Review: WAR ES WIRKLICH MORD? - Hammer auf ungewohnten Terrain

                                                               
http://3.bp.blogspot.com/_Ubtm9BaVMfs/TEQ_rOuUBYI/AAAAAAAAC7I/p3lR_uzZuHE/s1600/nanny.jpg

Fakten:
War es wirklich Mord? (The Nanny)
GB, 1965. Regie: Seth Holt. Buch: Jimmy Sangster. Mit: Bette Davis, Wendy Craig, James Villiers, Jill Bennett, William Dix, Pamela Franklin, Jack Watling, Maurice Denham, Alfred Burke u.a. Länge: 89 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.

Story:
Vor 2 Jahren starb die kleine Susy bei einem tragischen Unfall. Ihrem Bruder Joey wurde die Schuld für den Tod gegeben und in eine psychiatrische Einrichtung gebracht. Nun kehrt er zurück. Seine Mutter ist immer noch traumatisiert und leidet unter schweren Depressionen. Die alte Nanny der Familie kümmert sich hingebungsvoll um sie, von Joeys autoritären Vater ist nicht viel Hilfe zu erwarten. Doch Joey hegt größte Hass gegen das gutherzige Kindermächen. Er lässt keine Gelegenheit aus, sie zu tyrannisieren und ihr seine Abneigung gegen sie ungeschönt aufzuzeigen. Als sein Vater eine Geschäftsreise antritt, droht die Situation zu eskalieren, denn Joeys Attacken werden immer boshafter.



 
Meinung:
"The Nanny" war 1965 der letzte schwarz/weiß Film der Hammer-Studios und ist gleichzeitig ein Werk, das sich extrem von ihrem sonstigen Output unterscheidet. Wurde das Studio doch für seine Monster- und Abenteuerfilme berühmt und beliebt, bekommt der Zuschauer hier einen waschechten Psychothriller vorgesetzt...und das verdammt gut!

 
Joey, Engel oder Satansbraten?
Die Entscheidung, den Film in schwarz/weiß zu drehen, war für die damalige Zeit (1965) schon etwas mutig, der Farbfilm hatte sich schon klar durchgesetzt und war für das Publikum einfach attraktiver. Für die Stimmung von "The Nanny" erweißt es sich als goldrichtig. Die ohnehin schon hervorragenden Bilder wirken so noch viel beklemmender, es passt einfach zu dieser düsteren, hundsgemeinen Geschichte, die sich gar nicht wie ein klassischer Hammer-Film anfühlt.
Einen Löffel für Mama, einen für Papa...
Neben den Verzicht auf Vampire, Ungeheuer oder andere gruseligen Fabelwesen, ist die Handlung in der Gegenwart angesiedelt. Statt dunkler Schlösser, alter Tavernen und anderen Kulissen aus einer vergangenen Zeit, dreht sich die Geschichte um eine Familientragödie, die tiefe Narben hinterlassen hat. Statt auf die üblichen Stärken von Hammer zurück zugreifen, wird etwas komplett anderes erzählt und das auch noch ohne die typischen Stilmittel. Auf Musik wird beispielsweise oft verzichtet, nur selten erklingt mal ein Score, der dann dafür sehr effizient wirkt. Der Film kann als klassischer Suspense-Thriller bezeichnet werden, der seine Geschichte wahnsinnig geschickt erzählt und den Zuschauer lange in die Irre führt. Die Spannung ist von Beginn an vorhanden, steigert sich unaufhöhrlich und konstant, was besonders an der Unvorhersehbarkeit der Handlung und der cleveren Figurenzeichnung liegt. Nichts ist so, wie es zuerst scheint. Als Zuschauer mag man das ahnen, kann sich aber nie sicher sein. Dafür werden erst viel zu spät die Karten auf den Tisch gelegt. Das dies so hervorragend funktioniert, liegt nicht nur an dem tollen Skript und der großartigen Inszenierung, sondern auch an den Darstellern. Alles überragend spielt Bette Davis, die ihre Rolle in jeder Sekunde perfekt ausfüllt. Der restliche Cast kommt dem sehr Nahe, gerade Wendy Craig in der Rolle der seelisch gebrochenen Mutter. Doch der Davis gehört die Show, besonders zum Finale hin. Da wird "The Nanny" so mordspannend und für, seine Zeit, erstaunlich perfide, dass es schon eine kleine Überraschung darstellt.


Das übliche Hammer-Publikum muss sich auf einen ganz anderen Film einstellen, wird dafür aber entsprechend belohnt. Eine Perle des Thrillergenres, dass sich von diesem Studio so nicht erwarten ließ.

8
von 10 Badetagen







 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen