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Review: CRIMINAL ACTIVITIES – Mehr als Genregenerik?

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Fakten:
Criminal Activities
US. 2015. Regie: Jackie Earle Haley. Buch: Robert Lowell. Mit: John Travolta, Michael Pitt, Dan Stevens, Edi Gathegi, Rob Brown u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Vier junge Kerle begegnen sich bei der Beerdigung eines ehemaligen Klassenkameraden wieder. Sie kommen ins Gespräch über ein angeblich todsicheres Geschäft, doch die Sache geht schief und ihr sämtliches Geld ist weg. Doch damit nicht genug: Einer von ihnen hat sich sein Investment von einem Gangsterboss geliehen.




Meinung:
Es stimmt schon im Voraus fraglich, wenn ein Schauspieler bekanntgibt, dass er sich künftig auch als Regisseur probieren will. Neben einigen geglückten Talenten schwimmen die meisten dieser Versuche jedoch in einer Welle der Belanglosigkeit und sind schnell wieder vergessen. Jackie Earle Haley sollte vielen optisch aus zahlreichen Nebenrollen bekannt sein und auch in seinem eigenen Regiedebüt hat er einen Auftritt.


Vier Freunde?
Von manchen wurde „Criminal Activities“ schon im Vorfeld als eine Mischung aus Tarantino, Ritchie und Vaughn tituliert und natürlich – man kann es sich bereits denken – sind diese Vergleiche mehr als nur weit hergeholt. Ginge man so weit, dann könnte man jeden 08/15-Krimi mit humoristischen Einschüben in diese Schublade stecken und noch dazu den Stempel Kultfilm aufdrücken. Glücklicherweise ist das noch nicht der Fall, nach dem Film von Jackie Earle Haley wird in 5 Jahren kein Hahn mehr krähen und ikonisch oder gar kultig ist daran nichts. Mit einem flachen Spannungsbogen versehen arbeitet sich der Film durch ein Potpourri aus altbekannten Tropen und Genreklischees, lässt Eigenständigkeit sowie kreative Einfälle vermissen und bemüht sich darüber hinaus vergebens seinen eintönigen Figuren interessante Facetten zu geben. Was handwerklich durchaus ordentlich eingefangen wurde ist eine durchgehend uninteressante Geschichte, ganz einfach deswegen, weil man mit keinem der Figuren auch nur ansatzweiße mitfühlen kann. Sie bleiben klischeehafte Abziehbilder. Und warum es der Film ins Kino geschafft hat bleibt ein Rätsel, selbst seine Bilder lassen Schauwerte vermissen, denn letztlich fühlt er sich nach einer klassischen Direct-to-DVD Veröffentlichung an.


Gutes, altes Klebeband
Eine der eher rar gesäten Stärken von „Criminal Activities“ ist jedoch sein Cast oder vielmehr die Art und Weiße wie er seine Figuren besetzt hat. Der prominenteste Name darunter ist zweifelsohne John Travolta, auch wenn man von ihm in den letzten Jahren eher wenig gesehen hat. An ihm lässt sich das Konzept des Films aber auch am besten erkennen, denn die Rolle als Mafiaboss steht doch im stärkeren Kontrast zu seinem üblichen Charaktertyp. Auch bei anderen Figuren lassen sich solche Tendenzen erkennen und das sorgt dafür, dass obgleich die einzelnen Performances sicher nicht preisverdächtig sind, dennoch ein Hauch von Abwechslung und Andersartigkeit in die Produktion gebracht wird. Das lässt den recht generischen Plot rund um die mehr oder weniger unfreiwilligen Entführer zumindest ein Fünkchen interessanter erstrahlen, auch wenn es noch deutlich schöner gewesen wäre, die Schauspieler in nicht ganz so austauschbare Figuren zu stecken. Und war „Criminal Activities“ bis kurz vor Ende schon kein sonderlich erwähnenswerter Film, so sticht zumindest der Schlussakkord heraus – leider jedoch aus negativer Sicht. Der darin präsentierte Twist kommt aus dem Nichts, kippt die Handlung unnötigerweise um 180 Grad und sorgt in seiner selbstgefälligen Art für entnervtes Zähneknirschen.


