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Review: GOOD PEOPLE - Geld stinkt nicht. Tote Nachbarn schon.

1 Kommentar:


Fakten:
USA. 2014. Regie: Henrik Ruben Genz. Buch: Kelly Masterson, Marcus Sakey. Mit: James Franco, Kate Hudson, Tom Wilkinson, Omar Sy, Anna Friel, Sam Spruell. Michael Jibson, Diana Hardcastle, Oliver Dimsdale u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 29. Mai 2015 auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
James Franco und Kate Hudson sind arme Schlucker, die sich ohne zu fragen dem Geld annehmen, das ihr verstorbener Untermieter hinterlassen hat. Problem: Das Geld gehört eigentlich anderen Männern, die man auch als Gangster bezeichnen könnte.





Meinung:
James Franco ist ein fleißiger Bub’. Allein im Jahre 2015 hat er an 11 Produktionen teilgenommen. Für die gleiche Zahl von Filmen braucht ein Daniel Day-Lewis ganze 23 Jahre. Der Vergleich ist total dämlich und ungestüm und ist gerade deshalb angebracht, weil es das Wesen dieser Produktion wunderbar zusammenfasst. Wenn man elf Filme in einem Jahr abdreht, kann man nicht viel von jedem einzelnen Film erwarten, aber was sich hier (leider nicht nur teilweise) erlaubt wird, ist schon ziemlich daneben. Dass Kate Hudson zu sehen war ist dabei gar nicht einmal überraschend. Die hat nämlich seit Jahren nichts Nennenswertes mehr hinbekommen und hält sich mit solch jämmerlichen Jobs wohl irgendwie über Wasser. Verbessern tut sich ihre Situation dadurch jedenfalls nicht. Und ausziehen musste sie sich auch noch.


Haben ein Problem und ein schmutziges Fenster: Franco und Hudson
Es gibt derart viele Versionen von dem folgenden geflügelten Wort, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Zählt der erste Eindruck nun, oder nicht? Wenn er es täte, müsste man diesen Film schon nach drei Minuten wieder ausmachen. Der erste Eindruck wird nämlich damit verspielt, dass der Film sich mit seltsam unkoordinierten und -inspirierten Einstellungen, Statisten und Anleihen aus anderen Filmen vorstellt. Es ist total unnötig, die legendäre und epische Eröffnungsszene aus „Spiel mir das Lied zum Tod“ zu zitieren. Vor allem weil es so bruchstückhaft und überrumpelt amateurhaft getan wird, dass man dazu genötigt wird, an den Satz „Gewollt, aber nicht gekonnt.“ zu denken. Peinlich. Es ist von Anfang an ganz offensichtlich, dass dem Regisseur Henrik Ruben Genz ein überaus beschränktes Budget zur Verfügung stand, dennoch gibt es ja immer mal wieder Filme und Filmemacher, die selbst aus minimalen Bedingungen beeindruckende Ergebnisse rauskitzeln - Genz schafft das leider nicht. Das alles wirkt nicht nur überaus billig (mal mehr, mal weniger), sondern auch noch im schlimmsten Fall krampfhaft stilvoll, als würde man das fehlende Budget krampfhaft mit besonders dollen Kameraeinstellungen kaschieren wollen. Klappt aber nicht, stattdessen wirkt es fast schon, als hätte der Film gar kein Budget gehabt, so sehr wird teilweise gespart. Und dennoch sind James Franco, Kate Hudson, Tom Wilkinson und Omar Sy in diesem Film zu sehen. Bereichern tun sie ihn jedoch nicht.


