Posts mit dem Label Armie Hammer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Armie Hammer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

FREE FIRE - Schuss und Treffer

Keine Kommentare:

Fakten:
Free Fire
USA, UK. 2017. Regie: Ben Wheatley. Buch: Amy Jump, Ben Wheatley. Mit: Brie Larson, Cillian Murphy, Armie Hammer, Sharlto Copley, Babou Ceesay, Noah Taylor, Jack Reynor, Enzo Cilenti, Sam Riley, Michael Smiley, Mark Monero, Patrick Bergin u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: noch nicht bekann. Ab 6. April 2017 im Kino.


Story:
Eine verlassene Lagerhalle in Boston, 1978: Chris trifft sich dank Zwischenhändler Ord und Justine mit Waffenhändler Vernon eine große Ladung Waffen soll verkauft werden. Ein simpler Handel, der allerdings durch einen dummen Zwischenfall schnell in einen blutigen Überlebenskampf ausartet!




Meinung:
Der britische Regisseur und Autor Ben Wheatley gehört zweifellos zu den interessantesten Filmemachern dieser Zeit. Sein Œuvre zeichnet sich durch einen gute Dosis Radikalität und Varianz aus. Egal ob sein brutaler Mindfuck Kill List, der schwarzweiße A Field in England, die böse Couple-Komödie Sightseers oder seine offensive Gesellschaftskritik High-Rise. Wheatley wusste bislang immer zu überraschen und bei jedem seiner Werke war es stets erkennbar, dass sich hier ein Kreativling ordentlich ausgetobt hat. Auch Free Fire, dessen Script er erneut mit Amy Jump verfasste, ist das wieder der Fall.


Free Fire ist zum einen eine Verbeugung vorm Action- und Gangster-Kino vergangener Zeiten, zum anderen aber auch eine herrliche Dekonstruierung des Genres. Limitiert auf eine verfallene Lagerhalle als Location entfacht der Regisseur hier im Grunde ein überlanges Feuergefecht, zwischen zwei Gruppen von Kriminellen, die doch eigentlich nur einen Waffendeal abwickeln wollten. Nach einigen Diskrepanzen und persönlichen Konflikten artet der Coup doch recht schnell zu einer bleihaltigen Angelegenheit aus, in der die Projektile nicht nur den Beton des Gebäudes massiven Schaden zu fügen. Genüsslich zelebriert Wheatley die relativ schnell aufkommende Patt-Situation zwischen den Parteien, die aus einer Reihe cartoonesker Figuren besteht. Überspitzung ist hier Trumpf und dennoch verfügt Free Fire auch über eine pessimistische und vor allem zynische Grundaussage. Alle Probanden sind verdammt, es gibt keine Helden und auch der selbstsicherste und coolste Gangster robbt bald nur noch, wie ein angeschossenes Reh, verletzt und frei von jeglichen Versprechungen auf ein gutes Ende durch den Bauschutt.


Wer ein Faible für rabenschwarzen Humor, Zynismus und Darsteller hat, die mit sichtbarer Freunde an der Übertreibung zu Werke gehen, bekommt mit Free Fire einen kurzweiligen, amüsanten Snack spendiert, in dem die Schusswaffen nicht nur auf die Figuren, sondern auch auf das Genre selbst gerichtet sind. Zugegeben, das hat auch einige anstrengende und zähe Momente, in seiner Gesamtheit bietet der Film aber eine bleihaltige Komödie, die aus ihrer verdichteten Reduzierung ein gutes Stück Unterhaltung generiert.

7 von 10 läutenden Telefonen

Review: CODENAME U.N.C.L.E. – Nicht mehr als eine Fingerübung

Keine Kommentare:



