Posts mit dem Label Rob Lowe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rob Lowe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: THE INTERVIEW - Wenn Freundschaft eine Diktatur bezwingt

Keine Kommentare:





Fakten:
The Interview.
USA. 2014. Regie: Evan Goldberg, Seth Rogen.
Buch. Dan Sterling. Mit: Seth Rogen, James Franco, Lizzy Caplan, Randall Park, Diana Bang, Timothy Simons, Reese Alexander, Anders Holm, Eminem, Rob Lowe, Seth Meyers, Joseph Gordon-Levitt, Ben Schwartz, Bill Maher, Charles Rahi Chun u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 5. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Talkshow-moderator Dave und sein Produzent Aaron staunen nicht schlecht, als ihre Interviewanfrage an den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un eine Zusage erhält. Eine tolle Chance, um die Quoten in die Höhe zu steigern, aber auch eine Chance für den amerikanischen Geheimdienst, den Diktatur auszuschalten, weswegen sich der CIA mit einem Mordauftrag nach Aaron und Dave wenden.





Meinung:
Nachdem Sony Pictures Opfer eines Hackerangriffs auf ihre Datenbank wurde, der an die Forderung gekoppelt war, „The Interview“ einem Release zu entsagen, da sich dieser Film wie eine „unverhohlene Unterstützung von Terrorismus“ deuten lassen würde, lenkte der in Kalifornien ansässige Großkonzern ein und strich die geplanten Kinoauswertung, zu massiv war die Angst vor den möglichen Konsequenzen. Die Filmwelt stand Kopf, reichhaltige Meldungen um Kunstzensur und Feigheit mäanderten durch den medialen Raum und niemand wusste so recht, wohin das ganze Hin und Her überhaupt steuern soll. Barack Obama bezog Stellung, Nordkorea stritt jedwede Vorwürfe beharrlich ab und die Stars des Films, Seth Rogen („Beim ersten Mal“) und James Franco („Child of God“), strichen ihre Promotiontour vorerst aus dem Terminkalender. Bahnt sich dort etwa eine Reihe an Cyber-Kriegen an, deren erstes Gefecht die Vereinigten Staaten mit eingezogenem Haupt verloren haben, oder handelt es sich letztlich nur um eine gewiefte PR-Strategie?


Dave ist der Star der Show
Inzwischen jedenfalls wird schon wieder darüber diskutiert, ob „The Interview“ nicht doch ganz regulär in den Lichtspielhäusern laufen soll, einige Kinobetreiber erklärten sich unlängst bereit, diesen Schritt zu wagen und seit dieser Woche hat sich Sony ebenfalls dazu entschieden, den Film als Stream im Internet zu publizieren. Die viel wichtigere Frage muss an dieser Stelle allerdings nicht lauten, wie viel Wahrheitsgehalt nun in jeder einzelnen Nachricht zu verbuchen ist, sondern, ob all die Furore überhaupt gerechtfertigt waren? Ist „The Interview“ die provokative „Kriegshandlung“, zu der sie vom nordkoreanischen UN-Botschafter Ja Song Nam stilisiert wurde? Die Antwort ist simpel: Nein, nicht wirklich. Wer sich bereits mit dem Output von Seth Rogen, der hier zusammen mit Evan Goldberg den Regieposten verwaltete, vertraut gemacht hat, der darf sich mit „The Interview“ auf eine ganz ähnliche Comedy-Kost gefasst machen, nur mit dem Unterschied, dass ein politisches Anliegen im Hintergrund kursiert, welches man aber doch bitte nicht zu ernst auffassen sollte.


Kim Jong-un, der Cool Guy
Gut, das lässt sich als Außenstehender leicht sagen, wenn man sich aber in der Haut eines ideologisch komplett verstrahlten Diktators befindet, kann man sich durch „The Interview“ schon etwas auf den Schlips getreten fühlen. Kim Jong-un (gespielt von Randall Park) nämlich ist hier nichts weniger als ein von Vaterkomplexen heimgesuchter Dreißiger, der sich in seinem Leben wohl etwas zu oft allein fühlen musste. Das würde beinahe eine tragische Tiefe mit sich führen, wäre das Drehbuch von Dan Sterling nicht so hartnäckig darauf bedacht, Kim Jong-un zur Witzfigur herabzusetzen und die gesamte Staatsanlage wie ihre Gepflogenheiten (Oberflächenmanipulation ist hier das A und O) von Nordkorea nach Strich und Faden zu karikieren. In die Höhle des Löwen - oder Welpen? Passenderweise überreicht Kim Jong-un einen solchen an seine amerikanischen Gäste - werden Dave Skylark (James Franco), Moderator eines Klatschmagazin, welches in der ersten Szene direkt mal durch die Decke geht, als Eminem sein staubtrockenes Coming Out hinlegt, und sein Produzent Aaron Rapaport (Seth Rogen) geschickt.


