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Review: NICHT MEIN TAG - Peter Thorwarth sucht sich selbst

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Fakten:
Nicht mein Tag
BRD, 2013. Regie: Peter Thorwarth. Buch: Stefan Holtz, Peter Thorwarth, Ralf Husmann (Vorlage). Mit: Moritz Bleibtreu, Axel Stein, Jasmin Gerat, Anna Maria Mühe, Nele Kiper, Ben Ruediger, Kasem Hoxha, Bekim Guri, Tobias Nied, Emilian Markgraf, Ralf Richter, Maxwell Richter, Milan Peschel, Christian Kahrmann, Til Schweiger u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Till Reiners war mal ein wilder Hund, nun ist er Bankkaufmann mit Frau und Kind, Hypothek, einer Ehe ohne Sex Torschlusspanik, dass der aktuelle Spießertrott nun die Endstation ist. Als Kleinganove Nappo seine Bank überfällt und sich dessen Fluchtwagenfahrer verkrümelt, wird Till als unfreiwilliger Chauffeur gekidnappt. Was als Zwangsmaßnahme unter Todesangst beginnt, entwickelt sich zum aufregenden Road-Trip. Zwischen dem auftauenden Till und dem gar nicht so skrupellosen Nappo entwickelt sich eine Freundschaft. Als Till dann auch noch die Treue seiner Ehefrau anzweifelt, eskaliert die Lage komplett und nimmt ungeahnte Formen an.






Meinung:
Genau 15 Jahre ist es her, als ein junger, unbekümmerter Nobody aus dem Pott mit seinem Debütfilm das traditionell muffige Komödien-Kino aus heimischen Gefilden ordentlich aufmischte. Unter dem im ersten Momente affig klingenden Titel „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“ versteckte sich eine zitatträchtige Perle des deutschen Kinos, wild, ambitioniert, leicht primitiv, aber so herrlich detailliert und sympathisch-komisch, da galt Peter Thorwarth als der Hoffnungsträger des unverbrauchten, deutschen Films. Mit seiner holprigen, eigenen Kurzfilmadaption „Was nicht passt, wird passend gemacht“ blieb er sich zwar treu, offenbarte gleichzeitig aber auch deutliche Schwächen. Mit dem dritten Teil seiner Unna-Trilogie „Goldene Zeiten“ konnte er wieder halbwegs in die Spur zurückfinden. Überfrachtet, nicht ausgereift, aber mit dieser grundsätzlichen Idee und teilweise schön-skurrilen, naiven und dadurch so witzigen Einfällen, die Lust auf sein nächstes Werk stieg wieder deutlich an. Das ließ lange auf sich warten.


Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen.
„Nicht mein Tag“ enttäuscht leider im Gesamteindruck, obwohl die Bedingungen so verheißungsvoll sind. Niemand anderes als „Stromberg“-Autor Ralf Husmann liefert die Vorlage zum Skript, Thorwarth hat immer noch dieses Gespür für urige Situationskomik, ein goldenes Besetzungshändchen und weiß all dies zunächst auch auszuspielen. Dazu muss gesagt werden: Dies ist sicher sein konventionellster Film bisher. Dem enthusiastischen Chaos seiner ersten Filme – was gerade deren Reiz ausmachte – muss nun einer in der Form schon häufiger vorgetragene Geschichte weichen. Im Alltag gefangener und eingeschlafener Nun-leider-doch-Spießer wird als Geisel genommen, freundet sich (holterdiepolter) mit seinem anarchistischen Entführer an und nutzt den Wink des Schicksals als Flucht aus der mausgrauen, schleichenden 9-17Uhr-Todesstrafe. Trotz bekannter Muster, eindeutiger Anleihen (bis zu Plagiaten) aus etlichen Werken zuvor und der objektiv nicht so drastisch-schlüssigen Verbrüderung mit dem Geiselnehmer, lange funktioniert der Film zweifellos. Allein das präzise Timing, die pointierten Dialoge und vor allem die beiden hervorragenden Hauptdarsteller täuschen über Skriptmängel locker hinweg.