Fakten:
Codename U.N.C.L.E. (The Man from U.N.C.L.E.)
USA, UK. 2015. Regie: Guy Ritchie.
Buch: Lionel Wigram, Guy Ritchie, Jeff Kleeman, David Campbell Wilson, Scott Z. Burns. Mit: Henry Cavill, Armie Hammer, Alicia Vikander, Elizebeth Debicki, Sylvester Groth, Jared Harris, Hugh Grant, Christian Berkel, Luca Calvani, Simona Caparrini, James Michael Rankin, David Menkin, Ben Wright u.a. Länge: 116 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 17.Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Anfang der 1960er-Jahre, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, sehen sich CIA-Agent Solo und KGB-Agent Kuryakin gezwungen, ihre jahrelangen Feindseligkeiten zu überwinden, um gemeinsam gegen ein geheimnisvolles internationales Verbrechersyndikat vorzugehen, das durch die massive Produktion von Atomwaffen das empfindliche Gleichgewicht der Supermächte zu destabilisieren droht. Die Agenten haben zunächst nur einen Anhaltspunkt: die Tochter eines verschwundenen deutschen Wissenschaftlers - denn nur er kann ihnen helfen, sich in das Syndikat einzuschleusen. Die Suche nach dem Verschollenen erweist sich als Wettlauf gegen die Zeit, denn die globale Katastrophe steht unmittelbar bevor.




Meinung:
Früher galt er als britischer Quentin Tarantino. Mit seinen Gangsterfilmen „Bube, Dame, König, GrAs“ sowie „Snatch – Schweine und Diamanten“, die nicht nur ihn, sondern auch den ehemaligen Turmspringer Jason Statham zu gefragten Persönlichkeit machten, erarbeitete sich Guy Ritchie den Ruf eines visuellen sehr spiel- und experimentierfreudigen Regisseurs, der es Verstand seine Filme, einen prägnanten wie stilbewussten, originären Anstrich zu verpassen. Das war damals. Nach Flops wie „Swept Away“, mit seiner damaligen Gattin Madonna in der Hauptrolle, und den eher wenig beachteten Gangsterfilmen „Revolver“ und „RocknRolla“ schob sich Ritchie mit seiner Interpretation von „Sherlock Holmes“ zurück ins Auge der cinephilen Aufmerksamkeit. Seine visuelle Ader hat er dabei nicht verloren, wohl aber seinen rauen, britischen Charme. Den sucht man auch in „Codename U.N.C.L.E.“, der Kinoadaption der weltweit erfolgreichen wie bekannten Kultserie „Einsatz für O.N.K.E.L.“ ebenfalls vergeblich.


Eine Dame von Welt und zwei Gentlemen
Ob dieser allerdings dafür der passende Stil wäre ist fraglich. Dafür erstrahlt „Codename U.N.C.L.E.“ in feinster Swinging-Sixties-Imitation. Hier wird alles versucht, um unsere Anforderungen an die damalige Zeit zu erfüllen und tatsächlich gelingt Ritchie und seinem Team eine wirklich gelungene Form der Immersion irgendwo zwischen Retro-Chic und moderner Farbdramaturgie. Doch der Stil von „Codename U.N.C.L.E.“ bringt auch ein Problem mit sich: seine Penetranz. Die Progression der Actionkomödie versucht sich gegen diesen zu stemmen, um sich behaupten zu können, aber dieser Kraftaufwand ist ein ungleicher Kampf, denn Guy Ritchie und seine Autoren haben Highlights, in Form von Action- und/oder Komikeinlagen, zwar eingebaut, so richtig schwungvoll wollen die aber irgendwie nie über die Leinwand rollen. Zwar gibt es Ausnahmen, etwa ein feuchtes Picknick in einem Lastwagen, das reicht aber nicht aus um „Codename U.N.C.L.E.“ inhaltlich denselben Schwung zu verleihen, den der Film stilistisch innehat. Natürlich bietet der Film eine Fülle von humoresken sowie rasanten Szenen an, diese wirken insgesamt aber meist immer etwas zu betaglich und gestaucht.


