Sausage
Party - Es geht um die Wurst (Sausage Party)
US,
2016. Regie: Conrad Vernon, Greg Tiernan. Drehbuch: Seth Rogen, Evan
Goldberg, Kyle Hunter, Ariel Shaffir. Mit: Seth Rogen, Kristen Wiig,
Jonah Hill, Bill Hader, Michael Cera, James Franco, Danny McBride,
Paul Rudd u.a. Länge: 89 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im
Kino.
Story:
In
einem Supermarkt hoffen die Lebensmittel sehnlichst darauf, von
Menschen eingekauft zu werden. Für sie sind Menschen gottgleiche
Wesen, die sie mit ihrem Einkauf in eine Art Paradies befördern. Vor
allem das Würstchen Frank kann es kaum erwarten, aus der Packung
genommen und endlich mit seinem heißgeliebten Brötchen Brenda
vereint zu werden. Als ein Senfglas nach dem Kauf wieder umgetauscht
wird, berichtet es allerdings grauenvolle Details von der anderen
Seite. Die Lebensmittel werden mitunter misstrauisch und wollen
herausfinden, was außerhalb des Supermarkts mit ihnen geschieht...
Meinung:
Vielleicht
war der Wechsel hin zum Animationsfilm der einzig konsequente Schritt
für Evan Goldberg und Seth Rogen. Nachdem das Comedy-Duo
mittlerweile über eine Vielzahl von Filmen wie "Superbad",
"This Is the End" oder "Bad Neighbors" hinweg ihr
typisches Humor-Konzept in Form von vulgären Wortspiele, verkifften
Exzessen, unangenehmer Situationskomik und spaßigen
Popkulturreferenzen ausschöpfte, wurde es so langsam Zeit für einen
Tapetenwechsel. Selbst der Diktator Nordkoreas war vor den beiden
nicht sicher und wurde in "The Interview" zur Zielscheibe,
was vorab eine regelrechte Kontroverse auslöste. Nun hat das Duo den
Horizont gewissermaßen erweitert und eine ungezügelte
Animationskomödie geschaffen, die zum ersten Mal seit "South
Park: Bigger, Longer & Uncut" mit einem R-Rating versehen
wurde.
Was die Lebensmittel da wohl gerade sehen?
Dieses
Rating wird in "Sausage Party" auch prompt bis zur
Schmerzgrenze ausgereizt, wenn dem Zuschauer bereits in den ersten
Minuten nach einer anfangs heiteren Gesangseinlage mehr Schimpfwörter
um die Ohren fliegen als er zählen kann. In der Geschichte des Films
geht es um Lebensmittel in einem Supermarkt, deren größter Traum
darin besteht, von den Menschen, die sie als Götter ansehen,
eingekauft zu werden und dadurch in eine Art Paradies zu gelangen, in
dem sie ein Leben in vollkommener Glückseligkeit erwartet. Als
allerdings so langsam klar wird, was mit den Lebensmitteln alles
passiert, sobald diese in den Haushalt der Menschen gelangen,
entwickelt sich das Schicksal einzelner Charaktere zu einem
knallharten Überlebenskampf, während ein Großteil immer noch am
Glauben an ein höheres Paradies festhält. Überraschenderweise
haben die Autoren in ihrem Werk ein paar Überlegungen zu blindem
Fanatismus, Atheismus und Konflikten zwischen ethnischen Minderheiten
parat, die man ihnen vorab vermutlich gar nicht zugetraut hätte.
"Sausage Party" offenbart in einigen Szenen jedoch durchaus
kritische Momente, in denen unterschiedliche Ansichten und
Konfliktpunkte bezüglich Glaube, Religion oder Sexualität
hinterfragt werden.
Erste Verluste lassen nicht lange auf sich warten
Über
weite Strecken dominiert jedoch der gewohnte Humor des
Goldberg/Rogen-Duos, der sich hier bedauerlicherweise zu sehr abnutzt
und nicht immer richtig in das Korsett einer eher zweitklassig
animierten Komödie passen will. Sexuelle Anspielungen von Würstchen,
die sich gerne ganz tief in den Öffnungen der Brötchen vergraben
wollen, endlose Schimpfwort-Kaskaden oder ein willkürlich
eingestreuter Drogentrip offenbaren wenig, was man mittlerweile nicht
schon zuhauf in den anderen Filmen der Autoren gesehen hat, weshalb
"Sausage Party" zu oft den Eindruck von altem Wein in neuen
Schläuchen erweckt. Die Momente, in denen die absurden Möglichkeiten
des zugrundeliegenden Konzepts auf offensivste Weise ausgetestet
werden, sind aber trotzdem von großartigen Einfällen geprägt. Wie
hier bisweilen Impressionen von Kriegsszenarien reflektiert oder
grausame Todesarten der Lebensmittel auf ebenso bizarre wie
intelligente Weise realisiert werden, lässt erahnen, was für ein
gewaltiges Potential in diesem Werk schlummert. Ausgeschöpft wird es
von den Verantwortlichen allerdings nur in vereinzelten Szenen,
zwischen denen sich immer wieder humoristischer Stillstand bemerkbar
macht, bei dem der Eindruck entsteht, die Idee für einen grandiosen
Kurzfilm musste irgendwie zu einem Langfilm gestreckt werden.
