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Review: KILL THE MESSENGER - Hollywood & USA, Prestige & Politik

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Fakten:
Kill The Messenger
USA. 2014. Regie: Michael Cuesta. Buch: Peter Landesman, Nick Schou (Vorlage), Gary Webb (Vorlage). Mit: Jeremy Renner, Rosemarie DeWitt, Ray Liotta, Tim Blake Nelson, Barry Pepper, Mary Elizabeth Winstead, Michael Sheen, Michael K. Williams, Oliver Platt, Andy García, Paz Vega, ua. Länge: 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 21. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Gary Webb, ein investigativer Journalist, deckt skandalöse Deals der CIA auf, deren Folgen von Afrika bis in die Vororte von Los Angeles reichen und die Agency beschuldigen, Drogenschmuggel zu dulden. Basierend auf realen Begebenheiten.





Meinung:
In der Realität passierende oder passierte politische Skandale können ihre dramatische Kraft wahrscheinlich am besten im dokumentarischen Stile entfalten. Der direkte Kontakt zu Beteiligten, die logische Darlegung von Fakten, ein paar Spekulationen; all dem mag man in einer Dokumentation folgen. In einem Kinofilm kann investigative Arbeit schnell langweilig werden, weil der Zuschauer selbst nicht „mitspielen“ darf, sondern nur dem ganzen Theater beiwohnt. Eine der neusten und wohl auch bekanntesten Beispiele für solche Dokumentationen ist „Citizen Four“, ein Film, der sich mit dem NSA-Skandal und Edward Snowden auseinandersetzt. Der ist vor ein paar Jahren mit einem Ruck bekannt geworden, seitdem gehasst und verehrt, aber immer für seinen Mut respektiert. „Kill The Messenger“ geht mit seinem Titel einerseits darauf ein, was vor hunderten von Jahren mit Überbringern schlechter Nachrichten gemacht wurde, und andererseits auf den defensiven Spruch „Ich bin nur der Überbringer der Nachricht“, den wohl jeder schon mal gehört oder gesagt hat.


Google Maps - You're making it wrong
Der Überbringer der Nachricht ist in diesem Fall Gary Webb, dargestellt von Jeremy Renner. Und der liefert mit diesem Film seine beste Arbeit seit einer ganzen Weile ab. Er stellt einen Mann dar, der, Edward Snowden nicht unähnlich, sein Leben der offenen Wahrheit verschrieben hat. Es geht ihm nicht um Gerechtigkeit, es geht ihm nicht darum, dass die Verantwortlichen CIA-Agenten belangt werden (davon distanziert er sich in zahlreichen Fernseh-Interviews). Es geht ihm nur darum, dass eine Wahrheit ans Licht kommt, die Folgen für das Leben unzähliger Menschen haben wird. Dass Wahrheit in einer politischen Gesellschaft nicht der einzige und größte Wert ist, muss er auf die harte Tour lernen. Es kommt nämlich nicht nur auf die Natur der Wahrheit an, es kommt auch darauf an, wann sie öffentlich gemacht wird. Der Wert einer Wahrheit verändert sich in der Politik je nach Uhrzeit, Datum, Tag oder Woche. „Kill The Messenger“ versteht sich nicht als investigativer Film, und das ist okay, dennoch hätte er mehr liefern können, als die bloßen Eckpunkte der realen Begebenheit. Manchmal schummelt der Film sich so kurz durch, manchmal legt er aber auch seine starken Karten auf den Tisch und spielt sie gekonnt aus.