Ein Brite, ein Russe und ein Italiener (der mit den zwei Reifen)
„Codename U.N.C.L.E.“ erweist sich als einer dieser Filme, die eigentlich nichts wirklich verkehrt machen, denen es aber am nötigen Feuer fehlt. Die Hauptdarsteller, der neue „Man of Steel“ Henry Cavill und der leider gescheiterte neue „Lone Ranger“ Armie Hammer, geben sich keine wirkliche Blöße und beweisen, dass sie nicht nur gemeinsam eine gute Chemie, sondern auch eine gewisse komödiantische Ausstrahlung besitzen. Doch da die beiden zu oft alleine unterwegs sind - und Alicia Vikander („Ex Machina“) als Anhängsel vom Script eher kreativlos eingesetzt wird -, verliert sich „Codename U.N.C.L.E.“ ein wenig zu oft im Schwall nett anzusehender Bilder, denen jedoch eine wirklich narrative Unterfütterung fehlt. Kurz: Sieht toll aus ist aber irgendwie relativ redundant. Daran ist gewiss auch die eigentliche Geschichte schuld, die brav die damaligen Feinbilder auspackt und aus Alt-Nazis (zu Recht) dämonisierte Monster macht, nur um sie wenig später der Lächerlichkeit preis zu geben. An sich eine gute, nein, eine exzellente Angelegenheit, doch leider fehlt der komischen Demaskierung des Bösen dann doch die nötige Force und Impertinenz. Ein weiterer Punkt bei „Codename U.N.C.L.E.“ der aufzeigt, dass dem Film neben seinem  wohlgefälligen Look noch ein echter, knatternder Motor fehlt, der die Serienadaption so richtig auf Touren bringt.


„Codename U.N.C.L.E.“ ist ein gut gemeintes und keck vorgetragenes Flair-Imitat, welches trotz seiner visuellen Spielereien aber eine recht eintönige Angelegenheit geworden ist. Es gibt ein paar Witzchen, die Chemie zwischen Henry Cavill und Armie Hammer passt auch irgendwie und der Film kommt ohne große Holprigkeiten zum Ziel. Aber wirklich passioniert wirkt das Ganze nicht. Im Grunde ist das alles nicht mehr als eine stilistische Fingerübung von Regisseur Guy Ritchie. Vielleicht haut der Brite bei seinem kommenden Film, dem ersten Teil einer neuen König Arthus-Reihe, wieder etwas mehr mit der Faust auf den Tisch.


5 von 10 sehr engen Parkplätzen

Review: J.EDGAR - Die mächtigste Narzisse der Welt

Keine Kommentare:


Fakten:
J. Edgar
USA. 2011. Regie: Clint Eastwood. Buch: Dustin Lance Black. Mit: Leonardo DiCaprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Judi Dench, Josh Lucas, Jeffrey Donovan, Ed Westwick, Damon  Herriman, Ken Howard, Lea Thompson, Stephen Root, Gunner Wright, Jessica Hecht, Christopher Shyer u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der war einer der wohl mächtigsten Männer der USA: J. Edgar Hoover, der Leiter und Gründer des FBI. Geformt von seiner gläubigen Mutter, vernarrt in den Kampf gegen Kriminalität und den Kommunismus, revolutioniert er die Polizeiarbeit. Doch auch solch eine große Persönlichkeit wie Hoover hat Geheimnisse, Sehnsüchte und dunkle Seiten.





Meinung:
Regungslos starrt J. Edgar Hoover auf den Fußboden seines geräumigen Büros, sein Blick ist fest auf einen bestimmten Punkt fixiert, doch dabei keinesfalls als leer oder gar verträumt zu bezeichnen. Hoover war kein Träumer. Beinahe 50 Jahre im Dienste des Staates stecken ihm bereits in den müden Knochen; er, der kleine Johnny aus Washington, der eigentlich Pastor werden wollte und sich dann doch fast ein halbes Jahrhundert als Chef des FBI an der Spitze der bürokratischen Nahrungskette Amerikas halten konnte. Nachgesagt wurde ihm viel, zu viel möchte man meinen, nicht zuletzt, dass er sogar der mächtigste Mann der Welt wäre, an dem sich sämtliche Präsidenten, und Hoover war ihnen allen ein Dorn im Auge, nichts anhaben konnten, egal wie missmutig sie an seinem Stuhl gerüttelt haben. Aber sein Leben, vor allem im Hinblick auf seine privaten Gepflogenheiten, war immer umklammert von Mythen, Gerüchten und Vorurteilen, gezeichnet von medialen, gesellschaftlichen und politischen Stigma.