Ein hartes Duell: Wer kann blöder gucken?
Von Moritz Bleibtreu ist man nichts anderes gewohnt, erneut untermauert er sein Talent für kantige Figuren, gerne mit leichtem Assi-Touch. Er versteift sich selten in Rollen, gibt ihnen immer seine eigene Note, die sie oft besser erscheinen lassen, als sie ursprünglich wohl skizziert waren. DIE Überraschung ist mit Sicherheit Axel Stein, der sich jahrelang als dicker Proll-Dödel vom Dienst durch so manchen Schund hocharbeiten durfte und nun tatsächlich unter Beweis stellt, was er (jetzt erst?) leisten kann. Allein die Chemie zwischen Bleibtreu und Stein ist pures Gold und vermag den Film über manche dramaturgische Schlaglöcher hinweg zu tragen. Angereichert mit netten Cameos und Anspielungen (in erster Linie auf Thorwarth’s Prunkstück „Bang Boom Bang“) macht der Film Laune und hat diese Grundstimmung, für die Til Schweiger (hier nicht ganz unbeteiligt, als Produzent sowie mit seinem besten, weil selbstironischsten und wirklich mal nicht eitlem Auftritt seit einer Ewigkeit) und sein Adoptivsohn Matthias Schweighöfer nicht mal töten müssen (aber sollten), weil ihr Schrott ja trotzdem läuft. „Nicht mein Tag“ ist in der ersten Hälfte zwar nie super oder außergewöhnlich, dennoch nett und schmissig, geht gut rein und schafft eine harmonische Stimmung aus Road-Movie, Komödie und Eskapismus, ganz einfach und effektiv.


Dann kippt die Chose leider ganz gewaltig, auch weil Thorwarth irgendwann extrem planlos wirkt, einfach nicht den richtigen Punkt findet und ihm das unglückliche Kunststück gelingt, die gesamte Stimmung schwungvoll an die Wand zu fahren. Mit 110 Minuten ist der Film nicht nur viel zu lang (für die Geschichte), er verrennt sich auch noch komplett in einem unausgegorenen Plot, der augenscheinlich zu viel will. Es wechselt und mischen sich Elemente aus Thriller, Beziehungsdrama, Komödie, Buddy-Movie und sogar Actionfilm so überstürzt, das erscheint bald hilflos. Warum die nicht unbedingt originelle, aber zumindest klare und funktionale Basis so sinnlos geopfert wird, es bleibt ein Rätsel. Nichts gegen Stimmungs- und Genrewechsel bzw. Verquickungen, nur das muss man dann eben beherrschen. Thorwarth gelingt das nicht und übersäuert seinen bis dahin soliden Film ohne Not. Am Ende ist man sogar geneigt, dieses krude, verworrene Gemisch böse abzustrafen und muss sich erst wieder der charmanten Momente bewusst werden, um die Kirche im Dorf zu lassen.


Ohne Zweifel, Thorwarth kann was und lässt es immer mal aufblitzen, nur hier ist der Titel leider Programm. Sogar sein schwächster Film, was nicht darauf zu begründen ist, dass er sich zu sehr auf einfache Mechanismen verlässt, eher dadurch, dass er sie irgendwann aufgibt und sich nicht mehr recht orientieren kann. Bis dahin war seine unangepasste, leicht wirre Verspieltheit eine Stärke, nun wird sie zur Schwäche. In dem Fall wäre weniger mehr gewesen. Kann passieren, interessant bleibt der Mann, nur bitte nicht mehr so nach allem fischen. Es kommen hoffentlich wieder bessere Tage.

5 von 10 Stockholm Syndromen

Review: MUPPETS MOST WANTED – Wenn ein Frosch im Gulag steppt

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Fakten:
Muppets Most Wanted
USA. 2014. Regie: James Bobin. Buch: Nicholas Stoller, James Bobin. Mit: Tina Fey, Ty Burrell, Ricky Gervais, Steve Whitmire, Eric Jacobson, Matt Vogel, Kevin Clash, Christoph Waltz, Til Schweiger, Lady Gaga, Ray Liotta, Frank Langella, Usher Raymond, Sean Combs, Salma Hayek, Danny Trejo, Saoirse Ronan, Tony Bennett, Zach Galifianakis u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab 11. September auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der finstere Frosch Constantin bricht aus dem russischen Gefängnis aus. Da er Kermit sehr ähnlich sieht, wird kurz darauf Kermit verhaftet und inhaftiert. Constantin nutzt diese Chance, gibt sich bei den Muppets als Kermit aus und plant im Verborgenen einen spektakulären Juwelenraub.