Kate schaut sich James Regiewerke an
Wenn der erste Eindruck jedoch nicht zählt und man guter Laune ist, dann schaltet man nicht nach drei Minuten ab, sondern lässt den Film laufen. Kann ja alles noch werden. Wird es aber nicht, im Gegenteil. Das Drehbuch ist derart brachial mit dem Holzhammer auf die 12 gebollert, dass künstlerische Freiheit oder gar ein Hauch von Natürlichkeit durch die Bank weg Fremdwörter sind. Der Film macht es sich von Anfang bis zum bitteren Ende viel zu leicht, nimmt stets den einfachsten Weg und verweigert jederzeit die Möglichkeit, ein paar Gänge hochzuschalten und auf die Überholspur zu wechseln. Wer sich an die Fahrschule erinnert, der weiß, wie sehr ein Auto eigentlich ruckeln kann. So ungefähr fühlt sich auch dieser Film an. Es wird nämlich ein derart unglückliches Gleichgewicht und Timing gefunden, dass man sich nicht sicher ist, ob der Film nun auf die 90 Minuten Laufzeit ordentlich ausgewalzt wurde oder ob man Material kürzen musste. Letztendlich passt nichts wirklich zusammen, Charaktere tauchen einfach wieder auf, manchmal ist es der reinste Amateur-Zirkus. Seltsam, wie ein solches Gefährt überhaupt Schauspieler mit Namen anziehen konnte.


Gestatten: Cool-Man und Depri-Girl
James Franco ist da tatsächlich noch der einzige, der sich wenigstens ab und zu ein wenig Mühe zu geben scheint. Man kann von Zeit zu Zeit gar Blicke auf ihn erhaschen, wie sich seine Gesichtszüge bewegen! Neben Kate Hudson und den ganzen anderen Bratzen, die immer wieder durch das Bild laufen, ist das schon eine Errungenschaft, die es zu würdigen gilt. Omar Sy (genau, „das ist doch der von „Ziemlich beste Freunde““) konzentriert sich hier eher darauf, dass er die paar englischen Sätze ohne verdrehte Zunge über die Bühne bringt. Man könnte jetzt noch sätzeweise über all die namen- und talentlosen Nebendarsteller schwadronieren, die allesamt Antischauspielerei betreiben, was ein Lob sein kann, wenn man von Billy Bob Thornton in „The Man Who Wasn’t There“ spricht. Hier ist es jedoch größtenteils beschämend, was dem Zuschauer vorgesetzt wird. Ein Film, der als „Actionkrimi“ beworben wird, dessen Actionszenen nicht nur sehr sparsam gesät wurden, sondern auch noch derart spannungslos runtergerotzt wurden, dass man einfach mal mit dem Finger auf jemanden zeigen muss. Henrik Ruben Genz verschenkt so viele Suspense-Möglichkeiten, dass man schon nicht mehr von Leichtfertigkeit sprechen kann.


„Good People“ handelt nicht von guten Menschen. Jegliches Adjektiv ist fehl am Platze, da dem Zuschauer nicht die Möglichkeit gegeben wird, eine Beziehung zu den Figuren aufzubauen, die irgendein Gefühl oder eine Wertung zulassen würde. Die Menschen sind also weder gut noch schlecht, sie sind nichts. Dummheiten wechseln sich mit amateurhaften Fehlern ab. Selbst wenn der erste Eindruck nicht zählte, der zweite, dritte, und vierzehnste Eindruck wird ebenso leichtfertig verspielt. Es ist ein Film, der nichts drauf hat, dem Genre nichts beibringt oder hinzufügt, stattdessen eher peinlich für alle Beteiligten ist und den guten Willen des Zuschauers (sofern er denn vorhanden ist) soweit ausreizt, dass man beim Finale nur noch beschämt weggucken möchte. Sicherlich wird dieser Film irgendwann mal im Nachtprogramm laufen, als Nachtbrücke und sicherlich wird er da sein todmüdes Publikum finden, aber bis dahin kann er getrost ignoriert werden. „Good People“ ist erst langweilig, dann lächerlich, dann unfreiwillig komisch und schließlich ein schlechter Witz.


