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Review: DER FLUG DES PHÖNIX – Männerkino ohne falsche Zugeständnisse

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Fakten:
Der Flug des Phönix (The Flight of the Phoenix)
USA. 1965. Regie: Robert Aldrich. Buch: Lukas Heller, Elleston Trevor (Vorlage). Mit: James Stewart, Hardy Krüger, Richard Attenborough, Peter Finch, Ernst Borgnine, George Kennedy, Ian Bannen, Ronald Fraser, Dari Duyea, Christian Marquand u.a. Länge: 142 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Das Transportflugzeug einer Ölförderfirma stürzt über der Sahara ab. Die Überlebenden hoffen auf eine schnelle Rettung. Doch dies bleibt den Männern und Frauen verwehrt. Der Konstrukteur Heinrich Dorfmann hat die Idee, ein neues Flugzeug mit den Wrackteilen zu bauen. Eine Schnapsidee, wie viele finden, doch nach und nach scheint dies wirklich die einzige Möglichkeit aus der todbringenden Wüste zu entkommen.





Meinung:
Es sind nicht die äußeren Einflüsse der Natur, der Wetterlage und des Klimas, die den Menschen allein an seine Grenzen führen können; es ist der Mensch und sein Verhalten, welches ihm früher oder später Stöcke zwischen die Beine werfen und ihn so in die Knie zwingen wird - Gerade in einer angespannten Gruppensituation. „Der Flug des Phönix“ mag allgemein als Abenteuerfilm deklariert sein, abenteuerlich ist hier nur, wie sich die Männer in dieser psychologisch bis zum Zerbersten aufgeladenen Dynamik der Extremsituation Tag für Tag immer auffälliger verändern. Das Drehbuch gleicht in seiner Funktion einem Seziermesser, immer konzentriert auf den Geisteszustand seiner Protagonisten, in diesen durch feine Schnitte vorzudringen und den Kern schließlich freizulegen. Natürlich spielen Faktoren wie der pralle Sonnenschein, der die Männer auch im Schatten (50°C) brutzeln lässt oder das Wissen darüber, dass der Wasservorrat nur maximal ein dutzend Tage ausreichen wird ihre Rollen, doch die Männer wären sich auch unter anderen Umständen irgendwann an die Hälse gesprungen.


"Es ist scheiße heiß hier. Ich bin schon total eingelaufen."
Die Ausgangslage, dass das Ziel der Transportmaschine einer Ölförderfirma eigentlich Bengasi lautete, doch aufgrund eines Sandsturms dazu genötigt wurde, irgendwo im nördlichen Teil der Sahara notzulanden, wird in einer 10-minütigen Exposition getreu abgehandelt. Mehr Raum hätte dieser unglückliche, aber unausweichliche Zwischenfall nicht benötigt, genau wie der Zuschauer mit den Charaktere nicht durch die harte Notlandung mitfiebert, bei der zwei der 14 Personen an Bord sterben und ein dritter sich das Bein mehrfach bricht. Er muss erst Teil der zwischenmenschlichen Konflikte im Nachhinein werden, um die Ausmaße der seelischen wie körperlichen Belastungen der Gruppe am eigenen Leibe erfahren zu dürfen – und die haben es in ihrer permanenten Wucht in sich. Während der gewohnt großartige James Stewart den altbewährten, aber von Schuldgefühlen geplagten Captain Frank Town gibt, der irgendwie versucht Herr der Lage zu bleiben und die Ruhe im Angesicht des möglichen Todes zu bewahren, ist ihm vor allem der deutsche Konstrukteur Heinrich Dorfmann, ein hochintelligenter Mann, gespielt von einem alles überragenden Hardy Krüger, der Frank in seiner apodiktischen Haltung auch irgendwann als betagt enttarnt und sie so bricht, ein Dorn im Auge.