Dave und Aaron beim Uhrenvergleich
Was erst aus dem Gefühl verletzter Ehre keimte, ist das Skylark-Magazin doch weniger für seinen seriösen Journalismus als für triefenden Gossip bekannt, wird später durch das Eintreffen der CIA-Geheimagentin Lacey (Lizzy Caplan) zur Staatsangelegenheit im Top-Secret-Modus: Kim Jong-un nämlich soll liquidiert werden, um der globalen Stabilität wieder ordentlich auf die Beine zu helfen. Dass sich „The Interview“ eine Fülle an popkulturellen Referenzen nicht verkneifen kann, war von vornherein klar, haben sich Filme wie „Ananas Express“, „Beim ersten Mal“ und vor allem „Das ist das Ende“ doch ebenfalls mit ihren referenziellen Querschlägern gebrüstet. Seinen Humor zieht „The Interview“ aber eindeutig aus dem wie immer wunderbar harmonierenden Gespann um Seth Rogen und James Franco, deren innige Real-Life-Freundschaft sich auch schon lange auf der Leinwand bezahlt macht. Während Seth Rogen sich in seinem Spiel etwas zurückhält, zwar auch die ein oder andere Plattitüde auf seine Rechnung nimmt, ist es Workaholic James Franco, der wie entfesselt Gas gibt und die irrsten Schnuten zieht.


In „The Interview“ floriert mehr der Schwach-, denn der Scharfsinn. Wer eine fundiert-geistreiche Satire erwartet, die dem Personenkult des Diktators in geschliffenen Dialogsequenzen auf die Pelle rückt, der wird sich ob der zuweilen präferierten Grobschlächtigkeit im Humorverständnis verschreckt abwenden. Es gehört schon Mut dazu, einen Film wie „The Interview“ in dieser respektlos-beschwingten Art aufzuziehen, die große Kontroverse aber hat sich der Film nun nicht verdient. Maximal als Brachialsatire, eher aber als temporeiche Komödie zu deklarieren, macht „The Interview“ einfach Spaß, so wie es wohl auch von Anfang an geplant war. Natürlich lässt er sich nicht aus seinem politischen Kontext lösen, stichhaltige Gegenstöße gegen jenes totalitäres Regime sucht man indes vergebens. Seth Rogen und James Franco haben sich eine „brisante“ Plattform für ihren Ulk geschaffen und nutzen Nordkorea als Gegenstand purer Albernheiten. Ernsthaft angegriffen dürfte sich angesichts der eindeutigen Over-the-Top-Marschroute des Drehbuches niemand fühlen, höchstens etwas gefoppt. Als Verfechter von Seth Rogen und James Franco wird man aber in jedem Fall zwei unterhaltsame Stunden erleben.


6,5
von 10 abgebissenen Fingern


von souli

Review: SEX TAPE – Schäferstündchen mit chaotischen Folgen

Keine Kommentare:


Fakten:
Sex Tape
USA. 2014. Regie: Jake Kasdan. Buch: Nicholas Stoller, Jason Segel, Kate Angelo. Mit: Cameron Diaz, Jason Segel, Rob Corddry, Rob Lowe, Jack Black, Nat Faxon, Ellie Kemper u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 15. Januar 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich..


Story:
Ein kleines, privates Sex Tape, soll das Liebesleben des Ehepaares Jay und Annie wieder in Schwung bringen. Und tatsächlich, es funktioniert. Zu doof nur, dass das Video durch einen Fehler zu den iPads ihrer Bekannten und Freunde geschickt wurde. In einer Nacht- und Nebelaktion müssen Jay und Annie versuchen an diese iPads zukommen, um ihr Sex Tape zu löschen.