"... entweder meine Rolle wird geiler oder ich steig bei Marvel aus!"
Polit-Thriller, bzw. derartige Biographien, haben oft das Problem, dass zwar ihr Ziel, aber nicht der Weg dorthin, wirklich filmreif spannend sind, weshalb die Wahrheit oft ein wenig dramatisiert und ausgeschmückt wird, um dem weiten Publikum zuzusagen. Sobald dies jedoch geschieht, muss der Film zwangsweise mit Kritik an eben jener Methodik rechnen. Davor kann sich auch der Film von Michael Cuesta nicht retten, der von Sekunde 1 von einer seltsamen überdramatisierenden Hülle umgeben zu sein scheint. Das wird vor allem in seiner Inszenierung und der klanglichen Arbeit deutlich, die Szenen aufbauschen wollen, die das gar nicht nötig hätten, weil sie so schon dramatisch genug sind. Zu viel ist manchmal eben einfach zu viel und zu wenig, wer hätte es gedacht, zu wenig. Denn während Regie und Musik über die Stränge schlagen, hapert es an dem Drehbuch hier und da deutlich. Auch das fängt mit der ersten Szene an, wenn die Einführung des Protagonisten aus einem einfachen „Hi, ich bin Gary Webb, ich bin Journalist.“ besteht. Dies ist symptomatisch zu betrachten, sodass jeglicher Sinn für Spannung, Kreativität oder Atmosphäre oft flöten geht, wenn sie denn überhaupt entsteht.


"Hier, das ist von Tante Betsy."
Und das ist schade, so handelt es sich bei der Ausgangsgeschichte doch um ziemlich brisantes Material. Und hier offenbart sich aber leider direkt der größte Haken des Films. Zunächst müssen Produzenten und Köpfe hinter den Kulissen dafür gelobt werden, einen generell kritischen Film zu drehen. Derartige Filme in den Vereinigten Staaten sind oft ein großes Problem. Politisch eindeutige Filme sind selten erfolgreich. Andrew Dominiks „Killing Them Softly“ war sehr kritisch, was die Arbeit des Staatsapparates anging. Dass sein Film ein Flop wurde, begründeten Experten mit der politisch klaren Einstellung. Mit der politischen Deutlichkeit und dem Salz in der Wunde wird also oft sparsam umgegangen; lieber nicht zu doll anecken, sonst regt sich noch jemand auf. Und das ist im Filmgeschäft selten etwas Gutes. So ist es auch bitter bezeichnend, dass die traurigen und skandalösen Wahrheiten der Begebenheit kleinlaut als Schrifttafeln vor dem Abspann kurz eingeblendet werden. Da fehlt die Konsequenz, die Kaltschnäuzigkeit, die ein ernster Film, der sich mit einer solchen Thematik beschäftigt, einfach haben sollte. So schummert der Film ein wenig zwischen „typisch Hollywood“ und einer „Ich werd’s euch zeigen“-Stimmung umher, ohne sich je wirklich entscheiden zu können, wo er hingehören will.


„Kill The Messenger“ ist ein Film, der gerne mehr wäre als er ist. Das würde auch möglich sein, würden die politischen Beschränkungen, die dem Protagonisten im Film selbst zu schaffen machen, nicht auch auf den Film selbst wirken. Das ist eine Ironie, die traurig stimmt, da sie ganz viel Potenzial verpuffen lässt. Ein Schritt in die richtige, weil mutige Richtung ist dieser Film dennoch. Es gibt einige Momente, die fesselnd anzusehen sind, was hauptsächlich an der von Grund auf dramatischen Handlung und einem engagierten Hauptdarsteller liegt, der gleichzeitig auch als Produzent tätig war. Jeremy Renner liefert eine interessante Darbietung eines Mannes, der so tief in seiner Arbeit versank, dass er von der Welt um ihn herum überholt wurde. Er ist mal laut, öfter leise und immer mit einer gewissen Unvollständigkeit und Frustration umgeben, die tief in Renners Augen sitzt. Wirklich viel traut sich der Film jedoch leider nur in Form von weißer Schrift auf schwarzem Grund, weshalb man den Film als gut gemeinten Versuch ansehen muss, der nötig war, auf den aber gern auch noch mehr folgen darf.