Zur
Höchstform läuft "Sausage Party" dann aber im großen
Finale auf, in dem sich der Streifen schließlich in einen
gigantischen Exzess verwandelt, welcher die ansonsten eher
gemütlichen Sehgewohnheiten des Genres endgültig zerschmettert. Nur
alleine für diesen Schlussakt, bei dem die Reaktionen zwischen
schrillen Lachkrämpfen, peinlich berührter Befremdlichkeit und
ungläubigem Entsetzen pendeln dürften, lohnt sich die Sichtung
dieses Animationsfilms, in dem sich ansonsten wirklich unterhaltsame
Einzelmomente mit redundanten Gags und einer Geschichte abwechseln,
in der durchaus nachdenkliche, tiefgründige Ansätze auf platten
Leerlauf treffen.
Fakten: Hail, Caesar!
USA. 2016. Regie und Buch: Joel und Ethan Coen. Mit: Josh Brolin, George
Clooney, Alden Ehrenreich, Tilda Swinton, Scarlett Johansson, Max Baker,
Channing Tatum, Heather Goldenhersh, Ian Blackman, Ralph Fiennes, Jonah Hill,
Fisher Stevens, David Krumholtz, Frances McDermand, Christopher Lambert, Jack
Huston, Tom Musgrave, Veronica Osorio, Patrick Fischler, Clancy Brown, Michael
Gambon u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab
18. Februar 2016 im Kino.
Story: Im Mittelpunkt der Story steht ein sogenannter "Fixer", der sich
im Hollywood der 1950er Jahre für Filmstudios um die Imageprobleme ihrer Stars
kümmert. Er sorgt dafür, dass aufkeimende Skandale mit allen Mitteln vertuscht
und ähnlich Probleme diskret gelöst werden.
Meinung: Mit „Hail, Caesar!“
bringen uns die oscargekrönten Regiebrüder Joel und Ethan Coen zurück zu der
goldenen Ära des Studiosystems von Hollywood, also die 50er Jahre des
vergangenen Jahrhunderts, als Schauspieler noch bei Studios unter Vertrag
standen und von diesem System bis ins kleinste Detail, sei es bei der
Entscheidung der Rollen oder die Auswahl eines Lebenspartners, gesteuert
wurden. Es ist die Heimat von Eddie Mannix (wie immer ganz wundervoll: Josh
Brolin), der sich für die fiktiven Capitol Films um seine Schäfchen kümmert.
Das alles inszenieren die Coens als wunderbare Geschichte, die angetrieben wird
von Bewunderung und Spott. Zum einen huldigen sie der damaligen Zeit, ihrer
Professionalität, künstlerischen Akribie und Strebsamkeit, zum anderen lassen
sie auch immer einen ironischen Ton walten. Das was „Hail, Caesar!“ dabei so
überzeugend macht, ist dass er diese
beiden Elemente nicht voneinander trennt, sondern immer miteinander vermengt.
Kennt sich aus in Hollywood: Eddie Mannix
Doch „Hail, Caesar!“ reicht es nicht aus das System oberflächlich zu
karikieren. Auch die gesellschaftliche und vor allem politische Dimension
spielt eine entscheidende Rolle. Wenn George Clooney, der hier wie immer bei
den Coen Brüdern sich eigenes Image mit Wonne und Esprit verballhornt, von
einer Gruppe Kommunisten entführt wird, dann wird klar, dass „Hail, Caesar!“
sich auch vor allem darüber amüsiert, wie sehr sich Hollywood damals bemühte,
in den Zeiten als ein dritter Weltkrieg unvermeidbar schien, sein Publikum in
andere, perfekte Welten zu entführen und dies nicht bloß auf der Leinwand,
sondern auch abseits davon. Etwa wenn man versucht die Stars als universelle
Saubermänner darzustellen. Das alleine
bietet eine Menge komödiantisches Potenzial und natürlich betreiben die Coens
dieses Spiel mit einer großen Dosis Absurdität, wie natürlich auch immer wieder
ganz plötzlich in Erscheinung tritt und doch immer auch zum damaligen Weltbild
passt. Seien es zwei Zwillingsschwestern, die als Boulevard-Kolumnistin
versuchen wollen Götter des Kinos zu erschaffen, um sie dann wieder zu
zerstören, oder aber Starlets, die ohne Trauschein schwanger sind und nun vom
Studio dazu angehalten werden, ihr eigenes Kind zu adoptieren.