Auch wenn es durchaus sympathisch anmutet John Travolta erneut auf der großen Leinwand zu sehen, so ist „Criminal Activities“ nüchtern betrachtet sicherlich nicht mehr als durchschnittliche Genrekost. Handwerklich solide inszeniert scheitert Jackie Earle Haleys Film an seiner austauschbaren Geschichte, den blassen Figuren und zu guter Letzt auch an seinem katastrophalen Twist, der nicht nur auf billigste Weiße vorgetragen wird, sondern auch eine ziemlich bedenkliche Botschaft transportiert.


4 von 10 hanebüchenen Twists 

Review: LONDON HAS FALLEN - Ein Actionfilm für Donald Trump

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Fakten:
London Has Fallen
USA. 2015.
Regie: Babak Najafi. Buch: Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt, Chad St. Joh, Christian Gudegast. Mit: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Charlotte Riley, Alon Moni Aboutboul, Angela Bassett, Melissa Leo, Radha Mitchell, Jackie Earle Haley, Robert Forster, Colin Salmon, Sean O’Bryan, Waleed F. Zuaiter u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach dem plötzlichen Tod des britischen Premierministers finden sich die Staatsoberhäupter der westlichen Welt in London ein, um der Beerdigung beizuwohnen. Dazu zählt auch Benjamin Asher, Präsident der Vereinigten Staaten. Doch an trauern ist nicht mehr zu denken, als Terroristen die englische Metropole mit taktischen wie überaus zerstörerischen Angriffen überziehen und dabei bis auf Asher auch sämtlichen Politiker des Auslands ermorden. Asher kann dank der Hilfe seines Bodyguards Mike Banning entkommen. Gemeinsam fliehen sie in den Untergrund und versuchen irgendwie zu überleben, denn in der jetzigen Situation können sie niemanden wirklich trauen.




Meinung:
Er kam quasi aus dem Nichts, dieser Actionfilm mit dem Titel „Olympus Has Fallen“ aus dem Jahre 2013 und trotz dessen gelang es ihm an der Kinokasse ordentlich einzuschlagen und sogar de storytechnisch ähnlich gelagerten „White House Down“ von Roland Emmerich in Sachen Einspielergebnis zu toppen. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis Gerard Butler als Präsidenten-Beschützer Mike Banning zurück auf die Leinwand kommt, um erneut seinen Schützling vor terroristischen Abgriffen zu schützen. Diesmal geht dabei aber nicht bloß das Weße Haus zu Bruch, sondern halb London sowie die mächtigsten Politiker der Welt –natürlich abgesehen vom Präsidenten.


Damit das klar ist: Wenn Banning Leute foltert ist das absolut okay!
Dass Banning erneut zur scheinbar einzigen Lebensversicherung des mächtigsten Mannes der Welt wird, liegt an einem groß angelegten Plan von Terroristen, die eine Trauerfeier in London nutzen, um kompromisslos deutlich zu machen, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Der Initiator des Terror-Großangriffs ist dabei der Waffenhändler Barkawi. Hier gelingt dem Film zu Beginn eine kleine Überraschung, denn statt Barkawis Gründe für seine bestialischen Pläne mit simplen Gut-Böse-Mentalitäten abzuhaken, erzählt „London Has Fallen“ wie ein militärischer Drohnenangriff der Großmächte dazu führte, dass ein Großteil von Barkawis Familie – und mit ihnen dutzende von Unschuldige – den Tod fanden. Dessen großspurige Rache ist also nicht mehr als eine Reaktion. All das, was danach folgt entspringt dem politischen wie militärischem Kalkül der großen Nationen. Daraus lässt sich nicht bloß dramaturgisch einiges machen. Doch obwohl sich „London Has Fallen“ diese große Chance aufbaut, die vollgestopft ist mit Ambivalenzen, nutzt sie der Film nicht. Als gäbe es die ersten Minuten nicht, wandelt der Actioner lieber brav auf einfachen Wegen: Die sind böse, wir gut.


2 der 3 Darsteller auf diesem Bild werden verheizt
Aber diese krude und faule Mentalität ist bei weitem nicht das Übelste, was „London Has Fallen“ seinem Publikum auftischt. Wie beim Vorgänger von Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“) wird auch hier alles, was nicht amerikanisch ist, entweder als gefährlich, urchtrieben oder schlicht und ergreifend inkompetent dargestellt. Das gipfelt dann sogar in Szenen, in denen andere Führer großer Nationen zuerst mit allerlei Klischeegesuppe vorgestellt werden, nur um sie dann meist explosiv über die Klinge zu schicken. sogar unsere Bundeskanzlerin erhält ein nicht unbedingt gut getroffenes Doubles, welches von einer Darstellerin namens Nancy Baldwin gespielt wird. Was noch um einiges schmachvoller ist, ist jedoch wie dreist „London Has Fallen“ moralisch zu Werke geht. Wenn die Terroristen töten, wird dies immer als grausam und menschenverachtend dargestellt (was es ja auch ist), aber wenn der Held des Films, Mike Banning, auf teils rabiateste und widerlichste Weise seine Gegner foltert und exekutiert, zelebriert „London Has Fallen“ dies mit einer solch denkwidrigen moralischen Blauäugigkeit, dass es mental schmerzt. „London Has Fallen“ ist zweifelsohne die perfekte Masturbationsvorlage für Leute wie Donald Trump.