Der Rest der Gestrandeten ist beispielsweise mit Größen wie Richard Attenborough, Peter Finch und auch Ernest Borgnine nicht minder namhaft besetzt und jeder von bekommt genau den Freiraum zugesprochen, den ihr Charakter auch vertragen kann. Im Mittelpunkt allerdings stehen die Reibereien zwischen Town und Dorfmann, in der nur derjenige die Überhand gewinnen kann, der keine Schwäche zeigt und standhaft seinen Überzeugungen treu bleibt. Nur kommt Town irgendwann an den Punkt, an dem er sich – ob er nun will oder nicht – auf Dorfmans Plan einlassen muss, so absurd er auch erscheinen mag. „Der Flug des Phönix“ ist ein Männerfilm, aber nur unter dem Deckmantel, dass es keine einzige Frauenfigur innerhalb der 140-minütigen Laufzeit zu sehen gibt. Hier gibt es keine peinlichen Zugeständnisse an die Maskulinität des „starken Geschlechts“. Die Luft hingegen wird dünner und jeder der Charaktere muss irgendwann zwangsläufig die Schwächen offenbaren, die er sich selber nie eingestehen wollte. Am Ende bleibt den Männern nur eine Sache gemeinsam: Der Überlebenswille. Und solang dieser Wille noch bebt und pulsiert, gibt es immer eine Chance.


7,5 von 10 krachenden Zündpatronen


von souli

Review: CHAPLIN - Denkmal für einen der Größten aller Zeiten

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Fakten:
Chaplin
GB/USA/Frankreich/Italien. 1992. Regie: Richard Attenborough. Buch: William Boyd, Bryan Forbes, William Goldman. Mit: Robert Downey Jr., Geraldine Chaplin, Paul Rhys, Moira Kelly, Anthony Hopkins, Dan Aykroyd, Marisa Tomei, Penelope Ann Miller, Kevin Kline, Maria Pitillo, Milla Jovovich, Kevin Dunn, Diane Lane, James Woods u.a. FSK: Ab 6 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Der bereits gealterte Charles Chaplin lebt in der Schweiz und bespricht mit seinem Verleger George Hayden seine Biographie. Diesem sind jedoch einige Ungereimtheiten aufgefallen. In Rückblenden erzählt Chaplin daraufhin seinem Verleger noch einmal die wichtigsten Stationen in seinem Leben – vor, hinter und abseits der Kamera.





Meinung:
Dass Sir Richard Attenborough das Leben großer Persönlichkeiten verfilmen kann, das hat er mit „Gandhi“ bereits bewiesen. Anfang der Neunziger Jahre machte sich der Oscarpreisträger also daran, eine weitere Biographie auf die Leinwand zu bannen. Das Leben des Sir Charles Spencer Chaplin Jr.. Ein Gespräch zwischen dem gealterten Chaplin und seinem Verleger nutzt Attenborough als Rahmenhandlung für die Lebenserzählung Chaplins, die chronologisch in einzelnen Episoden nacherzählt wird. Angefangen von seinem ersten Bühnenauftritt als kleiner Knirps in England bis hin zur Verleihung seines Ehrenoscars für sein Lebenswerk. Dabei bezieht sich die Geschichte weitestgehend auf Chaplins eigene Biographie und das Buch „Chaplin: His Life an Art“ von David Robinson.