Meinung:
Die Welt steht ja bereits Kopf, wenn über Nacht plötzlich Nacktfotos von irgendeinem Hollywoodsternchen in den Weiten des World Wide Web auftauchen. Man möchte daher wohl auch gar nicht wissen, zu welch medialem Amoklauf geblasen wird, wenn man ein privates Sexvideo von Schauspielgrößen wie etwa Brad Pitt („Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“), Kate Winslet („Der Gott des Gemetzels“) oder auch Mark Wahlberg („Transformers 4: Ära desUntergangs“) vor Augen bekommt. Aber was für Konsequenzen stecken denn eigentlich hinter so einem Video? Mal abgesehen davon, dass die Phantasien eines jeden dahergelaufene Ottos nun beim nächtlichen Handanlegen nochmal um einige Impressionen ausgebaut wurden, bedeutet dieser intime Einblick in die Privatsphäre womöglich auch das jähe Ende der eigene Karriere, da man sich von den daraus resultierenden Stigmatisierung einfach nicht mehr lösen kann. Und damit finden wir uns nicht nur in der Filmbranche wieder, sondern auch im Alltag von ganz „normalen“ Menschen.


Annie hat sich fürs Sex Tape korrekt gekleidet
Bevor wir einen solchen Vorfall nun aber auf die soziologischen Ausmaße abtasten, sollte besser der Tonfall geändert werden, denn „Sex Tape“ von Jake Kasdan ist kein seriöses Projekt, das sich auf die Agenda geschrieben hat, die existentiellen Ängste wie den möglichen Verlust des sozialen Stands zu beschreiben, sondern ein waschechtes R-Rated-Comedy-Vehikel, das durch seine schlüpfrige Thematik um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlt. Das lodernde Feuer der Ehe von Annie (Cameron Diaz, „The Counselor“) und Jay (Jason Segel, „Nie wieder Sex mit der Ex“) flackert nur noch auf Sparflammenniveau und nachdem sich auch noch zwei Kinder dazugesellt haben, wurde es um die früher so exzessiv betriebene Bettaktivität äußerst still. Um neuen Pfiff in ihre Beziehung zu bringen, entscheiden sie sich dazu, ein 3-stündiges Sexvideo mit ihrem iPad aufzunehmen und zu alter Stärke zurückzufinden. Blöd nur, dass Jay vergessen hat, dass er sein iPad mit anderen iPads synchronisiert hat und das Video direkt in die Cloud hochgeladen hat, wo nun jeder nach Lust und Laune darauf Zugriff hat.


Die Dreharbeiten beginnen
„Sex Tape“ schert sich nicht um erwachsene Themen, die das (post-) pubertäre Standardgeplänkel aus dem R-Rated-Jargon auch nur eine Sekunde überschreiten. Dass hier darauf hingewiesen wird, dass sich eine Beziehung mit den Jahren so manche Veränderungen gefallen lassen muss, tut nichts zur Sache, dient dieser Aspekt doch nur als reines Mittel zum Zweck, um die große Hetzjagd nach den anderen iPads zu starten und von einem dumpfen Gag zum nächsten absehbaren Kalauer zu trotteln. Neben dem Voll-in-die-Fresse-Product-Placement, das „Sex Tape“ geradezu im Sekundentakt betreibt, wird sich kläglich um Nonchalance bemüht, um dann in hochnotpeinlichen Sequenzen zu kulminieren, in denen der obligatorische Gummidildo natürlich nicht fehlen darf. Es sind letztlich tatsächlich nur zwei Szenen, die „Sex Tape“ irgendwie als Komödie bestätigen, was der ansonsten doch erschreckend biederen Angelegenheit und ihren Ambitionen doch einen heftigen Schlag in die Weichteile erteilt: Rob Lowe ist als sich von Slayer beschallender und Koks ziehender Hank Rosenbaum äußerst amüsant, während Jack Black als Chef von YouPorn etwas Pepp generiert.


