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Review: TAMMY – VOLL ABGEFAHREN - Wenn Frauen die Dummheit der Männer unterbieten wollen

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Fakten:
Tammy - Voll abgefahren (Tammy)
USA. 2014. Regie: Ben Falcone.
Buch: Melissa McCarthy, Ben Falcone. Mit: Melissa McCarthy, Susan Sarandon, Allison Janney, Toni Collette, Sandra Oh, Dan Aykroyd, Kathy Bates, Gary Cole, Ben Falcone, Rich Williams, Mark Duplass, Nat Faxon, Sarah Baker, Rob Springer u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 4. Dezember 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nachdem Tammy (Melissa McCarthy) am selben Tag ihren Job in einem Fast-Food-Restaurant verliert und dann auch noch herausfindet, dass ihr Mann sie betrügt, will sie einfach nur noch raus aus der Stadt. Ihr Auto ist jedoch nicht fahrtüchtig. Tammy ist also auf den fahrbaren Untersatz ihrer trinkfesten Großmutter Pearl (Susan Sarandon) angewiesen. Doch Pearl stellt ihrer Enkelin ihr Auto nur unter zwei Bedingungen zur Verfügung: Pearl darf mitkommen und bestimmt zudem, wohin die Reise geht. Gemeinsam begeben sie sich also auf einen skurrilen Road Trip zu den Niagarafällen.





Meinung:
Und weiter geht's mit dem finsteren Terror der Melissa-McCarthy-Ära, erneut in der aufdringlichen Rolle einer Dick-&-Doofen Pottsau, Zielscheibe plattester Fressmaschinen- und Versager-Gags, die in ihrer Blue-Collar-Heuchelei wieder mal einem homogenisierten Homer-Simpson-aktueller-Staffeln-Imitat gleichkommt - wo kann da noch unerwarteter Humor herkommen, wenn ihr Shtick immer austauschbarer wird? Aber man kann immerhin noch froh sein, dass sich das Team hinter 'TAMMY' durchweg an so eine Art klassischer Witz-Konstruktion versucht, auch wenn sich die meisten 08/15-Pointen meilenweit ankündigen und im Nachhinein nochmal erklärt, ohnehin schön lang ausgewalzt werden - Regisseur und Drehbuchautor Ben Falcone besitzt da nicht gerade das zielsicherste Potenzial, bleibt aber auch in der sonstigen Inszenierung ausschließlich bieder, vorsichtig, bissfrei. Eben eine seichte Komödie mit einem weitgehend halbärschig-genutzten R-Rating, mit dessem Siegel sich 'TAMMY' allenfalls eine infantile Ansammlung einfallslosester Fluchwörter und 'Den hast du gefickt? Oma!'-Dialoge erlaubt (visuelle Gags bleiben deutlich in der Unterzahl - bitter beim Medium Film).


"You shall not pass"
Da kann man natürlich sagen: ey, lasst doch den Frauen mal ihren richtig doofen Spaß! Und ich bin mir sicher, dass jene Zielgruppe, die sich seit jeher McCarthys Output genüsslich reinzimmert, auch dieses Mal ihrem gedankenlosen Eskapismus verfallen wird. Aber ich sehe nicht wirklich den Gehalt oder gar die Möglichkeit darin, eine Figur wie Tammy mögen zu können, die als tollpatschiges Womanchild ständig vom Film ausgelacht wird, von einem Fettnäpfchen ins andere tritt, ein nur sehr beschränktes Allgemeinwissen besitzt/besitzen will und zudem mit einer Oma durch die Gegend kurvt, die kaum unsympathischer oder gar klischeehafter sein könnte. Susan Sarandon gibt dabei die alkoholisierte, unanständige Grandma Pearl, die es sexuell noch immer draufhaben will, sich 'nen Dreck darum kümmert, dass sie irgendwelche wichtigen Medikamente nehmen sollte und Tammy sie u.a. deshalb immer aus den "irrwitzigsten" Situationen retten muss (im Grunde ist sie ein bisschen wie Johnny Knoxvilles 'BAD GRANDPA', nur eben 100%-ig witzlos).