6 von 10 aufgezwungenen Schreibblockaden


von Smooli

Review: THE GAMBLER - EIN SPIEL. SEIN LEBEN. - Versunken im Treibsand des Glücksspiels

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Fakten:
The Gambler
USA. 2014. Regie: Rupert Wyatt. Buch: James Toback, William Monahan, Fjodor Dostojewski (Vorlage). Mit: Mark Wahlberg, John Goodman, Michael K. Williams, Brie Larson, Jessica Lange, George Kennedy, Leland Orser, Richard Schiff, Simon Rhee, Sonya Walger, Anna McDaniels, Erika Jordan u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 28. Mai auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Jim arbeitet als Literatur-Professor und wird vom Tode seines Großvaters kalt erwischt. Aber nicht nur dies bringt Jims Leben aus den Fugen, sondern auch seine Spielsucht. Wegen dieser steht er gleich bei zwei Gangsterbossen in der Kreide und er weiß nicht, wie er seinen Schulden begleichen soll.





Meinung:
Es ist doch immer wieder eine Freude und simultan eine weitere Bestätigung dafür, warum man sich über all die Jahre so derart intensiv mit dem Medium Film auseinandergesetzt hat, Stunden über Stunden im Kino und vor der heimischen Mattscheibe verbrachte, wenn man mal wieder Zeuge einer handfesten Überraschung werden darf. „The Gambler – Ein Spiel. Sein Leben“ von Rupert Wyatt hat das Zeug dazu, für Verblüffung zu sorgen, Gesetz dem Fall, man lässt sich auf den Film, seine Mentalität, seinen inneren Flow ein, denn einfach macht er es einem letzten Endes nicht. Das Autorenduo um James Toback und William Monaghan jedenfalls zeigte sich dafür verantwortlich, den existenzialistischen New-Hollywood-(Semi-)Klassiker „Spieler ohne Skrupel“ mit James Caan zu modernisieren. Dass man die Geschichte um ihre drängende Schwere entschlackte, dürfte weniger absonderlich erscheinen, dass „The Gambler – Ein Spiel. Sein Leben“ aber doch permanent darauf intendiert, seinen eigenen Kopf durchzusetzen, selbst wenn ihn dafür durch die Wand brechen muss, kommt so unverhofft wie erfreulich.


Bekommt Jim von dieser Dame Geld?
Die Grundstory, also der rote Faden, der sich durch den gesamten Film schlängelt, könnte in seiner High-Concept-Formulierung nicht konventioneller respektive banaler daherkommen: Ein pathologischer Glücksspieler steht in der Kreide zweier äußerst unangenehmer Kredithaie (Michael K. Williams, John Goodman) und hat genau sieben Tage Zeit, das geliehene Geld aufzubringen, ansonsten erwartet ihn sein blaues Wunder. Kennt man so und hat man so auch eigentlich schon längst satt. „The Gambler – Ein Spiel. Sein Leben“ zielt jedoch nicht darauf ab, diese eher unterfordernde Geschichte möglichst reißerisch zu artikulieren, damit alle Klischees und Stereotypen auch wie auf dem Silbertablett bedient werden. Vielmehr erweist sich das Drehbuch als selbstsichere Menage aus vielerlei Genres: „The Gambler – Ein Spiel. Sein Leben“ ist da dem introspektiven Charakter-Drama ebenso zugeneigt, wie dem schroff-pulpigen Gangster-Thriller. Dass es aufgrund dieser nicht immer ganz runden Konstellation ein eher durchwachsenes Kritiker-Echo zu rezipieren gab, mag nachvollziehbar sein, erweckt aber auch wiederholt den Eindruck feuilletonistischer Verbissenheit.


