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Review: BROOKLYN – EINE LIEBE ZWISCHEN ZWEI WELTEN – Vom Suchen und Finden einer Heimat

1 Kommentar:

Fakten:
Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten (Brooklyn)
CA/GB/IE, 2015. Regie: John Crowley. Buch: Nick Hornby. Mit: Saoirse Ronan, Emory Cohen, Domnhall Gleeson, Emily Bett Rickards, Jim Broadbent, Fiona Glascott, Maeve McGrath u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: Keine Altersbeschränkung. Ab dem 16. Juni 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In den 50ern wandert die Irin Eilis Lacey nach New York aus, um dort einen Neuanfang zu wagen. Angespornt wurde sie von ihrer älteren Schwester Rose, die sie finanziell unterstützte und ihr wünscht, dass sie mal ein besseres Leben führen soll. In Brooklyn angekommen stellt die junge Immigrantin fest, dass es nicht so einfach ist, die Vergangenheit zurückzulassen und sich in einer völlig fremden Umgebung einzuleben.




Meinung:
Irgendwann wird wohl für jeden Menschen der Zeitpunkt kommen, an dem er anfangen muss, auf eigenen, unabhängigen Beinen zu stehen. Das alte Leben hinter sich lassen, Freunde und Verwandte womöglich ebenfalls, eventuell ein kompletter Neubeginn an einem völlig fremden Ort und die Frage, wo man auf der Welt seinen Platz finden und was man als "Zuhause" bezeichnen kann.


Manchmal braucht man einfach eine Schulter zum Anlehnen
Genau von diesen Fragen, Gefühlslagen und Situationen erzählt John Crowley in seinem Film "Brooklyn", der von Nick Hornby geschrieben wurde, welcher für sein Drehbuch wiederum den gleichnamigen Roman von Colm Tóibín adaptierte. Es ist die Geschichte des jungen irischen Mädchens Eilis Lacey, die in den 50ern aus dem einfachen, unspektakulären Landleben ausbricht, um nach einem Neustart im großen Amerika ein vielversprechenderes Leben zu führen. Die eigentliche Handlung des Films ist denkbar schlicht und für den ein oder anderen dürfte die Geschichte eines Mädchens, das zwischen dem zurückgelassenen Leben in der Vergangenheit und dem anfangs komplizierten Fußfassen in der Großstadt hin- und hergerissen wird, an manchen Stellen womöglich zu einfältig, kitschig und vorhersehbar gestrickt sein. Es ist aber gerade die schlichte, unprätentiöse und unaufgeregte Art, mit der "Brooklyn" von Themen wie Heimweh, Selbstfindung, Aufwachsen, Neuorientierung und Liebe erzählt, die ihn zu einem angenehmen Seherlebnis werden lassen. Im Mittelpunkt steht dabei ganz klar Hauptdarstellerin Saoirse Ronan, die dem Werk mit ihrer bewegenden Leistung ein pochendes Herz verleiht, welches dafür sorgt, dass man als Zuschauer jederzeit in die Geschichte hineingezogen wird und sämtliche Geschehnisse emotional greifbar erscheinen.