Ein Star und sein Chef bei der Aussprache
Der genutzte Humor pendelt dabei stets von offensiv zu subtil. „Hail, Caesar!“
mag nicht die Komödie sein, in der man im Minutentakt die großen Lacher
serviert bekommt, aber die perfektionistische Kopie der goldenen Ära Hollywood
ist dennoch stets amüsant, weil sie stets durchdrungen ist von einer
Künstlichkeit, die längst die Realität verdrängt hat. Selbst die Bedrohungen
von außerhalb wirken herrlich überzogen und teilweise schon äußerst clownesk. Und
dennoch lädt „Hail, Caesar!“ mehr als nur einmal zum ehrfürchtigen Staunen ein.
Wenn die Coen Brüder mit höchster Konzentration damalig beliebte Genre wie
Tanz- oder Synchronschwimmfilme reproduzieren glänz die Leinwand. Mit
erstaunlicher Liebe zum Detail und einer inszenatorischen Perfektion die Demut
erzeugt, schubsen die ihr Publikum für drei, vier Minuten in diese Welt der
Formen und Farben. Natürlich wird das alles kurze Zeit später wieder ironisch
durchdrungen und hinterfragt, das ändert aber nichts daran, dass die
Matrosentanzszene mit Channing Tatum oder Wasserballett mit Scarlett Johansson
schlicht und ergreifend ganz großes Kinos ist.
Hobie Doyle, der heimliche Star des Films
„Hail, Caesar!“ selbst ist hingegen nicht wirklich großes Kinos. Dafür hat der
Film hier und da schon ein paar Hänger zu viel und verliert sich gerne auch
einmal in Nichtigkeiten. Dennoch weiß die Komödie zu überzeugen und dass nicht
nur wegen ihrer formidablen Besetzung, bei der man allerdings erwähnen sollte,
dass die meisten Superstars nur in kurzen Nebenrollen auftreten. Der wahre Star
des Films ist sowieso Alden Ehrenreich als Cowboy-Darsteller Hobie Doyle. Eine
Figur die schon ein wenig zu sehr als Comic Relief aufgebaut wird, die
letztlich aber dann doch vielleicht die ehrlichste und aufrichtigste ist, die
„Hail, Caesar!“ zu bieten hat. In ein paar Jahren wird man sich gewiss nur an manche
Szenen des Films erinnern und es werden die mit Hobie Doyle sein, von denen man
sagen wird, dass sie wohl das Beste am ganzen „Hail, Caesar!“ waren. Wobei die
Coens – ganz nach ihrer Art – natürlich wieder Unmengen von kleinen Späßen
eingebaut haben, die sich vermutlich erst nach einer weiteren Sichtung
offenbaren.
Für alle die, die einen neuen „The Big Lebowski“ erwarten sei gesagt, dass sich
„Hail, Caesar!“ nicht an diesem messen lassen kann. Es sind dafür einfach zu
verschiedene Welten und Ansätze, die die Coens hier verfolgen. Aber
selbstverständlich bietet auch dieser Film der legendären und kultig verehrten
Regiebrüder durchdachte, vielschichtige und überaus gelungene Unterhaltung, die
einen wunderbaren Schlusspunkt findet: Am Ende steht Eddie Mannix nämlich vor
der Wahl was das richtige ist: Die Traumfabrik oder eine Todesmaschinerie zu
unterstützen. Seine Entscheidung erweist dabei als wohl beste, ehrvollste aber
auch durchdachteste Huldigung des Kinos seit langem.
USA, 2007. Regie: Greg Mottola.