3 von 10 Nagelpistolen


von Smooli

Review: THE GREEN HORNET – Dekonstruktion durch Reduktion

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Fakten:
The Green Hornet
USA. 2011. Regie: Michael Gondry. Buch: Seth Rogen, Evan Goldberg.
Mit: Seth Rogen, Jay Chou, Christoph Waltz, Cameron Diaz, Edward James Olmos, David Harbour, Jaime Harris, Tom Wilkinson, James Franco, Edward Furlong u.a. Länge: 119 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Britt Reid ist der Erbe eines Zeitungsimperiums. Leider weiß der Tunichtgut wenig damit anzufangen, doch mit Kato, seinem persönlichen Autoschrauber und Kaffeekocher Kato beginnt er seine Zeit für etwas Gutes zu nutzen. Die beiden bekämpfen als Superhelden das Verbrechen in der Stadt.





Meinung:
Nachdem sich Britt Reid mal wieder in eine Schulhofschlägerei hat verwickeln lassen, greift sein Vater James Reid, ein angesehener Medienmagnat, der ein ganzes Zeitungsimperium zu leiten hat, zu drastischen Mitteln: Er reißt dem Superheldenspielzeug seines Sohnes den Kopf ab und schleudert diesen in die Mülltonne seines Großraumbüros. Mit dieser Szene beginnt „The Green Hornet“ und wirkt in seiner sinnbildlichen Deutlichkeit für eine Comic-Verfilmung nicht umsonst wie ein feuriges Statement. Aber ist „The Green Hornet“ wirklich der Abgesang auf die ewigen Erzählungen von allmächtigen wie sittsamen Überhelden, wie es die Exposition voraussetz? Eher nicht. Jedenfalls nicht in dieser konkreten Konsequenz. „The Green Hornet“ ist dennoch eine angenehme Abwechselung im explosiven Getümmel zwischen „X-Men“, „Spider-Man“, „Batman“ und „Iron Man“, denn sind die Heroen in ihren eigenen Werken zwar auch nicht immer mit übermen schlichen Fähigkeiten gesegnet, richten sich die Zeiger ihres moralischen Kompass im Inneren aber ganz und gar auf tugendhafte Werte, ist das mit der Hornisse etwas anders.

 
Muss denn wirklich erwähnt werden, dass Waltz der Böse ist ?
In Deutschland ist die Geschichte der Grünen Hornisse beziehungsweise des Britt Reid und seinem chinesischen Sidekick Kato nicht ganz so verbreitet wie die des Peter Paker, Clark Kent oder Bruce Wayne. Sie wird in diesem Fall aber vor allem dadurch interessant, dass sie eben nicht diesen strikten Fokus auf ethische Normen legt und keinesfalls aus einer tiefen Überzeugung heraus dem Verbrechen den Kampf angesagt hat, sondern schlichtweg aus Langeweile. Es hat eben gepasst. Britt Reid (Seth Rogen, „Bad Neighbors“) gibt den verzogenen Sohn des Tycoons James Reid (Tom Wilkinson, „Batman Begins“), der durch den Erfolg seines Vaters in Saus und Braus lebt, jeden Abend die größten Partys frequentiert und die Nacht zum Tage macht – Natürlich immer mit einer anderen Bettgespielin an seiner Seite. Nachdem sein Vater aber stirbt und er zum Erben des Zeitungskonzern wird, muss er zum einen dort etwas Verantwortung übernehmen, entdeckt aber parallel dazu durch den Bediensteten Kato (Jay Chou) eine neue Möglichkeit, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen: Green Hornet wird geboren.

 
Zwei äußerst unterschiedliche Helden: Britt und Kato
Der Plot ist wenig originell und bedient sich über weite Strecken den handelsüblichen Regularien des Sujets: Wir werden Teil davon, wie Britt und Kato ihren eigenen Mythos kreieren, wie sie sie ihr Equipment entwickeln und zu ersten Feldversuchen aufbrechen. „The Green Hornet“ versucht seine komödiantische Strahlkraft dadurch zu entfachen, in dem er die Dynamik zwischen Britt und Kato zelebriert und ihre Zankerei einem Buddy-Movie gleich ausreizt: Sie freunden sich an, sie entzweien sich und wachsen dann im großen Finale wieder zusammen. Dass Britt und Kato aber eigentlich nie wie Freunde wirken, sondern eher wie eine Zweckgemeinschaft, die sich von einer ulkigen Idee haben überfallen lassen, tut dem Film dahingehend einen Abbruch, dass er seiner egomantischen Hauptfigur Britt die Zuneigung immer weiter entreißt, während Kato, der eigentliche Held, streng in seiner Rolle als bloßer Sidekick verharren muss. Im Klartext bedeutet das: Wir folgen über eine geraumen Zeit einem Unsympathen, der sein eigenen Leben nicht auf die Reihe bekommt, aber so tut, als wäre er der große Macker, sich aber schon dadurch vollkommen verloren fühlt, wenn sein morgendlicher Cappuccino nicht am Bettrand auf ihn wartet.