Gerade zu Beginn, wenn Ronan ihre Figur mit einer überaus schüchternen, unsicheren und dadurch äußerst sensibel wirkenden Ausstrahlung spielt, wirken die Geschehnisse in Brooklyn, das Eilis mit zahlreichen neuen Eindrücken, Bekanntschaften und Situationen zunächst förmlich erschlägt, sehr gut nachvollziehbar. Das Gefühl, zwischen unzähligen Fremden klein und unbedeutend zu erscheinen, vermittelt der Film dabei ebenso gekonnt wie die Entwicklung der Hauptfigur, die nach und nach zur selbstbewussten, charakterstarken Frau heranreift. Auf dem Weg dahin wird Eilis mit schwierigen Aufgaben konfrontiert, muss sich entscheiden, wo sie letztendlich hingehört, erfährt im Gegenzug aber auch einige Glückserlebnisse und die große Liebe. All das wird filmisch außerdem von einer wirklich fantastischen Ausstattung unterstrichen, die das New York der 50er stilecht zum Leben erweckt und das Lebensgefühl der damaligen Epoche mit sehr edlen Kostümen und Sets ausstrahlt. Für insgesamt drei Oscars wurde "Brooklyn" nominiert, darunter "Bester Film, "Bestes adaptiertes Drehbuch" und "Beste Hauptdarstellerin". Trotzdem fällt er verglichen mit typischem Oscar-Material irgendwie aus der Reihe. Sicherlich hat das Werk von John Crowley an einigen Stellen den Hang zu wohligem Kitsch, wirkt aber über weite Strecken sehr unaufgeregt und zärtlich und verlässt sich oftmals auf leise Gesten. Gerade diese ruhigen Töne sind es letztlich, die den Film so emotional greifbar und thematisch nachvollziehbar werden lassen. "Brooklyn" dürfte in jedem etwas auslösen, ein vertrautes Gefühl ansprechen oder einen Teil der eigenen Persönlichkeit widerspiegeln. Manchmal braucht es eben nicht mehr, um einen Film zu mögen.


7 von 10 richtig auf die Gabel gedrehte Spaghetti



von Pat

Review: LOST RIVER – Viele, viele bunte Bilder

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Fakten:
Lost River
2015.
USA. Regie und Buch: Ryan Gosling. Mit: Christina Hendricks, Eva Mendes, Saoirse Ronan, Ben Mendelsohn, Iain De Caestecker, Matt Smith, Reda Kateb, Barbara Steele, Ben Mendelsohn u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 8. Oktober 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Billy und ihr Sohn Bones müssen sich in fremde Welten wagen, als ihnen der Bankrott droht. Sie bekommt einen Job in einem Nachtlokal, das vorsichtig ausgedrückt „andersartig“ ist und er versucht den Fluch zu brechen, der über der Familie und ihrem Wohnort zu Lasten scheint.





Meinung:
„A Ryan Gosling Film“ steht in großen Buchstaben auf der Leinwand. Dahinter zu sehen: ein loderndes Feuer. Das mag sicherlich nicht die bescheidenste Variante sein, um sein Regie-Debüt anzukündigen, aber auch nicht die schlechteste. Zumal macht es gleich zu Beginn deutlich, dass Gosling es ernst meint, dass er sich nicht nur die Zeit vertreiben will und vor allem ist sofort erkennbar, von wem Gosling seine Kenntnisse, seinen Stil und seine Vorlieben hat. Die harten Kontraste, das rote Licht, das von den Bildern eingesogen wird. Dann mal wieder das blaue Licht. Eine düstere Welt, die zwar kaputt und armselig, aber nicht ohne Werte zu existieren scheint. Sogar die Musik kommt einem bekannt vor. All das schreit förmlich nach Nicolas Winding Refn (der auch an zweiter Stelle der „Special Thanks“-Kategorie im Abspann steht). Thematisch geht Goslings Geschichte jedoch vornehmlich andere Wege.



Andere Wege, größere Wege, die leichter zu finden, leichter zu befahren sind und leichter zum Ziel bringen. Und so nutzt er die ersten paar Sekunden, um Kulisse nach Kulisse zu zeigen. Eben die einfachste Form, um dem Zuschauer das Setting zu verdeutlichen. Amerika. Detroit. Ruinen. Kapitalismus im Endstadium. Der amerikanische Traum ist zum Synonym für das Wunschdenken geworden. Und auch wenn die Figuren es nicht wahrhaben wollen, haben sie es wohl schon lange akzeptiert. Sie leben in einem Ort, an dem niemand mehr interessiert ist. Propaganda-Videos über die Vergangenheit der  Gegend versuchen aus einer Geschichte der rücksichtslosen Zerstörung, eine der Neufindung zu machen. Aber letztendlich ist auch daran niemand interessiert. Ein Ort, in der die einzige machtvolle Instanz ein Jugendlicher namens Bully ist, der selbst seine Freunde misshandelt und entstellt, bis sie aussehen, als würden sie direkt aus einem Albtraum kommen. Und das ist gar nicht mal so weit gefehlt. In den Werken von Refn kommen die surrealen Elemente in den Wesen der Figuren zum Vorschein. Hier sind sie ein fester Bestandteil der Handlung.