Mit: Michael Cera, Jonah Hill, Christopher Mintz-Plasse, Bill Hader, Seth
Rogen, Martha MacIsaac, Emma Stone, Aviva Baumann, Kevin Corrigan u.a. Länge:
118 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Kurz vor ihrem Highschoolabschluss
und dem Gang aufs College wollen Seth und Evan ihre letzte Chance nutzen, bei
den heißesten Mädchen der Schule zum Schuss zu kommen. Der Schlüssel dafür und
Eintrittskarte für deren Party: Alkohol. Gemeinsam mit Weichei Fogell und
dessen gefälschten Ausweis sollte das kein Problem werden. Natürlich läuft
alles aus dem Ruder…
Meinung:
„Hast du nie gehört wie eine gesagt
hat: „Ah, gestern Abend war ich so breit, hätte ich bloß nicht mit diesem Typen
gevögelt?“…Wir könnten dieser Fehler sein!“
Mehr als dieser Fehler sein zu
können rechnen sich Evan (Michael Cera) und Seth (Jonah Hill) überhaupt nicht
aus oder streben (offen) Größeres an. Rein optisch nicht unbedingt der Traum
jeder scharfen Highschoolbraut müssen sie sich ihre Nische suchen, um doch noch
vor dem näher rückenden Schulabschluss zum Ziel zu kommen. Alkohol muss ran,
nicht nur um ihre Chancen beim schönen Geschlecht zu erhöhen, sondern um
überhaupt erst auf der angesagten Party aufschlagen zu können. Der gefälschte
Ausweis von Mehr-oder-weniger-Kumpel Fogell (Christopher Mintz-Plasse) soll
ihnen das ermöglichen.
Drei coole Typen und ein todsicherer Plan.
Wenn das so einfach wäre wie es
sich anhört, wäre der Film nach 20 Minuten vorbei. Das nerdige Außenseiter-Trio
im Hormonstau erlebt eine Odyssee, in der auch zwei wenig pflichtbewusste
Polizisten eine entscheidende Rolle spielen, bis sie endlich auf der
heißersehnten Party eintreffen. Klingt alles nach dem typischen
Teenie-Krawall-Klamauk um saufen, ficken und eine Aneinanderreihung
erniedrigender Fremdschamaktionen, was hier den postpubertären Kiffer-Geistern
von Seth Rogen (auch als einer der Cops vor der Kamera aktiv) und Kumpel Evan
Goldberg unter der Schirmherrschaft von deren Dauerproduzent Judd Apatow
entsprungen ist. Dabei ist „Superbad“ hinter seinen (zahlreichen) Peniswitzen kein
derberer „American Pie“-Ableger, der seine Figuren ausgiebig der Lächerlichkeit
preisgibt und am liebsten über sie lacht, wenn sie mal wieder mit
runtergelassener Hose erwischt werden. Im Geiste ist der Film von Greg Mottola
(„Paul – Ein Alien auf der Flucht“) viel näher an den
80er-Jahre-Comig-of-Age-Komödien eines John Hughes („Ferris macht blau“), passt
diesen natürlich inhaltlich und vom deutlich freizügigeren, brachialeren
Humorverständnis seiner Teenagergeneration an. Zoten und vulgäres Gelaber kann
man da nicht außenvorlassen, das Herz hat der Film dabei aber immer am rechten
Fleck. Trotz und gerade wegen ihrer deutlichen Fehler und Macken sind die
Protagonisten immer sympathisch und nicht nur zu albernen Schießbudenfiguren
degradiert, die genüsslich von einem Fettnäpfchen ins nächste gestoßen werden.
McLovin und seine neue Gang.
Die Jagd nach dem allmächtigen
Zaubertrank Alkohol ist eher MacGuffin (oder MacLovin?) in einer Geschichte um
echte Freundschaft und Zukunftsängste, was „Superbad“ besonders zum Ende hin in
einigen sehr ehrlichen und herzlichen Momenten thematisiert, die ihn deutlich
von der Masse der üblichen Party-Gedöns-Filmchen absetzen. Der Spaß und gesellige
Schenkelklopfernutzen soll dem nicht geopfert werden, natürlich ist das in
erste Linie eine leicht verdauliche (dabei alles andere als familientaugliche) Komödie,
die aber weitaus weniger primitiv daherkommt, als man es zunächst vermuten mag.
Viele Gags sind wirklich gut getimt, einige Dialoge und Oneliner zum Schießen („Weißt
du, wie viele Lebensmittel Schwanzform haben? Die Besten!“), bei allen
Beteiligten ist der Spaß und die Hingabe an das Projekt zu spüren. Hinter
seiner prolligen Fassade schlummert ein liebevoller und schöner Film über das
Erwachsenwerden, die Wichtigkeit von (Männer)Freundschaft und dem Punkt im
Leben, wenn die Weichen neu gestellt werden. In seinen letzten Szenen bringt
das „Superbad“ ganz wunderbar auf den Punkt und wird trotzdem kein
geheuchelt-rührseliges, künstlich-steifes Moralstück, bei dem entschärfend die
Handbremse gezogen wird. John Hughes hat es genauso gemacht…nur wesentlich
braver, eben am Puls seiner Zeit.