J. Edgar und seine Mutter in inniger Zweisamkeit
Wie also nähert man sich einer Persönlichkeit, die sich nie hat in Seele blicken lassen und doch einen so ungemein großen Einfluss auf die Staatsarbeit und deren Diener ausübte und selbst heute noch für massig Diskussionsstoff sorgt? Ohne Frage, Hoover war ein Mensch, der gleichermaßen geliebt und gehasst wurde und sich mit derart vielen fachbezogenen Fehlern wie menschlich-ethischen Unstimmigkeiten durch sein Amt schlug, dass man ihm seinen Posten nicht einmal ein Jahr hätte anvertrauen sollen. Hoover war ein machtbesessener Konservativer, der nach außen hin mit seiner puritanische Ideologie hausieren ging und von jedem seiner Angestellten ein Maximum an Disziplin erwartete, in seinem stillen Kämmerlein aber fleißig Geheimakten anfertigte, um zu verhindern, dass ihm – welche seiner Kellerleichen auch immer aufgedeckt werden sollte – niemand von außerhalb an das Bein pinkeln konnte. Aber J.Edgars vordergründige Egomanie hatte mehrere Ziele.


Natürlich war Hoovers Arbeit beim FBI mit jeder Menge Obsessionen verbunden, er brauchte diesen Posten, musste sich auf Details und dabei in Unkosten stürzen, um seinen krampfhaften Perfektionismus zu frönen, aber seine humorlose, vollkommen stringent wirkende Ich-Bezogenheit war auch eine Stütze dafür, die Kompetenzen und Wirksamkeit der Bundespolizei stetig zu erweitern und ihrer Effektivität im Umgang mit Beweisen, Chronologien und Tatbeständen auf den höchsten professionellen Stand zu hieven. Clint Eastwood weiß, dass dieses „Wie“ bei einer Biographie eine schwerwiegende Rolle spielt und das Ergebnis in der Vergangenheit gerne eine katastrophale Form angenommen hat. Deswegen wählt er zusammen mit dem hervorragenden Drehbuchautoren Dustin Lance Black den wohl besten Weg: Er greift markante Fakten und Anhaltspunkte in J.Edgars FBI-Vita auf, legt den Fokus aber nicht auf die sterile Abarbeitung dieser, sondern ist beinahe – nachdem alle Formalitäten geklärt wurden – durchgehend am Menschen hinter dieser mächtigen Fassade interessiert.


Auch im Alter bleibt Hoover auf seinem Posten
Und dieser Mensch, sein Innenleben, seine intimen Denkweisen und Ansichten, bleiben nun mal bis heute ein Geheimnis – genau wie der Inhalt seiner still und heimlich verfassten Geheimakten. Der elementare Punkt ist es da, das Skript nicht im Gossip-Schwurbel zu ersaufen; Plausibilität muss gerechtfertigt werden und der Person J.Edgar Hoover – auch wenn wir nie wissen werden, ob auch nur irgendetwas davon der Wahrheit entspricht – einen realitätsnahen Hintergrund und dem Biopic damit ein kraftvolles, weil glaubwürdiges Fundament zu verleihen. Und das gelingt dem Duo Eastwood und Black mit versierter Bravour – wenngleich man dem Endprodukt nun die gelegentlichen narrativen Durststrecken nicht gänzlich absprechen kann. Aber die werden im nächsten Augenblick wieder problemlos durch die hervorragende Performance von Leonardo DiCaprio wettgemacht, der hier nun endgültig (dieses Mal aber wirklich!) in den Schauspielolymp eingezogen ist.


Es ist nicht nur beeindruckend, dass sich Clint Eastwood – der ja nun auch nicht unbedingt als weltoffener Lebemann gilt – dem Privatleben von Hoover so urteilsfrei angenommen hat. Es begeistert auch gleichermaßen, wie subtil die Beziehung zwischen Hoover und seinem engsten Vertrauten Clyde Tolson (Armie Hammer) herausgearbeitet wird und „J.Edgar“ nicht zur Rekonstruktion einer staubiger FBI-Chronik macht, sondern vielmehr zur leisen Liebesgeschichte, in dem ein Mann Gefangener zweier Welt wird und sich der Homophobie seiner Mutter beugen, den stählernen Glanz des FBI repräsentieren und sich dabei auch noch gegen seine eigenen Gefühle stemmen muss. All das ist vereint natürlich unmöglich, gerade seine Liebe zu Tolson verleiht ihm auch einen zwischenmenschlichen Rückhalt, der Hoover vor der vollkommenen, inneren Einsamkeit und Depression gerettet hat. „J. Edgar“ ist erneut ein reifes Alterswerk Eastwoods, der mal wieder über den eigenen Tellerrand blickt und Hoover nicht nur als Monstrum, sondern auch als emotionalen Menschen zeigt, auc
h wenn er kein glücklicher war - Aber wer kann das schon von sich behaupten?