Außerdem hat man es geschafft, einem Visionär wie Michel Gondry („Vergiss mein nicht!“, „Der Schaum der Tage“) die eigentlichen Stärken zu entziehen und ihn einer ungemein beliebigen Bildsprache unterzuordnen, die all die intuitiv-expressive inszenatorische Finesse vermissen lässt. Nichtsdestotrotz ist „The Green Hornet“ ein gutes Stück Comic-Adaption, in dem sich die dickliche Hornisse nicht gegen Nazis, sondern gegen einen Russen namens Chudnofsky (Christoph Waltz, „Django Unchained") zur Wehr setzen muss, der jedoch auch weit unter seinen eigentlichen Fähigkeiten zurückbleibt. Ähnlich wie eine Cameron Diaz, deren Besetzung nun überhaupt keinen Ertrag bringt. Man muss sich „The Green Hornet“ als einen Seth Rogen-Film vorstellen, der auf Blockbuster-Niveau getrimmt worden ist und von einem Fantasten der jüngeren Geschichte denkbar einfach, aber akzeptabel in Szene gesetzt wurde. Hier gibt es keine Charaktere, hier regieren nur Typen, und doch darf man sich unterhalten fühlen, denn auch wenn „The Green Hornet“ infantiles und mit einem Spritzer Ironie, leisem Retro-Charme und politischen Notizen angereichertes Action-Comedy-Kino ist, zeigt er sich auf seinem Level durchaus wirkungsvoll. Besser als diese momentane 'Dark n Gritty'-Welle ist das allemal. Und der modifizierte Chrysler Imperal ist schlicht famos!


5 von 10 vergebenen Chancen


von souli

Review: OPERATION WALKÜRE – DAS STAUFFENBERG ATTENTAG – Heldenverehrung mit Augenklappe

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Fakten:
Operation Walküre (Valkyrie)
USA. 2008. Regie: Bryan Singer. Buch: Christopher McQuarrie, Nathan Alexander.
Mit: Tom Cruise, Kenneth Branagh, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Carice van Houten, Terence Stamp, Christian Berkel, Eddie Izzard, Thomas Kretschmann, Tom Hollander u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Meinung:
Basierend auf wahren Begebenheiten: Die Geschichte des Oberst Claus von Stauffenberg, der 1944 versucht, zusammen mit einem militärischen Widerstand, Adolf Hitler mit einem Bombenanschlag zu töten.





Meinung:
Die Entrüstung kannte nach der Verkündung, Tom Cruise würde in die Rolle des Oberst Claus von Stauffenberg schlüpfen, keine Grenzen. Der Grad der Empörung uferte schnell in ein bizarres Ausmaß und Historiker wie Feuilletonisten zerrissen sich die Mäuler im großen Stil: Ausgerechnet der durch die Medien in Deutschland nur noch als Scientologe wahrgenommene Tom Cruise soll dieses Privileg zuteilwerden, ausgerechnet das ideologisch verstrahlte Sektenmitglied mit dem aufgesetzten Perlweißgrinsen. Wer behauptet, dass „Operation Walküre“ nicht schon vor Drehbeginn in tausend Teile gerissen worden war und zu einem Film gebogen wurde, der von Anfang an zum Scheitern verdammt war, der belügt sich letztlich selber. Aber eigentlich konnte diese gebündelte Animosität, dieser kollektive Groll gegen das so prestigeträchtige Projekt nur von Vorteil für die Crew rund um Regisseur Bryan Singer („X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“) und seinen Superstar Tom Cruise („Mission: Impossible“) sein.