Meinung:
Seit ihrer Geburt Mitte der 1970er Jahre genießen die Muppets internationale Reputation: Kermit hat unlängst einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood spendiert bekommen, während die genialen Folgen der „Die Muppet Show“ auch im deutschen Fernsehen wieder und wieder ausgestrahlt werden. Die große Stärke der Muppets war immer, wie es problemlos verstanden, ein junges und erwachsenes Publikum simultan anzusprechen, den Kindern mit zünftigen Slapstickeinlagen ordentlich Freude bereiteten, über ihren Köpfen aber auch eine ungemein anarchische, gerne gesellschaftskritische Tonalität vertraten, die bei den älteren Konsument auf reichlich Gegenliebe stieß. Im Kino aber wollte die Rechnung nicht aufgehen und nach „Muppets aus dem All“ von 1999, der sich als heftiger Flop herausstellte, sollte es ganze zwölf Jahre still um die quirligen Handpuppen werden. 2011 aber nahm sich „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel ein Herz und erweckte die alten Helden mit „Die Muppets“ wieder zum Leben.


Die Muppets erobern Europa
Segel, der von der Walt Disney Company weitestgehend freie Hand bekam, verknüpfte das liebenswert Urige und angenehm Anarchische der kultisch verehrten Serie auch in dem von ihm geschriebenen Kinofilm, um sich dann noch als menschlicher Hauptdarsteller in Szene setzen zu lassen, der von einer bezaubernden Amy Adams („The Master“) an seiner Seite tatkräftig unterstützt wurde. Mit „Muppets Most Wanted“ bekommt man es nun mit der Fortsetzung zum Megaerfolg aus dem Jahre 2011 zu tun. Jason Segel allerdings hat die Segel (Kalauer!) gestrichen und anstatt seiner Person, haben sich Regisseur James Bobin, der „Muppets Most Wanted“ wie schon „Die Muppets“ inszenierte, und Nicholas Stoller (der Segel damals ebenfalls unterstützte) an das Drehbuch gesetzt. Und was soll man sagen? Es sind halt immer noch die Muppets, und die stehen automatisch in Relation mit jeder Menge Herz, welches seine Kraft zum Teil aus wunderschönen, nostalgischen (Kindheits-)Erinnerungen gewinnt. Allerdings geht „Muppets Most Wanted“ ein Stück weit der Esprit verloren, der selbst Nicht-Muppets-Fans und festgefahrene Musical-Muffel begeisterte.


Im Gulag hat Kermit wenig zu lachen
„Muppets Most Wanted“ setzt genau dort an, wo „Die Muppets“ aufhörten: Die angestimmte Musical-Nummer auf dem Hollywood Boulevard findet ihren Ausklang und in wenigen Wimpernschlägen stehen die Puppen schon wieder allein auf weiter Flur, denn all die Menschen, die ausgiebig mit den Muppets gefeiert haben, waren bezahlte Statisten. Danach folgt eine Meta-Gesangseinlage, die das eigene Fortsetzungsthema gehörig durch den Kakao zieht und gleich mal verlauten lässt, dass Nachfolger ja eh nie so gut sind wie noch die Vorgänger: Eine Entschuldigung für die Enttäuschungen, die die Fans in der nächsten Zeit ereilen werden. Aber eine durchaus spritzige, die Lust auf mehr macht. War „Die Muppets“ noch geschwängert von organischer Emotionalität und konnte mit Songs gefallen, die wahre Ohrwurmqualitäten besaßen und auch noch Tage später durch den Gehörgang schallten, erscheint „Muppets Most Wanted“ zuweilen reichlich beliebig. Was die gehörige Arbeit an den Liedern an dieser Stelle gewiss NICHT diskreditieren soll, nur fehlt einfach der letzte, memorable Quäntchen.