Ansonsten aber ist „Sex Tape“ so unterhaltsam und witzig, wie ein Best-of vom späteren Fips Asmussen und genauso romantisch wie der Kosename „Blitzständer“. Dass Cameron Diaz durchaus komödiantisches Talent besitzt, hat uns die Frau unlängst im Meisterwerk „Verrückt nach Mary“ bewiesen und auch Jason Segel ist nicht ganz unfähig, was ihrem Zusammenspiel wenigstens zeitweise etwas Harmonie verleiht. Letztlich aber ist Jake Kasdan mit „Sex Tape“ nichts gelungen, was irgendwie relevant erscheint, nichts, was sich nochmal zu Gemüte führen möchte, sondern nur ein biederes Abklopfen lahmarschiger Gags aus der Retorte.


3,5 von 10 Saltos auf den Schoß


von souli

Review: LIBERACE – ZU VIEL DES GUTEN IST WUNDERVOLL – Michael Douglas und Matt Damon präferieren Poposex

Keine Kommentare:


Fakten:
Liberace (Behind the Candelabra)
USA. 2013.
Regie: Steven Soderbergh. Buch: Richard LaGravenese, Alex Thorleifsen (Vorlage), Scott Thorson (Vorlage). Mit: Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Rob Lowe, Dan Aykroyd, Debbie Reynolds, Boyd Holbrook, Nicky Katt, Paul Reiser, David Koechner, Tom Papa, Cheyenne Jackson u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: freigegeben ab 12Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Mit 17 lernt Scott den Pianisten Liberace kennen, der in den 1970er Jahre einer der bekanntesten und beliebtesten Entertainer sowie der größten Showact von Las Vegas ist. Scott und Liberace werden ein Paar und genießen ein Leben im Luxus und im Glamour. Doch ihre Homosexualität bleibt ein Geheimnis und nach und nach kriselt es in der Beziehung.





Meinung:
Immer wieder beteuerte der renommierte Star- und Showpianist Wladziu Valentino Liberace in der Öffentlichkeit seine Heterosexualität - Selbst vor Gericht schwor er sie unter Eid. Die Angst davor, ein Outing könnte seine durch und durch flamboyante Karriere im streng konservativen Amerika geradewegs verpuffen lassen, war stets präsent. Liberace war eine extravagante Koryphäe, die die Massen durch seine pure Ausstrahlung mühelos um die Finger wickeln konnte. Mit einem geschätzten Vermögen von 100 Millionen Dollar, 13 Villen, 17 Hunden und einer in ihrer gefälligen Dekadenz gar absurd anmutenden Pianosammlung, suhlte sich der Entertainer mit den polnisch-italienischen Wurzeln seit seinem Durchbruch in den 1960er Jahren im ausufernden Luxus. Der Mann hatte alles, die Menschen lagen seinem Talent zu Füßen und doch war es ihm nie vergönnt, unbeschwert zu seiner Sexualität zu stehen. Es mag ironisch klingen, doch für sein Outing sorgte letztlich sein viel zu früher Tod an den Folgen von AIDS. Aber das Leben im Rausch, im ständigen Überdruss, bringt seine schweren Opfer nun mal so mit sich und auch eine prominente Größe wie es „Mr. Showmanship“ war, ist vor einem derartigen Schicksal nicht geschützt. Wer aber war Liberace wirklich? Was für eine Person verbarg sich wirklich hinter dem geliebten Chinchillapelz, hinter den markant-funkelenden Ringen an beiden Händen? Steven Soderbergh liefert darauf mit seiner Biografie „Liberace“ eine äußerst interessante Antwort.

 
Glamour pur: Liberace
Dass „Liberace“ Amerika auch heute noch „zu schwul“ war, von unzähligen Produktionsfirmen abgelehnt wurde und erst dank HBO Films verwirklicht werden konnte, spricht nicht unbedingt dafür, dass sich die engstirnigen Maschen der heteronormativen Gesellschaft im Umgang mit Homosexualität in der heutigen Zeit etwas gelockert haben – Was natürlich einem Armutszeugnis gleichkommt. Traurig ist es auch, dass Steven Soderbergh hiermit, ausgerechnet mit seinem wohl besten Film, den Abschied aus der Branche kundtat, um sich anderen künstlerischen Projekten ganz in Ruhe widmen zu können. Dabei zeigt sich die Ägide Soderbergh so pointiert und versiert wie nie und verlässt sich nicht einfach auf ihre formelhafte Nüchternheit, auf ihre kühle Distanz zum jeweiligen Sujet, mit der er zuvor Werke wie „The Girlfriend Experience“, „Contagion“ und „Side Effects“ auszeichnete. „Liberace“ hingegen erlaubt Gefühle und schafft es auch, den Zuschauer auf seine ganz eigene Art zu berühren, selbst wenn sich die charakteristische Note in Soderberghs auch hier nicht gänzlich vermeiden lässt. Menschlichkeit nämlich wird in „Liberace“ endlich groß geschrieben und dank des fantastischen Hauptdarstellerduos um Michael Douglas und Matt Damon auch ohne ein Mindestmaß an Zynismus in zwei vortrefflich geschliffenen Charakter-Portriäits herübergebracht. Michael Douglas spielt sich nach seiner schweren Krebserkrankung sichtlich frei von jedem Ballast und Matt Damon ist wohl endlich an einem Punkt angekommen, an dem er auch die letzten Zweifler in den hintersten Reihen verstummen lassen darf.