"Thelma & Louise", die Redux-Fassung
Das sieht der Film in seinem Road-Trip-Narrativ als Weg chaotischer Anfreundung an (als ob man vorher gesehen hätte, dass es zwischen den Beiden innerfamiliäre Konflikte gäbe), in dem die Lockerheit des eigenständigen Feminismus zelebriert werden will, bietet in seiner Ausführung allerdings nur die sonnige Darstellung besonders ausgeprägter Misanthropie. Das gipfelt dann in einer Ansprache Pearls bei der Independence-Day-Party ihrer lesbischen Freunde (ganz subtile Anspielung auf Unabhängigkeit, Feminismus und so, näh), in der sie Tammy als Loser beschimpft, der nichts im Leben auf die Reihe kriegt - woraufhin dann von Tammy sogar im verblendet-versöhnlichen Ton verlangt wird, dass sie ihr verzeiht und wirklich mal erwachsen werden sollte. Schon eine richtig assige Frechheit - klar sind ihre Mittel zum Zweck stets streitbar, aber einerseits wird ihr im gesamten Film nur vom Schicksal zugesetzt und andererseits muss sie immer ihre verrückte Oma, der Hauptgrund für alle Schwierigkeiten, aufhalten, als ob sie aus irgendeinem Grund Schuld daran hätte.


Zwei Damen beim gemeinsamen Hobby: ihre Umwelt nerven
Man könnte fast meinen, man wäre in 'A SERIOUS MAN' gelandet, so sadistisch das Universum sich Tammy gegenüber verhält. Aber keine Sorge, das hier ist kein Coen-Bros.-Film, denn da unsere Hauptprotagonistin an sich schon nur abnervt und hohl dahinlebt, bleibt die dramaturgische Fallhöhe äußerst "bescheiden". Selbst als die Alte sie der selbstsüchtigen Sexualität wegen aus dem Hotelzimmer rausschmeißt und wie einen Hund vor der Tür schlafen lässt, behandelt dies der Film zunächst noch als abgefahrenen Ulk inkl. niedlichem Waschbären, bevor er dann doch noch mal (schlechten Gewissens?) versucht, ein bisschen Verständnis vom Zuschauer zu fischen. Das wiederholt er auch später nochmal, als er den Tod der Oma faked, damit Tammy diese für immer liebt, alles vergibt und bis heute noch glücklich Mädelsabende feiert. Klingt zwar wie eine grausame Konsequenz, wird aber noch zumindest dadurch unterstützt, dass der Rest der Welt - im Grunde aber hauptsächlich Kerle, soviel zur "frauenfreundlichen" Perspektive des Films - ihr letzten Endes auch (geheuchelt) positiv gegenüber eingestellt ist. Dan Aykroyd kommt da, trotz vordergründiger Kreditierung erst 10 Minuten vor Schluss, als ihr Daddy vorbei und bietet seinem 'big girl' freundschaftlich an, ihren Ex abzuknallen, während dieser zusammen mit seiner neuen Freundin (Toni Colette, auch als verschwendetes Quasi-Cameo) zumindest ihre Sachen aus Schuldgefühlen fein säuberlich zusammengepackt hat. Und sogar ein früh und wie erwartet spießig etablierter Love Interest erfüllt sich mit Handsome-Bauernboy Bobby, urig-fehlbesetzt/verkörpert durch Indie-Regisseur Mark Duplass, dessen Chemie mit McCarthy besonders unglaubwürdig wirkt und von ihm auch dementsprechend gehemmt oder eben auch gleichgültig (geheim-sarkastisch) dargestellt wird.