Während Bully „seine“ Stadt terrorisiert, versucht Billy Geld zu verdienen, damit sie ihr Haus weiterhin abbezahlen kann. Ihr Haus ist eines der letzten, das in diesem Ort noch bewohnt ist. In der Nachbarschaft wird eines nach dem anderen von Baggern dem Erdboden gleichgemacht. Auch Billys Haus wird als mangelhaft eingestuft und bekommt damit die Verurteilung zum Tode. Letztendlich ein Gnadenstoß. Ein Haus, das nichts mehr wert ist. Aber doch, das Haus hätte einen sentimentalen Wert, kontert Billy dann. Eine Aussage, über die in diesem Amerika nicht einmal mehr müde gelächelt wird. Sentimentaler Wert existiert nicht mehr. Nicht in diesem Ort, nicht in dieser Bevölkerungsschicht. Darauf hat Billy ganz einfach kein Recht. Sentimentalität ist genau so fehl am Platz wie Stolz, Hoffnung und Selbstrespekt. Das Licht am Ende des Tunnels ist nicht die Erlösung, sondern das Höllenfeuer. Feuer ist auch nahezu omnipräsent im Film. Wie eingangs erwähnt, findet es seinen Platz im Vorspann und sogar im Abspann ist es zu sehen. Flammen und Funken, die die Nacht erleuchten und die Dunkelheit erhellen. Schlecht sieht das alles auch nicht aus. Manche Bilder könnte man sich so an die Wand hängen, wenn man denn wollte.



Das Problem ist allerdings, dass Herr Gosling es nicht schafft, mit diesen Bildern einen Rhythmus entstehen zu lassen, geschweige denn diese pulsierende Gestalt, die die Filme von Nicolas Winding annehmen und damit wie ein weiteres Wesen im Raum wirken. Nein, leider nicht. Dafür wird der Fluss des Films zu oft durch kleinere Ungenauigkeiten unterbrochen. Kleinere Ungenauigkeiten, die sich anstauen, zuweilen sogar größer werden und dann am Ende einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Der Film ist nicht mutig genug, um einen eigenen Pfad zu finden. Zusätzlich verwirrend ist die Tatsache, dass Gosling sich bei der Geschichte, die bestimmt irgendwo ein Stück weit autobiografisch zu verstehen ist, überhaupt nicht die Geduld nimmt, um Tiefergehendes zu erzählen. Der Film bleibt, anders als seine Charaktere, lediglich an der Oberfläche. Der Zuschauer wird relativ schnell in diese Welt katapultiert und dann von Gosling allein stehen gelassen. Und so beobachtet man dann halbergriffen das Treiben und zuckt letztendlich mit den Achseln, wenn bis zum Ende eigentlich nichts Bedeutendes passiert. Geplant, gelungen und vollendet wirkt das nicht.