 
stu macht souli eine Freude
Die Einführung in die glitzernde Welt des Liberace beginnt wunderbar campy wie verspielt und labt sich in seiner ironischen Überspitzung genüsslich an jeder Menge Pomp und Kitsch. Liberace (Michael Douglas) ist längst Liberace und seine Show ein klares Muss eines jeden Besuches in Las Vegas. In diese permanent aus allen Winkeln wie ein Kaleidoskop strahlenden Welt, stolpert Scott (Matt Damon), der eigentlich das Ziel hatte, irgendwann als Tierarzt durchzustarten, sich vom Charme des deutlich älteren Liberaces aber schnell angezogen fühlt und auf Wunsch des Entertainers zu ihm zieht: Der glamouröse Lifestyle hat ein neues Mitglied. Schön an „Liberace“ ist, dass er sich nicht auf eine dämliche Gender-Debatte herablässt und in seiner zentrierten Figurenkonstellation geschlechtsspezifischen Brennpunkten hinterhereifert. Die Probleme, die Liberace und Scott in ihrer gemeinsamen Zeit durchstehen, könnten so – oder ganz ähnlich – auch in einer heterosexuellen Beziehung aufkommen. Während sich Scott nämlich noch von den Illusionen des hedonistischen Umfelds zehren kann, ist Liberace längst kein Träumer mehr, sondern vollständig in der Realität angekommen. Und zu dieser Realität gehören Perücken, Pillen und Schönheitsoperationen nun mal dazu, während sie alle nur den oberflächlichen Versuch in einem ebenso oberflächlichen Terrain darstellen, bloß nie in der Einsamkeit zu versinken. Liberace ist genauso exaltierte Diva, genuso der eitle Gockel mit allem Drum und Dran, wie er auch der kleine Junge ist, der nach Liebe fleht, auch wenn seine ständigen Partnerwechsel in diesem Kontext keine klare Konstante erlauben.


Im Kern folgt „Liberace“ einem relativ konventionellen Erzählschema, angereichert mit schickem Schmuck, üppigen Roben und dem materiellen Reichtum, von dem noch die vierte Generation seiner Nachfahren leben könnte. Doch das Drehbuch verankert sich nicht in der Karriere auf der Bühne; das Zwischenmenschliche steht ganz eindeutig im Mittelpunkt, der einfühlsame Blick hinter den Kandelaber. „Liberace“ ist dabei niemals ausschweifend, sondern betont feinfühlig und durchwandert die emotionalen Stadien von der Liebe zur Ernüchterung mit einer taktvollen Zärtlichkeit, die ihre Lacher, die aber nie herablassend oder böswillig auf Kosten der Charaktere gehen, gewiss mit sich bringt, wie man sie von einem Film von Steven Soderbergh wohl in dieser Form nicht erwartet hätte. „Liberace“ ist ein egozentrisches Liebes-Drama, in dem sich zwei Männer, die doch eigentlich nie wirklich erwachsen geworden sind, die schönsten, die glücklichsten Jahre ihres Lebens teilen und doch wissen, dass ihre Beziehung nicht auf Dauer halten kann. Das wohlige Gefühl der Zweisamkeit jedoch bleibt bestehen, wenn auch nur als Teil unvergesslicher Erinnerungen.