7,5 von 10 Küssen auf die Stirn


von souli

Review: LONE RANGER – Die ultimative Blockbustersause mit warmherziger Genreliebe

Keine Kommentare:


Fakten:Lone Ranger (The Lone Ranger)
USA. 2013. Regie: Gore Verbinski.
Buch: Justin Haythe, Ted Elliott, Terry Rossio. Mit: Johnny Depp, Armie Hammer, Tom Wilkinson, Helena Bonham Carter, Barry Pepper, William Fichtner, Ruth Wilson, James Badge Dale, James Frain, Matt O’Leary, Leon Rippy, W. Earl Brown, Harry Treadaway u.a. Länge: 149 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren.Ab 5. 12. 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:

Nach dem abgeschlossenen Jurastudium kehrt John Reid als gesetzestreuer Staatsanwalt in eine Heimat zurück, um festzustellen, dass das Kaff im Wilden Westen vom kapitalistischen Eisenbahnmogul Latham kontrolliert wird. Zusammen mit seinem Bruder Dan, ein angesehener Texas Ranger, will John für Recht und Ordnung sorgen und dem schmierigen Bösewicht Bartholomew „Butch“ Cavendish vor einem Gericht verurteilen lassen. Als die beiden Brüder in einen Hinterhalt von Cavendishs Bande geraten, überlebt einzig John und wird von dem Indianer Tonto gefunden, der ihn zum Seelenwanderer erklärt. Zusammen mit Tonto will der pazifistische John den Verbrecher zur Strecke bringen, doch in dieser Zeit müssen selbst die Guten Masken tragen…




Meinung:
Wenn es um den Western geht, dann wird den meisten Menschen wohl direkt der wortkarge Clint Eastwood mit Zigarillo im Mundwinkel im staubigen Poncho in den Kopf kommen, genau wie die legendäre Mundharmonikamelodie aus Sergio Leones Opus Magnum „Spiel mir das Lied vom Tod“ ein unverzichtbares Partikelchen im famosen Mosaik des weitreichenden Genres ist. Dabei ist der Western per se ein uramerikanische Thema, eine Projektionsfläche für das Verbundenheitsgefühl einer aufkeimenden Nation, für die (bundes-)staatlichen Konflikte und die daraus resultierende Weiterentwicklung manifestiert. Aber der Western ist auch ein Mythos, der Helden stilisiert und die Luft des eigenen Usus atmen. Während es also in den amerikanischen Vertretern um Moral und Gerechtigkeit ging, waren die Spaghetti-Western das Gegenteil der Heimatfilme aus den Vereinigten Staaten. Nimmt man beispielsweise Sergio Corbucci als Fixpunkt, wird man feststellen, dass in einem Italo-Western längst die Unmoral gesiegt hat und leichtfertige Schwarz/Weiß-Zeichnungen zwischen Gut und Böse einfach nicht mehr vorhanden sind.



Eine sehr unkomfortable Situation für das Heldenduo
Dazu wird von Cineasten und Filmliebhabern aus aller Welt nur zu gerne behauptet, dass sich der Western längst selbst zum Opfer gefallen ist und nur noch auf die standesgemäße Beisetzung wartet – Die bestenfalls in Form einer zünftigen Hommage vollbracht werden kann. Natürlich ist der Western keinesfalls tot, doch den frequentierten Stand wie in der Mitte des 20. Jahrhundert hat er heute tatsächlich nicht mehr, was äußerst schade ist, aber den modernen Sehgewohnheiten des Massenpublikums anzukreiden ist, die sich – salopp gesagt - nicht länger mit den Cowboys und Indianer beschäftigten möchten.  Wenn man sich dann also einer Huldigung und keinem waschechten Genre-Film annehmen möchte, ist die Auswahl inzwischen ebenfalls äußerst vielfältig. Mit dem an seinen eigenen Ambitionen gescheiterten „Django Unchained“ von Quentin Tarantino, der höchstunterhaltsamen Sause „The Good, the Bad, the Weird“ von Jee-woon Kim und dem Coen-Meisterwerk „True Grit“ wird der interessierte Suchende schnell fündig, ohne sich in den kinematographischen Untiefen zu verirren.