Dass Ryan Gosling sich visuell und stilistisch an seinen Vorbildern bedient, ist durchaus legitim und auch passend. Aber wenn er es so deutlich tut, dann muss er sich auch Vergleiche gefallen lassen. Er zeigt, dass er die letzten Jahre nicht in der Nase gebohrt, sondern beim Filmemachen ein wenig aufgepasst hat. Dennoch vermag er es nicht, die relative inhaltsleere, bzw. Schlichtheit der Geschichte durch seine überstilisierte Bilder zu verdecken. Eine emotionale Bindung zu den Charakteren wird versucht mittels lauter Musik und Close-Ups aufzubauen. Spannung und Dramatik werden eher mit Lärm geltend gemacht. Und auch wenn die Geschichte einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss hat, bleibt am Ende eine gewisse Leere im Raum stehen. Ein Gefühl der Unvollständigkeit und der Bedeutungslosigkeit macht sich breit. Gosling mag das 1x1 des modernen Filmemachens kennen. Aber auch wenn man sich wünscht, dass man von ihm noch viel erhoffen darf, kommt man nicht über die schmerzende Wahrheit hinweg, dass sein Debüt enttäuschend war.


5 von 10 brennenden Fahrrädern


von Smooli

Review: MUPPETS MOST WANTED – Wenn ein Frosch im Gulag steppt

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Fakten:
Muppets Most Wanted
USA. 2014. Regie: James Bobin. Buch: Nicholas Stoller, James Bobin. Mit: Tina Fey, Ty Burrell, Ricky Gervais, Steve Whitmire, Eric Jacobson, Matt Vogel, Kevin Clash, Christoph Waltz, Til Schweiger, Lady Gaga, Ray Liotta, Frank Langella, Usher Raymond, Sean Combs, Salma Hayek, Danny Trejo, Saoirse Ronan, Tony Bennett, Zach Galifianakis u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab 11. September auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der finstere Frosch Constantin bricht aus dem russischen Gefängnis aus. Da er Kermit sehr ähnlich sieht, wird kurz darauf Kermit verhaftet und inhaftiert. Constantin nutzt diese Chance, gibt sich bei den Muppets als Kermit aus und plant im Verborgenen einen spektakulären Juwelenraub.





Meinung:
Seit ihrer Geburt Mitte der 1970er Jahre genießen die Muppets internationale Reputation: Kermit hat unlängst einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood spendiert bekommen, während die genialen Folgen der „Die Muppet Show“ auch im deutschen Fernsehen wieder und wieder ausgestrahlt werden. Die große Stärke der Muppets war immer, wie es problemlos verstanden, ein junges und erwachsenes Publikum simultan anzusprechen, den Kindern mit zünftigen Slapstickeinlagen ordentlich Freude bereiteten, über ihren Köpfen aber auch eine ungemein anarchische, gerne gesellschaftskritische Tonalität vertraten, die bei den älteren Konsument auf reichlich Gegenliebe stieß. Im Kino aber wollte die Rechnung nicht aufgehen und nach „Muppets aus dem All“ von 1999, der sich als heftiger Flop herausstellte, sollte es ganze zwölf Jahre still um die quirligen Handpuppen werden. 2011 aber nahm sich „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel ein Herz und erweckte die alten Helden mit „Die Muppets“ wieder zum Leben.


Die Muppets erobern Europa
Segel, der von der Walt Disney Company weitestgehend freie Hand bekam, verknüpfte das liebenswert Urige und angenehm Anarchische der kultisch verehrten Serie auch in dem von ihm geschriebenen Kinofilm, um sich dann noch als menschlicher Hauptdarsteller in Szene setzen zu lassen, der von einer bezaubernden Amy Adams („The Master“) an seiner Seite tatkräftig unterstützt wurde. Mit „Muppets Most Wanted“ bekommt man es nun mit der Fortsetzung zum Megaerfolg aus dem Jahre 2011 zu tun. Jason Segel allerdings hat die Segel (Kalauer!) gestrichen und anstatt seiner Person, haben sich Regisseur James Bobin, der „Muppets Most Wanted“ wie schon „Die Muppets“ inszenierte, und Nicholas Stoller (der Segel damals ebenfalls unterstützte) an das Drehbuch gesetzt. Und was soll man sagen? Es sind halt immer noch die Muppets, und die stehen automatisch in Relation mit jeder Menge Herz, welches seine Kraft zum Teil aus wunderschönen, nostalgischen (Kindheits-)Erinnerungen gewinnt. Allerdings geht „Muppets Most Wanted“ ein Stück weit der Esprit verloren, der selbst Nicht-Muppets-Fans und festgefahrene Musical-Muffel begeisterte.