Juhu, der Schulausflug fällt aus
Auch abseits davon gelingt es dem Sequel nicht zu überzeugen. Gerard Butler spielt den Helden auf Autopilot und Morgan Freeman hockt die meiste Zeit regungslos auf seinem Sessel und starrt mit anderen, teils hochklassigen, Darstellern diverse Bildschirme an und darf typische Gesten und Sätze („Oh my god“) von sich geben. Aber gut, sein wir ehrlich, es geht eigentlich doch um die Action. Die empfanden viele Zuschauer ja bereits beim ersten Teil als hervorragend und ja, auch wenn „Olympus Has Fallen“ alles andere als ein guter Film war, so waren seine Actionszenen doch zumindest ausgestattet mit drängender Kinetik und Energie. Bei „London Has Fallen“ wurde nun zwar die Masse an Explosionen erhöht, nur wirklich durchschlagend sind diese selten, was schlicht und ergreifend daran liegt, dass die Spezialeffekte des Sequels noch einmal wesentlich schlechter aussehen als wie eim Vorgänger. Es gibt heutzutage Direct-To-DVD-Actionfilme, die es verstehen, ihre CGI-Actionszenen besser und authentischer aussehen zu lassen, als „London Has Fallen“.


Banning und der Präsident im Londoner Untergrund
Inszeniert hat das Sequel der gebürtige Iraner Babak Najafi, der als Kind mit seiner Familie nach Schweden auswanderte und sich dort als Autor und Regisseur einen Namen machte. Leider wird „London Has Fallen“ dieser Vorab-Reputation nicht würdig, dabei bewies Najafi alleine durch seine Arbeit bei der wunderbaren wie knallharten Actionserie „Banshee- Small Town, big Secrets“ bereits, dass er in der Lage ist heftige Action, Mann gegen Mann, effektiv und einprägsam zu inszenieren. Allerdings besitzt „Banshee“ etwas was „London Has Fallen“ fehlt: den Mut sich einzugestehen, was es ist. „London Has Fallen“ ist nicht mehr als eine Fließbandproduktionen, möchte aber gerne bei den großen Genre-Vertretern mitspielen. So wird z.B. versucht Held Mike Banning auch außerhalb seines Job zu charakterisieren, doch das Ergebnis ist nicht nur billig, sondern schlicht und ergreifend ausdruckslos, weil dem Publikum auch hier nur wieder alte Kamellen aufgetischt werden und diese werden dazu noch nicht einmal neu drapiert oder verpackt.


Es gibt also wirklich nicht viel zu loben bei „London Has Fallen“, außer vielleicht Kameramann Ed Wild. Der Brite versucht zumindest mit seiner Linse hin und wieder ein paar neue und frische Perspektiven einzufangen. Doch das geht im stumpfen wie überheblichen Actiongewitter sang- und klanglos unter und hätte vermutlich auch nicht wirklich weitergeholfen, denn „London Has Fallen“ wäre wohl ein ziemlich verachtenswertes Stück Film geblieben.



1,5 von 10 Fuck Yous

Review: MANIAC COP 2 & 3 - Das Böse schiebt Doppelschicht

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Fakten:
Maniac Cop 2
USA, 1990. Regie: William Lustig. Buch: Larry Cohen. Mit: Robert Davi, Claudia Christian, Michael Lerner, Bruce Campbell, Laurene Landon, Robert Z´Dar, Clarence Williams III, Leo Rossi, Lou Bonacki, Charles Napier u.a. Länge: 84 Minuten. FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der einst von korrupten Kollegen hinter Gitter gebrachte und dort ermordete Cop Matt Cordell hat seinen Rachefeldzug noch nicht beendet. Noch leben die, die für seinen Tod verantwortlich sind. Natürlich wird seine Existenz weiterhin geleugnet, doch der knorrige Detective McKinney erlebt seine Bluttaten bald mit eigenen Augen. Diesmal mordet Cordell jedoch nicht nur einfach drauflos, er verfolgt einen Plan, in dem auch ein gerade aktiver, noch lebendiger Serienkiller eine Rolle spielt.