7 von 10 legeren Garderoben


von souli

Review: I MELT WITH YOU - Suizidale Drogen-Posse

Keine Kommentare:

Fakten:
I melt with you
USA. 2011. Regie: Mark Pellington. Buch: Glenn Porter, Mark Pellington. Mit: Rob Lowe, Thomas Jane, Jeremy Piven, Christian McKay, Carla Gugino, Arielle Kebbell, Sasha Grey, Tom Bower, Joe Reegan, Victoria Bruno, August Emerson, David Lowe u.a. Länge: 122 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
 

Story:
Tim, Richard, Ron und Jonathan sind Freunde seit ihren gemeinsamen Studententagen. Mittlerweile haben sie die Uni längst hinter sich gelassen und haben Jobs sowie Familie. Um die alten Zeiten zu feiern, treffen sie sich jedes Jahr für eine Woche in einem Strandhaus. Hemmungslose Partys stehen im Vordergrund, doch dieses Mal läuft einiges anders. Das Wiedersehen gerät außer Kontrolle.




 Meinung:
„Genießt eure Freiheit“. Mit diesem Satz entlässt Lehrer Richard (Thomas Jane) seine Schüler in die Ferien. Er selbst wird dies befolgen, indem er sich mit seinen drei besten Freunden trifft. Nur sie vier Männer, ein hübsches Strandhaus, Alkohol, Drogen und Sex. Doch Regisseur Mark Pellington („Arlington Road“) ist wenig an einer feuchtfröhlichen Buddy-Comedy interessiert. Zwar steht auch in „I melt with you“ der Exzess im Mittelpunkt, doch dieser erhält keinerlei komödiantischen Duktus. Pellington verfolgt ein anderes Ziel. Die vier Männer, die hier feiern, stellen sich ihren geplatzten Lebensträumen. Ein schmerzhafter Prozess, vor allem dann, wenn man ihn mit Ehrlichkeit führt.


Hör auf zu heulen. So mies ist das Leben auch nicht.
Das größte Problem von „I melt with you“ ist eben das, dass er nie wirklich ehrlich ist. Er reduziert das Leben auf puren Negativismus und die Mid-Life-Crisis als unausweichliches Ende einer glücklichen Existenz. Versteckt Pellington diese Botschaft anfänglich noch im visuellen Farbensumpf, bricht sie recht schnell aus dem Film heraus. Das Wiedersehen alter Freunde wird dann zu einem kompromisslosen Trip. Ein Trip mit einem simplen Ziel: Destruktion. „I melt with you“ erweist sich als künstlerisch ansehnliches, aber inhaltlich sehr biederes und versteiftes Werk, welches lediglich an psychischer wie auch physischer Zerstörung Gefallen findet. Die Motive, die diese Prozesse einleiten und auslösen bleiben jedoch im Dunkeln oder werden nur spärlich und allzu bieder angerissen. Das hat zur Folge, dass diese suizidale Drogen-Posse weder das Herz noch das Hirn wirklich erreicht. Lediglich der Sehnerv wird, dank der hervorragenden, farbsymbolischen Bilderfluten, herausgefordert.


„I melt with you“ wirkt wie pures Prestige. Ein versuchter Aufschrei gegen gesellschaftliche Erwartungen und den daraus resultierenden Druck, der Träume und Hoffnung zerquetscht. Ich wurde an „Fight Club“ erinnert. Auch hier erwehrt sich jemand dem Trott seines Lebens auf aggressive, psychotische Weise. „I melt with you“ wirkt fast so, als ob die einstigen Anhänger des Prügel-Clubs nun erkennen müssen, dass ihre einstige Rebellion auch nicht mehr war als ein Hirngespinst, welches einem regelmäßige Einkommen und einer Familie gewichen ist. In diesem filmübergreifenden Kontext entwickelt sich durchaus ein gewisser, wenn auch sehr flüchtiger, Reiz. Der ändert indessen nichts daran, dass Regisseur Mark Pellington hier nicht mehr abliefert als ein selbstgefälliges Melodrama mit lebensablehnender Tendenz, deren Hülle im genuinen Glanz erstrahlt und funkelt. Genau der richtige Film, um sich das Leben zu nehmen – oder ihn einfach zu vergessen. Tut was ihr wollt. Genießt eure Freiheit.

3 von 10 Teufelsdreiern