Review: VIVA RIVA! - Kartenhaus aus Sex und Gewalt


Fakten:
Viva Riva!
Kongo, Südafrika, Frankreich, Belgien. 2010. Regie und Buch: Djo Tunda Wa Munga. Mit: Patsha Bay, Alex Herabo, Jordan N`Tunga, Manie Malone, Diplome Amekindra, Romain Ndomba, Hoji Fortuna, Angelique Mbumb, Tomas Bie, Marlene Longange, Nzita Tumba, Davly Ilunga u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: Ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Riva hat Unterweltboss Cesar eine ganze LKW-Ladung Benzin gestohlen und gibt das damit gewonnene Geld in vollen Zügen, bevorzugt im Nachtleben, aus. Doch Cesar ist ihm auf den Fersen und kennt weder Gnade noch Skrupel um Informationen über Riva zu bekommen. Derweil lernt dieser die schöne Nora kennen und bekommt dadurch nur noch mehr Probleme.





Meinung:
Afrika ist in Sachen Film gewiss keine jungfräuliche Nation. Der Kontinent hat eine äußerst aktive Filmindustrie, die im Mainstream-Bereich hauptsächlich durch Werke aus Südafrika (z.B. „District 9“) Aufmerksamkeit bekommt. „Viva Riva!“ aus dem Kongo hat es aber geschafft seine Heimat zu verlassen und fand sogar den Weg nach Europa. Na dann, herzlichen Glückwunsch. Nur leider ist die sexuell aufgeblähte Hatz nach dem titelgebenden Riva kein Film, bei dem es schade gewesen wäre, hätte er nicht den Weg in unsere einheimischen Videotheken gefunden.


Riva steckt in der Klemme und es wird noch schlimmer
Das Setting von „Viva Riva!“ ist interessant. Im von Krisen nicht gerade verschonten Kinshasa entwickelt sich eine recht klassische Geschichte. Böser Gangster jagt Held. So scheint es zumindest, doch hier gibt es keine wirklichen Sympathieträger. Dies ist aber eine Stärke des Films. Das Publikum wird ohne Zuckerguss und falsche Versprechungen in eine schmutzige Welt gezogen, die zum einen die gängigen Klischees für den Dritte-Welt Kontinent erfüllt, diese jedoch immer wieder umgeht, in der er sie vor dem Spiegel des Alltäglichen zerrt. Das ist reizvoll, steht aber auf verlorenem Posten, da die Handlung zwar, passend zum Setting, sehr ungeschliffen daherkommt, sie dadurch aber keinen erzählerischen Rhythmus entwickelt. „"Viva Riva!“ stottert sich mehr schlecht als recht durch sein Szenario und hinterlässt keinerlei charakterlichen oder narrativen markanten Moment. Regisseur Djo Tunda Wa Munga ist, so macht es jedenfalls dein Eindruck, die Geschichte seines Films ziemlich egal. Statt Spannung aufzubauen, lässt er seine Figuren lieber sexuelle Spannung entladen. Das passt wirklich recht gut in die raue Inszenierung, aber so oft wie Sex hier als schmutzig und gefährlich dargestellt wird, bleibt die Frage am Film haften, ob die dünne Handlung dazwischen lediglich der Kleber ist, um das nicht gerade eleganten, filmische Kartenhaus namens „Viva Riva!“ zusammenzuhalten. Nach der Sichtung des Films kommen Erinnerungen hoch an den schwachsinnigen, rassistischen wie populistischen Mumpitz-Satz von der deutschen Society Fürstin Gloria von Thun und Taxis, die einst in einem Interview folgendes, belehrend von sich gab:“[…] der Afrikaner schnaxselt gerne.“

„Viva Riva!“ ist außer seiner Herkunft und der Tatsache, dass er es in unsere Breitengrade geschafft hat, kein sonderlich eindrucksvoller Thriller. Er versucht sich durch seine Härte und diverse kurze, erotische bis sexuelle Eskapaden - die aber wohl nur die schocken oder aufrütteln werden, die sonst bei blanken Brüsten und etwas Gestöhne umschalten oder mit schamesroten Kopf wegsehen - einen harten, erwachsenen, unerschrockenen, rauen Ruf anzueignen. Das gelingt ihm durchaus, nur wirklich sehenswert ist das nicht.
3 von 10


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