Im Gulag hat Kermit wenig zu lachen
„Muppets Most Wanted“ setzt genau dort an, wo „Die Muppets“ aufhörten: Die angestimmte Musical-Nummer auf dem Hollywood Boulevard findet ihren Ausklang und in wenigen Wimpernschlägen stehen die Puppen schon wieder allein auf weiter Flur, denn all die Menschen, die ausgiebig mit den Muppets gefeiert haben, waren bezahlte Statisten. Danach folgt eine Meta-Gesangseinlage, die das eigene Fortsetzungsthema gehörig durch den Kakao zieht und gleich mal verlauten lässt, dass Nachfolger ja eh nie so gut sind wie noch die Vorgänger: Eine Entschuldigung für die Enttäuschungen, die die Fans in der nächsten Zeit ereilen werden. Aber eine durchaus spritzige, die Lust auf mehr macht. War „Die Muppets“ noch geschwängert von organischer Emotionalität und konnte mit Songs gefallen, die wahre Ohrwurmqualitäten besaßen und auch noch Tage später durch den Gehörgang schallten, erscheint „Muppets Most Wanted“ zuweilen reichlich beliebig. Was die gehörige Arbeit an den Liedern an dieser Stelle gewiss NICHT diskreditieren soll, nur fehlt einfach der letzte, memorable Quäntchen.


Darüber hinaus fällt „Muppet Most Wanted“ reichlich zahm aus und die größte Subversion, die sich der Film erlaubt, gebärt aus der Parallelisierung vom sibirischen Gulag, in das Kermit durch eine heimtückische Verwechslung landet und der Showbühne, auf der sich der Gauner Constantine, der genauso aussieht wie Kermit, nur mit einem Muttermal am Mundwinkel ausgestattet ist, breitmacht, um seine geplanten Schandtaten weiter auszubauen. Selbstreflexive Witzchen sind da Standard und als Phänomene der Popkultur ist es den Muppets freilich gegönnt, ebenso reich popkulturelle Referenzen zu schlagen. Und das ist auch alles immer niedlich, unterhält, lässt jedoch die immense Klasse vermissen, die man mit der Show seit jeher assoziiert. Der tolle Ricky Gervais zum Beispiel ist bloßer Stichwortgeber als Constatines Adjutant, Tina Fey hingegen ist wunderbar in der Rolle der Gulagaufseherin Nadya, während bei den Cameos (darunter außerdem: Christoph Waltz, Tom Hiddleston, Til Schweiger, James McAvoy, Salma Hayek, Zach Galafianakis, Chloe Grace Moretz, Frank Langella) vor allem Ray Liotta und Danny Trejo im Gedächtnis bleiben, die als eigentlich harte Kerls endlich an einer Musicalnummer teilnehmen dürfen: Zwerchfellerschütterung vorprogrammiert.


5 von 10 langsamen Interpolagenten


von souli

Review: HOW I LIVE NOW – Wenn Liebe durch den dritten Weltkrieg führt

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Fakten:
How I Live Now
UK. 2013.
Regie: Kevin Macdonald. Buch: Jeremy Brock, Tony Grisoni, Jack Thorne, Meg Rosoff (Vorlage). Mit: Saoirse Ronan, Tom Holland, George MacKay, Harley Bird, Corey Johnson, Anna Chancellor, Darren Morfitt, Stella Gonet, Natasha Jonas, Mark Stanley, Paul Ronan u.a. Länge: 101 Minute. FSK: freigegebe ab 16 Jahren. Ab 27. Mai 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die junge Daisy kommt von New York auf die abgelegene Farm ihrer englischen Verwandtschaft. Dort verliebt sie sich ausgerechnet in ihren Cousin Edmund. Doch die junge Liebe wird schnell auf eine harte Probe gestellt, als London von einer atomaren Explosion zerstört wird und das Land in einen Krieg stürzt.





