Review: SHARK NIGHT - So was haben Killerfische nicht verdient



Fakten:
Shark Night
USA. 2011. Regie: David R. Ellis. Buch: Will Hayes, Jesse Studenberg. Mit: Sara Paxton, Dustin Milligan, Chris Carmack, Donal Logue, Joshua Leonard, Kyla Pratt, Damon Lipari, Joel David Moore, Jimmy Lee Jr., David Speed, Chris Zylka, Katharine McPhee, Alyssa Diaz, Christine Quinn, Sinqua Walls, Tyler Bryan, Kelly Sry u.a. Länge: 87 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben.


Story:
Pause von der Uni, auf nach Louisiana. Dort hin, genauer gesagt zum Strandhaus ihrer Familie, lädt Studentin Sara ihre College-Freunde ein, um sich ein Wochenende lang vom Stress zu erholen. Eine kleine Insel, mitten in einem Salzwassersee, wird zur Partyzone erklärt, doch die große Sause wird brutal gestört, als einer von Saras Gästen beim Wasser-Ski von einem Hai angegriffen und schwer verletzt wird. Aus dem relaxten Wochenend-Trip wird ein Kampf ums Überleben, den es lauern noch andere Gefahren vor Ort als Haie, z.B. ihre Besitzer.




Meinung:

Haie sind schon arme Tiere. Nach dem massiven Erfolg von Spielbergs „Der weiße Hai“ wurden sie zu reinen Killerbestien deklassiert, die mittlerweile in genau so vielen „Jaws“-Sequels und –Kopien auf Menschenjagd gingen, wie es nun Dokumentationen und Reportagen gibt, die dieses Bild der Raubfische wieder versuchen ad acta zu legen. Trotz allem bewahrheitet sich auch bei den Haien die alte Lebensweisheit: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
Der Sheriff kann vielleicht die Kids retten, aber nicht den Film
Na ja, dass in „Shark Night“ gefräßige Haie Jagd auf spaßhungrigen College Kids machen, liegt mehr am kargen Ideenreichtum einiger Autoren und weniger an den Tieren. Selbst wenn das hier kein Film wäre, so hätten die Fische mit dem ikonischen Rückenflossen doch gewiss alle Sympathie auf ihrer Seite, denn die Kids sind solch eine einfach gestrickte Ansammlungen von Klischees, zusammengehalten von Hot Pants, Tank Tops und Bikinis, dass ihre Reduktion einer Wohltat gleichkommt. Doch obwohl menschliche Subtraktion im Fokus des Films steht, macht er keine wahre Freude, denn „Shark Night“ ist nicht mehr als ein Desaster. Hier funktioniert wirklich gar nicht. Als Horrorfilm ist die fünfte Regiearbeit von David R. Ellis („Final Destination 2“) absolut unbrauchbar. Zu passiv geschieht alles, wenn überhaupt einmal etwas passiert, die Bedrohung durch die Haie wird weder vernünftig aufgebaut noch wirklich gelungen dargeboten und wer sich erhofft hatte, das „Shark Night“, der in 3D in den Kinos lief, ein paar blutige Extras zu bieten hat, vielleicht ähnlich gelagert wie das 3D-Remake von „My Bloody Valentine“, wird enttäuscht, denn hier speisen die Haie schnell und vor allem sauber.
Da hintern ist ein Hai, äh hinten
„Shark Night“ kann sich Hoffnungen auf die Auszeichnung des schlechtesten Films 2012 machen, denn er macht wirklich alles verkehrt. Es ist alles so plump und dürftig (vor allem die Haie aus den Computern), dass es eigentlich Spaß machen sollte, ähnlich wie z.B. „Piranha 3D“ von Alexndre Aja. Der war sicherlich auch kein Meilenstein, verstand es aber sich in seiner eigenen Primitivität mit großer Freude zu suhlen und macht dadurch Spaß. „Shark Night“ hingegen versucht alles um groß, böse und ernst zu wirken und vermischt neben Tier-Horror noch etwas unbarmherzige Redneck-Sippschaft mit ein, damit der ganze Stuss noch etwas bescheuerter und planloser wirkt. Würde Regisseur Ellis nicht so penetrant versuchen den Zuschauer mit Nichtigkeiten zu gruseln (wieso sollte es mir Nahe gehen und mich in den Sessel drücken, wenn eine Gruppe von unsympathischen Nervensägen von großen Fischen dezimiert wird?) und hätte die Prämisse des Films mehr auf trashigen Spaß verlagert, „Shark Night“ wäre bestimmt immer noch so etwas wie ein Film, den kein Mensch braucht, aber er hätte eventuell ja hier und da etwas Kurzweil mit an Bord gehabt.
Und hier die Bewertung des Films in Kurzform
Tiere mit schlechtem Ruf mussten schon immer für Schauergeschichten herhalten. David R. Ellis ist mit seiner „Shark Night“ aber etwas seltenes gelungen, denn nicht nur, dass die Haie hier die heimlichen Good Guys sind, schließlich erlösen sie einen von den nervenden Hohlbirnen in Bikini und Bermuda-Shorts, sondern  die großen Fische mit dem messerscharfen Zähne wecken auch Mitleid, denn schon seit Ewigkeiten wurden sie nicht mehr so unter Wert verkauft. Die Trash-Profis von Asylum, die durch Billigwerke und  kostengünstige Kopien großer Blockbuster zu zweifelhafter Popularität erlangt sind, versehen Haie wenigstens noch mit einer Art von Besonderheit. Mal haben sie zwei Köpfe, mal schwimmen sie durch Sand, ein anderes Mal sind sie so groß, dass sie eine Boeing 747 fressen. Klar, das ist alles so absonderlich wie bescheuert, verfügt aber über wesentlich mehr Unterhaltungswert als „Shark Night“ und ist darüber hinaus auch strikt und von tiefsten Herzen aus  schlecht.


„Shark Night“ ist zu großen Teilen eine filmische Katastrophe, weil er versucht die eigene Debilität zu verbergen. Das ist so unsinnig, dass der Film vielleicht sogar noch mieser und langweiliger ist als die großen Hai-Filme des legendären Trash-Labels Asylum. Muss man auch erst einmal hinbekommen.

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