 
Jim vor seinen Studenten. Ob die wohl Geld haben?
The Gambler – Ein Spiel. Sein Leben“ ist keinesfalls DIE filmische Vollendung des neuen Jahrtausends, ist aber mindestens so gut, dass man ihn nicht nach einer Woche schon wieder aus dem Gedächtnis gestrichen hat. Die Nachwirkung gebiert aus dem Auftreten seiner Superstars Mark Wahlberg. Sonst eher den Rollentypus des kernig-tumben Proleten bedienend, rudert Wahlberg als Jim Bennett auffallend zurück und weidet sich nicht am Machismo, sondern an der puren Selbstzerstörung. Keine Übertreibung ist es, wenn man diese Performance die wohl stärkste seiner Karriere tituliert – Direkt nach Dirk Diggler in Paul Thomas Andersons „Boogie Nights“, versteht sich. Mark Wahlberg gelingt es in beachtlicher Fasson, die intrinsische Gleichgültigkeit seines Charakters zur Geltung zu bringen. Versteckt hinter einer schwarzen Sonnenbrille, ist Jim Bennett tagsüber Literaturprofessor, um sich des nachts die Stunden an den Spieltischen um die Ohren zu schlagen. Das Klappern der Kugel, die über das Rouletterad rauscht, wird für Bennett zur Symphonie von Sonnenauf- sowie Sonnenuntergang.


Und da kommt „The Gambler – Ein Spiel. Sein Leben“ auch einem warnenden Fanal gleich, welches sich nicht nur auf die Sucht seiner Hauptfigur bezieht, die weiß wie es ist, wenn man gewinnt, aber noch besser weiß, wie es ist, wenn man alles auf die falsche Karte setzt, sondern auch das Umfeld der sinisteren Untergrundmilieus ebenso im schwarzen Dunst der Selbstverachtung hinausträgt: Das Glück ist eine Hure, die die einmal Befriedigung schenkt und dann gänzlich aus deinem Leben verschwindet. Wenn „The Gambler – Ein Spiel. Sein Leben“ die vom immer brillanten Fleischberg John Goodman vorgetragene Fuck-You-Philosophie auf sein gesamtes Gebaren projiziert, stellt sich eine weitere, ungemein reflektorische Frage: Aus welcher Motivation heraus ist man in der Lage, nach einer solchen Maxime zu verfahren: Mut oder Wut? Dass der Ausgang wohl absehbar um die Ecke geschlichen kommt, ist zwar ein Wermutstropfen, der sich bemerkbar macht, dem stimmungsvollen Film aber in seiner stilvollen Suggestion keinen sonderlichen Abbruch tut. Schließlich gibt es da einen Mark Wahlberg, der wirklich, wirklich gut veranschaulicht, wie sehr ihm doch die Absenz eines Selbstwertgefühls steht.


7 von 10 Tritten in die Magengrube


von souli

Review: THE PURGE 2 - ANARCHY – Werden Sie ein besserer Bürger!

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Fakten:
The Purge 2: Anarchy (The Purge: Anarchy)
USA. 2014. Regie und Buch: James DeMonaco. Mit: Frank Grillo, Carmen Ejogo, Michael K. Williams, Zach Gilford, Kiele Sanchez, Jack Conley, Nicholas Gonzalez, Edwin Hodge, Zoe Soul, Brandon Keener, John Beasley, Amy Paffrath, Lakeith Lee Stanfield u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 11. Dezember2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Es ist mal wieder Purge-Night, die Nacht im Jahr, in der für 12 Stunden alle Verbrechen legal sind. Für die einen ein guter Grund bewaffnet durch die Straßen zu wandern und Opfer zu suchen. Für andere wiederum eine erbarmungslose Nacht, bei der es nur ein Ziel gibt: Überleben.