Ich wette, ihm geht dieser Film genauso am Arsch vorbei, wie Gary Cole als sein Dad, der in seiner Rolle einfach nur betrunken da sein muss, um den Check zu kassieren. Da ist er zwar besser dran, als die Sarandon, die sich auf ihre Oscar-nominierten Tage noch (freiwillig?) bemühten Vulgär-Peinlichkeiten hingibt (ebenso in der Funktion am Start: Kathy Bates), doch spaßig fällt davon nichts wirklich aus, selbst im Rahmen eines vom Konzept her schon offensichtlichen Blödelfilms. Denn wie so viele kontemporäre Hollywood-Produktionen tauscht 'TAMMY' in ihrem formelhaften Prozedere eine offene und ehrliche Infantilität allmählich gegen forciertes Drama ('Oma, du hast ein Alkoholproblem!') schablonenhaftester Volldeppen aus, damit auch jeder (theoretische) ungebändigte Spaß im Keim erstickt wird. Gewiss erwartet man nicht viel bei einem McCarthy-Vehikel, aber wenn es derartig trist und einfallslos-konventionell abgearbeitet wird und vom Zuschauer erwartet, dass er sich mit einem Haufen selbstgefälliger Arbeiterklasse-Hipster aus den tiefsten Tiefen des Genres anfreundet, nur weil es dieses Mal ja Frauen sind, ist das schon eine mittelschwere Beleidigung.


2,5 von 10 geklauten Kuchen


vom Witte

Trailerpark: Die Sex Machine bekommt ihren Film - Erster Trailer zum James-Brown-Biopic GET ON UP

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Hier der erste Trailer zum James-Brown-Biopic „Get On Up“ von Regisseur Tate Taylor („The Help“). Der Trailer verspricht klassisches Biopic-Material. Der Cast setzt sich u.a. aus Viola Davis, Octavia Spencer, Lennie James, Craig Robinson, Jill Scott, Dan Aykroyd und Chadwick Boseman zusammen. Deutscher Starttermin ist der 9. Oktober2014.



Review: LIBERACE – ZU VIEL DES GUTEN IST WUNDERVOLL – Michael Douglas und Matt Damon präferieren Poposex

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Fakten:
Liberace (Behind the Candelabra)
USA. 2013.
Regie: Steven Soderbergh. Buch: Richard LaGravenese, Alex Thorleifsen (Vorlage), Scott Thorson (Vorlage). Mit: Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Rob Lowe, Dan Aykroyd, Debbie Reynolds, Boyd Holbrook, Nicky Katt, Paul Reiser, David Koechner, Tom Papa, Cheyenne Jackson u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: freigegeben ab 12Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Mit 17 lernt Scott den Pianisten Liberace kennen, der in den 1970er Jahre einer der bekanntesten und beliebtesten Entertainer sowie der größten Showact von Las Vegas ist. Scott und Liberace werden ein Paar und genießen ein Leben im Luxus und im Glamour. Doch ihre Homosexualität bleibt ein Geheimnis und nach und nach kriselt es in der Beziehung.





Meinung:
Immer wieder beteuerte der renommierte Star- und Showpianist Wladziu Valentino Liberace in der Öffentlichkeit seine Heterosexualität - Selbst vor Gericht schwor er sie unter Eid. Die Angst davor, ein Outing könnte seine durch und durch flamboyante Karriere im streng konservativen Amerika geradewegs verpuffen lassen, war stets präsent. Liberace war eine extravagante Koryphäe, die die Massen durch seine pure Ausstrahlung mühelos um die Finger wickeln konnte. Mit einem geschätzten Vermögen von 100 Millionen Dollar, 13 Villen, 17 Hunden und einer in ihrer gefälligen Dekadenz gar absurd anmutenden Pianosammlung, suhlte sich der Entertainer mit den polnisch-italienischen Wurzeln seit seinem Durchbruch in den 1960er Jahren im ausufernden Luxus. Der Mann hatte alles, die Menschen lagen seinem Talent zu Füßen und doch war es ihm nie vergönnt, unbeschwert zu seiner Sexualität zu stehen. Es mag ironisch klingen, doch für sein Outing sorgte letztlich sein viel zu früher Tod an den Folgen von AIDS. Aber das Leben im Rausch, im ständigen Überdruss, bringt seine schweren Opfer nun mal so mit sich und auch eine prominente Größe wie es „Mr. Showmanship“ war, ist vor einem derartigen Schicksal nicht geschützt. Wer aber war Liberace wirklich? Was für eine Person verbarg sich wirklich hinter dem geliebten Chinchillapelz, hinter den markant-funkelenden Ringen an beiden Händen? Steven Soderbergh liefert darauf mit seiner Biografie „Liberace“ eine äußerst interessante Antwort.