Ein deutliches Problem hat der
Film, das fast unvermeidliche im Dunstkreis von Rogen, Apatow & Co: Die
finden selten eine gesunde Länge. Auch „Superbad“ braucht nie und nimmer zwei
Stunden für seine Geschichte, könnte locker 20 Minuten (wenn nicht mehr)
abspecken. Der Schere würden dann natürlich auch der ein oder andere Gag zum
Opfer fallen, das scheinen die Herren einfach nie übers Herz zu bringen.
Spricht für den Glauben in das eigene Produkt, ist aber nicht unbedingt von
Vorteil für das Gesamte. Doch selbst in (Komödien)Überlänge ist „Superbad“ noch
ein gar nicht mal so unreifer Spaß, den sich auch Skeptiker solcher Filme mal
eine Chance geben sollten.
Fakten: The Lego Movie
USA. 2014. Regie: Phil Lord, Chris Miller. Buch: Kevin Hageman, Dan Hageman,
Chris Miller, Phil Lord. Orig. Stimmen von Chris Pratt, Will Ferrell, Will
Arnett, Jonah Hill, Cobie Smulders, Charlie Day, Morgan Freeman, Alison Brie,
Liam Neeson u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: freigegebe ohne Altersbeschränkung. Ab 21. August 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.
Story: Emmet ist ein Bauarbeiter in der Lego-Welt und fällt am ehesten durch seines
Ordnungssinn auf. Nach einem Irrtum wird er allerdings für einen Baumeister
gehalten und gerät somit in ein großes Abenteuer, bei dem es um die Rettung der
Lego-Welt geht.
Meinung: Phil
Lord und Chris Miller brillieren nach ihrem ersten „Wolkig mir Aussicht auf
Fleischbällchen“ erneut als Meister des perfekt-zusammengebauten
Animationsfilms mit dieser vergnüglichen und hochtrabenden Hymne auf die
Förderung der Gestaltungskunst anhand der Lego-Welt. Im narrativen Mittelpunkt
steht dabei die Nötigkeit kreativer Selbstentfaltung und Non-Konformität im
Angesicht totalitärer Kontrolle und Unterdrückung, die ironischer Weise von
einem der größten Spielzeugkonzerne aller Zeiten, zusammen mit einem der
größten Hollywood-Studios und einem Arsenal an populären Charakteren in
lizenzierter Lego-Form propagiert wird.
Emmet und Batman im wichtigsten Einsatz ihres Lebens
Der Verkaufspitch überzeugt aber auf ganzer Linie: alles kann man erschaffen,
aus allem, was einen umgibt - die Anarchie der Spielfreude und des cleveren
Zusammenbastelns in charmant-klobiger Schönheit! Das gesamte
Handlungskonstrukt, die Charaktere, deren Motivationen und individuelle Ideen
leben und streben nach diesem Motto, möglichst fern von einem fein-sortierten
Alltag der plakativen Zufrieden- und Angepasstheit. Damit wird sodann unser
Lego-Mittelstands-Held Emmet konfrontiert, welcher zunächst um die Anerkennung
seiner Mitmenschen in der extremen Angepasstheit buhlt, jedoch zum
unfreiwilliger Retter des Lego-Universums auserkoren wird, als der
monopolistisch-thronende Mogul Lord Business in seinem erbarmungslosen
Kontrollwahn plant, alles mit Sekundenkleber auf ewig festzusetzen. Nun liegt
es an Emmet und einer weitläufigen Gruppe von Meister-Erbauern, dem Bösen einen
Deckel auf den Kleber zu verpassen, doch diese sind zurecht skeptisch darüber,
was die angeblichen Fähigkeiten ihres 'Auserkorenen' betrifft - schließlich
scheint er in seinem ganzen Leben keinem einzigen, eigenen, freien Gedanken
gefolgt zu sein. Und die Ideen, die er hat, sind offenbar ebenso nur nutzlos -
oder doch nicht? Der Lego-Film findet für alles seinen passenden Platz und knobelt
aus vielen einzelnen Elementen eine stimmige, aufregende und
hysterisch-komische Gesamtfassung zusammen, die sich eben nicht nur in den
gewitzten Gimmick-Action-Szenarien, sondern auch im Gesamtkonzept an sich
entfaltet und damit junge wie auch ältere Zuschauer im individuellen Herzen
anspricht.