Darüber hinaus fällt „Muppet Most Wanted“ reichlich zahm aus und die größte Subversion, die sich der Film erlaubt, gebärt aus der Parallelisierung vom sibirischen Gulag, in das Kermit durch eine heimtückische Verwechslung landet und der Showbühne, auf der sich der Gauner Constantine, der genauso aussieht wie Kermit, nur mit einem Muttermal am Mundwinkel ausgestattet ist, breitmacht, um seine geplanten Schandtaten weiter auszubauen. Selbstreflexive Witzchen sind da Standard und als Phänomene der Popkultur ist es den Muppets freilich gegönnt, ebenso reich popkulturelle Referenzen zu schlagen. Und das ist auch alles immer niedlich, unterhält, lässt jedoch die immense Klasse vermissen, die man mit der Show seit jeher assoziiert. Der tolle Ricky Gervais zum Beispiel ist bloßer Stichwortgeber als Constatines Adjutant, Tina Fey hingegen ist wunderbar in der Rolle der Gulagaufseherin Nadya, während bei den Cameos (darunter außerdem: Christoph Waltz, Tom Hiddleston, Til Schweiger, James McAvoy, Salma Hayek, Zach Galafianakis, Chloe Grace Moretz, Frank Langella) vor allem Ray Liotta und Danny Trejo im Gedächtnis bleiben, die als eigentlich harte Kerls endlich an einer Musicalnummer teilnehmen dürfen: Zwerchfellerschütterung vorprogrammiert.


5 von 10 langsamen Interpolagenten


von souli

Review: DIE DREI MUSKETIERE - Anderson'sche Luftschlacht über Frankreich

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Fakten:
Die drei Musketiere (The three Musketeers)
USA, BRD, UK. 2011. Regie: Paul W.S. Anderson. Buch: Alex Litvak, Andrew Davies, Alexandre Dumas (Vorlage). Mit: Logan Lerman, Luke Evans, Ray Stevenson, Matthew Macfadyen, Christoph Waltz, Orlando Bloom, Milla Jovovich, Juno Temple, Mads Mikkelsen, Til Schweiger, Freddie Fox u.a. Länge: 111 Minuten. FSK: freigegeben ab12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray (inkl. 3D-Fassung) erhältlich.


Story:
D’Artagnan will unbedingt Musketier werden. Ein Plan der schneller Realität wird als er sich erträumt hatte, denn plötzlich ist er mittendrin im Kampf der drei legendären, königstreuen Degenschwinger Porthos, Aramis und Athos gegen den finstern Kardinal Richelieu, der via Verschwörung das Könighaus vernichten will.





Meinung:
Mal poppig-verschmäht, mal mit erotischer Komponente gestreckt und dann wieder paradigmatisch auf nostalgische Tugenden rückbesinnend: Alexandre Dumas französischer Klassiker „Die drei Musketiere" haben es schon oft und in vielfältiger Ausrichtung auf die großen Leinwände geschafft. Wer aber hätte wohl damit gerechnet, dass ausgerechnet Paul W.S. Anderson das Privileg zu Teil wird, dieses Segment literarischen Kanons zum bald fünfzigsten Mal umzusetzen? Anderson, der mit seinem Sci-Fi-Horror „Event Horizon“ 1997 durchaus Potenzial für den stimmungsvollen Genre-Film bewies, degradierte er sich diesen Ruf mit „Resident Evil“, „Alien vs. Predator“ und „Death Race“ in Windeseile. Versessen darauf, die optischen Plateaus innerhalb des Kaders zu filetieren, hat Anderson bis auf das größenwahnsinnige Klammern und Stilisieren klinisch-aufbereiteter Hochglanz-Ästhezismen nichts zu bieten – Außer natürlich der endlosen Zelebrierung seiner gähnend reizlosen wie nahezu vollkommen talentlosen Gattin Milla Jovovich. Mit „Die drei Musketiere“ von 2011 verhält sich nun aber endlich mal erfrischend anders.


Sobald sie wissen, das D'artagnan über 18 ist, lassen sie ihn fallen.
Zum ersten Mal nämlich darf man hier den Eindruck erweckt bekommen, Paul W.S. Anderson wäre sich seiner Materie wie den Unkenrufen aus aller Welt für einen kurzen Zeitraum vollkommen bewusst geworden, bevor er sich 2012 mit „Resident Evil 5: Retribution“ wieder in sein altbekanntes Territorium verkrümeln wird. Die Geschichte um „Die drei Musketiere“ ist ausgelutscht, ihr substanzieller Mehrwert längst ausformuliert und das Interesse an einer weiteren seriösen Verfilmung ebenso verblüht. Folgerichtig geht es dem Drehbuch, zusammengeschustert von Alex Litvak und Andrew Davies, nicht darum, den Werdegang von D'Artagnan, Athos, Porthos und Aramis detailliert und kompetent auszubreiten, sondern nur darum, Anderson eine zünftige Spielweise im historischen Chic zu offenbaren, auf der sich in all seiner zwanghaften Sucht nach überbordenden Bombast austoben kann. Die Eckpfeiler bleiben erhalten; Tapferkeit, Brüderlichkeit, Stolz und Liebe und jene Aspekte sind vertreten, auch wenn ihnen der tiefere Ausbau hier selbstredend verweigert wird. Dafür interessiert sich „Die drei Musketiere“ in diesem Fall etwas mehr für politische Gepflogenheiten, ohne parabolische Dimensionen anzugreifen – Warum auch?


