Review: RALPH REICHTS - Disneys "Spiel"film


Fakten:
Ralph reichts (Wreck-it Ralph)
USA. 2012. Regie: Rich Moore. Buch: Jennifer Lee, Phil Johnston. Original Stimmen von John C. Reilly, Sarah Silverman, Jack McBrayer, Jane Lynch, Alan Tudyk, Ed O’Neill, Dennis Haysbert u.a. Deutsche Stimmen von Christian Ulmen, Anna Fischer, Kim Hasper, Patrick Schröder u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab dem 6. Dezember 2012 im Kino.


Story:
Seit 30 Jahren ist Randale Ralph schon der Bösewicht im Videospiel „Fix-it Felix jr.“. Doch Ralphs Einsatz wurde nie richtig gewürdigt. Das soll sich nun ändern. Der starke wie sensible Hüne Ralph nimmt reis aus und sucht nach Anerkennung in anderen Spielen. Welch großes Chaos er damit anstiftet, ist ihm aber nicht bewusst.




Meinung:
Videospiele sind schon seit langem kein Nischenprodukt mehr. Vom finanziellen Gewinn der großen Games wie etwa „Mass Effect“ oder „GTA“ können die meisten Filmstudios nur träumen. Der Versuch aus bekannten und beliebten Marken der Spielebranche auch sehenswerte und vor allem erfolgreiche Kinoausflüge zu machen ist bisher gescheitert und das Medium der Games mittels Referenzen an eine große Anzahl von Zuschauern zu bringen, war bisher nicht sonderlich erfolgreich. „Ralph reichts“ aus dem Hause Disney hat die Hürde der Erfolgslosigkeit jetzt jedoch gebrochen. Überraschend ist dies nicht, handelt es sich doch um eine recht klassische Geschichte: botschaftsträchtig und einfach gestrickt. Dennoch sollte man Filmheld Ralph eine Chance geben, vor allem dann, wenn man weiß was ein Hadouken oder ein Bowser ist.

Ralph und sein Kollege Felix in Spielgrafik
Rich Moore, der bereits als Regisseur bei „Futurama“, „Die Simpsons“ und „Drawn Together“ mit popkulturellen Zitaten um sich warf, haut bei seinem ersten abendfüllenden Film auch ordentlich auf die Referenzpauke. Zu Beginn von „Ralph reichts“ brodelt es geradezu vor Anspielungen, die sich auch gerne dezent im Hintergrund versteckt halten. Jeder Zuschauer, der früher einen Super Nintendo besaß und im Sommerurlaub mehr Zeit in der Spielhalle statt am Strand verbrachte, wird aus dem nostalgischem Schwärmen nicht mehr hinaus kommen. Um diese Welt aus Pixeln und Midi-Sounds lebendig zu machen, greift der Film auf ein ähnliches Konzept wie „Toy Story“ zurück. Doch wo das Spielzeug von Pixar immer wieder mit der Welt der Menschen kollidierte, bleiben die Videospielhelden und-Schurken in ihrem eigenen, von Moore äußerst kreativ designten, Kosmos. Eine richtige Interaktion der beiden Welten kommt nie so wirklich zu Stande. „Ralph reichts“ bleibt seinem Gebiet treu.

Ralph versucht sich als Held in einem Ego-Shooter
Diese Konfrontation zwischen Videospielkultur und Kind gerechtem Getöse, kommt es immer wieder zu überraschenden Überschneidungen. Der Film nutzt eine moderne Sprache, die stellenweise wirklich ungewohnt für einen Disneyfilm ist und es gelingt ihm auch Spiele in seine Handlung zu integrieren, die wohl niemand in einem Film des Mäuse-Imperiums erwartet hätte. Das erfolgreiche  Ego-Shooter-Franchise „Call of Duty“ wird mit „Halo“ und „Starship Troopers“ vermischt – natürlich soweit abgemildert dass die lieben Kleinen nicht verstört werden. Dennoch ist es erstaunlich wie natürlich auch Games als Filmelement genutzt werden, bei denen Jugendschützern beim bloßen erwähnen des Titels schon „Indizierung“ rufen. Sogar die berüchtigte Spieleserie „Mortal Kombat“ findet ihren Platz, inklusive Finishing Move. Natürlich ist dies so dermaßen abgemildert und verzuckert, dass wohl nicht nur der Daddler-Papa lachen muss. Blöd nur, dass das Script mit einigen Bezeichnungen vor allem Zuschauer ohne größeres Wissen rund um Videospieltechnik etwas im dunklen lässt. Wer nicht weiß was ein Bug oder ein Glitch ist, dem bleiben einige Facetten der Handlung leider verwehrt.

Kano (r.) aus Mortal Kombat ist ein netter Typ
Bei all diesen Anspielungen bleibt es ein Rätsel, warum Rich Moore Randale Ralph irgendwann in ein Spiel namens Sugar Rush schickt und ihn dort verharren lässt. Klar, Sugar Rush ist eine Huldigung an diverse Fun-Racer wie etwa das legendäre Super Mario Kart aus den Hause Nintendo, doch es scheint fast so, als ob die Macher keine Lust mehr auf Spiele-Ovationen hatten. Das Nostalgisches und Referenzielle lässt der Film dann ziemlich schroff fallen. Dies ist so schade wie auch schädigend für ihn, denn ohne seine Verweise und die Erweckung alter elektronischer Gefühle, kann Regisseur Moore nicht mehr verbergen, dass der gute Böse und sein Abenteuer nicht mehr ist als ein typisches Werk aus der Disney-Manufaktur: süß, knuddelig, irgendwie immer dasselbe. Für die jungen Zuschauer wird dies gewiss kein Makel sein. Vor allem wegen der sympathischen Hauptfigur bleibt „Ralph reichts“ auch abseits von Spielverweisen ein netter, familiengerechter Spaß. Nur als Gamer ist es schon enttäuschend, weil der Film seine Erwartungen, die er vor allem bei Nerds und Geeks geweckt hat, nur zu Beginn wirklich einhalten kann. Sieht man Moores Film aber als generationsübergreifende Unterhaltung, sollten die Kleinen wie auch die Großen ein paar vergnügliche Augenblicke im Kino haben. Darüber hinaus zeigt Disney als Vorfilm den hinreißenden „Im Flug erobert“ und alleine das lohnt die Kinokarte, was man vom wenig überzeugenden 3D-Effekten nicht behaupten kann.

6 von 10

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