Dies gilt insbesondere, sobald eine eindrückliche und doch bodenständige Ebene
zu 'unserer' Welt eingeschlagen wird, die ich an dieser Stelle nicht komplett
verraten und entzaubern will, welche aber dennoch einen versöhnlichen und
emotionalen Appell an seine Charaktere und an uns richtet, die Fantasie atmen
und wirken zu lassen - denn mit ihr können wir alle 'Auserkorene', jemand
'Spezielles' sein. Das klingt hier in reiner Textform vielleicht etwas käsig,
hat aber im Rahmen des Films eine derartig intime Power, dass ein lang
währender Bro-Hug mit dem Lego-Werk nötig scheint, ohne jedoch jemals den Spaß
an der ganzen Sache zu vergessen. Denn wie viele Freunde kennt man schon, die
einen so beständig zum Lachen bringen können, voller süßem Esprit die
atemberaubendsten Einfälle und Charaktere erschaffen und dabei immer den Charme
des Handgemachten beibehalten haben? Bin ich Pro-Lego? Na Logo!
Fakten: 22 Jump Street
USA. 2014. Regie: Phil Lord, Christopher Miller. Buch: Michael Bacall,
Rodney Rothman, Stephen J. Cannell, Jonah Hill, Oren Uziel, Phil Lord, Christopher
Miller. Mit: Jonah Hill, Channing Tatum, Ice Cube, Amber Stevens, Wyatt
Russell, Jillian Bell, Peter Stormare, Nick Offerman, The Lucas Brothers, Dave
Franco, Jimmy Tatro, Caroline Aaron,
Craig Roberts, Marc Evans Jackson u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 12Jahren. Ab 4. Dezember 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Schmidt und Jenko sind wieder da. Nach dem Erfolg ihres letzten Einsatzes
bekommt das ungleiche Cop-Duo einen neuen Auftrag. Diesmal sollen sie am
College den Ursprung einer neuen Droge ausfindig machen. Kein einfacher Job,
denn die Freundschaft der beiden ungleichen Undercover-Polizisten wird auf der
Universität auf eine äußert harte Prüfung gestellt.
Meinung: Vor einigen Jahren gab
es den kurzlebigen Blockbuster-Trend bekannte Serienklassiker im frischen Gewand für die
große Leinwand neu zu adaptieren. Mit „Charlie’s Angels“, „Wild Wild West“ oder
„S.W.A.T. – Die Spezialeinheit“ gelangen damit sogar ein paar kapitale Erfolge.
Natürlich war es nicht das erste (und ganz sicher nicht das letzte) Mal, dass
eine TV-Serie als Vorlage für einen Kinofilm herhalten musste, aber es war genau
zu dieser Zeit, als die Idee aufkam die Krimiserie „21 Jump Street“ dem
Kinopublikum zu servieren. Es dauert dann allerdings doch noch etwas, bis
Undercover-Cops, die sich als Schüler tarnen, ihre Ermittlungen auf Zelluloid
aufnehmen konnten. Bis dahin befand sich das Projekt in der sogenannten development
hell. Aus dieser heraus kam das Projekt, als sich Jonah Hill dafür
interessierte. Doch dass mit Hill, dessen Leistungen in „Moneyball“ oder „The
Wolf of Wall Street“ noch blanke Zukunftsmusik waren, wohl kein klassischer
Krimi dabei herauskommen würde war klar und als dann noch Channing Tatum als
sein Buddy ins Projekt einstieg, ahnten die meisten wohl eines: ein totales
Desaster.
FUCK OFF! Diese Cops sprechen Klartext
Doch es kam anders. „21 Jump Street“ wurde nicht nur kommerziell erfolgreich,
nein, auch bei der Kritik überwiegten die positiven Meinungen. Denn der Film,
der das Realfilmdebüt des Regie-Duos Phil Lord und Chris Miller („Wolkig mit
Aussicht auf Fleischbällchen“) war, war nicht nur ein totaler Anarcho-Ulk, sondern
auch ein gewitzter Kommentar auf sein eigenes Genre - dass der Komödie -, sowie
eine sehr zielstrebige Abrechnung mit der akuten Ideenarmut Hollywoods, die
seit viel zu langer Zeit originäre Stoffe ausklammerten und sich stattdessen
auf Sequels, Prequels, Romanadaptionen von Bestsellern, Remakes sowie Reboots
konzentrierten. Das nach „21 Jump Street“ recht bald eine Fortsetzung entstehen
sollte war deswegen auch nicht sonderlich verwunderlich, denn einen Stier, der
überaschenderweise viel Milch gibt, kann man ja auch mehrmals versuchen zu melken. Außerdem:
warum sollten die Macher die Bühne eines zweiten Teils nicht nutzen, um sich
über den Sequel-Wahn lustig zu machen? Doch damit verbunden stellt sich auch
eine andere Frage: Gibt es nicht andere, clevere und kreativere Möglichkeiten,
um Filmfortführungen humoristisch zu verarbeiten als, nun ja, als
Filmfortführungen? Eine Frage, die mehr
noch ein Vorwurf ist. Ein Vorwurf, den „22 Jump Street“ nicht wirklich
entkräften kann.
