gebissen wird. Dennoch kann man dem Film den Charakter einer Origin-Story nicht ganz absprechen. Wir sehen hier nicht den Ursprung seiner Kräfte, wohl aber seine Verwandlung von der Spinne aus der Nachbarschaft zum großen Helden. Dabei umschiffen die Autoren gekonnt die immer gleiche Origin-Story, um uns indirekt eine neue Form der Entstehungsgeschichte zu erzählen. Dem Film kommt auch zu Gute, dass er – ähnlich wie Ant-Man – in einem eigenen kleinen Mikrokosmos spielt. Sicher macht der Film schon in den ersten Minuten deutlich, dass er Teil des MCU ist und auch die Auftritte von Tony Stark (zum Glück recht kurz gehalten) sind nicht zu leugnen, doch dreht sich die Mehrheit des Films um Peter, sein Leben in der Highschool und die kleinen Verbrechen, die er in seiner Nachbarschaft bekämpfen muss. Dank dieser minimalistischen Herangehensweise und der neuen Art eine Origin-Story zu erzählen, fühlt sich Homecoming sehr unabhängig und frisch an und ist damit genau das, was das MCU zur Zeit braucht.


Frisch und hoch motiviert ist auch der Mann unter der Maske. Tom Holland hat gegenüber den beiden anderen Spider-Man Darstellern einen klaren Vorteil: Er sieht aus wie ein Highschool-Schüler. Auch wenn Holland beim Dreh bereits 20 Jahre alt war, kauft man ihm den 16 Jährigen Schüler sofort ab. Das liegt aber nicht nur an seiner Optik, sondern auch an seinem unbedarften und naiven Schauspiel. Er verkörpert dabei alles was Peter und auch Spider-Man ausmacht, transportiert sowohl den Humor als auch die Emotionen mit Leichtigkeit und trägt damit den Film ohne Probleme auf seinen Schultern. Dennoch findet er Unterstützung durch einen beachtlichen Cast. Neben den üblichen Verdächtigen (Marisa Tomei, Robert Downey Jr. und Jon Favreau) und einigen tollen Neuzugängen (Donald Glover, Tony Revolori, Jacob Batalon...) beeindruckt vor Allem Keaton als Adrian Toomes/The Vulture. Er miemt einen der bis dato interessantesten Bösewichte des MCU, was insbesondere einer Enthüllung zu verdanken ist, die an dieser Stelle natürlich nicht vorweg genommen werden soll.


Dank diesem tollen Cast funktioniert auch der Humor des Films zu jeder Zeit. Ähnlich wie bei Guardians of the Galaxy fügt sich dieser auch ganz natürlich in den Film ein. Wenn man Jon Watts vorherige Filme schaut, die wahrscheinlich nur eingefleischten Cineasten bekannt sind, zeigt man sich schwer beeindruckt ob des tollen komödiantischen Timings, das er an den Tag legt. Zwar hat der Regisseur in Filmen wie Clown und Cop Car einen eigenen Stil entwickelt, dieser ist aber doch recht weit von dem entfernt, was wir von einem Spider-Man Film erwarten würden. Umso beachtlicher, dass er es nicht nur schafft die witzigen Dialogzeilen gekonnt einzufangen, sondern vor allem auch den visuellen Humor des Films so hervorragend zu meistern. Ähnlich verhält es sich mit der Action, die er insbesondere beim Flugzeug Showdown mit einer kaum auszuhaltenden Spannung kombiniert. Einzig auf emotionaler Ebene weiß der Film einen nicht so recht zu packen. Zwar wartet er mit einigen Überraschungen auf, doch sind diese zumeist wirklich nur überraschend und spannend, selten aber emotional.


Fazit: Spider-Man: Homecoming ist nicht nur der beste Spider-Man Film seit 13 Jahren, sondern auch einer der besten Beiträge des MCU. Jon Watts gelingt es mit einem motivierten und talentierten Cast den Witz und die Action der Comics auf die Leinwand zu bringen. Einzig auf emotionaler Ebene, weiß Homecoming nicht vollends zu überzeugen.