Der Western war aber auch immer für eine Überraschung gut und hat Filme hervorgebracht, von denen man nicht unbedingt im Voraus gedacht hätte, dass sie wirklich die Erwartungen übertreffen oder unterbieten, die man sich mit leichten Zweifeln bereits vor der Filmsichtung ausgemalt hat. Ein negatives Beispiel ist da Clint Eastwoods „Erbarmungslos“, ein zweifelsohne guter Film, aber nie und nimmer dem Ruf eines echten Meisterwerkes gewachsen, während Kevin Costner mit seinem kräftezehrenden Mammutwerkes „Der mit dem Wolf tanzt“ die vielleicht wichtigste Abhandlung über die reelle Beziehung zwischen den zivilisierten Amerikanern und den Ureinwohnern. Nun, im Jahre 2013, kommt es erneut zu einem mehr als positiven Knalleffekt, der sich ausrechnet als waschechter Flop in den Annalen der Filmhistorik rechtfertigen muss, in Wahrheit aber das Westernherz in den höchsten Tönen schlagen lässt und unwiderlegbare Defizite problemlos umwandert, ohne dem immensen Sehvergnügen auch nur im Ansatz zu schaden : Gore Verbinskis „Lone Ranger“.



Tonto will den Worten des Pferdes nicht glauben
Es ist natürlich offensichtlich, dass Gore Verbinski sich an seinem Megaerfolg der „Fluch der Karibik“-Trilogie orientiert und das vierköpfige Autorenteam den Piratenspaß in gewisser Weise in den Wilden Westen verlagern. Genau wie es inzwischen ein offenes Geheimnis ist, dass Johnny Depp sich in der Rolle des egozentrisch-tuckigen Jack Sparrow verfangen hat und diese in jedem neuen Film immer und immer wieder aufkochen lässt, ob es nun das handzahme Hunter S. Thompsen-Urlaubsfilmchen „Rum Diary“ ist oder Tim Burtons Gothic-Opera-Adaption „Dark Shadows“. Man darf sich über die Eindimensionalität ohne Frage eschauffieren, gerade wenn man die hervorragenden 1990er Jahre im Schaffen von Johnny Depp zurückerinnert, doch eines sei an dieser Stelle mit Nachdruck gesagt: In „Lone Ranger“ ist er als Indianer Tonto einfach die absolute Idealbesetzung, trotz seiner unübersehbaren Sparrow-Manierismen. Gerade im Zusammenspiel mit dem ebenfalls tollen Armie Hammer („J.Edgar“) beweist Depp, wie erstaunlich harmonierend er in dieser Rolle weiterhin fungieren kann. Ein hochsympathisches Gespann, die die Nebendarsteller wie Helena Bonham Carter („Fight Club“) oder Tom Wilkinson („Der Ghostwriter“) komplett aus dem Fokus drängen.



Der Lone Ranger findet sich selbst
Wer nun denkt, dass „Lone Ranger“ ein handelsüblicher Blockbuster ist, der sich seinem Publikum durchgehend anbiedert und eigentlich nur deswegen produziert wurde, um die Kinowelt mit einem weiteren überteuren Kracher zu sättigen, der liegt herbe daneben. Das 250 Millionen Dollar Budget ist dem Film natürlich anzusehen und sorgt gleichzeitig dafür, dass ein Hauch von Abneigung unterschwellig evoziert wird, schließlich gab es in der Vergangenheit genug verschwenderische Machwerke, die sich mit guten Vorsätzen rühmten, letztlich aber in jedem ernsthaften Kritikpunkt versagten. Mit „Lone Ranger“ kommt nun ein Film, der  die Seele seines vorgeknöpften Sujets verinnerlicht hat, der weiß, wie man mit Klischees umzugehen hat und wie man ein Thema mit historischer Verwurzelung mit der nötigen Selbstironie torpediert. Und da liegt ein weiterer Vorteil: „Lone Ranger“ nimmt sich nicht ernst, kann seiner düsteren Grundnote, rundum die gnadenlose Industrialisierung und den zerstörerischen Kapitalismus, aber ebenfalls gerecht bleiben – Wenn er es denn muss. Allgemein schlägt „Lone Ranger“ einen Ton in Sachen Gewalt an, der nicht unbedingt in dieser Form zu erwarten war: Da waren massenweise Körper durchsiebt, Menschen skalpiert und auch ein Herz aus dem Torso entfernt und verspeist.