Meinung:
Nachdem James DeMonaco mit seinem Home-Invasion-Thriller „The Purge – Die Säuberung“ einen doch recht ansehnlichen Erfolg feiern konnte (der Film spülte fast das Dreißigfache seines 3 Millionen Dollar Budgets in die Kassen), war es, wie es der Trend nun einmal verlangt, nur eine Frage der Zeit, bis sich eine Fortsetzung in den Kinos breitmachen durfte. Dass „The Purge – Die Säuberung“ aber alles andere als ein guter Film war, lässt sich mit Leichtigkeit attestieren, ging dem Drehbuch, dessen Prämisse natürlich Humbug der Extraklasse ist, jede Gesellschaftskritik mit satirischem Einschlag daran verloren, dass sich die Produktion ihrer schieren Blödheit nicht bewusst gewesen war und mit befremdlicher Ernsthaftigkeit sein „12-Stunden-Gesetzlosigkeit“-Dekret (an dem jedes hierarchische System in Windeseile komplett zerbrechen würde!) auf engem Raum feierte. Eine solche Grundlage funktioniert nicht in dieser (pseudo-)kritischen Kontextualisierung, dafür aber wohl als Plattform für exploitativen Nonsens. Aber hat DeMonaco aus seinen Fehlern gelernt?


Speed Dating in der Purge-Nacht ist eine miese Idee
Man ist geneigt diese Frage zu verneinen: Auch „The Purge 2 – Anarchy“ projiziert seine gesellschaftskritische Botschaft in einem Radius, den in dieser marktschreierischen Plakative auch Uwe Boll mit verschiedenen Werken abdeckt, mit dem Unterschied, dass Boll darüber hinaus eine viel verwerfliche Tonalität pflegt, stärkere handwerkliche Defizite aufweist und seinen Streifen immerzu eine von sinnstiftender Relevanz gezeichnete Tiefsinnigkeit anhefte. „The Purge 2 – Anarchy“ hingegen ist wiederum nur doof, aber nicht wirklich ärgerlich, gerade weil ein Großteils des Films mit Action-Sequenzen aufwartet, die zwar nie sonderlich innovativ in Szene gesetzt wurden und einen gewissen Retorten-Charakter besitzen, für das grenzdebilen Säuberungsgesetz der „neuen Gründerväter“ aber einen in ihrer linearen Härte solide visualisierten Ausdruck bedeuten. Zum reinrassigen Exploiter will sich „The Purge 2 – Anarchy“ aber (leider) nicht herunterbrechen lassen, dabei hätte eine simple Genre-Reduktion, klar auf die Ausmaße des urbanen Schrecken fokussiert, sicher eine größere, in ihrem Zynismus gleichwohl unterhaltsamere Wirkung gehabt.


Gleich geht's los, gleich geht's los
„The Purge 2 – Anarchy“ will nicht einfach nur auf gesellschaftliche Misstöne aufmerksam machen – Subtilität war ja schon für Teil 1 ein nicht zu dechiffrierendes Fremdwort – er reibt dem Zuschauer die Brennpunkte so richtig penetrant unter die Nase: Die Arbeitslosigkeit (die doch eh schon einem utopischen Gedanken gleich auf das Minimum geschrumpft ist, also warum weiter purgen? Oder ist „The Purge 2 – Anarchy“ gar eine Parabel auf den menschlichen Drang nach dem Erreichen eines abstrusen Perfektionismus?), wie die harsche Kluft zwischen Arm und Reich, werden dem gutsituierten Bevölkerungsteil doch freiwillige Opfer Freihaus geschickt, natürlich nur gegen eine üppige Entlohnung für die Familien – Wenn es denn noch eine geben sollte nach den zwölf Stunden. Über die Ansätze dieser Schlagwort-Problematiken kommt das Drehbuch selbstredend nicht hinaus, genau wie die Figuren (ein zankendes Paar, ein Vater auf Rachefeldzug und ein Mutter-Tochter-Doppel) absolute Stereotypen sind, denen weder „The Purge 2 – Anarchy“ noch der Zuschauer irgendwie Interesse entgegenbringen kann.