 
Stauffenberg und seine Kameraden bei der Planung.
Von Vorteil deshalb, weil die Erwartungen an „Operation Walküre“ augenscheinlich als Selbstläufer auf ein Minimum reduziert wurden und das so zwanghaft herbeigesehnte Fiasko von der Welt schnell als 'absehbar' abgetan werden würde. Spricht man „Operation Walküre“ aber ganz vorurteilslos von diesen ostentativen Unkenrufen frei, dann treffen wir auf einen Film, der diesen feurigen Trubel im Vorfeld eigentlich überhaupt nicht verdient hat. Dafür nämlich bietet der Historien-Blockbuster (95 Millionen Dollar Budget) letztlich viel zu wenig kontroverse Eckpunkte, an denen man sich durchweg reiben hätte können. Dass es den Drehbuchautoren Christopher McQuarrie und Nathan Alexander schlussendlich nur äußerst geringfügig darum ging, „Operation Walküre“ als mit bis in Detail von historischer Akkuratesse bestücktes Geschichtskino aufzuwirbeln, ist keine Überraschung. Hintergründige geschichtliche Fakten nämlich werden nach Belieben verdreht, editiert und entschlackt, genau wie gefällte Aussagen von einer Person dem dramaturgischen Effekt zu Willen auf eine ganz andere übertragen wird. Diese modifizierte Beschreibung der Planung und der Durchführung des Attentats auf Adolf Hitler bereitet nur Historikern Kopfschmerzen.

 
Hitler töten erweist sich wahrlich als "Mission: Impossible"
Problematisch, neben all diesen Ungereimtheiten, zeigt sich die Zeichnung der Oberst Claus von Stauffenberg selbst. Hier nämlich blickt der sich durch seine „X-Men“-Filme wie „Superman Returns“ längst im Superhelden-Universum akklimatisierte Bryan Singer durch, der Stauffenberg mit einem seiner Comic-Koryphäen zu verwechseln scheint. Seine Bildsprache ist wunderbar, allgemein ist Singer ja wie gewohnt ein Meister der visuellen Narration. Mit der Hilfe Drehbuchs, das sich letztlich frei von jeder diffizilen Auseinandersetzung mit der Materie offenbart, mutiert Stauffenberg zum Überhelden, zu einem (illusorischen) Menschen ohne Ecken und Kanten, einem Täter aus Überzeugung, frei von Zweifeln. Dass das Attentat vom 20. Juli 1944 nur durch die Unterstützung eines großen Kreis von Gehilfen möglich war, wird in „Operation Walküre“ zwar angeschnitten, doch zu Gunsten der Heroisierung seiner Hauptfigur immer wieder brav aus dem Fokus gerückt. Leute wie Generalmajor Henning von Tresckow (Kenneth Branagh, „Jack Ryan: Shadow Recruit“), General der Infanterie Friedrich Olbricht (Billy Nighy, „Alles eine Frage der Zeit“) oder Generaloberst Friedrich Fromm (Tom Wilkinson, „Best Exotic Marigold Hotel“) werden zaghaft als Opportunisten oder Nervenbündel porträtiert.


Dass sich Tom Cruise mit seinen inzwischen allseits bekannten Manierismen zurückhält, zeugt von Respekt vor seiner Rolle, allerdings ist diese so eindimensional und flach gehalten, dass sich ausgerechnet Stauffenberg als stumpfe Litfaßsäule der Handlung entpuppt, die das Geschehen zusammenhält, es aber nicht dynamisch aufladen kann. Vom überzeugten Nazi und Aristokraten ist bei diesem Stauffenberg natürlich keine Spur, einzig der Saubermann mit Augenklappe darf unter pathetisch waberndem Orchester hohle Phrasen dreschen und zurück in die Denkmiene kippen. Ja, es sind oftmals nur leere Wortfetzen, die hier durch den Raum mäandern, weil der grundierte politische Kontext nicht existent ist. Wenn „Operation Walküre“ aber punkten kann, dann durch seine optische Klasse, in der Bryan Singer stumpfer Nazi-Ästhetik aus dem Weg geht, die Kulissen und Kostüme aber stimmungsgerecht durch sanft auf Grautöne entsättige Fotografien passend in Szene zu setzen weiß. „Operation Walküre“ ist ein sein Sujet fortwährend simplifizierender Suspense-Thriller ohne kraftvollen Nachdruck, er versucht sich redlich darum, die Thematik nicht zu trivialisieren, bleibt aber doch nur leeres, sich seiner komplexen Dimension zu keiner Zeit bewusstes Hollywoodkino.