 
Glamour pur: Liberace
Dass „Liberace“ Amerika auch heute noch „zu schwul“ war, von unzähligen Produktionsfirmen abgelehnt wurde und erst dank HBO Films verwirklicht werden konnte, spricht nicht unbedingt dafür, dass sich die engstirnigen Maschen der heteronormativen Gesellschaft im Umgang mit Homosexualität in der heutigen Zeit etwas gelockert haben – Was natürlich einem Armutszeugnis gleichkommt. Traurig ist es auch, dass Steven Soderbergh hiermit, ausgerechnet mit seinem wohl besten Film, den Abschied aus der Branche kundtat, um sich anderen künstlerischen Projekten ganz in Ruhe widmen zu können. Dabei zeigt sich die Ägide Soderbergh so pointiert und versiert wie nie und verlässt sich nicht einfach auf ihre formelhafte Nüchternheit, auf ihre kühle Distanz zum jeweiligen Sujet, mit der er zuvor Werke wie „The Girlfriend Experience“, „Contagion“ und „Side Effects“ auszeichnete. „Liberace“ hingegen erlaubt Gefühle und schafft es auch, den Zuschauer auf seine ganz eigene Art zu berühren, selbst wenn sich die charakteristische Note in Soderberghs auch hier nicht gänzlich vermeiden lässt. Menschlichkeit nämlich wird in „Liberace“ endlich groß geschrieben und dank des fantastischen Hauptdarstellerduos um Michael Douglas und Matt Damon auch ohne ein Mindestmaß an Zynismus in zwei vortrefflich geschliffenen Charakter-Portriäits herübergebracht. Michael Douglas spielt sich nach seiner schweren Krebserkrankung sichtlich frei von jedem Ballast und Matt Damon ist wohl endlich an einem Punkt angekommen, an dem er auch die letzten Zweifler in den hintersten Reihen verstummen lassen darf.

 
stu macht souli eine Freude
Die Einführung in die glitzernde Welt des Liberace beginnt wunderbar campy wie verspielt und labt sich in seiner ironischen Überspitzung genüsslich an jeder Menge Pomp und Kitsch. Liberace (Michael Douglas) ist längst Liberace und seine Show ein klares Muss eines jeden Besuches in Las Vegas. In diese permanent aus allen Winkeln wie ein Kaleidoskop strahlenden Welt, stolpert Scott (Matt Damon), der eigentlich das Ziel hatte, irgendwann als Tierarzt durchzustarten, sich vom Charme des deutlich älteren Liberaces aber schnell angezogen fühlt und auf Wunsch des Entertainers zu ihm zieht: Der glamouröse Lifestyle hat ein neues Mitglied. Schön an „Liberace“ ist, dass er sich nicht auf eine dämliche Gender-Debatte herablässt und in seiner zentrierten Figurenkonstellation geschlechtsspezifischen Brennpunkten hinterhereifert. Die Probleme, die Liberace und Scott in ihrer gemeinsamen Zeit durchstehen, könnten so – oder ganz ähnlich – auch in einer heterosexuellen Beziehung aufkommen. Während sich Scott nämlich noch von den Illusionen des hedonistischen Umfelds zehren kann, ist Liberace längst kein Träumer mehr, sondern vollständig in der Realität angekommen. Und zu dieser Realität gehören Perücken, Pillen und Schönheitsoperationen nun mal dazu, während sie alle nur den oberflächlichen Versuch in einem ebenso oberflächlichen Terrain darstellen, bloß nie in der Einsamkeit zu versinken. Liberace ist genauso exaltierte Diva, genuso der eitle Gockel mit allem Drum und Dran, wie er auch der kleine Junge ist, der nach Liebe fleht, auch wenn seine ständigen Partnerwechsel in diesem Kontext keine klare Konstante erlauben.