Meinung:
Sequels müssen entgegen der Regel nicht schwächer sein als der Vorgänger, manchmal sind sie gar besser. Natürlich kommt es dabei auch auf die Vorlage an und zu „Maniac Cop“ von 1988 gab es reichlich Steigerungspotenzial. Der Erstling macht durch die Retro-Brille heute noch Spaß, ist gleichzeitig unverkennbar trashig und baut auf Story und Spannung, wo er lieber mal Gas geben könnte. „Maniac Cop 2“ macht so gesehen alles richtig. Die Fronten sind geklärt, immer munter drauf los. Klingt stumpf, was in dem Fall nicht einmal ein großes Problem wäre, tatsächlich ist das Sequel vom William Lustig & Larry Cohen in allen Belangen besser als der Ursprungsfilm. 


Gerüstet für die lange Nachtschicht.
Klar, von Bruce Campbell hätte man gerne mehr gesehen (dafür muss man auch die Nervensäge Laurene Landon nicht lange ertragen, da muss man abwägen), gerade das bringt eigentlich erst Schwung in die Sache. Die Helden des Erstlings sind noch dabei, machen dabei Platz für andere Figuren. Und Robert Davi als „Erst schießen, dann Fragen“-Bulle in „Dirty Harry“-Tradition ist ein ebenbürtiger Ersatz, eigentlich endlich ein Gegner auf Augenhöhe für den wütenden Gesetzes-Ignorierer mit Blechmarke und Hackfresse. Das Tempo stimmt, keine Fisimatenten und siehe da, sogar beim Plot lässt man sich was einfallen. Die eigentlich Backround-Story wird konsequenter miteingebunden als noch beim Original, Cordell erscheint nicht mehr nur wie ein Zombie, sondern wie ein Killer mit Plan, was dem Ganzen zusätzliche Würze und ein knackiges, flambiertes Finale in Sing Sing beschert. „Maniac Cop 2“ ist für seine Verhältnisse fast schon ideal. Er wirkt solider inszeniert und erzählt, streicht unfreiwillige Komik praktisch gänzlich von der Tafel und baut die Figur des Matt Cordell konsequent aus, schon bald auf Augenhöhe mit Jason Vorhees. Dazu vernünftige Darsteller, ein stattlicher Action- und Härtegrad und einige sehr gelungene Szenen (die Zerstörung des Polizeireviers erinnert an den ersten „Terminator“). Ein Großstadt-Slasher, der noch nicht zwingend die Generation 16-18 im Auge hat, sondern sich an das Publikum wendet, das ihn damals schon wirklich sehen durfte. Keine Kunst, aber kurzweilige, über-solide Genre-Unterhaltung.

6,5 von 10 Gefängniseinbrüchen



Fakten:
Maniac Cop 3 (Maniac Cop 3: Badge of Silence)
USA, 1993. Regie: William Lustig. Buch: Larry Cohen. Mit: Robert Davi, Robert Z´Dar, Caitlin Dulany, Gretchen Becker, Paul Gleason, Jackie Earle Haley, Julius Harris, Grand Bush, Doug Savant, Robert Forster, Bobby Di Cicco, Frank Pesce u.a. Länge: 85 Minuten. FSK: Keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Durch Voodoo wird Matt Cordell wieder aus seinem Grab erweckt. Zufällig wird gleichzeitig die Polizistin Katie Sullivan niedergeschossen und von den Medien aufgrund ihrer radikalen Vorgehensweise fälschlicherweise an den Pranger gestellt. Hirntod liegt sie im Krankenhaus und zieht Cordell magisch an, in ihr sieht er eine Gleichgesinnte. McKinney, sein Widersacher von einst, ist aber auch vor Ort, schließlich war Sullivan eine gute Freundin. Es kommt, wie es kommen muss, man trifft sich wieder und Leichen pflastern ihren Weg.