4 von 10 Hitlergrüßen mit Stumpf


von souli

Review: DER PATRIOT - Mel Gibson hat seine Gesichtsfarbe vergessen

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Fakten:
Der Patriot (The Patriot)
USA. 2000. Regie: Roland Emmerich. Buch: Robert Rodat. Mit: Mel Gibson, Jason Isaac, Heath Ledger, Chris Cooper, Tom Wilkinson, Joely Richardson, Tchéky Karyo, René Auberjonis, Adam Baldwin, Donal Louge, Leon Rippy, Lisa Brenner, Gregory Smith, Logan Lerman, Trevor Morgan, Sky McCole Bartusiak, Mika Boorem u.a. Länge: 175 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Während der amerikanische Unabhängigkeitskrieg wütet, versucht der Witwer Benjamin Martin ein guter Vater und Farmer zu sein. Die Schlachten interessieren ihn nicht. Zu viel Blut hat er bereits in seiner Vergangenheit vergossen. Doch als sein ältester Sohn Gabriel sich dazu entscheidet für die amerikanischen Truppen zu kämpfen und später verletzt und von der britischen Armee gejagt heimkehrt, kann Benjamin sich vorm Krieg nicht mehr verstecken.





Meinung:
Kündigt der schwäbische Kassenschlager Roland Emmerich („Independence Day“) einen Film über geschichtlich signifikante Ereignisse an, dann ist höchste Vorsicht im Umgang mit dem Gezeigten geboten. Nicht, weil Emmerich wenig Wert auf historische Korrektheit legt und mit einer geradezu naiven Ausdauer durch den Schlund der amerikanischen Wertevorstellungen schreitet, um sich dadurch gänzlich dem Unterhaltungskino der Vereinten Nationen anzubiedern. Roland Emmerich erweckt vielmehr den Eindruck, seine auf Zelluloid gebannten patriotischen Absurditäten folgen einer privaten Ideologie und nur der geneigte Zuschauer scheint privilegiert, sich dem Geschehen in voller Pracht öffnen zu dürfen, wenn die eigene Geisteshaltung konform mit Emmerichs nationalistischen Tonus einhergeht. Mit „Der Patriot“ - Der Titel befiehlt schamlos die Marschrichtung – darf sich Emmerich in dieser heroischen Hinsicht einmal mehr so richtig austoben, verwerflicher und abstoßender war seine Ägide allerdings nie: Der Zuschauer wird zum uniformierten Sklaven der instrumentalisierten Projektionsfläche.


Gestatten, die Martin Familie
Wenn hier im Nachhinein noch wirklich jemand betonen möchte, Roland Emmerich und seinem Drehbuchautoren Robert Rodat läge auch nur ein Hauch von Interesse an einer realen Auseinandersetzung mit den Fakten und Geschehnissen,  der mag die beinahe dreistündige Laufzeit von „Der Patriot“ mit geschlossenen Augen und schalldicht verpackten Ohren verbracht haben, alles andere scheint in seiner permanenten Verklärung nahezu unerklärlich für den aufmerksamen Rezipienten. Angesiedelt in der Zeit des Unabhängigkeitskrieg, wird uns der Witwer Benjamin Martin (Mel Gibson) vorgestellt, der auf seiner Plantage im sommerlichen South Carolina nicht nur seine sieben Kinder versorgen muss, Benjamin versucht auch seine brutale Vergangenheit als Kriegsheld zu verdrängen, um sein Leben in geregelte Bahnen zu wiegen. Es wäre natürlich kein Film von Roland Emmerich, wenn es Benjamin gelingen würde, ohne Waffengewalt seinen moralischen Standpunkt zu manifestieren, es wäre in diesem Fall aber auch gewiss kein Film, der sich einen Funken Realismus mehr an die Brust heften dürfte.