Im Kern folgt „Liberace“ einem relativ konventionellen Erzählschema, angereichert mit schickem Schmuck, üppigen Roben und dem materiellen Reichtum, von dem noch die vierte Generation seiner Nachfahren leben könnte. Doch das Drehbuch verankert sich nicht in der Karriere auf der Bühne; das Zwischenmenschliche steht ganz eindeutig im Mittelpunkt, der einfühlsame Blick hinter den Kandelaber. „Liberace“ ist dabei niemals ausschweifend, sondern betont feinfühlig und durchwandert die emotionalen Stadien von der Liebe zur Ernüchterung mit einer taktvollen Zärtlichkeit, die ihre Lacher, die aber nie herablassend oder böswillig auf Kosten der Charaktere gehen, gewiss mit sich bringt, wie man sie von einem Film von Steven Soderbergh wohl in dieser Form nicht erwartet hätte. „Liberace“ ist ein egozentrisches Liebes-Drama, in dem sich zwei Männer, die doch eigentlich nie wirklich erwachsen geworden sind, die schönsten, die glücklichsten Jahre ihres Lebens teilen und doch wissen, dass ihre Beziehung nicht auf Dauer halten kann. Das wohlige Gefühl der Zweisamkeit jedoch bleibt bestehen, wenn auch nur als Teil unvergesslicher Erinnerungen.


7 von 10 legeren Garderoben


von souli

Review: GROSSE POINTE BLANK - EIN MANN, EIN MORD - Mörderisches Klassentreffen

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Fakten:
Grosse Pointe Blank - Ein Mann, ein Mord (Grosse Pointe Blank)
USA, 1997. Regie: George Armitage. Buch: Tom Jankiewicz, D.V. DeVincentis, Steve Pink, John Cusack. Mit: John Cusack, Minnie Driver, Dan Aykroyd, Alan Arkin, Jeremy Piven, Joan Cusack, Hank Azaria, K. Todd Freeman, Mitch Ryan, Michael Cudlitz, Barbara Harris, Jenna Elfman u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Profi-Killer Martin Blank ist eigentlich ein netter, umgänglicher Zeitgenosse. Nur in seinem Job ist er eiskalt und präziese. Sein nächster Auftrag führt in ausgerechnet nach Grosse Pointe, einen Vorort von Detroit, in dem er aufgewachsen ist. Wie es der Zufall so will, findet genau zu diesem Zeitpunkt das 10jährige Klassentreffen seines Abschlussjahrgangs statt. Martin hat eigentlich gar keine Lust auf die Veranstaltung, aber wenn er schon mal da ist. Ausserdem gibt es noch seine Jugendliebe Debi...die er einst vor dem Ball versetzt hat. Das Wiedersehen mit Debi gestalltet sich erfreulich harmonisch, ebenso mit Schulfreund Paul, doch rein zum Vergnügen ist Martin halt nicht dort. Der Spass wird zusätzlich durch Konkurrent Grocer getrübt, der Martin gerne in seiner "Gewerkschaft" hätte, zwei Schnüffler der NSA und einen französischen Hitman, auf dessen Abschussliste Martin steht.