Meinung:
Faktisch war die Story abgeschlossen, Matt Cordell hatte seinen Frieden gefunden. Aber wie das mit Untoten so ist, wann ist schon wirklich Schluss? Das Hintertürchen für ein weiteres Sequel wurde sich wohlweislich gelassen und nach dem Erfolg von „Maniac Cop 2“ war es nur logisch, den unzufriedenen Plattfuß wieder auf die Straßen von New York loszulassen. Die Begründung für seine Rückkehr wirkt leider so an den Haaren herbeigezogen wie die Notwendigkeit für einen dritten Teil gezwungen. Zumindest inszenatorisch und an einigen kleinen Idee-Splittern merkt man noch, dass das Franchise nicht einfach an die nächstbesten Pfeifen weitergereicht wurde. Die grobe Handschrift des erprobten Duos Lustig/Cohen ist klar erkennbar, mehr dann auch nicht.


Der lange Arm des Gesetzes gibt Feuer.
Der Tribut an „Frankensteins Braut“ ist nett und der witzige Kurzauftritt von Robert Forster ein absolutes Highlight. Sonst verrottet „Maniac Cop 3“ in seinen Ansätzen bald kläglich. Der Voodoo-Zauberkasten ist albern, die Action gedrosselt und auch der alte Haudegen Robert Davi wirkt nicht drahtiger, eher schnarchiger als noch in Teil 2. Das Krankenhaus-Setting erinnert leicht an „Halloween II – Das Grauen kehrt zurück“, ohne dessen Beklemmung und Bedrohung zu erreichen. Im Finale brutzelt die (un)menschliche Fackel Cordell noch länger vor sich hin als im Vorgänger, es gibt ein paar passable Fragmente, der gesamte Film ist aber völlig unnötig. Statt einem Schritt nach vorne oder zumindest einem Gleichschritt geht es deutlich zurück. Konnte Teil 2 noch die Fehler des Erstlings erfreulich ausbessern, holpert dieser Teil zwischen seinen losen Ansätzen durch die Gegend und lässt unbefriedigt zurück. William Lustig kann durch die brauchbare, engagierte Inszenierung noch halbwegs überzeugen, der Film im Ganzen nicht. Immerhin, konsequenterweise war danach Feierabend. Das Remake ist ja bereits in den Startlöchern, das hat sogar eine Chance. Denn Matt Cordell ist nach wie vor eine Genre-Ikone in Lauerstellung, da geht noch mehr.

4 von 10 illegalen Patronen

Review: ROBOCOP - Unentschlossenheit mit Robo-Montur

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Fakten:
RoboCop
USA. 2013. Regie: José Padilha. Buch: Joshua Zetumer, Nick Schenk, James Vanderbilt. Mit: Joel Kinnaman, Gary Oldman, Abbie Cornish, Michael Keaton, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jaime Garcia, Jackie Earle Haley, Samuel L. Jackson, Jay Baruchel, Zach Grenier, Douglas Urbanski, Marianne Jean-Baptiste u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 6. Juni 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Detroit, 2028: Cop Alex Murphy wird Opfer eines Sprengstoffattentats. Um sein Leben zu retten, gestattet seine Frau dem Konzern OmniCorp aus ihm eine Hybrid aus Roboter und Menschen zu machen. Als RoboCop soll Alex für Gerechtigkeit sorgen, doch OmniCorp spielt ein falsches Spiel und sie sind nicht die Einzigen.





Meinung:
Die Sinnhaftigkeit eines Remakes ist ja immer so eine Sache. Ist es eine bloße Kopie, oder wird versucht die Story mit neuen Facetten und Ansichten zu bereichern, so dass am Ende ein Werk dabei herauskommt, welches eine bekannte Geschichte in einem anderen Licht erstrahlen lässt? Im Falle des vorab massiv verteufelten Remakes von Paul Verhoevens Sci-Fi-Satire „RoboCop“ aus dem Jahre 1987, wurde versucht mehr zu tun, als die Bekanntheiten des Originals zu übernehmen. Tatsächlich erweist sich der neue „RoboCop“ als ambitioniert. Ambitioniert in zwei Richtungen. Zum einen versucht der südamerikanische Regisseur José Padilha einen gegenwärtigen Kommentar mit seinem Hollywood-Debüt abzugeben (u.a. zur Drohnenpolitik des Militärs), zum anderen bewegt sich das Remake so freudlos und ohne Kraft in Richtung eines sinnfreien Blockbusters, dass sich beide Faktoren regelrecht aufhebeln. Am Ende ist der neue „RoboCop“ weder eine clevere Neuinterpretation, noch ein durchgehend knalliges Actionvehikel. Er ist ein regelrechter Zwitter, gefangen im Irrglauben es jedem recht zu machen. Einfach ein unentschlossener Film.