In dem von einer ungemein transparenten Dramaturgie signierten Handlungsgeflecht darf sich nun auch eine in schierer Lächerlichkeit ihrer Ambitionen kulminierende Rebellenorigination (ihr Anführer wird gespielt von Michael K. Williams) die Ehre geben, die das Gesetz in die Knie zwingen wollen, in dem sie die passionierten Purger, äh...purgen. Joa. Und das ist auch der Lösungsansatz der gesamten Bredouille, an den sich „The Purge 2 – Anarchy“ hängt, während ein grässliches Gelächter durch die Häuserschluchten schallt, lange Schatten auf dem kalten Asphalt klatschen und die anarchische Gewalt orgiastisch (und ebenso unreflektiert, wie alles eben) zelebriert wird, bis der generische, mechanisch-plärrende Score das Geschehen alles platt gewalzt hat und pathetische Töne aufgegriffen werden. Die Sadisten, die Patrioten, die Fundamentalisten und die Anti-Bewegung dürfen die Macheten und die Gewehre wieder im Schrank versperren und dem Job im Supermarkt, im Büro oder im Discounter nachgehen, vielleicht auch als neuer Geschäftsführer. Bis die Sirene erneut ertönt...Ächz.


4 von 10 maskierten Schreihälsen


von souli

Review: ROBOCOP - Unentschlossenheit mit Robo-Montur

1 Kommentar:


Fakten:
RoboCop
USA. 2013. Regie: José Padilha. Buch: Joshua Zetumer, Nick Schenk, James Vanderbilt. Mit: Joel Kinnaman, Gary Oldman, Abbie Cornish, Michael Keaton, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jaime Garcia, Jackie Earle Haley, Samuel L. Jackson, Jay Baruchel, Zach Grenier, Douglas Urbanski, Marianne Jean-Baptiste u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 6. Juni 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Detroit, 2028: Cop Alex Murphy wird Opfer eines Sprengstoffattentats. Um sein Leben zu retten, gestattet seine Frau dem Konzern OmniCorp aus ihm eine Hybrid aus Roboter und Menschen zu machen. Als RoboCop soll Alex für Gerechtigkeit sorgen, doch OmniCorp spielt ein falsches Spiel und sie sind nicht die Einzigen.





Meinung:
Die Sinnhaftigkeit eines Remakes ist ja immer so eine Sache. Ist es eine bloße Kopie, oder wird versucht die Story mit neuen Facetten und Ansichten zu bereichern, so dass am Ende ein Werk dabei herauskommt, welches eine bekannte Geschichte in einem anderen Licht erstrahlen lässt? Im Falle des vorab massiv verteufelten Remakes von Paul Verhoevens Sci-Fi-Satire „RoboCop“ aus dem Jahre 1987, wurde versucht mehr zu tun, als die Bekanntheiten des Originals zu übernehmen. Tatsächlich erweist sich der neue „RoboCop“ als ambitioniert. Ambitioniert in zwei Richtungen. Zum einen versucht der südamerikanische Regisseur José Padilha einen gegenwärtigen Kommentar mit seinem Hollywood-Debüt abzugeben (u.a. zur Drohnenpolitik des Militärs), zum anderen bewegt sich das Remake so freudlos und ohne Kraft in Richtung eines sinnfreien Blockbusters, dass sich beide Faktoren regelrecht aufhebeln. Am Ende ist der neue „RoboCop“ weder eine clevere Neuinterpretation, noch ein durchgehend knalliges Actionvehikel. Er ist ein regelrechter Zwitter, gefangen im Irrglauben es jedem recht zu machen. Einfach ein unentschlossener Film.