"Riecht ihr das Richelieu? Ich habe gerade royal gepupst."
„Die drei Musketiere“ ist ein Blockbuster, der sich weder um Logik schert, noch historische Kohärenz für erstrebenswert erachtet. In Szene gesetzt in einigen der schönsten Barockburgen Bayerns, hat Anderson die edlen Schauwerte auf seiner Seite und fährt mit einem prachtvollen Dekor und Kostümen auf, was beinahe schon etwas wehmütig stimmt, es dann doch mit einem nach solch anachronistisches Idealen funktionierenden Gesamtwerk zu tun zu bekommen. Der Kurs, auf dem „Die drei Musketiere“ jedoch läuft, hört auf „Modernisierung“ und nimmt sich damit das damit eintretende Trivialisieren ohne falsche Scham in Kauf: „Die drei Muskeltiere“ ist infantil und gerne auch respektlos, aber es ist zuweilen auch ein bunter Freizeitpark, auf dem sich nur zu gerne nach Lust und Laune verausgaben möchte. Mit Logan Lerman („Vielleicht lieber Morgen“, „Noah“) hat man sich auf einen Jungspund als D'Artagnan geeignet, der durch seine angriffslustige Art einem jüngeren Publikum den Zugang zu dem Stoff erleichtern soll, letztlich aber durch seine aufgesetzten Attitüden schnell nervt, während die weiteren Musketiere weitestgehend charakterlos bleiben und vielmehr nur als Sekundanten fungieren.


Vervollständigt wird der Cast mit Christoph Waltz, der wiedermal die Hans Landa-Nummer aus „Inglourious Basterds“ raushängen lässt, einem schön fiesen und charismatischen Mads Mikkelsen („Die Jagd“, „Adams Äpfel“), Orlando Bloom („Der Herr der Ringe“, "Der Hobbit: Smaugs Einöde"), Juno Temple („Killer Joe“, "Dirty Girl"), Til Schweiger („Kokowääh 2“, „Tatort: Kopfgeld“) und natürlich Andersons Herzallerliebsten Milla Jovovich – Die auch in „Die drei Musketiere“ an ihre Auftritte im desaströsen „Resident Evil“-Franchise erinnert. Und obgleich sich die Darsteller nicht mit Ruhm bekleckern, ja, sogar hin und wieder zum Störfaktor erklärt werden dürfen, macht „Die drei Musketiere“ die größtenteils Spaß, weil er so bunt, so laut und so albern ist, ohne etwas anderes behaupten zu wollen. Eine protzige Sause, zwischen Luftschlachten mit Steampunkanleihen und jeder Menge fulminanter Zeitlupe. Natürlich kann man „Die drei Musketiere“ gleichwohl als Persiflage auf die Konventionen des Mantel & Degen-Genres lesen, was den Film dann doch als grelles Entertainment schadet, ist, dass die Rhythmik der Narrative oftmals in Straucheln gerät und zwischen all den Überhöhung tatsächlich etwas zu viel Luft nach oben bleibt. Nichtsdestotrotz ist „Die drei Musketiere“ DEUTLICH sympathischer als man es von Anderson erwartet hätte.


5 von 10 Tänze mit dem Degen


von souli

TV Wahnsinn: TATORT: KOPFGELD - Unser Grindhouse-Podcast zum Schweiger-Tatort

1 Kommentar:



Premiere! Hallo liebe Leser, wir machen euch jetzt zu Zuhörern. Öffnet eure Ohrmuscheln für den allerersten Podcast der Drei Muscheln. Eines vorweg: technisch ist dass gewiss alles andere als Spitzenqualität. Eigentlich ist diese Ausgabe auch erstmal nur ein Experiment, ein Versuch, ein Prototype, ein Test. Verzeiht also bitte, wenn dieser Podcast nicht denselben qualitativen Standard hat wie etwa die Audiotalks unserer geschätzten Kollegen. So, genug gewinselt. Für unsere Pilotfolge haben sich unser souli a.k.a. Pascal und stu a.k.a. Sebastian den zweiten „Tatort“ mit Til Schweiger angesehen. Erneut ermittelt der „Kokowääh“-Star als Kommisar Nick Tschiller in der Hamburger Unterwelt und bekommt es diesmal mit fiesen Kurden zu tun.