7,5 von 10 brachial verstellten Stimmen

Eine Kritik von Tobias Bangemann

Review: THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR – Es kriselt zwischen den strahlenden Superhelden

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Fakten:
The First Avenger: Civil War (Captain America: Civil War)
US, 2016. Regie: Anthony Russo, Joe Russo. Buch: Christopher Markus, Stephen McFeely. Mit: Chris Evans, Robert Downey Jr., Sebastian Stan, Scarlett Johansson, Elizabeth Olsen, Anthony Mackie, Chadwick Boseman, Paul Rudd, Paul Bettany, Tom Holland, Daniel Brühl u.a. Länge: 146 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.


Story:
Bei ihrem letzten Einsatz hat ein Teil der Avengers eine terroristische Gruppe bezwungen, wobei dieses Gefecht nicht ohne Konsequenzen blieb. Nicht zum ersten mal forderte das Handeln der Superhelden zivile Opfer, was die vereinigten Nationen dazu bewegt, die Avengers vor die Wahl zu stellen: Entweder sie unterstellen sich staatlicher Kontrolle oder treten gezwungenermaßen den Ruhestand an. Diese Wahl löst Spannungen innerhalb der Gruppe aus, was zusätzlich durch die Tatsache bestärkt wird, dass der Winter Soldier zurückkehrt, zu dem Steve Rogers und Tony Stark gegensätzliche Meinungen besitzen. Ein gewaltiger Konflikt zwischen den Superhelden bahnt sich an...




Meinung:
Endlich ist es soweit. Nach stolzen 12 Filmen Vorarbeit, über die sich das "Marvel Cinematic Universe" bislang erstreckt, wurde einer ganzen Gruppe von Superhelden Profil verliehen, ihre Herkunft geklärt und Zusammenschlüsse geknüpft. Die Avengers sind dem Zuschauer mittlerweile jeder für sich ein Begriff und in zwei Filmen mussten die Helden ebenfalls bereits gemeinsame Einsätze bestreiten. Aufgrund der teilweise verschiedenen Einstellungen war es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis diese vermeintlich funktionierende Einheit Risse erhält und sich konkrete Konflikte innerhalb des Teams anbahnen.


Friede, Freude, Eierkuchen hat sich für beide erledigt
Auch wenn "The First Avenger: Civil War" eigentlich der dritte Teil der "Captain America" – Reihe ist, könnte er aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Figuren, von denen er bevölkert wird, genauso gut auch "The Avengers 2.5" heißen. Wie auch schon im Vorgänger führten erneut die Russo-Brüder Anthony und Joe Regie. Deren Markenzeichen bestand vor allem darin, dass sie den Action-Szenen eine gewisse eigene Handschrift verliehen, durch die vor allem die physischen Auseinandersetzungen von einer äußerst direkten, wuchtigen Körperlichkeit geprägt waren. Dieser Stil ist auch hier direkt zu Beginn wiederzuerkennen, wenn die Avengers bei einem Einsatz in Lagos gegen eine terroristische Gruppierung sehr hart zur Sache gehen. Mit einem Hang zu wackeligen Kameraeinstellungen und erneut sehr intensiven Zweikämpfen inszenieren die Russos diesen Auftakt, der allerdings nicht ohne Folgen bleibt. Auch wenn die Gegner besiegt werden können, fordert dieser Einsatz zivile Opfer. Fortan behandelt die Geschichte von "The First Avenger: Civil War" zunächst die Frage, ob die Avengers einer staatlichen Kontrolle unterstellt werden sollten oder weiterhin ihre Unabhängigkeit bewahren müssen.