Meinung:
Momentan dürfen sich die oberen Regionen der deutschen Kinocharts noch über die Anwesenheit vom 215 Millionen Dollar Projekt „Godzilla“ erfreuen. In ihrem dreißigsten Auftritt erlebt die japanische Riesenechse gerade wieder einen gewaltigen Buzz und genießt die volle Aufmerksamkeit der Filmwelt. Zwischen dem ohrenbetäubenden Lärm inmitten der Hochhausschluchten, den aufsteigenden Staubwolken und der Massenpanik, verursacht durch überwältigend animiertes Monster-Gekloppe, versteckt sich ein ernsthafter Subtext, der hinter all dem mal mehr, mal weniger gesunden Fanboytum heutzutage gerne vergessen wird: Godzilla selbst fungiert als Allegorie auf die Angst vor einem neuen Atomkrieg, er ist ein auf das nationale Traumata grundiertes Mahnmal, ein Appell, der der humanen Hybris Einhalt zu gewähren versucht. Wie präsent die Befürchtungen vor einem neuen Atomkrieg - und damit eben auch vor einem Dritten Weltkrieg - in unseren Köpfen verankert sind, haben die Nachrichten in den letzten Monaten bewiesen, in denen Verschwörungstheoretiker, Politiker und Analysten die Wahrscheinlichkeit eines Dritten Weltkrieges abzuwägen versuchten.


Ist das jetzt New York oder England?
Kevin Macdonald, der durch „Der letzte König von Schottland“ und „Senna“ zu Recht einiges an Lob einstecken durfte, lässt den Extremfall nun in seiner gleichnamigen Roman-Adaption „How I Live Now“ von Meg Rosaff eintreten: Ein Atomangriff auf England, bei dem London in Schutt und Asche gelegt wird, stürzt die Welt ins Chaos und das schlimmste Besorgnis scheint sich zu bewahrheiten. Wer nun beinharte, schnell geschnittene und aus unmöglichen Winkeln gefilmte Kriegs-Action erwartet, der ist mit „How I Live Now“ an der falschen Adresse angelangt. Das Schreckensszenario breitet sich zwar unentwegt über das Geschehen, der Krieg als Kampfhandlung jedoch wird klar aus dem Fokus gerückt. „How I Live Now“ bleibt so in seiner Bedrohung zwar immer greifbar und lässt die dystopische Stimmung nicht abklingen, versetzt die definierten Ausmaße der Katastrophe aber in einen verschwommenen Raum, um den subjektiven Blick aus der jugendlichen respektive kindlichen Perspektive durchweg stringent zu wahren.


Krieg ist soooooooo langweilig
Die Hybridisierung aus Coming-Of-Age, Teenie-Romanze und eben jenem Kriegs-Szenario bringt mehr Nachteile als Vorteile mit sich: Dass die kryptische Formulierung der Geschehnisse gefällt, lässt aber gleichwohl das Defizit aufkommen, dass Hauptprotagonistin Daisy (Saoirse Ronan, „Byzantium“, 
Grand Budapest Hotel") ihren forcierten Reifeprozess ganz auf ein offenes Plateau romantischer Verklärung stützt. Ihr katalytischer Ansporn ist ihre Liebe zu Eddie (George MacKay, „Unbeugsam“), die sie dazu bewegt, von Grauen und finsteren Gestalten durchströmtes Terrain zusammen mit Piper (Harley Bird) zu durchqueren, für die sie gleichwohl Verantwortung übernehmen muss. Dumm nur, dass die Gefühle zwischen Daisy und Eddie zu keiner Zeit echt und frei von jeder verstellten Zuneigung wirken. Beide dienen einzig einer emotionalen Projektionsfläche des Zuschauers, der sich selbst im schmachtenden Blinzeln, verheulten Augen und gespitzten Lippen reflektieren soll. Da hilft es auch nicht, dass Saoirse Ronan mal wieder mit einer angenehm authentischen Performance aufwarten kann, wenn die Konstellation, in der sie zu tiefen Gefühlen aufrufen soll, durchweg fremd bleibt.