RiB - RoboCop in Black
José Padilha ist eigentlich ein mehr als fähiger Regisseur. Seine beiden „Tropa de Elite“-Filme kombinierten gekonnt Adrenalinkino mit politischen und gesellschaftlichen Kommentar, also eigentlich genau der richtige Mann für ein Remake von „RoboCop“. Es gibt diverse Szenen und Situationen, da blitzt es auf: Padilhas Gespür für intelligente Spannung, eingepfercht im urbanen Hexenkessel der Straßen. Gleich zu Beginn, wenn ein Kamerateam Robotersoldaten bei der Arbeit in Teheran begleitet, gelingen ihm die wohl besten Bilder seines Films, weil dort die extremsten Variationen der menschlichen Gefühle (Hass und Furcht) dafür sorgen, dass ein angeblich harmloser Roboter-Einsatz in einem Massaker endet. Solche Momente finden sich immer wieder in „RoboCop“, aber sie haben nur keinen Nachhall. Padilha, der angeblich die eine oder andere Schwierigkeit mit den Remake-Projekt sowie dem Script und den Produzenten hatte, fehlt es am nötigen, durchhaltenden Biss. Ob dieser ihm von Studio untersagt oder evtl. beim Schnitt genommen wurde bleibt eine Frage, die fürs erste unbeantwortet bleibt. Abseits davon bedient das Remake gängige CGI-Schemata, kommt dabei allerdings überraschend steif und gedrosselt daher. Die wenigen Actionsequenzen sind nicht mehr als sterile Stangenware ohne Kraft. Damit ist aber nicht der drastisch zurückgenommene Gewaltgrad gemeint. Auch wenn hier das Blut gespritzt hätte, wie bei Verhoevens Original, so hätte dies wahrscheinlich nichts daran geändert, dass der Actionanteil des neuen „RoboCop“ einfach nur beliebig ist. Oder anders gesagt: alles schon mal gesehen, besser wie schlechter.


"Willkommen bei McDonald, ihre Bestellung bitte."
Was der neue „RoboCop“ seinem Vorgänger voraus hat, ist ein Ensemble, welches sich wirklich sehen lassen kann. Dennoch, die meisten Figuren sind Abziehbilder ohne wirklichen Stellenwert. Gary Oldman als gute Doktor und Erkläronkel gibt sich dabei am wenigsten die Blöße. Aber egal ob der gute Arzt, RoboCop persönlich oder andere, bei den Charakteren zieht sich der Trend des Films fort, dass alles zu glatt, zu klinisch steril anfühlt. Warum z.B. wurde aus RoboCops Partner (bei Verhoeven eine schlagfertige Polizistin) ein männlicher Cop mit dem Wiedererkennungswert eines Gullideckels? Wieso gelingt es dem Film nicht einen überzeugenden Antagonisten zu generieren? Ach, das Remake lässt so viele Qualitätsfragen offen. Am größten blinkt das Fragezeichen wohl über der Tatsache, dass der Showdown fast schon einer Lappalie gleicht. Nach knapp zwei Stunden endet „RoboCop“ nicht mit einem Knall, sondern mit einem kleinen „Päng!“. Das ist nicht nur traurig, das kratzt fast schon am Lächerlichen. Progression geht wahrlich anders. Immerhin wurde versucht die Welt, in der sich dies alles abspielt authentisch zu gestalten. Doch auch hier fehlt das letzte Feinschliff. Samuel L. Jackson als konservativer Polit-Talker und Meinungsmacher verleiht „RoboCop“ zwar einen Stoß in die richtige Richtung, abseits von Jacksons Auftritten, wird aber wenig getan, um die dargestellte Zukunft wirklich zu poträtieren.


Das Remake von „RoboCop“ hinterlässt das  ungute Gefühl, dass hier mehr ein Studio Regie geführt hat, welches die breite Masse ansprechen und so mit einem alten Franchise noch einmal etwas verdien will, als ein fähiger und engagierter Regisseur. Dennoch, eine Totalkatastrophe ist der „RoboCop“ des neuen Jahrtausends nicht, da hat es der andere große Verhoeven Sci-Fi-Film „Total Recall“ mit seinem Remake weitaus schlimmer getroffen. Auch wenn dies ein schwacher Trost ist für Fans des 1980er-Blechmanns sowie für die Anhänger von José Padilha.


4 von 10 roten Armbändern