Patriotensohn Gabriel versucht sich im Nachdenken
Die Sache muss für die Familie Martins erst persönliche Pfade beschreiten und diesem Zusammenhalt in Person des brutalen wie aus reiner Willkür handelnden britischen Colonel William Tavington (Jason Isaacs) ein waschechtes Feindbild ohne jedes Gewissen geschenkt werden. Bereits mit dem ersten Auftritt des britischen Unmenschen ist die Geschichte vollständig erzählt, weil jeder weitere Schritt nur noch zum bloßen Abhandeln dramaturgischer Belanglosigkeiten verkommt. „Der Patriot“ erzählt eigentlich nicht von einem Land, das seinen heimischen Boden zurückgewinnen und von der Präsenz der Kolonialmächte befreien möchte. Rodat macht „Der Patriot“ zum rachsüchtigen Amoklauf eines Einzelnen, einem unbändigen Gott des Krieges, getränkt in stählern-manipulativen Parolen, vaterländischer Verlogenheit und dem an exzessiven Pathos überladenen Soundtrack von Steven Spielbergs Standardkomponisten John Williams. Dabei ist „Der Patriot“ allein auf seine formalen Qualitäten mit einer einwandfreien Schnörkellosigkeit in Bezug auf seinen Prunk ausgestattet.


Okay, wer sagt dem Mel endlich mal, dass er eigentlich Australier ist?
Nur lebt „Der Patriot“ nicht allein davon, den Zuschauer mit den üppigen und völlig zu Recht mit sämtlichen Preisen nominierten Schauwerten zu beglücken, sondern Roland Emmerich möchte einfach wie sein großes Vorbild Steven Spielberg ein echter Geschichtenerzähler sein, besitzt dafür in erster Linie aber weder das Talent, deftige erzählerische Schwächen durch seine inszenatorische Versiertheit zu kaschieren und noch weniger schafft er es hier, etwas zu verbreiten, was nicht auch in Nebensätzen ohne einen mehr als fragwürdigen Ansatz auskommt. Alles ist glatt, alles ist geordnet, nie darf sich ein Augenblick als intensiv vezeichnen lassen. Mit Mel Gibson („Braveheart“) hat man einen Schauspieler, der immer für ein ordentliches Blutbad zu haben ist, in seinen mimischen Fähigkeit aber bis auf den Rang eines Laien heruntergebrochen wird und vollkommen eindimensional mit seinen rekrutierten Milizionären über die Schlachtfelder meuchelt. Aber wir müssen nun mal mit Benjamin sympathisieren und jede bestialische Handlung wird dadurch vom Drehbuch legitimiert. Anders als Jason Isaacs, der zwar ebenfalls charakterlos bleibt und der phrasenhaften Klassifikation hilflos ausgeliefert ist, aber eine durchtriebene Präsenz an den Tag legt, die wirklich einnehmend ist.


Aber was nutzt eine gute Leistung, wenn die Charaktere vollkommen schematisch in ihren biederen Motiven rotieren und sich gegenseitig solange mit größeren und kleineren Nadelstichen malträtieren, bis der Verlauf in sein vorhersehbares Ziel einbiegt und Mel Gibson in Zeitlupe mit wehender Nationalflagge durch die Reihen des Rotröcke  stürmen darf. Von solch grauenhaftem Stumpfsinn ist die gesamte Inszenierung durchzogen und alle Beteiligten mussten schlussendlich sogar einsehen, dass dieser konstant überspannt-reißerische Nationalstolz selbst für die im Blut der Feinde badende Grobiane ohne Selbstreflexion zu dick aufgetragen wurde. Was für eine Leistung.


3 von 10 von Kanonenkugeln abgetrennten Extremitäten


von souli