RiB - RoboCop in Black
José Padilha ist eigentlich ein mehr als fähiger Regisseur. Seine beiden „Tropa de Elite“-Filme kombinierten gekonnt Adrenalinkino mit politischen und gesellschaftlichen Kommentar, also eigentlich genau der richtige Mann für ein Remake von „RoboCop“. Es gibt diverse Szenen und Situationen, da blitzt es auf: Padilhas Gespür für intelligente Spannung, eingepfercht im urbanen Hexenkessel der Straßen. Gleich zu Beginn, wenn ein Kamerateam Robotersoldaten bei der Arbeit in Teheran begleitet, gelingen ihm die wohl besten Bilder seines Films, weil dort die extremsten Variationen der menschlichen Gefühle (Hass und Furcht) dafür sorgen, dass ein angeblich harmloser Roboter-Einsatz in einem Massaker endet. Solche Momente finden sich immer wieder in „RoboCop“, aber sie haben nur keinen Nachhall. Padilha, der angeblich die eine oder andere Schwierigkeit mit den Remake-Projekt sowie dem Script und den Produzenten hatte, fehlt es am nötigen, durchhaltenden Biss. Ob dieser ihm von Studio untersagt oder evtl. beim Schnitt genommen wurde bleibt eine Frage, die fürs erste unbeantwortet bleibt. Abseits davon bedient das Remake gängige CGI-Schemata, kommt dabei allerdings überraschend steif und gedrosselt daher. Die wenigen Actionsequenzen sind nicht mehr als sterile Stangenware ohne Kraft. Damit ist aber nicht der drastisch zurückgenommene Gewaltgrad gemeint. Auch wenn hier das Blut gespritzt hätte, wie bei Verhoevens Original, so hätte dies wahrscheinlich nichts daran geändert, dass der Actionanteil des neuen „RoboCop“ einfach nur beliebig ist. Oder anders gesagt: alles schon mal gesehen, besser wie schlechter.


"Willkommen bei McDonald, ihre Bestellung bitte."
Was der neue „RoboCop“ seinem Vorgänger voraus hat, ist ein Ensemble, welches sich wirklich sehen lassen kann. Dennoch, die meisten Figuren sind Abziehbilder ohne wirklichen Stellenwert. Gary Oldman als gute Doktor und Erkläronkel gibt sich dabei am wenigsten die Blöße. Aber egal ob der gute Arzt, RoboCop persönlich oder andere, bei den Charakteren zieht sich der Trend des Films fort, dass alles zu glatt, zu klinisch steril anfühlt. Warum z.B. wurde aus RoboCops Partner (bei Verhoeven eine schlagfertige Polizistin) ein männlicher Cop mit dem Wiedererkennungswert eines Gullideckels? Wieso gelingt es dem Film nicht einen überzeugenden Antagonisten zu generieren? Ach, das Remake lässt so viele Qualitätsfragen offen. Am größten blinkt das Fragezeichen wohl über der Tatsache, dass der Showdown fast schon einer Lappalie gleicht. Nach knapp zwei Stunden endet „RoboCop“ nicht mit einem Knall, sondern mit einem kleinen „Päng!“. Das ist nicht nur traurig, das kratzt fast schon am Lächerlichen. Progression geht wahrlich anders. Immerhin wurde versucht die Welt, in der sich dies alles abspielt authentisch zu gestalten. Doch auch hier fehlt das letzte Feinschliff. Samuel L. Jackson als konservativer Polit-Talker und Meinungsmacher verleiht „RoboCop“ zwar einen Stoß in die richtige Richtung, abseits von Jacksons Auftritten, wird aber wenig getan, um die dargestellte Zukunft wirklich zu poträtieren.


Das Remake von „RoboCop“ hinterlässt das  ungute Gefühl, dass hier mehr ein Studio Regie geführt hat, welches die breite Masse ansprechen und so mit einem alten Franchise noch einmal etwas verdien will, als ein fähiger und engagierter Regisseur. Dennoch, eine Totalkatastrophe ist der „RoboCop“ des neuen Jahrtausends nicht, da hat es der andere große Verhoeven Sci-Fi-Film „Total Recall“ mit seinem Remake weitaus schlimmer getroffen. Auch wenn dies ein schwacher Trost ist für Fans des 1980er-Blechmanns sowie für die Anhänger von José Padilha.


4 von 10 roten Armbändern