Wir wünschen euch viel Spaß mit unserem Podcast und sprechen noch rasch eine Spoilerwarnung aus.





Hier geht’s zur Review von „Tatort – Willkommen in Hamburg“
Hier geht’s zur Review vom „Schutzengel“
Hier geht’s zum Til-Schweiger-Artikel von stu auf CinemaForever

Review: LANG LEBE CHARLIE COUNTRYMAN - Auf der Suche nach dem großen Glück

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Fakten:
Lang lebe Charlie Countryman (The Necessary Death of Charlie Countryman)
USA, RO, 2013. Regie: Frederik Bond. Buch: Matt Drake. Mit: Shia LaBeouf, Evan Rachel Wood, Mads Mikkelsen, Til Schweiger, Rupert Grint, James Buckley, Ion Caramitru, Vincent D'Onofrio, Melissa Leo u.a. Länge: 99 Minuten.
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab 20. Februar auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der Tod seiner Mutter wirft den ohnehin schon sehr ziellosen Charlie total aus der Bahn. Noch in der Klinik erscheint ihm seine Mutter mit einer letzten Nachricht: Er soll nach Bukarest reisen. Warum ist erstmal nebensächlich. Gesagt, getan. Im Flugzeug kommt Charlie mit Victor ins Gespräch, der kurz danach ebenfalls das Zeitliche segnet. Auch er hat noch einen letzten Wunsch post-mortem geäußert: Seiner Tochter Gabi ein Geschenk überbringen. Charlie ist vom ersten Moment verzaubert von der jungen, hübschen, allerdings auch sehr melancholischen Frau. Der Beginn einer zarten Romanze, wenn da nicht Gabis Noch-Ehemann Nigel und sein Kollege Darko wären, zwei berüchtigte Killer.





souli’s Meinung:
Ein junger Mann sackt auf dem Krankenhausflur zusammen, die Haare zottelig, der Bart ungepflegt, die Klamotten fleckig. Sein Atem stockt, nachdem er wenige Sekunden zuvor Zeuge vom Tod seiner Mutter wurde. Doch bevor er sich in einen paralysierenden Zustand tiefer Trauer stürzen kann, bekommt er ein letztes Mal Besuch von seiner Mutter aus dem Jenseits – Und wird unter Tränen auf eine Reise in die rumänische Hauptstadt geschickt. In welch prekäre Situation ihn dieser Auftrag aber bringt, zeigt bereits die Eröffnung, in der dieser junge Mann, der übrigens der titelgebende Charlie Countryman ist und von Shia LaBeouf wirklich beachtlich verkörpert wird, kopfüber mit blutverschmierten Visage an einem Seil in luftiger Höhe baumelt. Bis dahin weiß Fredrik Bonds „Lang Lebe Charlie Countryman“ wirklich zu gefallen und weckt die Lust herauszukommen, wie sich unser Hauptakteur nur in diese missliche Lage manövrieren konnte. Das Problem aber wird relativ schnell deutlich: Fredrik und sein Autor Matt Drake wollen einfach zu viel und muten nicht nur sich, sondern auch dem Zuschauer  viel zu viel zu.


Ein Foto von unserer letzten Weihnachtsfeier
Der Plot kennt keinen Stillstand und scheucht unseren Charlie Countryman von einer chaotischen Situation in die nächste, skurrile Gestalten sind da natürlich inbegriffen. Warum sich „Lang Lebe Charlie Countryman“ aber wie ein Dampflok durch den von neonfarbenden Drogendschungel von Bukarest poltert, obwohl der Film zu Anfang noch den Eindruck einer ruhigen, sensiblen Charakter-Dramas mit Selbstfindungsambition erweckt, lässt sich ganz eindeutig am jeweiligen Kunstverständnis des Regisseurs erklären, der möglichst stylische Bilder des Nachtlebens bevorzugt und seine Hauptfigur durch penetrante Akustikcollagen erdrückt, anstatt sich auf ihr Inneres einzulassen. „Lang Lebe Charlie Countryman“ ist ein seltsam unausgegorenes Konglomerat aus surrealen Märchenanleihen, überkandidelter Gangsterpose und artifiziellem Liebesgedöns in geleckter MTV-Poesie. Ein trendiges Nichts von Film, überlagert von potenziell netten Ideen, die angeschnitten, aber nicht zu Ende gedacht werden: Jenes Potenzial zerbricht durch die unzähligen Schlaglöchern des holprigen Drehbuchs.


