Review: OUR IDIOT BROTHER - Ned und seine Schwestern


Fakten:
Our Idiot Brother
USA. 2011.Regie: Jesse Peretz. Buch: Evgenia Peretz, Jesse Peretz, David Schisgall. Mit: Paul Rudd, Emily Mortimer, Zooey Deschanel, Elizabeth Banks, Adam Scott, Steve Coogan, T.J. Miller, Rashida Jones, Hugh Dancy, Kathryn Hahn, Janet Montgomery, Peter Hermann, Matthew Mindler, Shirley Knight u.a. Länge: 91 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ned ist ein absolut freundlicher Zeitgenosse und erwartet vom Leben und seinen Mitmenschen nichts Böses. Vielleicht hat er deshalb einem Cop Marihuana verkauft und musste für einige Monate ins Gefängnis? Als er wieder draußen ist, wird er von seiner Freundin und Arbeitskollegin ver- und entlassen. Zum Glück hat Ned ja seine drei Schwestern. Bei denen kommt er unter und bringt deren Alltag ordentlich durcheinander. Doch dies scheint auch bitter nötig zu sein.





Meinung:
Mit Evan Dando gründete er die von der Musikwelt sehr verehrte Independent-Band Lemonheads, nun schreibt und inszeniert er Filme: Jesse Peretz. Doch auch wie bei der Musik, bleibt er im Filmgeschäft seinen unabhängigen Wurzeln treu. Nach dem eher enttäuschenden „Fast Track“ (dt. Titel: „Dein Ex – Mein Alptraum“) mit Jason Bateman, Amanda Peet und Zach Braff erzählt er nun, ebenfalls hochkarätige besetzt, vom naiven wie herzensguten Ned, der von seiner Familie nicht ganz ernst genommen wird, aber trotz allem zu der Minderheit der Familie gehört, die glücklich ist. Warum dies so ist und was Neds Schwestern fehlt, davon erzählt „Our Idiot Brother“ auf äußerst charmante Art und Weise.


Ned und seine drei Schwestern
„Our Idiot Brother“ ist einer von vielen. Der Stil des Films, sein Umgang mit seinen Figuren und seiner Geschichte ist klassisches, amerikanisches Independent-Kino. Regisseur Peretz der mit seiner Schwester am Drehbuch mitschrieb, erzählt keine wirklich bahnbrechende Story und entwirft auch weder sonderlich herausragende Charaktere, noch ist die Zielrichtung des Films sonderlich innovativ. Ähnlich wie bei den großen Blockbustern verläuft auch das unabhängige Kino Hollywoods (was eigentlich gar nicht so unabhängig ist) auf bekannten, sicheren Bahnen. Der Unterschied zwischen den großen und kleinen Produktionen besteht nicht nur aus Effekten, großen Namen und Promotion, sondern auch darin, dass Film wie etwa "Our Idiot Brother“ trotz ihrer deutlich erkennbaren Mechanik sympathisch und ehrlich wirken. Der dumme Bruder Ned ist einfach ein heiterer wie liebenswerter Zeitgenosse, der seinen Schwestern einiges Voraus hat. Das sehen diese natürlich anders und während sie nach und nach erkennen müssen, welche Fehler sie begangen haben, kann sich der Zuschauer daran erfreuen, das Ned (übrigens herzig gespielt von Paul Rudd) von seinen Angehörigen endlich Respekt und Anerkennung bezieht. Im Grunde ist „Our Idiot Brother“ eine leicht tragische Komödie, die damit arbeitet, dem Zuschauer das Gefühl zu geben recht zu haben. Simpel aber effektiv.


Der wirklich große Wurf ist Jesse Peretz auch mit diesem Film nicht gelungen, was nicht bedeuten soll, dass die Geschichte rund um Ned und seine drei Schwestern Zeitverschwendung wäre. Es ist nur so, dass der Film nichts besitzt, was wirklich in der Erinnerung zurück bleibt. „Our Idiot Brother“ ist einfach ein netter Film. Ja, nett und in diesem Falle ist dies nicht der kleine Bruder von scheiße, aber auch nicht der direkte Nachkomme von sehenswert. Es geht dem Film quasi genau wie seiner Hauptfigur: es ist nicht immer einfach ein netter Kerl sein.

6 von 10

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