Obwohl man doch inzwischen weiß, dass Saoirse Ronan durchaus in der Lage ist, ein nuanciertes Psychogramm auszuspielen, werden ihr immer wieder plakativ Stimmen in den Kopf gelegt, die die Unsicherheit der zu Anfang noch passiv-aggressiv agierenden Neurotikerin skizzieren sollen und doch vollkommen unnötig bleiben, weil diese psychologischen Anhängsel letztlich vollkommen ins Leere verlaufen. Viel besser gefällt da die Härte, die trotz an der an „Twilight“ gemahnenden Lovestory immer wieder mit der Ikonografie anderer Kriege synchronisiert wird und nicht vor expliziten Darstellungen zurückschreckt: Auf grauem Beton türmen sich die Leichenberge junger Männer, an dessen langsam verwesendem Fleisch sich Füchse zehren und eine Gruppe Frauen wird unter markerschütternden Schreien im Mondlicht vergewaltigt. Am Ende aber greifen die beiden Segmente nicht ineinander, sie stoßen sich vielmehr ab, der Schrecken hier, die Schmonzette da, um durch allegorische Landschaftspanoramen den Pfad der Hoffnung zu beschreiten. Wer das nicht versteht, bekommt noch einmal Hilfe von einem lächerlichen Voice-Over.


4,5 von 10 roten Rosen


von souli

Review: GRAND BUDAPEST HOTEL – Sex, Crime und viel knallbunter Humor

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Fakten:
Grand Budapest Hotel
UK, Deutschland. 2014. Regie: Wes Anderson. Buch: Wes Anderson, Hugo Guinness. Mit: Tony Revolori, Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Edward Norton, Harvey Keitel, F. Murray Abraham, Jude Law, Willem Dafoe, Adrien Brody, Bill Murray, Jason Schwartzman, Saoirse Ronan, Mathieu Almaric, Jeff Goldblum, u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Ab 5. September 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Im Jahr 1985 hat ein alter Schriftsteller eine Schreibblockade. 1968 traf der Schriftsteller, damals noch Leiter des „Grand Budapest Hotels“, dessen Besitzer Zéro Moustafa, der ihm von seinen Anfängen in diesem Hotel im Jahr 1932 erzählte – in fünf Episoden rund um ihn, den damaligen Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes), den Mord an einer alten Dame, ihr Erbe und eine irre Flucht eben jenes Monsieur Gustave, der als Erbe eines teuren Gemäldes beschuldigt wird, der Mörder zu sein.




Meinung:
Skurril, bunt und irgendwie seltsam. So könnte man „Grand Budapest Hotel“, den aktuellen Kinofilm von Wes Anderson, wohl am besten beschreiben. Gut, natürlich kann man so ziemlich jeden Film des amerikanischen Filmemachers mit diesen drei Worten beschreiben, aber immer und immer wieder treffen sie einfach zu. So wundert es auch nicht, dass dieser Film den Menschen, die schon nichts mit Andersons bisherigen Filmen anfangen konnten, sicher auch nicht gefallen wird. Der Rest wird auf die Reise nach Zubrowka geschickt, einem fiktiven, südosteuropäischen Zwergstaat, in dem das Grand Budapest Hotel steht, in dem und um das sich eine skurrile, rasante, unglaubliche, lustige und liebevoll ausgestaltete Geschichte um den Lobby Boy Zéro, den Hotelchef Monsieur Gustave und den Tod einer alten Dame und dessen Folgen.