                

                                                                         

Meinung:
Trotz überschwänglicher Kritiken und einem enormen Zuspruch aus dem Fanlager hat es diese Perle aus den späten 90ern nie zu einem grossen Bekanntheitsgrad gebracht. Extrem schade, gerade bei der Flut an belanglosen Komödien, die in Endlosschleife durch das Fernsehen geistern und an jeder Ecke auf DVD und Blu-ray lauern.


Immer vorbereitet auf den Ernstfall
"Grosse Pointe Blank" ist wahrlich eine Ausnahmeerscheinung, nicht nur eine der besten Komödien, sondern auch einer der besten Filme der 90er. Er beinhaltet, besteht praktisch ausschliesslich aus Elementen, die den atypischen Ulknummern komplett abgehen und sie somit oft nur - wenn überhaupt - für den einmaligen Gebrauch effektiv machen. Selbst bei guten Komödien ist die Haltwertzeit eher begrenzt, selten schafft es ein Film dieses Genres, bei der dritten oder vierten Sichtung noch ähnlich zu unterhalten oder gar noch besser zu werden. Auf vereinzelte Szenen mag das auch dort zutreffen, ein Knaller funktioniert auch öfter, aber der gesamte Film, mit allen Facetten? Eher nicht. Genau das hebt "Grosse Pointe Blank" so weit über den Standard hinweg. Der Film lebt nicht von simplen Schenkelklopfern, er strahlt durch sein Gesamtkonzept. Seine unglaublich charmanten Figuren, seine liebevolle, detailverliebte Inszenierung, seine unkopierbare Situationskomik, das sensationelle Timing, die Gags, die sich nicht aufdrängen, sondern in ihrer brillanten Komik erst mal entdeckt werden müssen. Beispiele dafür zu nennen sind für Nicht-Kenner praktisch unmöglich. Einer dieser Momente: Nach der "Problem-Beseitigung" auf dem Klassentreffen bestellen sich der zerfledderte Martin und sein geschockter Kumpel Paul etwas zu trinken. Paul: "Whiskey". Martin: "Sprite". Der Blick von Paul ist Gold wert...

 

Ja, er ist WIRKLICH Profi-Killer...
Das sind diese Situationen, in denen "Grosse Pointe Blank" unvergleichbar ist. Zum Brüllen komisch, ohne sich aufzudrängen. Natürlich gibt es auch klassische Lachnummern, aber selbst die sind so punktgenau geschrieben, gespielt und umgesetzt, das hat nichts mit Standard zu tun. Es sind die kleinen Nuancen, die es so selten zu sehen gibt. Allein jedesmal, wenn Martin in seiner Heimatstadt von einem Bekannten angesprochen wird, sollte auf die Körperhaltung von John Cusack geachtet werden, der sofort in den Verteidigungsmodus geht. Grossartig. Das endet auch mal böse ("Du bist gestolpert".). Die Details sind der Trumpf. Die Besetzung ist ein Traum, in erster Linie natürlich John Cusack, der auch am Skript mitschrieb. Das ist bemerkbar, die Rolle scheint ihm auf den Leib geschrieben. Seine liebenswerte, spitzbübische Art kam selten besser zur Geltung und vor allem wird deutlich, wie sehr er die Rolle verinnerlicht hat und sie auslebt. Da stimmt jede Bewegung, jede Mimik. Der sonst eher semi-prominete Cast fällt kein Stück ab. Dan Aykroyd, weit über seinem eigentlichen Zenit, war danach nie wieder so gut. Und wie lustig sind denn bitte Johns Schwester Joan Cusack und Alan Arkin, in den Rollen von Martins Sekräterin/Psychiater? SIE bleibt oberflächlich immer cool und straight, sobald ihr Chef den Raum verlässt stirbt sie fast vor Angst vor ihm. ER hat das Patientenverhältnis zu IHM eigentlich schon lange beendet, aber Martin kommt einfach immer wieder. Wie die Beiden vor Panik nahe am Nervenzusammenbruch sind, herrlich.