Wichtig bei der Undercovereinsatz: ein unauffälliges Fortbewegungsmittel
Trotzdem funktioniert das hämische Spiel, vor allem auch deshalb, weil sich „22
Jump Street“ im komödiantischen Meta-Bereich auch mit anderen Trends der Popkultur
beschäftigt. Vor allem die sogenannte Bromance (eine leidenschaftliche
Männerfreundschaft, wie sie z.B. in „Scrubs“ oder „How I met your Mother“
tausendfach propagiert wurde) wird sich angenommen. Via Ulk wird dabei der
homosexuelle Tonus dieser Freundschaften aus dem Schatten gezerrt. Elegant ist
das Ganze nicht und wie bei so einigen Gagideen in „22 Jump Street“ wird’s recht
schnell zu durchschaubar und vor allem zu repetitiv. Daraus resultiert dann
auch eine alles überschattende Hektik, die vor allem den Showdown zu einer an
den Nerven sägenden Angelegenheit macht. Das ist dann so übertrieben und über
alle Maßen exzessiv, dass es zwischen parodistischer Referenz auf die
letztjährigen Komödienerfolge aus den Vereinigten Staaten und unbarmherzig
zähen Dadaismus umher pendelt. Es ist den Regisseuren Miller und Lord durchaus
zu zutrauen, dass dies auch ihr Plan war. Ihr letzter Film „The Lego Movie“ war
ebenso gewitzt wie chaotisch und stressig.
In den letzten Jahren versorgte uns die amerikanische Filmindustrie mit
diversen R-Rated-Comedys. Aber egal ob „Wir sind die Millers“, die „Hangover“-Trilogie
oder zuletzt „Bad Neighbors“, letztlich war das alles nur Malen-nach-Zahlen. Das
Befolgen eines standardisierten Protokolls. „21 Jump Street“ und„22 Jump Street“ arbeiten und narren auch mit dieser
Liste von Zuschauerwartungen, die abgehakt werden sollen. Alleine dieses eigene
Bewusstsein verschafft den beiden Filmen eine ganz persönliche, wohltuende
Note. Die kecke Beiläufigkeit, mit der die Erwartungen dann erfüllt oder eben
mit großem Buhei ins Feuer geworfen werden ist launig, wird aber sicherlich das
Kinopublikum spalten. Für die einen eine wohltuende Abrechnung, für andere eine
laute, grölende Dummheit. Aber egal ob man jetzt vergnügt oder genervt den
Abspann erreicht, den sollte sich jeder angucken. Wer selbst dort nicht die
parodistische Absicht hinter „22 Jump
Street“ erkennt, der hält wohl selbst „Hangover 2“ für große Komödienkunst.
Fakten: The Wolf of Wall Street
USA. 2013. Regie: Martin Scorsese. Buch: Terence Winter, Jordan Belfort (Vorlage).
Mit: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Kyle Chandler, Margot Robbie, Jon Bernthal,
Matthew McConaughey, Rob Reiner, Christine Ebersole, Ethan Suplee, Jean
Dujardin, Kenneth Choi, Jon Favreau, P.J. Byrne, Shea Whigham, Spike Jonze,
Joanna Lumley, Aya Cash, Jake Hoffman, Edward Herrmann, Mackenzie Meehan, Barry
Rothbart, Brian Sacca u.a. Länge: 179 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren.Ab 30. Mai 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Nach wahren Begebenheiten: Börsenmakler Jordan Belfort ist jung, voller
Tatendrang und Mitte der 1980er Jahre, kurz vor seinem Einstieg ins Big
Business eigentlich schon wieder weg vom Fenster. Der Black Monday, der große
Börsencrash von 1987, macht ihn arbeitslos, doch davon lässt sich Belfort nicht
abschrecken. Mit Hilfe seines Verkaufstalents, ungehemmten Eifer und illegalen
Geschäften gelingt ihm der Aufstieg an die Spitze.
Meinung: „The
Wolf of Wall Street“ ist ein extrem zweischneidiges Schwert, zum Teil
messerscharf und stumpf zugleich. Das hinterlässt einen merkwürdigen
Beigeschmack. Drei Stunden können eine gefühlte Ewigkeit sein, doch wenn ein
Regisseur sie nie als solche erscheinen lassen kann, dann Martin Scorsese. Es
ist definitiv nicht Unterhaltungswert, an dem es seinem neuesten Werk mangelt.
Eine Rekapitulation der Jahre der Gier, der Maßlosigkeit, vorgetragen als
Real-Satire, als obszöne Groteske, die erschütternder Weise wohl nicht zu sehr
die Fakten ad absurdum führt. Dekadenter Wahnsinn skrupelloser Anzug-Banditen
in einer Seifenblase aus Nutten, Koks und Dollarscheinen.