Chris Evans wieder mit Armen wie Baumstämme
Auf dieser Ebene, bei der politische Aspekte wie totale Überwachung grundsätzlich eine gewichtige Rolle spielen, verweilt der Film allerdings nur kurzfristig, denn das Drehbuch der Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely will ständig immer noch mehr. Es ist die unglaubliche Überfrachtung genau dieses Drehbuchs, an der "The First Avenger: Civil War" letztlich leider ziemlich zerbricht, was über weite Strecken dazu führt, dass der Film oftmals einfach nicht funktionieren will. Die durchaus berechtige Diskussion, welche die Handlungen einer Superhelden-Truppe, welche regelmäßig Leben unschuldiger Menschen opfert, in Frage stellt, dient lediglich als bloßer Aufhänger und wird über den gesamten Rest der Handlung hinweg nicht zufriedenstellend zu einem klaren Ergebnis geführt. Stattdessen möchte der Film außerdem in einem kleineren, intimen Rahmen Auseinandersetzungen erzeugen, deren Ursprünge aus vergangenen Filmen stammen. Das Verhältnis zwischen Steve Rogers und dem Winter Soldier Bucky spielt dabei eine wichtige Rolle und gerät ganz entscheidend mit Tony Stark in Konflikt, was schließlich einen Keil zwischen die Avengers treibt. Es ist nur konsequent, dass diese angestauten Krisen in einem gewaltigen Action-Setpiece entladen werden, in dem sich alle Superhelden in zwei Teams aufgeteilt auf einem Flughafen bekämpfen.

Black Panther bekommt seinen ersten Auftritt
Auch hier kann sich dieser Film, der weitreichende Folgen, drastische Emotionen und tiefergehende Konflikte mehr behauptet als ausformuliert, nicht von der typischen Marvel-Formel lösen. Auf jeden ernsthaften Faustschlag muss ein flotter Spruch folgen, was dazu führt, dass der im Titel groß angekündigte "Civil War" nicht viel mehr ist als ein grelles Comic-Spektakel, das sich mit wohlwollendem Gemüt maximal als spaßiges Gelage denn wirklich dramatische Eskalation begreifen lässt. Erst im richtigen Finale, in dem endlich so etwas wie drastische Entwicklungen enthüllt werden, gelingt "The First Avenger: Civil War" der Sprung hin zu einem emotional mitreißenden Punkt, an dem sich die persönlichen Motive der entscheidenden Beteiligten zuspitzen und in einer bewegenden Klimax aufeinanderprallen. Bis dahin entpuppen sich die üppigen 2,5 Stunden Laufzeit allerdings unentwegt als unausgegorenes, zerfasertes Stückwerk, dem zusätzlich auch noch die Bürde auferlegt wird, mit Black Panther und dem neuen Spider-Man zwei bisher unbekannte Superhelden einzuführen. Während sich die grob umrissene Hintergrundgeschichte des Black Panther schlüssig in die Handlung einfügt, erweist sich Tom Holland in der Rolle des Peter Parker als absolute Nervensäge, dessen jugendlich-respektloser Ton zu keinem Zeitpunkt in diese erwachsene Geschichte passen will.


Das Fazit zu "The First Avenger: Civil War" fällt also dementsprechend ernüchternd aus. Im direkten Vergleich zu Zack Snyders kürzlich erschienenen "Batman v Superman: Dawn of Justice", der ohnehin ständig gezogen wird, erweist sich Synders Werk als deutlich stimmigerer Film, der trotz vereinzelter Schwächen eine finstere Vision sowie eine künstlerische Handschrift wesentlich überzeugender vermittelte. Die zentralen Konflikte in "The First Avenger: Civil War" bleiben bis auf kleinere Ausnahmen kaum mehr als bloße Behauptung sowie Mittel zum Zweck für lauten, wenig relevanten Bombast. Nachdem man sich endlich mal richtige Konsequenzen und dramatische Folgen erhoffen durfte, erweist sich der Streifen als zu vernarrt auf die massenkompatible Zutraulichkeit, geht jedem möglichen Risiko brav aus dem Weg und biedert sich letztendlich aufgrund des völlig unpassend eingesetzten Humors zu sehr an ein Publikum an, das diesen Stil bedauerlicherweise mit freudigem Gelächter akzeptiert. Mehr als ein grelles Popcorn-Spektakel mit vereinzelt stimmigen Momenten, wuchtig inszenierter Action und einem immerhin zufriedenstellenden Showdown ist dabei allerdings nicht entstanden.