Zu guter letzt noch Minnie Driver, nie die grosse Nummer unter den weiblichen Hollywood-Ladys, in ihrer definitiv besten Rolle. Die Chemie mit Cusack könnte nicht besser sein, das funkt sofort, wirkt jederzeit echt, niemals gekünzelt. Natürlich liegt das auch an den pointierten, bissig-überlegten Dialogen, die sie sich um die Ohren hauen dürfen, jede Rom-Com, die eigentlich davon leben sollte, kann davon nur träumen. Das Gesamtkunstwerk wird eingebettet in einen phänomenalen Soundtrack, von Joe Strummer zusammengestellt bzw. komponiert. Speziell die Auswahl aus dem Plattenschrank der 80er ist grossartig. Selten wurde Nenas "99 Luftballons" in einem besseren Kontext gespielt, als in der wundervollen Szene hier.


"Grosse Pointe Blank" hat nach über 15 Jahren nichts verloren, im Gegenteil. Solche Filme sind, traurigerweise, absolute Mangelware und können immer wieder ein breites Lächeln verursachen. Allein dieses Finale...unglaublich!

 
8,5 von 10 Klassentreffen

Review: CHAPLIN - Denkmal für einen der Größten aller Zeiten

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Fakten:
Chaplin
GB/USA/Frankreich/Italien. 1992. Regie: Richard Attenborough. Buch: William Boyd, Bryan Forbes, William Goldman. Mit: Robert Downey Jr., Geraldine Chaplin, Paul Rhys, Moira Kelly, Anthony Hopkins, Dan Aykroyd, Marisa Tomei, Penelope Ann Miller, Kevin Kline, Maria Pitillo, Milla Jovovich, Kevin Dunn, Diane Lane, James Woods u.a. FSK: Ab 6 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Der bereits gealterte Charles Chaplin lebt in der Schweiz und bespricht mit seinem Verleger George Hayden seine Biographie. Diesem sind jedoch einige Ungereimtheiten aufgefallen. In Rückblenden erzählt Chaplin daraufhin seinem Verleger noch einmal die wichtigsten Stationen in seinem Leben – vor, hinter und abseits der Kamera.





Meinung:
Dass Sir Richard Attenborough das Leben großer Persönlichkeiten verfilmen kann, das hat er mit „Gandhi“ bereits bewiesen. Anfang der Neunziger Jahre machte sich der Oscarpreisträger also daran, eine weitere Biographie auf die Leinwand zu bannen. Das Leben des Sir Charles Spencer Chaplin Jr.. Ein Gespräch zwischen dem gealterten Chaplin und seinem Verleger nutzt Attenborough als Rahmenhandlung für die Lebenserzählung Chaplins, die chronologisch in einzelnen Episoden nacherzählt wird. Angefangen von seinem ersten Bühnenauftritt als kleiner Knirps in England bis hin zur Verleihung seines Ehrenoscars für sein Lebenswerk. Dabei bezieht sich die Geschichte weitestgehend auf Chaplins eigene Biographie und das Buch „Chaplin: His Life an Art“ von David Robinson.