Das Wunderbare an „Lone Ranger“ ist, dass er sich seinem Vorbild vollkommen bewusst ist und sich ihm zu keiner Zeit in den Weg stellen möchte, nur um den in den 1930er Jahren entstandenen Mythos um den gesetzestreuen Out Law in irgendeiner Weise zu beschmutzen, ganz im Gegenteil. „Lone Ranger“ funktioniert sowohl als symbolische Huldigung der populären Vorlage, weiß sich aber auch durch eigene Mittel einen Weg zu durch die romantisierte Prärie zu bahnen, während sich Gore Verbinski an den richtigen Stellen mit enormer Inszenierungsfreude rezitiert, um gleich danach seine Liebe zum Western ohne jede Verlogenheit festzuhalten. Natürlich hat „Lone Ranger“ seine Schwächen, doch die Charaktere, die sich aus Jahrzehnten Genreaffinität zusammensetzen und die beeindruckenden Landschaftspanoramen, gerade in Kombination mit dem wohl stimmigsten Zimmer-Score seit einer halben Ewigkeit, lassen das Herz eines echten Westernliebhabers einfach Freudensprünge machen.  So muss selbstironische und mehr als unterhaltsame Gigantomanie mit Seele aussehen.


7,5 von 10 fleischfressenden Hasen 



Von Souli

Review: SPIEGLEIN, SPIEGLEIN - DIE WIRKLICH WAHRE GESCHICHTE VON SCHNEEWITTCHEN - Anorganisches Märchen

Keine Kommentare:

Fakten:
Spieglein, Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (Mirror, Mirror)
USA. 2011. Regie: Tarsem Singh. Buch: Melissa Wallack, Jason Keller. Mit: Lily Collins, Julia Roberts, Armie Hammer, Nathan Lane, Michael Lerner, Richard Jutras, Jason Cavalier, Martin Klebba, Mare Winningham, Danny Woodburn, Dawn Ford, Sean Bean u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung.

Story:
Nachdem Tod des Königs herrscht dessen Frau über das Königreich und schröpft die Bewohner um berauschende Feste zu feiern. Als die Stieftochter der Königin, die liebreizende Schneewittchen, all ihren Mut zusammen nimmt und das Schloss zum ersten Mal verlässt, ist sie erschrocken wie sehr das Reich ihres Vaters unter ihrer Stiefmutter leiden muss. Als Schneewittchen sie zur Rede stellen will, wird Schneewittchen
in den finsteren ald gebracht und soll dort getötet werden. Doch es kommt anders.



Meinung:

Märchen neu erzählt? Das ist nichts Neues, wird aber von der Traumfabrik in letzter Zeit häufiger als früher propagiert. „Red Riding Hood“ machte den unrühmlichen Anfang und legte gleich die Marschrichtung vor: das Heimelige, das Märchenhafte wird zu Gunsten von Mystery-Chic und Fantasy-Epik fallengelassen. Das gefiel weder den Kritikern noch dem breiten Publikum. Weder die Rotkäppchen-Verstümmelung „Red Riding Hood“ noch Singhs so opulente wie reizlose Schneewittchen-Adaption waren Erfolge. Erst „Snow White an the Huntsman“ konnte, wenn auch nur finanziell, große Erfolge verbuchen. Vielleicht auch deshalb, weil der Film mehr als Fantasyfilm und weniger als echtes Märchen vermarktet wurde. Vielleicht ist die Zeit für große, echte, moderne Märchenfilme noch nicht da? Wer weiß?

Optisch weiß er jedes Mal zu überzeugen, der indische Regisseur Tarsem Singh, der früher u.a. Musikvideos inszeniert hat (das bekannteste dürfte wohl „Losing my Religion“ von REM sein). Doch erzählerisch konnte Singh nie dieselbe qualitative Ebene erreichen wie im visuellen Bereich. Bei seiner freien Märchen-Adaption „Spieglein, Spieglein“, für die Singh ursprünglich den kürzeren Titel „Snow“ auserwählt hatte, ist dies nicht anders.