"Ich bin Arschloch und ihr findet mich toll. Geil, oder?"
Scorseses neue/alte Allzweckwaffe Leonardo DiCaprio spielt entfesselt drauflos,
energiegeladen und im angepassten Over-The-Top-Modus. In dem wohl ergiebigsten
Film-Jahr seiner Karriere trägt er das Werk mühelos und zeigt hier ein
ungewohnt komisches Talent. Ähnlich Scorsese, der lediglich bei „The King of Comedy“ und „Die Zeit nach Mitternacht“ sich diesem Gebiet annäherte. Eine
Komödie ist „The Wolf of Wall Street“ letztendlich nicht, aber dicht dran. Er
gibt dem (fast) ganz realen Irrsinn eine Bühne und übt offen Kritik an einer
perversen Maschinerie, die vor einigen Jahren (mal wieder) in sich zusammenfiel
und dennoch wieder aufersteht. Jedoch nicht mit klar erhobenen Zeigefinger. Er
lässt das Szenario und seine Figuren für sich sprechen, ohne sie zwingend
dämonisieren zu müssen. Das kann zu unangebrachten Sympathien führen, doch Scorsese
überlässt es dem Zuschauer, das Gesamtbild zu bewerten. Das reicht auch
vollkommen, viel zu klar sind die Rollen verteilt. Die Opfer werden nicht
thematisiert, die Resultate dürften eh bekannt sein. Quasi konsequent aus
„Täter-Perspektive“ präsentiert. Woran krankt es denn nun? Scorsese versteht
sein Handwerk nach wie vor. Er entwickelt sich im hohen Alter logischerweise
nicht weiter (von Stagnation zu sprechen wäre nicht angebracht), wohin auch?
Von der rein technischen Inszenierung ist das gewohnt gekonnt, erzählerisch
vergleichbar mit seinem Mafia-Epen „GoodFellas“ und „Casino“.
Belfort und sein Mentor reden über Geld und Onanie
Speziell zum Erstgenannten bestehen starke Parallelen, was sich leider als
deutliche Schwäche herausstellt. Klar, auch die beiden „Vorbilder“ waren sich
sehr ähnlich, entfalten dabei jedoch ihre individuellen Reize und hatten so
viel dramatisch-wuchtige Sprengkraft, dass sie insgesamt jeder für sich ihre
Klasse untermauerten. Das fehlt dem Schaf im Wolfspelz. Der Ablauf von
„GoodFellas“ und „The Wolf of Wall Street“ ist fast identisch, natürlich auf
eine andere Bühne projiziert. Aufstieg und Fall eines Durchstarters, der Traum
von Geld und Drogen endet jäh und auf dem Weg dahin bietet dieser Film
keinerlei Neuerungen. Fast fühlt man sich wie in einem Remake, selbst in Details.
Scorsese kopiert sich selbst, erschafft dabei leider keine neuen Höhepunkte.
Seinem Werk fehlt es bei all dem Spaß an Tiefe, an Individualität, bezogen auf
das Skript. Am Ende wirkt es fast etwas banal, kann dies jedoch lange gut
kaschieren. Dazu tragen neben dem bereits erwähnten DiCaprio die Darsteller
ihren Teil bei, wenn auch nur zwei Namen noch zwingend erwähnt werden sollte.
Matthew McConaughey in der Form seines Lebens (leider nur kurz dabei) und Jonah
Hill, dem so eine Leistung nicht unbedingt zuzutrauen war. Der Rest bleibt eher
im Hintergrund und erfüllt seinen Job, ohne besonders in irgendeine Richtung
aufzufallen.
Des Weiteren punktet „The Wolf of Wall Street“ natürlich durch seinen galligen
Humor, droht dabei jedoch manchmal leicht zu nerven. Die Überstrapazierung des
F-Wortes und ähnlicher Kraftausdrücke dient natürlich als Mittel der
Überspitzung, erfüllt einen nützlichen Zweck, schützt trotzdem nicht vor
Abnutzungserscheinungen. Weniger ist manchmal mehr und an einigen Stellen hätte
dem Wolf das sehr gut getan. Um wieder auf das einleitend angesprochene Problem
einzugehen: „The Wolf of Wall Street“ ist hervorragend gespieltes, schön
inszeniertes Unterhaltungskino, das allerdings nicht die Erwartungshaltung und
Qualität erfüllen kann, die bei Scorsese durch seine extrem beständige Form
schlicht vorausgesetzt wird. Macht Spaß und enttäuscht. Dennoch gut, mit
deutlichen Abstrichen.