5 von 10 überdurchschnittlich attraktive Tanten



von Pat

Review: DEADPOOL - Der ungewöhnlichste Superheld aller Zeiten?

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Fakten:
Deadpool
US, 2016. Regie: Tim Miller. Buch: Rhett Reese & Paul Wernick. Mit: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, T. J. Miller, Gina Carano, Leslie Uggams, Brianna Hildebrand, Jed Rees u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.


Story:
Nach einer Krebsdiagnose unterzieht sich Wade Wilson, ein ehemaliges Special Forces-Mitglied, einem gefährlichen Experiment, das ihn mit beschleunigten Heilungskräften ausstattet. Das ist die Geburtsstunde von Deadpool, der durch die Therapie zwar so gut wie unbesiegbar, dafür jedoch äußerlich komplett entstellt wurde. Mit seinen neuen Fähigkeiten macht er sich auf den Weg den Mann zu finden, der ihm das angetan hat.




Meinung:
Nach vielen Jahren des Kämpfens um eine Adaption hat der vulgärste und skrupelloseste aller Marvel-Charaktere nun auch das filmische Medium erobert. Hauptdarsteller Ryan Reynolds, der sich ebenfalls an vorderster Front für den Film einsetzte, schlüpft in die Rolle des Deadpool und sorgt mit Charisma, Selbstironie und frechem Witz dafür, dass die Figur des gleichnamigen Streifens zu tosendem Leben erweckt wird. Dabei ist "Deadpool" ganz gemäß seiner Vorlage ein kurzweiliger, unterhaltsamer Film geworden, dessen Humor, welcher verschiedenste Ausmaße annimmt und von plumpen Fäkalhumor über bösartigen Slapstick hin zu bissigen Popkulturreferenzen reicht, zwar nicht immer den richtigen Tonfall trifft, aber auch aufgrund einiger gekonnter, zynischer Pointen für viele Lacher sorgt. Das selbstironische Meta-Konzept, bei dem der Film ständig gegen Vertreter aus dem eigenen Lager schießt, funktioniert weitestgehend und das R-Rating sorgt für den nötigen Druck, was Freizügigkeit, Gewalt und unverblümte Sprachweise angeht, bleibt allerdings zu oft hinter den eigenen Möglichkeiten zurück. "Deadpool" gelingt es daher nicht, die vergifteten Wurzeln des Genres der Comicverfilmungen auszureißen und immer wieder ertappt man den Film auf frischer Tat dabei, wie er doch in die Strukturen abrutscht, die er eigentlich so schamlos aufs Korn nehmen will. Trotzdem offenbart der Streifen auch eine überraschend ernste Seite, die dem ansonsten sehr überdrehten Spektakel angenehmen Gegenwind beschert. Langfilm-Debütant Tim Miller hat seinen Streifen nicht linear angelegt, weshalb mithilfe von Rückblenden die Hintergründe der Entstehung von Deadpool erzählt werden und somit der Mensch hinter der Maske, Wade Wilson, viel Raum erhält. Der raue Söldner wirkt wie ein zu gleichen Teilen gewitzter und kaputter Charakter, der interessante Züge offenbart und selbst die Liebesbeziehung, die sich zwischen ihm und der Prostituierten Vanessa entwickelt, wirkt nicht kitschig oder unpassend. "Deadpool" gibt aufgrund des R-Ratings eine Marschrichtung vor, wie künftige Comicverfilmungen auch sein können und offenbart einiges an schroffem Charme und bösartigem Spaß, ist aber selbst nie die anarchische, das Genre zerpflückende Granate, die man sich erhoffen durfte. Andere Werke wie "Kick-Ass" oder "Super" waren in dieser Hinsicht konsequenter.