Nathan Lane im schmucker Robe, tut fast alles für die Königin
„Spieglein, Spieglein“, beginnt vielversprechend. Die böse Königin, gespielt von Julia Roberts, fungiert als Off-Erzählerin und verschießt sogleich einige Spitzen gegen ihre hübsche Stieftochter. Das ist amüsant, macht durchaus Lust auf mehr, wirkt aber zunehmend gleichgültiger und wird im späteren Verlauf immer bedeutungsloser. Dabei passt diese Art der Erzählung durchaus in die Inszenierung. Kokett werden alte Bestandteile des klassischen Märchens um modelliert. Die sieben Zwerge sind hier keine Bergleute, sondern Diebe, die mit Tricks und der nötigen Prise Courage reiche Edelmänner um ihre Goldtaler erleichtern. Doch auch die kleinwüchsigen Diebe verkommen zunehmend zur Routine. Singh gelingt es nicht das Phantastische der Story zu erhalten, obwohl alles nach Märchen schreit. Es gibt den finsteren Wald, magische Spiegel, große Schlösser, mütterliche Hofdamen, edle Prinzen, aber dadurch, dass „Spieglein, Spieglein“ alles mit einem glänzenden Bezug aus Witzelei und artifizieller Schönheit glasiert, verkommt das wahre Märchen in der Geschichte sowie im Look des Films zu einer fast schon unwichtigen, nicht erfassbaren Nebensächlichkeit.
Schneewittchen (Lily Collins) beim Glücksspiel mit den Zwergen
Tarsem Singh weiß wie er große, opulente Bilder entwerfen muss und diese Bilder sind wirklich voller Schönheit, aber durch ihre pure Künstlichkeit bewirken sie nichts. Sie sind geschmackvoll, aber emotional so kalt, wie der computeranimierte Schnee der durch das Königreich weht.  Diese Kälte macht auch vor Schneewittchen nicht halt. Lily Collins, die Singh angeblich für die Hauptrolle haben wollte, wegen ihrer Augenbrauen, kann lieb lächeln, aber als Sympathieträgerin funktioniert sie nicht. Sie passt nämlich perfekt in de künstlichen Look des Films, denn auch sie wirkt nie wirklich lebendig. Fast könnte man meinen, Singh hätte mit Puppen und nicht mit Menschen gedreht. Julia Robert kann hingegen überzeugen. Ihre Boshaftigkeit wird mit trockenem Humor vermischt. Dies macht ihre Rolle nicht netter, aber dafür interessanter.  Nach einigen Minuten in denen Schneewittchen belanglos-herzlich mit den Zwergen oder dem Hofpersonal agiert, ist es eine wirklich willkommende Abwechslung, wenn Robert zu sehen ist, auch weil ihre Auftritte meist mit einem comic relief einhergehen. Die sind nicht immer wirklich gelungen, laden aber zumindest zu leichtem Schmunzeln ein. Auch Nathan Lane als ihr Assistent beschert „Spieglein, Spieglein“ akzeptable, wenn auch nicht vollkommen gelungene Momente der Komik. Armie Hammer, bekannt aus „The Social Network“ und „J. Edgar“, soll wohl auch für witzige Momente sorgen.  Als Prinz wirkt er aber weitestgehend wie eine Parodie, wie eine lustlose Parodie. Dieser Prinz, diese freudlose wie halbgare Karikatur, soll dann aber auch für Romantik sorgen. Das geht gründlich nach hinten los. 

„Spieglein, Spieglein“ ist erneut der Beweis dafür, dass Regisseur Tarsem Singh ein visuelles Genie ist, aber das Narrative liegt ihm einfach nicht. Egal ob „The Cell“, „The Fall“, „Krieg der Götter“ oder  jetzt „Spieglein, Spieglein“, seine Filme sind anorganische Werke. Hübsch anzusehen, aber ohne einen Funken Leben und bei seiner Schneewittchen-Adaption kommt noch etwas Schlimmeres hinzu, denn durch die Kühle der Künstlichkeit geht die Essenz der Geschichte, die jeder seit Kindertagen kennt, verloren: das Märchenhafte.


3 von 10