Original und Fälschung - doch wer ist wer?
Selten hat das Wörtchen „Staraufgebot“ besser gepasst als hier. Anthony Hopkins, Dan Aykroyd, Marisa Tomei, Kevin Kline, David Duchovny, Milla Jovovich, Diane Lane oder Geraldine Chaplin, die älteste Tochter von Charlie Chaplin, die im Film aber ihre eigene Großmutter Hannah spielt, sind im illustren Cast vertreten. Und gekrönt wird dieses Ensemble von Robert Downey Jr.. Dieser Film bedeutete für ihn den vorläufigen Durchbruch, nicht zu Unrecht wurde er für Oscar und Golden Globe nominiert. Er schafft es nahezu in Perfektion die Bewegungen, die Mimik und Haltung von Chaplin nachzuahmen. Sogar sein typischer Gang und sein charmantes Lächeln hat Downey drauf. Optisch wird Robert Downey Jr. dem echten Chaplin zwar nicht zu jeder Zeit gerecht, besonders in den letzten Lebensjahren wirkt die Maske Chaplins zu künstlich und er erinnert eher an Hitchcock, doch besonders als jüngerer Mann sind sich die beiden unheimlich ähnlich. Beim Charlie Chaplin-Ähnlichkeitswettbewerb, bei dem Chaplin selbst, so die Legende, nur den dritten Platz erreicht hatte, da wäre er wohl von Downey Jr. geschlagen worden.

Charlie Chaplin in seiner Paraderolle: der Tramp
Filmisch kann "Chaplin" mit einem bunten Mix verschiedener Stile aufwarten. Mal ist eine Szene aufgebaut, als ob sie einem Stummfilm Chaplins persönlich entspringen würde. Mit typischer Hintergrundmusik. Mit Bildern, die schneller ablaufen als normal. Mit Slapstick-Einlagen, raffinierten Tricks, Prügeleien mit der Polizei. Dazu kommen Filmausschnitte aus echten Chaplin-Filmen, nachgedrehte Szenen, Anspielungen wie der berühmte Brötchentanz aus „Goldrausch“. Aber nicht nur die großen, bekannten Momente im Leben Chaplins werden dargestellt, auch das eher unbekanntere Privatleben. Der Chaplin abseits des "Tramps". Beziehungen zu viel jüngeren Frauen, fast noch Kindern. Probleme mit Politik, Tonfilm und angeblichen unehelichen Kindern. Zu diesen abwechslungsreichen Anekdoten kommt eine mindestens genauso abwechslungsreiche Filmmusik von John Barry, die mal hektisch, mal witzig oder melancholisch und ruhig dem Film das gewisse Etwas gibt. Teilweise ist „Chaplin“ auch in eher gedeckten Farben gehalten, um dem Charme der alten Schwarz-Weiß-Filme eher gerecht zu werden.

Chaplin mit Wasserball - oder doch mit Weltkugel?
Auffällig sind auch die zahlreichen Anspielungen auf Hollywood in seinen Anfängen. Immer wieder kann man einen Blick hinter die Fassaden der großen Traumfabrik Hollywood erhaschen, die sich zu dieser Zeit gerade anschickte, zum bedeutendsten Filmort der ganzen Welt zu werden. Und immer wieder treten große Filmschaffende wie Mary Pickford, Paulette Goddard oder Douglas Fairbanks, übrigens wunderbar dargestellt von Kevin Kline, auf. Es gibt kleine Anspielungen auf andere Schauspieler, andere Filme. Aber auch bekannte Persönlichkeiten außerhalb der Filmbranche, die Einfluss auf das Leben Chaplins hatten, bekommen ihren Auftritt, zum Beispiel CIA-Direktor J. Edgar Hoover, dem Chaplin ein Dorn im Auge war, hielt er ihn doch für einen Kommunisten und gleichzeitig Schmarotzer im US-System.


„Chaplin“ ist eine würdige Filmbiographie für einen großen Filmschaffenden. Der Film wartet mit zahlreichen bekannten und unbekannten Anekdoten auf, verbindet Originalmaterial aus Chaplins Filmen mit nachgedrehten Szenen. Spätestens die Schlussszene wird die Zuschauer zum Fan dieses kleinen Mannes mit dem großen Kopf, dem Hut, dem Bart und dem Stöckchen machen. Und obwohl die Geschichte nur wenige Überraschungen bieten dürfte und auch keinen besonderen Spannungsbogen enthält, wird dieser sympathische, wunderbare Film nicht nur für Fans von Chaplin sicherlich ein Genuss werden.


8
von 10 zu enge Sakkos