Original und Fälschung - doch wer ist wer?
Selten hat das Wörtchen „Staraufgebot“ besser gepasst als hier. Anthony Hopkins, Dan Aykroyd, Marisa Tomei, Kevin Kline, David Duchovny, Milla Jovovich, Diane Lane oder Geraldine Chaplin, die älteste Tochter von Charlie Chaplin, die im Film aber ihre eigene Großmutter Hannah spielt, sind im illustren Cast vertreten. Und gekrönt wird dieses Ensemble von Robert Downey Jr.. Dieser Film bedeutete für ihn den vorläufigen Durchbruch, nicht zu Unrecht wurde er für Oscar und Golden Globe nominiert. Er schafft es nahezu in Perfektion die Bewegungen, die Mimik und Haltung von Chaplin nachzuahmen. Sogar sein typischer Gang und sein charmantes Lächeln hat Downey drauf. Optisch wird Robert Downey Jr. dem echten Chaplin zwar nicht zu jeder Zeit gerecht, besonders in den letzten Lebensjahren wirkt die Maske Chaplins zu künstlich und er erinnert eher an Hitchcock, doch besonders als jüngerer Mann sind sich die beiden unheimlich ähnlich. Beim Charlie Chaplin-Ähnlichkeitswettbewerb, bei dem Chaplin selbst, so die Legende, nur den dritten Platz erreicht hatte, da wäre er wohl von Downey Jr. geschlagen worden.

Charlie Chaplin in seiner Paraderolle: der Tramp
Filmisch kann "Chaplin" mit einem bunten Mix verschiedener Stile aufwarten. Mal ist eine Szene aufgebaut, als ob sie einem Stummfilm Chaplins persönlich entspringen würde. Mit typischer Hintergrundmusik. Mit Bildern, die schneller ablaufen als normal. Mit Slapstick-Einlagen, raffinierten Tricks, Prügeleien mit der Polizei. Dazu kommen Filmausschnitte aus echten Chaplin-Filmen, nachgedrehte Szenen, Anspielungen wie der berühmte Brötchentanz aus „Goldrausch“. Aber nicht nur die großen, bekannten Momente im Leben Chaplins werden dargestellt, auch das eher unbekanntere Privatleben. Der Chaplin abseits des "Tramps". Beziehungen zu viel jüngeren Frauen, fast noch Kindern. Probleme mit Politik, Tonfilm und angeblichen unehelichen Kindern. Zu diesen abwechslungsreichen Anekdoten kommt eine mindestens genauso abwechslungsreiche Filmmusik von John Barry, die mal hektisch, mal witzig oder melancholisch und ruhig dem Film das gewisse Etwas gibt. Teilweise ist „Chaplin“ auch in eher gedeckten Farben gehalten, um dem Charme der alten Schwarz-Weiß-Filme eher gerecht zu werden.

Chaplin mit Wasserball - oder doch mit Weltkugel?
Auffällig sind auch die zahlreichen Anspielungen auf Hollywood in seinen Anfängen. Immer wieder kann man einen Blick hinter die Fassaden der großen Traumfabrik Hollywood erhaschen, die sich zu dieser Zeit gerade anschickte, zum bedeutendsten Filmort der ganzen Welt zu werden. Und immer wieder treten große Filmschaffende wie Mary Pickford, Paulette Goddard oder Douglas Fairbanks, übrigens wunderbar dargestellt von Kevin Kline, auf. Es gibt kleine Anspielungen auf andere Schauspieler, andere Filme. Aber auch bekannte Persönlichkeiten außerhalb der Filmbranche, die Einfluss auf das Leben Chaplins hatten, bekommen ihren Auftritt, zum Beispiel CIA-Direktor J. Edgar Hoover, dem Chaplin ein Dorn im Auge war, hielt er ihn doch für einen Kommunisten und gleichzeitig Schmarotzer im US-System.


„Chaplin“ ist eine würdige Filmbiographie für einen großen Filmschaffenden. Der Film wartet mit zahlreichen bekannten und unbekannten Anekdoten auf, verbindet Originalmaterial aus Chaplins Filmen mit nachgedrehten Szenen. Spätestens die Schlussszene wird die Zuschauer zum Fan dieses kleinen Mannes mit dem großen Kopf, dem Hut, dem Bart und dem Stöckchen machen. Und obwohl die Geschichte nur wenige Überraschungen bieten dürfte und auch keinen besonderen Spannungsbogen enthält, wird dieser sympathische, wunderbare Film nicht nur für Fans von Chaplin sicherlich ein Genuss werden.


8
von 10 zu enge Sakkos