Zero und M. Gustave inmitten von faschistischem Militär
Egal was man von dem Film hält, nacherzählen ist schier unmöglich. Wes Anderson verwendet drei verschiedene Zeitebenen: die äußere Rahmenhandlung im Jahr 1985, der innere Rahmen im Jahr 1968 und eine dritte, die eigentliche Geschichte, ab dem Jahr 1932, kurz vor Ausbruch eine Krieges. Und in diesen drei Zeitebenen erzählt er fünf aufeinander aufbauende Episoden, von der eine merkwürdiger und lustiger ist als die andere. Auffällig ist, dass neben den vielen merkwürdigen Begebenheiten auch immer wieder brutale und blutige Szenen vorhanden sind, die aufgrund der Comichaftigkeit des restlichen Filmes einerseits überraschend, andererseits auch umso härter erscheinen. Aber gut, letztlich handelt es sich ja auch um eine Kriminalgeschichte, da ist ein wenig Gewalt auch nicht verkehrt. Aber trotzdem ist „Grand Budapest Hotel“ extrem in allen Variationen. Besonders in die öffentlich verpönten Themen wie zum Beispiel Sex stößt er immer wieder vor und ist sich auch nicht zu schade, in Anlehnung an den zweien Weltkrieg ein wenig Geschichte und Politik in das fiktive Land Zubrowka zu bringen.


Junge Liebe inmitten rosaner Pralinenschachteln
Gedreht wurde der Film zu großen Teilen in Görlitz, wo sich Anderson unter anderem des Görlitzer Warenhauses und der Stadthalle bediente. Weiterhin wurden zahlreiche Aufnahmen in den Babelsberger Filmstudios gefilmt. Da verwundert es auch nicht, dass mit Florian Lukas oder Karl Markovics ein paar deutschsprachige Darsteller auftreten. Darüber hinaus hat sich um den jungen Tony Revolori ein All-Star-Cast versammelt, der den Zuschauer mit mehr als nur den Ohren schlackern lassen dürfte. In aller Kürze: Ralph Fiennes als M. Gustave, dazu Tilda Swinton, Edward Norton, Harvey Keitel, F. Murray Abraham, Jude Law, Willem Dafoe, Adrien Brody, Mathieu Almaric, Saoirse Ronan – ach verdammt, das ist noch nicht mal die Hälfte der bekannten Namen. Egal, sie alle spielen mit so viel Engagement und meist auch jugendlichem Elan, dass es einfach eine Freude ist, ihre (bis auf Fiennes und Revolori) kurzen Auftritte zu beobachten.


Laut Anderson selbst ist „Grand Budapest Hotel“ inspiriert von Werken des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig. Dessen meist melancholischer, resignativer und doch dramatischer Stil überträgt sich auch merklich auf den Film. Das ist gut so, denn eine reine Komödie, so irrwitzig sie auch sein mag, ist der Film nicht. Vielmehr hat er auch zahlreiche Aspekte, die zum Nachdenken anregen, die einen traurig stimmen oder die eine gewisse Ratlosigkeit zurücklassen. Trotzdem dominieren die skurrilen Figuren und der fantastische Wortwitz. Gemeinsam mit der farbenfrohen Pracht und der luxuriösen und reichlichen Ausstattung des Film, der hervorragenden Kameraarbeit Robert D. Yeomans und besonders auch mit der fantastischen Filmmusik von Alexandre Desplat ist „Grand Budapest Hotel“ ein skurriler Trip für alle Sinne geworden. Ein typischer Wes Anderson-Film, der – wie so oft – so viel mehr kann als nur unterhalten und dazu noch genügend Schauwerte, inhaltliche Vielfalt und Raffinesse bietet, ihn sich immer wieder anzusehen.


8 von 10 Jungen mit Apfel