Der einzige erkennbare Grund, warum man sich „Lang Lebe Charlie Countryman“ wirklich anschauen könnte, ist die Leistung von Shia LaBeouf, der Rest des Casts (Mads Mikkelsen, Til Schweiger, Evan Rachel Wood, Rupert Grint, Vincent D'Onofrio) bleibt weitestgehend unterfordert oder kann es eben einfach nicht besser.


3,5 von 10 Botschaften aus dem Totenreich


Liebe und Schmerz. Sie gehören zusammen wie souli und Jacko


Jacko’s Meinung:
Die Independent-Produktion von Regie-Debütant Frederik Bond will sicherlich ein ganz besonderer, kleiner Film sein, der als Geheimtipp gehandelt werden möchte. Da wird sich bewusst nicht auf ein Genre festgelegt, verschiedenste Zutaten in den Topf geworfen und möglichst unkonventionell zusammengerührt, nur kommt dabei kein homogenes Ganzes heraus. Wie sein Protagonist wirkt das Skript von Matt Drake fast über die gesamte Laufzeit sehr planlos und lässt sich, ihn und uns mit gezwungener Leichtfüßigkeit durch die Bukarester Nacht taumeln. In erster Linie eine Romanze zweier trauriger Außenseiter, die aufgrund ihrer sozialen und gesellschaftlichen Defizite wie geschaffen für einander scheinen, aber selbstredend ist das in so einem Film alles nicht so einfach. Gut und schön, ist allerdings lange nicht so besonders wie es wohl gerne wäre, auch davon gibt es reichlich ähnliche Kollegen mit mehr Strahlkraft und besonders Inhalt. Zu unentschlossen schmückt sich die träumerisch-melancholische Geschichte dazu mit halbgaren Fantasy-Einlagen, klobig eingestreuten und nicht gerade zündenden Humor-Spritzern (Rupert Grint mit Dauerlatte, na ja...) und harter Gangsterthematik, welche das Finale dann dominiert. Da kommt wenigstens mal etwas Pepp in die vor sich hin blubbernde Handlung und es gelingt zumindest eine wirklich rundum gelungene Sequenz (die Verfolgungsjagd, mit einem grandiosen Track von Moby).


Auf der Flucht: Charlie Countryman
In solchen Momenten schimmert durch, dass es wohl nicht an Frederik Bond liegt, der bei seinem Erstling durchaus Talent erkennen lässt. Wenn der Mann in Zukunft ein besseres Buch in die Finger bekommen sollte, darf man gespannt sein. Und – wenn er sich nicht gerade wieder auf roten Teppichen zum Affen macht – auch auf das, was Shia LaBeouf uns in nächster Zeit noch zeigen wird. Nach seinen klaren Leistungssteigerungen in Filmen wie (dem sonst durchschnittlichen) „Lawless“ und Robert Redfords „The Company You Keep – Die Akte Grant“ kann er wieder durch einen gelungenen Auftritt überzeugen. Gleiches gilt für Evan Rachel Wood, wobei (natürlich) der kantige Däne Mads Mikkelsen jede seiner Szenen spielend für sich einnimmt. Als heftiger Kontrast dazu sein Killer-Kompagnon Darko alias Til Schweiger, der sich mal wieder in eine internationale Produktion geschummelt hat und das mit seinen gewohnten, erschreckend limitierten Mitteln runtereiert. Wenn man dann sieht, dass ein Vincent D’Onofrio nur einen Kurzauftritt als Charlies Vater hat...


„Lang lebe Charlie Countryman“ hat seine Momente, die jedoch in dem Brei aus viel gewollt und wenig gelungen nur kleine Ausreißer. Zwischenzeitlich viel zu lange total belanglos und schläfrig vorgetragen. Nicht der Rede wert.


4 von 10 Dauerständern in Bukarest.