6,5 von 10 Spoiler zu "127 Hours"


von Pat
  

Meinung:
Das war also „Deadpool“, von Fans heiß ersehnt, von Studios skeptisch beäugelt und von Zuschauern flächendeckend frenetisch gefeiert. Dabei liegt die zugrundeliegende Beliebtheit der Figur auf der Hand, denn diese bricht mit den üblichen Konventionen des Superheldengenres und verspricht jede Menge chaotischen Spaß. Mit jeder Menge Ironie, Zynismus und fourth wall breaks im Handgepäck geht es dem schießwütigen Antihelden ausschließlich um seine eigene Agenda. So zumindest auf dem Papier, doch was „Deadpool“ letzten Endes daraus macht ist traurig, denn trotz der zahlreichen Versuche dem Einheitsbrei des Genres zu entfliehen ist der Film in seinem Kern nichts anderes als eine weitere Origin-Story nach Schema F. Hintergründe, Zusammenhänge und Motivationen bleiben wie so oft ungeklärt, vor allem der Antagonist bleibt dabei mehr als Blass. „Deadpool“ schnürt sich selbst in ein viel zu enges Korsett und verschenkt durch seine Mutlosigkeit das wirkliche Potential der Geschichte. Entscheidend ist vor allem der Humor des Films und genau hier liegt das größte Problem begraben, nur sehr selten trifft er den richtigen Ton, vor allem der niveaulose Fäkalhumor schießt oft meilenweit am Ziel vorbei. „Deadpool“ spottet über seine Kollegen, aber macht es selbst keinen Deut besser, er gibt andere Filme der Lächerlichkeit preis und enttarnt sich dadurch doch bloß selbst. Selbstreferentieller Humor kann ausgezeichnet funktionieren, wenn er denn wirklich etwas zu sagen hat und es schafft unter die Oberfläche zu tauchen, doch „Deadpool“ vermag es nie über bloßes Namedropping und simpelste Anspielungen hinauszukommen und beweist damit erneut wie faul und mutlos er ist. Lichtblick ist vor allem Ryan Reynolds Interesse an der Figur, seine Hingabe und Faszination für den zynischen Antihelden vermittelt er spielerisch aufs Publikum und schafft es so dem Film zumindest gelegentlich etwas Sehenswertes zu entlocken. Wer über die ausgiebige Werbekampagne des Streifens lachen konnte, wird auch im Kino Spaß haben, wer jedoch schon beim Trailer entnervt abwinkt kann sich den Film guten Gewissens sparen. 


3 von 10 schießwütige Zyniker


von Vitellone


Meinung:
Ein Prestigeprojekt. Genau das ist „Deadpool“. Und in welcher Pflicht- und Bringschuld die Verantwortlichen hier waren, möchte man sich als Außenstehender wohl nicht in Gesteinsbrocken auf die eigenen Schultern laden. Man muss diesem reinrassigen Fanservice allerdings vorurteilsfrei attestieren, dass er es versteht, eine extreme Kurzweil zu generiert und geradezu am Zuschauer vorbeirast, was sich vor allem auf Ryan Reynolds zurückführen lässt, der den Söldner im ledernen Ganzkörperkondom mit einem regelrecht ansteckenden Enthusiasmus verkörpert. Darüber hinaus nutzt sich „Deadpool“ konzeptionell relativ zügig ab: Sein selbstreferenzielles Spiel mit der Erwartungshaltung des Publikums versandet frühzeitig schon im Status Quo kontemporärer Superheldenverfilmungen, deren festgefahrene Erzählmechanik man hier doch eigentlich nach Strich und Faden unterwandern wollte. „Deadpool“ bettelt vielmehr in exponierter Schlaumeier-Attitüde mal mehr, mal weniger enervierend um Anerkennung, wenn er plakativ mit sich und seinem Medium Posse treibt, um das Genre in seinen Konventionen dann doch immer wieder zu bestätigen. Der ungezwungenen Lässigkeit, die hier allseits vorgegeben wird, wird man jedenfalls nicht wirklich gerecht. Zum Glück gibt es da aber, wie erwähnt, Ryan Reynolds, der dem zynischen, sexistischen, gewaltgeilen, in Wahrheit aber doch – Überraschung – sehr unsicheren Schutzpatron der Jammerlappen ein schwungvolles Porträt maßzuschneidern weiß. 


5 von 10 stahlschwänzigen Vätern


von souli