Review: TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER - DER FILM - Müde Ironie auf einsamer Insel



Fakten:
BRD. 2012. Regie und Buch: Bora Dagtekin. Mit: Josefine Preuß,  Elyas M'Barek, Pegah Ferydoni, Arnel Taci, Adnan Maral, Anna Stieblich, Nick Romeo Reimann, Katharina Kaali, Katja Riemann, Günther Kaufmann, Frederick Lau, Jaymes Butler u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben.


Story:
Lena, 19, fliegt mit ihrer antiautoritären Mutter Doris in den Urlaub nach Thailand. Im Flugzeug trifft Lena auf den "Checker" Cem und seine religiöse Schwester Yagmur. Bereits vorm Start wird eines klar: Lena und Cem hassen sich. Doch als ob ein 12 Stunden Flug nicht schlimm genug wäre, muss das Flugzeug mitten im Ozean notwassern. Cem, Lena, Yagmur und der junge Grieche Costa gehen dabei verloren und stranden auf einer einsamen Insel.




Meinung:
Mit „Türkisch für Anfänger“ entwarf Bora Dagtekin, der u.a. auch für RTL die Erfolgserie „Doctor’s Diary“ verantwortlich war, ein Vorabend-Serie, die zwar quotetechnisch nie zu den stärksten Vertretern des ARD-Programms zählte, sich dennoch eine ordentliche Fan-Basis aufbauen konnte und sogar einen Grimme-Preis für sich verbuchen konnte. Nun, nachdem die Serie beendet war, schrieb und inszenierte Dagtekin einen Kinofilm, der die Serie nicht weiterspinnt, sondern neu erzählt wie sich die Familien Öztürk und Schneider kennen, hassen und lieben lernen. Quasi ein Reboot. Dabei verlässt „Türkisch für Anfänger – Der Film“ den üblichen Handlungsort Berlin und bringt die beiden Familien nach Thailand in den Urlaub, bzw. die Eltern in den Urlaub in einem edlen Holiday-Club und ihre Kinder auf eine verlassene Insel, irgendwo im indischen Ozean. Durch diesen Split gibt es gleich zwe Handlungsebenen im Film. Zum einen wie sich die Eltern, ein eher konservativer, türkischer Polizist und eine offenherzige Psychologin mit Lolita-Komplex näher kommen, zum anderen wie deren Kinder und ein griechischer Stotterer auf Robinson Crusoe machen.


Lena und Cem, die Zicke und der Chauvi. Ein Traumpaar
Dagtekin spielt wie in der Serie auch mit den Klischees, mit den bekannten Vorbehalten gegenüber anderen (Sub-)Kulturen und Lebensstilen. Dazu benutzt er genau das, was er karikieren möchte, nämlich Klischees und dies nicht zu knapp. Der Chauvi-Türke, die zickige Emanze, der feige Mitläufer, die brave Kopftuch-Muslimin. Alle diese Typen bekommen ihr Fett weg und zwar  übertrieben und überzeichnet. Dies hat eingangs durchaus seinen Reiz und die Ironie und der Sarkasmus, den Dagtekin seinen Figuren in den Mund legt, sind auch recht schwungvoll, leidet aber immens darunter, dass sie sich vom Inhalt her immer wiederholen. Dadurch geht der Biss recht schnell verloren und die komödiantische Reflexion von Klischees verkommt zum reinen Selbstzweck. Aus dem anfänglichen recht gewitzten und smarten Humor des Films, wird immer mehr blanker Klamauk mit einer oftmals peinlichen Sat1-Fun-Freitag-Mentalität. Dieses wird dadurch verstärkt, dass der Film in fast sämtlichen Bereichen übertreibt. Egal ob bei den Figuren, dem Setting oder der Geschichte, immer wird alles auf die Spitze getrieben. So entsteht keinerlei Authentizität und die hätte zumindest den Figuren gut gestanden, denn so hätte der culture clash mehr komödiantische Wucht erhalten, doch in diesem eher billig wirkenden Zustand ist es meist nicht mehr als eine Ansammlung von faltigen Scherzen, die eher selten über ein Stammtisch-Niveau hinausgehen.


Mögen die Darsteller und ihre Rollen, trotz eines enormen Nerv-Potenzial noch so liebenswert sein, so müssen sie doch in einer Umgebung interagieren, die ähnlich künstlich wirkt, wie das Spiel des Films mit den Stereotypen. Das Setting mit der einsamen Insel erzeugt eine auf krampfhaft sommerlich getrimmte Atmosphäre und überzieht den Film mit einer störenden Künstlichkeit, die auch dann deutlich zu spüren ist, wenn Dagtekin versucht etwas Drama und Tragik in die Geschichte einzubringen. Ob tote Mutter oder Flucht vor der Vergangenheit, das verkommt im  Film zu reinen, störenden Ballast und macht den eh schon eher weitschweifigen Film noch ein bisschen zäher und langwieriger. Durch seine wenig komischen  Übertreibungen, dem Sarkasmus ohne wirkliche Raffinesse und seine hohe Künstlichkeit bleibt Bora Dagtekins Kino-Debüt bloßer Klamauk, der zwischen austauschbare Witzchen und müder Ironie umher balanciert ohne einen Funken Finesse zu generieren. Ein wenig Größe besitzt der Film aber, denn hier ist zum allerletzten Mal der große deutsche Schauspieler Günther Kaufmann zu sehen.

3 von 10

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